Mem-Tagebuch Archive - Martin Finger https://martinfinger.de/category/podcast/mem-tagebuch/ Freidenker & Utopist Sat, 21 Dec 2024 16:57:59 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 https://martinfinger.de/wp-content/uploads/2023/01/icon-150x150.png Mem-Tagebuch Archive - Martin Finger https://martinfinger.de/category/podcast/mem-tagebuch/ 32 32 Mem-Tagebuch #018: Aufklärung, die; Status: unvollendet (2017) https://martinfinger.de/mtb-018-aufklaerung-unvollendet-2017/ Sun, 23 Apr 2017 11:00:00 +0000 Diese Mal beschäftige ich mich mit der Aufklärung. Ich spreche darüber, dass wir in unseren Diskussionen zu wenig auf wissenschaftliche Erkenntnisse referenzieren. Auch wurde das Prinzip der Herrschaft des Menschen über den Menschen, aus meiner Sicht, während der Aufklärung zu wenig in Frage gestellt. Die ursprüngliche Aufnahme vom 23.04.2017 findet Ihr hier. Für den Podcast […]

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Diese Mal beschäftige ich mich mit der Aufklärung. Ich spreche darüber, dass wir in unseren Diskussionen zu wenig auf wissenschaftliche Erkenntnisse referenzieren. Auch wurde das Prinzip der Herrschaft des Menschen über den Menschen, aus meiner Sicht, während der Aufklärung zu wenig in Frage gestellt.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 23.04.2017 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen heute zu einer weiteren Folge des Mem-Tagebuchs. Heute möchte ich ein paar Gedanken und vor allen Dingen Fragen in den Raum stellen zum Thema der Aufklärung. Und zwar dem Zeitalter was wir rückblickend als Aufklärung bezeichnen. Und wie es eigentlich kommen konnte zudem wo wir heute gelandet sind. Also warum die Aufklärung – ich würde noch nicht sagen, dass sie gescheitert ist, weil solange wir noch da sind, können wir sie immer noch vollenden. Und deswegen auch für mich im Moment das Thema „die Aufklärung“ und leider immer noch die unvollendete.

Und was sind diese Wege, Ecken gewesen, in denen wir aus meiner Sicht irgendwie falsch abgebogen sind. Oder den Weg komplett verloren haben. Und wir heute. Ja, ich weiß nicht wohin wir überhaupt unterwegs sind. Was sich tatsächlich bewegt und wie vielleicht in einigen Jahrhunderten unser Zeitalter bezeichnet werden wird. Als das Zeitalter der großen Verwirrung, der Vielfalt oder der großen Zerstörung. Auch wenn wir jetzt keine größeren Kriege in den letzten Jahrzehnten erlebt haben, haben wir doch der Natur und auch den Ressourcen, die wir tagtäglich letztlich immer noch verbrauchen, und nicht nur nutzen, und den Raubbau den wir betreiben.

Hinterlassen wir Schäden in einer Größenordnung die wir uns wahrscheinlich nicht wirklich ausmalen. Geschweige denn jeden Tag damit auseinandersetzen. Weil einfach die Wege so unklar sind. Wie kommen wir davon weg. Auf diesen Pfaden auf denen wir aktuell wandeln. Wenn ich dann mir anschaue was aktuell in den Zeitungen oder überhaupt was in letztlich der Welt passiert. Von dem Bisschen was mich bis hierher erreicht. Weil ich ja normalerweise mich nicht damit groß auseinandersetze.

Aber wenn ich mir anschaue was Staatsoberhäupter, Regierungen, Regierungschef aktuell so alles in die Wege leiten oder anstellen, dann frage ich mich schon: Wie kann es eigentlich sein, dass wir heute immer noch, oder vielmehr das so viele Menschen so vehement diese Demokratie verteidigen? Es geht doch nicht darum noch eine stärkere Diktatur oder irgendetwas zu errichten. Sonden, die Frage ist, diesen Weg in die Freiheit mal fortzusetzen. Es ging doch nicht darum, dass wir bloß die Herrscher irgendwie regelmäßig wechseln. Und letztlich in einem System leben, in dem wir trotzdem nicht wirklich frei leben können. Wir mögen vielleicht nicht jeden Tag eingesperrt sein, oder es nicht als solches empfinden.

Aber egal wo man hinschaut. Ständig werden Gesetze und Regelungen erlassen. Und ich denke jeder der in irgendeinem Bereich arbeitet wird mit dem einen oder anderen schon konfrontiert worden sein. Und immer nur den Kopf schütteln können, was da beschlossen wird, was da verabschiedet wird. Da kann ich es einfach nicht verstehen, wieso es tatsächlich so diesen automatischen Reflex gibt, wenn man die Demokratie in Frage stellt und sagt, ich möchte eigentlich frei leben. Ich möchte nicht dass jemand ohne meine Zustimmung ohne mich einzubinden in eine Entscheidung, einfach Entscheidungen treffen kann. Die mich sehr wohl betreffen, die Auswirkungen auf mich haben.

Ich weiß nicht ob alle Aufklärer tatsächlich davon überzeugt waren, dass jeder Mensch zu Vernunft in der Lage ist. Oder überhaupt zu einem Miteinander. Dass, wenn man ihm vernünftige Argumente liefert, das man sich mit ihm unterhält. Das man auf seine Bedürfnisse und Interessen Rücksicht nimmt. Das man dann mit ihm trotzdem auch vernünftige Lösungen finden kann. Die dann vielleicht etwas aufwendiger sind. Aber dafür auch für alle Vorteile bieten. Und nicht nur für einige wenige. Ein Thema was mich aktuell tangiert, ist zum Beispiel das Thema des ganzen Bauens, Baugesetzbuch. Weil wir gerade damit beschäftigt sind, in unserer Gemeinde dafür zu sorgen, dass ein Baugebiet das uns vor die Nase gesetzt wird, nicht so katastrophal ausfällt wie es zunächst vorgesehen ist.

Und im gleichen Zeitraum jetzt wird von der Bundesregierung ein Gesetz verabschiedet, das noch mehr Willkür, noch mehr Beliebigkeit zulässt. Und alles nur letztlich wieder den Interessen. Den Interessen von wem eigentlich untergeordnet? Weil wem nützt es, wenn Baugebiete ausgewiesen werden können in Randlagen von Orten, mit einer zugebauten Fläche kleiner 10.000 m², ohne das überhaupt Rücksicht auf irgendwelche Belange genommen werden müssen. Weder der Natur, noch der Anwohner, den Anlieger oder irgendjemand anderem.

Das heißt nur diejenigen, die aus welchen Interessen auch immer, dort ein Gebäude hinsetzen wollen. Und letztlich eben für die Bauindustrie natürlich dann auch Umsätze und Arbeiten bedeuten. Warum sollte es sinnvoll sein, dass zuzulassen? Und zu sagen, diese Interessen – wieder dieses Thema Arbeitsplätze, Umsätze; wird alles wieder in Zahlen ausgedrückt. Weil letztlich geht es ja nur darum, dass irgendwo Zahlen auftauchen. Bei der Aufklärung ging es schließlich darum, vor allen Dingen, wie es hieß, das Licht der Erkenntnis leuchten zu lassen. Und etwas was letztlich bis zu den alten Griechen zurückgeht.

Wenn man sich Sokrates anschaut mit seiner Erkenntnis, zu wissen, dass er nichts weiß. Da wäre die Frage, war das sozusagen zwangsläufig. Dass die Erkenntnis von Sokrates, das er selber nichts weiß oder zumindest keine Gewissheit haben kann, dass die Dinge die er weiß wirklich wahr sind. Das in das führt wo wir jetzt gerade irgendwie so halb landen. Das Thema des postfaktischen Zeitalters. Das heißt Fakten zählen nicht mehr. Meinungen und Vorstellungen zählen mehr als das was tatsächlich ist. Der Wahrheitsbegriff selber ist mir sowieso ziemlich unsympathisch.

Weil Fakten und Wahrheit sind nicht das gleiche. Ich kann etwas sagen, dass ist real. Zumindest nach meiner Wahrnehmung und kann zumindest argumentieren, wieso und welche Gründe ich dafür habe es als solches als real anzusehen. Oder warum ich nicht in der Lage bin etwas gegenteiligen herauszufinden, dass es eventuell nicht real sei. Aber letztlich beliebige Dinge in Frage zu stellen, nur weil sie in die eigenen Dogmen, in die eigenen Ideologien nicht hinein passen. Das frage ich mich: Wo soll das hinführen? Was bringt es letztlich auf einer Ebene zu diskutieren und so nach dem Motto, wenn mir am Ende überhaupt nichts mehr einfällt, dann stelle ich einfach eine emotionale Betroffenheit zur Schau.

Die letztlich überhaupt keine Fakten mehr enthält und schon gar keine Argumentation. Aber sie zumindest dazu anhält, dass die anderen aufhören zu argumentieren. Dass die anderen dann nur noch betroffen schweigen. Und man mit Emotionalitäten Rededuelle gewinnt. Das kann es doch nun wirklich auch nicht sein. Deshalb ist es aus meiner Sicht zu sagen, fangen wir doch wirklich in Hinsicht auf die Aufklärung wieder an, etwas mehr auf den Verstand zu zählen.

Das heißt nicht allein auf die Vernunft. Weil die Vernunft ist tatsächlich zu wenig. Die Vernunft, die sich zwar sehr wohl fühlte mit der Wissenschaft. Aber die Wissenschaft selber, wenn sie in dieser letztlich Kälte bleibt. Und die menschlichen Bedürfnisse nicht ausreichend abholt. Dann ist halt genau dieses Problem. Das heißt, dass ist für mich zumindest ein Bogen, wo ich annehmen, warum die Aufklärung zumindest unterbrochen wurde. Weil dort sich die Wissenschaft von den Menschen gelöst hat. Während vorher die Menschen mit Neugierde und der Wissenschaft verbunden waren. Ist es heute so, die Wissenschaft ist eine Sache für Spezialisten.

Die kommt bei der großen breiten Bevölkerung nicht mehr an. Bei denjenigen die Entscheidungen treffen letztlich schon gar nicht. Wenn sie gerade in irgendein Argumentationskonzept passt, dann werden gerne Gutachten und alle mögliche Aussagen aus der Wissenschaft genutzt. Wenn sie nicht reinpassen werden sie halt in Frage gestellt. Das heißt, wir sind sehr weit davon entfernt wirklich rational mit Erkenntnis zu argumentieren. Und wirklich nach den besten Lösungen zu suchen. Die nicht nur für einzelne Profit bringen. Sondern die tatsächlich für eine breite Masse Nutzen stiften, Wohlstand. Und auch in der Lage sind Bedürfnisse zu erfüllen.

Daher wäre für mich eine Seite, eben auf jeden Fall ruhig wieder eine bisschen mehr Kant, zu sagen, wir haben einen Verstand. Und vielleicht sollten wir anfangen ihn tatsächlich mal zu benutzen in der Hinsicht, dass wir uns nicht nur irgendwelche inneren Richter schaffen. Und irgendwelche moralischen oder Gesetzmäßigkeiten der Gesellschaft dort hineinlegen. Auf das wir dann uns selbst Denkverbote auferlegen. Sondern, dass wir genau das Gegenteil tun. Das wir da oben in unserem Kopf aufräumen. Uns einen Freiraum schaffen. In dem wir selber in der Lage sind Gedanken zu entwickeln.

Gedanken die uns nahegelegt werden zu hinterfragen. Und unsere eigene Welt letztlich mit den Dingen zu füllen, die wir selber auch nachvollziehen können und uns persönlich betreffen. Weil Dinge die mich nicht persönliche betreffen: Warum sollte ich mich mit diesen Dingen auseinandersetzen? Weil das ist doch, aus meiner Sicht, letztlich Zeitverschwendung. Wenn ich dazu keinen direkten Bezug habe. Aber leider funktioniert unsere Regierung genau nach diesem Prinzip. Das sich sehr, sehr viele Menschen mit sehr, sehr vielen Themen beschäftigen, die sie persönlich nicht tangieren. Außer natürlich, dass sie für die Beschäftigung in irgendeiner Form ein Gehalt kassieren.

Aber das würde ich noch nicht sagen, ist eine persönliche Betroffenheit. Das ist eher eine persönliche Notwendigkeit eben in unserer Gesellschaft Geld zu beziehen. Aber das ist ein Steckenpferd das ich jetzt in dieses Video nicht so ausbreiten möchte. Stattdessen möchte ich noch zu einem zweiten Punkt. Neben eben diesem Problem, dass irgendwie die wissenschaftliche Erdung der Gesellschaft – die ich zumindest von der Aufklärung mir erhoffen würde, wenn ich da so mittendrin stehe –, dass die irgendwie nicht mehr greift. Auf der anderen Seite. Wo ich denke, wo auch die Aufklärung, aus meiner Sicht etwas schwierig aufgesetzt war.

Weil, soweit ich es gelesen habe, ging es dort eher – vielleicht sind aber auch die Begrifflichkeiten einfach vom Verständnis her andere gewesen – um eine moralische Erziehung. Ich weiß gar nicht mal ob es Erziehung, aber zumindest den Menschen moralische Regeln mit an die Hand zu geben nach denen sie leben können. Auch bei Kant kann man das eventuell reinlesen. Aber aus meiner Sicht nicht zwingend. Und es muss letztlich nicht so sein, dass man das auf Moralebene löst. Weil für mich gibt es einen klaren Unterschied zwischen Ethik, auf der Grundlage von Werten, und moralischen Regeln. Weil moralische Regeln sind normalerweise die direkte Bewertung von einer Handlung, zu sagen das ist gut, das ist schlecht.

Aber aus meiner Sicht sind Handlungen nicht per se gut oder schlecht. Dazu ein kleines Beispiel. Mal angenommen ich gehe durch eine Fußgängerzone und renne jetzt auf eine Person zu und stoße sie zur Seite. So, ist diese Handlung jetzt gut oder schlecht? Wenn man nicht den ganzen Kontext weiß und was tatsächlich passiert, ist es, aus meiner Sicht, nicht möglich – auch wenn ich die Person weggestoßen habe und sie sich. Mal angenommen auf jeden Fall die Person fällt zu Boden und verletzt sich am Knie. So jetzt ist die Frage, ist diese Handlung grundsätzlich schlecht oder grundsätzlich gut oder weder noch.

Und dazu letztlich in der Moral wäre die Aussage, wenn ich einfach nur dieses Kriterium habe die sagen ist gut oder schlecht, habe ich damit wenig Möglichkeiten. Während, wenn ich auf einer ethischen Ebene sage, zum Beispiel einen Wert und zwar an der Stelle, das Leben eines Menschen ist in jedem Falle schützenswert. Und wenn ich mir dann den Gesamtkontext anschaue dieser Handlung, sage ich dann, dass einem Mal hätte ich einfach willkürlich gehandelt und ihn gestoßen, dann hätte ich natürlich gegen diesen Wert verstoßen. Weil ich hätte ihn ohne Grund verletzt. Aber mal angenommen ich habe ihn vor einer Gefahr weggestoßen, weil irgendetwas von einem Balkon herunterfällt. Und ihn eventuell getroffen, vielleicht viel schwerer verletzt hätte.

Vielleicht sogar getötet hätte. Das heißt die Handlung als solches kann noch nicht beurteilt werden ohne den Gesamtkontext. Und da ist letztlich auch immer wieder das Problem. Jede Handlung mag in der einen Situation sinnvoll, hilfreich sein, vielleicht sogar schadensvermeidend. Während sie in einer anderen Situation vollkommen unsinnig und unnötig und überflüssig ist. Aber so ist halt das Problem, wenn wir Gesetze machen gelten diese immer und überall. Im seltensten Fall sind die Gesetze so selektiv, dass sie sinnvoll anwendbar sind. Und selbst wenn die Richter da noch ein bisschen Freiheit haben.

Letztlich ist der Rahmen viel zu klein. Das was ich unter Ethik verstehe ist so ein festgezurrter Rahmen auf keinen Fall. Weil in Gesetzen stehen nicht die Werte. Die kann man indirekt versuchen herauszulesen, was für Werte eigentlich damit geschützt werden sollen. Aber letztlich wird es komplett willkürlich. Das beste Beispiel für einen solchen Fall ist das Urheberrecht. Das initial anders gemeint sein mag. Und auch das ganze Patentwesen, was sich entwickelt hat. Das mag mal anders gedacht worden sein. Aber seine Funktionsweise heute, ist alles andere als den Wert von Innovation in irgendeiner Form zu schützen.

Sondern im Gegenteil Innovation zu blockieren. Und letztlich andere Strukturen zu schützen. Und da zeigt sich halt einfach, eine Ethik, ein Wert würde letztlich immer am Ergebnis gemessen werden. Das heißt, wird das erfüllt was geschützt werden soll. Funktioniert das Ganze. Und wenn es nicht funktioniert, dann müssen die Handlungen geändert werden. Dann müssen neue Strategien gefunden werden. Dass in Gesetzesform zu tun, ist, aus meiner Sicht, immer der denkbar schlechteste Weg. Weil ich nicht Situationsabhängig entscheiden kann. Sondern im Gegenteil. Ich muss im Endeffekt gesetzesbasiert entscheiden und kucken wie ich das in einer Situation irgendeiner Form gelöst bekomme.

Dass ich mich gesetzeskonform verhalte und trotzdem vielleicht noch ein gutes Ergebnis bekomme. Das ist letztlich eben für mich so dieser große Punkt, dass in der Aufklärung eher ein Menschenbild oder eine Vorstellung – glaube ich – vom Menschen mitgeschwungen ist, dass man ihn formen müsste. Dass er noch nicht funktionstüchtig sei und dass man die Welt einfach steuern könne. Was ja auch auf diesen ganzen technoiden Fortschrittsglauben, was so ein bisschen aus Leibnitz heraus entstanden ist: man könne die Welt irgendwann so komplett erfasst haben und berechnen, dass man sie letztlich auch in beliebiger Form steuern kann.

Was aus meiner Sicht aber auch grandios gescheitert ist. Weil wir letztlich sehen das wir, trotz aller unserer technischen Möglichkeiten, am Ende die Natur nicht ersetzen können. Solange wir zumindest als Mensch noch biologische Organismen sein wollen. Und ich hoffe zumindest, dass wir noch sehr lange eher als biologische Wesen unterwegs sein werden als dann irgendwie uns nur noch auf irgendwelche technischen Gegebenheiten zurückfallen zu lassen. Auch wenn es diese Bewegung natürlich auch schon gibt. Das Thema Transhumanismus, was ich auch an dieser Stelle nicht aufmachen möchte.

Aber wer sich unter diesen Stichworten bereits schon was vorstellen kann, weiß in welche Richtung das gehen kann. Und ich aus meiner Sicht trotz allem für sehr gefährlich halte, wenn man glaubt, dass man immer diesen Ausweg noch hätte. Wenn man eben die Natur und die Grundlagen auf der wir letztlich immer noch leben und existieren in weiterem Ausmaße zerstört. Raubbau mit ihnen betreibt. Und in keinster Weise nachhaltig mit ihnen umgeht. Deshalb ist es mir so wichtig zu sagen, wir brauchen sehr dringend eine neue Aufklärung beziehungsweise halte ich es für unglaublich wichtig die Aufklärung neu zu beleben.

Und statt in die Richtung zu laufen „Wir sind jetzt im postfaktischen Zeitalter angekommen.“ Sollten wir doch lieber zur Erkenntnis zurückkehren. Und überlegen: was kann ich wissen, was kann ich glauben, wie kann ich handeln. Und uns wirklich mehr mit uns selbst auseinandersetzen. Und uns selbst schauen, wie kann ich das was ich tue vor mir selbst rechtfertigen und wie sieht die Welt aus, wenn alle so handeln wie ich. Also eben tatsächlich wieder auf Kant zurückbesinnen und die Welt so gestalten, dass jeder sich die Frage stellt:

Was passiert wenn alle 8 Milliarden Menschen so handeln würden? Würde etwas was ich tue oder was ich möchte so funktionieren für alle 8 Milliarden und zwar zum gleichen Zeitpunkt. Das dann wieder solche Themen wie das Lottospielen. Es nützt nichts Lotto zu spielen, weil 8 Milliarden Menschen können nicht zur gleichen Zeitpunkt Lottomillionäre werden oder noch mehr. Und deshalb sind diese Sachen; solche Strukturen, solche Elemente sind letztlich keine Lösung. Und wir haben viele von diesen punktuellen Momenten, wo es für einzelne Individuen vielleicht besser wird oder für einzelne Gruppen hier und da eine Lösung gefunden werden kann.

Das heißt an manchen Stellen wird dem Klimawandel mit Dämmen bauen und aufpfählen von Häusern und verschiedensten anderen Dingen begegnet. Aber das funktioniert weltweit nicht. Zumindest aktuell nicht. Weil nicht alle Menschen die Möglichkeiten haben sich mit solchen Maßnahmen zu schützen. Das heißt wenn der Klimawandel weiterhin in diesem Umfang in Kauf genommen wird – und damit meine ich jetzt nicht alleine ob der CO2-Gehalt dafür jetzt allein verantwortlich ist; denk ich viel eher daran, dieser gigantische Raubbau mit Wäldern der stattfindet. Selbst in Europa wo illegal auch noch Waldbestände zusätzlich abgeholzt werden.

Ja, ihr seht es hinter mir. Neben den ohnehin bestehenden normalen Bewirtschaftung, wo auch dem Wald immer wieder Substanz entzogen wird. Ein Wald der letztlich an Substanz gewinnen soll, dem kann man nicht immer wieder einzelne Elemente herausreißen. Und selbst Holz, das ja in dem Fall normal noch gar nicht Totholz ist, sondern schon viel früher rausgezogen wird, sorgt nicht dafür, dass es einen vollständigen Wald gibt in dem Flora und Fauna in einer Vielfalt existiert. Das ist letztlich das was mir am meisten Sorge bereitet. Ich bin nicht sicher wie schnell uns die Zeit tatsächlich davon läuft.

Aber wir sind in einem Ausmaß immer noch weiterhin unterwegs und es sieht nicht danach aus als ob sich das in irgendeiner Form erheblich verlangsamt. Im Gegenteil. Welche Flächen dieses Planeten wir so nachhaltig schädigen, dass es sehr fraglich ist ob wie je in der Lage sein würden, selbst wenn wir uns vehement bemühen, diese Flächen zurückzugewinnen. Das heißt diese Leben, die Vielfalt die dort existiert hat, in irgendeiner Form zurückzubekommen. Vom Soziopod, den ich ganz gerne höre, da war ein Bericht, da haben sie eine Widerstandsgruppe besucht, die bei einem Braunkohletagebau versucht, dass dort eine bestimmte Waldfläche nicht einfach so vernichtet wird.

Nur um Braunkohle zu fördern, die dann nochmal verstromt wird, um eigentlich was zu erreichen. Natürlich weiß ich, dass irgendjemand meinen wird: Ja, natürlich. Wir brauchen den Strom. Wir brauchen die Kohle und die ganzen Auswirkungen. Ich glaube die Vorteile die wir dadurch aktuell kurzfristig gewinnen können sind so verschwindend gering gegenüber diesen langfristigen und vielleicht permanenten – wenn bestimmte Arten ausgestorben sind – Nachteilen. An der Stelle kann ich es nicht wirklich erfassen und noch wissen: Wo soll das Ganzen hinführen?

Wo soll das Ganze hingehen? Deswegen ist aus meiner Sicht zu sagen: Ein großer Baustein der in der Aufklärung tatsächlich zumindest gefehlt hat, war ein sehr viel größere Vertrauen in das Individuum. Und zwar in das einzelne Individuum. Das nicht gelenkt und gesteuert werden muss von irgendjemand anderem. Sondern das selber verantwortungsvoll in der Lage ist mit seiner Freiheit umzugehen. Und eben genau deswegen auch der Unterschied, dass sie damals von moralischer Reglementierung gesprochen haben, statt den Menschen auch nicht nur neben der Erkenntnis, sondern auch eine Ethik angedeihen zu lassen.

Das heißt das Denken in Werten, das Verstehen von Bedürfnissen letztlich in dieser Form. Mit Menschen zusammen zu kommunizieren. Und dann auch das gemeinsame Miteinander von Menschen zu fördern, die sich freiwillig zusammenschließen. Die nicht zwangsweise in irgendeiner Struktur gebunden werden und ihrer Möglichkeit beraubt werden. Das halte ich für, wahrscheinlich den wichtigsten und schwierigsten Punkt auch zu erreichen. Bei den Menschen die Bresche zu schlagen, zu sagen: Denkt doch mal bisschen mehr über Freiheit nach. Warum habt ihr so eine große Angst davor, dass Menschen tatsächlich frei sein könnten?

Warum fühlt ihr euch von der Freiheit anderer Menschen automatisch dermaßen bedroht, dass ja geradezu reflexartig Demokratie verteidigt wird. Um jeden Preis. Die Demokratien haben im letzten Jahrhundert die meisten Morde begangen, die größten Kriege geführt. Und sie waren die einzigen die bisher Atomwaffen gegen Menschen eingesetzt haben. Ich weiß nicht warum Demokratien in dieser Hinsicht von Vorteil sein sollen. Weil sie beschützen nichts und im Gegenteil, wenn Demokratien gegeneinander Kriege führen ist die Zivilbevölkerung ein legitimes Angriffsziel.

