Allgemein Archive - Martin Finger https://martinfinger.de/category/allgemein/ Freidenker & Utopist Mon, 06 Apr 2026 18:07:56 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 https://martinfinger.de/wp-content/uploads/2023/01/icon-150x150.png Allgemein Archive - Martin Finger https://martinfinger.de/category/allgemein/ 32 32 Gönnerschaft in der Denkinsel https://martinfinger.de/goennerschaft-in-der-denkinsel/ Mon, 06 Apr 2026 17:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1241 Am Donnerstag, den 23.04.2026, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über das Thema Gönnerschaft philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt. Es geht bei diesem Thema um die folgende Frage: Können wir anderen Menschen ein leichteres Leben gönnen als […]

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Am Donnerstag, den 23.04.2026, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über das Thema Gönnerschaft philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt. Es geht bei diesem Thema um die folgende Frage: Können wir anderen Menschen ein leichteres Leben gönnen als es uns selbst vergönnt war?

Eltern setzten sich oft das Ziel, dass ihre Kinder es einmal „besser“ haben sollen. Was bedeutet dieses „besser“ überhaupt? Geht es dabei um materiellen Wohlstand oder um ein entspanntes und freudvolles Leben? Wie viel oder wie wenig Arbeit darf in einem solchen Leben geleistet werden? Selbst wenn wir unseren Kindern ein schöneres Leben zugestehen können, als es uns vielleicht selbst vergönnt war. Können wir ein Leben in Ruhe und Kontemplation allen Menschen gönnen? Ein Leben mit weniger Erwerbsarbeit, welches im Einklang mit den planetaren Grenzen erfolgt? Wollten wir jedem Menschen eine Teilhabe gewähren, egal ob er tätig ist und ob wir seine Arbeit als sinnvoll oder wichtig bewerten?

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Gespräch beim Podcast Unterstrom https://martinfinger.de/gespraech-beim-podcast-unterstrom/ Thu, 08 Jan 2026 14:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1218 Dieses Mal bin ich beim Podcast Unterstrom zu Gast. Wir sprechen 100 Minuten über meine Utopie einer Gesellschaft ohne staatlichen Zwang. Wir haben über das Grundeinkommen und das Gleichgewichtsgeld Credere ebenso gesprochen wie über Gewalt und heutige Narrative zu Geld und Wirtschaft.

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Dieses Mal bin ich beim Podcast Unterstrom zu Gast. Wir sprechen 100 Minuten über meine Utopie einer Gesellschaft ohne staatlichen Zwang. Wir haben über das Grundeinkommen und das Gleichgewichtsgeld Credere ebenso gesprochen wie über Gewalt und heutige Narrative zu Geld und Wirtschaft.

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Männertränen https://martinfinger.de/maennertraenen/ Thu, 11 Sep 2025 07:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1192 Mein Erleben mit Worten auszudrücken, wenn es ums Fühlen geht, bewerte ich als unglaublich schwierig. Ich habe eine intensive Woche hinter mir, einmal mit dem Forschungsraum „Dorf der Zukunft“ sowie mit dem anschließenden Vernetzungswochenende von „Wir im Wandel“. Eine besondere Rolle dabei spielten für mich die Tränen, sowohl von Männern als auch von Frauen. Für […]

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Mein Erleben mit Worten auszudrücken, wenn es ums Fühlen geht, bewerte ich als unglaublich schwierig. Ich habe eine intensive Woche hinter mir, einmal mit dem Forschungsraum „Dorf der Zukunft“ sowie mit dem anschließenden Vernetzungswochenende von „Wir im Wandel“. Eine besondere Rolle dabei spielten für mich die Tränen, sowohl von Männern als auch von Frauen. Für mich sind Tränen ein Ausdruck tiefer Bewegtheit, egal ob die emotionale Energie mit Freude, Schmerz, Trauer oder Wut verbunden ist.

Ich kenne bereits seit vielen Jahren die Erzählung von Marshall Rosenberg, als er die Erfahrung machte, wie seine Tränen der Bewegtheit von Frauen aufgenommen wurden. Trotzdem ist es ein Unterschied, diese Sehnsucht nach emotional verfügbaren Männern selbst zu erleben. Ich freue mich darüber, dass es mir gelungen ist diese Seite von mir zu zeigen und zu teilen, selbst wenn ich viele der Menschen erst wenige Tage kannte. In verschiedenen Rückmeldungen konnte ich erfahren, wie wichtig und heilsam dieses Zeigen für andere Menschen ist.

Gerne würde ich diese Bewegtheit hier mit Worten schildern können. Auf der Ebene von Worten ist dies jedoch viel schwieriger zu vermitteln, daher möchte ich Dir stattdessen dieses 90-Sekunden-Video von „The Liberators“ ans Herz legen, um einen Eindruck davon zu bekommen, was selbst zwischen fremden Menschen passieren kann.

Aufgrund meiner Lebensgeschichte ist dieses Erleben für mich von besonderer Bedeutung. Als ich in meiner Jugend gezwungen war, mich von meiner emotionalen Seite zu trennen, um zu überleben, konnte ich nicht wissen, dass ich damit auch meine Fähigkeit aufgab, mit Menschen in Verbindung zu gehen. Erst viele Jahre später habe ich die Zusammenhänge verstanden. Ich habe an mir gearbeitet, um den unterdrückten Schmerz zu fühlen und die als Traumata gespeicherten emotionalen Ladungen Stück für Stück zu fühlen und aufzulösen und auf diesem Weg auch zu transformieren. Indem ich mich mit meiner Quelle von Lebendigkeit in mir wieder verbinde, kann ich andere Menschen unterstützen, sich auf das Selbstfühlen einzulassen.

Ich möchte, dass wir öfter das Wasser des Lebens miteinander teilen. Aus meiner Sicht ist viel kollektiver Schmerz mit den Themen Männlichkeit und Weiblichkeit verbunden, weil wir viele Traumatisierungen in diesen Bereichen erfahren haben. Ich bin überzeugt, dass unsere Tränen, wenn diese in offenen, herzlichen Begegnungen miteinander erlebt und geteilt werden, uns dabei helfen können, alten Schmerz aus unseren seelischen Wunden heraus zu spülen. So werden unsere Tränen zugleich zum Balsam, um unsere seelischen Wunden gemeinsam zu heilen. Mit jeder Heilung stärken wir unsere Fähigkeit, miteinander empathisch umzugehen und neue Traumata zu vermeiden.

Diese Begegnungsräume bedeuteten für mich auch Stress. Rauszugehen und unbekannten Menschen zu begegnen und mich auf unbekannte Erfahrungen einzulassen ist für mich immer wieder eine Herausforderung. Ich freue mich darüber, mich dieser Herausforderung gestellt zu haben und bin gespannt darauf, was aus den vielen Begegnungen weiter entstehen wird. Gerne möchte ich auf meine Weise dazu beitragen, dass es mehr solcher Begegnungsräume geben wird.

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Wir können uns mehr Erwerbsarbeit nicht leisten. https://martinfinger.de/wir-koennen-uns-mehr-erwerbsarbeit-nicht-leisten/ Sun, 01 Jun 2025 13:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1156 Die politische Distanz zur Realität kann wohl kaum größer sein, wenn Politiker fordern, dass die Menschen noch mehr Erwerbsarbeit leisten sollen, als sie es ohnehin schon machen. Für mich müsste die Richtung genau entgegengesetzt sein. Es geht dabei auch nicht um eine 4-Tage-Woche, in welcher die Arbeit von fünf Tagen in vier erbracht wird oder […]

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Die politische Distanz zur Realität kann wohl kaum größer sein, wenn Politiker fordern, dass die Menschen noch mehr Erwerbsarbeit leisten sollen, als sie es ohnehin schon machen. Für mich müsste die Richtung genau entgegengesetzt sein.

Es geht dabei auch nicht um eine 4-Tage-Woche, in welcher die Arbeit von fünf Tagen in vier erbracht wird oder gar die Beschränkungen der täglichen Arbeitszeit aufzuheben, um Wochenarbeitszeiten von 40 Stunden in zwei Tagen herunterzureißen.

Wollen wir ernsthaft einen Schritt in eine Zukunft gehen, in welcher wir uns die Chance offen halten wollen, das etwas von dem, was wir gegenwärtig als menschliche Zivilisation bezeichnen, erhalten bleiben soll, dann wäre – aus meiner Sicht – dieser Slogan zielführender:

Wir können uns Erwerbsarbeit in diesem Ausmaß nicht länger leisten.

Eine erste Orientierungsmarke wäre eine Halbierung der bestehenden Erwerbsarbeitszeiten. Wenn es nur darum geht das BIP zu erhöhen, dann können wir ebenso jedes Jahr die Umsatzsteuer, Löhne und Preise verdoppeln ohne unsere Lebensgrundlagen zu vernichten. Es gibt genug Gründe, dass wir uns mehr Zeit füreinander nehmen. Stichwort: Einsamkeitsepidemie. Entscheiden wir uns also mehr Zeit zu haben, um miteinander das Leben zu genießen. Möchten wir eine faire Weltwirtschaft? Dann können wir dazu beitragen, indem wir auch Menschen in anderen Ländern erlauben für uns Güter zu produzieren, statt unsere Lebenszeit mit Bullshit Jobs zu vergeuden. Ich denke wir haben besseres zu tun, um unserem Leben Sinn zu geben.

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Reziproke Freiheit in der Denkinsel https://martinfinger.de/reziproke-freiheit-in-der-denkinsel/ Sun, 13 Apr 2025 18:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1126 Am Donnerstag, den 24.04.2024, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über mein Konzept der „Reziproken Freiheit“ philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt. Bei meinem Konzept der „Reziproken Freiheit“ geht es um einen universellen Freiheitsbegriff, welcher verdeutlicht, dass unsere […]

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Am Donnerstag, den 24.04.2024, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über mein Konzept der „Reziproken Freiheit“ philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt.

Bei meinem Konzept der „Reziproken Freiheit“ geht es um einen universellen Freiheitsbegriff, welcher verdeutlicht, dass unsere Freiheit etwas ist, was nicht einer einzelnen Person zugesprochen oder entzogen werden kann, sondern unsere Freiheit ist ein Ergebnis unserer Beziehungen miteinander. Da der Freiheitsbegriff selbst inhaltlich leer ist, besteht immer die Gefahr, dass er ohne weitere Bezüge zu konkreten Werten dazu verwendet werden kann, beliebige Handlungen zu legitimieren, welche Gewalt oder gar die Einschränkung von Freiheit beinhalten. Um das Risiko des Missbrauchs für mein Konzept der „Reziproken Freiheit“ zu reduzieren, verbinde ich darin die Freiheit mit dem Wert der Selbstbestimmung.

Weitere Details zu meinen Überlegungen können in meinem Buch „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ in Kapitel II „Freiheit“ nachgelesen werden.

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Bundestagswahl 2025 und die Wahlrechtsänderung 2023 – Repräsentationsverschiebung mit System? https://martinfinger.de/bundestagswahl-2025-und-die-wahlrechtsaenderung-2023-repraesentationsverschiebung-mit-system/ Wed, 05 Mar 2025 11:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1096 Mit der erneuten Änderung des Wahlrechts wurde das Ziel verfolgt, dass es weniger Abgeordnete im Bundestag geben soll. Dieses Ziel wurde offensichtlich auch erreicht. Was für mich dabei relevant ist, ob durch die Wahlrechtsveränderung der Wille der Bürger direkter abgebildet wird oder ob das System in eine Richtung verändert wurde, in welchem der Wählerwille noch […]

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Mit der erneuten Änderung des Wahlrechts wurde das Ziel verfolgt, dass es weniger Abgeordnete im Bundestag geben soll. Dieses Ziel wurde offensichtlich auch erreicht. Was für mich dabei relevant ist, ob durch die Wahlrechtsveränderung der Wille der Bürger direkter abgebildet wird oder ob das System in eine Richtung verändert wurde, in welchem der Wählerwille noch weiter verzerrt wird zugunsten der Parteien, welche bereits an der Macht sind.

Zunächst wurde die Sollgröße des Bundestages von 598 auf 630 zu Gunsten der Listenmandate und zu Ungunsten der Direktmandate erhöht. Statt wie zuvor, dass es 299 Direktkandidaten und 299 Listenplätze geben sollte, wurde die Anzahl der Listenplätze auf 331 erhöht während die Anzahl der Direktmandate unverändert gelassen wurde. Damit wurde den Parteien grundsätzlich mehr Einfluss zugestanden. Auch wenn sie diesen Einfluss durch den Erhalt von Ausgleichsmandaten bei den letzten Bundestagswahlen bereits de facto erhalten haben, so war dieser Umstand bisher nicht rechtlich fixiert.

Zusätzlich wurden die Direktmandate mit einer Unsicherheit versehen, so dass ein direkt gewählter Kandidat nicht mehr seinen Platz im Bundestag sicher erhält. Er ist nun davon abhängig, dass seine Partei im jeweiligen Bundesland eine ausreichende Anzahl an Zweitstimmen erhält. Das Wahlverhalten, seine Erst- und Zweitstimme unterschiedlichen Parteien zu geben, wird somit bestraft. Bei der Bundestagswahl 2025 sind insgesamt 23 der 299 Direktkandidaten betroffen, welche nicht als Direktkandidat im Bundestag sitzen werden. So liegt der Unterschied zwischen Direktkandidaten und Listenkandidaten nicht nur bei den vorgesehen 32 Plätzen zu Gunsten der Parteilisten, sondern die Parteien können nun 78 Plätze mehr vergeben, als es direkt gewählte Mandatsträger im Bundestag geben wird. Wenn die Direktmandate als Teile einer direkten demokratischen Mitbestimmung angesehen wurden, dann wurde dieser Teil mit der Wahlrechtsänderung 2023 nun deutlich reduziert.

Für mich stellt die Änderung des Wahlrechts einen klaren Versuch dar, die Machtpositionen der Parteien zu stärken und den Wählerwillen noch stärker zu unterlaufen. Bei der Verteilung, welche Parteien vom Wegfall der Direktmandate betroffen sind, entfällt nur ein Mandat auf eine der drei damaligen Regierungsparteien, welche die Wahlrechtsänderung beschlossen haben und 22 entfallen auf die damaligen Oppositionsparteien. Mehr Details zu diesem Thema erzähle ich in meinem Video (23 Minuten) und mache auch Vorschläge, wie das Wahlsystem anders gestaltet werden könnte.

Transkript zum Video

Martin: Willkommen heute zu einem weiteren Video. Heute beschäftige ich mich mit der Bundestagswahl 2025 und der Wahlrechtsreform, die 2023 durchgeführt wurde und dieses Mal das erste Mal angewendet wurde. Mir geht es vor allen Dingen darum anzuschauen, inwieweit die Wahlrechtsreform dazu geführt hat, dass der Wählerwille letztlich noch weniger direkt abgebildet wird und stattdessen die Parteien noch mehr Einfluss bekommen haben, um letztlich die Zusammensetzung des Bundestages zu bestimmen oder darauf Einfluss zu nehmen, im Gegensatz zum Wähler.

Zunächst geht es darum, erstmal nachzuvollziehen, was genau hat die Wahlrechtsreform jetzt verändert und was ist meine Perspektive auf die Änderungen, die dort vorgenommen wurden. Eine Änderung betrifft letztlich die Bedeutung der Erststimme, denn zuvor sollte die Sollgröße des Bundestages 299 Direktmandate und 299 Listenmandate aus den Parteilisten umfassen. Das wurde jetzt zugunsten der Parteilisten verändert, das heißt die Direktmandate sind nur weiterhin 299, während die Parteien Zugang haben zu 331 Mandaten, die sie über ihre Listen befüllen können. Nachdem aufgrund der bisherigen Ausgleichsmandate, die aufgrund von Überhangmandaten gewährt wurden, letztlich die Listenplätze sowieso deutlich über den 299 lagen, ist das zwar eine Fortschreibung des de facto Problems, dass letztlich die Parteien über ihre Listen mehr Einfluss bekommen als die Wähler über die Direktmandate. Nichtsdestotrotz ist es halt ein Unterschied, ob die Sollgröße zumindest noch paritätisch gedacht ist, zwischen Direktkandidaten und Listenkandidaten, oder ob ebend hier nun tatsächlich das Gewicht mehr auf die Parteien verlegt wird und damit auch die Zweitstimme mehr Bedeutung bekommt, als sie zuvor schon hatte.

Weil, nochmal zur Erinnerung, mit der Erststimme konnte ich nur Einfluss nehmen auf einen von 299 Direktkandidaten, während mit der Zweitstimme festgelegt habe, dass eine Partei, ausgehend von ihren Listen, letztlich Kandidaten in den Bundestag entsenden kann. Also mit der Erststimme habe ich 1/299 beeinflusst und zumindest von der Sollgröße her ist die Zweitstimme jetzt dazu da, um sozusagen die Farbe für einen Teil der 331 Plätze festzulegen.

In dem Zuge wurde eben das Konzept der Überhangmandate abgeschafft. Um nochmal zu verstehen, was Überhangmandate sind, durch diese Zweiteilung von Erst- und Zweitstimme konnte im Endeffekt eine Partei mehr Direktkandidaten bekommen, als sie anteilig entsprechend der Zweitstimme haben sollte. Und dadurch passiert es, dass letztlich gegenüber den Anteilen der Zweitstimmen die Parteigewichte in dem Sinne verschoben wurden. Und da man der Ansicht war, dass letztlich die Zweitstimmen festlegen sollten, wie viel Gewicht eine Partei im Bundestag hat, mussten im Endeffekt Überhangmandate eben durch weitere Ausgleichsmandate wieder ausgeglichen werden, damit das Zweitstimmenverhältnis erhalten bleibt.

Durch die Abschaffung der Überhangmandate ist es nun auch so, dass Direktmandate keinen sicheren Platz mehr im Bundestag bedeuten. Das heißt, selbst wenn ich auf einen von 299 Sitzen Einfluss genommen habe oder Einfluss nehmen wollte, bedeutet es nicht mehr, dass ich im Endeffekt einen bestimmten Kandidaten in den Bundestag bekommen habe, weil sein Platz ist nicht mehr sicher, dass er den bekommt.

Die letzte Änderung, die vorgesehen war, die allerdings vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde, war die Streichung der sogenannten Grundmandatsklauseln. Da ging es darum, dass die 5%-Hürde umgangen werden konnte, wenn eben drei Direktmandate gewonnen wurden. In der aktuellen Wahl ist das jetzt erstmal beibehalten worden, das heißt, man konnte auch wiederum durch drei Direktmandate trotzdem dann in Fraktionsstärke einziehen.

Fangen wir damit an, wie jetzt die Veränderungen bei den Erststimmen aussehen gegenüber der Bundestagswahl 2021 zur jetzigen Bundestagswahl 2025. Das eine ist erstmal die Bevölkerung, die in Deutschland aktuell ausgewiesen wird, wo auch 2022 jetzt einige Korrekturen sind und ich leider für 2025 keine aktuelle Bevölkerungszahl habe. Auf jeden Fall liegen wir so um die 83 Millionen. Und auch wenn die Bevölkerung leicht zugenommen hat, hat die Anzahl der Wahlberechtigungen doch nochmal deutlich stärker abgenommen. Insgesamt sind über 600.000 weniger Wahlberechtigte 2025 da gewesen als halt 2021.

Interessant ist zwar die gestiegene Wahlbeteiligung, die abgegebenen gültigen Erststimmen. Gut, die Wahlbeteiligung zieht auch die ungültigen Erststimmen ein, aber mir geht es eher darum, die gültigen Stimmen zu berücksichtigen. Und hier ist es so, dass letztlich die abgegebenen Erststimmen von 46 Millionen auf 49 Millionen gestiegen sind. Allerdings eben durch die Änderung ist es jetzt so, dass von den 299 Direktmandaten nur 276 tatsächlich vergeben wurden. Das ist zwar dann immer noch, dass letztlich die Stimmen der Direktkandidaten, die in den Bundestag kommen, sind etwas höher. Statt 15,4 Millionen sind die Stimmen der Direktkandidaten letztlich bei 16,7 Millionen. Allerdings die 23 Plätze von Direktkandidaten, die nicht in den Bundestag, zumindest nicht über das Direktmandat kommen, liegt bei 1,1 Millionen. Das heißt, obwohl die Kandidaten gewonnen haben und obwohl die Menschen ihre Stimme abgegeben haben, wird diese Stimmen, letztlich spielen die keine Rolle mehr. Und das ist nämlich auch eine meiner Kritikpunkte, dass die Wahlbeteiligung keinen wirklichen Blick darauf wirft, wie viele Stimmen denn jetzt tatsächlich einen Einfluss auf die Zusammensetzung des Bundestags erhalten haben.

Deswegen unten der letzte Punkt von mir ist der relevante Stimmenanteil. Das heißt, wie viele Prozent der abgegebenen Stimmen bezogen auf die Wahlberechtigten sind denn jetzt mit einem Mandat im Bundestag über die Direktmandate vertreten? Das heißt, 2021 betrug der Stimmenanteil 25,2 Prozent, die im Endeffekt die Direktkandidaten im Verhältnis zu den Wahlberechtigten ausmachten. Und 2025 liegt der Stimmenanteil jetzt aufgrund der höheren Wahlbeteiligung bei 27,6 Prozent. Der relevante Stimmenanteil ist zwar leicht gestiegen, trotzdem sind nicht alle zusätzlichen Erststimmen, die abgegeben wurden, ausschlaggebend gewesen, weil ja eben die Direktmandate insgesamt verringert wurden.

Und die zweite Zahl, die ich dort hingeschrieben habe, ist nochmal die Zahl nicht nur bezogen auf die Wahlberechtigten, sondern wenn man sich alle Menschen, die in Deutschland laut Statistik leben, anschaut, dann beträgt die Anzahl der Personen, die tatsächlich vertreten wird, sogar nur 18,3 Prozent, beziehungsweise 2025 sind es ziemlich genau 20 Prozent der Bevölkerung bezogen auf die Stimmen der Direktkandidaten.

Betrachten wir nun die Veränderungen bei den Zweitstimmen. Bevölkerung und Wahlberechtigtenzahlen sind natürlich identisch. Auch die Zweitstimmen sind in ähnlicher Größenordnung wie die Erststimmen abgegeben worden. Es sind insgesamt eben auch aufgrund der gestiegenen Wahlbeteiligung über drei Millionen mehr Stimmen abgegeben worden, die in die Wahl eingeflossen sind. Was zumindest mit der Wahlrechtsreform gelungen ist, dass es weniger Listenmandate gibt, also dass der Bundestag insgesamt tatsächlich kleiner ist. Aber klar, es ist ja auch zwingend festgelegt worden, dass er die 630 nicht überschreiten darf. Nichtsdestotrotz gibt es eine deutliche Verschiebung gegenüber dem ursprünglichen 2021 gültigen Soll, wo es ja paritätisch zwischen Direktmandaten und Listenmandaten hätte ausgehen sollen, was es natürlich nicht hat aufgrund der Ausgleichsmandate. Hier ist jetzt allerdings erkennbar, dass die Listenmandate sich deutlich reduziert haben von 436 auf 354.

Andererseits ist, dass die Listenmandate trotzdem wiederum höher ausfallen, als sie ursprünglich in der Sollplanung vorgesehen wären. Normal hätte ja die 299 Direktkandidaten zu 331 Listenplätzen im Verhältnis stehen sollen. Stattdessen, weil 23 Direktkandidaten nicht in den Bundestag kommen, jedenfalls nicht über die Direktmandate, ist es so, dass dann 354 Mandate über die Listen der Parteien besetzt werden können. Und damit ist die Differenz zwischen Direktkandidaten und Listenkandidaten nicht nur bei 32 Plätzen, sondern liegt dann bei 78 Plätzen. Das heißt, die Parteien bekommen einen deutlichen Übergewicht darüber, über die Mitglieder im Bundestag entscheiden zu dürfen. Vorher hatten sie das de facto natürlich auch schon, weil sie ja so viele Ausgleichsmandate erhalten haben. Allerdings ist es jetzt rechtlich abgesichert, dass die Parteien dieses Übergewicht auch behalten sollen. Das heißt, der Wählerwille, der sich in den Direktkandidaten ausdrückt, wird sozusagen nochmals unterlaufen. Und das ist für mich im Endeffekt die gravierendste Änderung in der Wahlrechtsreform, dass dafür gesorgt wurde, dass diese direkte Beeinflussung, welche Personen im Bundestag mitwirken, nochmal stärker von den Wählern abgetrennt wurde und sie dort wieder weniger direkten Einfluss erhalten.

Interessant ist dann auch nochmal zu sehen, dass von den 23 Direktkandidaten, die nicht über diese Direktmandate hineinkommen, dass davon 22 Sitze auf die Oppositionsparteien zur damaligen Wahlrechtsreform entfallen und nur ein Sitz tatsächlich auf eine der drei Regierungsparteien. Und obwohl die Wahlbeteiligung eben um über drei Millionen Stimmen gestiegen ist, ist, wenn ich jetzt davon ausgehe, dass es tatsächlich zu der Regierungskoalition CDU, CSU und SPD kommt, ist es so, dass hinter den Regierungsparteien, die letztlich den Ton angeben im Bundestag und letztlich auch darüber entscheiden, welche Gesetze in welcher Form verabschiedet werden, weil die Oppositionsparteien, wenn man ehrlich ist, haben die keine große Relevanz, was die gesetzliche Gestaltung angeht. Und da sinkt dann, trotz der gestiegenen Wahlbeteiligung, die repräsentierten Stimmen. Weil die Zweitstimmen der Regierungsparteien hatten 2021 24 Millionen Wähler repräsentiert, während 2025, wenn es wie gesagt zu dieser Koalition zwischen CDU, CSU und SPD kommt, was ja auch nur möglich ist, da eine Partei sehr knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist und somit dann nur 22,3 Millionen Stimmen in der Regierungskoalition stecken werden.

Und bezogen wieder einmal auf die Wahlberechtigten steht hinter der Regierung 2021 39,2 Prozent der Wahlberechtigten Stimmen, während 2025 werden es dann nur noch 36,9 Prozent der Wahlberechtigten Stimmen sein. Und gehen wir wieder einen Schritt weiter und gucken uns das bezogen auf die Gesamtbevölkerung an. Dann hatten wir 2021, zumindest gegenüber, wenn es wirklich gelten würde, jeder Mensch eine Stimme, wäre es so, dass wir 28,8 Prozent der Bevölkerung repräsentiert hätten, wenn einem diese Repräsentation an der Stelle so genügt. Und 2025 würde der Anteil der repräsentierten Stimmen dann nur noch 26,7 Prozent betragen. Das heißt, das ist die Grundlage, auf der im Endeffekt Regierungsarbeit stattfindet. Das heißt, gerade mal etwas mehr als ein Viertel der Stimmen hat überhaupt zugestimmt, dass diese Parteien uns entsprechend bevormunden dürfen.

Letztlich ist es also nur etwas mehr als ein Viertel der Menschen, die den Regierungsparteien erlaubt haben, dass sie über alle 83 Millionen Menschen in Deutschland Entscheidungen treffen dürfen. Was ja etwas ist, was ich persönlich ablehne, dass in dieser Form Zwang und Gewalt auf Menschen ausgeübt werden darf. Soweit aktuell das Ergebnis für 2025. Mal sehen, ob es tatsächlich zu einer Koalition kommt und auch bei den Parteien, die ich annehme. Oder ob sich dort ganz andere Bündnisse noch formen werden und dadurch vielleicht die Regierungsparteien zumindest etwas mehr Stimmen vertreten.

Insgesamt halte ich ein Repräsentationssystem für nicht dafür geeignet, um wirklich den Willen der Bevölkerung aufzugreifen. Weil eben nach der Wahl ist kaum ein Einfluss darauf möglich, was die Regierungsparteien tatsächlich verabschieden werden. Welche Gesetze sie machen, welche Vorschriften sie erlassen und welche Vorschriften sie halt auch nicht erlassen zum Schutz irgendwelcher zukünftiger Generationen.

Aber gehen wir noch einen Schritt weiter und statt nur zu kritisieren, auch zu sagen, okay, wie könnte man es denn anders machen? Dazu hier also ein paar Überlegungen, je nachdem, wie weit wir bereit sind zu sagen, was können wir ändern, was wollen wir machen und welche Form von Herrschaft und Fremdbestimmung wir in unserem Leben haben wollen. Gehen wir also mal davon aus, dass es erstmal bei dieser bestehenden Fremdbestimmung durch parlamentarische repräsentative Vertretung bleiben soll, dann wäre zumindest mal die Möglichkeit zu sagen, es werden alle Abgeordneten direkt gewählt und die Zweitstimme wird einfach abgeschafft. Die Frage ist, wozu soll es überhaupt solche verschiedenen Stimmen geben, wenn ja gerade auch durch die jetzige Wahlrechtsreform die Tendenz, die bisher verwendet wurde, dass Menschen die Erststimme für eine Person abgegeben haben und dann die Zweitstimme gegebenenfalls für eine Partei, die nicht der Person entspricht, wo sie das Direktmandat zuordnen wollten, das wurde mit der jetzigen Wahlrechtsreform eigentlich ziemlich unterlaufen. Das heißt, wenn weiterhin dieses Stimmensplitting zwischen Kandidat und Partei erfolgen würde, dann gehe ich damit das Risiko ein, dass ich damit meine Erststimme im Endeffekt wertlos mache, weil mein Direktkandidat gar nicht in den Bundestag einzieht, weil die Partei insgesamt in diesem Bundesland zu wenig Zweitstimmen erhalten hat. Daher wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, wenn ja ohnehin das Ziel ist, dass das alles nur an eine Partei oder eine Person gehen soll, dass man sich dann auch entscheidet, dass man auch nur eine Stimme hat.

Entsprechend wäre der eine Gedanke, wenn es mehr auf die Personen ankommen soll und man sagt, okay, wir wollen einzelne Personen tatsächlich wählen und kein Losverfahren zum Beispiel einführen, dann, dass alle Abgeordneten direkt gewählt werden und dann kann man einfach sagen: Wie viele Abgeordnete wollen wir im Bundestag haben? Wenn wir halt einen Bundestag haben wollen, der mehr als diese 299 umfasst, dann müsste einfach hergegangen werden und man könnte genau die Wahlkreise entsprechend neu ziehen und sagen, es gibt dann in einer Größenordnung von 500 Abgeordneten und dann gibt es 500 Wahlkreise, in denen jeweils ein Kandidat am Ende gewinnt, der dann in den Bundestag einziehen darf.

Da ist auch noch eine Sache, was die Wahlkreise angeht, auch wenn die Erststimme dazu genutzt wird, um festzulegen, welcher Kandidat einen von 299 Sitzen erhält, auch wenn diese Zuordnung jetzt nicht mehr sicher ist, so ist es doch da auch dabei zu schauen, wie unterschiedlich die Wahlkreise sind. In 2025, der kleinste Wahlkreis hatte etwa 152.000 Stimmen, während die größten Wahlkreise 252.000 Stimmen hatten. Das heißt, auch wenn der Durchschnitt und der Median relativ dicht bei 201.000 beziehungsweise 202.000 Wahlberechtigten liegen, so ist es doch ein ziemlich großer Unterschied, ob ich um 150.000 oder um 250.000 Stimmen kämpfen muss. Und das Interessante ist auch, dass diejenigen, die ihre Direktmandate nicht bekommen haben, da hat es nicht mit der absoluten Stimmzahl zu tun, sondern es hat mit dem prozentualen Anteil der Erststimmen zu tun. Mal angenommen, ich habe in einem Wahlkreis von 150.000 Wahlberechtigten tatsächlich 75.000 Stimmen geholt, was 50% entspricht, und jemand anders, der in einem Wahlkreis mit 250.000 Wahlberechtigten angetreten ist, und obwohl der dann meinetwegen 80.000 Stimmen erhalten hat, wird er trotzdem leer ausgehen, weil trotz der höheren Stimmenzahl, die ihn gerne im Bundestag gesehen hätten, hat er aber prozentual in seinem Wahlkreis zu wenig Stimmen geholt. Das heißt, das Ausscheiden der Direktmandate erfolgt nicht anhand der absoluten Stimmzahl, sondern nur anhand der relativen Stimmenzahl im Vergleich zu allen anderen, die in diesem jeweiligen Bundesland Direktmandate bezogen haben, von der gleichen Partei.

Eine andere Möglichkeit, wie es anders laufen könnte, wäre, dass man einfach, wenn man schon diese beiden Stimmen beibehalten möchte, dass man die Erst- und Zweitstimmen einfach nicht mehr vermischt. Diejenigen, die die Erststimmen bekommen und die Direktmandate haben, das sind halt einfach die 299 Sitze dann im Zweifelsfall. Die werden so belegt, wie sie belegt werden durch den Wählerwillen. Und die Zweitstimme entscheidet halt nur über dann, ob man das dann bei den 331 Sitzen lässt oder ob man da auch wieder auf 299 zurückgeht. Aber letztlich einfach zu sagen, die Zweitstimme entscheidet über die Anteile an den anderen 299 Sitzen und nicht an der Gesamtrepräsentation des Bundestages. Weil warum sollte das zulässig sein? Weil aus meiner Sicht ist es vollkommen unsinnig, zwei Wahlprinzipien einzuführen und dann zu sagen, dass die Zweitstimme aber der dominante Teil wird und bestimmt, welche Auswirkungen die Erststimme haben darf. Weil wenn ich zwei Konzepte mache, dann sollte ich auch diese zwei Konzepte parallel nebeneinander stehen lassen und sie nicht weiter vermengen.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch Möglichkeiten, das ganze Wahlsystem in einem viel größeren Umfang umzustellen. Das heißt, statt heute, wo letztlich nur Regierungskoalitions-, also Regierungsparteien tatsächlich die Macht bekommen, Gesetze zu erlassen, würde im Endeffekt diese ganze Repräsentation von Parteien im Bundestag aufgehoben werden. Am besten ist es sogar, wir würden dann auch den Bundeskanzler direkt wählen. Da können sich dann verschiedene Personen eben anbieten und im Zweifelsfall, ob man da jetzt dann eine absolute Mehrheit braucht oder ob man dann einfach auch eine relative Mehrheit ansetzt, ist aus meiner Sicht erstmal ziemlich egal. Dieser Bundeskanzler kann dann letztlich weiterhin sein Kabinett zusammenstellen, aber er ist nicht mehr befähigt oder notwendig, irgendwelche Mehrheiten im Bundestag zu haben. Und wenn man dann auch diese ganze Repräsentation von Parteien und diese ganze Behauptung, dass die Abgeordneten letztlich nur ihrem Gewissen verantwortlich sein sollten, könnte man dann dahingehend ernst nehmen, dass sie überhaupt keine Bindung mehr an die Partei haben, sondern es sitzen einfach Menschen dort im Bundestag.

Jedes Mal, wenn die Regierung oder irgendeine Gruppe im Bundestag Interesse hat, ein bestimmtes Gesetz einzubringen, das heißt, die Gesetzesinitiative kann dann sowohl vom Bundeskanzler und den Ministern ausgehen, als auch irgendwelchen Gruppen im Bundestag. Und dann geht es einfach darum zu gucken, mit wem passt gerade das Thema zusammen und mit wem ist man bereit, zusammenzuarbeiten. Eben nicht mehr diese Lagerbildung, sondern dass man endlich wieder miteinander auch Gespräche führt. Und dann ist die Frage, was man letztlich an Mehrheiten braucht. Ob es dann weiterhin ausreicht, dass man nur letztlich bezogen auf die Anzahl der Abgeordneten eine einfache Mehrheit braucht, was letztlich aufgrund dem, was ich vorher schon geschildert habe, dass letztlich es nicht die Möglichkeit gibt, dass nicht für einen gesprochen wird. Sondern es gibt nur die Befähigung, entweder man wird repräsentiert, dann darf man auch nichts sagen, oder man wird nicht repräsentiert und darf sowieso nichts sagen. Also das Nicht-Mitwirken ist nicht vorgesehen. Das heißt, man kann einfach nicht Nein zu diesem ganzen Konzept sagen.

