Ich lese aktuell das Buch „Toxic Spirituality“ von Christopher Wallis. Im Kapitel zur Halbwahrheit Nr.11 „Du entscheidest, wie Du reagierst“ hat er einiges über das Thema Freiheit geschrieben, was mich dazu inspiriert meine Überlegungen zum Thema Freiheit mal wieder anzusehen und zu schauen ob ich eine Vorstellung habe, welche ich mit seinen Ausführungen verbinden kann oder ob ich einen Widerstand dazu habe. Im Ergebnis kann ich mich in den meisten seine Äußerungen direkt wiederfinden und sie erzeugen eine starke Resonanz in mir.

Die Vorstellung von einem „freien Willen“ habe ich ebenfalls vor einiger Zeit verworfen und kritisiere diese Konstruktion einen Willens, welcher „frei“ sein soll. Allerdings betone ich trotzdem das Bestehen von Freiheit, weil ich die Vorstellung von einem determinierten Universum ebenfalls ablehne. Interessant ist, dass er am Ende den absoluten Determinismus ebenfalls damit aushebelt, indem er sich auf die Quantenmechanik beruft und letztlich ebenfalls dem Bewusstsein die Eigenschaft zugesteht, keinem absoluten Determinismus zu unterliegen.

Aufgrund des spirituellen Hintergrundes des Buches wird die Ausweitung von Handlungsoptionen mit einer spirituellen Praxis der Meditation verbunden, bei welcher es darum geht das Bewusstsein in sich selbst ruhend zu erleben. Ein Zustand der nicht gut mit Worten beschreibbar ist. Ich sehe hier Parallelen zu dem, was mir auch bei Ascension begegnet ist. Statt krampfhaft zu versuchen den Verstand vom Denken abzuhalten, geht es darum zu erkennen bzw. sich zu erinnern, dass das Bewusstsein unabhängig vom Verstand besteht und ein unveränderlicher Beobachter ist. Es ist wichtig zu verstehen, dass in der non-dualen tantrischen Philosophie das beobachtende Bewusstsein und das beobachtet Bewusstsein mit sich selbst identisch sind. Es gibt nicht ein (Teil)Bewusstsein, dass einen anderen Teil beobachtet, sondern das Ganze ist im Ganzen enthalten.

Das eigentlich interessante ist für mich die Bewertung von Freiheit. Meine Kritik am Strafrecht basiert darauf, dass wenn jedes eine Handlung ausgeführt hat, es zwar darum geht es dazu zu bringen, für die Handlungsfolgen Verantwortung übernehmen zu wollen, jedoch nicht davon auszugehen sei, dass es anders hätte handeln können. Wenn es hätte anders handeln können, hätte es dies getan. Mir ist klar, dass dies eine tautologische Erklärung ist. Im Kern ist somit unsere Fähigkeit zu denken, zu fühlen und zu handeln, großen Beschränkungen unterworfen. Das Lesen des Kapitels im Buch, hat mir dies noch mal deutlicher vor Augen geführt, wie wichtig es ist, mir diese Beschränktheit klarer in Erinnerung zu rufen und dass der Raum, um andere Verhaltensweisen wahrscheinlicher zu machen, zwar vergrößert werden kann allerdings zugleich demütig zu sein, über das Ausmaß, in welchen alternatives Denken, Fühlen und Handeln wirklich im jeweiligen Moment praktiziert werden kann und wir sprichwörtlich nicht aus unserer Haut heraus können.

In den Ausführungen sehe ich somit keinen Widerspruch zu meinen Vorstellungen. Ich sehe es vor allem als eine wichtige Erinnerung, dass ich Menschen nicht an unmöglichen Autonomievorstellungen messe. Dies schließt mich selbst mit ein. Es ist ein wichtiger Gedanke für mich, dass der Glaube an Autonomie, ebenfalls zu mehr Leid in der Welt beiträgt.