Wenn man im Denken eines Machiavelli letztlich verhaftet ist. Und Herrschaft funktioniert nun mal nach diesen Vorstellungen. Und wenn ich Herrschaft – auch in Form der Demokratie – akzeptiere, dann sage ich, es ist legitim – trotz allem Völkerrecht. Weil, wer sich ein bisschen mit Machiavelli auseinandersetzt. Ich weiß nicht genau was alles bei Sun Tsu drinsteht. Aber ich denke man kann ähnliche Aspekte herauslesen. Weil Regeln sind nur zu befolgen solange sie einem nutzen. Und ganz klar aus machiavellischer Sicht ist: Regeln sind dann zu brechen, wenn der Nutzen des Regelbruchs größer ist, als die Regel einzuhalten. Und letztlich läuft es so.

Wenn es Herrschaft gibt, wird die Herrschaft nur so lange sich an die Regeln halten solange es ihr in den Kram passt. Und sobald es ihr in irgendeiner Form gelingt mehr Nutzen daraus zu beziehen, die Regel zu brechen oder sie vorzeitig zu ändern. Ist ja in einer Demokratie umso einfacher möglich. Dann wird es halt getan. Diese Regeländerungen basieren halt nun mal nicht auf Ethik, auf irgendwelchen Werten, sondern aus individuellen Nutzen und Vorteilen. Und deswegen für mich vor allem nochmal der Aufruf: greift nach eurer Freiheit und gebt sie nicht ab. Und geht vor allen Dingen nicht zur Wahl. Auch das was ich in meinem letzten Video schon angesprochen habe, nochmal die Aktion in Erinnerung zu rufen: Nicht in meinem Namen.

Entzieht denjenigen die letztlich mit dafür verantwortlich sind, dass diese Strukturen so sind wie sie heute sind. Das sie sie erhalten oder im Zweifelsfall nicht ändern, weil sie sie mit Energie füllen. Einfach zu sagen: Nein, ihr sprecht nicht mehr in meinem Namen. Und ich legitimiere euch auch nicht mehr irgendeine Entscheidung in meinem Namen treffen zu dürfen. Und es gibt halt nun mal auf dem Stimmzettel keine Option zu sagen: Nein, niemand darf für mich entscheiden. Weil jedes Kreuz das ihr setzen könnt, selbst wenn ihr den Stimmzettel ungültig macht, hat das keine Relevanz. Dafür zu sagen, sie kümmern sich nicht darum ob ihr ungültig gewählt habt.

Sie kümmern sich letztlich auch kaum darum wenn ihr nicht zur Wahl geht. Aber auch da sind es sehr spannend wenn man mit Menschen spricht, die unglaublich Demokratie verteidigen und dann plötzlich von Wahlpflicht sprechen. Das heißt sie wollen die Menschen am liebsten zwingen wählen zu müssen. Warum eigentlich? Sie sagen immer, Nichtwähler haben doch keine Bedeutung, dann geben sie halt ihre Stimme nicht ab und müssen trotzdem unter den Entscheidungen, die dann getroffen werden, mittragen. Aber irgendwie scheint diese Argumentation nicht auszureichen. Irgendwie scheinen sie ihrem eigenen Argument an der Stelle nämlich nicht zu trauen.

In einer solchen Diskussion erfährt man ganz sicher, irgendjemand wird dann: Wir müssen Wahlpflicht machen, weil die Leute müssen wählen. Weil letztlich ist doch die entscheidende Frage: Bin beim Arzt. Zwei Spritzen liegen da und ich soll mich zwischen Pest und Cholera entscheiden. Aber warum sollte ich mich überhaupt spritzen lassen? Diese Logik erschließt sich mir schon lange nicht mehr. Aber sie kommt fast reflexartig. Wenn auch nur im Entferntesten dieses Demokratiekonzept angegriffen wird und in Frage gestellt wird. Und gesagt wird: Ne Leute, also ich wüsste nicht warum ich jemanden legitimieren soll entscheiden zu dürfen in meinem Namen.

Wüsste ich einfach nicht. Und das hat mit gesellschaftlichen Konventionen überhaupt nichts zu tun. Weil die Gesellschaft selber besteht ja auch aus mir. Ich bin ja auch Teil der Gesellschaft. Und warum sollte jemand anderes mehr Entscheidungsbefugnisse und Vorgabemöglichkeiten haben als ich. Ich habe genau für eine Person die Möglichkeit zu entscheiden wie sie leben will und das bin ich selbst. Und das geht jedem anderen letztlich nicht anders. Wer versucht mehr zu tun überschreitet, aus meiner Sicht, seine Kompetenz. Nicht unbedingt seine Möglichkeiten, weil er kann es natürlich versuchen. Eine Grundlage hat er dafür nicht. Jedenfalls nicht bei mir. Ich denke wenn wir alle mehr auf unsere eigene Freiheit Wert legen würden.

Und uns eben tatsächlich dafür entscheiden lieber uns selbst zu folgen als anderen, könnten wir schon etwas erreichen. Etwas in Bewegung setzen. Und dann uns tatsächlich überlegen, was sind denn bessere Entscheidung. Sowohl für uns, für unsere Zukunft, als auch für die Zukunft unserer gesamten Lebensgrundlage. Die auf diesem Planeten sehr vielfältig ist und hoffentlich auch bleiben wird. Wenn dort draußen noch weitere Menschen sind, denen Freiheit ebenso wichtig ist wie mir, würde ich mich freuen von Euch zu hören. Und vielleicht hat der eine oder andere es ja sogar schon geschafft sich selber einen Freiraum zu erschließen, in dem er über seine Zeit selber verfügen kann.

In dem er nicht 40 oder mehr Stunden die Woche für andere tätig sein muss. Sondern wo er selber entscheiden kann, was er mit seiner Zeit anstellt. Dann würde ich mich freuen über Kontakt, über Austausch. Um zu schauen ob man vielleicht auch was gemeinsam anstellen kann. Um mehr Menschen in die Lage zu versetzen, eben genau solche Freiräume zu bekommen. Damit sie zu sich selbst finden und ihnen vielleicht auch hier und da die Angst einfach zu nehmen. Es ist nicht gefährlich wenn Menschen frei sind. Es ist viel gefährlicher wenn Menschen Macht haben. Vielleicht hat der eine oder andere ja doch noch den Impuls zu sagen, dieses Mal für diese Bundestagswahl schließe ich mich den Nichtwählern an. Weil mir ist meine Freiheit auch wichtiger als beherrscht zu werden. Also bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #017: Nicht in meinem Namen. (2017) https://martinfinger.de/mtb-017-nicht-in-meinem-namen-2017/ Thu, 12 Jan 2017 11:00:00 +0000 In dieser Folge beschäftige ich mich damit, dass die Wahlbeteiligung die Legitimation für die Herrschaftsform der Demokratie darstellt und ich die Herrschaft des Menschen über den Menschen ablehne. Daher empfehle ich, sich nicht an Wahlen zu beteiligen, und sich grundsätzlich gegen Herrschaft zu positionieren. Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.01.2017 findet Ihr hier. Für den Podcast […]

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In dieser Folge beschäftige ich mich damit, dass die Wahlbeteiligung die Legitimation für die Herrschaftsform der Demokratie darstellt und ich die Herrschaft des Menschen über den Menschen ablehne. Daher empfehle ich, sich nicht an Wahlen zu beteiligen, und sich grundsätzlich gegen Herrschaft zu positionieren.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.01.2017 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zur ersten Folge des Mem-Tagebuchs in 2017. Thema heute ist: „Nicht in meinem Namen.“ Was meine ich damit? In 2017 steht uns mal wieder das Ritual der Bundestagswahl bevor. Ich bin bekennender aktiver Nichtwähler. Aktiv deswegen, weil ich aus meiner Meinung keinen Hehl mache. Sondern sie eben auch hier mit Euch teile und sage, ich beteilige mich nicht an der Wahl. Warum? Weil ich grundsätzlich das Prinzip, des Herrschaft vom Menschen über den Menschen, ablehne. Das heißt ich möchte frei leben.

Ich möchte nicht unter einer Herrschaft leben. Und für mich ist letztlich die Demokratie auch nur eine Form der Herrschaft. Die sich nur graduell von anderen Formen wie einer Diktatur, in Form einer Theokratie, Monarchie oder was es dort sonst noch alles für Formen in der Vergangenheit auch schon gegeben hat. Denn letztlich nichts legitimiert aus meiner Sicht, dass ein Mensch einen anderen Menschen beherrschen darf. Dabei ist es vollkommen egal ob diese Herrschaft aus einer Gottesbeauftragung, aus der Blutslinie oder eben durch Abstimmung von anderen Menschen in irgendeiner Mehrheitsform legitimiert werden soll.

Weil letztlich gibt es keinen Prozess oder keinen Mechanismus der ersetzt, dass jemand etwas ablehnt und sagt er möchte das nicht. Und sich dann trotzdem jemand einfach dazu ernennt oder ernennen lässt, dass er jetzt auch für die Person die ihn nicht beauftragt, die nicht damit einverstanden ist, sprechen darf. Solange es letztlich bei der Bundestagswahl oder überhaupt bei Wahlen nicht die Option gibt zu sagen: „Nicht in meinem Namen.“ Das heißt ich kann ankreuzen zu sagen, ihr könnt ja tun und lassen was ihr wollt, solange das freiwillig ist und ihr niemanden zwingt.

Oder auf jemanden Gewalt oder Druck ausübt, um eure Regeln zu befolgen, könnt ihr von mir aus beschließen was ihr möchtet. Aber ich halte mich nur daran, wenn ich dazu selber zustimme und nicht weil es mir irgendjemand vorschreibt. Solange es die Option „Nicht in meinem Namen.“ nicht gibt, werde ich auch ganz klar sagen, ich beteilige mich daran nicht. Denn ich legitimierte damit nicht dieses Prinzip, dass ihr über Menschen mitbestimmen dürft, die Euch definitiv nicht beauftragt haben. Und in der Hinsicht nur eine Anekdote aus der letzten Bundestagswahl. Weil wir ja das Schöne Ergebnis hatten, dass statt sechs Parteien nur noch fünf Parteien im Bundestag vertreten sind.

Und obwohl die Wahlbeteiligung leicht angestiegen ist, ist das Verhältnis von abgegeben [zu vertretenen Stimmen] nochmal gesunken, weil weniger Stimmen im Bundestag vertreten sind. Das was ich gerne einmal in der Quote der Wahlbeteiligung sehen möchte. Das heißt direkt in der Wahlbeteiligung steht dann, weniger als 50% haben sich an dem Ritual beteiligt und die anderen sind zu Hause geblieben. Wenn ich die Stimmen die tatsächlich im Bundestag vertreten sind, also wo sich tatsächlich ein Mandat daraus ergeben hat, im Verhältnis zu den Menschen die in Deutschland leben, also nicht nur den Wahlberechtigten, liegen wir bereits bei unter 50%.

Und mein Ziel ist es, vielleicht schaffen wir es dieses Jahr noch nicht, aber auf jeden Fall perspektivisch tatsächlich bei der Bundestagswahl eine Wahlbeteiligung von unter 50% zu erreichen, um ganz offensiv deutlich zu machen: Ihr sprecht nicht für uns. Ihr habt kein Mandat von uns. Ihr habt nicht die Erlaubnis für uns Entscheidungen zu treffen, mit denen wir einfach nicht einverstanden sind und zu denen wir euch auch keine Erlaubnis geben. Und ihr uns überhaupt nicht fragt ob wir wollen, dass ihr das tut oder jenes tut. Sondern ihr einfach nur von uns abfordert euch zu legitimieren, irgendwelche Entscheidungen treffen zu dürfen.

Ich möchte weder über andere Menschen herrschen, das heißt ich möchte mich nicht wählen lassen. Die Option zu sagen: Ja, ich gründe eine Partei und dann kann ich ja die Option auf den Wahlzettel schreiben. Das ist im Endeffekt Unfug, weil allein aufgrund der Beteiligung würde ich ja schon signalisieren, dass es in Ordnung ist, dass auch wenn jemand dann letztlich seine Interessen nicht schafft vertreten zu werden, das Prinzip dass die Anderen dann über diesen mitbestimmen dürften. Weil mit Freiheit sehr wichtig ist, ist das eben genau der Punkt zu sagen: Nein, ich akzeptiere und toleriere diesen Mechanismus und diese Systematik überhaupt nicht.

Wie wäre es denn in der Vergangenheit gewesen? Hätte man sich erst in die Monarchie einheiraten müssen, damit man dann bis oben auf steigt und dann zu sagen: So, jetzt bin ich König und jetzt schaffe ich die Monarchie ab. Das ist doch einfach absurd zu glauben ich müsste erst durch das Herrschaftssystem hindurchgehen, um dann wenn ich die Macht übernommen habe entscheiden zu dürfen, jetzt schaffe ich die Machtinstrumente ab und beende somit die Herrschaft. In der Vergangenheit war das schon absurd und auch für die Demokratie ist es absurd zu meinen, dass das der Weg sei wie man in der Demokratie die Herrschaft zu beseitigen hat. Letztlich geht es immer darum, dass die Menschen nicht mehr mitspielen.

Dass die Menschen sagen: Nein, dieses System, diese Struktur, diese Mechanismen die toleriere ich nicht mehr. Sondern ich sage: Nicht in meinem Namen. Wenn ihr für jemanden sprechen wollt, dann sprecht nur für euch selber und maßt euch nicht an, dass ihr auch für Menschen sprecht von denen ihr keine Stimme erhalten habt. Die euch nicht gewählt haben und die euch schon gar nicht legitimiert haben Entscheidungen für sie zu treffen. Und natürlich möchte ich nicht nur einfach dagegen sein sondern natürlich ich bin für Freiheit, für ein verantwortungsvolles Miteinander und Freiheit schützt sich nur selbst.

Da heißt die Freiheit lässt sich nicht durch andere Mechanismen wie Gesetze, Polizei, Militär oder irgendetwas schützen. Sondern Freiheit kann nur durch sich selbst geschützt werden. Nur indem ich die Freiheit anderer Menschen anerkenne, Menschen als solches respektiere und toleriere. Nur dadurch kann ich wirklich sicherstellen, dass die Freiheit aller gewahrt und geschützt wird. Wer sich jetzt fragt, wie denn das Ganze funktionieren soll, wenn wir dann so gar keine Struktur haben, die uns mit Gesetzen versorgt. Und uns mit Zwang, im späteren Verlauf sogar mit Gewalt, dann dafür sorgt, dass wir uns an bestimmte Regeln halten. Dem kann ich meinen Vorschlag eines Bürgerparlamentes nahelegen.

Das einzige was ich glaube noch ändern würde gegenüber dem damaligen Vorschlag, ist, dass ich die Option Gesetze zu machen tatsächlich komplett ausschließen würde. Sowohl die befristeten als auch die unbefristeten. Wer sich damit genauer auseinandersetzen möchte, ich setzte den Link unter das Video. Dort findet Ihr dann meine Diplomarbeit, der könnt Ihr entweder dann zuhören oder selber mitlesen. Es gibt auf jeden Fall genug Möglichkeiten und Alternativen mit denen diese Strukturen anders organisiert werden können. Und dafür muss eben nicht Macht delegiert werden und schon gar nicht die Ausübung von Gewalt legitimiert werden.

Weil es heißt ja nicht umsonst Staatsgewalt. Und auch die Option dem Staat ein Monopol auf Gewalt zu geben ist aus meiner Sicht der Freiheit abträglich. Denn jede Form von Gewalt die legitimiert oder toleriert wird bedeutet letztlich, dass wir nicht in Freiheit und auf Augenhöhe miteinander leben, sondern dass es in Ordnung ist Menschen zu Dingen zu zwingen die sie nicht wollen. Und deshalb einfach nochmal mein Aufruf an alle: Beteiligt Euch nicht an diesem Schauspiel der Bundestagswahl, sondern werdet aktiver Nichtwähler und sagt „Nicht in meinem Namen.“, das heißt auch nicht zur Wahl gehen und ungültig machen oder irgendwelche Splitterparteien wählen, die sowieso nicht reinkommen.

Weil letztlich damit zeigt Ihr, dass Ihr das Prinzip als solches akzeptiert aber Ihr werdet trotzdem nicht vertreten. Weil, egal ob Eure Stimme ungültig wird, egal ob Eure Stimme letztlich zu keinem Politiker im Bundestag führt, Eure Stimme ist letztlich dann auf jeden Fall verloren, weil niemand Euch beachten muss. Niemand spricht für Euch und vertritt Euch an der Stelle. Aber eben auch nicht die bestehenden Parteien, weil sie ja letztlich, nachdem sie Eure Stimme bekommen haben, Euch die nächsten Jahre sowieso wieder ignorieren werden. Also daher nochmal mein Aufruf zu sagen: Gebt es weiter.

Sprecht mit anderen darüber. Sagt ob Ihr in Freiheit und verantwortungsvoll miteinander leben möchtet, ohne letztlich andere da zu legitimieren Herrschaft auszuüben. Und wenn dass der Fall ist, dann sagt: „Nicht in meinem Namen. Ich beteilige mich nicht am dem Schauspiel der Bundestagswahl.“ Und sage: „Ihr sprecht nicht für mich. Ihr bekommt auch nicht das Mandat für mich zu sprechen.“ Und wer sich das anmaßt dem halte ich einfach nur entgegen: Von mir nicht. In meinem Namen nicht. Wir haben noch ein paar Monate Zeit und ich bin sehr gespannt ob es gelingt die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl zu senken und dafür einfach nochmal:

Nicht in meinem Namen. Ich stimme dem nicht zu. Ich legitimiere niemanden für mich zu sprechen und über mich zu herrschen. Und auch eine Demokratie ist eine Form der Herrschaft. Bis zum nächsten Mal. Macht‘s gut. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #016: Digitales Gold (2016) https://martinfinger.de/mtb-016-digitales-gold-2016/ Tue, 26 Jul 2016 11:00:00 +0000 In dieser Folge beschäftige ich mich mit Bitcoin und Ethereum und den unterschiedlichen Vorstellungen von Freiheit, welche mit diesen beiden Währungen verbunden sind sowie der Frage, welche Auswirkungen die Blockchain-Technologie auf die digitale Welt haben kann. Die ursprüngliche Aufnahme vom 26.07.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich […]

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In dieser Folge beschäftige ich mich mit Bitcoin und Ethereum und den unterschiedlichen Vorstellungen von Freiheit, welche mit diesen beiden Währungen verbunden sind sowie der Frage, welche Auswirkungen die Blockchain-Technologie auf die digitale Welt haben kann.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 26.07.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen heute zu einer weiteren Folge der Mem-Videos. Heute geht es mir um das Thema „digitales Gold“. Und das geht vor allen Dingen um Bitcoin aber auch die anderen Währungen und letztlich Systeme inzwischen die auf dieser Blockchain-Technologie aufsetzen. Nachdem ich mich gestern mal wieder ein bisschen eingelesen haben, was denn so aktuell passiert ist. Das eine war, dass bei Bitcoin wieder eine Halbierung der Mining-Belohnung dort stattgefunden hat. Das andere war ein geradezu spannender Krimi und letztlich auch das Aufeinanderprallen verschiedener Ideologien.

Bei der DAO bzw. die Währung die dort mit dran hängt ist Ether das andere ist Ethereum oder so ähnlich, bin mir immer nicht sicher wie man das genau ausspricht. Auf jeden Fall geht es dabei um ein System das so DAO ermöglichen soll – decentralized automatic organizations. Wo es darum geht letztlich nicht einfach nur Cloud Computing zu betreiben, sondern tatsächlich Verträge aufzusetzen, die selber programmiert und intelligent agieren können und die sich nicht stoppen lassen, d.h. die so in einem dezentralisierten Computersystem aktiv sind.

Das sie auf Dauer in irgendeiner Form am Leben bleiben. Und diejenigen die halt dann dort aktiv sind und sich dort mit Rechenleistung beteiligen, werden halt dann in dieser Währung Ether in irgendeiner Form belohnt. Aber da will ich gar nicht so im Detail eingehen wie das Ganze funktioniert. Das spannende ist eher, dass – wie es halt öfter mal bei Software vorkommen kann – das eben kleine Bugs, Sicherheitslücken und was auch immer, alles gibt. Was dazu geführt hat, dass ein Black Hat-Hacker in der Lage war sich ziemlich viel von diesen elektronischen Währungseinheiten bei Ether oder bei Ethereum unter den Nagel zu reißen.

Und er selber aber vor allen Dingen ziemlich gegen diese ganze Geschichte ist. Und das spannende war jetzt: während die Verfechter von Bitcoin z.B. sagen, jede Transaktion ist endgültig und darf nie rückgängig gemacht werden, hat die Community die Ethereum dort unterstützt, einfach dann gesagt: Okay. Wir spalten die Blockchain auf. Wir machen die Transaktion wo letztlich dieser Transfer durchgeführt wurde, der eigentlich von den meisten Beteiligten unerwünscht war, außer von der Person die sozusagen dieser Black Hat dann ist, zunichtemacht. Nachdem zuerst das wohl recht gut umgestellt wurde, scheint es jetzt so zu sein, dass sich die Blockchain für Ether, dort einfach dann jetzt gespalten hat.

Und es jetzt ein Ether Classic gibt und ein neues Ether, dass sozusagen den Hard Fork – also auch wieder einer von diesen technischen Begriffen, wo es einfach heißt: wir sind nicht mehr abwärtskompatibel – und das heißt aus eins macht zwei. Das heißt die Währungseinheiten sind sozusagen jetzt zweimal existent, wenn man es geschickt anstellt. Man hat sie einmal in der Classic Blockchain und in der neuen Blockchain, kann das Geld sozusagen zweimal ausgeben. Gehören noch ein paar Wissen und Tricks dazu wie man das alles anstellt.

Die Frage ist eigentlich eher, wie dieser Ideologiekampf ausgetragen wird. Das heißt derjenige, der diese ganzen Ideen und Überlegungen die mit Ether und Ethereum da umgesetzt werden sollen, eben nicht gut heißt. Im Moment ist es so, dass man vor allen Dingen Rechenpower reinstecken muss, um letztlich bei Bitcoin zum Beispiel eben diesen Mining Reward zu bekommen. Und Ether möchte das oder Ethereum möchte das umstellen, dass es letztlich nicht Rechenpower ist, sondern dass an der Stelle – was dann auch durchaus einige Fragezeichen aufwirft – diejenigen die viel Ether haben. Also die schon viel Mining betrieben haben.

Oder in irgendein einer Form sonst letztlich Belohnungen erhalten haben. Das sie irgendetwas getan haben und von anderen mit diesen Geldeinheiten dann bezahlt wurden. Dass die dann mehr Power haben und letztlich: wer mehr Geld hat kommt zu mehr Geld. Also diese Systematik, die wir heute eigentlich aus meiner Sicht schon als problematische Entwicklung des Zinseszinssystems haben, würde aus meiner Sicht mit diesem System da auch nochmal verstärkt werden. Das heißt nach dem ersten Punkt, wo ich schon bei Bitcoin kritisch war und auch weiterhin bin, zu sagen: okay, das ist elektronisches Gold oder zumindest der Versuch diese Systematik zu wiederholen.

Auch wenn ich von den Überlegungen, dass die Goldwährungen so prima und super funktioniert hätten und vor allen Dingen so vorteilhaft für die Menschen oder die Menschheit als solches waren, möchte ich eben stark bezweifeln. Da bloß als kurzer geschichtlicher Rückschlag, es ist damals – ich weiß nicht worauf sich die Goldbefürworter am stärksten immer beziehen. Eventuell auf die 1920er irgendwie so, irgendwie dem Zeitraum der „Goldenen Jahre“. Wobei sie halt nicht wirklich so golden waren, sondern einfach nur nach dem ersten Weltkrieg für manche golden erschienen. Aber letztlich ist das nicht die ganze Geschichte der Goldwährung. Die Goldwährungsgeschichte ist deutlich älter.

Wenn man sich nach dem frühen Mittelalter, zur Zeit der Brakteaten, als Geld letztlich durch die Verrufung der Fürsten und anderen Gruppen die das Münzprägerecht hat. Es nicht sinnvoll war Gold bzw. die Goldmünzen, Geldmünzen, was auch immer dort in Umlauf war, aufzuheben. Und letztlich aus meiner Sicht das Geld damals seine sinnvollste Funktion erfüllt hat: als Zahlungsmittel umzulaufen. Ist dann der Wandel natürlich dahingehend gewesen, dass die immer stärker werdenden Handelshäuser – die natürlich kein Interesse daran hatten ihre Geldvermögen immer mal wieder einfach so zu verlieren, nur weil der Fürst sie gerade verrufen hat.

Und deswegen mit ihrer steigenden Macht auch wiederum dafür gesorgt haben, dass es ein dauerhaftes Geld geben sollte. Aus meiner Sicht hat das letztlich dann dazu geführt, dass dieser ganze Kolonialismus und der Jagd nach dem Gold, also die ganze Eroberung von Nord- und Südamerika, der ganze Dreieckshandel zwischen Afrika, Amerika und Europa. Letztlich alles eine Grundlage oder vielmehr ein Ergebnis des problematischen Goldsituation war. Weil letztlich Europa immer unter einem Mangel an Gold gelitten hat. Weil über die Handelsstraßen, also so wie die Seidenstraße, das ganze Gold nach Asien abgeflossen ist.

Weil die eben mehr Güter verkauft haben. So wie es heute letztlich dann immer noch ist. Das heißt China produziert mehr, als sie selber vom Rest der Welt in der Lage sind oder Willens sind zu konsumieren. Und letztlich haben wir da immer noch das gleiche Problem. Selbst mit dem Dollar ist dieses Problem nicht wirklich gelöst. Es ist nur etwas entschärft, weil der Dollar leichter gedruckt werden kann als damals das Gold vermehrt werden konnte. Und es vielleicht unterm Strich zumindest aktuell weniger Menschenleben kostet diesen Goldfluss aufrecht zu erhalten. Weil eben aus meiner Sicht die Währungen einfach nicht das sind, womit sie den Wohlstand am besten fördern und zwar, dass sie primär als Zahlungsmittel funktionieren und die Wertaufbewahrung einfach in die Tonne zu hauen.