Das wäre dann interessant letztlich für meinen vierten Vorschlag. Das heißt, da ja die Abgeordneten, insbesondere wenn man alle auf Direktwahl umstellen würde, aber auch wenn man über die Listenkandidaten geht, dann würde man einfach sagen, okay, in dem Bundesland hat die Partei so und so viel Stimmen, dafür bekommt sie zehn Listenplätze. Und diese zehn Listenplätze teilen sich dann das Stimmgewicht, das die Partei bekommen hat, gleichermaßen auf. Und so wäre es dann nicht mehr so, dass letztlich diese verschiedenen Stimmen, die dann ein Abgeordneter behält, und plötzlich hat er, egal ob er zum Beispiel aus seinem Wahlkreis, mit im Schnitt 30 Prozent der Stimmen gewählt wurde, und ob diese 30 Prozent jetzt 50.000 Stimmen oder 100.000 Stimmen entsprechen, spielt letztlich für seine Abstimmungsmöglichkeiten im Bundestag keine Rolle. Das heißt, in Wirklichkeit ist eben nicht ein Wahlberechtigter eine Stimme, sondern in Wirklichkeit hat das Stimmengewicht jedes Wahlberechtigten, je nachdem, wo er wohnt, für die Direktmandaten ein anderes Gewicht, als auch später für die Parteien ein anderes Gewicht. Weil es ist ja nie so ganz sicher, mit wie viel Bedeutung ein Abgeordneter dann ins Abgeordnetenhaus einzieht. Weil letztlich, wenn es tatsächlich darum geht, dass alle Stimmen in gleicher Form repräsentiert werden, dann wäre es schon mal notwendig, dass nicht so viele Stimmen auf der Strecke bleiben. Und dass dann letztlich die Abgeordneten auch genau das Gewicht vertreten, mit dem sie gewählt wurden.

Mal angenommen, wir wollen nur im Endeffekt Direktkandidaten haben. Das würde bedeuten, wenn wir das ganze Konzept der Wahlkreise auflösen, dann hätten wir halt im Zweifelsfall eine Liste von irgendwie 5.000, 6.000 Personen und würden sagen, okay, die Top 500 mit den meisten Stimmen kommen in den Bundestag. Und dann vertreten sie genau das Stimmgewicht, was sie haben. Und dann wäre es interessant, wie viele Abgeordnete, wie viel Stimmgewicht haben und wie viele man dann braucht, um ein Gesetz zu verabschieden. Und besonders wichtig wäre für mich, dass diejenigen, die ihre Stimme nicht abgeben, tatsächlich leere Sitze im Bundestag hinterlassen. Das heißt, wenn sich nur Personen zur Wahl stellen, die man nicht haben möchte, für Entscheidungen, die dort getroffen werden, dann gibt man im Zweifelsfall einfach niemandem seine Stimme ab. Und es ist dann nicht möglich, irgendwelche merkwürdigen Gesetze zu beschließen, die eh keiner haben möchte. Weil wenn am Ende so viele Stimmen enthalten würden, dass zumindest keine Zweidrittelmehrheiten möglich sind, oder natürlich noch stärker, wenn nicht mal mehr 50 Prozent der Stimmen tatsächlich vertreten würden. Und das am besten bezogen auf die gesamte Bevölkerung. Das heißt, das ist ja der Zustand, den wir jetzt schon haben.
Das heißt, keine Regierungspartei kann tatsächlich für sich behaupten, sie spräche im Endeffekt für irgendeine Mehrheit, weil die kann sich rein technisch schon gar nicht repräsentieren. Weil hinter ihr ja nicht annähernd die Hälfte der Wahlberechtigten steht, geschweige denn die Hälfte der Bevölkerung, die in Deutschland lebt. Je nachdem, wie weit man gehen möchte, solange man letztlich nicht einfach direkt auf komplett andere Konzepte setzen möchte, kann man sich überlegen, wie eng man überhaupt mit einer personenbezogenen Wahl sein möchte und wie viel Einfluss die Wähler über die Repräsentanten haben sollen, sowohl welche personell in den Bundestag einziehen dürfen, aber auch darüber, ob man nicht noch weitere Elemente braucht, zu sagen, man kann seinen Abgeordneten dann dafür verklagen, dass er seine Versprechen nicht einhält oder dass man ihm tatsächlich Stimmen wieder entziehen kann.

Das Letztere ist dann tatsächlich auch in meinem Konzept der Delegiertenräte nachzulesen, wo es darum geht, dass es nicht mehr eine stichtagsbezogene Wahl gibt, sondern eigentlich eine permanente Wahl. Ich kann jederzeit Stimmen vergeben oder wieder entziehen und dadurch letztlich ein dynamisches Parlament erzeugen, das sich jeweils an die Gegebenheiten anpasst. Allerdings hängen mit dem Konzept der Delegiertenräte auch noch einige andere Sachen zusammen, da das ja aus meinem Buch Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt stammt, geht es da vor allen Dingen auch darum, wie könnte denn eine Organisation der Gesellschaft aussehen, die zwar Rahmenbedingungen für die Gesellschaft setzt, aber dabei auf Gewalt verzichtet.

Vielen Dank für Ihr Interesse. Soweit heute meine Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Bundestagswahl 2025 und meiner Perspektive darauf, wie die Wahlrechtsänderung aus 2023 letztlich dazu beigetragen hat, wiederum den Wählerwillen möglichst zu unterlaufen und mehr Macht in die Hände der Parteien zu legen. Wenn Sie gerne mehr wissen möchten zu dem, wie ich mir eine gewaltfreie Gesellschaft vorstelle, findet dazu weitere Impulse in meinem Buch Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt. Wer Interesse an Austausch hat, kann mich über kontakt@martinfinger.de erreichen. Mein Buch als auch weitere Informationen zu meinen Aktivitäten finden Sie unter martinfinger.de. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal.

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Grundeinkommen mittels Geldreform https://martinfinger.de/grundeinkommen-mittels-geldreform/ Wed, 25 Dec 2024 18:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1055 Ich habe in meinen Videokanal ein Video mit meinem nachträglich aufgenommener Vortrag „Grundeinkommen mittels Geldreform“ veröffentlicht. Länge: 22 Minuten. Ich habe den Vortrag erstmals bei der FRIBIS-Jahrestagung 2024 im Oktober 2024 in Freiburg gehalten. Im Vortrag erkläre ich, warum ich es als sinnvoller ansehe ein Grundeinkommen über ein anderes Geldsystem, in Form des Gleichgewichtsgeldes, zu […]

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Ich habe in meinen Videokanal ein Video mit meinem nachträglich aufgenommener Vortrag „Grundeinkommen mittels Geldreform“ veröffentlicht. Länge: 22 Minuten. Ich habe den Vortrag erstmals bei der FRIBIS-Jahrestagung 2024 im Oktober 2024 in Freiburg gehalten.

Im Vortrag erkläre ich, warum ich es als sinnvoller ansehe ein Grundeinkommen über ein anderes Geldsystem, in Form des Gleichgewichtsgeldes, zu realisieren, statt auf Grundlage der gewaltsamen Umverteilung von Geldern durch den Staat.

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Vortrag auf der FRIBIS-Jahrestagung 2024 https://martinfinger.de/vortrag-auf-der-fribis-jahrestagung-2024/ Sat, 21 Sep 2024 09:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1034 Vom 07.10.2024 bis zum 09.10.2024 findet in Freiburg die FRIBIS-Jahrestagung 2024 zum Thema Grundeinkommen statt. Ich werde am 09.10.2024 zwischen 13:30 Uhr und 15:00 Uhr – Session 7.2, Dauer ca. 30 Minuten – einen Vortrag halten zum Thema „Grundeinkommen mittels Geldreform – Wie ein Gleichgewichtsgeld den Weg zu einem ökologisch nachhaltigen Grundeinkommen eröffnen kann“. Das […]

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Vom 07.10.2024 bis zum 09.10.2024 findet in Freiburg die FRIBIS-Jahrestagung 2024 zum Thema Grundeinkommen statt. Ich werde am 09.10.2024 zwischen 13:30 Uhr und 15:00 Uhr – Session 7.2, Dauer ca. 30 Minuten – einen Vortrag halten zum Thema „Grundeinkommen mittels Geldreform – Wie ein Gleichgewichtsgeld den Weg zu einem ökologisch nachhaltigen Grundeinkommen eröffnen kann“.

Das vollständige Programm kann als PDF heruntergeladen werden. Eine Teilnahme ist sowohl vor Ort als auch online per Zoom kostenfrei möglich. Voraussetzung ist eine Anmeldung über die Veranstaltungsseite des FRIBIS.

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Axiome der Zwei-Welten-Theorie in der Denkinsel https://martinfinger.de/axiome-der-zwei-welten-theorie-in-der-denkinsel/ Tue, 25 Jun 2024 09:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1032 Am Donnerstag, den 27.06.2024, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über die Axiome zu meiner Zwei-Welten-Theorie (2WT) philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt.

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Am Donnerstag, den 27.06.2024, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über die Axiome zu meiner Zwei-Welten-Theorie (2WT) philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt.

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Gespräch beim Podcast Vorpolitisch https://martinfinger.de/gespraech-beim-podcast-vorpolitisch/ Mon, 17 Jun 2024 15:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1029 Dieses Mal bin ich beim Podcast Vorpolitisch zu Gast und spreche in 55 Minuten über Gewalt, meine Idee des Gleichgewichtsgeldes und meine Utopie einer freien Gesellschaft.

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Dieses Mal bin ich beim Podcast Vorpolitisch zu Gast und spreche in 55 Minuten über Gewalt, meine Idee des Gleichgewichtsgeldes und meine Utopie einer freien Gesellschaft.

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Gespräche beim Podcast „Positiver Wandel“ https://martinfinger.de/gespraeche-beim-podcast-positiver-wandel/ Thu, 13 Jun 2024 11:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1026 Ich war beim Podcast „Positiver Wandel“ zu Gast. Im ersten Gespräch (46 Minuten) erzähle ich von mir und meinem Weg, wie ich die negativen Erlebnisse während meiner Schulzeit überwunden habe, um wieder ein vollständiger Mensch zu sein. Im zweiten Gespräch (48 Minuten) geht es um meine Utopie einer freien Gesellschaft.

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Ich war beim Podcast „Positiver Wandel“ zu Gast. Im ersten Gespräch (46 Minuten) erzähle ich von mir und meinem Weg, wie ich die negativen Erlebnisse während meiner Schulzeit überwunden habe, um wieder ein vollständiger Mensch zu sein. Im zweiten Gespräch (48 Minuten) geht es um meine Utopie einer freien Gesellschaft.

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Zwei-Welten-Theorie in der Denkinsel https://martinfinger.de/zwei-welten-theorie-in-der-denkinsel/ Thu, 04 Apr 2024 14:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1008 Am Donnerstag, den 25.04.2024, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über meine Zwei-Welten-Theorie (2WT) philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt.

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Am Donnerstag, den 25.04.2024, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über meine Zwei-Welten-Theorie (2WT) philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt.

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Hinter den Geldschleier schauen https://martinfinger.de/hinter-den-geldschleier-schauen/ Wed, 27 Mar 2024 12:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1004 Vom 12.04.2024 bis zum 14.04.2024 werde ich an der Tagung zum Grundeinkommen des FRIBIS in Freiburg teilnehmen. Zum einen möchte ich mit anderen Menschen in Kontakt kommen, welche sich bereits mit dem Thema Grundeinkommen beschäftigen. Zum anderen suche ich Menschen, welche sich dafür interessieren, dass ein Grundeinkommen gar keine Finanzierung benötigt. Schließlich ist das Ziel […]

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Vom 12.04.2024 bis zum 14.04.2024 werde ich an der Tagung zum Grundeinkommen des FRIBIS in Freiburg teilnehmen. Zum einen möchte ich mit anderen Menschen in Kontakt kommen, welche sich bereits mit dem Thema Grundeinkommen beschäftigen. Zum anderen suche ich Menschen, welche sich dafür interessieren, dass ein Grundeinkommen gar keine Finanzierung benötigt. Schließlich ist das Ziel eines Grundeinkommens, dass jeder Mensch Zugang zu den Ressourcen erhält, welche er für seine grundlegenden Bedürfnisse benötigt. Dafür ist eine gewaltsame Umverteilung von Geld gar nicht nötig. Es würde genügen, allen Menschen den gleichen Zugang zu einem leistungslosen Einkommen zu gewähren.

Meiner Erfahrung nach schaut kaum ein Mensch hinter den Geldschleier. Deshalb wird nicht erkannt, dass Geld keine Ressource ist, sondern ein Mittel, über welches wir den Zugriff auf Ressourcen regeln. Diese Funktion des Geldes basiert auf unserer Rechtsordnung sowie unserer täglichen Praxis der Geldnutzung. Die staatliche Gewalt trägt dazu bei, die Eigentums- und Geldordnung zu garantieren und durchzusetzen. Diese Ordnung wurde von uns Menschen erschaffen und wir können diese Regeln ändern.

Viele Menschen sind davon abhängig, ihre Lebenszeit gegen Geld einzutauschen. Etwa 10-20% aller Menschen kennen eine solche Abhängigkeit nicht. Sie könnten allein vom Bezug leistungsloser Einkommen leben. Wenn ich von leistungslosen Einkommen spreche, meine ich damit Kapitalerträge in Form von Dividenden, Mieten, Pachten oder Zinsen. Es wird viel über die staatliche Umverteilung gesprochen, welche im Rahmen der sozialen Sicherungssysteme erfolgt. Über die ebenso durch den Staat ermöglichte Umverteilung im Rahmen von Kapitalerträgen wird selten gesprochen.

Aus meiner Sicht wird das Grundeinkommen zu klein gedacht, wenn es nur als ein weiteres soziales Sicherungssystem verstanden wird. Für mich geht es beim Grundeinkommen um grundlegendere Fragen: Ist unsere heutige Eigentums- und Geldordnung angemessen für eine Gesellschaft, in welcher von der Gleichwertigkeit aller Menschen ausgegangen wird?

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Gespräche zu Credere bei Keimgedanken und dem „Agitator der sozialen Marktwirtschaft“ https://martinfinger.de/gespraeche-zu-credere-bei-keimgedanken-und-dem-agitator-der-sozialen-marktwirtschaft/ Wed, 13 Dec 2023 12:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=996 Wenn Ihr Euch gerne tiefer mit meinem Modell eines freiwilligen Grundeinkommens beschäftigen möchtet, findet Ihr hier zwei weitere Gespräche dazu. Das erste Gespräch habe ich mit Tim geführt vom Podcast Keimgedanken. Ihr findet die Folge #13 „Freiwilliges Grundeinkommen mit Martin Finger“ hier (Dauer: 97 Minuten). Wir haben zunächst über die Funktionsweise von Credere als Gleichgewichtsgeld […]

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Wenn Ihr Euch gerne tiefer mit meinem Modell eines freiwilligen Grundeinkommens beschäftigen möchtet, findet Ihr hier zwei weitere Gespräche dazu.

Das erste Gespräch habe ich mit Tim geführt vom Podcast Keimgedanken. Ihr findet die Folge #13 „Freiwilliges Grundeinkommen mit Martin Finger“ hier (Dauer: 97 Minuten). Wir haben zunächst über die Funktionsweise von Credere als Gleichgewichtsgeld gesprochen und uns dann darüber unterhalten, wie sich ein Grundeinkommen auf die Gesellschaft auswirkt.

Das zweite Gespräch habe ich mit dem „Agitator der sozialen Marktwirtschaft“ geführt. Ihr findet das Video „Credere – Wie könnte eine Reform unserer Währung aussehen?“ in seinem Kanal hier (Dauer: 47 Minuten). Wir haben uns u.a. darüber unterhalten, welche Auswirkungen es haben kann, wenn es keine Kreditgeldschöpfung mehr gäbe und das Geld als positiv geschöpftes Grundeinkommen in Umlauf kommt und einer zeitlichen Löschung unterliegt.

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DialogRaumGeld 2023 in Augsburg https://martinfinger.de/dialograumgeld-2023-in-augsburg/ Thu, 09 Nov 2023 12:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=990 Vom 23.11.2023 bis zum 25.11.2023 findet der 2. Konvent vom DialogRaumGeld in Augsburg statt. Ich werde für die Credere Stiftung dort sein und das Thema Gleichgewichtsgeld vertreten. In diesem Jahr ist das Kernstück des Konvents ein U-Prozess über eineinhalb Tage. Die Leitfrage ist „Was finden wir jenseits der Ängste vor Veränderungen des Geld- und Wirtschaftssystems?“. […]

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Vom 23.11.2023 bis zum 25.11.2023 findet der 2. Konvent vom DialogRaumGeld in Augsburg statt. Ich werde für die Credere Stiftung dort sein und das Thema Gleichgewichtsgeld vertreten.

In diesem Jahr ist das Kernstück des Konvents ein U-Prozess über eineinhalb Tage. Die Leitfrage ist „Was finden wir jenseits der Ängste vor Veränderungen des Geld- und Wirtschaftssystems?“. Da ich mich in den U-Prozess einbringen möchte, werde ich den Marktplatzstand nur am Donnerstag, den 23.11.2023, betreuen. An den anderen Tagen stehe ich gerne in den Pausen vom U-Prozess sowie abends bzw. nachmittags für Gespräche und Austausch zur Verfügung.

Ich bin gespannt auf die Erkenntnisse, welche der U-Prozess aufzeigen wird sowie die Impulse, welche sich daraus ergeben. Das Ticket für die Teilnahme am Konvent kostet aktuell 200 € plus Vorverkaufsgebühr.

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Bewerten tötet https://martinfinger.de/bewerten-toetet/ Wed, 01 Nov 2023 16:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=977 Ich habe mich mit unserem Geldsystem beschäftigt, habe meine negativen Erfahrungen mit dem Schulsystem überlebt und durch die Beschäftigung mit Gewaltfreier Kommunikation besser verstanden, wie sich Bewertungen auf unser Miteinander auswirken. Die Essenz all dieser Erfahrungen lassen sich in zwei Worten zusammenfassen: Bewerten tötet. Bewertung in Geldwert Natürlich ist diese Aussage verkürzt. Eine Bewertung tötet […]

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Ich habe mich mit unserem Geldsystem beschäftigt, habe meine negativen Erfahrungen mit dem Schulsystem überlebt und durch die Beschäftigung mit Gewaltfreier Kommunikation besser verstanden, wie sich Bewertungen auf unser Miteinander auswirken. Die Essenz all dieser Erfahrungen lassen sich in zwei Worten zusammenfassen:

Bewerten tötet.

Bewertung in Geldwert

Natürlich ist diese Aussage verkürzt. Eine Bewertung tötet uns in aller Regel nicht. Jedoch ist eine Bewertung die Grundlage, damit unsere Bereitschaft wächst, dass wir Leben nehmen oder einen anderen Menschen töten. Wenn wir dem Holz eines Baumes einen Geldwert zuschreiben, dann liefert diese Bewertung einen Grund, dass wir das Leben dieses Baumes beenden. Auch wenn wir das Holz nicht benötigen, so haben wir zumeist den Wunsch nach mehr Geld. Ebenso spielt die Bewertung in Geld eine Rolle, wenn Menschen entscheiden, die Wartung von Flugzeugen zu reduzieren, weil eine eventuelle Entschädigung von Hinterbliebenen voraussichtlich weniger Kosten verursacht.

Die Bewertung unseres Lebens in Geld, sei es in Form einer Entschädigung von Hinterbliebenen oder in Form eines Stundenlohnes. Jede Möglichkeit ein Menschenleben in ein Zahlenwerk zu pressen, ermöglicht es eine Rechnung aufzustellen, in welchen unser Leben als zu gering bemessen wird und es Menschen gibt, welche zumindest die Option – unser Leben auf dem Altar des Geldes zu opfern – billigend in Kauf nehmen.

Bewertung in Schulnoten

Eine andere Form der Bewertung stellen die Noten im Schulsystem dar. Auch wenn die Bewertungen scheinbar objektiv erfolgen, so sind die Festlegungen, was wir in welchem Umfang zu wissen hätten, willkürlich festgelegt. Ebenso verschleiert der Rückgriff auf vermeintlich eindeutige Kategorien, wie richtig und falsch, wie groß der Bewertungsspielraum für Lehrer ist, wenn sie Noten vergeben.

Die Bewertung von jungen Menschen an einem willkürlich festgelegten Maßstab, welcher im Kern darauf basiert, dass diejenigen, welche systemkonform agieren, belohnt werden und diejenigen bestraft werden, welche nicht willens oder in der Lage sind den äußeren Vorgaben entsprechend zu funktionieren, suggerieren ihnen sie seien unbrauchbar für die Gesellschaft, wenn sie deren Normvorgaben nicht erfüllen. Selbst wenn wir unsere Schulzeit überstehen, lernen wir während dieser Zeit Verhaltensweisen der Unterordnung und werden mit Selbstzweifeln und der Vorstellung von Minderwertigkeit ins Leben entlassen.

Sollten Sie sich in einer Situation oder akuten Krise befinden, in welcher Sie sich mit dem Thema der Selbsttötung beschäftigen, suchen Sie sich bitte Unterstützung. Nutzen Sie hierfür gerne das Onlineangebot der TelefonSeelsorge oder die telefonisch Kontaktmöglichkeit unter +498001110111. Danke.

Moralische Bewertung

In unserer Sprache sind wir permanent dabei, das Verhalten anderer Menschen zu bewerten oder sogar zu verurteilen. Es fällt uns sehr leicht festzulegen, welches Verhalten anderer Menschen in Ordnung sei und welches nicht. Zugleich ist uns aus dem eigenen Erleben klar, wie sehr es uns stört, wenn wir von anderen Menschen in dieser Form bewertet werden. Leider hält uns diese Erfahrung nicht davon ab, uns ebenso zu verhalten. Wir wünschen uns einen anderen Umgang miteinander und zugleich fällt es uns schwer, andere Menschen weniger in Kategorien von richtig und falsch einzuordnen und stattdessen über unsere Bedürfnisse zu sprechen.

Natürlich ist es wichtig, dass wir die Situation und Handlungen anderer Menschen bewerten, damit wir in die Lage kommen zu entscheiden, wie wir handeln wollen. Eine moralische Bewertung in Kategorien von richtig und falsch, liefert zumeist nur wenig Informationen darüber, was nicht passt, weil die Bewertung selten begründet wird. Wenn wir hingegen erläutern, warum eine konkrete Handlung gerade nicht unser Bedürfnis erfüllt, kann dies von einem anderen Menschen viel besser verstanden werden und vielleicht finden wir gemeinsam Wege, um mehr von unseren Bedürfnissen einander gegenseitig zu erfüllen.

Meine Lebensgeschichte

Dass ich weiterhin auf diesem Planeten lebe und diese Zeilen verfassen kann, ist alles andere als selbstverständlich. Ich habe erfahren können, wie problematisch es ist, wenn das Thema Selbsttötung tabuisiert wird. Inzwischen weiß ich, wie eingeschränkt meine Sichtweise damals war und was ich verpasst hätte, wäre ich erfolgreich gewesen, mein Leben während meiner Schulzeit zu beenden. Wenn Sie in einer akuten Krise stecken, nutzen Sie bitte passende Hilfsangebote, sprechen Sie mit anderen Menschen über Ihre Gedanken und geben Sie sich Zeit, Ihr Leben weiter zu leben. Jeder Mensch ist wichtig, auch Sie. Ich freue mich, wenn meine Geschichte Ihnen dabei hilft, damit Sie sich für Ihr Leben entscheiden. Vielen Dank.

Die Idee, meine Lebensgeschichte auf diese Weise zu erzählen, erhielt ich im Rahmen des Sommercampus 2023 der Pioneers of Change. Die Aufzeichnung entstand, als ich meine Geschichte „Ich bin. – Wie ich der wurde, der ich war.“ im Rahmen eines Open Space live erzählte. Die Länder, durch welche ich in meiner Geschichte reise, waren Teil eines Großgruppenprozesses während des Sommercampus. Die Länder Stagnationsland, Land des inneren Wandels, Potenzialland und Land des äußeren Wandels waren im Kreis angeordnet – um ein in der Mitte befindliches Niemandsland herum. Unsere Welt bezeichne ich als Wolfswelt, in Anlehnung an die Gewaltfreie Kommunikation. Mein Vortrag hat eine Länge von knapp zehn Minuten.

Erzählung "Ich bin." von Martin Finger.
Meine Erzählung: Ich bin. – Wie ich der wurde, der ich war.

Transkript

Transkript zu meiner Erzählung „Ich bin.“

Einleitung

Ich bin nervös. Ich kann schon mal ausprobieren, ob das, was ich gleich erzähle, authentisch ist. Dieses Hin und Herschwingen zwischen Nervosität, die jetzt – sobald ich anfange zu reden – schwindet, das Spüren, das Kribbeln. Ob irgendwas zuckt. Im Herzen das Gefühl, die Nervosität, die schwindet. Die Sicherheit, die bei mir kommt, in dem Moment, wo Ihr Euch mir zuwendet. Und dann der Verstand, der das alles erklären kann, der das Ganze wahrnimmt und die Präsenz auf all diese Sachen lenken kann und mir bereitstellt. So dass ich direkt in meine Geschichte jetzt einsteigen kann: „Ich bin. – Wie ich der wurde, der ich war.“

Heute ist mein Geburtstag. Heute ist mein vierter Geburtstag. Und das Gefühl, dass das Leben für mich immer wieder in Zyklen beginnt und ich möchte Euch jetzt mitnehmen durch meine drei Lebenszyklen, die bereits hinter mir liegen.

Erster Lebenszyklus

Von meiner ersten Geburt, an die ich keinerlei bewusste Erinnerung habe. Aber ich weiß, wo ich hingeboren wurde. In die Wolfswelt. Mitten hinein in eine Welt, auf die ich nicht vorbereitet war. Und in der ich gelernt habe, die Sprache und wie miteinander umgegangen wird. Ich wusste nicht, was ich dort lernte. Es war das Einzige, was mir beigebracht wurde und verfügbar war. Und was ich nicht wusste, dass die Menschen, die dort miteinander umgehen, nicht sagen, was sie meinen und nicht meinen, was sie sagen. Und trotzdem hielt ich das, was sie sagten, für wahr. Und ich habe gut gelernt.

Es hat 15 Jahre gedauert, bis ich das, was in der Wolfsprache gesagt wird, verinnerlicht hatte, tief verinnerlicht hatte. Ich war bereit, bereit zu töten. Und ich habe getötet. Ich habe mich getötet. Und, in dem Moment, wo ich dann bewusstlos wurde und mein erstes Leben zu Ende war.

Zweiter Lebenszyklus

Die nächste Geburt, die bevor stand, die ich dann erlebt habe, war ein Schock. Ich habe sie nicht verstanden damals. Ich habe überhaupt nicht verstanden, was mit mir passiert war. Heute weiß ich, was passiert ist. Mein Verstand hat meinen Körper genommen und ist mit ihm in die Stagnationswelt geflüchtet. Und er hatte entschieden, mein Herz wegzusperren, mit Wächtern davor, damit ich nie wieder dort einen Kontakt bekomme, weil mein Selbstmord sollte meine letzte Affekthandlung in meinem Leben sein. Nie wieder würde das passieren.

Und so war ich dann in dieser, in dieser Stagnationswelt, Land. In einer dunklen Höhle. Allein. Ich habe insgesamt 15 Jahre in diesem Land auch wieder verbracht. Und es hat viele Jahre gedauert, bevor ich überhaupt die ersten Impulse hatte, diese Höhle wieder zu verlassen. Weil meine Sehnsucht nach Zweisamkeit, nach Verbundenheit, so groß war. Und ich hab versucht. Nein, ich habe dann angefangen, mit Menschen zu sprechen. Und sie haben alle das gleiche gesucht. Und wussten überhaupt nicht, wie das geht, und wussten nicht, wie man in Verbindung kommt, wie man sich Zweisamkeit schenken kann. Hatte uns keiner beigebracht. Und, das Einzige, was wir teilen konnten, war unser Schmerz, davon hatten wir mehr als genug.

Irgendwann gab es Gerüchte. Irgendjemand hat erzählt, es gibt eine andere Gegend, ein anderes Land. Das nannte sich „Innerer Wandel“, da sollte es auch viel Schmerz geben, aber irgendwie noch mehr, mehr drum rum, mehr andere Sachen. Da ich nichts zu verlieren hatte sondern nur viel zu gewinnen, habe ich mich dorthin auf den Weg gemacht. So dass ein Lebenszyklus wieder geendet hat, nach weiteren 15 Jahren.

Dritter Lebenszyklus

Als ich in dieses Land eingetreten bin, gab es meine dritte Geburt. Es war die erste Geburt, die ich bewusst erlebt habe, in Freude. Mit Menschen gefeiert habe. Und, es war mein Startpunkt für meine Heilung. Eine Heilungsweg, in dem ich fünf Jahre lang in diesem Land unterwegs war. Versucht habe zu verstehen. Und in der ich eine neue Sprache gelernt habe. Eine Sprache der Lebendigkeit, die bereit ist auszudrücken, was in mir lebendig ist, was mir wichtig ist, was ich brauche. Und wie es geht, in Kontakt zu kommen. Wie einfach es wäre in Kontakt zu kommen. Einfach indem ich sage: „Ich möchte Kontakt.“

In den fünf Jahren, in denen ich dort geheilt bin, habe ich auch immer schon das Nachbarland bereist, das Potenzialland. Und habe dort lernen dürfen, was mir die anderen Jahre geschenkt wurde. Das anzunehmen und das größte Geschenk zu verstehen, was es bedeutet, dem Tod in die Arme zu springen. Der größten Angst, die mir vorstellbar ist. Die Angst vor dem Sterben, direkt hindurchgegangen zu sein. Und diese Erfahrung dann mir bewusst zu machen und zu transformieren und anzunehmen. Und zu verstehen, dass, dass es ein unglaubliches Geschenk ist, dass ich noch da bin.

Nach diesen fünf Jahren habe ich mich dann langsam bewegt in das Niemandsland, von dem ich weiterhin das Potenzialland besucht habe. Ich bin jetzt zehn Jahre in diesem Land gewesen. Und habe auch immer schon Abstecher gemacht in das andere Land, dass des äußeren Wandels. Und hab mal gekuckt: Wer bin ich jetzt? Wer will ich sein? Wofür, wofür will ich dieses Potenzial, von dem ich immer mehr erfahre, nutzen? Wofür will ich es einsetzen? Was ist meine Idee für mich, für die Welt, und was ist meine Intention dabei?

Ich konnte einfach spüren, wie, wie meine drei Bestandteile: Körper zum Spüren, Herz zum Fühlen und Verstand, um zu verstehen, um zu begreifen, zu einer Einheit wurden. Diese Dinge passieren nicht losgelöst voneinander, sondern ich denke, fühle und spüre alle drei Ebenen zusammen. Und für mich ist einfach wichtig, das in die Welt zu bringen. Und, die große Frage: Warum? Weil, wenn der Schmerz doch so viel Gutes für mich bereithielt, warum es nicht weiter so laufen lassen?

Aufbruch in den vierten Lebenszyklus

Meine tiefe Überzeugung ist, dass wir unser Potenzial besser und schneller entfalten können, wenn wir den Schmerz weglassen. Dass wir diese Strukturen nicht dazu brauchen, um unser Potential zu ziehen, weil wir viel mehr Zeit damit beschäftigt sind, das wieder in Ordnung zu bringen. Und vor allem, weil nicht alle Menschen dieses Glück haben, das wir im Endeffekt mehrere Lebenszyklen in einem Leben bekommen. So wie mein Vater, der im Endeffekt nach seinem ersten Lebenszyklus ausgestiegen ist. Auf dem gleichen Weg. Der also nicht die Möglichkeit [hatte], etwas anderes zu erfahren.

Und deswegen ist es mir so wichtig, in diesem äußeren Wandel, diese, meine Erfahrungen einzubringen. Und dabei zu helfen, dass diese Offenheit, die einfach, wenn wir als Einheit in uns ruhen, für alle Menschen greifbar, fühlbar, erfahrbar wird. Ich hatte schon meine erste Reiseplanung fertig, da wurden zwischen den Ländern plötzlich die Grenzen dicht gemacht. Stopp! Keine Migration mehr, keiner darf irgendwo hin. Alle mussten stehen bleiben.

Huh. Dann, wieder kucken, Energie. Was ist jetzt dran? Und dann habe ich mich entscheiden, meine Vision, die ich in die Welt bringen möchte, aufzuschreiben. Da ist mein Buch entstanden, mit dem ich jetzt zusätzlich gehen kann. Das mich trägt und stützt. Es mir einfach noch mal leichter macht, hierher zu gehen und nachdem die Grenze wieder offen war, ich jetzt auf den ersten Steps unterwegs bin.

Und ein Step, der mich hier zu den Pioneers geführt hat. Und mir noch etwas ermöglicht hat. Während ich meine Vision schon sehr klar hatte, ist mir noch nicht klar geworden, dass meine Lebensgeschichte ich noch nicht umgeschrieben habe. Ich habe immer noch gesagt ich bin ein Kopfmensch. Das habe ich immer noch als Identität beibehalten. Und ich sage jetzt, hier in dieser Woche, mit den Impulsen, die ich bekommen habe: Das bin nicht mehr ich. Dieses Konzept ist mir zu starr. Ich bin eine Einheit, die in allen Ebenen, lebendig ist. Und die nicht gegeneinander, sondern sich unterstützen nach vorn.

Und deshalb bin ich sehr dankbar für diese ganze Woche. Dass ich meine Lebensgeschichte umschreiben konnte, um einen nächsten Baustein loszulassen, aus der Anhaftung rauszukommen und zu sagen: „Ich bin.“

Jeah, Jeah. Applaus. Jubel. Alle knuddeln. Alle zusammen die möchten einen großen Knuddelhaufen.

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Impulsvortrag vom INWO Webinar „Das Geld entmachten“ https://martinfinger.de/impulsvortrag-vom-inwo-webinar-das-geld-entmachten/ Thu, 12 Oct 2023 08:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=968 Mein Impulsvortrag vom Webinar bei der INWO zum Thema „Das Geld entmachten – Wie Gleichgewichtsgeld die Idee von Geldreform und Grundeinkommen verbindet.“ ist online. Dauer: 14 Minuten.

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Mein Impulsvortrag vom Webinar bei der INWO zum Thema „Das Geld entmachten – Wie Gleichgewichtsgeld die Idee von Geldreform und Grundeinkommen verbindet.“ ist online. Dauer: 14 Minuten.

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INWO Webinar „Das Geld entmachten.“ https://martinfinger.de/inwo-webinar-das-geld-entmachten/ Tue, 22 Aug 2023 09:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=953 Wer heute über Geld verfügen kann, verfügt damit auch über Macht. Weil viele Menschen von einem Geldeinkommen abhängig sind, um einen legalen Zugang zu lebenswichtigen Gütern zu erhalten wie Kleidung, Nahrung und Unterkunft. Aufgrund dieser Abhängigkeit treffen tagtäglich viele Menschen die Entscheidung, mehr Zeit für die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen aufzuwenden statt für ihre Erhaltung. Ich […]

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Wer heute über Geld verfügen kann, verfügt damit auch über Macht. Weil viele Menschen von einem Geldeinkommen abhängig sind, um einen legalen Zugang zu lebenswichtigen Gütern zu erhalten wie Kleidung, Nahrung und Unterkunft. Aufgrund dieser Abhängigkeit treffen tagtäglich viele Menschen die Entscheidung, mehr Zeit für die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen aufzuwenden statt für ihre Erhaltung. Ich möchte am Samstag, den 07.10.2023, ab 15:30 Uhr mit Ihnen darüber sprechen, wie wir die Rolle des Geldes verändern können, indem wir mit dem Gleichgewichtsgeld Credere jedem Menschen ein Grundeinkommen gewähren.

Wann und wo?

Das Webinar mit dem Titel: „Das Geld entmachten. Wie Gleichgewichtsgeld die Idee von Geldreform und Grundeinkommen verbindet.“ findet am Samstag, den 09.09.2023, ab 15:30 Uhr statt. Das Webinar wird von der INWO – Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung e.V. – über die Software Zoom veranstaltet. Um die Zugangsdaten zu erhalten, melden Sie sich bitte über die Adresse inwo(at)inwo.de zum Webinar an.

Update vom 07.09.2023

Der Termin für das Webinar wurde auf Samstag, den 07.10.2023, verschoben. Das Webinar beginnt weiterhin um 15:30 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, eine Teilnahme über die Software Zoom ist direkt über diesen Link möglich:
https://us02web.zoom.us/j/87304126334?pwd=M2ZmdFkrajN1eXh4SU90VFljWE9lZz09

Alternativ ist eine Teilnahme auch über diese Zugangsdaten möglich.
Meeting-ID: 873 0412 6334
Kenncode: 729547

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Vermögensumverteilung durch Geldschöpfung https://martinfinger.de/vermoegensumverteilung-durch-geldschoepfung/ Thu, 20 Jul 2023 12:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=949 In weiten Teilen der Ökonomie sowie bei den Zentralbanken ist inzwischen akzeptiert, dass die Geldschöpfung aus dem Nichts erfolgt. Bei der Rolle des Bargeldes besteht diese Sichtweise in dieser Form noch nicht. Hier wird noch so getan, als würde dieser Teil des Geldes von den Zentralbanken geschöpft. Dabei sind sie nur diejenigen, welche formal das […]

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In weiten Teilen der Ökonomie sowie bei den Zentralbanken ist inzwischen akzeptiert, dass die Geldschöpfung aus dem Nichts erfolgt. Bei der Rolle des Bargeldes besteht diese Sichtweise in dieser Form noch nicht. Hier wird noch so getan, als würde dieser Teil des Geldes von den Zentralbanken geschöpft. Dabei sind sie nur diejenigen, welche formal das Notenbankmonopol haben. In Umlauf gelangt das Geld nur im Austausch gegen Buchgeld. Damit Bargeld umlaufen kann, musste zuvor Buchgeld von den Geschäftsbanken erzeugt werden.