Weil, keine Währung kann Wert speichern. Weil der Einzige der wirklich in dem Sinne für Menschen andere Werte schaffen kann ist wiederum der Mensch. Selbst wenn er dafür Maschinen und Energie in einem größeren Umfang einsetzt. Weil letztlich nützt es ihm nichts, wenn andere Menschen keine finanziellen Mittel haben, um die Güter und Waren zu kaufen, die er da anbieten möchte. Also von daher ist das primäre, wenn wir auf einem ähnlichen Wirtschaftssystem wie heute aufsetzen wollen, indem man auf Märkten letztlich ein System, von Angebot und Nachfrage überhaupt haben möchte, dann muss man auch alle Menschen irgendwo in die Lage versetzen auch etwas anbieten zu können.

Und zwar nicht allein ihre eigene Lebenszeit in Form von Arbeitskraft, bevor sie dann überhaupt die Nachfrage wirksam auf einem Markt ausüben können. Und deswegen sehe ich eben das Bitcoin schon als kritisch. Aber auch die Richtung zu sagen, dass letztlich diese Geldschöpfung dann noch stärker daran gekoppelt wird. Nicht nur das ich mir entsprechende Rechenpower hinstellen kann. Sondern, dass ich tatsächlich auch in der Lage bin möglichst viel von diesem Geld zu akkumulieren, um dann noch besser und noch einfacher an das Geld zu kommen.

Also ich frage mich vor allen Dingen welche Überlegungen da im Hintergrund stecken. Eigentlich, brauchen doch diejenigen die viel Geld haben, brauchen doch am wenigsten mehr Geld. Sondern eigentlich müsste es ja genau umgekehrt sein. Das heißt je weniger Geld jemand hat, desto wichtiger wär es, dass er erstmal Geld bekommt. Aber so tief bin ich in dieser ganzen technischen Geschichte noch nicht drin. Und ich weiß auch nicht wie weit die Entwicklung tatsächlich gediehen ist, dass Ether tatsächlich dann auf so ein anderes Systematik umstellt. Wo dann nicht mehr Rechenpower, zumindest nicht mehr alleine zählt, sondern eben noch durch andere Mechanismen ausgeglichen wird.

Die Frage ist halt nur, ist so ein System gerecht, das spielt sowieso keine Rolle. Sondern die Frage ist eher: führt es zu einem Gleichheitsgrundsatz. Das heißt, wenn ich allen Menschen Freiheit zugestehen möchte, dann brauche ich auch irgendwo ein Element das eine Chancengleichheit macht. Nicht das alle Menschen gleich sein sollen, sondern das alle Menschen die Möglichkeit haben gleiches zu tun. Das ist halt in unserer Gesellschaft und in unserer Zeit im Moment halt überhaupt nicht gegeben. Für mich sind die Sachen, die aktuell versuchen auf dieser Blockchain-Technologie aufzusetzen.

Sie mögen vielleicht einige strukturelle Institutionen, wie z.B. das Banken- und Geldsystem, angreifen – aber letztlich führen sie keine systematischen Änderungen im Ergebnis herbei. Weil es dann wiederum dabei bleibt, wer hat, hat eher die Möglichkeit in diese Technologien zu investieren, sich daran zu beteiligen. Wie gesagt, das eine ist das Thema Rechenpower. Wo es schon spannend ist, dass – ich kenne jetzt nicht die genauen Statistiken, aber zumindest die Aussagen in die Richtung – letztlich wird das Mining inzwischen dort betrieben, wo Energie am billigsten ist. Und wahrscheinlich auch die Kosten dafür, also in Bezug auf die Umwelt, am geringsten geahndet werden. Das heißt Menschen in Deutschland sind am wenigsten in der Lage davon zu profitieren.

Weil hier einfach das Mining und der Energieverbrauch der damit zusammenhängt viel zu teuer ist. Das spannende ist auch wie die Entwicklung direkt nach dieser Halbierung des Miningrewards, also das was man mit einer Rechenoperationen dann als Belohnung bekommen kann, halbiert wurde, wie danach die Entwicklung ist. Wobei es eigentlich sehr verwunderlich ist, dass es als so positiv interpretiert wird. Weil eigentlich ist das vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt ziemlich einfach zu kalkulieren. Wenn die Hardware doch sowieso schon da ist, dann schalte ich doch nicht deswegen, weil die Belohnung halbiert wird, meine Hardware ab.

Sondern ich würde sie ja erst dann wirklich abschalten, wenn ich sicher bin, dass ich meine Energiekosten nicht mehr reinbekomme. Das heißt letztlich nur, solange die variablen Kosten noch gedeckt sind, gibt es keinen Grund aus dem Ganzen auszusteigen. Deswegen lässt sich so kurz nach so einem Halbierung nicht wirklich sagen wie die Entwicklung weitergeht. Müsste man erstmal feststellen ob der weitere Zuwachs an Rechenleistung, ob der gleich bleibt. Das heißt ob weitere Personen bereits sind darin zu investieren, weil letztlich die Kosteneffizienz bzw. die Kosten die eben mit dem Mining dann wieder reingeholt werden können, einfach so viel kleiner geworden sind.

Weil der zweite Block ist auch noch die Frage inwieweit Bitcoin dann tatsächlich günstiger bleibt. Weil meine Prognose ist auf jeden Fall, spätestens dann wenn das Mining endgültig auf null geht, das heißt, dass die ganze Beteiligung an dieser Rechenoperation letztlich nur noch darin besteht das man die Transaktionsgebühren, die halt dann anteilig prozentual oder absoluter Anteil erhoben werden, dass man nur noch diese einnimmt. Und dann kommt nämlich ein zweiter spannender Block ins Spiel. Was auch dieses Jahr schon mal passiert ist. Es gab mehr Transaktionen im Netz als letztlich bedient werden konnten.

Das heißt mehr Leute wollten Transaktionen machen aber die Kapazitäten waren so gering, dass sich über einigen – also es waren mindestens ein paar Wochen -, genau weiß ich jetzt den Zeitraum nicht auswendig. Wo dann sozusagen schwebende Transaktionen waren, die aber von den Minern nicht angenommen wurden, weil sie lohnendere Investitionen oder lohnendere Aufträge hatten, die zuerst verarbeitet wurden. Und da kommt noch hinzu, auch das Miningprotokoll bzw. die Software wird immer wieder so ein bisschen angepasst und natürlich erweitert und mit neuen Funktionen ausgestattet.

Und eine spannende Funktion dabei ist dann, dass man in einen sozusagen Wettstreit gehen kann und nach und nach die Gebühren die man bereit ist, für die Abzeichnung der Transaktion, also für die Signierung der Transaktion, zu bezahlen, dann nochmal anheben kann, wenn man sonst nicht durchkommt. Das heißt auch da wird noch mal ein Wettbewerb geschaffen, mit dem es dann möglich ist, dass die Miner letztlich durch Selektion natürlich sich die günstigsten oder die lohnendsten Transaktionen rausziehen können und letztlich ist kein Miner dazu gezwungen ganz viele Transaktionen reinzupacken. Und da ja nur einer dann den nächsten Block macht, ist die Frage, wie diskriminierend letztlich auch dort das Transaktionssystem als Ganzes ist. Weil letztlich nur diejenigen die hohe Summen bewegen, die sich dann von den Transaktionsgebühren auch für den Miner lohnen.

Da ist letztlich für mich dann die Frage, wenn keine neuen Bitcoins mehr in Umlauf kommen, weil die Miningbelohnung bei null ist und eigentlich nur noch das Bestehende verteilt wird, für wen lohnt sich dann Bitcoin noch und wer wird es bekommen können. Weil eben der größte Knackpunkt für mich, bei einer funktionierenden Währung oder eben einem funktionierenden Zahlungsmittel, ist, es muss verfügbar bleiben. Das heißt es müssen Menschen in der Lage sein an dieses Zahlungsmittel zu kommen. Und wenn eben Bitcoin tatsächlich wie ein digitales Gold behandelt wird, was passiert dann wenn letztlich die meisten Menschen das Zeug in ihre Tresore – in Anführungszeichen – legen und es nicht mehr ausgeben.

In dem Zuge wie Bitcoin letztlich von der Verfügbarkeit her verschwindet. Es mag dann zwar immer volatiler werden, das heißt die Schwankungen werden wieder deutlich größer werden. Weil es eben immer weniger Beteiligte gibt die wirklich Bitcoin anbieten. Das ist ja letztlich auch das Problem weswegen viele meinen, dass die Goldpreise ziemlich manipuliert sind. Weil letztlich die großen Mengen an Gold liegen in den Zentralbanken eingepfercht. Und deswegen, dass bisschen was privat gehandelt wird, nicht wirklich relevant ist.

Und dann ist eben die Frage, was passiert mit Bitcoin, inwieweit ist dann der Preis der sich dort zu irgendwelchen Fiat-Währungen, gesetzlichen Währungen bildet, in irgendeiner Form verlässlich geschweige denn stabil. Weil je weniger Bitcoin im Umlauf sind, desto schwieriger wird es dann natürlich auch Abnehmer zu finden und in dem Umfang wie dann Geschäfte sich eventuell entscheiden zu sagen: „Also da kommt eh kein Umsatz bei rum. Ich finde überhaupt keine Personen die mir etwas gegen Bitcoin abkaufen. Warum sollte ich das drin lassen?“ Solange natürlich die Zahlungsdienstleister das irgendwie automatisch drin haben, mag das alles noch funktionieren. Aber es bleibt ein, aus meiner Sicht, eher elitärer Club.

Weil letztlich auf der einen Seite eben die Transaktionszahlen sehr beschränkt sind und keine größeren Kapazitäten bisher zulassen. Solange nicht dort ein großer Sprung passiert, dass die Kapazität von Transaktionen die eben alle zehn Minuten dort abgesegnet werden, wirklich erheblich steigt. Und das andere ist dann eben die Verlässlichkeit. Das heißt wo habe ich denn tatsächlich den Bezug. In welcher Währungsgröße rechne ich dann am Ende. Es ist im Moment sehr unwahrscheinlich zu glauben oder zumindest ich halte es für sehr unwahrscheinlich, das Bitcoin tatsächlich einmal die dominante Preisinformation auf Waren wird.

Weil dazu ist es halt einfach zu klein und im Moment seitdem es im Umlauf ist noch zu wenig so weit skaliert, dass es eine Alltagswährung würde. Und auch bei Ether mit der DAO finde ich das doch sehr unwahrscheinlich. Weil letztlich hängt es doch immer davon ab inwieweit die Menschen teilnehmen und teilnehmen werden sie nur wenn es sich für sie in irgendeiner Form rechnet. Weil allein die Idealisten werden diese Systeme wahrscheinlich nicht auf Dauer am Laufen halten. Und vor allen Dingen, wenn es dann tatsächlich zu diesen ideologischen Grabenkämpfen kommt, die ja nochmal ein ganz anderes Thema sind. Zwischen den sozusagen Hardcore zu sagen, selbst wenn jemand Geld stiehlt darf man die Transaktion nicht rückgängig machen.

Also wenn es sozusagen gegen den Willen des vorherigen Eigentümers sich das angeeignet hat, ohne seine Zustimmung einzuholen, dass man dann sagt: Transaktion ist Transaktion und das war es. Während eben bei Ethereum und Ether dort tatsächlich schon, ich sag mal der Wille der Volkes bzw. der Wille der Community ist Gesetz und alle Regelungen können letztlich aufgegeben werden. Es ist auch eine Grundfrage. Wie soll unsere Zukunft funktionieren? Und beide Systeme sind für mich nicht ideal, zu sagen, der Mensch muss sich Systemen unterordnen.

Das wär die Bitcoin-Variante. Das heißt Technik ist Technik und der Mensch hat sich zu fügen. Und das andere die Ether-Variante halte ich auch nicht für besser, zu sagen, der Wille der Mehrheit ist entscheidend und was ein Einzelner will spielt dann keine Rolle. Das Problem ist natürlich, wie geht man dann mit so einer Geschichte um, die eben bei Ether passiert ist, dass dort ein Bug drin war mit dem es möglich war sozusagen Konten leer zu räumen. Also so als ob ich in eine Onlinebank einbreche und mir die ganzen Gelder von allen Kunden auf mein eigenes Konto überweisen kann und jetzt bloß noch eine Sperre habe. Das war sozusagen bei Ether, er konnte die digitalen Währungseinheiten nicht sofort weiter abziehen.

Sondern da gab es verschieden Fristen, die dann erst mal gegriffen haben und in der Zeit haben die halt reagiert, um das Ganze komplett einfrieren zu können. Oder eben jetzt diesen kompletten Bruch zu machen und sagen die Transaktionen sind ungültig. Wir setzen an der Stelle nochmal auf. Ich denke, dass beide Systeme keine befriedigende Antwort haben, in dem Hinblick inwieweit die Freiheit des Menschen gestärkt werden soll. Und nicht bloß letztlich die Machtposition einzelner Gruppen. Ich werde das Ganze weiter im Auge behalten und kucken inwieweit sich einzelne Technologiefragmente davon tatsächlich auch für meine Überlegungen einsetzen lassen. Ich bin auch dafür, dass Transaktionen final sind.

Das heißt, dass man sich darauf verlassen kann, dass das was man gegeben hat dann auch ankommt. Aber umgekehrt halte ich es nicht für in Ordnung, wenn es tatsächlich die Möglichkeit gegeben hat, dass sich ein Einzelner letztlich gegen den Willen eines Anderen etwas aneignet. Das ist nicht mein Verständnis von Freiheit. Weil letztlich geht es bei Freiheit für mich vor allen Dingen darum auch zu kooperieren. Und wenn der Andere einverstanden ist, dann ist es überhaupt kein Problem. Aber ansonsten, nur weil ich eine Lücke in einem technischen System nutzen kann, halte ich das nicht für sinnvoll zu sagen und das ist jetzt deswegen, weil sozusagen Vertrag – Vertrag ist, dass das so bleibt.

Weil eine Übervorteilung von anderen Menschen ist nicht die Grundlage worauf ich möchte, dass meine Freiheit basiert. Zu sagen, jeder kann machen was er will und zwar auf Kosten aller Anderen. Sondern mein Konzept von Freiheit ist, jeder darf das machen, was er jedem anderen auch zugesteht. Und wenn man eben sagt: Okay. Du darfst sozusagen alle technischen Möglichkeiten nutzen und diese ausnutzen, dann ist es aber unlogisch sich danach auf Rechtspositionen zu berufen und zu versuchen das in irgendeiner Form mit den staatlichen Strukturen sozusagen durchzusetzen. Weil entweder, oder.

Entweder jeder darf machen was er will und es gibt keine gemeinsamen Grundlagen, was wir uns einander zugestehen. Und sagen, dass ist in Ordnung, wenn ich einverstanden bin ist es in Ordnung. Aber wenn ich dagegen bin und Du das gegen meinen Willen machst, dann werden wir da keine Freunde werden. Einen ganz kurzen Aspekt den ich heute noch anschneiden möchte ist nämlich ein weiterer Gedanke inwieweit sich mit der Blockchain letztlich die gesamte digitale Revolution rückgängig machen lässt. Weil der Vorteil war ja, digitale Güter können beliebig kopiert, vervielfältigt werden und dann weitergegeben werden ohne dass derjenige der sie erstellt hat wirklich einen Verlust erleidet.

Aber eventuell eben auch das Problem hat, dass er dafür nicht bezahlt wird. Da ist letztlich die Frage, wie wollen wir damit umgehen. Wollen wir die digitale Revolution wieder einsperren und sagen, kopieren geht letztlich nicht mehr, das heißt es gibt nur noch echte Einzelinstanzen von digitalen Repräsentationen oder digitalen Gütern. Das ganze Internet der Dinge steht und fällt ja bis zu einem gewissen Grad mit dieser Eindeutigkeit der virtuellen Repräsentation. Oder gehen wir andere Wege. Das heißt wie stellen wir sicher, dass wir mit den Menschen, dass wir miteinander fair umgehen. Das jeder seine Grundlage eben zum Leben hat.

Ohne das wir uns die Vorteile der digitalen Welt wieder zunichtemachen. Die große Frage, was bedeutet Freiheit am Ende im digitalen Zeitalter. Ich hoffe natürlich, dass die digitale Welt in der Hinsicht freier wird und nicht einen Rückschritt einschlägt zu sagen, Freiheit ist nicht das Entscheidende, Kontrolle ist wichtiger. Und deswegen gehen wir halt dann diesen oder jenen Weg. Und vielleicht ist es auch wichtiger mehr über die Folgen und die philosophischen Aspekte solcher Technologien zu sprechen, als nur die Technik als solches zu betrachten und die Vorteile zu sehen die es letztlich wieder nur auf Hinblick des Geldverdienens mit sich bringt.

Das heißt es wird einfacher für einzelne Gruppen wiederum ihre Geldinteressen umzusetzen und sicherzustellen, dass sie gut oder angemessen oder darüber hinaus bezahlt werden. Oder dass es tatsächlich gelingt fair miteinander umzugehen, freiheitlich, freiwillig und im Sinne eines verbindenden Miteinanders, das für uns alle von Vorteil ist und nicht nur einzelne Gruppen privilegiert. Soweit für heute ein paar Gedanken rund um die Blockchain-Technologie und auch ein paar kritische Überlegungen.

Ich bin sehr gespannt wie sich dieses ganze Technologiethema tatsächlich weiter entwickeln wird. Und was es letztlich für uns dann bedeutet. Ob die Technologie am Ende wirklich uns dabei hilft unsere Freiheit wieder voll ausleben zu können oder ob sie letztlich ein weiterer Baustein wird, mit dem es dann gelingt auch in der digitalen Welt die Freiheit die dort möglich geworden ist, letztlich wieder zurückzudrehen und uns Fesseln anzulegen. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #015: Würde (2016) https://martinfinger.de/mtb-015-wuerde-2016/ Wed, 20 Apr 2016 11:00:00 +0000 In dieser Folge beschäftige ich mich mit der Würde und der Strafbarkeit von Beleidigung am Beispiel des Schmähgedichtes von Jan Böhmermann über den türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan. Die ursprüngliche Aufnahme vom 20.04.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit […]

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In dieser Folge beschäftige ich mich mit der Würde und der Strafbarkeit von Beleidigung am Beispiel des Schmähgedichtes von Jan Böhmermann über den türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 20.04.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen heute zu einem weiteren Mem-Video. Heute geht es um das Thema Würde. Anlass für mich ist die ganze Geschichte rund um Jan Böhmermann. Eigentlich will ich gar nicht so sehr auf die Einzelheiten dort eingehen. Mich interessiert eher dieser Blick: Was findet da eigentlich statt? Und in wie weit ist dieses ganze Gebaren wirklich sinnvoll und wo führt das Ganze hin? Also zunächst einmal, bei Jan Böhmermann geht es ja um dieses Schmähgedicht, was er auf den türkischen Ministerpräsidenten dort verfasst hat und in seiner Sendung vorgelesen hat.

Und aktuell ist es so, dass es viel Tamtam darum gab. Weil die Schmähung oder Beleidigung von ausländischen Staatsoberhäuptern zum einen einer Entscheidung der Bundesregierung bedarf, damit der Antrag der dann von Erdoğan gestellt wurde, auch weiterverfolgt werden durfte von der Staatsanwaltschaft. Weil die dürfen hier von sich aus nicht tätig werden ohne Erlaubnis der Bundesregierung bzw. haben die Minister wohl gesagt: Nee, lieber nicht. Und Frau Merkel hat entschieden: Ja, lieber doch. Weil Türkei ist halt gerade wichtig.

Jetzt preschen verschiedene Länder vor. Die versuchen wollen diesen, ich glaub §103 Strafgesetzbuch, eben Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter, dass man den vorher kippen könne. Damit es sozusagen auf der Grundlage zumindest keine Strafverfolgung gibt. Was wahrscheinlich schon weniger diskutiert wird: Es wurde auch nach regulären Strafverfolgung, ich glaube §185, der Paragraph der Beleidigung, wurde ebenfalls Anzeige erstattet. Oder Strafantrag ist es ja in dem Fall. Und darüber regt sich wahrscheinlich kaum jemand auf. Zu überlegen, was hat das Ganze mit Beleidigung: Also Beleidigung fällt in das Thema der Ehrverletzung.

Und deswegen ist für mich eben das Thema Würde an der Stelle so spannend. Weil letztlich geht es bei diesen ganzen Konzepten von Ehre und Würde und Beleidigung, alles um innerweltliche Aspekte einer Person. Bei diesen Innerweltaspekten ist das spannende ja eben, weswegen ich auch den Begriff Würde gewählt habe, steht es ja schon im ersten Artikel des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar und die staatliche Gewalt soll dafür sorgen, dass sie geschützt wird. Was an der Stelle schon absurd ist, weil Würde als Begriff oder Konzept aus der Innenwelt eines Menschen, mit einer physischen Verfolgung sozusagen gewalttätiger Art, dann in irgendeiner Form schützen zu wollen.

Weil ich kann die Innenwelt eines Menschen nicht mit Gewalt schützen. Sondern eher indem ich mich ihm gegenüber anders verhalte. Und ihm versuche ein gutes Umfeld zu bieten. Indem ich ihn akzeptiere, anerkenne, aber Verfolgung anderer Menschen dürfte da am allerwenigsten statthaft sein. Nun aber was bedeutet das jetzt, wenn das sogar zunächst einmal auf ein Staatsoberhaupt eines ausländischen Staates. Weil die Frage ist doch erst einmal: Kann man ein Amt überhaupt beleidigen? Aus meiner Sicht ist das absolut unmöglich.

Weil was soll denn dieses Amt sein oder wie sollte dort eine Beleidigung funktionieren. Weil das Beleidigt fühlen, da es ja eben ein Teil der Innenwelt ist, kann sich ja letztlich nur der Mensch. Das heißt im Zweifelsfall auch, nur der Inhaber eines solchen Amtes, kann sich beleidigt fühlen. Dann ist aber die Frage: fühlt sich dann das Amt beleidigt oder der Inhaber des Amtes? Also der Mensch wiederum. Also aus der Sicht ist für mich das mit dem Amt sowieso hinfällig. Aber auch die zweite Ebene zu sagen: Ein Mensch der sich beleidigt fühlt. Wäre die Frage: Wenn das ein Konzept aus der Innenwelt ist, dann gibt es auch immer eine Schranke zwischen meiner Außenwahrnehmung, meinen Sinnesorganen, bis zu dem Zeitpunkt, dass es tatsächlich Teil meiner Innenwelt wird.

Und wenn ich einem anderen Menschen letztlich gestatte, über diese Schranken hinwegzukommen. Und in meinem Inneren Verheerungen und Verwüstungen anzurichten, dadurch dass ich eben, weil es muss ja irgendwo ein Schaden entstehen, den ich in meiner Innenwelt empfinde, zu sagen: Das finde ich jetzt verletzend. Oder: Das hat mich verletzt. Oder: Das finde ich anmaßend. Oder sonst irgendetwas. Weil irgendwo muss ich ja eine Kategorisierung haben, dass eine Äußerung von mir als Beleidigung aufgefasst werden kann.

Und damit wär schon die Überlegung zu sagen: Meine Güte, da gebe ich aber viel Macht irgendeinem Menschen. Noch dazu wird Erdoğan den Böhmermann ja wahrscheinlich überhaupt nicht persönlich kennen. Das heißt, sie haben eigentlich gar keine Basis auf der dort ein Kontakt stattfinden kann. Und dass ein Böhmermann einem Erdoğan in die Innenwelt spucken kann. Aber so ist das halt. Weil, wir haben halt unsere Begriffe nicht wirklich klar. Und vor allem die Innen- und Außenwelten trennen wir nicht wirklich sauber voneinander ab. Und übernehmen die entsprechende Verantwortung. Weil das würde heißen, wenn sich ein Erdoğan von einem Böhmermann beleidigt fühlt, dann würde ich eher mal schauen, ob ich nicht lieber als Erdoğan mir da psychische Unterstützung oder psychologische Betreuung suche.

Warum meine Innenwelt denn so leicht angreifbar ist. Und ob ich den für dann bestimmte Ämter, in denen man halt auch mit Menschen konfrontiert wird, die einem vielleicht nicht wohlgesonnen sind, dann vielleicht lieber was anderes machen sollte. Und deswegen ist es auf jeden Fall spannend zu sehen, was denn tatsächlich dort weiter verfolgt wird. Weil klar, es ist dann mal wieder ein sehr prominentes Beispiel, wo das Strafverfahren der Beleidigung ausexerziert wird. Und dann ist auch wieder die Frage, was mich ja sehr umtreibt, die Frage der Freiheit. Gibt es wirklich irgendeine sinnvolle Grenze zu sagen: Hier ist aber jetzt die Meinungsfreiheit zum Beispiel an der Stelle sinnvollerweise zu beschränken.

Aus meiner Sicht nicht. So sehr auch Worte manchmal verletzend empfunden werden, sind sie doch trotzdem nicht im eigentlichen Sinne verletzend. Sondern die Verletzung findet erst in mir statt und ich habe meinen Teil dazu beigetragen, dass ich es als Verletzung überhaupt bewerte. Deswegen ist für mich der Ansatz zu sagen, doch lieber die Menschen weiterhin dazu zu bringen, zu kucken: Was ist das, was sie im Griff haben. Was können sie selber steuern und regeln, um zu sagen: Das ist meine Innenwelt und ich entscheide wer in dieser Innenwelt einen Einfluss bekommt oder nicht.

Und im Zweifelsfall ist der einzige der in meiner Innenwelt etwas zu schaffen hat, bin ich selbst. Jeder andere bekommt von mir die Erlaubnis und dann auch nur so lange wie es möglich ist. Natürlich ist das auf dieser abstrakten Ebene leicht zu sagen. Mit ist schon klar, dass wenn man einen Menschen kennt oder sympathisch findet und die Meinung dieses Menschen einem wichtig ist. Dann kann es ziemlich schwierig werden, wenn dieser Mensch plötzlich etwas Kritisches zu einem sagt oder einem Ablehnung entgegen bringt. Weil eigentlich möchte man mit diesem Menschen verbunden sein und fühlt dann eher eine Trennung oder ein nicht akzeptiert sein.

Aber das ist halt eine andere Ebene. Theoretisch ist erst einmal davon auszugehen, ich bin der Herr in meiner Innenwelt und der einzige der dort etwas zu steuern hat. Faktisch erfordert es viel Übung in Ruhe, in Selbstwahrnehmung, vor allen Dingen bei sich zu bleiben, zu merken: Okay, das ist mein Bereich. Das trifft mich zwar, das löst etwas in mir aus. Aber trotzdem ist die Frage: Warum löst es etwas in mir aus? Weil nur wenn ich einen Ansatzpunkt, einen Anker habe an dem das ganze Zeug andocken kann, dann komme ich halt genau in die Probleme.

Und dann sollte ich nicht vergessen, dass dieser Ansatzpunkt bei mir liegt, die Äußerung bei dem anderen. Und kann mich dann entscheiden ob ich da jetzt dem anderen die Schuld geben möchte, dass mein Leben so gewesen ist, wie es gewesen ist und ich deswegen dort eine empfindliche Stelle habe. Oder ob ich mir diese empfindliche Stelle nicht lieber genauer anschaue und kläre: Wie kann ich im Endeffekt ein Mensch werden, dem solche Stellen vielleicht dann nicht mehr von außen steuerbar machen. Sondern das ich eben selber Herr über mich werde und ich mein Selbst letztlich verstärke in der Hinsicht, das Leben aus meiner Sicht darin besteht, immer mehr auch man selbst zu sein.

Aber das muss man halt erst mal herausfinden wer man ist und seine wunden Stellen auszukurieren, um dann souverän mit anderen Menschen im Umgang zu sein. Und nicht gewalttätige Strukturen zu benutzen, um letztlich anderen Menschen auch wiederum Gewalt anzutun. Weil letztlich ist es einfach nur die Fortführung von dem was man angeblich bekämpft, dass man das dann wieder in die nächste Generation trägt und weiterhin legitimiert, dass Gewaltanwendung ein legitimes Mittel ist, um Ziele durchzusetzen. Das ist ja etwas, wogegen ich auch immer wieder sprechen möchte.

Zu sagen: Gewalt, egal ob jetzt physische, psychische, rein in der Sprache, auf solche Kommunikationsmittel vielleicht doch eher zu verzichten. Und bessere Wege des Miteinander und des gemeinsamen Handelns und Sinnsuchens zu finden. Entsprechend ist also für mich der wichtigere Punkt zu überlegen: alles was überhaupt die Strafverfolgung angeht, die in vielerlei Hinsicht auf falschen Ebenen angreift, ist der Punkt, gerade Themen der Innenwelt, der Ehrverletzung, der Beleidigung, die letztlich jetzt keine materiellen Schäden im Sinne einer Verleumdung oder etwas zu Folge haben.

Wo man vielleicht tatsächlich die Lebensumstände einer Person beschränkt oder beschädigt. Ist die Frage, ob man sowas nicht generell, also auch den §185, der dann die Beleidigung enthält, das gleich mit zu streichen. Und nicht bloß diesen einen Paragraphen, weil man sich gerad jetzt ein bisschen profilieren will. Inwieweit ist es sinnvoll, dass Beleidigung durch Gewalt geahndet werden oder ist es nicht sinnvoller, dass die Menschen einen vernünftigen Umgang miteinander lernen und ihn auch üben. Und nicht zu einem Übervater wie dem Staat rennen und dann da ihr Leid klagen und den anderen auch wieder gewaltsam an die Kandare nehmen.

Ich denke mit Gewalt lernt kein Mensch Umgang mit anderen Menschen. Mein Aufruf an der Stelle ist zu sagen: Menschen kümmert Euch um Eure eigene Innenwelt. Und hört auf andere dazu in Beschlag zu nehmen, dass sie mit Gewalt andere daran hindern etwas zu tun und da auch nur verbal zu äußern, nur weil es bei Euch irgendwelche Trigger trifft. Sondern nutzt die Gelegenheit Euch selber klar zu werden: Wer Ihr seid. Wo Eure wunden Stellen sind und diese wunden Stellen dann anzuschauen. Um zu kucken, wie könnt Ihr mehr Ihr selbst sein.

Weil im Regelfall dürften solche Stellen, an denen es dann schmerzt wenn solche Äußerungen gemacht werden, sehr viel mehr mit Euch selbst zu tun haben. Und Euch Hinweise daran geben, wo Ihr auch noch nicht Ihr selbst sein könnt, weil Ihr diese Stellen im Regelfall dann ausblendet. Die ganze Böhmermann-Geschichte geht noch ein ganzes Stück weiter. Das ganze Strafgesetzbuch sollte man mal überprüfen ob das eine sinnvolle Methode ist mit Menschen umzugehen. Und alles was in der Innenwelt ist, auch wenn es im Grundgesetz steht, ist die Frage: Wie soll eine Innenwelt von Menschen geschützt werden, durch Gewaltausübung eines Staates oder anderer Instanzen. Von daher mehr Mut zur Freiheit, zur persönlichen Individualität. Auf ein nächstes Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #014: Geldpolitik (2016) https://martinfinger.de/mtb-014-geldpolitik-2016/ Thu, 10 Mar 2016 11:00:00 +0000 In dieser Folge spreche ich über die Geldpolitik der EZB und welche Probleme ich in einer solchen geldfixierten Denkweise sehe. Welche Probleme daraus entstehen, wenn mit Geld wirtschaftliche Aktivität forciert werden soll ohne sich an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren. Die ursprüngliche Aufnahme vom 10.03.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das […]

Der Beitrag Mem-Tagebuch #014: Geldpolitik (2016) wurde auf Martin Finger veröffentlicht.

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In dieser Folge spreche ich über die Geldpolitik der EZB und welche Probleme ich in einer solchen geldfixierten Denkweise sehe. Welche Probleme daraus entstehen, wenn mit Geld wirtschaftliche Aktivität forciert werden soll ohne sich an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 10.03.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einem weiteren Mem-Video. Heute mit dem Thema Geldpolitik. Weil heute wird wieder viel kolportiert über die Leitzinsentscheidung der EZB. Und da möchte ich einfach Mal ein bisschen tiefer einsteigen. Was soll diese Leitzinsenscheidung bitte noch für einen Effekt haben. Und um das zu verstehen bzw. erstmal die Grundsatzthese zu überlegen: Wirtschaft wird nicht durch Geld bedingt, sondern wirtschaftliche Aktivität entfaltet sich dann, wenn es Bedarf an einer entsprechenden Aktivität gibt.

Und die entsteht letztlich nicht durch Geld getrieben. Nehmen wir mal den Aspekt weg, dass Geld das Profit haben möchte natürlich irgendeine Investition braucht, um diesen Profit zu ermöglichen. Weil es selber ja gar nicht in der Lage ist etwas zu erzeugen. Aber nicht destotrotz braucht eine Investition halt irgendetwas worin man investieren kann. Und diese Investition muss letztlich auch einen realen Mehrwert bringen, den die Leute bereit sind zu bezahlen. Und wenn man sich überlegt, im Euroraum: Was sind denn jetzt eigentlich tatsächlich die Dinge, die benötigt werden. Was brauchen die Menschen. Wo ist tatsächlich Bedarf da.

Für mich persönlich kann ich das nur beantworten, eigentlich gar keiner. Mit fehlt im realen Leben nichts, was jetzt dringend produziert werden müsste. Ich brauch kein neues Auto. Brauch keine zusätzlichen Klamotten aktuell, vielleicht irgendwann, so in ein paar Monaten, Jahren – keine Ahnung – vielleicht mal wieder ein neues Paar Schuhe oder so. Aber wirklich benötigen brauche ich im Moment nichts. Also ist die Frage: wo sollte sich eine Investition lohnen, wo ich bereit bin etwas zu kaufen und wer hat sonst noch Bedarf etwas zu kaufen. Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Menschen, die Bedarf hätten irgendetwas zu erneuern, sich neu Auszustatten.

Oder Möbel neu zu kaufen, weil die alten tatsächlich schon abgenutzt sind. Aber die Leute kommen nicht an Geld. Das heißt im Zweifelsfall entweder sie sind arbeitslos oder verdienen letztlich so wenig, dass sie sich eine neue Ausstattung ihrer Wohnung gar nicht leisten können. Das heißt diese ganze Geldpolitik, die von der EZB durchgeführt wird, hat auf diese Menschen keinen Effekt. Weil ein Kreditgeschäft immer auch einen Kreditnehmer braucht. Das heißt es braucht jemanden, der Willens und in der Lage, ist diesen Kredit aufzunehmen. Und das Scheitert sozusagen schon, einmal von der Bewertung der Bank. Weil wenn die Bank sagt, Du bist uns nicht kreditwürdig oder nicht vertrauenswürdig genug.

Wir glauben nicht, dass Du in der Lage bist irgendetwas zu produzieren, herzustellen, zu machen, um letztlich diesen Kredit wieder abzuarbeiten. Oder einfach nur dein Job ist sozusagen nicht einträglich genug, weil du verdienst zu wenig. Du hast vielleicht nur 50 oder 100 Euro im Monat, die du irgendwie erübrigen kannst. Und damit kriegst du den Kredit nicht zurückgezahlt, den du bräuchtest und damit scheitert das schon mal letztlich an den fehlenden Kreditnehmern. Die zwar durchaus einen Bedarf hätten an Geld, aber nicht an Krediten, weil sie den Vorteil, den sie dort beziehen könnten, nicht wieder in Geldwerten umsetzen können.

Und damit bricht letztlich dieses ganze Kartenhaus, der vermeintlichen Geldmengensteuerung einer EZB zusammen. Auch wenn man jetzt noch mehr vom gleichen macht, ist die Vorstellung, als ob es an der Liquidität der Banken scheitern würde oder an deren Möglichkeiten. Sondern es sind im Endeffekt ganz andere systemische Zwänge, die dazu führen, dass Kredite eben nicht vergeben werden können. Weil die Rückzahlungsnotwendigkeit besteht. Ich bin ja mal gespannt wann die EZB auf die Idee kommt, nicht nur den Negativzins einzuführen, sondern tatsächlich zu sagen: okay, wir geben euch jetzt eine Million und ihr müsst nur noch 900.000 zurückzahlen. Also vergebt doch bitte Kredite, die komplett Zinsfrei sind.

Und darüber hinaus sozusagen nur noch zu 90% Nominalwert zurückgezahlt werden müssen. Weiß zwar noch nicht, wie das Bilanztechnisch dann tatsächlich lösen werden, weil sie müssen ja die Werte dann abschreiben und das müsste dann letztlich alles irgendwie über die doppelte Buchführung abgedeckt werden. Aber das ist aus meiner Sicht der Weg zu sagen: ja, wenn ich unbedingt Geld ins System bringe oder bringen will, dann kann ich das nicht über Kredite vergeben. Dann muss ich es verschenken. Aber die Logik hat sich letztlich auch noch nicht wirklich bei den Betroffenen durchgesetzt. Die Frage ist, was eigentlich erreicht werden soll. Das Geld schöpfen um der Inflationswillen.

Das heißt ich bringe Geld in Umlauf, nur damit Geld entwertet wird. Mit der Vorstellung ein Wirtschaftswachstum zu erreichen. Jetzt ist aber natürlich dieses Wirtschaftswachstum wieder rein nominell ausgedrückt. Das heißt, wenn ich einfach einen Schritt weitergehe und sage: okay, wir haben aktuell eine Deflation irgendwie von 0,2%, habe ich glaube ich vorhin mitgelesen. Das heißt aber Wirtschaftswachstum von, ich glaub 1,3 sind die Zahlen von 1,7 für dieses Jahr runterkorrigiert worden. Gehen wir doch einfach ein Schritt weiter und sagen, wir machen von den 2% Inflation gehen wir auf 0% Inflation und dann würden im Endeffekt 2% Wirtschaftswachstum ja letztlich nur der Inflation entsprechen, das heißt wir können eine Wirtschaftsschrumpfung von 0,3% einfach da sozusagen gleichziehen.

Letztlich sind die nominellen Wirtschaftswachstumszahlen, doch nichts anderes als der Ausdruck der Geldmengensteigerung. Die aber sich in den Warenkörben nicht als Inflationszahlen wirklich wiederspiegeln. Also wenn man sich das genauer anschaut und das Bruttoinlandsprodukt ins Verhältnis setzt, nicht zu der Inflationszahl die dort mit dem Warenkorb berechnet wird, sondern zur Geldmengenänderung, dann wird man sehen, dass unterm Strich unser Bruttoinlandsprodukt seit Jahren abnimmt, nur die Zahlenwerte zunehmen. Aber wahrscheinlich unterm Strich ohnehin nicht viel bei rum kommt.

Hier wird auch Profit gemacht und es wird der Wald leer gemacht. Also kurzer Ausflug ins Geldsystem. Was bedeutet tatsächlich diese Veränderung im Leitzins und die Änderung der Politik der EZB. Zunächst einmal heißt es ja nur, es wurde der Leitzins und der Spitzenrefinanzierungssatz um fünf Basispunkte gesenkt, ein Basispunkt entspricht dem Wert von 0,01%. Also der Leitzins auf ein, wie es so schön kolportiert wird, historisches Tief von 0,00% gesenkt worden. So, wo spielt der eine Rolle. Der Leitzins ist nur relevant für die wöchentlichen Refinanzierungsgeschäfte.

Das heißt die Banken sind letztlich jede Woche dazu aufgefordert, sich von der EZB die Mindestreserve, die sie benötigen, zu holen, auszuleihen. Was allerdings kein größeres Problem ist, weil die EZB das ganze Zeug ziemlich vollständig zur Verfügung stellt. Der zweite Finanzierungssatz ist der Spitzenrefinanzierungssatz, der liegt jetzt bei 0,25%, das ist der Zins, wenn die Banken so tagsüber merken, dass ihre Liquidität bei der EZB für die Deckung von Transaktionen nicht ausreicht, können sie sozusagen im täglichen Bedarf, so ich glaube auf Stundenbasis.

Also innerhalb von einer Stunde werden solche Sachen dann abgewickelt und bedient, das heißt, wenn die Banken entsprechende Sicherheiten vorlegen können, dann kriegen sie halt innerhalb von einer Stunde zusätzliche Liquidität von der EZB bereitgestellt. Der nächst Satz ist der Overnight-Zinssatz letztlich der von der EZB gezahlt werden würde, wenn er denn noch positiv wäre, an die Banken entsprechend der Guthaben auf ihren Konten. Jetzt ist da natürlich das Problem, dass der negativ ist. Allerdings wirkt sich dieser negative Zinssatz auch nur auf die Werte aus, die die Mindestreserve überschreiten.

Also die Mindestreserve, was hat die nochmal zu bedeuten: die hebt darauf ab, dass Banken gezwungen sind, in diesem Zentralbankensystem einen bestimmten Prozentsatz von, aber nicht von den Krediten die sie vergeben, sondern von den Giralgeldmengen die sie in ihrer Bilanz haben und die sie letztlich den Kunden garantieren müssen, dort als Mindestreserve zu halten. Dieser Mindestreservesatz liegt bei einem Prozent. Also für jeweils 100 Euro Giralgeld muss die Geschäftsbank, zu einem bestimmten Zeitpunkt, ein Euro Zentralbankgeld auf ihrem Mindestreservekonto halten und zwar über Nacht, während tagsüber dieses Geld für Transaktionen verwendet werden kann.

So, jetzt ist dieses alles nachgelagert. Das heißt entsprechend die Banken melden an die Zentralbank ihre Giralgeldmengen, die sie in ihren Büchern haben, mit den entsprechenden Fristen. Weil, wenn es eine Bank schafft, die Spareinlagen eines Kunden, länger als zwei Jahre zum Beispiel anzulegen, dann hat das einen Mindestreservesatz von 0%. Das heißt dafür müsste dann keine Mindestreserve gehalten werden. Des Weiteren haben Banken noch einen Mindestreservefreibetrag von, ich glaube 100.000 waren das. Das heißt bei einem Prozent sind das entsprechend zehn Millionen.

Die sie schon mal einfach so halten können an Giralgeld, ohne dass daraus eine Mindestreservepflicht entsteht. Weil die sozusagen dann schon abgedeckt ist. Damit mal die technische Ebene wieder verlassen. Im System sind jetzt aber schon viel, viel mehr Gelder unterwegs als das was tatsächlich benötigt wird. Also aktuell wir haben im Eurosystem eine Geldmenge M3 von etwa 10/11 Billionen. Also 11.000 Milliarden Euro. Also jetzt alle Euroländer die in der Eurowährungsunion drin sind. Also die Geschäfte mit denen die Banken die Liquidität zur Verfügung gestellt bekommen heißen Tendergeschäfte.

Die normalen mit dem normalen Basiszinssatz werden wöchentlich beschlossen. Die für die Spitzenfazilität, also die 0,25%, sind für die täglichen, also die man untertage einfach beantragen kann, fällig. Dieses eine Prozent Mindestreserve, was im Endeffekt auf die Giralgeldguthaben zu halten ist, ist wie gesagt nachgelagert. Jetzt ist aber in dem Gesamtsystem, zumindest was das elektronische Zentralbankgeld angeht, schon deutlich mehr Liquidität in Umlauf als überhaupt für diese Mindestreservepflichten benötigt wird.

Und da kommt jetzt letztlich dieser Übernachtzinssatz, mit jetzt inzwischen -0,4% ins Spiel. Jetzt muss man sich aber auch anschauen, für meinetwegen 10.000 Euro, ein Prozent wären 100 Euro. Die sozusagen im Jahr fällig würden, wenn denn dieser Minuszinssatz schon bei einem Prozent läge. Bei 0,4 sind es im Endeffekt 40 Euro, die ein Sparer, mal angenommen er müsste sozusagen diesen Betrag zahlen, dann dort überweisen muss damit ja letztlich sein Guthaben nicht abnimmt. Weil letztlich könnte man es direkt mit den Guthaben verrechnen und einfach dort abziehen.

Da die Mindestreserve ja nur bei einem Prozent liegt, bin ich letztlich nicht bei 40 Euro auf 10.000 Euro sondern ich bin nochmal bei einem hundertstel davon, das heißt ich bin bei 40 Cent. Wenn man jetzt also den Sparen mal wieder Angst macht, dass diese böse, böse Zinssenkung sozusagen die Guthaben angreift und das bald der Negativzinssatz kommt, dann muss man sich mal anschauen, welche Banken das bisher weitergegeben haben. Und vor allen Dingen ab welchen Beträgen das überhaupt greift. Also es gibt irgendwie, ich glaube die niedrigsten Werte sind irgendwo bei 100.000, tendenziell eher wenn man irgendwie ein bis drei Millionen oder so was liegen hat, hab ich glaub ich schon gelesen.

Dann soll man sich mal mit der Bank zusammensetzen und mit ihr sprechen, was man da machen kann. Ansonsten kriegt man halt sozusagen irgendeine negative Gebühr aufgebrummt. Oder man bekommt zumindest keinen positiven Zinssatz mehr. Muss man dann immer noch mal daran denken, dass diese 0,4% Minuszins erstmal in Bezug auf die Mindestreserve letztlich nur mit einem hundertstel zu Buche schlagen. Jetzt ist aber noch eine andere Sache wichtig zu wissen, dass Transaktionen grundsätzlich, wenn die von einer Bank zur anderen laufen, wiederum zu 100% mit Zentralbankgeld zu decken sind.

Das kann natürlich innerhalb der Institute und innerhalb der Übertragung irgendwie, wenn da mehrere gegenläufige Buchungen unterwegs sind, nivellieren. So dass letztlich gar kein Zentralbankgeld übertragen wird. Aber gehen wir mal von dem Beispiel aus, dass letztlich bei einer Überweisung von 10.000 Euro auch 10.000 Euro Zentralbankgeld von Kreditinstitut A zu Kreditinstitut B mitübertragen werden. Dann hat natürlich dieses empfangende Kreditinstitut erstmal ein Problem. Weil sie braucht ja für die Mindestreserve, weil sie garantiert dem anderen ja jetzt ein Giralguthaben von 10.000 Euro, braucht sie letztlich nur die 100 Euro als Mindestreserve zu halten.

Und zwar erst eben eine Weile später. Das heißt bis dahin hat sie einen ziemlichen Liquiditätsüberschuss. Jetzt ist aber so, dass die Bank die ja die Überweisung weggegeben hat, also von der das Geld gekommen ist, die hat aber eine Liquiditätslücke von diesen 10.000, weil letztlich ihr Zentralbankkonto, mal angenommen das Geld war vorher nicht komplett gedeckt, dann ist ihr Zentralbankkonto jetzt vorrübergehend im Minus und sie muss das bis Tagesende ausgleichen. Das heißt das einfachste ist, was die Bank dann machen kann, zu sagen: du, ich brauche mal eben die 10.000 Euro wieder zurück. Ich gehe dafür eine Verbindlichkeit dir gegenüber ein.

Das heißt die Banken regeln das untereinander. Die brauchen also auch da nicht wirklich Zentralbankgeld. Sondern die können das einfach untereinander liquiditätstechnisch und vertragstechnisch regeln. Damit kann sozusagen im ganzen System, in dem Spiel an sich, was das Zentralbankgeld angeht, ganz gut mit einem Prozent Mindestreservedeckung umgegangen werden. Jetzt ist aber eben das Problem der EZB, die will ja nicht, dass einfach nur die Mindestreserve bedient wird, sondern eigentlich will die EZB, dass Kredite vergeben werden. Aber wie schon am Anfang kurz angeschnitten, für Kredite braucht es immer zwei und zwar den Kreditgeber und den Kreditnehmer.

Die Banken sind liquiditätstechnisch überhaupt nicht unterversorgt, die haben mehr als genug Liquidität um problemlos solche Kredite zu vergeben. Ihre Probleme kommen primär erstmal aus anderen Bereichen. Ein Probleme natürlich ihre internen Bewertungsstrukturen. Das heißt wenn der Kreditnehmer nicht als niedriges Risiko eingeschätzt wird, dann kriegt er einfach von der Risikoeinschätzung her keine Freigabe für den Kredit. Da kann der noch so oft Geld wollen und sinnvoll investieren wollen, wenn das Risiko zu groß ist, kriegt er nichts. Das zweite ist dann, entsprechend diesen Baselvorschriften, wo halt bestimmte Verhältnisse zwischen Bilanzposition Eigenkapital und Kreditvolumen vorgegeben sind.

Das ist die nächste große Beschränkung aus meiner Sicht, die dran hindert, dass Banken Kredite vergeben können. Weil sie natürlich, wenn der Kredit dann platzt müssen sie das gegen irgendeine Position abschreiben und damit das System dann nicht wieder zusammenbricht, so wie in der Finanzkrise, ist halt vorgegeben, dass sie so und so hoch ihre Positionen haben. Man kann sich ziemlich schnell ausrechnen wann das Eigenkapital ausgebraucht ist, wenn es letztlich nur mit irgendwo zwischen acht Prozent und zwölf Prozent sozusagen im Verhältnis zu den Bilanzpositionen der Kreditvergabe steht.

Also dürfen letztlich Kredite möglichst nicht abgeschrieben werden. Aber das ist ein anderes Thema. So, wenn wir also auf der Bankseite zumindest mal das Okay haben, dass da zumindest noch Potential da ist. Mehr als genug Potential, um Gelder zu vergeben. Dann scheint das Problem ja eher auf der anderen Seite zu liegen und zwar: wer ist bereit Kredite zu übernehmen. In Zeiten wo die Arbeitsverhältnisse unsicher sind, das heißt wer weiß schon ob er morgen noch einen Job hat. Oder in der Form, dass keine Sicherheiten da sind. Weil wer wenig verdient kann auch wenig Vermögen aufbauen und wer kein Vermögen hat, ist schon mal immer ein schlechter Kreditnehmer.

Weil wenn der Kredit platzt, hat man sozusagen komplett Totalverlust. Das wollen die Banken natürlich auch ungern eingehen. Deswegen sind Immobilien immer noch die reizvollste Finanzierung. Aber auch da ist der Punkt, in einem jetzt gerade korrigierten Bevölkerungsentwicklungsentwurf, wo ja jetzt plötzlich davon wieder die Rede davon ist: huh, Deutschland wächst wieder. Oder sagen wir lieber, es sollen wieder mehr Menschen in Deutschland wohnen. Wo auch immer sie dann herkommen. Ist dann der Punkt zu sagen: wir haben trotzdem mehr als genug Wohnungen. Und hier, um noch einen weiteren Brückenschlag in die Politik zu machen. Was macht man, damit Wohnen möglichst teuer wird. Man schraubt die Energieanforderungen hoch.