Nachdem einige Menschen inzwischen wissen, dass unser Buchgeld durch die Kreditvergabe entsteht, ist vielen Menschen noch unklar, dass Banken auch durch den Ankauf von Vermögenswerten Geld schöpfen können. Wenn eine Bank eine Aktie oder eine Immobilie kauft, kann sie das Geld dafür ebenfalls aus dem Nichts schöpfen. Sie muss nur in der Lage sein, den Vermögenswert auf der Aktivseite ihrer Bilanz zu aktivieren.

Es gibt in der Ökonomie einige Sichtweisen, welche die Geldschöpfung als notwendig ansehen, um z.B. Investitionen zu ermöglichen. In der Realität bedeutet allerdings jede Ausweitung der Geldmenge eine Umverteilung von Vermögen. Schließlich trifft die vergrößerte Geldmenge immer auf ein zunächst unverändertes Volumen an Ressourcen. Erst durch die Veränderung der Verteilung der Geldmittel verändert sich in der Folge auch das Angebot an Ressourcen. Ist eine Ressource bereits maximal genutzt, dann führt eine Ausweitung der Geldmenge zu einer Verteuerung des Rohstoffes.

Da der Zugang zur Geldschöpfung bei den Menschen sehr unterschiedlich ist und Menschen mit Vermögen – welches sie Banken ggf. als Sicherheiten anbieten können – leichter Kredite erhalten, trägt die Geldschöpfung direkt dazu bei, dass die Vermögensungleichheit steigt. Diese Umverteilung der Geldschöpfung wird durch die Umverteilung mittels Zins weiter verstärkt. Der Erwerb einer Eigentumswohnung über Kredit und die Tilgung des Kredites über die Mieteinnahmen kombiniert beide Umverteilungseffekte. Bereits die Kreditgewährung sorgt für eine Vermögensumverteilung.

Umverteilungswirkung der Geldschöpfung

An einem abstrakten Beispiel lässt sich diese Vermögensumverteilung einfacher nachvollziehen. Zu Beginn besteht absolute Gleichverteilung der Vermögen. Es gibt 100 Menschen, jeder hat eine Eigentumswohnung im Wert von 500.000 Euro. Zusätzlich hat jeder Geldvermögen von 10.000 Euro. Somit liegt das gesamte Vermögen bei 51.000.000 Euro und es ist unter den 100 Menschen absolut gleichverteilt.

Jetzt bringen wir eine Bank ins Spiel, welche einem der 100 Menschen einen Kredit von 500.000 Euro gewährt, damit er einer anderen Person die Wohnung abkaufen kann. Damit erhöht sich die Geldmenge um 50% von 1.000.000 auf 1.500.000 Euro. Wäre für alle Beteiligten die Änderung der Geldmenge transparent, dann müssten sie nun auch alle Preise um 50% anheben. Solange es den Teilnehmern verborgen bleibt, kann allerdings derjenige, welcher über das zusätzliche Geld verfügt, andere Menschen übervorteilen und sich so Vermögen aneignen.

Betrachten wir die Vermögensverhältnisse basierend auf den Preisen, welche vor Erhöhung der Geldmenge um 50% galten, so ist die Vermögensumverteilung nicht ersichtlich. Denn trotz des Wohnungsverkaufs sind die Nettovermögen – also Bruttovermögen abzüglich der Schulden – scheinbar noch gleich hoch. Der Verkäufer der Wohnung hat nun ein Geldvermögen von 510.000 Euro. Der Wohnungskäufer hat nun Wohnungen im Wert von 1.000.000 Euro und weiterhin 10.000 Euro Geldvermögen. Da er zugleich noch 500.000 Euro Schulden hat, hat auch er weiterhin 510.000 Euro Nettovermögen.

Die Änderung in den Vermögenswerten kann erst erkannt bzw. nachvollzogen werden, wenn die Änderung der Geldmenge auch bei der Bewertung der Wohnungen berücksichtigt wird. Zuvor basierte die Bewertung der Wohnungen auf einer Geldmenge von 1.000.000 Euro. Mit dem Anstieg der Geldmenge um 50% würde somit der Wert einer Wohnung von 500.000 Euro auf 750.000 Euro ansteigen. Somit entsprechen die Geldvermögen von 10.000 Euro nicht mehr 1/50 einer Eigentumswohnung, sondern nur noch 1/75.

Neubewertung der Sachwerte

Mit dieser Neubewertung der Sachwerte stellt sich die Vermögensverteilung deutlich anders dar. Der Käufer der Eigentumswohnung hat nun ein Nettovermögen von 1.010.000 Euro – zwei Wohnung je 750.000 Euro, Geldmittel 10.000 Euro, Schulden 500.000 Euro. Noch klarer wird die Vermögensverteilung, wenn diese in Wohnungen ausgedrückt wird. Vor dem Verkauf der einen Wohnung hatten alle eine Wohnung sowie Geldwerte im Wert von 1/50 Wohnung, also insgesamt ein Vermögen von 1,02 Wohnungen.

Ausgehend von dieser Bewertung, hat unser Käufer nun ein Nettovermögen von 1,343 Wohnungen. Für die 98 Menschen, welche an dem Wohnungskauf nicht beteiligt waren, ergibt sich allein aufgrund der Erhöhung der Geldmenge ein Vermögensverlust von jeweils 0,007 Wohnungen, weil ihre 10.000 Euro nur noch 1/75 statt 1/50 einer Wohnung entspricht. Obwohl sich ihr Vermögen als Geldwert von 510.000 Euro auf 760.000 Euro erhöht hat, haben sie in Sachwerten gerechnet einen Verlust erlitten. Am schlechtesten schneidet unser Verkäufer der Wohnung ab. Sein Vermögen ist von 1,02 Wohnungen auf 0,68 Wohnungen gesunken – 510.000 Euro entsprechen bei einem Wohnungswert von 750.000 Euro nur noch 68% einer Wohnung.

Fazit

Natürlich könnte argumentiert werden, dass durch die Tilgung des Kredits die Geldmenge wieder auf das vorherige Niveau zurückfällt und daher keine Neubewertung des Sachwertes der Eigentumswohnung erfolgen müsste. Allerdings passiert diese Rückführung der Geldmenge in unserem Geldsystem nicht. Während einzelne Kredite immer wieder getilgt werden, steigt die Geldmenge in absoluten Zahlen immer weiter an. Somit ist die Umverteilung durch Geldentwertung von Dauer.

Aus meiner Sicht gilt es, das gegenwärtige Prinzip der Geldschöpfung kritisch zu hinterfragen und zu erkennen, in welchem Umfang bereits die Geldschöpfung selbst zur Vermögensumverteilung aktiv beiträgt und nicht erst der Zins oder Zinseszins, welche die Umverteilung allerdings weiter verstärken. Hier würde die Einführung des Gleichgewichtsgeldes Credere zu einer Veränderung führen und allen Menschen – über die Auszahlung als Grundeinkommen – einen gleichen Zugang zur Geldschöpfung ermöglichen und dadurch ein systemisches Element von Ungleichbehandlung überwinden.

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Egoistische Gesellschaft https://martinfinger.de/egoistische-gesellschaft/ Wed, 14 Jun 2023 08:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=944 In diesem Beitrag möchte ich mich dem Begriff des Egoismus widmen und erklären, warum ich den darin enthaltenen Vorwurf nicht teile und es sogar für gefährlich halte, ihn zu verwerfen. Neben der inhaltlichen Bedeutung haben Begriffe oftmals noch eine Ebene, auf welcher sie eine moralische Bewertung erfahren. Entsprechend den Werten, welche eine Gesellschaft zu einer […]

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In diesem Beitrag möchte ich mich dem Begriff des Egoismus widmen und erklären, warum ich den darin enthaltenen Vorwurf nicht teile und es sogar für gefährlich halte, ihn zu verwerfen.

Neben der inhaltlichen Bedeutung haben Begriffe oftmals noch eine Ebene, auf welcher sie eine moralische Bewertung erfahren. Entsprechend den Werten, welche eine Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit propagiert, erhalten Begriffe einen moralischen Marker im Sinne eines „gut“ oder „schlecht“ angeheftet. Wodurch eine Gesellschaft ihre Mitglieder dazu bringen möchte, bestimmte Verhaltensweisen zu bevorzugen bzw. zu unterlassen, ohne auf Argumente zurückgreifen zu müssen.

Während der Begriff des Egoismus auf der Bedeutungsebene nur zum Ausdruck bringt, dass ich etwas tue, was ich für mich selbst als nützlich ansehe, haftet dem Begriff auf der gesellschaftlichen Ebene oftmals der moralische Marker „schlecht“ an. Der Grund dafür ist, dass über den Begriff hinaus einem Egoisty bestimmte Verhaltensweisen zugeordnet werden. Die Erwartung ist, dass ein Egoisty sich seinen Vorteil dadurch verschafft, dass er zugleich anderen schadet.

Als Gegenentwurf zum Egoismus wurde schließlich der Begriff des Altruismus entworfen. In der Bedeutung, in welcher dieser Begriff den moralischen Marker „gut“ erhält, wird davon ausgegangen, dass meine Handlung nicht nur für andere außer mir einen Nutzen hat, sondern dass diese Handlung für mich als Handelnden möglichst mehr Nachteile als Vorteile beinhalten soll.

Indem wir Handlungen entsprechend dem dualistischen Begriffspaar von Egoismus und Altruismus einordnen, erschaffen wir uns ein Problem. Wenn Handlungen als schlecht verurteilt werden, wenn sie dem Handelnden einen Vorteil ermöglichen und eine Handlung als gut beurteilt werden, wenn sie nur anderen als dem Handelnden einen Vorteil verschaffen und ihm selbst zum Nachteil gereichen, dann sagen wir damit nichts anderes aus, als dass wir uns selbst für das Ganze opfern sollen.

In dem Umfang, wie der Altruismus als Selbstaufgabe verstanden wird, in diesem Umfang wird dieses Konzept zum willfährigen Diener von Herrschaft. Schließlich profitiert jede Herrschaft davon, wenn es ihr gelingt, Menschen dazu zu bringen, ihr Leben für vermeintlich höhere Ziele zu opfern. In der Verurteilung des Egoismus schwingt somit auch eine Ablehnung der eigenen Existenz mit und steht damit im Widerspruch zur von mir formulierten Existenzethik.

Dabei ist es interessant zu betrachten, in welchem Umfang wir in unserer Gesellschaft – obwohl der Vorwurf eines egoistischen Handelns so oft gebraucht wird – überhaupt zu egoistischem Handeln in der Lage sind. Schließlich müssen wir uns permanent mit Rahmenbedingungen arrangieren, in welchen wir kaum mehr sind als eine Maschine, welche strikt – entsprechend äußerer Vorgaben – zu funktionieren hat. Neben der Arbeitswelt sind wir solchen Beschränkungen ebenso in unserer Freizeit und beim Konsum unterworfen, welche von uns individuell kaum beeinflusst werden können.

Insofern ist der Vorwurf des Egoismus – aus meiner Perspektive – eher als eine weitere Methode zur Stabilisierung von Herrschaft zu betrachten. Schließlich dient der Vorwurf dazu, dass wir den einzigen sinnvollen Maßstab aufgeben, um unsere Handlungen zu bewerten. Wenn Ludwig von Mises sich in der Praxeologie der Frage widmete, was uns Menschen zum Handeln bringt, und eine wichtige Motivation darin findet, dass wir unsere Situation verbessern wollen, dann dient der Egoismusvorwurf schließlich nur dazu, uns diesen inneren Kompass zu entreißen und an seine Stelle die Vorgaben irgendeiner Obrigkeit zu setzen. Daher plädiere ich dafür, dass wir uns den Egoismus bewahren. Wir selbst sind die einzige Instanz, welche in der Lage ist zu entscheiden, ob eine Handlung unsere Situation verbessert. Die Verbindung zu unseren Bedürfnissen und uns selbst ist wichtig, nur so können wir erfahren, ob wir im Einklang mit unserer Lebendigkeit handeln und ein für uns lebenswertes Leben führen.

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Impulsvortrag zum utopischen Potenzial eines Grundeinkommens https://martinfinger.de/impulsvortrag-zum-utopischen-potenzial-eines-grundeinkommens/ Fri, 19 May 2023 16:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=933 Mein Impulsvortrag vom 17.05.2023 zum Thema „Utopisches Potenzial eines Grundeinkommens“ wurde im Videokanal der Attac AG „Genug für Alle“ veröffentlicht.

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Mein Impulsvortrag vom 17.05.2023 zum Thema „Utopisches Potenzial eines Grundeinkommens“ wurde im Videokanal der Attac AG „Genug für Alle“ veröffentlicht.

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Existenzethik https://martinfinger.de/existenzethik/ Thu, 11 May 2023 09:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=925 Nachdem ich im April 2023 mein Konzept zur Existenzethik in der Denkinsel erstmals im kleineren Kreis besprochen habe, möchte ich darüber auch hier im Blog schreiben, um mit mehr Menschen meine Gedanken darüber zu teilen. Einleitende Überlegungen Für mich ist es wichtig, eine Differenzierung zwischen dem Begriff der Ethik und der Moral vorzunehmen, auch wenn […]

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Nachdem ich im April 2023 mein Konzept zur Existenzethik in der Denkinsel erstmals im kleineren Kreis besprochen habe, möchte ich darüber auch hier im Blog schreiben, um mit mehr Menschen meine Gedanken darüber zu teilen.

Einleitende Überlegungen

Für mich ist es wichtig, eine Differenzierung zwischen dem Begriff der Ethik und der Moral vorzunehmen, auch wenn beide Begriffe oft als Synonyme verwendet werden. Eine Ethik ist für mich ein gedankliches Konstrukt, in welchem sich auf einen oder mehrere Werte bezogen wird. Die Ethik liefert dabei eine – ggf. auch subjektive – Begründung, warum die herausgestellten Werte für wichtig gehalten werden. Eine Moral konzentriert sich darauf, Handlungen mittels eines dualistischen Bewertungsschemas in Kategorien von Gut und Böse oder Richtig und Falsch einzuordnen und bedient sich dabei eher Methoden einer generellen moralischen Verurteilung statt einer situativen Beurteilung einer Handlung und ihrer Umstände. Auch wenn eine Moral ebenso auf Werten basiert, stehen diese – im Vergleich zu einer Ethik – eher im Hintergrund.

Eine Ethik soll mir vor allem Begründungen liefern, warum ich meine Handlungen an einem bestimmten Wert ausrichten sollte, indem sie mir die damit verbundenen Vor- und Nachteile vermittelt. Diese Informationen sollen mich in die Lage versetzen, meine Handlungen sowie die Handlungen anderer Menschen selbstständig zu beurteilen. Mit einer Ethik erhalte ich somit Kriterien an die Hand, um selbst einen Maßstab zur Bewertung von Handlungen zu entwickeln.

Herleitung

Meine Existenzethik beginnt mit dem Gedanken: „Ich bin.“ Dieser ist identisch mit dem 1. Axiom aus meiner Zwei-Welten-Theorie. Der Grund dafür ist leicht nachvollziehbar, auch für die Existenzethik bin ich darauf angewiesen, zunächst meine eigene Existenz festzustellen. Eine Parallele zu Descartes mag hier scheinbar naheliegen, würde uns allerdings in eine andere Richtung führen als diejenige, um welche es mir an dieser Stelle geht. Nach der Feststellung der eigenen Existenz lautet meine These, auf welcher die Existenzethik basiert:

Ich bevorzuge meine Existenz gegenüber meiner Nicht-Existenz.

Auch wenn unsere Handlungen, welche wir kollektiv innerhalb der bestehenden gesellschaftlichen Strukturen ausführen, fast schon als Anti-These zu dieser Annahme verstanden werden könnte, so gilt die Existenzethik immer nur individuell. Sie kann nicht im Namen einer abstrakten oder imaginierten Gruppe postuliert werden, da es jedem Menschen selbst überlassen ist, über seine Handlungen zu entscheiden.

Die zunächst nur individuell formulierte These wird nun auf alles projiziert, was existiert. Sowohl geistige als auch materielle Entitäten. Einige Beispiele sind: Gedanken, Lebewesen, Materie, Musik, Sprache, Wissen. Explizit ausgenommen sind hierbei Handlungen. Schließlich soll die Existenzethik dazu befähigen zu entscheiden, ob ich eine Handlung ausführe oder nicht. Würde die Existenzethik Handlungen bereits einschließen, dann würde dies die Ethik selbst obsolet machen, da es keinen Entscheidungsspielraum mehr gäbe, um Handlungen entsprechend ihrer erwarteten Wirkungen auszuwählen.

Ein Wert entsteht nicht aus sich heraus, sondern er basiert immer auf einer willkürlichen Setzung durch uns Menschen. Dies ist bei der Existenzethik ebenso. Dass die Existenz überhaupt zu einem Wert wird, erfolgt durch die Setzung in der These. Durch die Überordnung der Existenz über die Nicht-Existenz ergibt sich diese Wertsetzung. Mit der Projektion der These auf alles Seiende ergibt sich das folgende Axiom:

Alles, was existiert, hat einen Wert, allein aufgrund seiner Existenz.

Definition Existenzethik

Ethik, welche der Existenz allem Seienden – unabhängig von seiner Form oder Zustand, geistig oder materiell – einen Wert beimisst. Nicht von der Existenzethik erfasst sind Handlungen, da sonst kein Entscheidungsrahmen verbliebe, um zu entscheiden, ob eine Handlung ausgeführt oder unterlassen werden sollte.

Anwendungsbeispiel Existenzethik

Jeder Mensch wird die Bewertung der Existenz eines Seienden unterschiedlich einordnen. Hierbei ergibt sich eine Rangfolge, welche immer subjektiv, individuell und über die Zeit variabel ist. Für die folgenden Beispiele gehe ich von dieser Rangfolge aus:

Spinne < Getreidepflanze < Baum < Du < Ich < Nachkommen

Aufgrund der Reihenfolge der verschiedenen Existenzen ergeben sich bestimmte Abwägungen, welche Existenzen ich bereit bin zu beenden, um eine andere Existenz zu erhalten. Dabei ist immer die Grundhaltung, dass ich eine Existenz nur deshalb beende, weil dies für den Erhalt einer anderen Existenz notwendig ist.

Um meine Existenz zu sichern, bin ich bereit die Existenz der Getreidepflanze zu beenden, damit ich mich ernähren kann. Ich würde allerdings nicht den Baum fällen, um der Getreidepflanze die Existenz zu sichern. Benötige ich das Holz des Baumes z. B. für ein Feuer, um im Winter nicht zu erfrieren, wäre dies ein Grund, dessen Existenz zu beenden.

Wenn ich durch die Aufgabe meiner Existenz das Überleben meines Nachkommens sichern kann, wäre auch dies eine plausible Handlungsentscheidung. Während die Tötung der Spinne, nur weil ich sie fürchte oder als unästhetisch empfinde, ein Verstoß gegen die Existenzethik bedeutet. Schließlich hätte ich die Spinne aus Willkür getötet und nicht um eine andere Existenz zu schützen.

Ein grundlegender Konflikt entsteht aus dem Ich-Du-Verhältnis. Ich werde davon ausgehen können, dass meine subjektive Einordnung – meine Existenz über diejenige meines Gegenübers zu stellen – bei meinem Gegenüber ebenso vorhanden ist, nur mit umgekehrten Vorzeichen: er wird seine Existenz über meine stellen. Ausgehend von dieser Überlegung kann ich den logischen Schluss ziehen, dass ich meine Existenz am besten schütze, indem ich die Existenz meines Gegenübers nicht gefährde, sondern helfe diese zu bewahren.

Zusammenfassung

Meine Existenzethik ist so gedacht, dass allem Seienden Wert beigemessen wird. Grundlage ist die Wertschätzung der eigenen Existenz, welche sich dadurch zeigt, dass ich sowohl meine eigene als auch die Existenz anderer schütze. Nur wenn ich meine Handlungen so wähle, dass diese sowohl meine als auch die Existenz anderer ermöglichen, schütze ich meine Existenz nachhaltig.

Wenn ich meine Existenz durch Handlungen versuche zu schützen, welche die Auslöschung anderer Existenzen zur Folge haben können, dann setze ich mutwillig meine eigene Existenz auf Spiel. Bereits mit der Wahl von Handlungen, welche die Option der eigenen Auslöschung beinhalten – durch eigene Handlung oder aufgrund einer möglichen Reaktion anderer – steht diese Wahl bereits im Widerspruch zur Existenzethik.

Dahingegen kann die Entscheidung, die eigene Existenz zu gefährden, als Reaktion zum Schutz der eigenen oder anderer Existenzen wiederum im Einklang mit der Existenzethik stehen, sofern sowohl in den Mitteln als auch im Ziel immer deutlich wird, dass es darum geht, Existenzen zu bewahren. Die Entscheidung ist von jedem Menschen individuell zu treffen und bleibt subjektiv.

An diesem Punkt verbindet sich die Existenzethik mit meinem Konzept der „reziproken Freiheit“, welches ich in meinem Buch „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ beschrieben habe. In diesem geht es darum, dass ich meine Freiheit auf Handlungen beschränke, welche ich verantworten kann. Verantworten bedeutet hierbei, dass ich alle unerwünschten Handlungsfolgen so vollständig behebe, als wären diese niemals aufgetreten. Die Beurteilung, ob eine Handlungsfolge unerwünscht ist, liegt nicht bei mir, sondern beim Betroffenen selbst.

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Utopisches Potential eines Grundeinkommens https://martinfinger.de/utopisches-potential-eines-grundeinkommens/ Wed, 03 May 2023 11:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=921 Wir stehen vor der Herausforderung, dass wir viele unserer gesellschaftlichen Umgangsformen und Verhaltensweisen überdenken und ändern müssten, um im Einklang mit der Ökosphäre unseres Planeten zu leben. Ein Baustein, um diese Veränderung zu ermöglichen, ist es ein Grundeinkommen einzuführen. Wie viel utopisches Potential im Grundeinkommen steckt möchte ich mit Ihnen gerne am Mittwoch, den 17.05.2023 […]

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Wir stehen vor der Herausforderung, dass wir viele unserer gesellschaftlichen Umgangsformen und Verhaltensweisen überdenken und ändern müssten, um im Einklang mit der Ökosphäre unseres Planeten zu leben. Ein Baustein, um diese Veränderung zu ermöglichen, ist es ein Grundeinkommen einzuführen. Wie viel utopisches Potential im Grundeinkommen steckt möchte ich mit Ihnen gerne am Mittwoch, den 17.05.2023 besprechen.

Wann und wo?

Es wird am Mittwoch, den 17.05.2023, zwei Gelegenheiten geben, um mit mir ins Gespräch zu kommen. Die erste Gelegenheit ist von 18 Uhr bis 19 Uhr beim Onlineseminar der Attac AG „Genug für Alle“. Dieses Treffen wird über die Software Zoom stattfinden. Der Zugang sollte mit diesem Link möglich sein. Alternativ stehen die Zugangsdaten auch auf der Seite der Arbeitsgruppe.

Ab 20 Uhr bis ca. 22 Uhr gibt es die Gelegenheit, den Austausch beim BGE-Stammtisch der Sozial-Guerilla weiter zu vertiefen. Dieses Treffen erfolgt über BigBlueButton. Der Zugang sollte über diesen Link möglich sein. Alternativ können die Zugangsdaten auch bei der Sozial-Guerilla oder in der BGE Community nachgelesen werden.

Utopisches Potential

Statt das Grundeinkommen als weiteren Baustein des Sozialstaates zu betrachten, sehe ich darin deutlich mehr utopisches Potential, um unsere zukünftige Gesellschaft zu gestalten. Im Impulsvortrag werde ich meine Gedanken mitteilen und erzählen, welche Rolle das Grundeinkommen spielen könnte, um uns den Übergang in eine staats- und gewaltfreie Gesellschaft zu ermöglichen, in welcher alle Menschen selbstbestimmt leben können. Das beinhaltet auch, dass wir das Grundeinkommen statt als Anspruch als gegenseitiges Geschenk begreifen. Erst durch die Freiwilligkeit, sowohl bei den Empfangenden als auch den Gebenden, etablieren wir eine Haltung der Wertschätzung einem jeden Menschen gegenüber.

Indem wir das Grundeinkommen direkt in der Gesellschaft verankern, es freiwillig, gewaltfrei und schrittweise einführen, durch Nutzung einer komplementären Währung auf der Grundlage des Gleichgewichtsgeldes, benötigen wir weder Staat noch politische Mehrheiten. Wir können direkt mit der Umgestaltung unserer Gesellschaft beginnen und diese so gestalten, dass wir alle gern in ihr leben wollen.

Weiterführende Informationen dazu gibt es auf meiner Webseite ebenso wie eine Open-Access-Version meines Buches „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“.

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Gewaltfreie Transformation statt Kampf https://martinfinger.de/gewaltfreie-transformation-statt-kampf/ Mon, 24 Apr 2023 09:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=915 In Bewegungen, welche sich mit gesellschaftlichem Wandel beschäftigen, wird die erwünschte Transformation gerne mit dem Wandel der Raupe zum Schmetterling verglichen. Allerdings wird die Geschichte von der Metamorphose der Raupe zum Schmetterling zumeist so erzählt, dass es einen Kampf zwischen den Zellen der Raupe und neu entstehenden Imago-Zellen gäbe, welche vermeintlich den Wandel zum Schmetterling […]

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In Bewegungen, welche sich mit gesellschaftlichem Wandel beschäftigen, wird die erwünschte Transformation gerne mit dem Wandel der Raupe zum Schmetterling verglichen. Allerdings wird die Geschichte von der Metamorphose der Raupe zum Schmetterling zumeist so erzählt, dass es einen Kampf zwischen den Zellen der Raupe und neu entstehenden Imago-Zellen gäbe, welche vermeintlich den Wandel zum Schmetterling einleiten.

Ursprung des Schmetterlingsnarratives

Soweit ich feststellen konnte, stammt die Erzählung aus dem Buch „Butterfly“ von Norie Huddle aus dem Jahr 1990. Die Geschichte der Transformation war von Anfang an eine Metapher für die Transformation unserer Gesellschaft und hatte nichts mit der biologischen Realität von Raupe und Schmetterling zu tun. Wovon ich hoffe, dass es denjenigen, welche diese Geschichte weitererzählen, bekannt und bewusst ist. Entsprechend gibt es keinen Grund, diese Geschichte so zu erzählen, dass eine bestehende Gesellschaft nur durch eine gewaltsame Auseinandersetzung in eine andere Gesellschaft geändert werden kann.

Ich gehe davon aus, dass die in der Geschichte als „imaginal cells“, bzw. in den deutschen Varianten meist als „Imago-Zellen“, bezeichneten Zellen von der Autorin erfunden wurden, um die Geschichte so erzählen zu können, wie sie es getan hat. Nach meinem Verständnis von Evolution wären Schmetterlinge sowie andere Arten längst ausgestorben, wenn deren Metamorphosen so ablaufen würden, dass dieser energieaufwendige Prozess dadurch gestört würde, dass die Zellen der Larvenform und der adulten Form sich gegenseitig bekämpften.

Eine integrierende Transformationsgeschichte

Wir leben in einer Gesellschaft, welche von Gewalt geprägt ist. Daher ist es nachvollziehbar, dass diese Gewalterfahrung auch in einer solchen Transformationsgeschichte reproduziert wird. Um sich von dieser Reproduktion des Erlernten zu lösen ist es daher wichtig, die Transformation zumindest gewaltfrei zu denken und sich Gewalt so umfassend wie möglich zu entziehen. Das Erlernen von Methoden, um Gewalt ins Leere laufen zu lassen und die vermeintlichen Gegner als Akteure in eine gewaltfreie Transformation einzubeziehen, ist aus meiner Sicht der Schlüssel, um eine gewaltfreie Gesellschaft zu verwirklichen. Daher ist meine Empfehlung, die Metamorphose zum Schmetterling in Zukunft so zu schildern:

In dem Moment, wenn die Raupe aus ihrem Ei schlüpft, ist in ihr bereits das Potenzial zum Schmetterling angelegt. Damit sie dieses Potenzial entfalten kann, ist es ihre Aufgabe: so viel Energie wie möglich sammeln. Auch wenn die Raupe in diesem Zustand für ihre Umwelt zur Belastung werden kann, kann sie sich dieser Aufgabe nicht entziehen, ohne zugleich ihre Existenz aufzugeben. In der Folge käme sie niemals in die Lage, ihr volles Potenzial zu entfalten.

Hat die Raupe ihre Lebensaufgabe erfüllt und genügend Energie in ihrem Körper gespeichert, dann zieht sie sich aus der Welt zurück. Sie schottet sich ab, errichtet ihren Kokon und wendet sich ganz nach innen. Es beginnt die Transformation hin zu einer zweiten Geburt. Alles, was die Raupe einbringt und für den Schmetterling weiterhin nützlich ist, wird weiterverwendet und nach Bedarf angepasst. Alle Organe und Zellen, welche nicht mehr benötigt werden, dienen – so wie die gesammelte Energie – als Ressource, um die Metamorphose zu ermöglichen. Alles wird benötigt, damit der zukünftige Schmetterling die ihm gestellte Aufgabe wird erfüllen können.

Ist die Transformation vollendet und die Zeit gekommen, dann verlässt der Schmetterling die selbstgewählte Isolation und kehrt in die Welt zurück. Die Aufgabe des Schmetterlings ist nun: Ekstase. Es ist die Aufgabe des Schmetterlings, mit anderen Schmetterlingen in Kontakt zu kommen und so die nächste Generation von Schmetterlingsraupen zu ermöglichen. Während die Pflanzen, indem sie von der Raupe gefressen wurden, etwas zum Gelingen des Lebenszyklus des Schmetterlings beigetragen haben, so trägt nun der Schmetterling dazu bei, dass der Lebenszyklus der Pflanzen gelingt, indem er zu ihrer Fortpflanzung beiträgt.

Am Ende bleibt die Frage, nachdem wir mit unserer Zivilisation so viel Energie gesammelt haben, welche Rolle werden wir übernehmen und was wird unser Beitrag zu dieser Welt sein, auf und von der wir leben?

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Axiome der Zwei-Welten-Theorie https://martinfinger.de/axiome-der-zwei-welten-theorie/ Wed, 19 Apr 2023 11:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=911 Nachdem ich in der Zwei-Welten-Theorie (2WT) die Rolle von Geistos und Physos beschrieben habe, geht es in diesem Beitrag um Axiome zur 2WT. Also grundlegende Festlegungen, mit denen sowohl die Existenz des Individuums sowie dessen Eigenschaft „frei zu sein“ postuliert werden sollen. 1. Axiom: Ich bin. Bereits das Wort Ich beinhaltet die vollumfängliche Aussage der […]

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Nachdem ich in der Zwei-Welten-Theorie (2WT) die Rolle von Geistos und Physos beschrieben habe, geht es in diesem Beitrag um Axiome zur 2WT. Also grundlegende Festlegungen, mit denen sowohl die Existenz des Individuums sowie dessen Eigenschaft „frei zu sein“ postuliert werden sollen.

1. Axiom: Ich bin.

Bereits das Wort Ich beinhaltet die vollumfängliche Aussage der Existenz. Natürlich nur aufgrund der tautologischen Konstruktion, weil wir mit dem Begriff Ich uns selbst in der Sprache abbilden. Die Verbindung zwischen dem sprachlichen Abbild und unserer Existenz erlernen wir in unseren ersten Lebensjahren, sowie die Kontrolle über unseren Körper und dessen Erkennen im Spiegel.

Die Verwendung von bin wiederholt die Existenzaussage, welche durch das Ich bereits ausgedrückt wird. Es ist wichtig verschiedene Formen von Existenz zu unterscheiden. Zum einen eine passive Form von Existenz, welche von uns einem leblosen Objekt zugeschrieben wird, welches selbst allerdings keinen Einfluss auf seine Existenz nehmen kann und auch nicht in der Lage ist, die Bedeutung des 1. Axioms zu erfassen.

Daneben gibt es die aktive Form der Existenz. Diese beinhaltet – in der minimalsten Form – die Fähigkeit, auf die eigene Existenz Einfluss zu nehmen. Dies ist allen lebenden Subjekten zu eigen, wobei hier die Bedeutung des Wortes „lebenden“ tautologisch ist. Ebenso ist die Bedeutung von Leben und Subjekt zum Teil redundant. Die allumfassendste Form der aktiven Existenz beinhaltet die Fähigkeit, über die eigene Existenz zu reflektieren sowie diese auch in Frage zu stellen.

Während das Ich zunächst so verstanden werden könnte, dass es nur unserem Geist aus Geistos entspricht, führt der Sprechakt zu einer Verbindung von Geist und Körper. Wenn ich sage „Ich bin.“, dann umfasst mein Sprechakt sowohl meinen Geist, welcher den Sprechakt initiiert, als auch meinen Körper, welcher diesen Sprechakt ausführt. Dadurch verbinde ich beide Elemente zu einer Entität. Der Sprechakt entspricht damit der Kopplung von Geistos und Physos in der physischen Existenz unseres Gehirns, wie in der 2WT beschrieben. Kann ich das 1. Axiom nur denken, also in meinem Geist formulieren, ohne Verbindung zu einer Repräsentation in Physos zu haben, bleibt die Existenz eines Körpers ungewiss. Die Existenz des Geistes bleibt für den Geist gewiss, auch wenn er nicht mit anderen Geistern über seine Existenz in Austausch treten kann und somit keine Möglichkeit erhält, seine Existenzform zu ergründen.

Allerdings gibt es ebenso Sprechakte, welche die Einheit von Körper und Geist wieder auflösen. Ein Beispiel ist ein Bibelsprichwort: „Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.“ Solche Sprechakte halte ich für problematisch, weil sie suggerieren, es gäbe in uns eine Instanz – neben unserem Geist – welche unabhängig von uns Kontrolle über unseren Körper haben könnte. Solche Vorstellungen fördern eine Dissoziation mit unseren Handlungen und tragen dazu bei, dass wir für Handlungen, welche wir selbst ausführen, keine Verantwortung übernehmen, weil wir behaupten, dass wir für diese Handlungen nicht verantwortlich zu machen wären, weil andere Personen diese von uns verlangten oder wir behaupten, dass unsere Kontrolle über uns eingeschränkt gewesen sei. Mit solchen Konstruktionen, sollten diese nicht nur als Schutzbehauptung vorgetragen werden, um Bestrafung zu vermeiden, stellen wir uns gegen das 2. Axiom der 2WT.

2. Axiom: Ich bin frei.

Die Zuordnung des Attributs frei zum Ich ist eine Zuschreibung zum Geist. Schließlich ist unser Geist in der Lage in Geistos alles zu erschaffen, was er in der Lage ist zu denken. Unser Geist in Geistos unterliegt nicht den Beschränkungen, welchen unser Körper und unsere Handlungsmöglichkeiten in Physos unterliegen.

Jede Einschränkung, welcher unser Geist zu unterliegen meint, kann nur aus ihm selbst stammen und durch ihn manifestiert werden. Unser Geist ist in der Lage eine Beschränkung festzulegen, aufzuheben, zu ignorieren oder beizubehalten. Durch die Fähigkeit unseres Geistes, sich über die Logik hinwegzusetzen und gleichzeitig eine Beschränkung zu ignorieren als auch sie beizubehalten, ist es ihm möglich, das Allmachtsparadoxon zu transzendieren.

Ebenso kann unser Geist annehmen, er sei nicht allein in Geistos. Aufgrund der Allmacht unseres Geistes ist die Existenz eines anderen Geistes in Geistos zugleich Illusion und wird für unseren Geist Realität, wenn er das Wissen unterdrückt, dass alles in Geistos aus ihm selbst erschaffen wurde. Die Allheit von allem was ist, ist für den Geist in Geistos zu jeder Zeit erfüllt, auch wenn unser Geist sich einen Zustand von Getrenntsein imaginiert. Unser Geist ist in der Lage sich in jede –letztlich durch ihn selbst erschaffene – Illusion zu verstricken und sich zu weigern, diese Illusion als eigene Schöpfung zu erkennen. So ist unser Geist sogar in der Lage, seine Eigenschaft „frei zu sein“ zu verneinen.

Welche Folgen ergeben sich aus den Axiomen für die Wissenschaft?