Da werden ja auch gerade wieder neue Gesetze vorbereitet, die dafür sorgen, dass letztlich, wenn man sich denkt, ein Haus braucht doch nur vier Wände und ein Dach, dass da möglichst mehr Umsatz gemacht werden kann, dass möglichst teure Produkte da reingestopft werden. Und dann letztlich das Wohnen unbezahlbar wird. Naja, das ist auch wieder etwas, was sozusagen aus der aktuellen Wirtschaftssystemlogik der Überregulierung letztlich einfach zustande kommen muss. Der Draghi versucht jetzt, letztlich über eine zusätzliche Ausweitung dieses Anleihenkaufprogramms, was ja bisher vor allen Dingen Staatspapiere oder Staatsanleihen aufgekauft hat.

Mit 60 Milliarden, soll jetzt auf 80 Milliarden erweitert werden und mit der Option, dass jetzt auch Unternehmen in den Genuss kommen. Das heißt tatsächlich mal Unternehmen privatwirtschaftlich, die in der Lage sind Anleihen auf dem Finanzmarkt zu platzieren, könnten jetzt darauf hoffen von der EZB gekauft zu werden. Wenn die entsprechenden Ratings und so weiter passen, das heißt es ist auch wieder viel dafür gesorgt, dass natürlich dieser ganze Finanzbereich gut mitverdienen kann. Weil solche Ratings und so weiter gibt es ja nicht umsonst. Da ist letztlich auch wieder die Frage: was brauchen wir bitte.

Also in was muss dringend investiert werden, was in der Lage ist eine Rendite abzuwerfen. Wo letztlich andere Menschen mehr zahlen, als da reininvestiert wurde. Weil letztlich für Infrastrukturprojekte ist es ziemlich sinnlos einen Profit draufzusetzen. Weil eigentlich wenn es den Menschen nützt, ist es doch viel sinnvoller zu sagen: okay, Summe X kostet das, soviel wird von den Menschen aufgebracht, in welcher Form auch immer. Meine Präferenz in dieser Hinsicht ist ja immer noch so Crowdfundingprojekte, zu sagen: okay, wenn es die Menschen haben wollen, dann sollen sie es direkt bezahlen. Statt über irgendwelche Kreditschöpfungsumwege. Aber das führt jetzt an der Stelle ein bisschen zu weit.

Nichtdestotrotz, Infrastruktur sollte vor allen Dingen kostendeckend betrieben werden können. Das letztlich die Erhaltungsaufwendungen, um eine Straße, eine Wassernetz, ein letztlich auch Telekommunikationsnetz zu pflegen, dass da zumindest die Kosten wieder reinkommen und dass der laufende Aufwand dadurch irgendwo gedeckt wird. Damit das Ganze nicht ein Zuschussprojekt wird. Ich kann dazu vor allen Dingen zwei Richtungen empfehlen, wer sich damit mal tiefer beschäftigen will. Das eine ist, warum letztlich dieses ganze Geldsystem keine wirtschaftliche Aktivität entfalten kann, ist einmal bei den Österreichern, bei Ludwig von Mises, zu finden und zum anderen bei der Kondratjew-Theorie.

Also bei Ludwig von Mises ist eher so ein bisschen das Abheben, dass dieses Geldsystem keine wirklichen Werte schaffen kann und umgekehrt, was dann sehr viel spannender ist letztlich die Argumentation von Kondratjew zu sagen, wirtschaftliche Aktivität entsteht aus Bedürfnissen und aus Aktivitäten, die halt tatsächlich etwas produzieren oder herstellen. Ich kann letztlich mit Geld keine wirtschaftliche Aktivität entfalten, wenn man mal von solchen netten Finanzblasen und unsinnigen Allokationen, wie die Immobilienblasen in Spanien zum Beispiel, da entsteht am Ende aber kein Wert und ein Nutzen noch viel weniger.

Außer das dort dann ein Haufen Bauruinen am Ende rumstehen oder rumstanden. Ich weiß nicht ob sie inzwischen schon abgerissen sind. Hat das Ganze ja nichts gebracht. Es hat eine Menge Ressourcen verschleudert, in Bereiche wo letztlich gar nicht der Bedarf in dieser Form da war. Das gleiche ist zumindest in Deutschland zum Glück sehr gebremst. Ich gehe davon aus, dass wir weiterhin eher weniger werden als wirklich mehr werden. Und das wir ein regionales deutliches Überangebot an Wohnungen haben und entsprechende Infrastruktur. Auf der anderen Seite, an anderen Stellen durchaus noch Bedarf da wäre. Weil man da schon über Jahrzehnte darauf hingewirkt hat, dass eben die Infrastruktur nicht erweitert wird.

Weil es ja entsprechend wieder genug Vorschriften und Regulierungsmöglichkeiten gibt, dafür zu sorgen, dass man eben nicht das macht was man braucht. Sondern das man nur das machen darf, wo irgendwelche anderen Gruppen meinen Entscheiden zu dürfen, was sozusagen meinem Leben nützt und was meinem Leben nicht nützt. Um das Ganze heute noch mal ein bisschen abzuschließen und abzukürzen. Dieses Handeln der EZB und die Vorstellung, dass damit im Endeffekt irgendjemandem geholfen wäre, ist halt einfach nur. Mit fällt dazu einfach kein Wort ein, was das vernünftig sozusagen betiteln könnte.

Weil ich mich vor allen Dingen frage: wie kann man nur solchen Irrsinn sozusagen verfolgen. In der Hinsicht, dass man Illusionen nachhängt über Vorstellungen wie Wirtschaft funktionieren könne oder solle und sich dermaßen im Geldsystem zu verrennen. Statt zu verstehen, dass Geld letztlich vollkommen bedeutungslos ist, in der Form wie es heute stattfindet. Weil wenn ich etwas jederzeit in beliebiger Menge erzeugen kann, dann ist es halt keine knappe Ressource und keine relevante Ressourcen, die für irgendwelche Entscheidungen notwendig ist. So, nochmal ganz kurz zusammengefasst: Die ganze Politik der EZB führt im Endeffekt nirgendwohin.

Weil Geld keine wirtschaftliche Aktivität entfalten kann. Das einzige was Geld zumindest in der Lage ist, in welche Richtung die EZB auch funktioniert, ist beschränkend. Das heißt wenn alles erfüllt ist, es gibt Bedarf an Investition, es gibt Leute die Interesse haben das zu machen, es gibt Personen die bereit sind den Kredit aufzunehmen und so weiter, dann kann Geld nur noch die Schranke sein zu sagen, es geht trotzdem nicht. Obwohl letztlich alle großes Interesse haben das tatsächlich zu tun. Aber anstoßen kann Geld das Ganze nicht. Das heißt diese ganzen Finanzsphäre, die gerne Renditen erwirtschaften möchte, aber nur aus dem Wunsch eine Rendite haben zu wollen, existiert kein Produkt, dass die Menschen haben wollen, um sozusagen die Geldbeutel anderer Leute zu füllen.

Deswegen geht diese Rechnung schlichtweg nicht auf. Und das ist auch das, was ich Euch heute mitgebe zu überlegen. Wirtschaft funktioniert durch Euch und für Euch, zumindest wäre dass der einzig sinnvolle Weg wie Wirtschaft aus meiner Sicht funktionieren sollte. Weil ich halte es für besser, dass Wirtschaft das tut was Menschen wollen und nicht das was sozusagen aus Gedanken irgendeiner Profitstrebens insistiert wird und eigentlich nur dafür sorgt, dass Ressourcen beliebig vergeudet werden. Ohne menschliche Bedürfnisse zu erfüllen und dem Leben als solchen wirklich einen Nutzen zu bringen.

Und die Schwierigkeit ist halt, je größer oder je stärker sozusagen dieser Zugang darüber geregelt ist, dass einzelne Institutionen so viel Macht bekommen, sich über Geldvergabe, über andere Regelungen, diese Zuteilung letztlich nicht in die Hand jedes einzelnen zu legen. Sondern aus den Händen möglichst vieler, in die Hände möglichst weniger zu legen. Das ist letztlich aus meiner Sicht unser Problem: es entscheiden zu wenige über Dinge die zu viele Betreffen. Wir haben ja am Wochenende auch Wahlen. Deswegen ist es mir wichtig, dass ich nur für mich entscheide.

Und mir wäre es ganz lieb, wenn alle anderen das auch so tun. Und zwar Entscheidungen treffen, die sie selber betreffen und zwar nur die, die sie selber betreffen. Und nicht im Namen oder für andere die gar nicht gefragt werden, deren Positionen und Interessen überhaupt nicht abgeholt werden. Zu entscheiden, dass die das gefälligst auch zu wollen haben. Weil nein, das will ich nicht. Wenn will ich gefragt werden, erstmal: Was? Warum? Wieso? Und wozu überhaupt. Und dann überlege ich mir, ob ich auch bereit bin dafür irgendetwas zu tun.

Den Gedanken den ich Euch dabei mitgeben möchte, ist ganz einfach zu überlegen. Für mich ist mein Weg zu sagen: ich möchte letztlich vor allen Dingen Entscheidungen treffen die mich selber betreffen und zwar möglichst alle. Also, das heißt, da wo ich in irgendeiner Form betroffen bin, möchte ich auch selber mitreden können und entscheiden können. Und möglichst alle Menschen natürlich darauf verzichtend, für mich in meinem Namen Entscheidungen zu treffen. Und auch noch meinen, dass sie mir damit etwas Gutes tun. Also deswegen von mir der Wunsch an Euch alle: dass letztlich jeder nur die Entscheidungen trifft die ihn persönlich auch betreffen und die ihn in der Hinsicht auch was angehen.

Und alle anderen, bitte hört auf Entscheidungen zu treffen oder Forderungen zu stellen oder Vorgaben zu machen wie andere leben sollen, leben müssen. Und sie letztlich zu bevormunden, in irgendeinen Entscheidungen, weil ich sehe dafür letztlich keine Grundlage, zumindest nicht im Sinne der Freiheit, zu sagen: Es gibt keinen Grund, ohne zumindest mein Einverständnis abzuholen, dass irgendjemand für mich sprechen soll und darf. Und zwar nicht über irgendwelche allgemeinen Bundestags- oder Landtagswahlen.

Sondern im Falle einer einzelnen Entscheidung zu sagen: okay, ich hab ein Interesse, dass das so und so passiert und ich bin auch bereit dafür zu bezahlen, weil es reicht nicht zu sagen, dass jemand etwas will und dann muss er nicht dafür aufkommen. Das ist auch keine Option. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Und solang weder das Geldsystem, noch die Wirtschaft als solche, wirklich verstanden sind und die Börse sozusagen die draghischen Entscheidungen feiert. Hoffen wir mal, dass es noch einige Weile weitergeht, bis ich mit Credere so weit bin.

Dann zumindest, dass das Geldsystem, wenn es den zusammenbricht, nicht das wirtschaftliche System mit sich in den Abgrund zieht. Und das wir da Möglichkeiten und Wege finden, dass eben die Wirtschaft die wir benötigen, um unsere Bedürfnisse zu stillen, um unser Überleben zu sichern, dass das dann auch in nächster Zeit noch weiter funktioniert. Ohne das letztlich der gesamte Planet und alle seine Ressourcen vor die Hunde geht und letztlich auf der Müllhalde landet. Soweit von mir heute ein etwas längeres Mem-Video. Was sehr, sehr viele Themen anschneidet und es noch ganz, ganz, ganz viel zu sagen gäbe. Aber an der Stelle will ich jetzt wirklich Schluss machen. Und überlasse Euch Euren Gedanken und Überlegungen, wie sich letztlich das Ganze auch so verändern lässt, das für uns alle eine lebenswerte Zukunft möglich bleibt. Und ist doch schön so im Hintergrund die Sonne noch mitzunehmen. Auf eine frohe und lebenswerte Zukunft und bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #013: Rabatt (2016) https://martinfinger.de/mtb-013-rabatt-2016/ Tue, 12 Jan 2016 12:00:00 +0000 Heute ausgehen von den Rabattschlachten, mit welchen Unternehmen uns zum Kaufen animieren wollen auch Gedanken dazu, welche Aufgabe Unternehmen primär erfüllen. Sollen Unternehmen unsere Bedürfnisse stillen oder sind sie nur dazu da um Gewinne zu machen? Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.01.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich […]

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Heute ausgehen von den Rabattschlachten, mit welchen Unternehmen uns zum Kaufen animieren wollen auch Gedanken dazu, welche Aufgabe Unternehmen primär erfüllen. Sollen Unternehmen unsere Bedürfnisse stillen oder sind sie nur dazu da um Gewinne zu machen?

Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.01.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen gleich noch zu einem zweiten Video heute. In der Mem-Tagebuch Reihe. Es gibt noch da sogar Überschneidungen zum ersten Video. Weil es letztlich darum geht: Wofür sind Unternehmen eigentlich da? Das Thema ist Preise und Rabatte. Insbesondere Rabattschlachten. Ich weiß gar nicht ob der Winterschlussverkauf schon wieder formal begonnen hat. Weil rechtlich gibt es ja da keine Einschränkung mehr. Die Rabattgesetze wurden abgeschafft, das heißt die Geschäfte können jederzeit mit beliebigen Rabatten Kunden in ihre Geschäfte ziehen. Mir geht es dabei um einen anderen Punkt. Und Anlass ist zum Beispiel für mich der Wintersale bei Steam.

Weil ich spiele immer noch sehr gerne. Und letztlich ist für mich da immer wieder die Frage, auch so ein bisschen so hin- und hergerissen sein, zwischen günstig Spiele ergattern, aber auf der anderen Seite auch zu sagen: Hm, wenn ich ein Spiel für ein oder zwei Euro – oder sogar noch deutlich weniger, weil im Steamsale kann man auch Spiele schon kaufen, die nur wenige Cents kosten – ist die Frage, welchen Sinn macht es eigentlich überhaupt noch, dass diese Spiele etwas kosten. Weil letztlich kann der Entwickler daran nichts mehr verdienen. Und ich hatte auch mal was gelesen, inwieweit die Entwickler letztlich auch nicht vollkommen frei sind, in der Entscheidung, ob sie bei solchen Steamsales mitmachen oder nicht.

Das ist ein anderes Thema, darüber habe ich mich jetzt nicht weiter eingelesen. Grundsätzlich geht es mir einfach darum: Was macht es im Endeffekt, wenn wir Dinge zu Rabatten angeboten bekommen. Wie soll letztlich noch eine Wertschätzung über den Preis stattfinden, wenn bei den Computerspielen letztlich Rabatte bis zu irgendwie 90% oder sowas durchaus zu erwarten sind. Andererseits gibt es diese Rabatte tatsächlich auch im Winterschlussverkauf, wo locker mal 50%, 60% oder 75% Rabatt sicherlich gewährt werden. Und da ist doch die Frage: An was gewöhnt man die Konsumenten, wenn man ihnen letztlich, auch gerade in der Mode, zweimal im Jahr signalisiert:

Hier diese Waren, wenn Du die vor zwei oder drei Monaten gekauft hast, bist Du ein ziemlicher Trottel. Weil jetzt kriegst sie gerade Mal noch für ein Viertel des Preises. Das bedeutet doch umgekehrt auch, dass halt verdammt viel Luft in den Preisen ist. Ich würde es zumindest wünschen, dass letztlich nicht nur ein Produkt selber von Qualität und Lebenszyklus her eine längere Zeit hält. Sondern dass auch das was ich dafür bezahlt habe, es noch irgendwie sichtbar ist: Okay. Dieses Produkt hat auch noch diesen Wert. Also auch vielleicht noch ein halbes Jahr später. Das macht es im Endeffekt, also für mich zumindest, immer schwieriger zu überlegen, bin ich tatsächlich bereit das Geld dafür zu bezahlen, wenn ich genau weiß.

Ich bin immer sehr erstaunt, wenn es tatsächlich Menschen gibt, die zum Beispiel das bei Smartphones oder halt ganz neu rausgekommenen Tablets usw. oder anderen Produkten im IT Bereich tatsächlich mitmachen und noch bereit sind Preise zu zahlen wo man genau weiß, in drei Monaten kann man es für die Hälfte kaufen oder noch stärkerer Preisverfall dort in diesem Bereich. Zurück zu dem Steamsale. Dort letztlich die Frage: Wenn man überhaupt noch Vollpreisspiele kaufen will.

Ich hab es früher tatsächlich – also ist jetzt wahrscheinlich auch schon 15 Jahre her – wo ich meine letzten Vollpreistitel für ja 50, 60 Mark. Also 60 Mark haben damals glaube ich noch gar keine Spiele gekostet, aber vielleicht 50 Mark mal. Inzwischen sind wir ja bei 50, 60 Euro. Die ja durchaus so ein Vollpreistitel versuchen kann reinzubekommen. Natürlich haben sich die Kosten usw. auch stark verändert. Also die Kostenstrukturen sind deutlich andere geworden. Das ist mir auch durchaus klar. Nichtdestotrotz ist die Schwierigkeit letztlich auch, wie passt es in unsere Ökonomie heutzutage. Weil letztlich die Finanzierung immer zweimal stattfindet.

Einmal natürlich die Vorfinanzierung, das heißt man braucht zuerst irgendein Kapital, um etwas anzuschaffen, um etwas zu erschaffen. Und dann sind aber Maschinen usw. die angeschafft werden, werden dann abgeschrieben damit letztlich die nächste Maschine angeschafft werden kann. Und so ist es bei Computerspielen letztlich auch, das heißt es wird vorinvestiert, das heißt Entwickler werden zwei oder drei Jahre bezahlt, die alle an diesem Produkt mitwirken. Und das Produkt muss dann so viel einbringen, dass es zumindest die Kosten deckt. Und natürlich die nächsten zwei bis drei Jahre abdeckt. Ich muss sagen, das ist schon etwas sehr schwieriges letztlich, dass in diesem Rahmen auch Dinge produziert werden, die sich eben nicht in dieser Masse absetzen lassen.

Und da sind wir letztlich auch wieder bei meinem Lieblingsthema natürlich, das Thema Erwerbsarbeit und die Frage ist: geht es bei der Arbeit um Erfüllung oder geht es nur bei der Arbeit letztlich um Versorgung mit dem notwendigen Kleingeld, damit man sein Lebensunterhalt fristen kann. Also ich wünsche zumindest jedem, dass es zumindest etwas von beidem hat. Also das nicht allein im Vordergrund steht, dass die Miete bezahlt werden muss, dass die Lebensmittel gekauft werden können. Sondern das zumindest irgendwo immer noch auch die Berufung im Beruf erlebt werden kann. Ich würde es zumindest gern jedem wünschen.

Für mich selber ist es ja deswegen auch so, dass ich momentan ausgestiegen bin und mich genau versuche eben mit meinem Thema der Komplementärwährung in einen Bereich zu begeben wo ich sagen kann: Das empfinde ich als Berufung. Das macht mir einfach unglaublich viel Spaß dort Dinge zu bewegen, mit Menschen zu diskutieren, mich auszutauschen. Und letztlich auch auf dem Weg unsere Gesellschaft ein Stück zu verändern. Und ich sehe schon, ich komm relativ weit weg von dem Preisthema. Letztlich geht es darum, um Werte, um Wertschätzung. Und es fällt mir zunehmend schwerer zu sagen, ein Produkt ist das wert was sozusagen als Preis neben ihm steht.

Im Moment ist es so, dass ich sozusagen von meinen Ersparnissen lebe, um diese Komplementärwährungsgeschichte aufzubauen und dort Unterstützer zu finden. Wenn sozusagen kein Geld mehr nachkommt, bekommt jeder Euro, jede einzelne Einheit nochmal einen anderen Stellenwert. Als wenn ich weiß: Okay. Ich gebe irgendwie vielleicht 10% oder 20% oder 50% meiner Einkünfte im Monat aus. Ich weiß für viele mag es noch mehr sein. Aber als Freiberufler waren das damals durchaus Quoten, in denen ich irgendwo unterwegs war und zum Beispiel in der Schweiz gearbeitet habe.

Da was es durchaus so, dass ich 10% an Lebensunterhalt ausgeben musste und den Rest auf die Seite legen konnte. Und das ermöglicht mir eben jetzt diese Auszeit. In dieser Form mit Euch zu sprechen, über Themen anzuregen nachzudenken. Unsere ganze Welt oder vor allen Dingen unsere Gesellschaft und ihre ökonomischen und gesellschaftlichen Regeln infrage zu stellen. Und zu sagen, die Preise die dort drauf stehen, ist es das wirklich was wert, was da drin ist? Ihr seht schon, dass Preisthema interessiert mich sehr viel mehr als nur den reinen Warenaspekten.

Und bevor ich jetzt zu sehr in einen langen, thematischen, philosophische Abhandlung darüber gerate, kürze ich das Ganze ein bisschen ab und sag einfach nochmal: Überlegt Euch mal was es mit Euch macht, wenn Ihr genau wisst, dass ein Produkt in zwei, drei Monaten vielleicht mit 50% Rabatt verkauft wird. Seid Ihr dann noch bereit das ganze Ding jetzt schon zu kaufen? Oder wartet Ihr auch lieber ab? Und überlegt Euch ob Ihr das Geld, was letztlich Eure geronnene Lebenszeit darstellt, in irgendeiner Form dafür ausgebt. Oder dafür wirklich jetzt ausgeben wollt.

Weil schließlich ist das ja sozusagen der große Knackpunkt, den die EZB – um noch einen anderen Aspekt in Spiel zu bringen – die ganze Zeit versucht und bemüht, das Ihr ja nicht Euern Konsum aufschiebt. Sondern dass Ihr unbedingt so schnell wie möglich kaufen wollen sollt. Aber eigentlich sollt Ihr ja nur kaufen. Letztlich der Einzelhandel und auch das Internet, mit seinen vielen Rabatten und unterschiedlichen Preisangeboten für letztlich die gleichen Produkte. Eigentlich genau das infrage stellt. Das heißt wie viel ist ein Produkt tatsächlich wert. Und was ist es wert im Vergleich zu dem Preis der dort dran steht. Ich denke, dass da irgendwo einige Punkte drin stecken, wenn man sich anschaut warum diese Preise so unterschiedlich sind.

Dass man dann auch zu den Unternehmen zurückkommt und sich überlegen kann, natürlich ein Unternehmen will auch Gewinne machen, aber ist es seine primäre Aufgabe Gewinne zu machen? Das heißt: Was ist die primäre Aufgabe eines Unternehmen? Ist es Menschen zu beschäftigen, Menschen zu versorgen. Gute Produkte zu entwickeln. Oder ist die primäre Aufgabe eben tatsächlich – aus meiner Sicht dann leider nur – Gewinne zu machen. Weil nur für Gewinne diesen ganzen Aufwand, ist das nicht ein bisschen wenig? Letztlich ich als Mensch, mir geht es darum – also mir persönlich zumindest – meine Bedürfnisse zufrieden zu stellen. Auf die eine oder andere Weise.

In Kooperation und möglichst in freiwilliger Verbindung mit anderen Menschen. Und da ist dann die Frage: passen Unternehmen wirklich in diese Struktur. Also passen letztlich Unternehmen, so wie sie heute zu einem Großteil – ich möchte da vielleicht noch ein bisschen differenzieren, es geht hierbei nicht um Unternehmen sondern wahrscheinlich eher um Konzerne. Das heißt je größer und anonymer ein solches System letztlich funktioniert, desto weniger hat diese Struktur eine Erdung in der menschlichen Gesellschaft. Obwohl deutlich mehr Menschen dort arbeiten, ist sozusagen die Identität mit den Menschen deutlich geringer.

Das gibt es auch einen Film der dass, glaube ich, ein bisschen aufgreift, Corporations glaub ich heißt er. Da werden Unternehmen damit verglichen mit den Bewertungskriterien für einen Psychopathen. Der Hauptaspekt aus meiner Sicht ist, dass aufgrund der Strukturen die sich in einem Unternehmen herausbilden können, also nicht müssen sondern können und aufgrund der Größe dann eine gewisse Anonymität entsteht. Und aufgrund dieser Anonymität entsteht dann wiederum Verantwortungslosigkeit. Weil jeder meint nur im Namen von anderen zu handeln und für seine Einzelhandlungen nicht mehr verantwortlich ist. Aus dieser Anonymität heraus und der damit verbunden Verantwortungslosigkeit, passieren halt dann auch viele Dinge, die wir als verantwortliche Person, wahrscheinlich nie so entscheiden würden. Die wir uns aber als so ein Baustein in diesen Strukturen, nicht ausreichend reflektieren, nicht ausreichend Gedanken machen. Oder halt einfach auch keine Identität oder Identifikation mehr mit den Aufgaben dort haben. Ihr seht schon, weit weg von den Preisen aber letztlich hin zu dem Kern, zu der eigentlichen Frage: Was ist es wert, ein bestimmtes Produkt? Mit dieser Frage lasse ich Euch letztlich wieder zurück. Bis zum nächsten Video. Viel Spaß beim Reflektieren, warum es sinnvoll ist ein bestimmtes Produkt zu kaufen. Oder es vielleicht sinnvoller ist es nicht zu kaufen oder später zu kaufen. Auf ein nächstes Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #012: Urheberrecht (2016) https://martinfinger.de/mtb-012-urheberrecht-2016/ Tue, 12 Jan 2016 11:00:00 +0000 Nach über einem Jahr Bücherecke ein paar Gedanken zum Urheberrecht und ob es uns wirklich mehr Kultur und Fortschritt ermöglicht als es zugleich verhindert. Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.01.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine […]

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Nach über einem Jahr Bücherecke ein paar Gedanken zum Urheberrecht und ob es uns wirklich mehr Kultur und Fortschritt ermöglicht als es zugleich verhindert.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.01.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einer neuen Folge des Mem-Tagebuchs. Heute treiben mich gleich zwei Folgen um. Und das Thema der ersten Folge ist Urheberrecht. Jetzt nicht weil ich einfach mal ein bisschen darüber schimpfen will, warum mich das Ganze stört usw. sondern es ist sozusagen auch ein bisschen das Fazit von einem Jahr Bücherecke. Ich hab letztlich vor einem Jahr angefangen meine Idee umzusetzen, dass ich gerne einige Bücher die mich interessieren, die mir grundsätzlich zum Thema Geld oder andere Gesellschaftsordnung. Oder halt bestimmte Theorien, um Dinge plausibler zu erklären als es vielleicht die Ökonomie heute kann oder tut.