Für die Differenzierung zwischen Parawissenschaften und Wissenschaften ergeben sich hier interessante Überlegungen. Jede Wissenschaft ist zunächst – bezogen auf Physos – eine über Physos hinausgehende Wissenschaft, denn jeder Gedanke entspringt unserem Geist. Erst wenn sich verschiedene Geister darauf verständigt haben, wie in Physos die Prüfung einer Theorie erfolgen soll und wenn diese Prüfung erfolgreich ist, wandelt sich eine Parawissenschaft zur Wissenschaft. Allerdings sind unsere Geister in Geistos allmächtig und so jederzeit in der Lage, durch Kombination von Handlungen in Physos mit Illusionen in Geistos, eine Parawissenschaft zu einer Wissenschaft zu deklarieren, obwohl die aufgestellten Theorien nichts über die Realität in Physos aussagen. Dies ist möglich, weil eine Wissenschaft als Konstrukt unseres Geistes immer in Geistos verbleibt.

Welche Folgen ergeben sich aus den Axiomen für die Religion?

Mit diesen beiden Axiomen können viele Aussagen aus religiösen oder spirituellen Schriften neu interpretiert werden. Ein als dunkel bezeichnetes Zeitalter und die Suche nach dem Akasha-Feld, dem kollektiven oder universellen Bewusstsein, Erleuchtung, Gott, Samadhi oder wie sonst die Bezeichnung sein mag, kann als Wunsch des Geistes verstanden werden, sich selbst wiederzuerkennen und damit seine Allmacht in Geistos zurückzuerlangen.

Da ein dunkles Zeitalter dadurch gekennzeichnet ist, dass die Existenz des Körpers permanent gefährdet ist, fällt es dem Geist – wenn er sich nur als Körper versteht – schwer, seine Natur zu erkennen. Verbunden mit der Angst vor der physischen Auslöschung, die zwar real sein mag, wird unser Geist zugleich daran gehindert, sein Potenzial in Geistos zu entfalten. Mit der Reduktion unseres Seins auf den Körper überträgt der Geist die in Physos bestehenden Restriktionen auch auf Geistos. So bleibt unserem Geist die Größe seiner Welt verborgen.

Der Versuch unseres Geistes einen Gott in Physos zu finden ist, nach meiner Vorstellung, zum Scheitern verurteilt. Schließlich würde es bedeuten, dass es eine Wesenheit gäbe, für welche unser Physos das ist, was für uns Geistos ist. Durch die Existenz einer solchen Wesenheit wären auf Physos dann die Regeln von Geistos anzuwenden und im Ergebnis müssten wir uns selbst als illusionäre Abspaltungen eines Geistes ansehen. Natürlich nur, wenn wir der 2WT diese Bedeutung geben und selbst einen Gott in Physos dieser Theorie unterwerfen wollten.

Die unbeantwortbare Frage.

Als Agnostiker bleibt für mich die Beantwortung einer Frage im Bereich des Nichtwissens. Die Frage, ob und falls ja in welchem Umfang, Geist und Geistos durch die Auslöschung des Körpers bzw. des Gehirns wirklich erlöschen oder ob unser Geist mit oder ohne Geistos sich mit einem anderen Körper in Physos neu verbinden kann, also im Sinne einer Wiedergeburt. Da unser Geist in Geistos allmächtig ist, können wir dies meinen, auch wenn es nicht zutreffen sollte. Ebenso könnte unser Geist auch erst durch die Überzeugung, dass er dazu in der Lage sei, die Befähigung erlangen, ewig zu sein.

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Existenzethik in der Denkinsel https://martinfinger.de/existenzethik-in-der-denkinsel/ Mon, 10 Apr 2023 09:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=908 Am Donnerstag, den 27.04.2023, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über meine Gedanken zu einer Existenzethik philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt. Existenzethik Meine Existenzethik ist so gedacht, dass allem Seienden ein Wert beigemessen wird. Grundlage ist die […]

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Am Donnerstag, den 27.04.2023, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über meine Gedanken zu einer Existenzethik philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt.

Existenzethik

Meine Existenzethik ist so gedacht, dass allem Seienden ein Wert beigemessen wird. Grundlage ist die Wertschätzung der eigenen Existenz, welche sich dadurch zeigt, dass ich sowohl meine eigene als auch die Existenz anderer schütze. Nur wenn ich meine Handlungen so wähle, dass diese sowohl meine als auch die Existenz anderer ermöglichen, schütze ich meine Existenz nachhaltig. Schlage ich einen Weg ein, in welchem ich meine Existenz schütze, um den Preis der Auslöschung anderer Existenzen, dann setze ich mutwillig meine eigene Existenz auf Spiel. Es wäre sogar fraglich, ob Handlungen, welche die eigene Auslöschung als Option beinhalten, bereits im Grundsatz keine Wertschätzung der eigenen Existenz mehr beinhalten.

Ich freue mich darauf, mit Ihnen im philosophischen Dialog am 27.04.2023 in Kitzingen gemeinsam unsere Gedanken zur Existenzethik zu vertiefen.

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Warum der Verbraucherpreisindex keine Inflationskennzahl ist https://martinfinger.de/warum-der-verbraucherpreisindex-keine-inflationskennzahl-ist/ Wed, 05 Apr 2023 12:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=902 Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Wägungsschemas 2020 möchte ich erläutern, wie – aus meiner Sicht – die Gleichsetzung des Inflationsbegriffs mit dem jährlichen Änderungsfaktor des Verbraucherpreisindex dazu genutzt werden kann, Menschen zu übervorteilen. Was ist Inflation? Heutzutage wird mit Inflation zumeist nur noch die Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) bezeichnet. Dieser Index betrachtet allerdings nur den […]

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Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Wägungsschemas 2020 möchte ich erläutern, wie – aus meiner Sicht – die Gleichsetzung des Inflationsbegriffs mit dem jährlichen Änderungsfaktor des Verbraucherpreisindex dazu genutzt werden kann, Menschen zu übervorteilen.

Was ist Inflation?

Heutzutage wird mit Inflation zumeist nur noch die Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) bezeichnet. Dieser Index betrachtet allerdings nur den Konsum privater Haushalte und blendet Kapitalanlagen vollständig aus. Im 20. Jahrhundert wurde der Begriff Inflation noch deutlich vielschichtiger betrachtet. Eine Betrachtung stand im Bezug zur Quantitätsgleichung, in welcher eine Verbindung zwischen Geldmenge und Preisniveau postuliert wurde.

Durch die Engführung der Inflationsrate auf den VPI und die Preisveränderungen von Konsumprodukten sowie die fehlende Berücksichtigung von Änderungen der Geldmenge, wird ein blinder Fleck geschaffen, welcher zu einer Übervorteilung vieler Menschen genutzt werden kann. Wie bei Destatis nachgelesen werden kann, lag die Inflationsrate von 2010 bis 2021 nur bei 17 % während im gleichen Zeitraum die Preise für Wohneigentum um 84 % gestiegen sind. Hier ist zu berücksichtigen, dass in Ballungsgebieten die Preise für Wohneigentum in der Regel deutlich stärker gestiegen sind als im ländlichen Raum.

Wie ist der Verbraucherpreisindex aufgebaut?

Werfen wir zunächst einen Blick darauf, wie der VPI strukturiert ist und wie die Gewichtungen in den letzten 20 Jahren jeweils verändert wurden. Die Gewichtung der einzelnen Waren und Dienstleistungen im VPI werden alle 5 Jahre angepasst anhand der Konsumausgaben der Bevölkerung im jeweiligen Bezugsjahr. Aufgrund der Pandemie wurden für das Basisjahr 2020 ausnahmsweise Zahlen von 2019 bis 2021 verwendet. Die Gewichtungen ergeben in Summe immer 1.000 Promille. Ich habe in der folgenden Tabelle die Gewichtungen der Einträge der 2. Ebene (dreistelliger Zifferncode) aufgelistet.

NummerBezeichnungGewichtung
2020
in Promille
Gewichtung
2015
in Promille
Gewichtung
2010
in Promille
Gewichtung
2005
in Promille
011Nahrungsmittel104,6984,8790,5289,99
012Alkoholfreie Getränke14,3511,9812,1913,56
021Alkoholische Getränke15,8316,9616,6216,56
022Tabakwaren19,4320,8120,9722,43
031Bekleidung35,5235,5636,2839,42
032Schuhe6,739,788,659,46
041Tatsächliche Wohnungsmiete75,56207,26209,93203,30
042Unterstellte Nettokaltmiete104,13
043Instandhaltung und Reparatur
von Wohnung/Wohnhaus
8,9312,198,1011,84
044Wasserversorgung u.a. Dienstleistungen
für die Wohnung
27,1936,4331,0733,04
045Strom, Gas u.a. Brennstoffe43,4468,8268,1959,82
051Möbel, Leuchten,
Teppiche u.a. Bodenbeläge
27,7019,4219,7626,50
052Heimtextilien5,873,953,554,07
053Haushaltsgeräte9,468,809,588,59
054Glaswaren, Tafelgeschirr
u.a. Gebrauchsgüter
7,513,683,504,05
055Werkzeuge und Geräte
für Haus und Garten
6,526,455,424,93
056Waren und Dienstleistungen
für die Haushaltsführung
10,727,747,977,73
061Medizinische Erzeugnisse,
Geräte und Ausrüstungen
22,9819,4219,6817,55
062Ambulante Gesundheitsdienstleistungen22,1620,2218,2416,10
063Stationäre Gesundheitsdienstleistungen10,356,496,526,62
071Kauf von Fahrzeugen46,0134,6632,6137,50
072Waren und Dienstleistungen
für Fahrzeuge
70,3870,7079,3175,57
073Personen- und Güterbeförderung21,8323,6922,8118,83
081Brief- und Paketdienstleistungen2,031,842,352,28
082Telefone u.a. Geräte für
die Kommunikation
4,162,661,701,60
083Telekommunikationsdienstleistungen17,1622,2226,0527,12
091Audio-, Foto-, IT-Geräte und Zubehör18,3114,1816,2919,01
092Andere Gebrauchsgüter
für Freizeit und Kultur
3,212,342,102,66
093Andere Güter für Freizeit
und Garten, Haustiere
26,3417,6420,9721,53
094Freizeit- und Kulturdienstleistungen27,9637,4133,2228,99
095Druckerzeugnisse, Schreib-
und Zeichenwaren
15,1915,1715,5117,56
096Pauschalreisen13,2226,6226,8325,93
101Bildungsdienstleistungen des
Elementar- und Primarbereichs
4,443,382,573,16
102Bildungsdienstleistungen des
Sekundarbereichs
1,341,471,34
104Bildungsdienstleistungen des
Tertiärbereichs
1,392,133,922,00
105Bildungsdienstleistungen nicht
einstufbarer Einrichtungen
1,892,040,972,24
111Gaststättendienstleistungen36,9536,3934,2332,12
112Übernachtungen10,2510,3810,4411,87
121Körperpflege21,3822,8822,5421,54
123Persönliche Gebrauchsgegenstände6,636,165,715,82
124Dienstleistungen sozialer Einrichtungen27,7514,1711,3511,81
125Versicherungsdienstleistungen22,5624,6822,7824,88
126Finanzdienstleistungen12,232,072,925,34
127Andere Dienstleistungen8,324,294,745,08
Vergleich der Gewichtungen von 2005 bis 2020

Die Gewichtung kann so gelesen werden, dass von 1.000 € – welche von uns im Jahr 2020 für Konsum ausgegeben wurden – wir für Bekleidung 35,52 € und für Essen in Restaurants 36,95 € ausgegeben haben. Natürlich sind dies alles nur Durchschnittswerte bezogen auf das Konsumverhalten von 83 Millionen Menschen. Allein deshalb kann der Index niemals unsere persönliche Situation adäquat repräsentieren. Darum soll es im Folgenden auch nicht gehen. Es gibt grundlegendere Probleme, wenn der Index als Inflationskennzahl referenziert wird.

Verbraucherpreisindex als Referenz bei Lohnverhandlungen

Wie bereits angesprochen, fließen die Preisveränderungen am Immobilienmarkt nicht direkt in den VPI ein. Über die Nettokaltmieten wirken diese Preisveränderungen nur indirekt und zeitlich verzögert auf den VPI. Zugleich dient gerade der VPI als vermeintliche Inflationskennzahl den Gewerkschaften oft als Referenz für die Forderung nach Lohnerhöhungen. Kombiniert mit der Tendenz der Arbeitgeber, statt Lohnerhöhungen lieber Einmalzahlungen zu gewähren, werden Gehälter sogar langfristig unter die Inflationsrate des VPI gedrückt. Dabei ist der Reallohnverlust durch die kalte Progression noch gar nicht berücksichtigt.

Dass sich mit der Umstellung des VPI auf das Wägungsschema 2020 die Inflationsrate für 2022 von 7,9 % auf 6,9% verringert ändert nichts an der Lebensrealität der Menschen. Es macht nur deutlich, dass der VPI für die Lebensrealität vieler Menschen nicht repräsentativ ist. Mit dem Wägungsschema 2020 wurden die realen und die fiktiven Wohnungsmieten (041) auf zwei Segmente (041 und 042) aufgeteilt. Dabei ist der Gesamtanteil der Nettokaltmieten gegenüber dem Wägungsschema von 2015 allerdings um 27,57 Promille gesunken. Während ein Teil der Menschen nicht durch Kaltmieten belastet wird – allerdings ggf. Kredite abzahlen muss, welche nicht im VPI berücksichtigt werden –, sind andere Menschen mit Mietzahlungen belastet, welche 30 % und mehr ihres verfügbaren Einkommens betragen. Ein Wohnungswechsel wird damit zum Armutsrisiko.

Warum es wichtig wäre, die Änderung des VPI nicht mehr mit Inflation gleichzusetzen

Die Güter im Warenkorb des VPI stammen in der Regel von Käufermärkten – Ausnahme ist der Mietwohnungsmarkt. Da Käufermärkte von Konkurrenz und Preisdruck geprägt sind, können auf diesen Märkten Preiserhöhungen oft nur durch begleitende externe Schocks realisiert werden – so wie es durch den Anstieg der Energiepreise 2022 ermöglicht wurde. So ist zumindest ein Teil der bereits erfolgten Geldentwertung auch im VPI sichtbar geworden. Der Immobilienmarkt ist in der Regel ein Anbietermarkt, weshalb der Kaufkraftverlust in diesem sehr viel schneller antizipiert wird. Dieser Effekt verstärkt sich, wenn Immobilien mit neugeschöpftem Geld aus Bankkrediten erworben werden.

Der VPI kann die Geldentwertung durch Geldmengenausweitung nicht abbilden. Durch die Kommunikation als Inflation trägt der VPI dazu bei, dass die Lohnabschlüsse von Gewerkschaften den Kaufkraftverlust – welcher in der Bewertung von Immobilien oder Wertpapieren ersichtlich wäre – nicht ausgleichen und daher die Preise im Supermarkt niedrig bleiben. So sorgt ein niedriger VPI dafür, dass eine Lohn-Preis-Spirale vermieden wird, während die Vermögensungleichheit zunimmt.

Wenn etwas als Inflation benannt wird, was keine ist

Besonders gefährlich wird dieser Umstand, wenn zum Beispiel Vertreter der Modern Monetary Theory auf den VPI verweisen und behaupten, dass die Geldmengenausweitung der letzten Jahre zu keiner Inflation geführt habe. Dabei wurde die Inflation gar nicht gemessen, sondern nur die Veränderung eines selektiven Preisindexes. Es wird dann unterstellt, die Erhöhung der Geldmenge hätte keine Folgen gehabt und daher könnten staatliche Ausgaben oder die Umstellung der Wirtschaft auf regenerative Energien über die Expansion der Geldmenge finanziert werden. Dass jede Ausweitung der Geldmenge dazu beiträgt, die Umverteilung von Einkommen von arbeitenden Menschen zu Eigentümern zu verstärken, wird dabei ausgeblendet. Die primäre Umverteilung durch die Mietzahlungen und die sekundäre Umverteilung durch den steigenden Anteil von Zinsen und Dividenden in den Güterpreisen – letztere spiegeln sich in den Rekordgewinnen von Unternehmen wieder – finden keine Berücksichtigung. Aufgrund der Mechanismen des Finanz- und Geldsystems verstärkt die Ausweitung der Geldmenge zugleich die Vermögenskonzentration.

Ich halte es für wichtig, die Inflation wieder stärker an die Ausweitung der Geldmenge zurückzukoppeln, indem die Preisänderungen von Kapitalgütern – wie Immobilien oder Wertpapieren – bei der Bewertung der Kaufkraftveränderung mit berücksichtigt werden. Ebenso sollten mehr Menschen verstehen, wie die Umverteilungsmechanismen von arbeitenden Menschen zu Eigentümern funktionieren. Dass der Traum vom Eigenheim für viele Menschen immer unerreichbarer wird, basiert auf den gleichen systemischen Effekten, welche auch zur Vermögens- und Machtkonzentration beitragen. Diese Rahmenbedingungen wirken unabhängig von einzelnen Personen, da diese Funktionsweise über Gesetze und Verordnungen in staatliche als auch wirtschaftliche Institutionen fest eingeschrieben wurde.

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Solidarität statt Wettbewerb https://martinfinger.de/solidaritaet-statt-wettbewerb/ Fri, 24 Mar 2023 11:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=898 Mein subjektiver Bericht vom gemeinsamen Workshop von FRIBIS und CIW in Münster zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE). An den beiden Tagen gab es insgesamt sechs Vorträge, welche sich mit unterschiedlichen Fragen zum und Perspektiven auf ein Bedingungsloses Grundeinkommen befasst haben. Neben dem Aspekt, dass sich viele der teilnehmenden Wissenschaftlys bereits kennen und schon länger im Austausch […]

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Mein subjektiver Bericht vom gemeinsamen Workshop von FRIBIS und CIW in Münster zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE).

An den beiden Tagen gab es insgesamt sechs Vorträge, welche sich mit unterschiedlichen Fragen zum und Perspektiven auf ein Bedingungsloses Grundeinkommen befasst haben. Neben dem Aspekt, dass sich viele der teilnehmenden Wissenschaftlys bereits kennen und schon länger im Austausch stehen, war die Offenheit und Sachlichkeit, mit welcher über das Thema Grundeinkommen gesprochen wurde, für mich sehr angenehm. Aufgrund der Themensetzung durch die Vorträge wurden die grundsätzlicheren Diskussionen eher in den Pausen geführt.

Grenzen der Ökonomie

Die Vorträge am ersten Tag waren grundsätzlichen Positionen sowie ökonomischen Betrachtungen gewidmet. Neben dem üblichen Vergleich von Grenzsteuersätzen verschiedener Modelle, war am auffälligsten, dass über die Folgen eines BGE – innerhalb der Ökonomie – letztlich keine plausiblen Annahmen getroffen werden können. Es fehlt sowohl an passenden Modellen als auch an belastbaren Zahlen über die Verhaltensweisen von Menschen. Diese Lücken lassen sich auch mit den Ansätzen der Verhaltensökonomik kaum füllen, da Gesellschaft hierfür zu komplex ist und verschiedenste Mechanismen kennt, um Verhaltensweisen von Individuen zu beeinflussen.

Interessant war auch, dass in mehreren Vorträgen das Böckenförde-Diktum referenziert wurde. Allerdings kann nicht gesagt werden, ob ein BGE dabei hilft, eine freiheitliche Demokratie zu erhalten oder aufgrund der mit dem staatlichen BGE verbundenen gewaltsamen Umverteilung zu einer autoritären Form von Demokratie führt.

Vielseitige Überlegungen

Am zweiten Tag gab es verschiedene Perspektiven auf das Grundeinkommen. Die Schwerpunkte waren Altenpflege, Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit. Letztlich wurde auch hier deutlich, dass ein BGE nicht automatisch zu einer angestrebten Verbesserung führt. Eine Geldzahlung führt eben nicht zu einem bestimmten Verhalten, sondern die Erwartungen in der Gesellschaft an das Individuum haben einen viel größeren Einfluss auf dessen Verhalten. Ein BGE kann eingesetzt werden, um Anreize zu verstärken, dafür müssen allerdings die entsprechenden ethischen und ggf. moralischen Grundlagen innerhalb der Gesellschaft auch vorhanden sein und praktiziert werden.

Wissenschaftliche Abhandlungen zum BGE werden nie vollkommen neutral erfolgen können, schließlich ist die Gesellschaft, in welcher wir leben, auch nicht frei von normativen Setzungen. Insbesondere, wenn Aussagen von Einzelpersonen – wie das Böckenförde-Diktum – miteinander abgewogen werden, sind mit diesen Aussagen auch normative Setzungen verbunden. Hier kommt aus meiner Sicht die Wissenschaft in ein etwas merkwürdiges Fahrwasser. Auf der einen Seite eine neutrale Position gegenüber den referenzierten Aussagen von Personen einzunehmen, welche analysiert und ggf. interpretiert werden, und zugleich werden die Normen in den Aussagen als Setzung übernommen. Für mich ist es schwierig, auf dieser Grundlage in eine Diskussion zu kommen, denn dasjenige Sprechy, auf dessen Zitate referenziert wurde, ist nicht anwesend. Daher bevorzuge ich es, in einem Dialog keine Zitate von anderen Personen zu verwenden, sondern die eigene Position zu vertreten und diese mit Argumenten zu unterfüttern, statt sich normativer Setzungen durch Zitierung zu bedienen.

Transparenz

Ich habe als Privatperson an der Veranstaltung teilgenommen. Es ging mir primär darum, mit Wissenschaftlys ins Gespräch zu kommen, welche sich mit dem Thema Grundeinkommen befassen, um einander persönlich kennenzulernen und sich miteinander zu vernetzen.

Die Kosten für die Teilnahme (Tagungsbeitrag, Übernachtung, Verpflegung) von 90 € brutto werde ich über die Credere Stiftung verrechnen. Die Anreisekosten in Form der Kraftstoffkosten von ca. 56 € brutto werde ich über meine schriftstellerische Tätigkeit als Kosten geltend machen.

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Wir leben in zwei Welten. https://martinfinger.de/wir-leben-in-zwei-welten/ Fri, 17 Mar 2023 12:00:32 +0000 https://martinfinger.de/?p=892 Lassen Sie mich den beiden Welten zunächst Namen geben. Die eine Welt ist Physos und die andere Welt ist Geistos. Physos ist die Welt, aus welcher wir unsere Sinneseindrücke erhalten. Wenn einer unserer Sinne einen Reiz erhält und wir hören, riechen, schmecken, sehen, tasten. Wenn wir Wärme oder Kälte spüren, eine Berührung auf unserer Haut […]

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Lassen Sie mich den beiden Welten zunächst Namen geben. Die eine Welt ist Physos und die andere Welt ist Geistos. Physos ist die Welt, aus welcher wir unsere Sinneseindrücke erhalten. Wenn einer unserer Sinne einen Reiz erhält und wir hören, riechen, schmecken, sehen, tasten. Wenn wir Wärme oder Kälte spüren, eine Berührung auf unserer Haut oder uns etwas schmerzt, weil wir uns verletzt haben. Alle diese Impulse stammen aus Physos. Es ist die Welt, welche wir als physisch erleben, in welcher unser Körper existiert.

Die zweite Welt – Geistos – ist diejenige Welt, welche in uns, in unserem Geist existiert. Diese Welt ist von uns erschaffen, denn in dieser Welt existieren nur wir, wir allein. Genauer unser Ich, das, was wir als unsere Identität erleben. Wir leben als Geistwesen in dieser Welt. Hier gibt es keine Sinneseindrücke, denn alles ist Geist.

Beide Welten sind in unserem Gehirn miteinander verschmolzen. Unser Gehirn ist unfähig, selbst Sinneseindrücke zu erfahren. Das Gehirn existiert für uns als physisches Objekt in Physos, zugleich entsteht in ihm unser Geistos. Wird unser physisches Gehirn zerstört, so erlischt auch unser Geistos.

Welche Welt ist real und welche materiell?

Lassen Sie sich für einen Moment darauf ein, wenn ich sage, dass beide Welten real sind und dass Geistos sogar die realere Welt für uns ist. Dafür erhält Physos die Zuschreibung materiell zu sein, denn wenn wir etwas als physisch bezeichnen, meinen wir damit Materie.

Dass ich Geistos als die für uns realere Welt bezeichne liegt daran, wie ich uns Menschen erlebe. Wie erklären Sie sich, dass Menschen an einer Vorstellung, einer Handlung, einem Ziel festhalten können, welches für Sie unverständlich ist, gegen jede Logik oder Vernunft. Sie dieses Verhalten vielleicht sogar mit Wahnsinn bezeichnen würden, weil Sie für sich selbst die Vorstellung haben, jemand setzt sein Leben, seine Existenz aufs Spiel, wenn er weiterhin so denkt oder handelt. Die für mich naheliegende Erklärung ist, dass seine Gründe für sein Handeln von seinem Geist stammen, welcher in einem anderen Geistos existiert, als das Geistos, in welchem Ihr Geist existiert. Ebenso wie mein Geist in einem anderen Geistos existiert.

Ich denke es hilft, sich diesen Unterschied bewusst zu machen. Auch wenn unsere Körper miteinander die Welt Physos teilen, so kommunizieren wir immer als Geist miteinander. Der Sprechakt wird vom Körper ausgeführt, doch die Worte hat unser Geist ausgewählt. Die Synchronisation von Geist und Körper benötigt Jahre. Bis unser Geist versteht, wie er die Reize aus Physos in Geistos abbilden soll und bis es ihm gelingt, die Funktionsweise des Körpers zu adaptieren, gibt es viele aufgeplatzte Knie und stundenlanges Kauderwelsch.

Wenn Sie wissen wollen, wie verschieden unsere jeweiligen Geistos sind, fragen Sie einmal ein Freundy ob es eine Stimme hört, wenn es einen Text liest. Oder fragen Sie es, ob seine Träume bunt sind. Ja, wir teilen Physos miteinander, doch wir leben in unterschiedlichen Welten, denn jedes von uns lebt in seinem eigenen Geistos.

Was können wir mit dieser Idee anstellen?

Mein Wunsch wäre es, dass wir diese Zwei-Welten-Theorie nutzen, um unsere Geister miteinander zu versöhnen. Die Vorstellung, dass unsere Realität immer objektiv sei und wir bei gleichem Wissensstand zu gleichen Handlungsvorstellungen gelangen müssten, ist ein Irrtum. Wir sind in der Lage, uns über viele Dinge in unserer miteinander geteilten Welt Physos zu einigen. Wir können Worte definieren und uns auf eine Bedeutung einigen. Diese Objektivierung bleibt dabei immer lückenhaft.

Wenn ich Sie jetzt bitten würde einen Stuhl zu beschreiben, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir beide uns einen exakt gleichen Stuhl vorstellen. Wenn wir uns genug Zeit nehmen und einander unsere Vorstellung eines Stuhles beschreiben, können wir unsere Stühle angleichen – auf welchen dann unsere Geister in ihrem jeweiligen Geistos platznehmen. Deshalb ist die Mathematik eine so praktische Sprache, weil sie genauer ist als unsere Alltagssprache. Daher benötigen zwei Geister weniger Zeit – wenn sie mittels mathematischer Symbole kommunizieren –, um ihre Vorstellung abzugleichen. Im Gegensatz zu unserer Alltagssprache, welche teilweise erschreckend ungenau ist.

Ich möchte uns einladen, uns mehr Zeit zu nehmen, um uns miteinander über unsere Geistos auszutauschen. Zu verstehen, dass diese Unterschiede, welche wir dabei feststellen werden, ein Anlass zur Freude sind. Selbst eineiige Zwillinge, welche genetisch identisch sind, sind einzigartig, weil jeder Geist sein eigenes Geistos erschafft. Die Vorstellung, dass jeder von uns ein eigenes Universum mit sich herumträgt, finde ich faszinierend. Dabei habe ich über Phantasie noch gar nicht gesprochen. Alle unsere Geschichten sind in Geistos ebenso existent, wie unser Abbild von Physos. Neben der Erforschung von Physos gibt es also noch Milliarden weiterer Welten, welche wir erforschen können und mit jedem Menschen kommt eine weitere Welt hinzu.

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Fragiles Geldsystem https://martinfinger.de/fragiles-geldsystem/ Tue, 14 Mar 2023 14:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=887 Sind die Bankenschließungen (Signature Bank, Silicon Valley Bank, Silvergate Bank nur als Nachwehen der Null- und Negativzinsen oder als Vorboten für noch größere Erschütterungen zu verstehen? Die ehrliche Antwort für unsere komplexe Welt ist: Ich weiß es nicht, es kommt darauf an. Ich kenne nicht die Anlagestruktur der Finanz- und Versicherungsunternehmen sowie deren Verpflichtungen, um […]

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Sind die Bankenschließungen (Signature Bank, Silicon Valley Bank, Silvergate Bank nur als Nachwehen der Null- und Negativzinsen oder als Vorboten für noch größere Erschütterungen zu verstehen?

Die ehrliche Antwort für unsere komplexe Welt ist: Ich weiß es nicht, es kommt darauf an. Ich kenne nicht die Anlagestruktur der Finanz- und Versicherungsunternehmen sowie deren Verpflichtungen, um eine fundierte Risikoeinschätzung vornehmen zu können. Daher werde ich im Folgenden nur das Problem erklären, an welchem zumindest die beiden zahlungsunfähigen Banken (Signature Bank, Silicon Valley Bank) gescheitert sind. Die Silvergate Bank wird wohl ähnlich wie die Fidor Bank kontrolliert geschlossen werden, weil sie nicht profitabel genug waren.

Wer durch steigende Zinsen verliert.

Um das Liquiditätsproblem zu verstehen, ist es wichtig zu verstehen, was mit den Null-Zins-Anleihen passiert, wenn die Zinsen wieder steigen. Hier am Beispiel von DE0001102473, eine 10jährige Bundesanleihe, Emission 2019 und fällig 2029, Zinssatz 0 %.

Der Emissionspreis lag zwischen 102,64 € und 107,28 € wohlgemerkt für einen Betrag von 100 €, welchen der Besitzer nach 10 Jahren für diese Anleihe ausgezahlt bekommt. Habe ich das Papier für 105 € gekauft und behalte es bis zum Ende, verliere ich auf die 10 Jahre gerechnet pro Jahr 0,50 € und habe damit eine Renditeerwartung von minus 0,5 % pro Jahr. Habe ich allerdings das Papier 2020 zum Preis von 108 € verkauft, dann habe ich trotz negativer Renditeerwartung einen Gewinn von 3 € erzielt. Der neue Besitzer hat nun allerdings eine noch geringere Renditeerwartung, welche beim Verlust von 8 € auf die verbleibenden neun Jahre eine Renditeerwartung von -0,89 % entspricht.

Wenn Ihr Euch die Charts zum Kurs und zur Rendite anschaut gilt es immer mitzudenken, dass die dort gezeigte Rendite immer dem Verhältnis vom aktuellen Preis zu den noch zu erwartenden Zinsen und dem ausgezahlten Nennwert zum Ende der Laufzeit entspricht. Da es keinen Zins gibt, bestimmt sich die Rendite allein darüber, ob der Kurs über oder unter dem Nennwert liegt.

Dass aktuell die Renditen steigen ändert nichts an meiner negativen Renditeerwartung, wenn ich das Papier 2019 für 105 € erworben habe. Ganz im Gegenteil. Die positive Rendite basiert auf dem Preis von 84 €, zu welchem das Papier aktuell am 09.03.2023 gehandelt wurde. Die Renditeerwartung von 2,75% trifft also nur zu, wenn ich das Papier am 09.03.2023 gekauft habe, denn ich erhalte am Ende der Laufzeit trotzdem 100 €, obwohl ich nur 84 € dafür bezahlt habe. Sollte ich meine Anleihe, welche ich für 105 € gekauft habe, vorzeitig verkaufen müssen, dann fällt mein Verlust deutlich größer aus als erwartet. Statt nur 5 € verliere ich dann 21 € und das nicht über 10 Jahre hinweg, sondern über vier Jahre, was einem Verlust von 5 % pro Jahr entspricht.

Warum sollte jemand freiwillig so einen Verlust eingehen?

Natürlich macht niemand so etwas freiwillig. Zahlungsverpflichtungen und mangelnde Liquidität machen einen solchen Verlust erst möglich, weil versucht wird eine Insolvenz zu vermeiden. Aufgrund der hohen Verluste, welche aktuell mit dem Verkauf dieser Anleihen verbunden sind, reichen bereits Gerüchte, um eine sich selbsterfüllende Prophezeiung in Gang zu setzen. Alle Unternehmen, welche Kundengelder verwalten, haben hier ein Risiko, nicht nur Banken. Vor allem, wenn Kundengelder mit kurzer Frist abgezogen werden können und die Liquidität in Staatsanleihen mit langer Restlaufzeit gebunden ist.

Gerade im Euroraum – weil zugelassen wurde, dass Kundengelder mit negativen Zinsen belastet werden durften – war die Notwendigkeit in Anleihen zu wechseln entsprechend groß. Erst mit der prozentualen Gebührenerhebung wird verständlich, warum die Null-Zins-Anleihen trotzdem ein lukratives Geschäft für die Banken darstellte.

Je höher die Zinsen steigen, umso höher steigt das Verlustrisiko für diejenigen, welche die Anleihen gekauft haben. Weil alle Anleihen in der Tendenz eine gleiche Rendite erreichen müssen, damit es weiterhin Käufer dafür gibt.

Unterschied zu 2008

Wenn die Regulierer eine Lektion in der Finanzkrise 2008 gelernt haben dann diese: Kundengelder garantieren und umgehend wieder Liquidität bereitstellen. Wer für die garantierten Gelder später aufkommt ist zweitrangig. Zumindest der Steuerzahler soll es dieses Mal nicht sein.

Wir werden sehen, ob es dabei bleibt. Inzwischen wissen die Regulierer, wie hochgradig nervös die Finanzakteure reagieren können. Auf dem Finanzmarkt geht es um Psychologie, Phantasie und Ängste. Es gibt nichts Materielles, an was sich die Akteure klammern könnten, wenn die Zeiten unsicher werden.

Meine Spekulation: Sollte es zu Engpässen bei der Liquidität von Unternehmen kommen, welche als wichtig eingestuft wurden, kann ich mir vorstellen, dass die Zentralbanken ihnen die Staatspapiere zum Nennwert oder zumindest mit deutlich geringeren Abschlägen abkaufen, als wenn diese auf dem Markt verkauft werden müssten. Es dürfte deutlich günstiger und auch einfacher sein, als gefährdete Einlagen über andere Sicherungssysteme zu ersetzen. Die FED hat mit dem BTFP bereits ein erstes Programm in diese Richtung beschlossen.

Staatsanleihen – die neuen Suprime-Papiere

Warum Suprime? Dafür reicht ein Blick auf eine 30jährige Anleihe wie diese. Der Kurs liegt gerade noch bei 50 % des Nennwerts. Steigen die Zinsen weiter, wird der Kurs wohl noch weiter fallen. Ich weiß nicht, ob jemand bereit wäre, eine solche Anleihe für 10 € oder weniger zu verkaufen. Wer hätte vor 5 Jahren damit gerechnet, dass deutsche Staatsanleihen ein Verlustrisiko von aktuell 50 % haben, wenn ich sie jetzt liquidieren müsste?

Während der Zeit der Negativzinsen konnten Banken auch mit über dem Nennwert gekauften Staatsanleihen gute Gewinne machen. In verschiedensten Artikeln wurde frohlockt über die Milliarden Euro, welche die Banken dem deutschen Staat geschenkt hätten. Dabei wurde leider nicht verstanden, dass ein negativer Zins – so wie die Bürger ihn auf ihre Einlagen zahlen durften – und eine negative Renditeerwartung einer Staatsanleihe nicht das Gleiche sind.

Dank der Ankaufprogramme der Zentralbanken gab es einen sicheren Käufer für Wertpapiere. Leider wurde nie veröffentlicht, zu welchem Preis die Anleihen eingekauft wurden. So werden wir wohl erst in den nächsten Jahren erfahren, wie viel über Wert die Zentralbanken die Anleihen aufgekauft haben und welche Gewinne die Banken daraus generieren konnten. Zumindest haben die Zentralbanken den Vorteil, dass sie keine Notwendigkeit haben, die Anleihen vor Ende der Laufzeit zu verkaufen. Ihr Verlust bleibt auf die Differenz zwischen Kaufpreis und Nennwert begrenzt, wenn sie die Anleihen über Nennwert gekauft haben.

Andere Käufer können eventuell nicht bis zum Ende der Laufzeit warten. Für die Anbieter von Renten- und Lebensversicherungen könnten sich die steigenden Zinsen als Bumerang entpuppen. Je nachdem, wie viele der niedrigverzinsten Staatsanleihen sie in ihren Büchern haben. Entscheidend ist, ob es ihnen gelingt, liquide zu bleiben und abzuwarten, bis sie den Nennwert der Anleihen ausgezahlt bekommen, statt diese zu Kursen unter Nennwert zu verkaufen. Hohe Zinsen und hohe Inflation könnten allerdings dazu führen, dass sich überdurchschnittlich viele Rentenempfänger für eine Einmalzahlung entscheiden, statt für eine lebenslange Rentenzahlung. Antworten wird hier vielleicht der nächste Stresstest der EIOPA liefern.