Auch ins Internet zu veröffentlichen. Einem anderen Zielpublikum per Videolesung zugänglich zu machen. Und mich einfach mit dem Thema auch noch mal insoweit auseinanderzusetzen. Die Bücher ein bisschen Einzudampfen sozusagen die Essenz versuchen daraus zu extrahieren. Nach einem Jahr bin ich vielleicht auch ein bisschen ernüchtert, was das Thema angeht. Nachdem das erste Buch, das Anarchiebuch von Horst Stowasser, ich da eigentlich einen ziemlich breiten Rahmen bekommen hab, nach so zwei, drei Mails hin und her, mit dem Verlag damals, war das Okay. Keine weitere große Beschränkung, keine weitere Nachfrage.

Einfach zu sagen bekommen: Okay, wir sind einverstanden. Ich kann das Video aufnehmen und hoffen, dass es sozusagen beidseitig nutzt. Ich hab vorhin gerade noch mal angeschaut, also das Video hat jetzt nach einem Jahr knapp 600 Views. Zumindest die dort gezählt sind. Mir ging es ja eh nicht darum, wie viele das jetzt tatsächlich anschauen, sondern einfach das Thema Anarchie selber auch mit Informationen zu unterfüttern. Das ist vielleicht so ein einfacher Einstiegt als jemand der sich tatsächlich dieses Buch direkt holt. Auf der anderen Seite: ich hatte natürlich noch einige andere Bücher, die sich mit bestimmten Themen die mich interessiert haben beschäftigt haben.

Und es ist schon erstaunlich wie unterschiedlich letztlich die Verlage dort reagiert haben. Das interessanteste war wahrscheinlich, wie auch das Ganze Urheberrecht oder die Seite der Verlage jeweils unterschiedlich verstanden wurde. Bei einem Buch war es letztlich so, da habe ich auf die Anfrage eine Aussage bekommen in der Form: sie sind ja aufgrund des Urheberrechts gezwungen zu verhindern, dass irgendwie dieses Buch anderweitig benutzt wird oder größere Stücke in anderer Form verbreitet werden, als über den Verlag oder über dieses Buch selber. Und da denke ich mir schon, wie missverstehen kann man denn das Urheberrecht überhaupt.

Unterstell ich mal, dass es zumindest tatsächlich in der Entstehungsgeschichte, die Absicht tatsächlich gab, die Autoren als solche zu schützen und ihnen Einnahmen zu ermöglichen und von ihrer Arbeit zu leben. Weil das ist ja zumindest immer noch das, was ich sozusagen auf der positiven Seite dem Urheberrecht zugutehalte und unterstelle, dass das die Intention war. Und es vielleicht nicht unbedingt das damit zu tun hat, was heute daraus gemacht wurde. Allerdings beginnt dann schon die erste Frage: Die Dauer, wie lange das letztlich geschützt ist, ist ja inzwischen, ich glaube auch in Deutschland, 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Und da frage ich mich: Okay. Wer soll denn da jetzt eigentlich geschützt werden?

Die Frage ist, wieso müssen jetzt auch die Angehörigen sozusagen noch in der Hinsicht alimentiert werden, wenn derjenige ein erfolgreicher Autor war, zu sagen: Okay, auch die können noch von seinen Tätigkeiten letztlich profitieren. Und letztlich ist die Systematik, in welcher Hinsicht, dass aus meiner Sicht, zumindest das Urheberrecht entwickelt hat, nicht unterschieden letztlich von dem Thema der Kapitaleinkünfte. Die ich aber jetzt hier in dem Video nicht weiter ausführen möchte. Von der Systematik ist es letztlich eine Alimentierung und was mir da wichtig ist zu überlegen: inwieweit denn tatsächlich diese Beschränkung der Weiterverwendung, die Frage ist auf welche Grundlage, mit welchen Überlegungen sollte das tatsächlich passieren.

Weil ich hab auch mal eine Dokumentation gesehen, da ging es eher so um Filme die gemacht wurden. Und auch selbst die Meisterwerke wie Star Wars, also die ersten Filme, die sozusagen einen neuen Bereich erschlossen haben oder 2001 – Odyssee im Weltraum, die in ihrer Form irgendwie Kult geworden sind oder zumindest einen Sonderstatus erreicht haben. Aber letztlich all diese Filme sind nie aus dem Nichts entstanden. Sie alle, wenn man das nachschaut, hatten ihre Vorläufer, ihre Vorform, ihre bestimmten Analogien, die sozusagen in anderen Filmen schon vorweggenommen worden sind.

Letztlich ist die Frage bei den Filmen, die auch ihre Vorläufer hatten: Warum jetzt dieser oder jene Film dann grundsätzlich geschützt ist? Weil die Idee oder das was sozusagen aus anderen Werken entnommen wird, dann auch nur bedingt geschützt ist oder gar nicht geschützt wird. Jemand der schon vorher einen ähnlichen Plot geschrieben hat, aber aufgrund seines Umfeldes oder aufgrund des Verlages in dem er veröffentlicht hat, letztlich nie bekannt geworden ist. Und dann jemand anderes, der vielleicht das Glück hatte, schon die einen oder anderen guten Verbindungen zu haben. Und dann den Durchbruch damit schafft. Die Frage ist auch so aus dem wissenschaftlichen Bereich.

Es ist immer die Aussage: Wir stehen auf den Schultern von Riesen. Unsere Kultur ist schon Jahrtausende alt. Und hat so viele Dinge entwickelt, hält Dinge für uns bereit, die wir letztlich nutzen können und darauf zurückgreifen. Und jetzt haben wir plötzlich in der Gegenwart so diesen Cut, das heißt es ist erst das Verfügbar, was 70 Jahre nachdem der Schaffer dieses Werkes gestorben ist. In USA ist das Ganze ja noch ein bisschen schwieriger, weil das sozusagen dann an Unternehmen verkauft wird. Im Gegensatz zu Deutschland, wo das Urheberrecht nicht von der Person wirklich gelöst werden kann, sondern nur Nutzungsrechte eingeräumt werden können. Ist es in USA: das kann komplett an Firmen übertragen werden.

Wobei dort dieses Lebensalter an der Ursprungsperson trotzdem noch irgendwie gekoppelt ist. Wer weiß ob das bleibt. Für mich ist das ein riesen Kritikpunkt, zu sagen: Was kommt da für ein Stopp, oder was ist im Endeffekt schon für ein Stopp entstanden, gegenüber der vielfältigen Möglichkeiten im Internet. Ich weiß nicht ob das zur Internetblase damals: Mix, Rip and Burn. Auch so ein bisschen diese Content-Politik, zu sagen: hey, da finde ich irgendwas im Internet, mit dem fange ich irgendwas an, mach da was Neues draus. Mix das irgendwie zusammen und gebe dem eventuell neuen Kontext, einen neuen Rahmen, neue Informationen.

Oder ich verkürze einfach was auf interessante Meme, die sich dann vielleicht stärker verbreiten als der eigentliche Inhalt. Aber all diese Dinge sind aus meiner Sicht eben, durch das Urheberrecht insbesondere, so wie es heute fungiert, wie es heute genutzt werden kann, beschränkt. Was ich persönlich sehr schade finde. Um auf die Bücher zurück zu kommen. Der Anstoß warum mich das Thema einfach noch mal interessiert und ich als Resümee die Ernüchterung nach 12 Monaten und verschiedenen Mailaustausch mit einzelnen Verlagen. Manche muss ich sagen, okay, die waren ganz fair, die waren ehrlich, die haben gesagt, sie betrachten so ein Video halt als Konkurrenz, weil sie das Buch noch als Audio-Book letztendlich vertreiben wollen.

Das heißt da ist das Format dann doch zu ähnlich, als wenn ich da größere Teile vorlesen würde. Haben grundsätzlich aber gesagt, dass ich natürlich das Thema als solches besprechen würde. Also als Werbung gerne gesehen, aber wehe es wird der Umsatz dabei letztlich gefährdet. Das soll natürlich nicht stattfinden. Und darüber hinaus, gilt das Ganze natürlich genauso für Markenrechte, also Markenschutz und Patentrecht. Das klassische Argument, wo immer gesagt wird, ohne Patentrecht würden keine Medikamente entwickelt werden usw.

Wenn das die einzige Grundlage ist, dass Medikamente entwickelt werden, dann sollten wir auf die Medikamente vielleicht auch besser verzichten, weil das was sozusagen nur wenigen Menschen hilft und am Ende doch keinen Gewinn erwarten lässt, wird ja eh nicht entwickelt. Also ist es aus meiner Sicht nicht wirklich das klare Argument zu sagen: Der Patentschutz würde uns die besseren Medikamente verschaffen. Es gibt ja auch einzelne Untersuchungen hier, dass letztlich das Patentrecht nur in der Hinsicht genutzt wird, neue Medikamente, teilweise nicht mal unbedingt mit neuen Wirkstoffen, auf den Markt zu bringen, weil ältere auslaufen. Damit man wieder letztlich diese Schutzfristen nutzen kann. Aus freiheitlicher Sicht halte ich letztlich von diesen ganzen Elementen gar nichts.

Die das was jeder Mensch, sei es Erfinder, sei es Autor, sei es sonst irgendein Kreativer. Er basiert, aus meiner Sicht, auf einer Kultur, auf einem Wissen, auf Informationen die teilweise Jahrhunderte und Jahrtausende alt sind. Und wenn er diese letztlich nicht so kostenfrei nutzen könnte, könnte er auch seine Werke nicht in der Form schaffen oder verbreiten oder in irgendeiner Form nutzbar machen. Mein Plädoyer wäre auf jeden Fall dazu, weiter in die Richtung zu gehen, Thema: open Content. Das geht bis hin in die Technik. Das auch dort Dinge patentfrei geschaffen werden. Und natürlich niemand muss mit mir diskutieren, zu sagen: Diese Leute brauchen doch etwas, womit sie für ihren Lebensunterhalt sorgen können.

Das ist halt bei uns leider immer noch, das Primäre, das Erwerbseinkommen. Weil wir kaum andere Möglichkeiten haben, in unserer vernetzten und arbeitsteiligen Welt, gegenseitig zu versorgen. Ganz klar. Also ich möchte nicht zurück in eine Subsistenzwirtschaft, in der letztlich die Dinge die ich hier mache: Videos zu produzieren, Vorträge zu halten. Mich mit Ideen auseinanderzusetzen, Visionen zu entwickeln. Das könnte ich nicht, wenn ich mich tagtäglich letztlich um meine Ernährung sorgen müsste. Und zwar in der Form, dass ich auf irgendeinem Feld arbeite und keine Maschinen einsetzen könnte. Weil ich selber könnte nie alleine in meiner Lebenszeit überhaupt einen einzigen Trecker produzieren.

Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Vielleicht könnte ich es noch hinschaffen, irgendeinen Pflug zusammenzuzimmern. Vielleicht mit der Hilfe eines Schmiedes. Wir haben schon unglaubliche Vorteile durch die Arbeitsteilung. Und wir sollten darauf achten, dass letztlich diese Information und das Wissen auf dem dieses alles basiert auch weiterhin zugänglich bleibt. Und nicht in den Händen weniger Großkonzerne dann liegt, weil die, die Anwälte haben. Soweit das erste Thema, einfach mal darüber nachzudenken: das Urheberrecht, was soll es schützen, und ist es in der Hinsicht erfolgreich, dass es das was es schützen soll wirklich schützt.

Und wenn nicht, dann ist die Frage: Was wären die Alternativen? Also wie lässt sich es regeln, dass ein Autor, ein Content-Produzent, ein Erfinder, ein Entwickler angemessen – was auch immer das wieder heißt – entlohnt werden. Und ihren Lebensunterhalt fristen können, um diese Dinge zu tun. Ohne dass die negativen Effekte überwiegen. Andere Gruppen, sei es zum Beispiel in der Computerindustrie. Es ist ja zum Beispiel sehr spannend, was die Chiphersteller und Grafikkartenhersteller usw. wie sie sich dann gegenseitig ihre Patentschlachten und Rechtsanwälte auf den Hals hetzen.

Um die anderen daran zu hindern, dass Erkenntnisse genutzt werden. Solange sie nicht dafür auch weiter bezahlen. Einfach mal zum Nachdenken. Viel Spaß dabei. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #011: Freier Wille (2015) https://martinfinger.de/mtb-011-freier-wille-2015/ Fri, 11 Dec 2015 11:00:00 +0000 Dieses Mal ein paar Gedanken zum freien Willen und ob das Experiment aus der Gehirnforschung, welches herausgefunden hat, dass in unserem Gehirn eine Entscheidung bereits ersichtlich ist, bevor es uns bewusst wird, dass wir uns entschieden haben, so zu verstehen ist, dass der freie Wille nicht existieren würde. Die ursprüngliche Aufnahme vom 11.12.2015 findet Ihr […]

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Dieses Mal ein paar Gedanken zum freien Willen und ob das Experiment aus der Gehirnforschung, welches herausgefunden hat, dass in unserem Gehirn eine Entscheidung bereits ersichtlich ist, bevor es uns bewusst wird, dass wir uns entschieden haben, so zu verstehen ist, dass der freie Wille nicht existieren würde.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 11.12.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen heute zu einem weiteren Mem-Video. Wahrscheinlich das letzte für 2015. Das Thema um das es mir heute geht, ist der freie Wille. Anlass ist, natürlich wie so häufig, etwas was ich wieder erlebt habe. Das eine sind Gespräche mit Freunden und das andere auch, weswegen ich das Video, nicht als Antwort, aber vielleicht einfach als Kommentar, als Anregung sozusagen mit betrachte zu dem Video was Oliver Heuler („Der freie Wille — oder: Meine psychische Störung“, 35 Minuten), glaub jetzt schon vor bald über einem Jahr gemacht hat zum Thema, dass für ihn im Endeffekt der freie Wille eben nicht mehr existiert bzw. er an diesem Konzept nicht weiter festhält.

Und es für ihn eine Erleichterung darstellt. Das kann jeder machen wie er will. Für mich persönlich, ich möchte halt am Konzept des freien Willens durchaus festhalten. Und möchte daher zunächst mal das Experiment auf das er sich dort berufen hat, indem es darum ging, dass Menschen im Labor untersucht wurden, beobachtet wurden, während die Aufgabe bestand irgendwann zu entscheiden, eine Handbewegung, irgendetwas auszuführen und später zu sagen: Wann sind sie denn der Ansicht, dass sie sich bewusst entschieden haben diese Bewegung durchzuführen?

Und da ist letztlich das Spannende, weswegen ich sozusagen das Experiment als solches sage, dass unterliegt einem systematischen Fehler. Also zumindest in der Interpretation, dass dieses Experiment belegen würde, dass der freie Wille nicht existiert. Weil hier Bewusstsein und freie Wille gleichgesetzt wird. Für mich ist im Endeffekt das Bewusstsein ein ganz anderer Bereich in unserem Gehirn, in unserem Selbst, in unserer Ich-Konstruktion, als der freie Wille, der eine ganz andere Schnittmenge von den Gehirnstrukturen besitzt. Natürlich gibt es hier Überschneidungen in diesen beiden Sphären, aber sie sind auf jeden Fall nicht Deckungsgleich.

Und allein der Gedanke, dass, nur weil die Menschen sich in der Zeit vertun, das heißt das ihr, letztlich auch wieder ihr Bewusstsein, weil sonst hätten sie das ja nicht äußern können wann sie meinen, dass ihre bewusste Entscheidung stattgefunden hat, sie darüber hinwegtäuscht, wann der Prozess als solches abgelaufen ist. Wann welche Mechanismen im Gehirn ablaufen, die für die Entscheidungsfindung, für die Ausführung der Bewegung usw. dann tatsächlich genutzt werden. Und das ist eben für mich einfach zu sagen, erstmal Zeit. Zeit ist ein mindestens ebenso großes Konstrukt oder halt ein Konzept, wie das Bewusstsein oder der freie Wille.

Deswegen ist es schon mal schwierig zu sagen: Was soll denn die Zeit eigentlich sein? Weil man ist eigentlich gar nicht in der Lage, dass objektiv so zu handhaben, das dieser Zeitpunkt, dass das irgendwie wirklich mit diesem Ablauf zusammen hängt. Sondern Zeit ist eben etwas was einfach im Gehirn konstruiert wird. Das diese Konstruktion letztlich nicht damit übereinstimmt, wann das Gehirn das tatsächlich macht, das ist einfach das unser Bewusstsein halt entsprechend beschränkt ist. In der Hinsicht, dass wir gar nicht in der Lage sind, alles im Sinne des Bewusstseins wahrzunehmen was in unserem Körper funktioniert, was in unserem Körper abläuft.

Das heißt aber doch nicht, dass im Umkehrschluss, nur weil ich mir nicht darüber im Klaren bin, wie die biologischen Abläufen im Einzelnen in mir stattfinden, dass ich deswegen auch automatisch keine letztlich höheren kognitiven Entscheidungen im Sinne von einer Wahl zwischen A und B in der Lage bin zu treffen. Die tatsächlich eine Willensentscheidung letztlich beinhaltet, als nur ein reiner Automat, der sozusagen nur auf Einflüsse, Reize reagiert. Und eben nicht in der Lage ist sich anzupassen, zu verändern, über genetische Mutationen hinweg, auch eben im lebenden Objekt noch Veränderungen wieder herbeizuführen.

Und da ist für mich letztlich die Schnittstelle zu sagen, das Bewusstsein ist für uns: ich hab mich zum Beispiel sehr stark mit NLP (Neuro-Linguistischer Programmierung) beschäftigt. Und da ist der Gedanke, dass Bewusstsein ist so letztlich die Schnittstelle, die wir aktiv steuern können, über die wir aktiv Programmierung in uns selbst vornehmen können. Aber diese Programmierungen werden sozusagen Bestandteil unseres Ichs. Und damit auch unserer Willensentscheidungsfindung. Mein Beispiel dafür ist: jeder der schon mal Autofahren gelernt hat, wird wissen, im Vergleich zur ersten Autofahrstunde und wie man im Endeffekt Auto fährt nachdem man, meinetwegen zwei, drei Jahre Autopraxis hinter sich hat.

Und wie überfordert man in der ersten Stunde war. Diese ganzen Verkehrsregeln beachten, schalten, Gas geben, lenken, blinken und dann noch eventuell auch keinen überfahren. Wie anstrengend das gewesen ist. Aber letztlich über die Schnittstelle unseres Bewusstseins, haben wir automatisierte Skripte geschaffen, die uns, wenn wir heute versuchen mal daran zu denken: Okay, mit welchem Fuß steige ich jetzt gerade auf die Bremse, Kupplung, Gaspedal. Wann setze ich welchen Fuß wohin ein. Gerät das Ganze sofort ins Stocken.

Weil plötzlich das vorher geschriebene Automatisierungsskript, was im Unterbewusstsein, aber trotzdem unter dem Aspekt des freien Willens. Weil ich habe es ja dort an der Stelle es tatsächlich freiwillig irgendwo reingeschoben, zu sagen: weil ich wollte das lernen. Ich wollte eben Autofahren lernen, damit habe ich sozusagen einen Baustein geliefert, der jetzt aber in einem anderen Bereich abgearbeitet wird. Genauso wie wir auf dem Rechner nicht ständig mit allen Programmen die dort laufen konfrontiert sind. Ist es im Endeffekt in unserem Gehirn genauso. Eben für mich ist das Bewusstsein als solches nur die Schnittstelle zu unserem Gehirn. Insbesondere dann zu diesen verschiedenen Konzepten die wir selber über uns haben. Vor wegen die Abgegrenztheit des Körpers.

Das eigene Ich als Persönlichkeit. Und eben auch als Konzept die Frage des eigenen Willen, also bzw. des freien Willens vor allen Dingen. Wovon ist im Endeffekt die Entscheidungsfindung abhängig. Und was natürlich sehr, sehr spannend ist in dieser ganzen Gehirnforschung, diese Rahmenbedingungen die Entscheidungen beeinflussen tatsächlich weiter zu untersuchen und zu hinterfragen. Weil das ist letztlich für mich der Baustein zu sagen, da wo die Entscheidungsfindung auf Autopilot läuft. Oder halt auf Einflüssen beruht die wir nicht kennen. Ist es doch gut wenn wir uns damit auseinandersetzen, weil wir haben ein Bewusstsein.

Selbst Dinge wo wir nicht wissen, dass wir uns eigentlich auf unbewussten Grundlagen entscheiden. Und die uns vielleicht die Entscheidung verfälschen. Das wir dort bewusster werden und sagen: Ah, Moment, das ist hier eine Rahmenbedingung, in der kann ich mich nicht frei entscheiden. Da werde ich unbewusst beeinflusst. Ich kann diese Beeinflussung eventuell nicht im Moment aufheben. Aber ich kann verhindern, dass ich die Entscheidung jetzt treffe. Ich kann mich aus der Situation herausziehen. Was meine ich damit: das eine ist, dass wir letztlich keine fundamentalen Entscheidungen treffen, wenn wir emotional aufgewühlt sind, wenn wir wütend sind usw. das wir da nicht einfach lospoltern und sagen, vergiss es. Ich schmeiß Dich raus. Oder: Lass mich in Ruhe.

Will ich nichts mit zu tun haben. Weil wir es nicht neutral anschauen können. Auf der anderen Seite sind aber auch die gegenteiligen Situationen genauso gefährlich. Nach dem Motto, der sympathische Berater der uns irgendetwas aufschwatzen will. Und mit so schönen objektiven Argumenten kommt. Wo wir nicht in der Lage sind an der Stelle diese Objektivität tatsächlich in Zweifel zu ziehen. Wie gesagt, sind das alles nur einzelne Bausteine. Zu sagen: es ist besser zu wissen, wo die Grenzen unseres Bewusstseins sind. Aber deswegen nicht gleich den freien Willen wegzuwerfen. Weil viele von diesen Dingen, die Oliver Heuler da angesprochen hat, die es ihm erleichtern dann eben zum Beispiel mit Scham und Schuld und Verantwortlichkeiten umzugehen.

Ich denke das geht auch mit dem Konzept der Freiheit, das ich sagen kann ich bin frei. Es gibt keine Notwendigkeit Scham oder Schuld zu fühlen. Die Frage ist, inwieweit ich eben nicht nur ein Automat bin, der letztlich von äußeren Einflüssen angestoßen werde oder zufällige Ereignisse. Sondern ob ich selber auch jemand bin, der Ursachen setzen kann. Das heißt, dass ich für meine eigenen Entscheidungen sehr wohl in der Lage bin zu sagen: Diese Ursache setze ich jetzt, indem ich zum Beispiel ein Buch lese, mit einem bestimmten Thema. Dann bin ich informierter darüber. Und dann kann ich eine ganz andere Entscheidung treffen.

Als wenn ich nicht vorher mich entschieden hätte diese Buch zu lesen. Und mich weiter darüber zu informieren. Das also für mich wäre der freie Wille letztlich erst dann zumindest in Frage stellbar, wenn dieses Experiment nicht so funktioniert von wegen: Okay. Wir kucken jetzt mal, wann Dein Gehirn sozusagen so weit ist. Wir kucken mal wann Du meinst so weit gewesen zu sein. Weil, wie gesagt, Zeit ist für mich eine viel größere Illusion. Und das wir letztlich in diesem Rahmen unglaublich gut getäuscht werden können. Weil wir überhaupt kein vernünftiges oder kein objektivierbares Zeitempfinden haben, wenn wir nicht gerade auf eine Uhr kucken.

Weil Minuten und Stunden sind für uns vom Gefühl her, je nachdem in welchem Zustand wir uns befinden, sozusagen gleichwertig. Deswegen ist auch dieses mit diesem wandernden Punkt, der dargestellten Uhr, ich denke an dem Zeitpunkt hat das stattgefunden. Ist für mich letztlich nicht die Aussagekraft, dass das eben mit dem freien Willen verbunden ist. Das Experiment um das es geht, ist letztlich wenn die Geisteswissenschaft sagen kann: Ich stehe vor zwei Türen A und B. Ich habe mich jetzt entschieden, durch Tür A zu gehen. Jetzt sagt mir die Geisteswissenschaft oder halt beobachtende Hirnforschung, sagt jetzt: Okay. Ich habe gesehen Du hast Dich jetzt entschieden durch Tür A zu gehen. Das kannst Du jetzt nicht mehr verhindern, Du wirst diesem Impuls folgen müssen.