Welche Folgen die Zinswende noch haben wird bleibt ungewiss. Unser Geldsystem bleibt ein fragiles System. Ich kann verstehen, dass es in einer komplexen Welt zu viele Dinge gibt, welche um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Zugleich ist es schön zu wissen, dass so viele Menschen bereit sind ihr Leben anderen Menschen anzuvertrauen. Nicht zwingend im physischen Sinne, sondern weil wir uns darauf einlassen, dass Ersparnisse eines Lebens plötzlich verloren gehen. Ich wünsche mir nur, dass wir unsere Leben bewusst einander anvertrauen und nicht aus Versehen und aus Unwissenheit.

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Kritische Gedanken zur Demokratisierung der Wirtschaft https://martinfinger.de/kritische-gedanken-zur-demokratisierung-der-wirtschaft/ Wed, 01 Mar 2023 14:25:03 +0000 https://martinfinger.de/?p=884 Inzwischen höre ich häufiger die Forderung, dass die Wirtschaft demokratisiert werden solle. Was sich genau hinter dieser Forderung verbirgt, bleibt zumeist eher unklar. Ich sehe in der Übertragung der Funktionsweise unseres politischen Systems auf die Organisation unserer Wirtschaft erhebliche Risiken. Wie funktioniert Demokratie? Menschen gehen zur Wahl und legitimieren damit andere Menschen, Entscheidungen in ihrem […]

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Inzwischen höre ich häufiger die Forderung, dass die Wirtschaft demokratisiert werden solle. Was sich genau hinter dieser Forderung verbirgt, bleibt zumeist eher unklar. Ich sehe in der Übertragung der Funktionsweise unseres politischen Systems auf die Organisation unserer Wirtschaft erhebliche Risiken.

Wie funktioniert Demokratie?

Menschen gehen zur Wahl und legitimieren damit andere Menschen, Entscheidungen in ihrem Namen zu treffen. Dabei gibt es keine Rückbindung, ob die späteren Entscheidungen im Interesse oder zum Vorteil der Wählys getroffen wurden. Um diesen Nachteil zu beheben wird dann überlegt, dass die parlamentarische Demokratie durch basisdemokratische Elemente wie Volksentscheide ergänzt werden soll. Basisdemokratie mag dazu beitragen, dass mehr Menschen für eine Entscheidung verantwortlich sind. Es ändert allerdings nichts daran, dass Menschen gegen ihren Willen Nachteile aufgezwungen werden.

Es ist immer einfacher, von anderen Menschen Einschränkungen und Verzicht zu fordern, als selbst auf Vorteile und Privilegien zu verzichten. Die Demokratie fördert dieses Verhalten, weil zwei Elemente voneinander getrennt werden. Diese beiden Elemente sind zum einen die Entscheidung, was getan werden soll, und zum anderen, wer es machen bzw. dafür aufkommen soll. Es ist einfach, ein Gesetz zu erlassen. Egal, ob es als Gebot: „Ausbau der Nutzung von Sonnenenergie“, oder als Verbot: „Minderung der Treibhausgasemissionen“, formuliert wird. Jedes Gesetz, wenn es eine Wirkung haben soll, erfordert handelnde Menschen und ggf. Zugang zu weiteren Ressourcen, um umgesetzt zu werden.

Bezahlen sollen die Anderen

Weil diejenigen, welche eine Forderung beschließen, egal ob Parlament oder Bevölkerung, nicht selbst die damit verbundenen Lasten übernehmen, kommt es in der Demokratie permanent zum Kampf jeder gegen jeden. Die Vorstellung von Thomas Hobbes in seinem Buch Leviathan, dass der Staat den Kampf jeder gegen jeden beenden sollte, wurde somit nicht erfüllt. Stattdessen ist der demokratische Staat davon geprägt, dass jede Gruppe – wenn sie eine ausreichende Mehrheit mobilisieren kann – sich Vorteile zu Lasten einer anderen Gruppe verschaffen kann.

Die Übertragung dieses gewalttätigen Prinzips auf die Wirtschaft, dass wir anderen Menschen gegen ihren Willen Lasten aufzwingen dürfen, trägt zu einer weiteren Entfremdung der Arbeitstätigkeit bei. Die Demokratisierung der Wirtschaft bestand in Deutschland zunächst darin, dass Beschäftigten die Möglichkeit gegeben wurde, Unternehmensentscheidungen zu beeinflussen. Wichtige Instrumente sind die paritätische Besetzung von Aufsichtsräten sowie die Schaffung von Betriebsräten. Wie gut die Zusammenarbeit von Unternehmensleitung und dem jeweiligen Gremium gelingt, hängt im großen Maße davon ab, welches Verständnis die beteiligten Personen von ihrer Tätigkeit haben.

Verteilung von Privilegien

Die Vorstellung einer Person, sie habe ein Recht oder einen Anspruch auf eine bestimmte Leistung, trägt zu einer konfrontativeren Verhandlungsführung bei. Wir leben heute in einer Gesellschaft, in welcher viele Privilegien bereits verteilt wurden. Je länger ein Privileg nicht in Abrede gestellt wird, umso eher wird es als Selbstverständlichkeit angesehen und gar nicht mehr als Privileg wahrgenommen. Das bedeutendste Privileg ist die staatlich garantierte Umverteilung von Vermögen von erwerbstätigen Menschen zu Eigentümern. Ergänzt durch die Umverteilung im Rahmen von Sozialsystemen von Erwerbstätigen zu Anspruchsberechtigten.

Ein Teil der Einnahmen aus der Einkommens- und Umsatzsteuer wird dann verwendet, um Schäden an der Ökosphäre zu kompensieren. Sowie die extremsten Armutsfolgen abzumildern, welche durch Eigentumsprivilegien erst ermöglicht werden.

Verantwortung statt Privilegien

Statt Unternehmen einer nicht genauer definierten demokratischen Mitbestimmung zu unterwerfen, halte ich es für zielführender, Privilegien zu entziehen. Kein Unternehmen darf Aktivitäten durchführen, welche mit einer Schädigung der Ökosphäre verbunden sind. Stattdessen gilt es verantwortlich zu handeln und Schäden zu vermeiden bzw. vollständig zu beheben, falls eine Vermeidung nicht möglich ist. Die Wirtschaft muss nicht demokratischer werden, sondern wir Menschen brauchen eine Ethik, nach welcher wir die Folgen unseres eigenen Handelns verantworten, statt diese anderen Menschen oder einer nächsten Generation aufzubürden.

Es ist wichtig, dass wir unsere Gemeinschaft als ein Miteinander verstehen. Als Alternative zu Mehrheitsabstimmungen, bei welchen Menschen über andere Menschen bestimmen, schlage ich vor, uns mittels Konsens auf gemeinsame Wege und Lösungen zu einigen. Wenn wir bereit sind, uns nicht mehr gegenseitig Lasten aufzuerlegen oder gar Schaden zuzufügen, dann muss nicht jeder Mensch versuchen, jede Entscheidung zu beeinflussen. Stattdessen können wir entspannter miteinander umgehen und uns mit den Themen beschäftigen, welche uns wichtig sind. Wir entscheiden selbst, wie wir leben wollen und sprechen miteinander, wenn unsere Handlungen das Leben anderer Menschen beeinflussen könnten.

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Die Geschichte meiner Utopie https://martinfinger.de/geschichte-meiner-utopie/ Mon, 20 Feb 2023 12:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=879 Jede Utopie hat ihre Geschichte. Wer sich meine Arbeiten von 2007 anschaut, dürfte darin bereits einige Elemente wiedererkennen, welche ich auch in meinem Buch „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ verwende. Wie sähe unsere Gesellschaft aus, wenn meine Ideen für ein alternatives Steuer- und Sozialsystem umgesetzt worden wären? Wenn die Finanzkrise 2008 nicht zur Rettung von Banken […]

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Jede Utopie hat ihre Geschichte. Wer sich meine Arbeiten von 2007 anschaut, dürfte darin bereits einige Elemente wiedererkennen, welche ich auch in meinem Buch „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ verwende.

Wie sähe unsere Gesellschaft aus, wenn meine Ideen für ein alternatives Steuer- und Sozialsystem umgesetzt worden wären? Wenn die Finanzkrise 2008 nicht zur Rettung von Banken geführt hätte, sondern stattdessen das Grundeinkommen mittels Komplementärwährung eingeführt worden wäre. Wenn wir ein Steuersystem verwirklicht hätten, welches für jeden leicht verständlich ist und wir über die Verwendung der Steuern mitentscheiden dürften. Ich möchte in diesem Beitrag nicht darüber spekulieren, was hätte sein können. Stattdessen möchte ich meine Schritte nachvollziehen und betrachten, welche Teile meines Buches schon 2007 erkennbar waren und welche Zwischenschritte es bis 2022 gegeben hat.

Vom umlaufgesicherten Geld zum Gleichgewichtsgeld

Ein wichtiges Element ist das entworfene Geldsystem, zu welchem mir damals noch die Bezeichnung Gleichgewichtsgeld fehlte. Allerdings wäre die Bezeichnung damals noch gar nicht korrekt gewesen. Die in der Arbeit entworfene Komplementärwährung „Neuro“ war der Beschreibung nach tatsächlich noch als umlaufgesichertes Geld konzipiert. Erst zwischen 2013 und 2014, als ich mich auch vom Staat als notwendigem Bestandteil einer zukünftigen Gesellschaft immer weiter gelöst habe, spreche ich in meinen Vorträgen ab 2014 schließlich nicht mehr von einer Umlaufsicherung, sondern von Geldlöschung. Da ist es auch nachvollziehbar, dass Dag Schulze im Jahr 2014 schließlich den Begriff „Gleichgewichtsgeld“ für diese Geldsystematik vorgeschlagen hat.

Der Unterschied zwischen einem umlaufgesicherten Geld und der Geldlöschung im Gleichgewichtsgeld mag für den einzelnen Nutzer kaum relevant sein. In beiden Fällen nimmt sein nomineller Geldbetrag ab. Ich halte den Unterschied trotzdem für bedeutsam, vor allem in psychologischer Hinsicht. Die Umlaufsicherung kann als Gebühr oder Steuer betrachtet werden. Soweit diese Zahlungsverpflichtung nicht freiwillig eingegangen wurde, kann diese als gewaltsame Umverteilung angesehen werden. So wie Bankkunden bis Mitte 2022 in vielen Fällen der Negativzins aufgezwungen wurde. Wenn die Geldeinheiten gelöscht werden und nicht von anderen Personen oder Institutionen vereinnahmt werden, findet dadurch auch keine Umverteilung statt. Wurde die Nutzung einer solchen Währung zudem frei gewählt, dürfte dieser Vorgang der Löschung auf mehr Akzeptanz stoßen.

Vom Bürgerparlament zu Delegiertenräten

In meiner zweiten Arbeit zu einem alternativen Steuersystem hatte ich ein Bürgerparlament vorgesehen. Auch in diesem sollte es bereits ein System der permanenten Wahl geben, auch wenn die Teilnahme noch auf Wahlberechtigte eingeschränkt war. Ebenso war vorgesehen, dass die Bürger selbst entscheiden sollten, für welche staatlichen Projekte die von ihnen zu zahlende Einkommensteuer zu verwenden sei. Das Bürgerparlament hatte damals noch die Möglichkeit Gesetze zu verabschieden, mit welchen Menschen auch gegen ihren Willen Lasten hätten auferlegt werden können.

Im Jahr 2017 habe ich an einem Wettbewerb teilgenommen. Es ging darum Ideen einzureichen, wie ein neues globales System aussehen könnte, mit dem es uns gelingt, die globalen Risiken zu bewältigen. Für meinen Vorschlag habe ich meine früheren Vorstellungen vom Bürgerparlament neu konzipiert und in das dreistufige System der Delegiertenräte überführt. Die Delegierten in den Räten haben nur noch die Aufgabe, Projekte zu initiieren und zu betreuen, welche von den Menschen per Crowdfunding finanziert werden sollen. Mein damaliger Entwurf trug bereits den Titel „Freiwillige globale Kooperation“ und ich habe ihn in Englisch eingereicht.

Abschlussarbeiten zum Nachlesen

Damit waren die beiden Kernelemente meiner Utopie gefunden, in Form des Gleichgewichtsgeldes und den Delegiertenräten. Wer möchte, kann meine Arbeiten von 2007 entweder als PDF nachlesen oder als Videolesung nachhören:

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Buchlesung: „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ https://martinfinger.de/buchlesung-freiwilliges-grundeinkommen-statt-gewalt/ Sat, 12 Nov 2022 09:00:38 +0000 https://martinfinger.de/buchlesung-freiwilliges-grundeinkommen-statt-gewalt/ Ab heute könnt Ihr Euch mein Buch „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ auch von mir vorlesen lassen. Die 4 Stunden und 14 Minuten lange Lesung findet Ihr hier.

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Ab heute könnt Ihr Euch mein Buch „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ auch von mir vorlesen lassen. Die 4 Stunden und 14 Minuten lange Lesung findet Ihr hier.

Vorschaubild der Videolesung

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Verschleierung der Funktionsweise des Geldsystems https://martinfinger.de/verschleierung-der-funktionsweise-des-geldsystems/ Fri, 22 Jul 2022 10:05:00 +0000 Die EZB hat die negative Verzinsung von Einlagen am 21.07.2022 mit einer Anhebung ihrer Zinssätze um 50 Basispunkte beendet. Ich möchte am Beispiel des Artikels bei tagesschau.de einmal exemplarisch aufzeigen, wie bestimmte Darstellungen aus meiner Sicht dazu beitragen, die Funktionsweise unseres Geldsystems zu verschleiern. Der geneigte Leser mag meine Ausführungen auch gerne mit den Ausführungen […]

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Die EZB hat die negative Verzinsung von Einlagen am 21.07.2022 mit einer Anhebung ihrer Zinssätze um 50 Basispunkte beendet. Ich möchte am Beispiel des Artikels bei tagesschau.de einmal exemplarisch aufzeigen, wie bestimmte Darstellungen aus meiner Sicht dazu beitragen, die Funktionsweise unseres Geldsystems zu verschleiern. Der geneigte Leser mag meine Ausführungen auch gerne mit den Ausführungen in Artikeln bei anderen journalistischen Medien abgleichen.

Bei meinen Zitaten beziehe ich mich auf den Stand des Artikels vom 21.07.2022 von 14:38 Uhr.

Zitat: „Die Hauptrefinanzierungsfazilität legt fest, zu welchem Zinssatz sich Banken über einen längeren Zeitraum Geld von der Zentralbank leihen können. Die Mindestlaufzeit beträgt hier eine Woche.“

tagesschau.de

Das erste Problem liegt bereits in der Verwendung des Wortes „leihen“. Die EZB hat kein Limit von einem Betrag X, welchen sie an die Banken verleihen würde. Stattdessen stellt die EZB den Banken über die als Tender bezeichneten Geschäfte Liquidität zur Verfügung, sofern die Banken ausreichende Sicherheiten hinterlegt haben. Diese Liquidität wird von der EZB in dem Moment erzeugt, in welchem die Gelder den Banken zugeteilt werden, und zwar in der Höhe, in der diese benötigt wird.

Ein weiteres Wort, welches in die Irre führt, ist der Begriff der „Hauptrefinanzierungsfazilität“ selbst. Hier ist nicht einmal den Journalisten ein Vorwurf zu machen, weil dieser Begriff aus einer Zeit stammt, in welcher die Vorstellung noch verbreitet war, dass Banken sich bei den Zentralbanken refinanzieren würden oder gar müssten. Inzwischen macht auch die Bundesbank deutlich, dass die Kreditvergabe von Banken in keiner direkten Abhängigkeit zur Liquiditätsbereitstellung durch die Zentralbanken steht. Die Referenz, dass hier weiterhin Geschäfte zwischen den Banken und der Zentralbank stattfänden, welche einer Refinanzierung dienen würden, führt also ebenfalls in die Irre.

Die MRO (Main Refinancing Operation) haben keine Mindestlaufzeit von einer Woche, sondern eine Laufzeit von genau sieben Tagen. Die Banken können die Laufzeit nicht frei wählen, sondern müssen jede Woche die Liquidität bei der EZB erneut beantragen. Die Tendergeschäfte mit längerer Laufzeit (LTRO – Long Term Refinancing Operation) haben seit der Finanzkrise 2008 und dem Zusammenbruch des Interbankenmarktes immer weiter zugenommen. Weshalb die Geldmenge, welche von der Zentralbank insgesamt bereitgestellt wird, inzwischen viel höher liegt als der Betrag, welcher nötig wäre, um die Mindestreservepflicht von einem Prozent zu erfüllen.

Zitat: „Steigt der Hauptrefinanzierungszins, so steigen nicht nur die Kosten für Banken. Die Geldinstitute geben die gestiegenen Kosten nämlich in der Regel direkt an Verbraucher und Unternehmen in Form höherer Zinsen auf Privat- und Firmenkredite weiter.“

tagesschau.de

Die Banken benötigen das Geld von der Zentralbank letztlich nur, um die Mindestreservepflichten zu erfüllen. Diese liegt bei einem Prozent aller Buchgelder, welche Banken ihren Kunden garantieren. Daneben dient das Zentralbankgeld den Banken untereinander dazu, ihre ungedeckten Buchgelder bei einer Überweisung von einer Bank zu einer anderen Bank zu decken, da eine Bank schließlich nicht in die Schuldverpflichtung einer anderen Bank einzutreten gedenkt. Wenn ein Kunde einer Bank also Buchgeld von seinem Konto auf das Konto eines Kunden einer anderen Bank überträgt, überträgt die abgebende Bank der empfangenden Bank den gleichen Betrag auch in Zentralbankgeld, damit die empfangende Bank nun die Verpflichtung der abgebenden Bank übernimmt und dem Empfänger der Überweisung einen entsprechenden Buchgeldbetrag schuldet und auf seinem Girokonto gutschreibt.

Bei einem funktionierenden Interbankenmarkt gibt es nur wenig mehr Zentralbankgeld als für die Mindestreserve von einem Prozent benötigt wird. Entsprechend erhöhen sich die Kosten für einen Buchgeldkredit von 100.000 Euro bei einer Anhebung des Hauptrefinanzierungszinses in Höhe von 0,5% für die benötigten 1.000 Euro Mindestreserve um 5 Euro. Während sich die Zinsen für den Kreditnehmer durch einen Anstieg seines Zinses von 0,5% um 500 Euro erhöhen. In der Regel geben die Banken also nicht einfach die gestiegenen „Refinanzierungskosten“ weiter, weil sie auch gar keine Refinanzierungskosten haben. Stattdessen nutzen die Banken den Anstieg des Hauptrefinanzierungssatzes dazu, die Gewinnspanne bei den Krediten deutlich zu steigern.

Zitat: „Die Hauptrefinanzierungsfazilität wirkt sich damit nämlich direkt auf die Höhe der Ausgaben, der Kreditaufnahme und des Sparbetrages innerhalb des Währungsraums aus. Sie spielt somit eine entscheidende Rolle im Bemühen die Geldentwertung zu stoppen und die Inflationserwartungen in den Griff zu bekommen.“

tagesschau.de

Direkt wirkt hier gar nichts. Es ist alles Psychologie und Unwissenheit über die Zusammenhänge. Es wird ein Zinssatz von der EZB angehoben. Da die Zusammenhänge unklar sind, können Banken in der Folge ihre Gewinnspannen im Kreditgeschäft mit Verweis auf gestiegene Kosten erhöhen. Es wird allerdings nicht geäußert, in welchem Verhältnis die Kosten für die Liquiditätsbeschaffung bei der EZB zu den steigenden Einnahmen aus dem Kreditgeschäft liegen. Es wird sehr interessant sein zu sehen, ob die bisherige Hilflosigkeit der EZB, die Inflation auf 2% pro Jahr ansteigen zu lassen, plötzlich nicht mehr existiert wenn es jetzt darum geht, die Inflation auf 2% zu senken, weil man sich nun wieder im Fahrwasser bekannter ökonomischer Theorien zu bewegen meint.

Zitat: „Mit dem Spitzenrefinanzierungssatz steuert die Europäische Zentralbank die Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken. Ein niedriger Spitzenrefinanzierungssatz führt tendenziell zu einer erhöhten Geldmenge sowie zu einer beschleunigten Geldumlaufgeschwindigkeit und damit zu einer anziehenden Inflation.“

tagesschau.de

Von einer Steuerung kann hier nicht wirklich die Rede sein. Im Regelfall lag der Spitzenrefinanzierungssatz immer um 0,25% über dem Hauptrefinanzierungszins. Diese Differenz soll dafür sorgen, dass die Banken bei der wöchentlichen Bedarfsplanung im Zuge der MRO bereits ihren Liquiditätsbedarf so planen, dass keine kurzfristigen Tender nötig sind. Diese kurzfristigen Kredite sind letztlich nur eine Notfalloption, weil Banken ihr Konto bei der EZB täglich ausgeglichen haben müssen. Wenn kurz vor Tagesschluss eine Bank noch einen größeren Liquiditätsabfluss ausgleichen muss und diesen über den Interbankenmarkt nicht mehr rechtzeitig ausgleichen kann, geht dies zu höheren Kosten immer auch über die EZB. Solange eine Bank genügend Sicherheit bereitstellt, kann sie hier beliebige Mengen bekommen. Es ist somit kein Instrument, bei welchem der Begriff der Steuerung angebracht ist. Es ist höchstens ein Instrument zur Disziplinierung, damit die Banken ihren Liquiditätsbedarf vorausschauend planen.

Es wäre interessant zu erfahren, warum ausgerechnet der Spitzenrefinanzierungssatz einen Einfluss auf die Geldmenge bzw. die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes haben sollte. Dabei erfolgt die Geldschöpfung losgelöst von der Liquiditätsversorgung durch die EZB. Die Spitzenrefinanzierungsgeschäfte sind auch aufgrund der vielen LTRO die absolute Ausnahme, wie im Bericht der Bundesbank vom Juni 2022 auf der Berichtsseite 17* abgelesen werden kann.

Zitat: „Gegenstück der Spitzenrefinanzierungsfazilität ist die Einlagefazilität der EZB. Damit werden Übernachtanlagen von Geschäftsbanken bei der Notenbank verzinst. Ist er positiv, verdienen Banken, die überschüssige Liquidität bei der EZB „parken“, Geld.“

tagesschau.de

Die Spitzenrefinanzierungsfazilität ist kein Gegenstück zur Einlagefazilität. Nur weil beide für Kalkulationen „über Nacht“ herangezogen werden und bei einer Bank diese als Ausgaben und bei der anderen Bank diese als Einnahmen anfallen. Die Geschäftsbanken können auch nicht „entscheiden“, Liquidität bei der EZB zu parken. Ihr Guthaben an Zentralbankgeld liegt immer auf ihrem Zentralbankkonto, es existiert nämlich nur dort. Eine Bank kann einen Teil ihres Guthabens auf das Zentralbankkonto einer anderen Bank transferieren. Es bleibt aber immer bei der EZB. Die Liquidität auf den Zentralbankkonten zu verringern ist außerhalb von Tendergeschäften nur möglich, wenn eine Bank bei der EZB Banknoten bestellt. Die Auslieferung per Geldtransport und die anschließende Lagerung sind allerdings sehr teuer, weshalb der Negativzins auch nicht dazu geführt hat, dass Banken angefangen hätten große Mengen an Geldscheinen einzulagern.

Zitat: „Banken, die es nicht schaffen, überschüssiges Geld als Kredit weiterzuvermitteln oder anderen Banken Geld zu leihen, wurden dafür also von der EZB bestraft.“

tagesschau.de

Banken konnten Zentralbankgeld immer nur an andere Banken weitergeben. Allerdings benötigte keine Bank zusätzliches Zentralbankgeld. In 2021 überschritt die Zentralbankgeldmenge die benötigte Geldmenge für die Mindestreserve um mehr als das 23-fache. Siehe Monatsbericht der Bundesbank vom Juni 2022 auf Seite 42*.

Es ist nicht möglich das Zentralbankgeld zu verwenden, um damit Kredite außerhalb des Bankensektors zu vergeben. Somit konnte die Gebührenerhebung auch keine Bestrafung für nicht vergebene Kredite darstellen, denn zumindest die EZB sollte wissen, dass mit den Guthaben auf den Zentralbankkonten solche Transaktionen nicht möglich sind. Letztlich ist die Erhebung der Gebühren eher als Versuch zu werten, die Störung des Interbankenmarktes, welche seit 2008 besteht, endlich zu beheben. Aufgrund der Entwicklung der Überschussliquidität ist dieses allerdings offensichtlich nicht gelungen.

Zitat: „Die Banken hatten den negativen Einlagenzins teilweise direkt an die Privatkunden weitergegeben – in Form eines sogenannten „Verwahrentgelts“.“

tagesschau.de

Die Gebühren, welche die Banken von ihren Kunden erhoben haben, entsprechen nicht irgendwelchen realen Kosten. Nur weil die Banken erhebliche Liquidität auf ihren Zentralbankkonten gehalten haben, hatten sie nicht wirklich Kosten in dem Umfang, wie dieses durch die falsche Darstellung der Verbindung zwischen Zentralbankguthaben und Buchgeldern der Kunden suggeriert wurde. Darüber hinaus waren Banken jederzeit in der Lage, eventuelle Kosten vollständig zu vermeiden.

Statt allerdings auf die Wiederbelegung des Interbankenmarktes zu setzen, hat die EZB sich entschieden, ab Oktober 2019 zusätzlich zur Mindestreserve, welche ohnehin nicht mit dem Negativzins belastet wurde, den Banken zusätzlich einen weiteren Freibetrag in Höhe der 6-fachen Mindestreserve einzuräumen, welcher ebenfalls vollständig vom Negativzins befreit wurde. Die Banken haben also auch in dieser Hinsicht keine realen Kosten weitergegeben, sondern den Negativzins genutzt, um ihre Einnahmensituation zu verbessern.

Zitat: „Sparer sollte das aber über eines nicht hinwegtäuschen: Der Realzins, also der Nominalzins abzüglich der Inflationsrate, dürfte noch sehr lange im negativen Bereich verharren.“

tagesschau.de

Klarzustellen ist, dass die Menschen über die Funktionsweise des Geldsystems getäuscht werden. Dabei wird nicht betrachtet, dass Menschen mit Erwerbseinkommen ebenso von der Inflation betroffen sind. Solange die Inflationsrate mit dem Verbraucherpreisindex (VPI) gleichgesetzt wird, lassen sich die Menschen viel leichter darüber hinwegtäuschen, wie viel ihr Geld bereits an Kaufkraft verloren hat, ohne dass dies im Warenkorb des VPI sichtbar wird. Der Anstieg der Geldmenge und deren ungleiche Verteilung werden nicht thematisiert, weil diese Themen Fragen aufwerfen könnten, in welchem Umfang die Kaufkraft eines Euros schon gesunken ist, wenn die Geldmenge so viel stärker zugenommen hat als das Warenangebot.

Fazit: Alles in allem irritiert mich die ungenaue Darstellung in einem solchen Artikel ungemein. Warum wird mit so vielen ungenauen bzw. sogar fehlerhaften Darstellungen gearbeitet? Fehlt es an Wissen zu diesem Thema? Das Geldsystem ist so ein elementarer Teil unserer Wirtschaft und damit unserer Gesellschaft. Das Geldsystem ist etwas, womit ich mich schon lange beschäftigt habe, daher fallen mir fehlerhafte Darstellungen in diesem Zusammenhang schneller auf. Dabei frage ich mich, in welchem Umfang solche ungenauen Angaben letztlich auch in anderen Berichten zu finden sind und wie es uns gelingt, ein korrektes Bild zu bekommen über die Gesellschaft, in welcher wir leben und wie sie funktioniert, damit wir sie gemeinsam verbessern können.

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Bürgerantrag für mehr Klimaschutz in der Bauleitplanung https://martinfinger.de/buergerantrag-fuer-mehr-klimaschutz-in-der-bauleitplanung/ Tue, 23 Jun 2020 08:42:00 +0000 Seit der Gemeinderat des Markts Reichenberg am 19.01.2016 die Planungen zum Baugebiet „Vorderer Höchberg II“ beschlossen hat, engagieren sich viele Einwohner dafür, das Baugebiet nachhaltiger, anwohner- und klimafreundlicher zu gestalten. Bei der Behandlung der Stellungnahmen zur 2. Auslegung vom September 2019 in der Gemeinderatssitzung am 04.02.2020 blieben jedoch nahezu alle Vorschläge der Anwohner unberücksichtigt. Stattdessen […]

Der Beitrag Bürgerantrag für mehr Klimaschutz in der Bauleitplanung wurde auf Martin Finger veröffentlicht.

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Seit der Gemeinderat des Markts Reichenberg am 19.01.2016 die Planungen zum Baugebiet „Vorderer Höchberg II“ beschlossen hat, engagieren sich viele Einwohner dafür, das Baugebiet nachhaltiger, anwohner- und klimafreundlicher zu gestalten. Bei der Behandlung der Stellungnahmen zur 2. Auslegung vom September 2019 in der Gemeinderatssitzung am 04.02.2020 blieben jedoch nahezu alle Vorschläge der Anwohner unberücksichtigt. Stattdessen soll an der bisherigen Planung festgehalten werden, welche zu vermeidbaren Belastungen der Anwohner, der Umwelt und des Klimas führt. Ein am 12.06.2020 eingereichter Bürgerantrag soll die neu gewählten Gemeindevertreter veranlassen, ihre Wahlversprechen hinsichtlich mehr Bürgernähe sowie Umwelt- und Klimaschutz im Rahmen der Bauleitplanung umzusetzen. Zehn Gemeinderatsmitglieder wurden erstmals in das Amt gewählt und waren bisher nicht in die Erstellung des Bebauungsplans eingebunden. Daher ist davon auszugehen, dass ihnen die Auswirkungen der Planung sowie die vorgebrachten Stellungnahmen der Anwohner größtenteils nicht bekannt sind. Insbesondere den neuen Gemeinderäten soll mit diesem Antrag die Möglichkeit gegeben werden sich mit den Stellungnahmen der 2. Auslegung auseinanderzusetzen, bevor die Satzung beschlossen wird.

Viele Anwohner sehen sich durch die aktuelle Planung benachteiligt, denn die Belastungen sollen ungleich verteilt werden. So sollen Anwohner gegenüber den zukünftigen Bauherren z. B. bis zu 2,5 m höhere Wand- und Firsthöhen vor ihren Grundstücken hinnehmen, die bei der aktuellen Gestaltung des Plangebiets oft nur wenig durch die Topographie ausgeglichen würden. Daraus ergeben sich u. a. Einschränkungen bei der Nutzung der Sonnenenergie und ein höherer Heizenergiebedarf alleine aufgrund vermeidbarer Verschattung. So wirkt sich die aktuelle Planung negativ auf das Klima aus und sorgt für höhere Kosten bei den Anwohnern. Entsprechend sehen die betroffenen Anwohner den Gemeinderat in der Verantwortung, den Bebauungsplan so zu gestalten, dass die Lasten fair verteilt werden und bestmögliche Lösungen zum Schutz von Klima und Umwelt berücksichtigt werden. Dabei wird offensichtlich, dass im Rahmen der Maßnahmen zum Klimaschutz auch die Frage des fairen und gleichberechtigten Zugangs der Bürger zu regenerativen Energiequellen wie der Sonnenenergie beantwortet werden muss.

Zusätzlich sollen bei der Überarbeitung des Bebauungsplans das sich noch im Entwurf befindliche Bayerische Klimaschutzgesetz und die im Art. 2 formulierten Minderungsziele berücksichtigt werden. Insbesondere das Ziel, dass Bayern bis 2050 klimaneutral sein soll (Art. 2 Abs. II BayKlimaG – Entwurf vom 12.05.2020), wird nur erreicht werden können, wenn Gemeinden bereits heute in Bebauungsplänen Vorgaben aufnehmen, welche über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen und geeignet sind, klimaneutrale Siedlungen zu errichten. Darüber hinaus sind Auswirkungen auf die unmittelbar angrenzende Umgebung als auch auf die Gemeinde und das Klima als Ganzes, wie z. B. die entstehenden Verkehrsströme und deren Emissionen, so gering wie möglich zu halten. Denn Bebauungspläne und die durch sie geschaffenen Strukturen wirken über Jahrzehnte hinweg. Gebäude, welche in den nächsten Jahren errichtet werden, sollten deswegen bereits von Anfang an bestmöglich zur Erfüllung der für das Jahr 2050 vorgesehenen Klimaschutzziele beitragen. Wenn die Ausweisung neuer Baugebiete als unvermeidbar angesehen wird, so ist es im Hinblick auf diese Ziele sinnvoll, auf heute bereits verfügbaren Optionen wie z. B. Plusenergiehäuser zu setzen. Da solche Gebäude mehr CO₂-neutrale Energie erzeugen, als sie selbst benötigen, tragen sie dazu bei, die Treibhausgasemissionen in anderen Sektoren zu senken.

Welche Folgen es haben wird, wenn wir weiterhin untätig bleiben und Maßnahmen zum Klimaschutz unterlassen oder hinauszögern, können wir bei uns in Franken bereits beobachten. Ausgedehnte Phasen von Trockenheit und dazu lokale Starkregenereignisse zeigen, dass der Klimawandel bereits stattfindet und es dringend geboten ist, effektive Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen. Eine energieeffiziente und klimaschonende städtebauliche Planung stellt einen essentiellen Beitrag zum Klimaschutz dar, indem sie beispielsweise durch kompakte Bauformen den Energiebedarf reduziert und gleichzeitig Verschattung vermeidet und so eine möglichst umfassende Nutzung des solaren Potentials in zukünftigen als auch in bestehenden Siedlungsgebieten ermöglicht.

Unser Bürgerantrag „Überarbeitung des Bebauungsplans Vorderer Höchberg II“

Mit meiner Unterschrift beantrage ich gemäß Art. 18b der Gemeindeordnung des Freistaates Bayern, dass der Markt Reichenberg folgende Angelegenheit behandelt: Der Bebauungsplan Vorderer Höchberg II soll überarbeitet werden. Das Ziel der Überarbeitung soll es sein, die stadtplanerischen Möglichkeiten so zu nutzen, dass die Planungen den Erfordernissen des Umwelt- und Klimaschutzes Rechnung tragen sowie die Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich gehalten und fair zwischen den Anwohnern und zukünftigen Bauherren verteilt werden. Der Rahmen und die Tiefe der durchgeführten Untersuchungen und damit verbundene Überlegungen sollen überprüft werden. Die Einwendungen und Vorschläge der Bürger zur Auslegung vom September 2019 sollen dem im Jahr 2020 neu gewählten Gemeinderat nochmals zur Prüfung vorgelegt werden.

Begründung

Die aktuelle Ausführung des Bebauungsplans führt zu Belastungen der Anwohner, der Umwelt und des Klimas, die bei einer anderen Gestaltung vermeidbar wären. Die Belastungen sind zudem ungleich verteilt und benachteiligen viele aktuelle Anwohner. Die im Rahmen der Auslegung vom September 2019 eingebrachten Vorschläge, Anmerkungen und kritischen Einwände der Anwohner und der Ortsgruppe des BUND zur verträglicheren Gestaltung des Baugebiets und zum Umwelt-, Klima- und Artenschutzes fanden nahezu keine Beachtung. Entsprechend soll den neu- und wiedergewählten Gemeinderäten die Möglichkeit gegeben werden, die zur Kommunalwahl 2020 getätigten Aussagen für mehr Bürgernähe und einen verstärkten Umwelt- und Klimaschutz zu verwirklichen, sowie die Umsetzung der geplanten Minderungsziele des BayKlimaG Art. 2 Abs. (1) & (2) (Entwurf vom 12.05.2020, siehe Seitenende) und die Forderung nach einer verstärkten Klimaarchitektur beim Städtebau durch eine entsprechende Gestaltung des Bebauungsplans zu unterstützen. Da die Mehrzahl der Mitglieder des aktuellen Gemeinderats bei den bisherigen Überlegungen und Entscheidungen zum Bebauungsplan Vorderer Höchberg II nicht beteiligt war, halten wir es aufgrund der großen Bedeutung eines Bebauungsplans für heutige und nachfolgende Generationen für angemessen, dass die neuen Gemeinderäte ebenfalls die Gelegenheit erhalten, sich mit den in 2019 eingebrachten Stellungnahmen zu befassen.

Auszug aus dem Bayerischen Klimaschutzgesetz (BayKlimaG) – Art. 2 (Minderungsziele)

(1)¹Das CO2-Äquivalent der Treibhausgasemissionen je Einwohner soll bis zum Jahr 2030 um mindestens 55% gesenkt werden, bezogen auf den Durchschnitt des Jahres 1990. ²Es soll damit auf unter 5 Tonnen pro Einwohner und Jahr sinken.
(2) Spätestens bis zum Jahr 2050 soll Bayern klimaneutral sein.

Weiterführende Links:

Bayerische Klimaschutzoffensive
Entwurf Bayerisches Klimaschutzgesetz (BayKlimaG) vom 12.05.2020 (PDF)
Bericht in der Mainpost vom 05.07.2020

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Gewalt ist die Antwort. Immer. Oder? https://martinfinger.de/gewalt-ist-die-antwort-immer-oder/ Fri, 25 Oct 2019 09:49:00 +0000 Ich lebe in einer Welt die ich nicht verstehe und mein Eindruck ist, es geht ihr mit mir genauso. Utopia? Wie gelingt es, an eine positive Zukunft zu glauben und nicht nur darauf zu hoffen, nachdem sich utopische Gesellschaftsentwürfe am Ende als menschenfressende Dystopien entpuppt haben? Unser Leben ist kein Märchen, bei dem am Ende […]

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Ich lebe in einer Welt die ich nicht verstehe und mein Eindruck ist, es geht ihr mit mir genauso. Utopia? Wie gelingt es, an eine positive Zukunft zu glauben und nicht nur darauf zu hoffen, nachdem sich utopische Gesellschaftsentwürfe am Ende als menschenfressende Dystopien entpuppt haben? Unser Leben ist kein Märchen, bei dem am Ende alles gut wird und wir sind sehr gut darin, uns zu erzählen, wie schlimm es mit uns kommen wird und wie wenige Optionen uns bleiben, überhaupt einen Weg zu finden auf das doch Einige von uns überleben mögen.

Wenn wir ehrlich sind, sind Dystopien ein viel spannenderer Rahmen. Hier lassen sich heroische Heldengeschichten erzählen, in welcher ein einziger Mensch die gesamte Gesellschaft rettet, indem ein einzelner Despot oder eine kleine Gruppe von Diktatoren beseitigt wird. Wir können in der Gegenwart weiter von diesem Erlöser träumen oder uns sogar selbst an seine Stelle phantasieren und unseren Alltag weiterhin ertragen. Wir laben uns an unserer kleinen Utopie, während wir Tag für Tag unseren systemerhaltenden Beitrag leisten und dadurch verhindern, dass sich auch nur irgendetwas verändert. Eine andere Welt wäre sicher wünschenswert, aber das geht doch bestimmt auch ohne meine Beteiligung. Ich habe doch schon so viel zu tun und es soll sich für mich bitte möglichst nichts verändern, ich möchte das Wenige, was ich noch habe, nicht verlieren oder gar aufgeben müssen. Wenn sich mein Leben oder gar ich ändern müsste, bleibe ich lieber bei dem was ich kenne. Unbekanntes mach so viel Angst.

Wir verteidigen die Dinge, von denen uns erzählt wurde, sie seien gut. Warum sie gut sein sollen fragen wir gar nicht erst. Entweder, weil wir nicht auf den Gedanken kommen oder weil wir lieber unauffällig Teil der Masse bleiben wollen. Es ist schön, davon zu träumen, reich und berühmt zu sein. Aber die Masse bietet in ihrer Anonymität vermeintlich Schutz und es ist schwer, eine eigene Meinung zu haben.

Es ist viel einfacher, keine Meinung zu haben oder zumindest keine, an der man hängt. Das vermeidet Konflikte und mit genug Anpassungsvermögen ist man in der Lage, in jede Richtung zu marschieren, in welche die Massen gerade wogen. Ohne ein wirkliches Interesse daran, ein Individuum mit einer eigenen Meinung zu sein, lebt es sich in einer Demokratie sehr angenehm. Die Mehrheit regelt alles dank der monopolisierten und geteilten Gewalt des Staates. Natürlich wird individuelle Gewalt geächtet und auch strukturelle Gewalt als Problem bereits thematisiert. Denn diese Formen von Gewalt sind inzwischen überholt. Auch sind Monopole zwar grundsätzlich schlecht, auch wenn Monopoly so viel Spaß macht, aber meist dann doch nur dem Gewinner. Wer ist denn der Gewinner beim staatlichen Gewaltmonopoly? Anscheinend sieht sich ja jeder irgendwie als Gewinner dieses Spiels. Da ist die Trennschärfe zwischen Gewinnen und Verlieren bei Monopoly eindeutig größer.

Darf eine Utopie sich herausnehmen, das Gewaltmonopoly der Gegenwart in Frage zu stellen? Nachdem wir das Ende der Geschichte bereits hinter uns gelassen haben, kann und darf es doch keine Änderung mehr geben. Also führt auch kein Weg mehr fort von einer Gesellschaft des Du gegen Ich. Wir sind noch nicht das Eins, in welchem es nur noch eine Meinung gibt. Würden wir je so miteinander leben wollen, dass jeder frei handeln darf, ohne zuerst die Erlaubnis aller anderen einholen zu müssen und einfach das verwirklicht, was er für sinnvoll hält? Natürlich nur soweit er es verantworten kann. Leider haben wir keine Ahnung mehr davon, was es bedeutet, verantwortlich zu handeln. Woher sollten wir auch etwas erlernen können, für das es keine Vorbilder oder Lehrer gibt. Stattdessen werden wir verantwortlich gemacht und das ist etwas grundlegend anderes als verantwortliches Sein.

Worauf baut die heutige Gesellschaft? Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Worauf soll die Gesellschaft von morgen gegründet sein? Wollen wir wirklich den Preis der Gewalt zahlen, um in einer Gesellschaft zu leben? Vielleicht ist die beste Utopie, keine Gesellschaft mehr anzustreben und einfach zu leben, frei zu leben. Frei von äußeren Verpflichtungen. Im Miteinander statt im Gegeneinander. Im Du und Ich und ich mit Dir. Wie friedlich könnte eine Welt sein, in welcher wir aufhörten bestimmen zu wollen, wie andere leben sollen und uns damit begnügten, zu bestimmen wie wir selbst leben wollen. Natürlich ist es immer ein Risiko, sich mit dem eigenen Leben zu befassen. Ich könnte feststellen, dass ich damit gar nicht zufrieden bin. Vielleicht nicht einmal mein eigenes Leben lebe. Wofür sollte es sich mehr lohnen zu leben, als für sich selbst?

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Illusion oder Realität – Gibt es Verbundenheit? https://martinfinger.de/illusion-oder-realitaet-gibt-es-verbundenheit/ Mon, 29 Jan 2018 13:33:00 +0000 Fühlen Sie jetzt, in diesem Moment, eine Verbundenheit zu einem anderen Menschen oder fühlen Sie sich einsam? Kennen Sie das Gefühl der Verbundenheit mit einem anderen Menschen? Haben Sie schon einmal erlebt, wie es ist, wenn Ihnen ein Mensch gegenüber sitzt, den Sie nicht kennen und nichts über ihn wissen? Ein Fremder, welcher nach wenigen […]

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Fühlen Sie jetzt, in diesem Moment, eine Verbundenheit zu einem anderen Menschen oder fühlen Sie sich einsam? Kennen Sie das Gefühl der Verbundenheit mit einem anderen Menschen? Haben Sie schon einmal erlebt, wie es ist, wenn Ihnen ein Mensch gegenüber sitzt, den Sie nicht kennen und nichts über ihn wissen? Ein Fremder, welcher nach wenigen Minuten des Kontaktes scheinbar leichter beschreiben kann, was in Ihnen gerade lebendig ist, als Sie es selbst könnten.

Egal ob Sie diese Form der Verbindung schon einmal erlebt haben. Egal ob Sie glauben, ob es so etwas gibt oder nicht, möchte ich Sie bitten, mir zu glauben, dass ich so etwas bereits erlebt habe. Wenn Sie eher eine rationale Sicht auf die Welt haben, würde ich mich jetzt mit Ihnen über Spiegelneuronen unterhalten. Wenn bei Ihnen die emotionale Seite stärker ausgeprägt ist, würde ich mich empathisch mit Ihnen unterhalten. Leider haben Sie im Moment nur diesen Text vor sich, welcher nicht so interaktiv sein kann, wie ein persönliches Gespräch.

Trotzdem möchte ich versuchen, Ihnen zwei Perspektiven aufzuzeigen, welche aus meiner Sicht gleichrangig nebeneinander bestehen. Für die Realität, in der Sie leben, macht es aber einen gravierenden Unterschied, für welche der beiden Sichtweisen Sie sich entscheiden. Beide Perspektiven sind letztendlich Extreme im Sinne eines dualistischen Verständnisses. Natürlich können Sie sich aktuell auch irgendwo zwischen diesen Punkten befinden. Eine Perspektive ist: Wir sind alle einzelne, allein existierende Individuen und die Verbundenheit, welche wir in manchen Momenten mit anderen Menschen oder allem was ist spüren können, ist eine Illusion unseres Geistes. Die andere Perspektive ist entsprechend entgegengesetzt. Wir sind immer und überall mindestens mit allen Menschen und eventuell auch mit der Natur und allem Sein verbunden. In diesem Fall besteht die Illusion darin, sich einsam zu fühlen. Ich überlasse es Ihnen, ob Sie die Verbundenheit allein in Bezug auf Menschen oder auch zu allem Lebendigen oder allem Sein sehen wollen. Ich persönlich beziehe mich vor allem auf Menschen, solange ich nicht überprüfen kann, ob meine Vorstellung darüber, was eine Pflanze, ein Tier oder ein Stein empfände, wirklich deren Sein widerspiegelt.

Mit geht es an dieser Stelle darum, dass Sie zunächst überlegen, welcher dieser Perspektiven Sie in Ihrem Leben bisher gefolgt sind. Wechseln Sie eventuell auch die Sichtweise? Je nachdem wie Sie sich gerade fühlen, ob Sie sich im Moment von einem anderen Menschen verstanden fühlen oder Sie gerade erst enttäuscht wurden. Können Sie an diesem Punkt bereits erkennen, welche Auswirkungen es hat, wenn Sie die eine oder die andere Sichtweise einnehmen? Auch wenn ich zuvor gesagt habe, dass für mich beide Perspektiven gleichberechtigt nebeneinander stehen, so habe ich für mich eine Entscheidung getroffen, welche der Perspektiven ich bevorzuge, weil ich sie als hilfreicher erachte. Ich bevorzuge ein Leben in Verbindung mit anderen Menschen gegenüber einem Leben, welches von Einsamkeit geprägt ist. Natürlich gibt es Momente, in welchen ich gerne einmal alleine bin. Alleine zu sein ist für mich ein Aspekt der äußeren Welt. Ein Zustand, welcher sich leicht und objektiv überprüfen lässt. Einsamkeit ist hingegen ein Aspekt der inneren Welt. Sie wird eher als Gefühl empfunden und ist ein subjektives Erleben.

Entsprechend meinem Wunsch ein Leben zu leben, welches ich gerne lebe, habe ich für mich entschieden, grundsätzlich davon auszugehen, dass ich mit anderen Menschen verbunden bin. Daher betrachte ich die Einschätzung, mit einem Menschen nicht verbunden zu sein, als Illusion. Ich hatte diese Einstellung nicht immer und kann somit vergleichen, welche Auswirkung der Wechsel dieser Sichtweise auf mich und mein Leben hatte. Früher gab es Momente, in welchen mich die Empfindung von Einsamkeit so sehr umklammert hat, dass ich mich selbst auf einer Geburtstagsfeier einsam gefühlt habe, während ich mit fröhlichen und feiernden Menschen zusammen war. Ich saß dabei nicht irgendwo in einer Ecke. Ich habe aktiv am Geschehen teilgenommen, aber die Teilnahme blieb an der Oberfläche. Die Mauer der Einsamkeit konnten die Menschen nicht überwinden. Vermutlich habe sie nicht einmal gemerkt, dass ich sie nicht spüren konnte. Erst seitdem es mir gelungen ist, diese Mauer einzureißen, bin ich auch selbst wieder erreichbar. Wie ich diese Mauer abgetragen habe, ist eine andere Geschichte. Vielleicht werde ich auch sie einmal erzählen. Die Entscheidung, grundsätzlich an die Verbundenheit zu glauben, ist ein Hilfsmittel, mich selbst daran zu erinnern, diese Mauer nicht erneut zu errichten.

Wenn Sie bereits eine ähnliche Barriere errichtet haben und es Ihnen vielleicht schwer fällt, an Verbundenheit zu glauben, möchte ich Sie einladen, sich zu erlauben, Ihre Perspektive zu wechseln. Ich bin überzeugt, auf der anderen Seite wartet mehr Lebensfreude auf Sie als auf der vermeintlich sicheren Seite der Einsamkeit. Wenn es Ihnen in den Momenten, in welchen Sie sich einsam fühlen, gut geht und Sie nicht unter der Einsamkeit leiden, dann gibt es für Sie keinen Grund, etwas zu verändern. Meine Einladung, einen Perspektivwechsel vorzunehmen, ist vor allem an jene gerichtet, welche unter ihrer Einsamkeit leiden. Ihr, die Ihr versucht, Eure Einsamkeit im Außen zu lindern oder zu betäuben, Euch möchte ich sagen: „Einsamkeit ist ein Aspekt der Innenwelt, dieses Leid lässt sich nur in Euch auflösen und nicht im Außen.“ Im Außen ist es nur möglich, Erfahrungen zu sammeln, welche dabei helfen können, den Perspektivwechsel durch passende Erlebnisse zu verstärken. Der Wechsel der eigenen Sichtweise bleibt eine Entscheidung im Innen. Sie kann Ihnen im Außen von niemandem abgenommen werden. Was Sie glauben wollen liegt immer bei Ihnen.

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Freiwillige globale Kooperation https://martinfinger.de/freiwillige-globale-kooperation/ Tue, 10 Oct 2017 09:14:00 +0000 Das Modell, welches im Folgenden vorgestellt wird, besteht aus zwei Modulen. Das erste Modul ist das Kooperationsmodul. In diesem finden sich Menschen freiwillig zusammen und suchen gemeinsam nach Lösungen, wie aktuelle Aufgaben und Herausforderungen gemeistert werden können. Die Menschen haben die Möglichkeit, über ein permanentes Wahlsystem Delegierte zu beauftragen, in ihrem Interesse aktiv zu werden […]

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Das Modell, welches im Folgenden vorgestellt wird, besteht aus zwei Modulen. Das erste Modul ist das Kooperationsmodul. In diesem finden sich Menschen freiwillig zusammen und suchen gemeinsam nach Lösungen, wie aktuelle Aufgaben und Herausforderungen gemeistert werden können. Die Menschen haben die Möglichkeit, über ein permanentes Wahlsystem Delegierte zu beauftragen, in ihrem Interesse aktiv zu werden und können Delegierte auch jederzeit wieder abberufen. Delegiertenräte existieren sowohl auf regionaler, nationaler oder globaler Ebene. Die Aufgabe der Delegierten ist, es Projekte zu initiieren, zu planen und deren Umsetzung zu begleiten. Es kann dabei um kleine Projekte gehen, welche die Lebenssituation einzelner Menschen verbessert, als auch um die Realisierung von Lösungen auf globaler Ebene, welche Klimawandel, Umweltzerstörung und Kriegen entgegen wirken sollen. Die Möglichkeit, zu entscheiden, ob ein Projekt durchgeführt wird, liegt bei den Menschen selbst, denn jedes Projekt muss individuell per Schwarmfinanzierung die nötigen finanziellen Ressourcen einsammeln, welche es für seine Verwirklichung benötigt.

Das zweite Modul ist das Finanzmodul. In diesem erhalten alle Menschen gleichberechtigten Zugang zu finanziellen Mitteln, indem jeder Mensch in gleicher Weise an der Geldschöpfung der neuen komplementären Währung partizipiert. So bekommt jeder Mensch den gleichen Zugang zu den weltweit verfügbaren Ressourcen, welche er für sein Leben und Überleben benötigt. Damit enthält das zweite Modul bereits einen grundlegenden Baustein, um Armut und Hunger weltweit entgegen zu wirken und ökonomische Abhängigkeiten zu vermindern. Erst mit dieser grundlegenden finanziellen Versorgung ist es auf einfache Weise möglich, dass alle Menschen gleichberechtigt mitbestimmen können, welche Projekte Zugang zu Ressourcen erhalten sollen.

Kooperationsmodul

Das Kooperationsmodul stellt Strukturen zur Verfügung, welche Menschen unterstützen sollen, auf globalen Ebene freiwillig miteinander in Austausch zu treten und miteinander zu kooperieren. Diese Strukturen sollen alle Menschen in die Lage versetzen, aktuelle Aufgaben und Probleme zum Vorteil aller Menschen zu lösen, ohne einzelne Personen oder Gruppen zu benachteiligen. Wenn in diesem Dokument von einem Zeitraum von einem Monat gesprochen wird, entspricht dieses generell einem Zeitraum von 30 Tagen.

Organisationsebenen

Es werden drei Ebenen unterschieden, auf welchen Menschen als Delegierte aktiv werden können, um aktuelle Aufgaben und Probleme zu lösen. Die Aufteilung erfolgt in eine regionale, nationale und globale Ebene. Jede Person kann sich unabhängig von ihrem Aufenthalts- oder Wohnort für jede Ebene als Delegierter bewerben. Eine Person kann gleichzeitig für mehrere Gruppen als Delegierter aktiv werden. Während die globale Ebene den gesamten Planeten umfasst, sind die anderen beiden Ebenen bevorzugt in geographische Regionen unterteilt. Eine Aufteilung auf nationaler Ebene kann sich dabei zu Anfang an den bestehenden Grenzen der Nationalstaaten orientieren und im weiteren Verlauf durch/um eine geografische oder ethnische Aufteilung ersetzt/ergänzt werden. Indem Menschen mehreren Gruppen auf regionaler bzw. nationaler Ebene angehören dürfen, können bestehende mehrschichtige Organisationsstrukturen unterhalb der nationalen Ebene bei Bedarf nachgebildet werden. Ein Einwohner einer Gemeinde wählt so neben einem Vertreter für die Gemeinde ebenso einen Vertreter für die Großgemeinde sowie einen Vertreter für den Bezirk. Für Großstädte kann es sinnvoll sein, neben einem Delegiertenrat für die Stadt auch Delegiertenräte für einzelne Stadtteile vorzusehen, welche sich dann um Aufgaben kümmern, welche nur für den einzelnen Stadtteil von Bedeutung sind. Grundsätzlich ist die Aufteilung der nationalen und regionalen Ebene nicht statisch, sondern die Menschen können jederzeit weitere Gruppen erstellen. Bevor eine solche Gruppe den Status erhält, durch Delegierte vertreten zu werden, müssen einer Gruppe mindestens 1.000 Menschen auf regionaler Ebene und 100.000 Menschen auf nationaler Ebene angehören. Fällt die Mitgliederzahl einer Gruppe unter die Mindestanzahl, so verliert diese ihren Status, durch Delegierte repräsentiert zu werden und die Delegierten verlieren ihre Mandate nach der Schonfrist von einem Monat. Jeder Mensch ist zunächst nur der globalen Gruppe zugeordnet. Die Entscheidung, welchen Gruppen jemand angehören möchte, trifft jeder selbstverantwortlich.

Wahl der Delegierten

Für jede der drei Ebenen ist festgelegt, wie viele Mitglieder ein Delegiertenrat maximal umfassen kann. Aus der Anzahl der maximal zulässigen Delegierten für einen Rat ergibt sich die Anzahl der Stimmen, welche eine Person mindestens erhalten muss, um ein Mandat als Delegierter zu erhalten. Für die globale Ebene sind maximal 10.000 Delegierte vorgesehen. Bei einer Weltbevölkerung von 7,5 Mrd. Menschen benötigt ein Delegierter somit mindestens 750.000 Stimmen, um eine Mandat für den globalen Delegiertenrat zu erhalten. Die 750.000 Stimmen entsprechen einem 1/10.000 aller verfügbaren Stimmen. Es gibt keine Altersbeschränkung für die Stimmvergabe, jeder Mensch darf mitbestimmen. Die Anzahl der Delegierten für einen Rat auf nationaler Ebene ist auf 1.000 Delegierte je Gruppe und für einen regionalen Delegiertenrat auf 100 Delegierte je Gruppe festgelegt. Entsprechend benötigt ein Delegierter auf nationaler Ebene mindestens ein Promille und ein Delegierter auf regionaler Ebene mindestens ein Prozent der Stimmen, bezogen auf die Mitgliederzahl der Gruppe, für welche er als Delegierter aktiv werden möchte. Die Wahl erfolgt nicht zu einem bestimmten Stichtag, sondern eine Vergabe der eigenen Stimme ist jederzeit möglich und wirkt sich umgehend aus. Sobald jemand mit seiner Stimme einen Delegierten unterstützt, kann diese Stimme für einen bestimmten Zeitraum nicht wieder entzogen werden. Diese Sperrfrist soll einen Delegierten davor schützen, dass ihm durch Manipulation der Öffentlichkeit mittels falscher Informationen umgehend alle Stimmen entzogen werden. Die Länge der Sperrfrist ist für die regionale Ebene auf einen Monat, für die nationale Ebene auf drei Monate und für die globale Ebene auf sechs Monate festgelegt. Ist die Sperrfrist abgelaufen, verbleibt die Stimme weiterhin beim Delegierten, bis sie ihm aktiv entzogen wird. Eine Stimme muss nicht zwingend vergeben werden und kann einfach frei bleiben. Wird die Stimme einem anderen Bewerber oder Delegierten zugeordnet und war diese zuvor einem anderen Delegierten bzw. Bewerber des gleichen Delegiertenrates zugeordnet, so wird diese automatisch entzogen.

Da Delegierte auch mehr als die Mindeststimmenanzahl auf sich vereinen können, ist davon auszugehen, dass die Delegiertenräte jeweils deutlich weniger als die maximale Mitgliederzahl umfassen werden. Da jederzeit neue Bewerber antreten können, um ein Mandat als Delegierter zu erhalten, ist so sichergestellt, dass jederzeit neue Personen nachrücken können, welche sich für ein bestimmtes Thema engagieren wollen, welches gerade für genügend Menschen wichtig geworden ist. Legt ein Delegierter sein Mandat oder eine Person ihre Bewerbung um ein Mandat nieder, so werden alle zugeordneten Stimmen automatisch freigegeben und können neu vergeben werden. Noch bestehende Sperrfristen werden aufgehoben. Dieses gilt ebenso für den Tod eines Delegierten oder Bewerbers. Die zugeordneten Stimmen können nicht von einem Bewerber oder Delegierten an einen anderen Bewerber oder Delegierten übertragen werden. Ebenso hat ein Bewerber oder Delegierter keine Möglichkeit, die Sperrfrist für eine einzelne Stimme zu verkürzen oder aufzuheben. Die Sperrfristen können nur für alle Stimmen aufgehoben werden, indem ein Delegierter sein Mandat niederlegt oder ein Bewerber seine Kandidatur zurückzieht. Falls ein Delegierter durch Entzug von Stimmen unter die notwendige Mindeststimmenzahl fällt, so bleibt sein Status als Delegierter für einen Übergangszeitraum von einem Monat erhalten. In dieser Zeit hat er die Möglichkeit, sich um neue Unterstützer zu bemühen und so sein Mandat aufrecht zu erhalten. Damit soll eine Kontinuität in der Mandatsausübung unterstützt werden, auch wenn ein Delegierter dauerhaft nur wenige Stimmen über der benötigten Mindeststimmenzahl liegt. Kann er sein Mandat nicht durch zusätzliche Stimmen erneuern, so ist es seine Aufgabe, sicherzustellen, dass die von ihm mitverantworteten Projekte auch nach seinem Ausscheiden als Delegierter weiterverfolgt werden können und realisiert werden.

Finanzielle Unabhängigkeit

Damit Delegierte möglichst unabhängig agieren können, haben die Wähler die Möglichkeit, den Delegierten finanzielle Mittel zur persönlichen Verwendung zukommen zu lassen. Diese finanzielle Unterstützung erfolgt unabhängig von der Unterstützung mit der eigenen Stimme. Eine Person kann einem Delegierten maximal 10 Einheiten der komplementären Währung über dieses Unterstützungssystem monatlich zukommen lassen. Die finanzielle Unterstützung kann ohne Sperrfrist jederzeit angepasst werden. Während eine Person immer nur eine Stimme innerhalb eines Rates vergeben kann, ist die Anzahl der Delegierten, welche unterstützt werden können, unbeschränkt. Eine Person kann eine beliebige Anzahl von Delegierten finanziell unterstützen, selbst innerhalb eines Rates. Würde ein Delegierter auf der globalen Ebene von jedem seiner mindestens benötigten 750.000 Unterstützer eine Geldeinheit pro Monat erhalten, hätte er ein Budget von 750.000 Geldeinheiten monatlich zur Verfügung. Die von den Unterstützern freiwillig zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel sind die einzige Geldquelle innerhalb dieses Modells, über welche Delegierte ihre Tätigkeiten finanzieren können. Darüber hinaus gibt es in diesem System keine Kompensationsmöglichkeiten für Aufwendungen von Delegierten. Einem Bewerber, welcher noch kein Mandat erlangt hat, stehen diese Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung ebenfalls zur Verfügung und zwar ab dem Zeitpunkt, ab dem er als Kandidat für einen beliebigen Rat antritt. Die über dieses System erhaltenen finanziellen Mittel stehen dem Delegierten zur freien Verfügung und haben keinen Bezug zur Finanzierung von Projekten. Daher ist es eine persönliche Entscheidung, ob und in welchem Umfang ein Delegierter öffentlich macht, wofür er die ihm zur Verfügung gestellten Mittel verwendet, da diese auch seine private Versorgung umfassen, welche Teil seiner Privatsphäre ist.

Planung und Finanzierung von Projekten

Die einzige Aufgabe der Delegierten besteht darin, Vorschläge für Lösungen zu erarbeiten oder erarbeiten zu lassen und ein Projekt zu planen, welches in der Lage ist, eine angedachte Lösung zu realisieren. Neben einer detaillierten Planung der einzelnen Schritte gehört hierzu vor allem eine detaillierte Zeit- und Ressourcenplanung. Dieses ist nötig, damit die notwendigen finanziellen Mittel vor Beginn des Projektes so vollständig und umfassend wie möglich abgeschätzt werden können. Ein Projekt kann jederzeit von jeder Person vollständig und in allen Details eingesehen werden. Für die Verwaltung der Projekte wird eine Plattform bereitgestellt, in welcher alle Informationen inklusive der Änderungshistorien gespeichert werden. Darüber hinaus stehen Werkzeuge zur Verfügung, mit deren Hilfe alle Unterlagen gemeinsam dezentral bearbeitet werden können. Hier ist es die Aufgabe des Delegierten, die Interessen möglichst so zu kanalisieren und Personen mit Zugangsmöglichkeiten auszustatten, dass jeder sich in der von ihm gewünschten Form und Umfang einbringen kann. Jede Person kann ein Projekt kommentieren und diese Möglichkeit kann auch nicht eingeschränkt werden. Eine vollständige Löschung von Dokumenten oder Kommentaren ist nicht möglich, da die Historie aller Unterlagen dauerhaft gespeichert wird. Ist ein Projekt vollständig durchgeplant und sind mindestens zwei Delegierte bereit, das Projekt während der Durchführung zu betreuen, kann das Projekt von der Planungsphase in die Finanzierungsphase wechseln.

Bei der Finanzierungsphase geht es darum, das Projekt mit den benötigten finanziellen Ressourcen auszustatten, um es realisieren zu können. Jeder Mensch kann beliebige finanzielle Summen zur Verfügung stellen, um das Projekt zu unterstützen. Vor Eintritt in die Finanzierungsphase ist festzulegen, innerhalb welchen Zeitraums die benötigten Mittel zusammenkommen sollen. Erhält ein Projekt nicht innerhalb der festgelegten Frist die benötigten finanziellen Mittel, werden bereits eingesammelte Gelder mit dem Ablauf der Frist wieder an die Unterstützer zurückgegeben. Damit Gelder nicht unnötig lange blockiert werden, ist die maximale Finanzierungsdauer für regionale Projekte auf einen Monat, für nationale auf zwei Monate und für globale Projekte auf drei Monate beschränkt. Scheitert ein Projekt an der Finanzierung, geht es zurück in die Planungsphase und die betreuenden Delegierten können zusammen mit anderen Interessierten überlegen, ob und ggf. wie die Planung überarbeitet werden kann, damit das Projekt die Finanzierungsphase erfolgreich durchläuft.

Wurde die Finanzierungsphase erfolgreich abgeschlossen, beginnt die Umsetzungsphase des Projektes. In dieser Phase haben die Delegierten die Aufgabe, das Projekt zu betreuen und alle nötigen Schritte für dessen Umsetzung einzuleiten. Während der Umsetzung ist der Fortschritt fortlaufend öffentlich in den Projektunterlagen zu dokumentieren. Sollte sich während der Umsetzung herausstellen, dass das geplante Budget nicht ausreicht, muss rechtzeitig ein Ergänzungsprojekt geplant und durch die Finanzierungsphase gebracht werden, da sonst das Projekt gestoppt werden muss, sobald die finanziellen Mittel aufgebraucht sind. Ein erneuter Eintritt in die Finanzierungsphase ist nach erfolgreichem Abschluss der Finanzierungsphase nicht möglich. Sollte einem Projekt am Ende ein finanzieller Überschuss verbleiben, so wird dieser anteilig an die Unterstützer zurückgegeben, entsprechend der von ihnen eingebrachten Gelder. Sollte ein Delegierter während der Finanzierungs- oder Umsetzungsphase eines Projektes sein Mandat als Delegierter verlieren, so kann er das Projekt trotzdem bis zum Ende begleiten. Scheitert die Finanzierungsphase, hat er allerdings keine Möglichkeit, eine erneute Finanzierungsphase für das Projekt zu starten. Aufgrund des Mandatsverlustes kann er auch keine neuen Projekte mehr erstellen und somit auch kein Ergänzungsprojekt initiieren, sollte dies notwendig werden.

Transparenz

Ein wichtiger Punkt beim Kooperationsmodul ist Transparenz. Alle Aktivitäten werden öffentlich einsehbar dokumentiert. Jede Person kann zu jeder auf der Plattform registrierten Person Informationen über ihre vergangenen und aktuellen Gruppenmitgliedschaften, Kandidaturen und Tätigkeiten als Delegierter einsehen. Es kann im Detail angeschaut werden, wer welchen Delegierten wie lange mit seiner Stimme oder finanziell unterstützt hat. Dadurch hat jeder die Möglichkeit, sich darüber zu informieren, über welche Unterstützer und finanziellen Mittel ein Delegierter verfügt. Die Unterlagen eines Projektes werden vollständig öffentlich zur Verfügung gestellt, angefangen von der Projektidee, über erfolgte Diskussionen und Absprachen, bis hin zu eingeholten Angeboten für einzelne Aufgaben. In welchem Umfang welche Personen zur Finanzierung eines Projektes beigetragen haben wird ebenso öffentlich dokumentiert wie erhaltene Rechnungen und Zahlungen, welche während der Durchführung des Projektes getätigt wurden. Mit dieser umfassenden Transparenz in allen Bereichen soll sichergestellt werden, dass der Status eines Projektes und die Situation eines Delegierten jederzeit nachvollzogen werden kann.

Finanzmodul

Da das Kooperationsmodul auf Freiwilligkeit basiert, kann es über keinerlei Ressourcen verfügen und besitzt aus sich heraus keine Macht, um sicherzustellen, dass alle Menschen einen gleichen Zugang zu Ressourcen erhalten. Da die Nutzung des Finanzmoduls ebenso auf Freiwilligkeit basiert, wird niemand gezwungen, zur Versorgung anderer Menschen beizutragen. Dieses Modul ist vom Grundgedanken getragen, dass alle Menschen gleichberechtigt Zugang zu allen Ressourcen unseres Planeten erhalten sollen, daher erhalten alle Menschen über das Finanzmodul einen gleichen Zugang zu finanziellen Mitteln. In dem Umfang wie die Menschen bereit sind, die komplementäre Währung des Finanzmoduls zu akzeptieren, wird dieser Grundgedanke der Gleichheit realisiert. Das Finanzmodul bietet eine einfache Lösung, um an die heutigen geldgetrieben Strukturen anzuknüpfen und deren Mechanismen nutzbar zu machen, um allen Menschen Zugang zu den Ressourcen zu ermöglichen, welche nur über Märkte und Geldtransaktionen verfügbar sind. Gleichzeitig werden die Menschen in die Lage versetzt, Projekte mit Ressourcen auszustatten, indem sie Teile ihrer finanziellen Mittel an ein Projekt übertragen.

Globale komplementäre Währung

Der Kern des Finanzmoduls ist eine komplementäre Währung, welche auf Guthabenbasis jedem Menschen zur Verfügung gestellt wird. Die Währung ist so konzipiert, dass sie primär als Zahlungsmittel Verwendung finden soll und Geldeinheiten dem Geldkreislauf nicht dauerhaft entzogen werden können. Sichergestellt wird dies durch zwei Regeln, mit denen die Geldschöpfung und Geldlöschung definiert wird. Die 1. Regel legt fest, wie das Geld geschaffen wird: Jede Person erhält ab der Geburt einen monatlichen Geldbetrag zwischen 100 und 1.000 Geldeinheiten. Die 2. Regel begrenzt die Geldmenge indem sie festlegt, wie Geld wieder gelöscht wird. Alle Geldguthaben werden monatlich um 1 % verringert. Die genaue Höhe des monatlich erzeugten Betrages ergibt sich aus der weltweiten Beteiligungsquote, also aus der Anzahl der Menschen welche bereit sind, die Währung zu nutzen. Anfangs wird ein monatlicher Betrag von 100 Geldeinheiten für jeden Beteiligten erzeugt. Steigt die Beteiligungsquote, so steigt auch der monatlich zur Verfügung gestellte Betrag. Bei einer Quote von 40 % werden 500 Geldeinheiten monatlich an jede teilnehmende Person ausgezahlt. Bei einer Beteiligungsquote von 90 % erhält jede Person den maximalen Betrag von 1.000 Geldeinheiten pro Monat. Dadurch ergibt sich eine maximale Geldmenge von 100.000 Geldeinheiten pro Person, da bei 100.000 Geldeinheiten die monatliche Löschung in Höhe von 1 % genauso viele Geldeinheiten vernichtet wie monatlich für eine Person erzeugt werden.

Dauerhafter Geldumlauf

Da jeder Mensch permanent mit neuer Liquidität versorgt wird, kann jeder auf den geldbasierten Gütermärkten eine wirksame Nachfrage ausüben. Durch die Geldlöschung von 1 % pro Monat, bzw. 12 % pro Jahr, wird gleichzeitig die Anhäufung von Geldbeständen unattraktiver und es werden Investitionen rentabel, welche eine Rendite von unter null aufweisen. So wird durch die persönliche Geldversorgung und die allgemeine Geldlöschung ein steter Geldkreislauf unterstützt.

Verbindung zum Kooperationsmodul

Soweit die komplementäre Währung als reguläre Währung etabliert werden kann, erhält jeder Mensch über die bestehenden Märkte Zugang zu Nahrung, Kleidung und Unterkunft und kann damit seine lebensnotwendigen Bedürfnisse stillen. Ebenso kann jeder Mensch einen Teil der Geldeinheiten, welche ihm monatlich zur Verfügung gestellt werden, wiederum für die Finanzierung der Projekte aus dem Kooperationsmodul verwenden und so den Projekten Zugang zu den benötigten Ressourcen ermöglichen.

Geldversorgung ohne Erwerbsarbeit

Die Grundversorgung aller Menschen mit finanziellen Mitteln eröffnet sehr wichtige Freiräume zur Umgestaltung unserer Arbeitswelt. Ein finanzielles Einkommen zu erzielen ist nicht mehr überlebensnotwendig, sondern kann frei gewählt werden. Mit dieser Entkopplung kann leichter auf Tätigkeiten verzichtet werden, welche vor allem viele Ressourcen benötigen, ohne die Lebenssituation der Menschen zu verbessern. Mit der Verringerung der Abhängigkeit von Erwerbsarbeit als Quelle für den Lebensunterhalt wird viel Lebenszeit freigesetzt, welche die Menschen dann für die Verfolgung anderer Ziele einsetzen können. Dieses stärkt wiederum das Kooperationsmodul, da mehr Menschen über die zeitlichen Ressourcen verfügen, um sich für Dinge zu engagieren, welche ihnen wichtig sind.