Und das glaube ich einfach, dass das nicht stattfindet. Weil erst dann wäre sozusagen mein freier Wille ausgehebelt. Im Determinismus zu sagen, die Geisteswissenschaft kann jetzt voraussagen, nachdem sie mir gesagt hat, für welche Tür ich mich entschieden habe, dass ich auch durch diese Tür gehen werde. Und zwar ohne, dass sie mich an der Stelle weiter beobachtet. Sondern das sie eben, mit dieses Ergebnis sozusagen vorwegnimmt. Und dann hundertprozentig richtig liegt, ob ich jetzt tatsächlich durch Tür A gehen werde. Oder von mir aus auch, dass sie sagt das ich dann durch Tür B gehen werde. Weil sie kann ja sozusagen spekulativ dann zumindest feststellen ob ich selber eher widerspreche oder ob ich diesen Aussagen folgen würde.

Das eben nicht nur auf rein statistischen Annahmen usw. Weil natürlich ist die Frage: Ist unser Gehirn dann so stark durchsichtig. Allein Strukturen, Verschaltungen, da ist das eine stärker, das andere schwächer ausgeprägt, um dann tatsächlich sagen zu können: Okay, der Typ geht, nachdem wir ihm gesagt haben, er geht durch Tür A, wird durch Tür A gehen. Und der Typ wird, nachdem wir es ihm gesagt haben, durch Tür B gehen. Das wäre, dass die Geisteswissenschaft wirklich beweisen kann, dass der freie Wille in der Hinsicht eine Illusion ist, weil ich mich nicht mehr entscheiden kann.

Sondern weil zumindest meine Entscheidungsstrukturen deterministisch angelegt sind, in der Hirnstruktur wie sie dann ist. Und das ich darüber tatsächlich keine Änderung herbeiführen kann. Das heißt, auch wenn ich das Experiment nach einem oder zwei Monaten wiederhole und was auch immer ich dann getan habe, weiterhin auf diese Vorhersage ausgeliefert bin. Das glaube ich einfach nicht. Dazu halte ich unser Gehirn, trotz aller biologischen Grundlagen in der Genetik und unsere ganzen Umwelteinflüsse, doch für zu variabel, über die Schnittstelle des Bewusstseins, den eigenen Willen, die eigenen Handlungsmöglichkeiten, die eigenen Handlungsoptionen und Strategien, letztlich in die Hand zu nehmen, zu sagen:

Ich habe darauf einen aktiven Einfluss. Ich kann das machen. Natürlich alles nur im begrenzten Rahmen oder vielleicht nur im begrenzten Rahmen. Weil das ist ja auch immer die Frage, ob unsere Überlegung und Wissenschaft schon so weit ist zu sagen: Das können wir noch nicht erklären. So wie wir zwar Licht und Elektrik soweit heute Teilchen zuordnen können, in Sinne von Photonen und Elektronen. Ist die Sache bei der Gravitation noch nicht geklärt. Genauso wie auch der Magnetismus. Wir haben keine Erklärung wie diese Energien tatsächlich übertragen werden. Wir können sie nachweisen, wir können sie messen. Bei Gravitation sogar noch ein bisschen schwieriger.

Weil da ist auch der Nachweis in der Hinsicht schwierig, so wie wir gerade aktuell dabei sind zu kucken ob sowas wie Gravitationswellen gibt. Das sind Aspekte zu sagen, da ist noch viel Spielraum, da ist noch verdammt viel Luft auch zu verstehen, das Geist, das was ich sagen würde, wo unser freier Wille irgendwo mit reinspielt, eben über die Physis hinaus, dass da etwas ist, das da etwas passiert. Obs da jetzt sowas wie Schicksal oder so weit gibt, das sind nette philosophische Betrachtungen. Ich mag die Geschichte, dass es so etwas wie Schicksal gibt, nicht festgezurrt, aber zumindest Ideen davon. Das ist ein anderes Thema, worüber man auch noch lange, lange philosophieren kann.

Und letztlich ist eben immer wieder die Frage: Was verschafft mir mehr Freiheit im Leben, als Mem? Das heißt, dass alles sind nur Gedanken und Konstrukte, je nachdem welche ich benutze kann es sein, dass ich mich als freier Mensch erlebe oder als gefangener Mensch. Und da noch als Abschlussgedanken. Ich denke, dass wir uns vor allen dann als frei erleben, wenn letztlich unsere innere Freiheit kleiner ist, als unsere äußere Freiheit. Darüber könnt Ihr jetzt mal ein bisschen drüber nachdenken. Weil letztlich die ganze Forschung die heute im Bereich Psychologie gemacht wird. Was dann auf die Werbung zurück wirkt.

Aus meiner Sicht genau das sehr gefährdet. Das heißt, dass wir unfreier werden, weil wir nicht mehr wach genug sind. Weil wir dahin beeinflusst werden, dass unsere innere Freiheit soweit abnimmt, allein durch Konzepte mit denen wir begleitet werden. Sei es Demokratie, Menschenrechte usw., dass die letztlich dafür sorgen, dass unsere innere Freiheit so klein ist, dass man uns in der äußeren Freiheit so stark einschränken kann und wir es nicht mal merken. Also bzw. nicht mal dagegen aufbegehren, rebellieren. Eine Metallfessel am Bein wird jeder sofort merken. Aber im Endeffekt eine Fessel die nicht mehr sichtbar ist. Und die letztlich nur aufgrund des nicht mehr an die Grenzen stoßen des Individuums nicht mehr bemerkt wird. Das ist aus meiner Sicht noch eine ganz andere wiederum spannende und lange Diskussion. Habt Ihr etwas über den Jahreswechsel Euch auch ein bisschen damit auseinanderzusetzen. Und selbst zu überlegen wie Ihr das seht. Ob Ihr Euch den freien Willen wegen einer Sekunde Bewusstseinsirrtum nehmen lassen wollt. Oder ob Ihr sagt: Ja, ich kann besser damit leben wenn es den freien Willen nicht gibt. Und ich letztlich irgendwo ein Automat meiner Umwelt und meiner Gene bin. Das Ganze nur eine Illusion ist. Viel Spaß und bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #010: Meinungsfreiheit (2015) https://martinfinger.de/mtb-010-meinungsfreiheit-2015/ Wed, 21 Oct 2015 11:00:00 +0000 Dieses Mal ein paar Gedanken darüber, wie sich zwei Gruppen auf Meinungsfreiheit berufen und zugleich der jeweils anderen Gruppe diese Freiheit aberkennen wollen. Die ursprüngliche Aufnahme vom 21.10.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken […]

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Dieses Mal ein paar Gedanken darüber, wie sich zwei Gruppen auf Meinungsfreiheit berufen und zugleich der jeweils anderen Gruppe diese Freiheit aberkennen wollen.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 21.10.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommene zu einer neuen Folge des Mem Videos. Heute aus nahezu aktuellem Anlass geht es um das Thema Meinungsfreiheit. Mein persönlicher Anlass dazu ist: ich war vor etwa anderthalb Wochen hier auf einer Montagsdemo. Die wohl sowohl eine Demo von der Pegida stattgefunden hat, als auch eine entsprechende Gegendemo, gegen Pegida oder für multikulti oder für ein buntes Würzburg. Aber abgesehen davon, fand ich es erstmal sehr interessant mich persönliche davon zu überzeugen wie das Ganze eigentlich abläuft.

Bin vorher noch, bevor die Straßen abgesperrt wurden, durch den Bereich gelaufen in dem sozusagen die Pegida Demonstranten später dann, ich würd ja sagen „Eingesperrt wurden“, aber eigentlich sollte es eine freie Meinungsäußerung sein. Aber für mich hatte das Ganze trotzdem den Eindruck eines Einsperrens. Und in diesem Rahmen die Leute dann ihre Meinung kundtun dürfen. Auf jeden Fall war es interessant zu sehen, wie viel Polizei dort aufgeboten wurde. Und 20 Mannschaftswagen standen da auf dem Residenzplatz. Die Polizisten verteilt, überall Straßensperren. Beziehungsweise solche Sperrgitter womit dieser Demonstrationsweg abgesperrt worden ist. Ich habe mich ein bisschen umgeguckt, vorher.

Einige Stunden vorher hat eben diese Gegendemo stattgefunden. Und sind dann eben in Richtung auf dieses andere Demonstration zumarschiert. Irgendwann ist mir dann sozusagen der Schwarze Block, wie es so schön heißt, vorneweg mit ihren Parolen entgegen gekommen. Und das ist letztlich das, was das Thema bei mir die ganze Zeit schon so irgendwie antriggert oder halt in Frage stellt. Was ist das eigentlich für eine Meinungsfreiheit? Weil die Parole die dort letztlich von den Linken. Ich nehme mal diese Begriffe, weil die üblich sind, dort mit rein. Die Parole an der Stelle war: „Kein Recht auf Nazi‑Propaganda.“ Was ich, wenn ich mir diesen Satz ein bisschen genauer anschaue.

Eigentlich auch schon ziemlich absurd finde. Weil die Linken sind doch eigentlich irgendwie Sozilisten oder sozialistisch angehaucht. Und dann sagen sie, Nationalsozialisten dürfen aber ihre Meinung nicht äußern. Das heißt sie sagen eigentlich: „Sozialisten dürfen nichts sagen, was ihnen nicht in den Kram passt.“ Also irgendwie schon ziemlich absurd mit diesem angeblichen Links, Rechts. Wo auf beiden Seiten doch Sozialisten stehen. Aber auf der anderen Seite, was ich dann später zumindest von der Pegida gehört hab. Solche netten Parolen wie von wegen: „Merkel muss weg.“ Ist auch die Frage: Was soll denn da verschwinden? Als ob die Merkel wirklich sozusagen der einzige Anlass und Impetus ist, warum jetzt so, wie wir aktuell mit Flüchtlingen verfahren, verfahren wird.

Wenn eines was bei der Merkel vorhanden ist, ist es keine persönliche Meinung. Sondern sie schwimmt letztlich immer auf der Meinung der Menschen in diesem Land. Wenn die Menschen nun mal mehrheitlich meinen sie müssten die Welt retten, dann wird Merkel dort vorneweg laufen. Wenn die Menschen sagen, wir wollen die nicht mehr retten, wird Merkel die erste sein die die Grenzen dicht macht. Also das auf jeden Fall ganz sicher. Aber eben ich finde es halt sehr merkwürdig, dass sich im Endeffekt beide Seiten damit bekämpfen zu sagen, dass läuft auf der einen Seite unter Meinungsfreiheit. Sie wollen ihre Meinung äußern. Aber sie wollen nicht zulassen, dass die andere Seite diese Meinung ebenfalls äußert.

Und das ist doch einfach dieser Widerspruch auf den ich ganz gerne einfach mal deutlich machen möchte. Und nochmal abheben möchte zu sagen, wie absurd ist es denn auf der einen Seite auf dieses Recht: „Ich durfte meine Meinung äußern.“ Und es allen anderen abzuerkennen. Mir persönlich ist es da eigentlich viel lieber auf der einen Seite mit Voltaire zum Thema Toleranz zu sagen: Solange Du alle anderen tolerierst und ihre Meinung zulässt, sei Dir das Recht auch gestattet. Aber wenn Du es nicht gibst, kannst Du es auch nicht bekommen. Und von daher ist Toleranz im Endeffekt erst mal der Grundanker, mit dem ich mir zumindest wünsche, dass andere Menschen so einander begegnen.

Weil nur dann kann überhaupt Kontakt entstehen. Und man sich vielleicht auch wieder verbinden und treffen und die Sorgen und Ängste von anderen Menschen wahrzunehmen. An der Stelle, neben der Toleranz, ist für mich dann wieder Kant und nicht der kantische Imperativ alleine, sondern letztlich sein Vertrauen auf die Vernunft. Zu sagen, es ist doch vernünftig mit anderen Menschen zu reden, statt letztlich dann Gewalt anzuwenden. Weil die Polizisten die da dazwischen standen, die in diesen schwarzen Uniformen schon ziemlich martialisch aussahen. Immerhin haben sie die Helme abgelassen, so dass man zumindest sehen konnte, dass da Menschen drin stecken. Es ist schon sehr beeindruckend wie die dann die Demonstration begleitet haben.

So im langsamen Dauerlauf sozusagen dann mitgelaufen sind. Um dann jeweils die aktuellen Sperren noch mal manntechnisch zu verstärken. Und wie gesagt für mich ist das einzige Bild was dabei rüber kommt: Ich kann eine Meinung in dieser Form nur Äußern, indem ich letztlich eingesperrt werde, damit ich von anderen, die eigentlich auch das Recht auf Meinungsfreiheit irgendwie für sich beanspruchen anderen nicht gönnen wollen. Und für mich ist einfach wichtig zu sagen, wenn wir uns schon einander begegnen, halte ich es immer noch für sinnvoller Argumente auszutauschen. Und Argumente heißt nicht, wer die schlagkräftigeren Fäuste hat oder die lauteren Trillerpfeifen oder sonst irgendwelche Dinge.

Sondern letztlich tatsächlich intelligente Argumente, Gedanken, Worte miteinander zu reden. Weil das ist doch im Endeffekt das was Frieden und Freiheit sichert: miteinander zu reden, statt sich gegenseitig anzugreifen und einzusperren. Es ist absurd für die Meinungsfreiheit und für die Freiheit anderer einzustehen, wenn man gleichzeitig sagt: andere dürften, egal was für Gründe sie haben oder was für Ängste sie tragen. Diesen Menschen einfach dann zu sagen: „Nein. Eure Ängste gehören hier nicht her. Wir vertreten Euch nicht.“ Was ja auch noch dieses anmaßende Primat von Politikern wohl ist.

Die dann sagen, mit Leuten die im Endeffekt im Pegida Raum sich irgendwie aufhalten, die gehören hier nicht her. Die sind im Endeffekt keine Menschen. Letztendlich stellen sie sich damit auf die gleiche Seite, was sie den Pegida Leuten ja vorwerfen. Die diese gleiche Paroli gegenüber anscheinenden Flüchtlingen anbringt. Zu sagen, wir wollen die Flüchtlinge nicht hier haben und die, die Flüchtlinge hier haben wollen sagen, wir wollen die Menschen nicht hier haben, die was gegen die Flüchtlinge hier haben. Also es ist doch absurd. Das heißt beide stehen letztlich auf der gleichen Seite und bekämpfen sich mit den gleichen Argumentationen. Und merken nicht, dass im Endeffekt Freiheit und Meinungsfreiheit damit überhaupt nichts zu tun hat, sondern im Gegenteil. Das ist genau das wo Demokratie hinführt, zu sagen: hier herrschen nur die Meinungen, die im Endeffekt von anderen zugelassen werden. Und alles andere kannst du vergessen. Individualität ist dann auch bald Geschichte. Also soweit für heute ein paar Gedanken dazu. Auch wenn das Video heute schon etwas dunkel ist. Ich merke es wird halt langsam Winter. Die dunkle Jahreszeit kommt. Das Thema ist ja auch etwas dunkel, von daher denke ich passt das ganz gut. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #009: Beitragsservice (2015) https://martinfinger.de/mtb-009-beitragsservice-2015/ Tue, 15 Sep 2015 11:00:00 +0000 Dieses Mal ein paar Gedanken zum Beitragsservice und wie wenige Optionen es im vermeintlichen Rechtsstaat gibt, sich der Erhebung dieser Abgaben zu widersetzen. Die ursprüngliche Aufnahme vom 15.09.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken […]

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Dieses Mal ein paar Gedanken zum Beitragsservice und wie wenige Optionen es im vermeintlichen Rechtsstaat gibt, sich der Erhebung dieser Abgaben zu widersetzen.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 15.09.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Heute gleich noch ein zweites Mem Video zum Thema Beitragsservice. Nachdem das aktuell wieder für mich im Leben in Erscheinung getreten ist. Nicht für mich persönlich, aber ich begleite aktuell eine Person, die sich eben auch versucht dagegen zur Wehr zu setzen. Da haben wir aktuell den Stand erreicht, dass jetzt tatsächlich der Gerichtvollzieher beauftragt wurde. Nachdem ich gestern Abend und letzte Nacht so ein bisschen Recherche gemacht habe im Internet, muss ich sagen eine Sache die mich dabei unglaublich aufregt ist. Welche Fehl- und Falschinformationen letztlich im Internet da rumkursieren. Die aus meiner Sicht überhaupt nichts bringen.

Angefangen von irgendwelchen Pseudointerpretationen irgendwelcher Gesetzestexte. Die unterstellen, dass man dieses oder jenes so interpretieren könnte. Wenn da letztlich Leute unbedarft sich auf solche Videos oder auf solche Versprechen einlassen, dass sie letztlich auch dann nachher alleine da stehen. Weil, selbst wenn es tatsächlich Rechtsanwälte gäbe die diese Minderheitenmeinung oder überhaupt diese Meinung vor Gericht teilen würden, ist immer noch die Frage: Wo man denn einen Richter finden soll, der sich einer solchen Minderheitenmeinung anschließt. Sofern es überhaupt irgendwie im Rechtswesen sozusagen diese Meinung vertreten wird. Und nicht bloß von irgendwelchen Personen im Privatbereich dort irgendetwas angedichtet wird.

Mit dem Schreiben mit dem Gerichtvollzieher ist das schon ziemlich deutlich, wenn man sich dann anschaut mit welcher Gewaltaspekten, im Endeffekt des Staates man dort konfrontiert wird. Es mag zwar auch viele Menschen geben die meinen es hat doch alles seine Berechtigung. Und der Rundfunkbeitrag sei alles in irgendeiner Form sinnvoll, notwendig und sonst was. Ich teile diese Dinge nicht. Allerdings beschränke ich das auch nicht nur auf den Rundfunkbeitrag sondern natürlich auf alle Abgaben, die zwangsweise erhoben werden. Deswegen ist das für mich jetzt kein Einzelfall oder Ausnahme, aber es ist halt eine Sache die mal wieder sehr deutlich macht wie die Willkür letztlich, dieser ach so rechtsstaatlichen Ordnung, benutzt werden kann.

Weil das schlimmste daran ist ja, dass wenn man gegen diese ehemaligen Gebührenbescheide, jetzt dann als offensichtlich Festsetzungsbescheide titulierten Dokumente vorgeht und dort Einspruch erhebt, dass sich der Rundfunkbeitrag beziehungsweise die Rundfunklandesanstalten die jeweils diese Kölner Institution da beauftragen. Dass die sich überhaupt nicht darum kümmern müssen, dass die überhaupt keinen Einspruch eigentlich bearbeiten müssen, sondern einfach ihre Mahnungen, ihre Forderung eben bis zum Gerichtvollzieher einfach unabhängig davon durchziehen können. Und das ist die Frage: Was ist das? Eine angebliche Rechtsstaatlichkeit.

In der, wenn man nicht selber per Gericht dann wieder vorgeht und eine Bearbeitung eines Einspruches erzwingt, letztlich nichts passiert. Die Maßnahmen laufen parallel dazu weiter. Sind von der Rechtsordnung letztendlich gestützt. Das letzte große Fall war ja das Landesgericht, glaube ich, jedenfalls in Tübingen. Das eine Urteil, was die Gerichtsvollzieher sozusagen etwas gestoppt hat in einem Fall. Aber letztlich von der höheren Instanz auch wieder gestoppt wurde. Das heißt es gibt keine Struktur oder Instanzen innerhalb dieses Rechts- und Staatssystems, die einen tatsächlich vor einer solchen Willkür und Beliebigkeit schützen.

Das mag in Deutschland noch keine gravierenden Auswirkungen haben, im Vergleich zu diktatorischen oder anderen regierten Ländern. Aber nicht destotrotz, sind aus meiner Sicht die Unterschiede nur graduell, weil es kann jederzeit weitergehen. Das heißt wenn man mit der einen Maßnahme durchkommt und letztlich nur noch hörige Richter im System hat. Dann sind die nächsten Schritte auch möglich zu sagen, hier wird wieder eingeschränkt, hier wird etwas abgeschafft von irgendeinem Freiheitsrecht und sonst was. Ich sage nicht, dass wir jetzt direkt auf dem Weg in die Diktatur sind. Aber ich sage, dass wir auf jeden Fall Schwierigkeiten haben, dass diese Maßnahmen einfach durchgesetzt werden können.

Wir lassen solche Strukturen zu. Wir lassen es passieren. Und wir haben letztlich keine Abwehrmaßnahmen, dass solche Geschichten mit uns angestellt werden. An der Stelle kann ich im Endeffekt nur auf mein anderes Video verweisen, zu meinem Nichtwähler Spot von 2013. Aus meiner Sicht bleibt dass das einzige Mittel zu sagen, entzieht ihnen die Legitimation. Und geht nicht zur Wahl. Weil es nützt nichts seinen Bundestagsabgeordneten an der Stelle anzuschreiben. Weil er Teil dieser Strukturen ist. Und so lange die Legislative im Endeffekt bestehen bleibt, hat die Judikative ihre Grundlagen.

Und die Exekutive führt nur ihre Befehle aus. Das heißt dieses ganze System bleibt sozusagen erhalten, wenn man innerhalb des Systems sich an die Spielregeln hält. Man wird in einem Monopolyspiel nicht gegen die Bank gewinnen. Man kann zwar das Spiel gewinnen, aber letztendlich das ganze System sozusagen zu kippen ist einfach unmöglich. Also ich bin gespannt wie das ganze weitergeht. Ob die Person, die ich da begleite, die aktuell in diesem Stand ist, wie sie weiter macht. Ob man es einfach damit bewenden lässt. Und nur den Rechtsweg weitergeht. Aber im Endeffekt die Zahlungen dann jetzt letztendlich doch einfach leistet.

Weil einfach die Konsequenzen, die der Gerichtsvollzieher mit seinen Maßnahmen durchsetzen kann, schon für jemanden der noch Dinge zu verlieren hat auch durchaus bedrohlich sein können. Weil es ist ja nicht ohne weiteres, was dort an Zwangsmaßnahmen und an Drohungen allein schon im ersten Schriftstück angesetzt wird. Und wie und wann das dann eingesetzt wird, um irgendetwas zu erzwingen. Auf jeden Fall mein Aufruf: Wenn Ihr da irgendwelche Behauptungen und Informationen im Internet findet, die sind sehr mit Vorsicht zu genießen. Vor allen Dingen wenn Ihr weder die Person kennt, noch die gesamten Hintergründe. Weil selbst kleinste Formulierungen, kleinste Auslassungen können erheblich die Fakten ändern unter welchen der Beitrag nicht gezahlt wurde. Und was ich bereits mehrfach gesehen habe, einen Offenbarungseid letztendlich zu leisten. Nach der eidesstattlichen Versicherung, dass man ohnehin nichts hat, was bei einem zu holen ist. Das ist keine Möglichkeit, um den Rundfunkbeitrag drum rum zu kommen. Sondern das ist der einzige Punkt wo er sich befreien lässt. Aber die meisten Menschen haben noch etwas zu verlieren. Solange man da noch eine Tasche hat, in die der Rundfunkbeitrag greifen kann. Bin ich mir sicher, dass er Mittel und Wege findet auch in diese Tasche zu greifen. Denkt daran, es ist immer gut, seine eigene Stimme zu behalten. Manchmal ist es auch sinnvoller sich nicht mit dem Staat anzulegen. Sondern lieber die Alternativen zu suchen und diese zu stärken, als sich in einem sinnlosen Kampf zu vergeuden. Auf Bald. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #008: Druck (machen) (2015) https://martinfinger.de/mtb-008-druck-machen-2015/ Tue, 15 Sep 2015 10:00:00 +0000 Dieses Mal widme ich mich der Unsitte, dass Menschen meinen mit Druck kreative Denkprozesse beschleunigen zu können. Die ursprüngliche Aufnahme vom 15.09.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen. […]

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Dieses Mal widme ich mich der Unsitte, dass Menschen meinen mit Druck kreative Denkprozesse beschleunigen zu können.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 15.09.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zum heutigen Mem Video. Heut zum Thema Druck. Die Geschichte dazu ist: Ich habe gestern einem Dokument hinterhertelefoniert, wo ich schon vor zwei Wochen angestoßen habe, dass ich das mal zugeschickt bekomme. Und so ganz nebenbei, wo die nette Dame im Callcenter das Thema noch mal aufgenommen hat. Meinte sie dann so: „Ja, ich nehme das nochmal auf und schicke das dann rüber, um nochmal Druck zu machen.“ Und da dachte ich mir auch, zwar nicht in dem Moment, weil ich war gerade noch damit beschäftigt, naja eigentlich wollte ich ja lieber wissen wann ich denn jetzt erwarten kann, dass das Dokument kommt. Und nicht ob man irgendjemandem da irgendwie Feuer unterm Hintern macht.

Weil letztendlich ist doch genau das der Punkt. Es bringt an der Stelle nichts. In aller Regel sind die meisten Jobs heute, vor allen die Bürojobs und ähnliches. Entweder so stupide, dass sie eigentlich gar nicht von Menschen gemacht werden müssten. Oder wenn doch noch Menschen involviert sind. Dann ist in aller Regel irgendeine Arbeit die auch ein bisschen Denken und Mitdenken erfordert. Und der ganze Kopfbetrieb. Das heißt Denken, seine Handlungen steuern und so weiter. Das lässt sich mit Druck überhaupt nicht in irgendeiner Form beschleunigen. Im Gegenteil. So von wegen: „Jetzt mach! Jetzt mach!“ Und noch irgendwie antreiben und sonst irgendwas. Und irgendwelche Konsequenzen setzen wenn man das mit irgendwelchen bescheuerten Terminen sozusagen nicht schafft, dass zu beenden, wird eher zur Blockade führen.