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Voluntary global cooperation https://martinfinger.de/voluntary-global-cooperation/ Tue, 10 Oct 2017 09:14:00 +0000 The model presented below consists of two modules. The first module is the cooperation module. Therein people get together on a voluntary basis and collaborate to find solutions for current tasks and challenges. A permanent voting system allows people to assign a mandate to a delegate, so that he can represent them. Delegates can be […]

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The model presented below consists of two modules. The first module is the cooperation module. Therein people get together on a voluntary basis and collaborate to find solutions for current tasks and challenges. A permanent voting system allows people to assign a mandate to a delegate, so that he can represent them. Delegates can be recalled at any time. Councils of delegates exist on the regional, national and global level. The task of a delegate is to initiate, plan and supervise the implementation of projects. This entails small projects aiming at improving the living conditions of individuals up to realizing global solutions intended to counteract climate change, the destruction of the environment, and wars. The option to decide if a project should be performed is the decision of the people themselves, because every project must collect the financial means required for its realization by crowdfunding.

The second module is the financial module. It gives all people equal access to financial means, because everyone participates in the same form in the creation of money of the new complementary currency. Thus giving everyone equal access to the global resources which they need for their living and survival. Thereby the second module already contains a basic component that fights poverty and hunger throughout the world and reduces economic dependencies. This fundamental financial support ensures in an easy way that every human being can take part in deciding which projects will get access to resources.

Cooperation module

The cooperation module provides structures that will put people in a position to enter into exchange and cooperate with each other on a voluntary basis. These structures are designed to enable everyone to solve current tasks and challenges in a way that is to the benefit of all people without disadvantage to individual people or groups. In this document the duration of one month defines a period of 30 days.

Organizational levels

There are three levels on which people can get actively involved as delegates in order to solve current tasks and challenges. There is a regional, national and global level. Anyone can apply as delegate for any level independent of their place of stay or residence. A person can be an active delegate for more than one group at the same time. While the global level includes the entire planet, the other two levels are preferably subdivided into geographic regions. In the beginning the distribution on the national level can follow the existing borders of nation states and subsequently be replaced or complemented by a geographic or ethnic distribution. As people can be members of various groups on the regional and national level, it is possible to re-model existing multi-layered organizational structures below the national level, if necessary. Thus a resident of a community elects a delegate for this community, a delegate for the larger municipality, and a delegate for the district. In addition to the municipal council of delegates it can be useful for large cities to provide a council of delegates for each urban district that is in charge of tasks that are only relevant for that district. As a matter of principle, the distribution of the national and regional levels is not static, but people can create additional groups at any time. In order for a group to be eligible to be represented by delegates, it has to summon at least 1.000 members on the regional level and 100.000 members on the national level. If a group falls below the minimally required number of members it loses the eligibility for representation and the delegates lose their mandates after a period of grace of one month. In the beginning each individual is only assigned to the global group. It is everyone’s own responsibility to decide which groups someone wants to be a member of.

Election of delegates

The maximum number of members of a council of delegates for each of the three levels is fixed. The number of votes that are required for a person to receive a mandate as delegate results from the maximum number of delegates allowed for a council. For the global level a maximum of 10.000 delegates is intended. With a global population of 7.5 billion people a candidate needs at least 750.000 votes for obtaining a mandate in the global council of delegates. These 750.000 votes represent 1/10.000 of all available votes. There is no age limit for voting, everybody can vote. The number of members of a national council is limited to 1.000 delegates and to 100 delegates for a regional council. Thus candidates on the national level need at least one per mil and candidates on the regional level at least one per cent of the votes of the members of the group which they want to represent as delegates. Elections do not take place at a specific target date, but instead you can vote at any time and the effect is immediate. As soon as a person supports a delegate with his vote, this vote cannot be withdrawn from the delegate for a certain period of time. This period is to protect the delegate from public manipulation in the form of the dissemination of false information that could result in the immediate withdraw of all votes. The duration of this period of protection is set to one month for the regional level, three months for the national level, and six months for the global level. After expiry of this period of protection the vote remains with the delegate until it is actively withdrawn. Votes do not have to be assigned, but can remain unassigned. If a vote that has been assigned to a candidate or delegate is assigned to another candidate or delegate of the same council it is withdrawn automatically.

As delegates can be assigned more than the minimum number of votes it can be assumed that the number of delegates of a council is often significantly lower than the maximum number of members. New candidates can run for a mandate as delegate at any time. This guarantees that there are always new persons that can move up and dedicate themselves to a specific topic that has just recently become important for people. If a delegate resigns from his mandate, or a candidate from his application for a mandate, all assigned votes are automatically released and can be reassigned. Any period of protection is cancelled. This also applies in case of death of a delegate or candidate. The assigned votes cannot be transmitted from a candidate or delegate to another candidate or delegate. Neither has a candidate nor a delegate the possibility to shorten or cancel the period of protection for a specific vote. The period of protection can only be cancelled for all votes if a delegate resigns from his mandate or if a candidate withdraws his candidacy. If votes are withdrawn from a delegate and he falls below the minimum number of required votes he maintains his status as delegate for a period of grace of one month. During this time he has the possibility to seek new supporters so that he can maintain his mandate. This is to ensure that mandates are carried out continuously, even if a delegate is only able to obtain slightly more than the minimum number of required votes for a mandate. If he cannot renew his mandate with new votes it is his duty to make sure that the projects he has been involved in can be continued and implemented after he resigns.

Financial independence

The voters have the possibility to provide financial resources for the delegates’ personal use, so that the delegates can act as independently as possible. This financial support is independent of the support by vote. With this support system each person can provide a delegate with up to 10 units of the complementary currency each month. The financial support can be changed at any time without any waiting period. Whereas there is only one vote per person in each council, there is no limit on the number of delegates a person can support financially. Each person can financially support any desired number of delegates, even within the same council. If a delegate on the global level was supported by each of his minimally required 750.000 supporters with one currency unit per month, he would thus dispose of a budget of 750.000 currency units per month. The financial means provided voluntarily by the supporters are the only financial source in this model that delegates dispose of in order to finance their activities. There is no other compensation for the expenses of the delegates. Also candidates that have not yet obtained a mandate are entitled to receive financial support as of their candidature for any council. The financial means received via this system are freely available to the delegates and have no relation to project financing. For this reason it is the personal choice of a delegate if he discloses what the provided means are used for, as they also serve to cover his living expenses which are part of his privacy.

Planning and financing of projects

The only duty of the delegates is to develop or order the development of proposals for solutions and to plan projects that are able to implement the envisioned solutions. Besides the detailed planning of the individual steps, this mainly requires the detailed scheduling and planning of resources. This is necessary, so that the required financial means can be estimated as exactly and comprehensively as possible before the start of the project. All project details can be inspected anytime by anybody. A platform for the administration of the projects is provided that stores all information including their revision history. In addition to this, tools are provided that assist in the decentral editing of all documentation. Regarding these tools it is the responsibility of the delegates to consolidate different user requirements and provide people with access in a way that everybody can participate in the desired form and extent. Each person can comment on a project, which is a possibility that cannot be limited. It is not possible to completely delete documents or comments, as the revision history of all documentation will be stored permanently. Once a project has been planned completely and as soon as two delegates have taken charge of the implementation of the project, it can pass from the planning to the financing phase.

The purpose of the financing phase is to supply the project with the required financial resources, in order to implement it. Everybody can contribute any desired amount of money in order to support the project. Before the start of the financing phase it has to be defined within which period of time the required means need to be made available. If a project does not receive the required financial resources before the end of this period of time, the collected funds will automatically be returned to the supporters after expiration of the financing phase. In order not to block funds longer than necessary the maximum financing period is limited to one month for regional projects, two months for national projects, and three months for global projects. If a project does not manage to acquire the required financial resources it returns to the planning phase. The delegates that are in charge of the project and other interested participants can then consider if and how to change the planning so that next time the financing phase can be passed successfully.

As soon as the financing phase has been passed successfully the project enters the implementation phase. During this phase it is the duty of the delegates to supervise the project and to take all necessary steps for the implementation. During implementation the project’s progress has to be continuously updated in the project documentation. In case the project consumes more resources than planned, a supplementary project has to be started and passed through the financing phase as early as possible in order to avoid that the project runs out of budget and has to be stopped. A project cannot re-enter the financing phase once it has passed it successfully. If there are excess funds after the project has been completed, these will be returned to the supporters proportionately to their contribution. If a delegate loses his mandate during the financing or implementation phase of a project, he can still supervise the project until completion. If the financing phase has not been passed successfully, however, he cannot start another financing phase for the project. With the loss of his mandate he cannot initiate new projects anymore, and thus no supplementary project either, in case this should be necessary.

Transparency

One important aspect of the cooperation module is transparency. All activities are documented and visible to the public. Everybody can obtain information on any person registered on the platform regarding their past and present group memberships, candidatures, and engagements as delegate. It can be examined in detail who has supported which delegate with his vote or financially and for how long. In this way, everybody has the possibility to get information on the supporters and financial resources of a delegate. All project documentation is entirely made available to the public, starting from the project idea, followed by the discussions and agreements that were made, up to the quotes that were obtained for individual tasks. There will be documentation on the amount of financial means and who contributed them to a project, and also on invoices that were received and payments that were made during the implementation of the project. This comprehensive transparency in all areas is to ensure that the status of a project as well as the situation of a delegate can be reproduced at any time.

Financial module

As the cooperation module is based on voluntary actions it cannot dispose of any resources and has no intrinsic power that guarantees that all human beings receive equal access to resources. As the usage of the financial module is also voluntary nobody is forced to contribute to the provisioning of other people. This module is based upon the idea that everybody should have equal access to all resources of our planet, which is why everybody receives equal access to financial means by the financial module. To the same extent as people are willing to accept the complementary currency of the financial module this basic concept of equality is implemented. The financial module offers an easy way to take up on our current money driven structures and use their mechanisms to provide everyone access to resources which are only available via markets and financial transactions. At the same time people are enabled to supply projects with resources by transmitting parts of their financial means to a project.

Global complementary currency

The core of the financial module is a complementary currency that is provided to all human beings on a credit basis. The currency is designed to primarily be used as a means of payment and cannot permanently be withdrawn from circulation. This is ensured through two rules that define the creation and the deletion of money. The first rule determines how money is created: from the moment of birth each human being receives a monthly amount ranging from 100 to 1.000 currency units. The second rule limits the amount of money by determining how money is deleted. Each month all cash balances are reduced by 1 %. The exact amount created each month results from the global participation, i.e. how many people are willing to use the currency. In the beginning an amount of 100 currency units is created each month for every participant. The amount created each month increases at same rate as the participation rate increases. With a participation rate of 40 % an amount of 500 currency units is paid each month to the participants. With a participation rate of 90 % everybody receives the maximum amount of 1.000 currency units per month. This sums up to the maximum money supply of 100.000 currency units per person, because for 100.000 currency units the monthly deletion of 1 % destroys as many currency units as are created each month for a person.

Continuous circulation of money

As each human being is constantly supplied with new liquidity, everyone can exert an effective demand on the money-based product markets. At the same time the deletion of money of 1 % each month, or 12 % annually, respectively, makes the accumulation of money less attractive and this makes investments profitable that have a return of less than zero. In this way the supply of people with money and the regular deletion of money create a constant circulation of money.

Connection to the cooperation module

Provided that the complementary currency can be established as a common currency, every person has access to food, clothing, and shelter on the existing markets, enabling everyone to fulfil his basic needs. Furthermore, every human being can use part of the money that he is granted each month for financing projects of the cooperation module, thus giving projects access to the required resources.

Money supply without gainful employment

The basic supply with financial means of all people opens up important space for re-organizing our working world. It is not vital anymore to earn a financial income, but everyone can select freely if he wants to do so. This separation makes it possible to do without activities that more than anything else consume resources without improving people‘s living conditions. By reducing the dependence on a gainful employment in order to earn a living, a lot of time is made available that people can then use to pursue other goals. This again strengthens the cooperation module, as more people can dispose of the time required to get engaged in activities that matter to them.

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Kann Geld auch Freiheit fördern? https://martinfinger.de/kann-geld-auch-freiheit-foerdern/ Sun, 18 Sep 2016 10:54:00 +0000 Die obige Frage enthält bereits eine suggestive Unterstellung und zwar, dass Geld normalerweise Freiheit nicht fördern würde. Dabei scheint der Gedanke naheliegend, dass Menschen sich freier fühlen würden, wenn sie mehr Geld zur Verfügung hätten. Oberflächlich betrachtet kann es durchaus diesen Anschein haben. Für die Mehrheit der Menschen ist es allerdings recht schwierig, ihre finanziellen […]

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Die obige Frage enthält bereits eine suggestive Unterstellung und zwar, dass Geld normalerweise Freiheit nicht fördern würde. Dabei scheint der Gedanke naheliegend, dass Menschen sich freier fühlen würden, wenn sie mehr Geld zur Verfügung hätten. Oberflächlich betrachtet kann es durchaus diesen Anschein haben. Für die Mehrheit der Menschen ist es allerdings recht schwierig, ihre finanziellen Einkünfte zu steigern. Bei der Dauer an Lebenszeit, welche die meisten Menschen hingeben müssen, um genügend Geld für ihre grundlegenden Lebensbedürfnisse zu bekommen, ist es schwierig, Freiheit zu erleben.

Jeder Mensch ist frei. Einem Menschen diese Freiheit abzusprechen ist in meinen Augen vor allem ein entscheidender Schritt, um ihn beherrschen zu können. Ein Mensch, welcher sich seiner Freiheit in jedem Moment seines Lebens bewusst ist, lässt sich nicht durch Angst oder Gesetze davon abhalten, nach seinen Werten zu leben. Aus der Perspektive einer absoluten Freiheit wird deutlich, dass alle Regeln, Vereinbarungen und sozialen Verhaltensweisen nicht selbstverständlich sind, welche in unserer Gesellschaft eine Rolle spielen. Egal wie wichtig uns bestimmte Umgangsformen sein mögen, sie müssen sich in jedem Moment neu bewähren, um fortzubestehen. Auch die Anerkennung der Freiheit bildet hier keine Ausnahme. Das Besondere an der Freiheit ist allerdings, dass jeder Versuch, sie mit anderen Mitteln als ihrer selbst zu schützen, sofort zu einem Widerspruch führt. Niemals kann jemand Freiheit durch Forderungen oder gar Zwang erreichen. Insofern enthält die Anerkennung der Freiheit sofort die Gleichheit. Aus der Perspektive einer widerspruchsfreien Ethik kann jeder Mensch nur die Freiheit in dem Umfang für sich geltend machen, welche er in gleichem Umfang jedem anderen Menschen ebenfalls einräumt.

Wenn ich auf unser heutiges Geldsystem schaue, erkenne ich sofort, wie weit unser Geldsystem von einem Zustand der Gleichheit entfernt ist. Dabei geht es mir nicht darum, dass Geld absolut gleich verteilt sein soll. Es geht ausschließlich um die Zugangsmöglichkeit zum Geld. Es geht um Chancengleichheit und nicht um Gleichheit im Ergebnis. Eben diese Ungleichheit im Zugang halte ich für problematisch und in letzter Konsequenz für unfair, weil diese eine Rückwirkung darauf hat, in welchem Umfang Menschen ihre persönliche Freiheit ausleben können. Wie schwer oder leicht es jemandem fällt, seinen eigenen Wünschen und Träumen zu folgen, hängt in unserer Gesellschaft sehr stark vom individuellen Zugang zum Geld ab.

Daher habe ich mich damit beschäftigt, ein Geldsystem zu entwerfen das mehr Chancengleichheit systemisch sicherstellt und dadurch Menschen dabei unterstützt, sich selbst zu verwirklichen und nach den eigenen Werten zu leben. Der Name dieser komplementären Währung ist Credere. Die Kaufkraft soll zunächst 1:1 dem Euro entsprechen, auch wenn die Währung nicht durch Euro gedeckt sein wird. Credere wird ausschließlich durch die Leistungen der Teilnehmer gedeckt sein. Das Geldsystem funktioniert nach zwei einfachen Regeln. Die erste Regel betrifft die Geldschöpfung, welche direkt an den Menschen gebunden wird. Je nach Beteiligungsquote in einem Land liegt die Geldschöpfung bei 100 Credere bis maximal 1.000 Credere pro Kopf und Monat. Um seine Funktion als Zahlungsmittel erfüllen zu können, muss die Geldmenge von Credere begrenzt werden. Für diese Begrenzung sorgt die zweite Regel in Form einer Geldvernichtung. Diese liegt bei 1 % pro Monat und somit bei 12 % pro Jahr. Allein mit diesen beiden Regeln erhalte ich ein Geldsystem, welches jedem Menschen einen Zugang zu Liquidität ermöglicht. Die Geldmenge passt sich automatisch an die Anzahl der Teilnehmer an.

Mit der Geldvernichtung, die keine Gebühr sondern eine wirkliche Löschung darstellt, entsteht gleichzeitig ein ausgleichender Faktor, welcher dem Zinseszins entgegen wirkt. Credere kann nicht durch Kreditvergabe erzeugt werden, daher ist jeder Kredit in Credere auch mit einem Liquiditätsverzicht verbunden. Die Geldmenge bei Credere ergibt sich allein aus der Anzahl der beteiligten Menschen und wird nicht im Interesse einzelner Gruppen angepasst. Da alle teilnehmenden Menschen in gleicher Weise von der Geldschöpfung profitieren, ist auch die Vermögensumverteilung durch Inflation ausgeschlossen. Credere wird nur als elektronische Währung existieren, so dass alle Guthaben der täglichen Vernichtung in Höhe von 1/30 % unterworfen werden. Dadurch wird die Wertspeicherfunktion von Credere geschwächt und der Fokus auf die Zahlungsfunktion gelenkt. Meiner Ansicht nach ist die Zahlungsfunktion die wichtigste Funktion einer Währung, da der Austausch von Gütern die Grundlage darstellt, um den Wohlstand aller Menschen in einer Gesellschaft zu mehren. Hingegen nutzt die Wertspeicherfunktion vor allem jenen, welche mehr Geld haben als sie für ihren Lebensunterhalt benötigen und durch Zurückhalten von Geld ihre Verhandlungsmacht gegenüber denjenigen stärken können, welche auf regelmäßige Geldzuflüsse angewiesen sind. Hier sorgt Credere gegenüber dem heutigen Geldsystem für eine Veränderung der Verhandlungsmacht, u. a. auch bei Lohnverhandlungen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen kurzen Einblick in ein anderes Geldsystem vermitteln, welches in meinen Augen mehr Freiheit für alle Teilnehmenden ermöglichen kann. Als nächstes möchte ich dafür sorgen, dass die elektronische Plattform realisiert wird. Wer mich gerne dabei unterstützen möchte ist herzlich willkommen. Ich freue mich ebenfalls über Interesse, Fragen und Austausch. Wer gerne mehr Informationen nachlesen oder anhören möchte, findet weiterführende Links auf meiner Webseite unter credere.eu.

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Aus der Zeit gefallen https://martinfinger.de/aus-der-zeit-gefallen/ Wed, 30 Dec 2015 04:35:00 +0000 Liebe Menschen dort draußen,oft passiert es, dass ich nicht weiß, welche Erwartungen und Vorstellungen andere Menschen haben. Vielleicht wissen sie es selbst nicht einmal. Mir sind dieses Jahr nur wenige Weihnachts- und Neujahrswünsche begegnet und Nein, sie fehlen mir nicht. Im Gegenteil. Beim Ersten dieser Wünsche war ich dieses Jahr so schockiert, dass ich diesen […]

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Liebe Menschen dort draußen,
oft passiert es, dass ich nicht weiß, welche Erwartungen und Vorstellungen andere Menschen haben. Vielleicht wissen sie es selbst nicht einmal.

Mir sind dieses Jahr nur wenige Weihnachts- und Neujahrswünsche begegnet und Nein, sie fehlen mir nicht. Im Gegenteil. Beim Ersten dieser Wünsche war ich dieses Jahr so schockiert, dass ich diesen überhaupt nicht aufgegriffen habe, soweit ich mich erinnern kann. Natürlich war ich nicht über den Wunsch schockiert, sondern darüber wie tief manche Veränderungen in mir gehen.

Meine Gedanken und Reflexionen dazu möchte ich gerne mit Euch teilen, weil ich gerne mit Euch in Verbindung bleiben möchte und ich das Bedürfnis habe Euch zu sagen, warum ich Euch trotzdem keine Weihnachts- oder Neujahreswünsche schreibe. (PS: Für Geburtstagswünsche gilt dieses ebenso.)

Zurück zum Grund des Schocks. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, in der ich Vollzeit einer Arbeit nachgegangen bin. Besonders die Jahre in denen ich meinen Urlaub nur wiederwillig genommen habe, weil die Arbeit Freude und das Verdienen des Lebensunterhalts eher eine schöne Begleiterscheinung gewesen ist. So hatte ich in mehreren Jahren in Dezember und Januar oft „zwangsweise“ vier Wochen freie Zeit. Generell erinnere ich mich daran, wie für mich die letzten Kalenderwochen des Jahres irgendwie aus der Zeit gefallen sind. Dabei war es natürlich ich, der aus seinem Alltagstrott gefallen ist und regelmäßig ein Motivationsproblem hatte in diesen zurückzukehren. Es hat immer wieder Wochen gedauert von einem zeitlosen Leben wieder im getakteten Leben Fuß zu fassen.

Nachdem ich über einen längeren Zeitraum inzwischen komplett aus diesem getakteten Leben bis auf weiteres ausgestiegen bin, kommen mir die Rituale rund um diese letzten Tage des Jahres immer symbolhafter vor. Diese Veränderung meiner Perspektive ist es die mich zunächst einmal fasziniert und mich reizt darüber zu reflektieren, warum Wünsche bezogen auf diese Tage in mir selbst vor allem Widerstand hervorrufen. Wie immer gibt es unterschiedlichste Antworten auf diese Frage und alle sind auf ihrer Weise wahr.

Am stärksten sind es wohl zwei Punkte, die diesen Widerstand in mir hervorrufen. Der eine ist, dass Misstrauen darüber ob die jeweiligen Wünsche einen Inhalt besitzen oder doch Floskeln sind. Für mich sind die Anlässe vollkommen Nichtig. Es fällt mir schwer eine Analogie zu finden, die meinen Abstand zu diesen Ritualen zum Ausdruck bringen kann. Insbesondere aus einem Gedanken heraus: Ich versuche weiterhin das Grundgefühl von Agape in mir zu kultivieren. In diesem Zusammenhang erscheint es mir widersprüchlich eine besondere Verbundenheit, um die Weihnachtszeit herum zu propagieren, weil es gleichzeitig ein weniger an Verbundenheit für die anderen Tage geradezu notwendig macht.

Der zweite Punkt bezieht sich auf die willkürliche Heraushebung eines Tages im Jahr, um es für beendet zu erklären. Nicht einmal auf der Erde wird dieser Tag einhellig begangen. Die ganzen Geschichten welche sich um diese Zeit drehen wirkt aus einer rationalen Perspektive so absurd, dass es mich sofort zum Schmunzeln bringt. Natürlich sind die Geschichten schön und wir Menschen narrative Wesen. Eine gute Geschichte bleibt aber trotzdem nur eine Geschichte.

So treiben mich viele Gedanken um und ich komme mir bei solchen Gelegenheiten vor, als wäre ich nicht nur aus der Zeit, sondern auch aus der Realität gefallen, die so vielen Menschen so wirklich vorkommt. Aus der Betrachtung heraus, dass das Leben immer nur im Jetzt stattfindet und Gestern und Morgen nur Konstruktionen in unserem Geist sind, wirken diese Dinge geradezu erschreckend einfältig.

Was mich zu dem Teil bringt, welcher mir hierbei Sorge bereitet und der Grund ist, warum ich diese Gedanken in dieser Form in die Welt gebe: Gibt es Menschen dort draußen, für die meine Gedanken irgendeinen Sinn ergeben?

Mir ist es wichtig mit Menschen zu kommunizieren und mich auch über die Sprache mit ihnen verbinden zu können. Was passiert aber, wenn wir zwar die gleichen Worte verwenden, aber aufgrund meines Erlebens diese Worte für mich inzwischen mit einer anderen Bedeutung aufgeladen sind. Natürlich habe ich noch eine Vorstellung davon, was jemand meint, wenn er vom Geist der Weihnacht spricht. Aber diese Vorstellung wird immer vager. Wenn ich das Feuerwerk für Silvester in den Geschäften sehe, kommt mir dieses genauso ritualisiert vor wie die Oblaten als Hostie in katholischen Kirchen.

Daher wünsche ich Euch allen ein schönes (Er-)Leben im Hier und Jetzt unabhängig von Ort und Zeit. Möget Ihr alle das Erfahren und Erleben was Ihr sucht und das Bekommen wonach Euer Geist, Eure Seele und Euer Körper bedürfen.

Liebe Grüße
Martin Finger

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Wem gehört die Sonne? https://martinfinger.de/wem-gehoert-die-sonne/ Fri, 25 Sep 2015 08:09:00 +0000 Ich lese derzeit „Was ist das Eigentum?“ von Pierre-Joseph Proudhon. Auch wenn ich etwas anders argumentieren würde, so kann ich seine Kritik am Eigentum durchaus nachvollziehen. Zugespitzt würde ich meine Argumentation mit folgender Frage beginnen: Wem gehört die Sonne? Der Vorteil bei dieser Frage ist, dass sich die beiden klassischen Argumentationen für Eigentum sofort ausschließen […]

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Ich lese derzeit „Was ist das Eigentum?“ von Pierre-Joseph Proudhon. Auch wenn ich etwas anders argumentieren würde, so kann ich seine Kritik am Eigentum durchaus nachvollziehen. Zugespitzt würde ich meine Argumentation mit folgender Frage beginnen: Wem gehört die Sonne?

Der Vorteil bei dieser Frage ist, dass sich die beiden klassischen Argumentationen für Eigentum sofort ausschließen lassen. Weder ist die Existenz der Sonne auf menschliche Arbeit zurückzuführen, noch wurde die Sonne in irgendeiner Weise von Menschen bearbeitet. Ebenso kann ausgeschlossen werden, dass jemand die Sonne durch Besetzung in Besitz nehmen konnte, da nach aktuellem Stand der Technik kein Mensch einen Aufenthalt dort überleben würde. Damit ist Eigentum auf Grund von Okkupation oder Arbeit ausgeschlossen.

Letztendlich lässt sich die Argumentation nun in zwei Richtungen fortsetzten. Wäre die Okkupation eine Grundlage für Eigentum und die Erde zunächst als besitzlos betrachtet, könnte die Erde grundsätzlich in Besitz genommen werden. Im Rahmen dieser Betrachtung arbeite ich lieber mit der Arbeitstheorie und betrachte Sonnen als Eigentümer der von ihnen erzeugten Produkte. Zur Vereinfachung gehe ich davon aus, dass unsere Sonne mit ihrer Entstehung das Eigentum an der Materie in unserem Sonnensystem von den anderen Sonnen übernommen hat und als ihr Stellvertreter fungiert.

Entsprechend der aktuellen astronomischen Theorien wurden alle Elemente welche schwerer sind als Wasserstoff/Helium von Sonnen erbrütet oder sind bei deren Explosion entstanden. Das Verhältnis der bisher von uns erzeugten Stoffe durch Fusion und Anreicherung im Vergleich zur Masse der Erde sind so gering, dass ich diese vernachlässigen werde. Entsprechend stammen die Ressourcen damit wir überhaupt in die Lage versetzte werden eine Arbeit verrichten zu können, zu 100 Prozent aus Sonnenaktivitäten. Dieses könnte sich ändern, wenn wir unseren Energiebedarf durch Wasserstofffusion decken. Ab dem Zeitpunkt würden wir ähnlich produzieren wie die Sonne, da wir dann ebenfalls auf den allgemein verfügbaren Wasserstoff zurückgreifen würden, welcher nicht von Sonnen geschaffen wurde.

Könnte eine Instanz plausibel machen, dass sie beim Urknall den Wasserstoff geschaffen hat und damit diesen als Eigentum beanspruchen, würden alle Sonnen wiederum ihr Eigentum an allem verlieren, da ihr Anteil von Arbeit im Verhältnis zu den genutzten Ressourcen wiederum verschwindend gering wäre. In der Hinsicht stünden die Sonnen zum Universum dann in der gleichen Position wie wir zu den Sonnen stehen. Solche extremen Darstellungen zeigen sehr schnell wie absurd es ist die Einbringung von Arbeit als Grundlage zu verwenden, um Eigentum an den verwendeten Ressourcen zu beanspruchen. Da letztlich keine Erzeugnisse geschaffen werden können ohne bestehende Materie zu verwenden wird nichts geschaffen was als Eigentum beansprucht werden könnte. Als einzige Ausnahmen könnte die Erzeugung von Wissen in Betracht kommen.

Da der Wasserstoff, welcher von der Sonne verbraucht wird, zunächst ein freies Gut war, kann sie die Produkte daraus zu 100 Prozent als ihr Eigentum ansehen. Die Erde ist somit im vollständigen Eigentum der Sonne. Womit sollten wir die Sonne bezahlen? Was könnten wir der Sonne als Gegenleistung geben, dafür, dass wir ihr Eigentum nutzen dürfen. Menschenopfer vielleicht?

Ebenfalls wäre zu klären, warum wir nicht ohnehin Eigentum der Sonne sind, so wie wir Pflanzen und Tiere zu unserem Eigentum deklarieren, obwohl wir zu deren Existenz noch weniger beitragen als die Sonne zur unsrigen. Auch für Maschinen und insbesondere für deren Erzeugnisse ist die Frage wer dabei Eigentum woran erwirbt und auf welcher Grundlage. Ich möchte an dieser Stelle keine Diskussion darüber beginnen, welche menschliche Besonderheit auf der einen Seite uns dazu befähigen soll Eigentum haben zu können und auf der anderen Seite festlegt, dass Menschen kein Eigentum sein können, dürfen oder sollen.

Ich möchte an dieser Stelle die Ausführungen beenden und überlasse es dem Leser darüber nachzudenken inwieweit Eigentum grundsätzlich mit Freiheit unvereinbar ist.

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Der Übergang https://martinfinger.de/der-uebergang/ Mon, 28 Apr 2014 15:02:00 +0000 In der Rekapitulation der Gespräche und Diskussionen vom AnCap Happening 2014 in Storkow drängt sich mir gerade eine Frage auf: Können die Überlegungen für die Funktionsweise einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft, auch auf eine Zeit des Übergangs, von der heutigen Welt in eine anarcho kapitalistische Gesellschaft, angewendet werden? In den Gesprächen ist implizit und explizit oft […]

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In der Rekapitulation der Gespräche und Diskussionen vom AnCap Happening 2014 in Storkow drängt sich mir gerade eine Frage auf: Können die Überlegungen für die Funktionsweise einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft, auch auf eine Zeit des Übergangs, von der heutigen Welt in eine anarcho kapitalistische Gesellschaft, angewendet werden?

In den Gesprächen ist implizit und explizit oft das Argument aufgetaucht, dass in einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft, in welcher kein Staat mit Geld- und Gewaltmonopol existiert, es unmöglich sei, dass Großkonzerne entstehen oder längere Zeit bestehen könnten. Entsprechend wäre niemand in der Lage Kernkraftwerke zu bauen. Dazu möchte ich zwei Thesen aufstellen, die aus meiner Sicht gegen dieses Annahme sprechen.

Angenommen es gelingt den Staat und die damit verbundenen zentralistischen Ordnungssysteme aufzulösen, dann entsteht zunächst ein Machtvakuum. Konzerne profitieren bei der Umsetzung von Großprojekte, wie die Errichtung von Talsperren und Autobahnen, von den Enteignungsmöglichkeiten des Staates. Grundsätzlich ist der Staat, welcher die Entstehung der Konzerne ermöglicht, auch die einzige Instanz welche sie beschränkt. Fällt der Staat aus dem heutigen Machtgefüge heraus, können dann Gruppierungen wie sie heute in Form von Greenpeace oder Occupy existieren dieses Machtvakuum füllen? Ist es wahrscheinlich und realistisch anzunehmen, dass die verbleibenden Kräfte und Strukturen stark genug sind, um einen globalen Konzern zu beschränken? Vielleicht mag es sein, dass in einer Welt die bereits anarcho kapitalistisch funktioniert, die Entstehung solcher Konzerne ausgeschlossen ist, weil es nicht möglich ist eine juristische Person zu erschaffen, in dessen Namen Handlungen ausgeführt werden, für welche kein Mensch persönlich Verantwortung übernimmt oder gar haftet. Aber da der Übergang, entsprechend dem Nichtaggressionsprinzip, friedlich erfolgen soll, werden die Konzerne nicht zerschlagen und die Eigentumsverhältnisse der Konzerne und ihrer Eigentümer wohl anerkannt werden. Entsprechend werden diese globalisierten Unternehmen nicht aufhören zu existieren.

Meine zweite These kritisiert die Vorstellung, dass in einer etablierten anarcho kapitalistischen Gesellschaft mit kapitalistisch organisierter Wirtschaft, die Entstehung von Großkonzernen ausgeschlossen oder zumindest unwahrscheinlich sei. Sowie die Vorstellung, dass eine dauerhaft werthaltige Währung ein anzustrebendes Ziel sei. Ein Aspekt einer kapitalistischen Wirtschaft ist die Möglichkeit Kapital zu akkumulieren. Daher gehe ich davon aus, dass mindesten eine freiwillige Währung existieren wird, welche das Ziel verfolgt eben diese dauerhafte Wertaufbewahrung zu ermöglichen. Ich möchte Beispiele aus der Geschichte und der Gegenwart herausgreifen, welche ich auch in einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft für möglich halte. Ein geschichtliches Beispiel ist die Machtakkumulation der Fugger, welche mit Handel und Geldgeschäften über lange Zeit einen großen Einfluss in Europa ausüben konnten. Als gegenwärtiges Beispiel für die Akkumulation großer persönlicher Kapitalmengen möchte ich Microsoft bzw. die Gates Familie anführen. Bei beiden Beispielen sehe ich den Anteil des Staates als so gering an, dass ich diese Akkumulation auch in einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft für möglich halte. Natürlich kann es sein, dass der fehlende Schutz von geistigen Eigentum, in Form von Urheberrecht und Patentrecht, sowie die Abwesenheit von politischen Entscheidungsträgern, in einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft, eine solche Kapitalakkumulation verhindern könnten. Mir wäre diese Argumentation allerdings noch zu schwach. Die Behauptung eine solche Machtkonzentration wäre unkritisch für die persönliche Freiheit aller, teile ich ebenfalls nicht.

Insofern stellt sich mir die Frage, ob das kapitalistische Prinzip der unbegrenzten Kapitalakkumulation im Widerspruch steht mit dem Prinzip der Freiheit des Individuums. Mit diesem Artikel möchte ich einen Beitrag leisten, darüber nachzudenken ob und wenn ja, wie, eine kapitalistische Wirtschaft in Verbindung mit dauerhaftem Geld mit der persönlichen Freiheit des Einzelnen verbunden werden kann. Es ist aus meiner Sicht zu berücksichtigen, dass Geldakkumulation auch einer Machtakkumulation entspricht, welche in einer anarchischen und damit freiheitlich und freiwillig organisierten Gesellschaft kein Gegengewicht hat, da es keine Instanz gibt, welche Machtakkumulation unterbindet. Ich will damit nicht propagieren, eine solche Instanz zu erschaffen sondern im Gegenteil sich von dem Gedanken eines ewig werthaltigen Geldes zu lösen und damit dieser Form der Ansammlung von Macht die Basis zu entziehen. Natürlich soll es ohnehin eine Währungskonkurrenz geben, aber genau daher halte ich es für wichtig sich zu überlegen welche Konsequenzen die Verwendung verschiedener Währungen mit sich bringen und welche Wirtschaftsformen mit den Zielen einer anarchistischen Gesellschaft vereinbar sind.

Ich freue mich auf andere Meinungen und Sichtweisen und bin gespannt mit welchen Argumenten meine beiden Thesen entkräftet werden die ich noch einmal kurz zusammenfasse.

  • Konzerne sind bereits vorhanden und werden nicht mit Entstehung einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft automatisch verschwinden.
  • Unbegrenzte Kapitalakkumulation ist mit individueller Freiheit nicht vereinbar, da unbegrenzte Machtakkumulation die individuelle Freiheit gefährdet.

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Ein Ding namens Geld https://martinfinger.de/ein-ding-namens-geld/ Fri, 14 Feb 2014 12:05:00 +0000 Es ist an der Zeit meine Reise fortzusetzen. Nach Monaten auf Reisen widme ich mich heute meinen Finanzen. Wenn möglich, bezahle ich meine Unterkunft und Verpflegung mit meiner Zeit und meinem Wissen. Ich helfe bei anstehenden Arbeiten oder unterhalte mich mit den Menschen. In den Fällen wo ich meine Zeit nicht hergeben konnte oder wollte, […]

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Es ist an der Zeit meine Reise fortzusetzen. Nach Monaten auf Reisen widme ich mich heute meinen Finanzen. Wenn möglich, bezahle ich meine Unterkunft und Verpflegung mit meiner Zeit und meinem Wissen. Ich helfe bei anstehenden Arbeiten oder unterhalte mich mit den Menschen. In den Fällen wo ich meine Zeit nicht hergeben konnte oder wollte, verwendete ich stattdessen dieses Ding namens Geld. Nachdem ich meine Rechnung beglichen habe mache ich mich auf und davon. Vielleicht aus gutem Grund? Was ist dieses Etwas das Geld genannt wird? Wie funktioniert es, dass ich hunderte Kilometer von der Stelle an der ich Geld erhalten habe dafür Waren kaufen kann? Ist Geld wirklich etwas wert? Woher kommt dieser Wert? Was weiß ich über Geld? Ist Geld am Ende nichts anderes als ein Schwarzer Peter und derjenige, welcher am Ende des Spiels das Geld noch hat, hat verloren?

Da sich die ganze Welt um Geld dreht, muss es wohl wichtig sein. Vielleicht handelt es sich dabei auch um eine Fehleinschätzung? Was nützt mir dieses Geld? Warum sollte es für mich wichtig sein? Wenn ich jemandem eine Leistung erbringe, kann mich dieser mit Geld entlohnen. Statt mir einen Gefallen oder eine Gegenleistung schuldig zu bleiben, kann er diese Schuld mit Geld sofort begleichen. Ich habe den Vorteil, dass ich mit Geld Leistungen anderer Personen in Anspruch nehmen kann. Unsere Verbindung ist kurzfristiger Natur und wird vollständig aufgelöst, sobald die Leistung erbracht und die Bezahlung erfolgt ist. Wir sind im Anschluss wieder wie Fremde füreinander.

In der Volkswirtschaft werden dem Geld drei Funktionen zugeordnet. Die erste Funktion ist die eines Zahlungsmittels, welche den oben beschriebenen Austausch widerspiegelt. Diese Funktion ist sehr eng verbunden mit der Funktion des Wertmessers. Es ist sehr praktisch, wenn an jeder Ware ein Preis in der allgemein als Geld verwendeten Einheit angeschlagen ist. So kann ich leicht prüfen, ob mein Geld ausreicht, um meine Wünsche nach Gütern zu befriedigen. Als dritte Funktion des Geldes wird die Wertaufbewahrung genannt. Letztere steht der Funktion als Zahlungsmittel konträr gegenüber. Ich kann einen Kuchen nicht essen und gleichzeitig behalten. Das Geld welches ich sparen möchte kann ich nicht ausgeben. Wenn ich das Geld ausgegeben habe steht es mir nicht mehr zur Verfügung. Geld als Wertmesser zu bezeichnen ist allerdings nicht korrekt. Wenn ich die Länge eines Tisches messe, erfahre ich wie viele Meter der Tisch lang ist. Wenn ich den Wert des Tisches erfahren möchte und mir dazu seinen Preis ansehe, dann weiß ich wie viele Euro er kostet. Aber seinen Wert kenne ich nicht. Ich könnte ausrechnen wie viele Stunden ich arbeiten müsste, um diesen Tisch erwerben zu können. Geld bietet eine einfache Möglichkeit, Waren miteinander zu vergleichen. Ich erfahre z.B., dass vier Stühle genauso viel kosten sollen wie ein Tisch.

Was erfahre ich durch den Preis einer Ware, wenn es nicht der Wert der Ware ist? Was hat Geld überhaupt mit Wert zu tun? An dieser Stelle ist es nötig, dem Begriff Wert eine Identität zu geben. Der Wert den jemand einem Tisch zuordnet, hängt von seinen persönlichen Vorlieben ab. Die Menge an Euro, die jemand für einen Tisch zu zahlen bereit ist, hängt vor allem davon ab, wie gut es demjenigen gelingt, Euros zu erhalten und welches seine Kosten dafür sind. Die Kosten für den Euroerwerb bestehen vor allem in der Investition der eigenen Lebenszeit. Die Definition für den Wert eines Tisches ergibt sich aus dem subjektiven Nutzen, welchen sich jemand von diesem Tisch erwartet. Hierbei ist es wichtig zu erkennen, dass dieser Wert auf einer Erwartungshaltung beruht. Diese Erwartung kann sich als Fehleinschätzung herausstellen. Im Gegensatz zur Annahme der Wirtschafts- oder Rechtswissenschaft, bei welchen davon ausgegangen wird, bei einem Geschäft von Ware gegen Geld würden Werte in gleicher Höhe ausgetauscht werden, entspricht eher das Gegenteil der Wirklichkeit. Ein freiwilliger Austausch findet nur statt, wenn beide Seiten von diesem Tausch einen Mehrwert erwarten. Dieser Vorteil basiert auf den unterschiedlichen subjektiven Bewertungen der Ware. Da beide Seiten auch die verwendeten Geldeinheiten nach ihrem Wertemaßstab beurteilen, ist es ihnen möglich, den Austausch über Geld zu vollziehen. Der Preis einer Ware kommuniziert mir etwas über die Werte des Verkäufers. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Verkäufer den Preis so festlegt, dass die Menge an Geld für den Verkäufer mehr Wert besitzt als die Ware zum aktuellen Zeitpunkt für ihn repräsentiert. Diese Einschätzung kann sich jederzeit ändern.

Eine wichtige Eigenschaft von Geld ist seine Beschränktheit. Es ist nicht wichtig, dass die Geldmenge absolut beschränkt ist. Es ist nur wichtig, dass die Verfügbarkeit von Geld so beschränkt ist, dass sich die Menge, welche einer Person zur Verfügung steht, sich nicht unkalkulierbar ändert. Sonst ist eine preisliche Auszeichnung von Waren nicht mehr möglich, da der Verkäufer nicht mehr einschätzen kann, welcher Betrag seiner Nutzenvorstellung entspricht. In einem solchen Fall bleiben die Geschäfte in der Folge eher leer, wie zur Zeit der Hyperinflation 1923 oder in der Inflation um 1945. Wenn ein Schreiner fünf Tische pro Woche produziert (Herstellungskosten seien 15 Euro) und 250 Euro pro Woche Ausgaben für seine Lebensführung hat, wird er einen Tisch für mindestens 65 Euro verkaufen müssen (15 Euro Material + 50 Euro Bedarf des Schreiners). Da heute bereits ein Geldsystem existiert, können wir leicht berechnen, wie viel unsere Tätigkeit uns einbringen muss, damit wir unsere Bedürfnisse decken können. Ohne Geld wäre diese Rechnung etwas komplizierter, weil wir nicht in Euro rechnen würden, sondern unsere Arbeit in Beziehung zu unserem Bedarf an Kleidung, Brot und Unterkunft setzten müssten. Wenn der Schreiner seine Tische nur für 30 Euro verkaufen kann, muss er überlegen, wie er entweder mehr Tische produzieren kann oder er muss eine andere Tätigkeit finden, um seinen Bedarf von 250 Euro pro Woche zu decken. Wenn er keine andere Tätigkeit finden sollte, müsste er zur Selbstversorgung zurückkehren.

Schon geht es um Leben und Tod. Das erscheint zu weit hergeholt? Das Bild mag etwas drastisch sein, aber für den Fall, dass der Schreiner keine Tätigkeit findet für welche er seine 250 Euro als Gegenleistung erhalten kann, um sich mit Lebensmitteln, Kleidung und Unterkunft zu versorgen, stellt sich für ihn diese Frage sehr wohl. Die Vorstellung, dass er zu einer Selbstversorgung zurückkehren könne, scheitert daran, dass er dafür Land benötigt, welches er nicht besitzt. Da alles Land in unserer heutigen Zeit jemandem gehört ist es unwahrscheinlich, dass es ihm einfach geschenkt wird. Nehmen wir einmal an, dass es ihm wirklich nicht möglich ist, eine Tätigkeit zu finden, welche ihm 250 Euro pro Woche einbringt. Auch wenn es heute noch unwahrscheinlich erscheint, dass Waren fast vollständig von Maschinen produziert werden, so ist eine solche Entwicklung technisch denkbar. Was soll unser Schreiner machen, wenn er nicht zur Wissenselite gehört, welche diese Maschinen entwickelt und wartet?

Der Frage, was Geld ist, haben wir uns nur indirekt genähert. Auf unserem Weg sind wir bereits der Schuld und dem Tod begegnet. Aber wie entsteht Geld, mit dem wir Schulden begleichen können und dessen Abwesenheit unseren Tod bedeuten kann?

Wie oben beschrieben ist der Wert einer Ware etwas Subjektives. Daher kann Geld selbst keinen objektiv messbaren Wert besitzen. Ein Zahlungsmittel, welches einen eigenen Nutzen unabhängig von seiner Zahlungsfunktion besitzt, trägt immer das Risiko in sich, die Neutralität im Austausch gegenüber den Waren zu verlieren. Verliert es diese Neutralität, kann dies dazu führen, dass das Geldsystem zusammenbricht, weil das Geld als Zahlungsmittel verschwindet. Dieses Verschwinden konnte in der Vergangenheit bei metallgedeckten Währungen beobachtet werden. Solange der materielle Wert des verwendeten oder in Beziehung gesetzten Metalls hinter der subjektiven Wertrepräsentation als Zahlungsmittel zurück blieb, blieb das Zahlungsmittel im Umlauf. Überstieg der materielle Wert denjenigen des Zahlungsmittels, so wurden die Münzen eingeschmolzen, die Lagerscheine eingelöst und das Geld verschwand. Unser heutiges Geld besitzt keinen materiellen Wert und ist auch an keinen solchen mehr gekoppelt, wie es durch das Bretton-Woods-System von 1944 bis 1973 noch der Fall war. In dieser Zeit waren die weltweiten Währungen durch einen festen Wechselkurs zum Dollar, der eine Golddeckung aufwies, indirekt an Gold gebunden. Allein unser Glaube in den Wert unseres Geldes garantiert dessen Wert. Dieses Vertrauen ist grundsätzlich nötig, unabhängig davon, ob es sich um Papiergeld oder wertgedecktes Geld handelt. Selbst eine Münze aus purem Gold wird mein Überleben nicht ermöglichen wenn niemand bereit ist, mir etwas dafür zu verkaufen.

Spreche ich mit anderen Menschen über den Wert des Geldes und über die Goldbestände welche Deutschland bzw. die Bundesbank im Eigentum hat, scheint es in den persönlichen Vorstellungen noch eine irgendwie existierende Verbindung zu geben. Den Menschen scheint die Vorstellung wenig zu behagen, dass unser Geld heute nur ein buntes Stück bedruckten Papieres ist, dessen Herstellungskosten nur wenige Cent betragen, aber pro Stück zwischen 5 Euro und 500 Euro Wert sein soll. Ich denke dies liegt daran, dass sie nicht erinnert werden wollen, dass der Wert ihres Geldes vom Vertrauen aller Anderen abhängt. Es gibt keinen inneren Wert des Geldes, wie er oft bei Goldwährungen als Erklärung für den Wert des Geldes herangezogen wird. Ich denke ein besseres Verständnis zum Wert des Geldes ergibt sich aus dem Erklärungsansatz von Frau Dr. Eva-Maria Hubert. Sie erklärt Geld als Sozialtechnik dessen Wert auf seiner Funktion als Geld basiert. Weil Menschen bereit sind, Geld in einer bestimmten Form zu verwenden, bekommt es den Wert, den es für diese Verwendung benötigt. So wie Menschen sich verstehen, wenn sie sich auf eine gemeinsame Sprache verständigt haben, so ist Geld eine Sprache für den Austausch von Werten. So wie in der Sprache das individuelle Verständnis einzelner Wörter voneinander abweicht, so ist auch der subjektive Wert eines Euros für jeden verschieden. Eine Verständigung ist trotzdem möglich, genauso wie der Austausch von Waren.

Es ist erstaunlich wie in der Wirtschaftswissenschaft rund um das Geld eher narrative Elemente verbreitet werden, statt die Geschichte des Geldes zu untersuchen und zu analysieren. Besonders eindrucksvoll ist dabei die Geschichte vom Tauschhandel, welche von Adam Smith in seinem Buch „Reichtum der Nationen“ eingeführt wurde. Seine Beschreibung, wie sich das Geld im Übergang einer Gesellschaft von der Tauschwirtschaft zur Marktwirtschaft entwickelt habe, ist eine Fiktion. Eine solche Entwicklung hat es so nie gegeben, zumindest wenn man den Ausführungen von David Graeber in seinem Buch „Schulden. Die ersten 5.000 Jahre.“ Glauben schenkt. Es gab nie eine Gesellschaft in welcher der Naturalientausch in Form von zehn Hühnern gegen ein Schwein wirklich stattgefunden hat. Stattdessen war Geld nicht in Form von Münzen in Verwendung, sondern als virtuelle Recheneinheit. Beim Händler wurde angeschrieben und die Schulden zu einem späteren Zeitpunkt beglichen. Natürlich fand dies nur unter Menschen Anwendung welche zueinander in einer irgendwie gearteten Beziehung standen und sich soweit vertrauten, dass der Händler davon ausgehen konnte, dass derjenige welcher etwas bei ihm anschreiben ließ auch wirklich zahlen würde. Ebenso enthält die Geschichte rund um den freien Markt, die Smith vorträgt, mehr narrative Aspekte als eine geschichtliche Analyse. Wir glauben heute, dass sich der Markt von selbst entwickelt hätte und der Staat nur ein Störfaktor gegenüber dem Markt sei. Geschichtlich scheint dies nicht belegbar zu sein. Die Schaffung von Märkten, in denen Geld basierend auf Edelmetallen verwendet wurde, stand geschichtlich immer in einem starken Zusammenhang mit Staaten und militärischen Eroberungen. Die Eckpfeiler dafür, dass sich eine Goldwährung durchsetzen konnte war zum einen ein Staat, welcher die Zahlung von Steuern nur in der Goldwährung akzeptierte und parallel seine Soldaten eben mit jenem Gold bezahlte. So entstand der Markt rund um die Versorgung der Heere. Das gegenüber Soldaten kein virtuelles Geld verwendet wurde, ist leicht nachvollziehbar, da es mit großen Unsicherheiten verbunden war, ob der Soldat je wieder in eine Stadt zurückkehren würde, um seine Schulden zu begleichen. Wohingegen ein Bauer oder Handwerker länger am Ort verweilte und ihm daher mehr Vertrauen entgegengebracht wurde. Interessant ist, dass unser heutiges Geld nicht mehr auf Metall beruht, aber trotz seiner Ähnlichkeit mit virtuellem Geld, in seiner Wirkung eher der Anonymität eines Metallgeldes entspricht. Der Wert basiert auf dem Vertrauen, dass das Geld den entsprechenden Wert habe. Die Transaktionen erfolgen anonym und die Beziehung zwischen Verkäufer und Käufer wird nach der Transaktion umgehend wieder aufgelöst.

In welchem Umfang die Entstehung unseres Geldes durch Kredit und welchen Aspekt der Zins und Zinseszins dabei spielen werde ich in einem nächsten Beitrag weiter ausführen.

Mein Video zum diesem Beitrag
http://www.youtube.com/watch?v=hu1FIMb6GEQ

Weiterführende Links zu angesprochenen Themen
Adam Smith – The Wealth of Nations
Bretton-Woods-System
David Graeber – Schulden. Die ersten 5.000 Jahre.
Dr. Eva-Maria Hubert – Sozialtechnik Geld: http://www.youtube.com/watch?v=RcqcgdhHUGU
Geldfunktion
Grimm Wörterbuch: Geld
Inflation 1923 in Deutschland

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Inflation und Deflation – Von der Illusion etwas zu messen. https://martinfinger.de/inflation-und-deflation-von-der-illusion-etwas-zu-messen/ Sat, 21 Sep 2013 08:05:00 +0000 Es ist sehr spannend in einer Zeit zu leben, in der Begriffe mehr Schein als Sein enthalten. Illusionen werden in Zahlen verpackt, welche noch auf die Nachkommastelle genau ermittelt werden. Aus meiner persönlichen Sicht ein Versuch, Illusionen möglichst real erscheinen zu lassen. In der folgenden Erklärung geht es darum, die Illusionen der heutigen Inflationsmessung aufzuzeigen. […]

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Es ist sehr spannend in einer Zeit zu leben, in der Begriffe mehr Schein als Sein enthalten. Illusionen werden in Zahlen verpackt, welche noch auf die Nachkommastelle genau ermittelt werden. Aus meiner persönlichen Sicht ein Versuch, Illusionen möglichst real erscheinen zu lassen.

In der folgenden Erklärung geht es darum, die Illusionen der heutigen Inflationsmessung aufzuzeigen. Die Erklärung ist sowohl auf Inflation als auch Deflation anwendbar. Im weiteren Verlauf spreche ich nur von Inflation. Die Erklärungen sind für Deflation bitte analog zu verstehen.

Definition

Umgangssprachlich wird Inflation mit Preissteigerung gleichgesetzt. Die Zahlen zur Inflation basieren auf Indexveränderungen von Preisen einer Periode zu einer anderen. Das statistische Bundesamt beschreibt den Begriff Inflationsrate insoweit plausibel, indem es erklärt, dass die Zahl eine Veränderung eines Index widerspiegelt. Der Verbraucherpreisindex basiert auf einem Warenkorb und trifft nur eine Aussage darüber, wie sich Preise verändert haben.

Es wird damit jedoch keine Aussage zur Inflation im engeren Sinne getroffen. Auch dazu findet sich beim statistischen Bundesamt eine Definition, welche eine Verbindung zwischen Geldmenge und Preissteigerung herstellt. Eine Inflationsrate im engeren Sinn soll eine Aussage darüber machen, in welchem Umfang eine Ausweitung der Geldmenge für einen Anstieg der Preise verantwortlich ist. Eine Grundannahme für die Berechnung hat seinen Ursprung in der Quantitätsgleichung:

Geldmenge * Umlaufgeschwindigkeit = Preisniveau * Transaktionen

Kritik

Was ist jetzt an einer Aussage von z.B. 2,1% Inflation für Deutschland im Jahr 2012 so problematisch? Meine Kritik ist, dass diese Zahlen etwas suggerieren, was einer Lüge gleichkommt. Die Botschaft ist, dass die Geldmenge um 2,1% ausgeweitet wurde und die Preise deshalb um diesen Teil gestiegen seien. Aber diese Aussage ist in mehreren Punkten falsch. Der erste Punkt ist, dass die Geldmenge M3 im gleichen Zeitraum, also Januar 2012 bis Januar 2013, für Deutschland um 6,1% gestiegen ist. Jetzt kann man darüber spekulieren warum es zwischen der Geldmengenveränderung und der Inflation eine Diskrepanz gibt. Aus meiner Sicht ist eine mögliche Erklärung, dass die Wirkungen dieses zusätzlichen Geldes sich vor allem in den Preisänderungen von Immobilien, Wertpapieren und anderen Finanzprodukten widerspiegeln. Eine Wirkung auf die Preise erfolgt nur indirekt, sofern Güter Renditen in Form von Mieten, Dividenden oder Kreditzinsen erwirtschaften müssen.

Ein zweiter Punkt, welcher unterschlagen wird, ist die Veränderung der Produktionsproduktivität. Für das Jahr 2012 wird die Veränderung der Arbeitsproduktivität zum Vorjahr mit – 0,4% bzw. 0,5% angegeben. Eine Verbesserung der Produktivität müsste sich, wenn die Geldmenge konstant bleibt, entweder in fallenden Produktpreisen oder in einem Anstieg der Einkommen der Beschäftigten widerspiegeln. Auf jeden Fall würde es zu einer Verbesserung der Kaufkraft führen.

Weitere Aspekte, welche innerhalb der Preisveränderungen nicht abgegrenzt werden können, sind Veränderungen welche in einer dynamischen Wirtschaft ständig ablaufen. Es ändern sich Vorlieben von Kunden, die Verfügbarkeit von Ressourcen und vieles mehr. Es gibt viele Ursachen, warum sich Preise ändern. Ich denke es ist leicht ersichtlich, dass allein für ein Produkt, im Rahmen der heutigen Arbeitsteilung, leicht eine lange Liste verschiedener Ursachen zusammenkommt. Jede Ursache wäre wiederum im Detail zu untersuchen, ob sie in Verbindung mit einer Änderung der Geldmenge stand.

Ich halte es für prinzipiell unmöglich, allgemeine Preisveränderungen von Preisveränderungen aufgrund der Geldmengenänderung abzugrenzen. Dafür wäre es nötig ermitteln zu können, wie sich der Preis verändert hätte, wenn die Geldmenge nicht geändert worden wäre. Es gibt aber nur eine Volkswirtschaft, in welcher diese Zahlen ermittelt werden und in dieser ist die Geldmengenänderung erfolgt.

Warum werden diese Zahlen dann überhaupt erhoben? Wie ich bereits am Anfang gesagt habe, dienen diese Zahlen meiner Meinung nach, um die wirkliche Entwertung des Geldes zu verschleiern. Eine Überlegung dazu könnte sein, dass mit den Inflationszahlen die Lohnverhandlungen zwischen Unternehmern und Angestellten zu Gunsten der Unternehmer beeinflusst werden sollen. Dieser Gedanke greift aber zu kurz, weil der Unternehmer dadurch keinen direkten Vorteil hat, denn ein Lohnvorteil würde aufgrund der Konkurrenz zu niedrigeren Preisen führen und wäre so auch zum Vorteil der Angestellten.

Wer profitiert jetzt von der Inflation?

Zunächst profitiert derjenige welcher das neu geschöpfte Geld als Erster erhält. Das neue Geld trifft auf einen Markt der noch nicht weiß, dass das bestehende Geld weniger wert ist. Der Kreditnehmer kauft erst einmal zu alten Preisen und hat dafür keine Gegenleistung erbracht. Er hat auf Kosten aller Anderen seinen Besitz vergrößert. Das ist aber nur der erste Schritt. Der Kreditnehmer muss im Regelfall das Geld mit Zinsen zurückzahlen. Der Kreditnehmer erbringt also zu einem späteren Zeitpunkt eine Gegenleistung für die Gesellschaft, um das Geld nebst Zinsen wieder einzunehmen. Man kann darüber diskutieren, ob ein Hedgefonds, wenn dieser mit Kredithebeln Einnahmen generiert, eine Gegenleistung für die Gesellschaft erwirtschaftet, aber darum geht es hier nicht. Derjenige, welcher dem Kreditnehmer den anfänglichen Vorteil mittels Zinsen wieder abnimmt, ist der letztendliche Gewinner der Inflation. Beim geldschöpfenden Kreditgeber sammelt sich über die Zinsen der Inflationsgewinn. Diese Kreditgeber, die Banken und Finanzinstitute welche zur Geldschöpfung exklusiv berechtigt wurden, erhalten über diese Zinseinnahmen einen Anspruch auf die Güter der Gesellschaft. Die einzige Gegenleistung zuvor bestand in der Geldschöpfung selbst. Es mag jeder selbst beurteilen, ob dieses eine angemessene Gegenleistung darstellt. Meine persönliche Ansicht ist: Nein!

Dabei ist zu berücksichtigen, dass Angestellte durch Inflation am meisten geschädigt werden, da der Wert ihres vertraglich vereinbarten Arbeitslohns gesenkt wird. Eine Inflationsanpassung erfolgt immer nur nachträglich. Ein Ausgleich des vergangenen Inflationsverlustes findet meistens nicht statt. Dieses wäre nur möglich, wenn die Lohnsteigerung oberhalb der Geldmengenausweitung liegt. In den letzten Jahren lagen die Lohnabschlüsse aber sogar unterhalb der Inflationsrate und damit deutlich unterhalb der Ausweitung der Geldmenge. So wird der Teil der Bevölkerung, welche den gesellschaftlichen Wohlstand produziert, stetig um den Ertrag seiner Arbeitsleitung gebracht. Für 2012 wird auf Basis des Verbraucherpreisindex eine Reallohnsteigerung von 0,5% unterstellt. Würde man jetzt stattdessen die Änderung in Bezug zur Geldmengenänderung setzen, bedeutet es für 2012 eine Änderung von – 3,6%.

Neben dem beschrieben Aspekt der Unmöglichkeit der Messung, gibt es weitere Punkte, welche ich grundsätzlich in Frage stelle, auch wenn ich diese jetzt nicht weiter argumentiere: Warum sollte es nötig sein, entsprechend der Quantitätsgleichung, die Geldmenge zu ändern, um ein bestimmtes Preisniveau zu stabilisieren? Warum sollte es nötig oder gar sinnvoll sein eine Inflation von 2% zu erzwingen?

Änderungen 2023

Da die meisten Links welche ich im Artikel referenziert hatte inzwischen nicht mehr verfügbar sind habe ich die Verweise im Artikel entfernt. Stattdessen hier einige neue Links zu Zahlen zum Verbraucherpreisindex und der Geldmenge.

Destatis zum Verbraucherpreisindex
Destatis Publikation zur Deflationsdiskussion
Daten zum Verbraucherpreisindex für Deutschland und andere Länder Europas
Statistiken der Bundesbank zum deutschen Beitrag der Geldmengenentwicklung M3
Zahlen von Destatis zum Bruttoinlandsprodukt

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Koffer packen ohne Rechte https://martinfinger.de/koffer-packen-ohne-rechte/ Sun, 25 Aug 2013 15:39:00 +0000 Nun geht es also los, eine lange und spannende Reise erwartet uns. Aber etwas was ich auf der langen Reise nicht mitnehmen kann, sind meine Rechte. Natürlich könnten ich ein BGB einpacken oder ein Ausdruck der Charta der Menschenrechte oder vielleicht besser noch eine Kopie der Menschenpflichten. Aber in welcher Sprache? Was nützt es mir, […]

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Nun geht es also los, eine lange und spannende Reise erwartet uns. Aber etwas was ich auf der langen Reise nicht mitnehmen kann, sind meine Rechte. Natürlich könnten ich ein BGB einpacken oder ein Ausdruck der Charta der Menschenrechte oder vielleicht besser noch eine Kopie der Menschenpflichten. Aber in welcher Sprache? Was nützt es mir, wenn niemand außer mir diese Texte lesen kann? Habe ich diese Rechte dann trotzdem? Sollte ich eine Mütze oder ein Stirnband tragen auf dem steht, dass ich Rechte habe, damit sie von niemandem übersehen werden? Habe ich damit die Sicherheit in keinem Land angegriffen zu werden? Werden alle Menschen denen ich begegne friedvoll und freundlich mit mir umgehen, wenn ich diese Mütze aufsetzte? Aber wenn ich nachts die Mütze abnehme, lege ich diese Rechte dann auch ab?

Ja, jetzt können jemand einwenden, ich habe diese Rechte doch immer und sie sind unveräußerlich. Aber wenn dem so wäre, wie kommt es dann, dass es Menschen gibt, die diese Rechte anderen Menschen nicht gewähren? Wie kommt es, dass es Menschen gibt, die anderen Menschen etwas Unveräußerliches trotzdem wegnehmen können? Ich denke Sie wissen was ich meine, ich muss nicht im Detail ausführen zu welchen Taten Menschen anderen Menschen gegenüber in der Lage waren und auch heute noch sind. In der Hinsicht, sind wir nicht zivilisierter geworden sondern immer noch Barbaren, die sich gegenseitig bereit sind zu verletzen und zu töten. Egal ob mit der Waffe oder dem Wort.

Aber was sind Rechte dann? Eine Illusion so wie es George Carlin auf den Punkt gebracht hat? Rechte sind ein Konzept, eine Idee, ein Mem. Ideen werden Realität wenn Menschen entsprechend handeln. Das bringt uns zu dem Punkt zu erklären, was es meint wenn wir von Rechten sprechen. Es ist eine Verkürzung von einer langen Kette von Handlungen. Eine Ausführung dafür stammt von Norbert Lennartz. Er beschreibt hier eine Alternative zur Eigentumsdefinition von John Locke. Die Definition von Locke geht davon aus, dass ich ein unbeschränktes und ewiges Eigentumsrecht auf einen Gegenstand oder ein Stück Land begründe, sobald irgendeine Form von Arbeit von mir darin eingeflossen ist. Was in der absoluten Form – nicht von Locke selbst, der dafür Grenzen beschreibt – wie es von manchen Libertären gerne dargestellt wird, aus meiner Sicht langfristig von der Freiheit in die Sklaverei führt. Denn Freiheit benötigt Raum in dem sie sich entfalten kann. Wenn aber die gesamte Erde in Privatbesitz ist und jeder dieser Eigentümer das Recht hätte diesen Besitz einseitig beizubehalten, wo sollte ein neu geborener Mensch dann Raum haben für seine eigene Freiheit?

In den Ausführungen von Lennartz wird dieses absolute Eigentumsrecht zu einem relativen, welches nur dann funktioniert wenn Eigentümer und Nichteigentümer die Besitzverhältnisse gegenseitig respektieren. Tun sie es nicht oder nicht mehr, gibt es einen Konflikt der einer Einigung bedarf. Da hier beide Interessen, des Eigentümers und des Nichteigentümers gleichwertig betrachtet werden, ist dieses aus meiner Sicht eine bessere Basis für eine universelle Ethik, als wenn der Nichteigentümer in seinen Interessen grundsätzlich als Aggressor gesehen wird, wenn dieser die Rechtmäßigkeit eines absoluten Eigentumsrechtes in Frage stellt. Insofern trägt bereits die Bereitschaft des Eigentümers zur Verhandlung dazu bei, friedlichere Lösungen zu finden als im Fall vom Bestehen auf einseitig definiertem Recht. Denn wenn eine Seite darauf beharrt ein Recht zu besitzen, welches von der Gegenseite nicht anerkannt wird, ist eine Konfliktlösung über Verhandlungen nicht oder nur erschwert möglich. Am Ende wird das Recht des Schwächeren durch das Recht des Stärkeren ersetzt. Es sind friedliche Pausen denkbar, solange eine Seite nicht stark genug ist, sich gegen die andere zu erheben. Einer kooperativen Gemeinschaft wird eine solche Anspruchshaltung immer ein Hemmnis sein.

In einer freien Gesellschaft kann es kein Recht geben, auf welches sich ein Individuum einseitig berufen kann, um etwas von einem anderen Individuum zu erhalten oder abzuwehren oder gar einzufordern. Dem Recht liegt gedanklich das Handeln und Wohlverhalten von Menschen zugrunde. Das bedeutet aber auch, dass es a priori – also vor dem Handeln von Menschen – kein Recht geben kann. Erst durch das Handeln von Menschen und insbesondere dem nicht Handeln von Menschen. Also dem Verzicht auf Handlungen welche einem anderen Schaden zufügen. Erst mit diesem Handeln entsteht zwischen Personen ein Konsens darüber welche Rechte man für sich selbst gerne in Anspruch nehmen möchte und diese im gleichen Zuge natürlich auch dem anderen gewährt. Gleiches gilt für die Unterlassung bestimmter Handlungen. Ein schönes Beispiel zum Unterschied zwischen Recht aufgrund von Geboten und Recht welches durch Selbstverpflichtung geschaffen wird, ist die unterschiedliche Sichtweise der Zehn Gebote in den Religionen und bei Neale Donald Walsch. Währen Gebote von einer Person ausgesprochen werden, damit diese von anderen befolgt werden und damit eher eine Form der Machtausübung darstellen, ist eine Selbstverpflichtung immer nur auf die eigene Person gerichtet und somit eine einseitige Willenserklärung.

Da der Begriff Recht aufgrund seine gegenwärtigen Bedeutung eher missverständlich ist, weil es vor allem einseitige Anspruchsbeziehungen gegenüber anderen beschreibt, möchte ich lieber bei den Begriffen bleiben, die diesem Begriff zugrunde liegen. Auch im Wörterbuch der Gebrüder Grimm wird deutlich, dass der Begriff für eine freie Gesellschaft, wo eben nicht alles festgelegt ist, einfach nicht passend ist. Daher verwende ich in diesem Zusammenhang lieber Begriffe wie Absprachen, Vereinbarungen, Selbstbeschränkung oder Selbstverpflichtung. Alles Begriffe die deutlicher aufzeigen können, dass entweder eine Interaktion mit anderen nötig ist oder es nur einen selbst betrifft.

Soweit eine erste Erklärung dazu, warum wir mit leichtem Gepäck reisen. Wir werden uns an anderer Stelle noch stärker damit auseinandersetzten, in welcher Form wir mit anderen umzugehen breit sind. Vor allem in Bezug auf den freien Markt wird es ein wichtiger Aspekt sein. Das Festhalten an Rechten entspringt vor allem einem Bedürfnis nach Sicherheit und sagt auch etwas darüber aus, wie unser eigenes Menschenbild ist. Erwarte ich Gutes von anderen Menschen und habe Vertrauen, dann fühle ich mich auch in einem Umfeld sicher, in dem es kaum feste Regeln gibt. Wenn ich aber eher Schlechtes erwarte und mir zu vertrauen schwer fällt, ist es wahrscheinlich, dass ich Rechte benötige um mich sicherer zu fühlen.

Die Koffer sind gepackt und wir begeben uns auf die Reise. Natürlich stellt sich aber schon jetzt die Frage: Wer soll das alles bezahlen? Mal sehen welche Möglichkeiten wir hier finden und ob wir aus dem Vollen schöpfen können.

Mein Video zum diesem Beitrag: Keine Rechte a priori

Weiterführende Links zu angesprochenen Themen:
George Carlin to rights
Grimm Wörterbuch: Freiheit, Recht
Grundgesetz
HumanResponsibilities from InterAction CouncilDeutsch
John Locke zum Eigentum
Mem
N. D. Walsh, Gespräche mit Gott: Die zehn Gebote
UN Charta der Menschenrechte
Zehn Gebote bei der EKD

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Die Reise beginnt https://martinfinger.de/die-reise-beginnt/ Wed, 07 Aug 2013 06:42:00 +0000 Hiermit starten wir zu unserer ersten Reise. Genauer stelle ich erst einmal die Planung der Reiseroute vor. Ich hoffe Sie als Leser werden ein paar interessante Stationen dabei entdecken, welche Sie gerne mit mir besuchen werden. Eine Reise beginnt immer damit Abschied zu nehmen, von Dingen welche man selbst liebgewonnen hat. Daher werde ich mit […]

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Hiermit starten wir zu unserer ersten Reise. Genauer stelle ich erst einmal die Planung der Reiseroute vor. Ich hoffe Sie als Leser werden ein paar interessante Stationen dabei entdecken, welche Sie gerne mit mir besuchen werden.

Eine Reise beginnt immer damit Abschied zu nehmen, von Dingen welche man selbst liebgewonnen hat. Daher werde ich mit einem Punkt beginnen, der mir selbst lange Zeit Kopfzerbrechen bereitet hat. Es geht um das Thema Rechte. Immer wieder hatte ich die Vorstellung, dass es universelle Rechte geben müsse. Rechte die so selbstverständlich sind, dass sie einem Menschen von Natur aus zu eigen sind. In unserer ersten Station wird es darum gehen, das Konzept von statischem Recht loszulassen, welches vermeintlich ohne menschliches Handeln auskommt.

Im Anschluss werden wir uns direkt auf große Fahrt begeben und uns den tiefen Wassern der Geldschöpfung anvertrauen. Wir werden einen Tauchgang wagen und so illustre Dinge wie Zins und Zinseszins beobachten können.

Danach reisen wir weiter in die teilweise unbekannte Welt der Selbstverantwortung, mit einzelnen Stationen in denen es um Selbstbestimmung geht, um die Mysterien der demokratischen Staatsformen und zu lernen, dass ein Ismus keine Beschreibung von etwas darstellt.

Als nächstes haben wir ein Abenteuer vor uns. Wir machen uns auf die Suche nach dem freien Markt. Versuchen herauszufinden ob es nur ein kleines scheues Wesen ist oder doch eine wilde unbezähmbare Bestie, die in Ketten geschlagen gehört.

Am Ende unsere ersten Reise machen wir einen Ausflug nach Utopia. Ein Land in dem die Menschen noch Geld verwenden, aber ein Geld, dass so anderes funktioniert als unser heutiges. Ein Geld, welches seinen Weg zu jedem Menschen findet. So das jeder Mensch seine Grundbedürfnisse befriedigen kann. Dabei werden wir verstehen, was der Unterschied ist zwischen Reichtum, Vermögen und Wohlstand.

Nach den viele Wochen, die wir dann schon unterwegs waren, kehren wir mit der Kraft des Windes wieder nach Hause zurück. Während des Fluges betrachten wir, was es bedeutet Menschen zu verurteilen. Wer das Recht hat dieses zu tun und überlegen die Vorteile, die es haben kann, wenn Menschen Wiedergutmachung leisten, statt bestraft zu werden.

Ich wünsche uns nun eine schöne Reise.

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