Und ich finde es halt eigentlich erschreckend, wie stark dieser Aspekt, jemandem Druck zu machen, damit er hoffentlich seine Arbeit letztendlich schneller erledigen soll. Immer noch eigentlich ein sehr starkes Mem ist, was sich konstant hält. Obwohl eigentlich schon seit Jahren, Jahrzehnten letztendlich klar ist, dass intellektuelle Fähigkeiten nicht dadurch beschleunigt werden können, wenn man Menschen unter Druck setzt. Sondern im Gegenteil, dass man damit genau ihre Fähigkeit und Handlungsmöglichkeiten beschränkt. Weil sie eventuell dann selber unter Angst geraten. Oder einfach nur innerlich kündigen.

Die Motivation gleich Null wird. Oder eventuell im Betrieb sogar noch anfangen Schaden anzurichten. Mir selbst ist das Thema oder vielmehr die Geschichte dazu, das erste Mal begegnet als ich so um 2000 rum, 2001 das erste Mal im IT Bereich als Softwareentwickler gearbeitet habe. Und da war die Standardlektüre Tom DeMacro „Der Termin“. Und da ist letztlich auch die wunderbare Erkenntnis drin: Druck erhöht die Geschwindigkeit in dem eine Person entwickeln kann. Indem sie neue Lösungen findet oder überhaupt irgendetwas umsetzen kann, in keinster Weise. Im Gegenteil. Es ist viel sinnvoller da zu überlegen, wie kann man die Leute motivieren. Wie kann man sie bei der Arbeit halten.

Wie kann man ihnen die Tätigkeit so interessant wie möglich machen. Und möglichst alles andere ausschalten. Von Vorgesetzen bis unsinnigen Terminen, um dafür zu sorgen, dass sie sich eben kreativ betätigen können. Das soweit heute für das Mem Video. Die Frage ist: Wie oft begegnet Euch im Alltag das Thema, dass jemand meint mit Druck irgendeine Sache beschleunigen zu können. Anstatt einfach zu sagen: Okay, ich möchte mit jemandem zusammenarbeiten. Brauchen natürlich auch irgendwie Termine, um zu wissen wann was als nächstes gemacht werden kann. Aber nicht indem sie von außen gesetzt werden. Sondern indem man versucht auf kooperative Arte und Weise solche gemeinsamen Ziele festzulegen. Wann man Sachen erledigt haben will. Und damit zurück in Euer Leben. Und viel Spaß beim Beobachten, wann Leute unter Druck gesetzt werden, um etwas zu erreichen. Bis dann. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #007: Netzneutralität Upstream vs. Downstream (2015) https://martinfinger.de/mtb-007-netzneutralitaet-2015/ Tue, 08 Sep 2015 11:00:00 +0000 In dieser Folge ein paar Gedanken zum Thema Netzneutralität und der Asymmetrie zwischen der Bandbreite für Upload und Download. Die ursprüngliche Aufnahme vom 08.09.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder […]

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In dieser Folge ein paar Gedanken zum Thema Netzneutralität und der Asymmetrie zwischen der Bandbreite für Upload und Download.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 08.09.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einer weiteren Mem Folge. Heute mit einem entfernt verwandten Thema, zur Thema Netzneutralität. Aber mal, wie ich es gerne mache, mit einem etwas anderen Fokus. Weil aktuell beschäftigt mich gerade mal wieder, das Thema der Internetverbindung. Was mich dabei besonders ärgert, dass da anscheinend in den letzten zwei Jahren, mal wieder überhaupt keine Entwicklung stattgefunden hat und zwar in Hinsicht der Upload Geschwindigkeit. Weil es ist zwar inzwischen bis zu 100, 200 Megabit Download Geschwindigkeit möglich. Aber der Upload verharrt irgendwie. Ich glaub das Beste was ich bisher gesehen hab, waren irgendwie sechs Megabit. Die man in diesen Standardverbindungen dort bekommt.

Und da frage ich mich schon: Meine Güte, was ist denn da irgendwie schief gelaufen? Weil, klar ich veröffentliche hier Videos, die natürlich einiges an Upload Kapazität brauchen. Und selbst diese wenigen Minuten hier, brauchen dann locker schon mal ein bis zwei Stunden bis die Hochgeladen sind. Das ist doch für ein paar Minuten doch ziemlich ärgerlich. Ich hab dann noch mal ein bisschen Nachgeschaut. Mit diesem Thema ADSL, war ja sozusagen die Geschichte wo das losgegangen ist. Weil im Gegensatz früher, wo ich noch mit einem 56k Modem unterwegs war. Da war es eigentlich normal, dass ich sowohl im Upload als auch im Download die gleichen Geschwindigkeiten erreichen konnte.

Da war eher die Frage ob der Server genug Kapazität hatte, mir die 5,6 Kilobyte pro Sekunde tatsächlich runterzuschicken. Mit ADSL ging es dann erstmal um einiges schneller. Am Anfang ist es überhaupt noch nicht so stark aufgefallen, dass letztlich der Upload so viel geringer ist. Weil die Faktoren waren damals glaube ich noch nicht so bei 1:10. Was sie heute inzwischen durchaus üblich sind. Weil wir haben aktuell auch 20 Megabit zwar im Download, aber nur 2 Megabit im Upload. Und die neueren Pakete haben teilweise eher noch schlechtere Faktoren als 1:10. Und da ist die Frage: Warum soll das Internet eigentlich eher dem Konsum dienen?

Weil das heißt doch, ich bin eher dafür prädestiniert TV-Streaming, Video-Streaming oder irgendetwas zu konsumieren. Aber wirklich selber, mich sozusagen ins Internet zu stellen, dass wird eher möglichst minimiert. Das heißt, Thema Netzneutralität, auch das Internet ist eher eine Sache von Unternehmen die wollen, dass Menschen konsumieren und nicht das im Endeffekt Menschen sich auf gleicher Augenhöhe miteinander austauschen. Die gleichen Möglichkeiten nutzen können. Ist die Frage, ob tatsächlich der bewusste Unternehmensgedanke dahinter steht: Wir möchten lieber Konsumenten haben, als irgendwelche Menschen die sich direkt nutzen, gegenseitig irgendwelche Informationen bereitstellen, miteinander kommunizieren.

Das Thema Videotelefonie selber hat sich ja auch nie wirklich durchgesetzt. Wobei ich nicht weiß wie viele das bei Skype heute inzwischen nutzen. Bei einem Upload von so einem geringen Faktoren ist es durchaus schwieriger dort in einer vernünftigen Qualität miteinander zu sprechen. Und die Frage ist, in diesem ganzen Ausbaupolitik, dass ein schnelles Internet geben soll, wird nie vom Upload gesprochen. Bei Glasfaser, ist aus meiner Sicht, doch diese tatsächlichen anfänglichen Unterschiede im Protokoll. Das heißt es gab tatsächlich bei ADSL Frequenzbereiche die nur für den Upload und Frequenzbereiche die nur für den Download vorgesehen sind.

Und auch ohne jetzt im Detail in irgendwelche Hochfrequenz Technologien einzusteigen. Das was heute Handys letztendlich können mit LTE, wo sie ja in beide Richtungen mit gleicher Geschwindigkeit übertragen können. Warum sollte das über Glasfaserkabel oder von mir aus auch noch Kupferleitungen, nicht mit der gleichen Technologie und den Frequenzen funktionieren. Warum ist es so viel teurer oder aufwendiger dort Übertragungen zu machen, die sozusagen nur in eine Richtung funktionieren, statt diesen Duplex zu haben. Das ich auf beiden Frequenzbereichen sowohl Hören als auch Senden kann. Weil rein technisch kann das nicht das große Problem sein.

Bereits als ADSL eingeführt wurde, gab es eigentlich schon Ethernet-Karten und in denen ist es im Endeffekt ohne Probleme möglich mit diesen Leitungen in beide Richtungen. Ich denke, damals so um 2000 rum und so weiter, waren selbst die 100 Megabitleitungen schon üblich. Und heute ist ja eher sogar Standard ein Gigabitleitungen zu verwenden. Das heißt von der Technologie, hardwaretechnisch und Kapazitätsgründen, kann es eigentlich gar keine so große Schwierigkeit sein. Aber natürlich ist die Frage: Während ich bei einem Ethernet-Kabel mehrere Adern habe über die parallel gesendet werden und kommuniziert werden kann. Ist bei einem DSL Kupferanschluss natürlich mit den zwei oder vier Adern die da benutzt werden immer noch eine physische Kapazitätsgrenze gegeben.

Aber die Frage ist: Warum wird das nicht gezielt ausgebaut? Statt eigentlich nur den Downstream zu verbreitern. Soweit heute mal wieder ein paar Gedanken. Thema Netzneutralität, geht aus meiner Sicht noch viel, viel weiter als nur zu sagen, dass alle Anwenderpakete gleich die Berechtigung haben gesendet und empfangen zu werden. Sondern es geht auch darum, dass sowohl Up- als auch Downstream, aus meiner Sicht durchaus gleiche Berechtigung haben sollten. Das heißt, dass die Menschen mit der gleichen Geschwindigkeit senden können wie sie auch empfangen können. Aus meiner Sicht gibt es da keine Notwendigkeit, das in dieser beschränkten Form beizubehalten. Das wir zwar bald mit 200 Megabit runterladen können, aber mit 6 Megabit, vielleicht auch mal 12 Megabit ‑ich weiß nicht genau wo da dann bei den 200 Megabit die Grenzen sein werden‑ letztlich Daten hochladen können. Weil, wie man sieht 12 zu 200, die Verhältnisse werden eher noch schlechter. Das heißt man kann immer weniger Daten im Vergleich hochladen, was einem Unternehmen sozusagen in den Computer schicken können. Also soweit für heute. Wenn Ihr selber Themen habt, Fragen habt, über die Ihr gerne Mal von mir, meine Gedanken dazu hören wollt. Gerne in die Kommentare und auf bald. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #006: Fremde unter uns (2015) https://martinfinger.de/mtb-006-fremde-unter-uns-2015/ Wed, 12 Aug 2015 12:00:00 +0000 Wie sinnvoll ist es, dass wir Menschen zwingen anderen Menschen helfen zu sollen und zugleich den Menschen welche zu uns kommen verbieten, dass sie selbst einer Tätigkeit nachgehen, um selbstbestimmt für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können. Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.08.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich […]

Der Beitrag Mem-Tagebuch #006: Fremde unter uns (2015) wurde auf Martin Finger veröffentlicht.

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Wie sinnvoll ist es, dass wir Menschen zwingen anderen Menschen helfen zu sollen und zugleich den Menschen welche zu uns kommen verbieten, dass sie selbst einer Tätigkeit nachgehen, um selbstbestimmt für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.08.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einer zweiten Folge für heute, der Mem Videos. Heute ganz spontan noch zu einem Thema, dass mich bisher eigentlich überhaupt nicht interessiert und auch beschäftigt hat. Weil ich ja einen möglichst großen Bogen um Zeitungen und Nachrichtensendungen jeglicher Art mache. Weil sie mein Leben als solches nicht bereichern. Also was ist das Thema. Oder welches Thema setze ich, was ich jetzt sagen möchte. Was für mich da am passendsten erscheint ist: „Fremde unter uns.“ Das heißt es gibt Menschen die sind uns fremd. Sie kommen zu uns. Sie sind bei uns. Uns anscheinend werden es wohl aktuell immer mehr.

Wie gesagt, als solches interessiert mich das Thema nicht sehr. Das einzige warum es mich heute beschäftigt ist, weil eben einer dieser fremden Menschen heute an meiner Haustür geklingelt hat. Weiß nicht genau, was er jetzt eigentlich gesucht hat. Weil ich habe ihn entsprechend schlecht verstehen können. Auf dem Zettel den er mir da in Deutsch vorgehalten hat, stand etwas von wegen Unterkunft, Arbeit, irgendwas in der Richtung. Das heißt er, so zumindest meine Interpretation, war eigentlich nur auf der Suche, sich eventuell irgendwo zu verdingen. Lebensunterhalt wirklich erwerben zu können. Das heißt auch eine Gegenleistung zu erbringen für etwas, um an dieser Gesellschaft teilhaben zu können.

Er war noch mit einer Frau und zwei Kindern unterwegs. Die ihn dort begleitet haben. Und was mich am meisten daran beeindruckt im Endeffekt, dass die Introspektive zu mir, zu sagen: Es ist ein komisches Gefühl dort plötzlich tatsächlich jemanden so nah zu spüren. Während das Thema ja sonst eigentlich sehr, sehr weit weg ist. Und ganz plötzlich bin ich selber mit dem Thema ganz klar konfrontiert. Und was mache ich an so einer Situation? Konnte ihm da an der Stelle auch nicht weiterhelfen. Oder irgendetwas dazu tun, weil ich keine Arbeit habe, um ihm die zu geben. Bei dem deutschen Bürokratismus ist wahrscheinlich ohnehin die Frage, was da alles für ein Theater dahinter steckt.

Wenn ich dann heute ein bisschen in die Debatte reingelesen habe. Da wird mit viel Empörung, mit vielen Ängsten und verschiedensten anderen Themen gearbeitet. Und letztendlich für mit gibt es im Endeffekt nur ein Thema, was mich in diesen ganzen Berichten, in den ganzen Themen an sich wirklich aufregt. Das ist der Grund, dass ich dazu gezwungen werden soll, vielleicht durch Steuermittel oder eventuell noch durch andere Dinge, Hilfe zu leisten. Ich habe nichts dagegen, dass Menschen geholfen wird, die in Not sind oder die irgendetwas brauchen. Aber bitte freiwillig. Nicht indem irgendjemand meint, er können über anderer Gelder, Lebenszeit oder Ressourcen verfügen.

Und jetzt bestimmen: Jetzt müsse man den Menschen so und so helfen. So funktioniert das definitiv nicht. Sondern im Gegenteil. Meiner Meinung nach wird genau damit dieser Zusammenhalt der zwischen Menschen, die zumindest irgendwo im Kontakt stehen, automatisch entsteht. Das Thema der Hilfsbereitschaft, der Freundlichkeit und so weiter, wird damit komplett vergiftet. Das heißt je mehr Forderungen letztendlich aufgestellt werden. Nicht mal unbedingt von den Menschen die zu uns kommen. Sondern im Endeffekt von irgendwelchen Politikern oder anderen Gruppen, die meinen sich dort engagieren zu müssen, dass andere gefälligst zu helfen haben.

Weil damit wird aus meiner Sicht letztendlich genau das untergraben und auch vernichtet, was doch eigentlich die Menschen zusammenbringen soll. Weil genau damit wird die vermeintliche Notwendigkeit, von wegen „Nur mir kann es gut gehen, wenn ich den anderen etwas vorenthalte.“ gestärkt. Weil genau das ist dann das Erleben was man den Menschen beibringt. Das einem selber im Endeffekt etwas weggenommen wird, um es anderen zu geben. Und wenn wir diesen Menschen tatsächlich einfach nur die Möglichkeit einräumen würden, statt sie bürokratisch zu verwalten und irgendwo einzukasernieren. Ihnen einfach zu sagen: „Okay. Ihr seid auf Euch selbst gestellt, aber ihr dürft arbeiten. Ihr dürft Euren Lebensunterhalt tatsächlich frei suchen und schauen, dass Ihr hier halt irgendwie über die Runden kommt.“

Dann wäre das eine ganz andere Situation. Aber natürlich allein schon das Thema, dass der Mindestlohn ja inzwischen greift, macht mit Sicherheit solche Arbeitsmarktsituationen um einiges schwieriger. Auf das Thema will ich jetzt gar nicht so tief abheben. Aber wir haben uns im Endeffekt diese Probleme, die wir da jetzt scheinbar haben, selber eingehandelt. Wir haben ein System, eine Bürokratie erschaffen, die Menschen nicht einfach sein lässt. Die Menschen nicht erlaubt für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Und das ist eigentlich das, was mich viel mehr an dieser ganzen Diskussion überhaupt empört.

Das man Menschen sogar verweigert selber aktiv zu werden. Selber eben für dieses Leben, für den Wohlstand in dem sie gerne leben möchten, tätig zu werden. Und letztendlich aus meiner Sicht, es ist jede Arbeitsstunde verschwendet, die im Endeffekt nicht zur Wohlstandmehrung genutzt wird. Das heißt jeden Tag in dem einem Menschen verboten wird zu arbeiten, obwohl er doch einer Tätigkeit nachgehen will, ist verlorener Wohlstand. Nicht nur für ihn sondern für uns alle. Und deshalb: Wir haben keinen Wohlstand zu verlieren, sondern wir haben sehr viel Wohlstand zu gewinnen. Das ist zumindest das, was ich einfach mal in die Debatte einwerfen möchte.

Wenn die Menschen arbeiten wollen, lasst sie doch einfach arbeiten. Statt sie bürokratisch zu delegitimieren und in Sozialsysteme reinzupressen. Bis sie dann irgendwann gewohnt sind, dass Leistung im Endeffekt nicht mehr lohnt. Die Frage ist, ist das wirklich die Botschaft die wir den Menschen mitteilen möchten? Leistung lohnt sich nicht. Und wenn Du von Dir aus im Endeffekt leistest ohne Erlaubnis, dann wirst Du dafür gegeben falls auch einfach bestraft. Jetzt entlasse ich Euch wieder, um darüber nachzudenken, was tatsächlich mit diesen Menschen passieren kann. Was sind Lösungswege? Die Möglichkeiten ihnen tatsächlich die Erlaubnis zu geben und zwar möglichst unbürokratisch zu sagen: Ihr seid jetzt hier. Ihr wollt Euch Wohlstand aufbauen und verdienen. Nur zu. Es gibt immer was zu tun. Schauen wir mal, wie das in Deutschland weitergeht. Auf bald, bis dann. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #005: Sinn des Lebens (2015) https://martinfinger.de/mtb-005-sinn-des-lebens-2015/ Wed, 12 Aug 2015 11:00:00 +0000 Dieses Mal widme ich mich dem Sinn des Lebens und stelle in Frage ob es mehr Sinn im Leben braucht als einfach nur unsere Leben zu leben. Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.08.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich […]

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Dieses Mal widme ich mich dem Sinn des Lebens und stelle in Frage ob es mehr Sinn im Leben braucht als einfach nur unsere Leben zu leben.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.08.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einer neuen Mem Folge. Heute mit dem Thema: Sinn des Lebens beziehungsweise dem nicht Sinn des Lebens. Das ist letztendlich die Frage oder das was ich sozusagen heute mit Euch teilen möchte. Die Frage ist: Ist es sinnvoll dem Leben eine Sinnsuche zu verpassen? Das heißt nicht, etwas Sinnvolles zu tun. Sondern es geht darum, ist es sinnvoll zu sagen: Das Leben hat einen Sinn. Es braucht einen übergeordneten Sinn. Es braucht eine Berufung oder eine andere Sinn Gabe und nur wenn es dieses gibt, wird das Leben eben sinnvoll. Und gleichbedeutend mit Lebenswert.

Eben genau das teile ich nicht. Im Gegenteil. Für mich habe ich entschieden die Sinnsuche letztendlich aufzugeben. Weil diesen übergeordneten Sinn zu suchen nur zur Frustration führen kann. Weil wer soll denn am Ende tatsächlich entscheiden ob das jetzt der Sinn des Lebens war oder nicht. Damit mein Vorschlag einfach zu sagen, also die eine Option ist zu sagen: Das Leben braucht keinen übergeordneten Sinn. Und wenn jemand unbedingt sagen möchte: Aber ich brauche doch irgendeinen Sinn im Leben. Dann ist zu sagen: Das Leben zu leben. Das ist der Sinn des Lebens. Das ist die eine Interpretation. Wenn man eher einfach noch nicht oder erstmal noch nicht bereit ist sozusagen diese Sinnfrage als solche wirklich aufzugeben.

Aber ich glaube langfristig ist es einfach angenehmer, diese Sinnsuche einfach aufzugeben. Zu sagen: Ich habe doch schon alles was ich brauche. Ich bin am Leben und kann aus meinem Leben machen was ich will. Es gibt keinen übergeordneten Plan, eine übergeordnete Instanz der ich sozusagen zu Diensten sein muss und irgendetwas am Ende des Lebens erfüllt haben müsste. Das heißt nicht, dass man nicht sinnvolle Aufgaben im Leben übernehmen kann. Alles was Euch Spaß mach, was Euch interessiert und in irgendeiner Form Freude bereitet, vielleicht auch dem Leben als solches dienlich ist.

Was natürlich von Eurer Definition abhängt. Damit könnt Ihr dann selber entscheiden. Was will ich aus meinem Leben als solches machen. Wie will ich es nutzen. Aber, das ist eben nicht das gleiche wie eine Sinnfrage zu haben: Das Leben wär nur dann sinnvoll, wenn ich irgendeine Metaziel erfüllen kann. Also daher meine Anregung an Euch: Nehmt einfach das Leben als solches. Entweder Ihr begreift es als Geschenk oder als etwas, dass Ihr einfach nutzen könnt, wenn Ihr keinen Schenkenden denken könnt. Der Euch die Möglichkeit gegeben hat am Leben zu sein. Dann einfach für den Moment oder für das Leben als solches dankbar zu sein.

Und es eben in der Form wertzuschätzen, dass Ihr das Leben lebt. Und nicht, dass Ihr es irgendeinem übergeordneten Ziel unterordnet. Weil das ist, aus meiner Sicht zumindest, dem Leben nicht angemessen zu sagen: Hey, das Leben ist nur dann ein nur lebenswert oder eine Berechtigung zu leben, wenn sie einem Zweck untergeordnet wäre. Weil genau das soll es ja nicht sein. Sondern für jeden ist das Leben des Lebens wegen lebenswert. Es lässt sich eigentlich nicht viel dazu sagen. Trotzdem immer wieder erstaunlich wie viel man um Nichts herumreden kann. Aber eben die Negation, also Nichtsinn oder Unsinn ist nicht das gleiche wie die Sinnfrage als solches tatsächlich aufzugeben. Weil es hat eine andere Bedeutung, nicht den Sinn als solches zu verneinen, sondern ihn einfach eben aufzugeben. Und für sich selber zu entscheiden: Ich suche mir einfach nur sinnvolle Aufgaben. Ich mache etwas was mir gefällt, was mein Leben erfüllt. Und damit lasse ich Euch wieder Euer Leben leben. Und wünsche Euch viel Spaß bei dem, was Ihr als sinnvoll erachtet. Aber nicht als Sinn des Lebens, sondern einfach weil Ihr es im Moment für sinnvoll haltet. Und auch wieder etwas anderes entscheiden könnt. Bis bald. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #004: Stundenlohn (2015) https://martinfinger.de/mtb-004-stundenlohn-2015/ Mon, 13 Jul 2015 11:00:00 +0000 In dieser Folge geht es mir um die unterschiedliche Bewertung von menschlicher Lebenszeit. Es geht mir um die Frage: Welche Unterschiede in den Stundensätzen nach denen Menschen entlohnt werden könnten wirklich gerechtfertigt werden? Die ursprüngliche Aufnahme vom 13.07.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie […]

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In dieser Folge geht es mir um die unterschiedliche Bewertung von menschlicher Lebenszeit. Es geht mir um die Frage: Welche Unterschiede in den Stundensätzen nach denen Menschen entlohnt werden könnten wirklich gerechtfertigt werden?

Die ursprüngliche Aufnahme vom 13.07.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einer neuen Mem Folge. Heute geht es um das Thema Stundenlohn beziehungsweise was uns unsere Zeit wert ist. Und die Frage inwieweit eine Stunde Lebenszeit so viel unterschiedliche Bewertung erfährt. Also zum Beispiel ganz normal Erwerbsarbeit, das eine ist die Putzkraft, das andere ist der Facharbeiter. Gehen wir mal von 10 Euro und 50 Euro die Stunde aus. Da haben wir schon einen Faktor von 1:5. Jetzt wäre die Frage: Auf welcher Grundlage passiert tatsächlich so eine Bewertung, Einschätzung, warum diese eine Stunde Lebenszeit jetzt das Fünffache wert sein sollte?

Oder sogar einem Verhältnis von fünf Stunden gegenüber der Putzkraft entspricht. Gehe ich mal auf das erste Beispiel ein, dass meistens sich darauf beruft, dass natürlich unterschiedliche Ausbildungszeiten notwendig sind. Wenn die Putzkraft nahezu sofort mit ihrer Tätigkeit des Geld Verdienens sozusagen loslegen kann, muss der andere erst noch Studium ansetzen. Dort einige Monate und Jahre investieren bevor er dann in diesem Bereich arbeiten kann. Gehen wir mal pauschal von fünf Jahren aus. Das wäre dann zu einer Lebensarbeitszeit von 40 Jahren, entsprechend fünf Jahre wären 12,5 %. Das würde aber auch bedeuten, dass eigentlich der Lohn nur 12,5 % höher liegen müsste.

Um sozusagen im Lebensschnitt auf das gleiche Einkommen zu kommen. Selbst wenn jetzt noch die Kosten entsprechend hoch angesetzt werden. Weil angenommen man nimmt die Kosten zumindest genauso hoch wie in dem Zeitraum den man in den fünf Jahren verdient. Dann wäre ich bei zehn Jahren die sozusagen wieder reingeholt werden müssen. Allerdings in 35 Jahren. Aber auch da würde ich pauschal einfach mal auf einen Wert dann von meinetwegen 25 % höhere Einkünfte schließen. Um auf die Lebensspanne diese Investition wieder auszugleichen. Da wäre eigentlich die Frage: Wo ist dann noch tatsächlich der Faktor zu sagen, dass Gehälter oder Stundenlohn, von dem Faktor 1:5 ‑und es geht natürlich auch noch deutlich höher‑ begründet werden kann?

Wie schafft man es zu sagen: „Die eine Stunde Lebenszeit ist so und so viel mehr wert als die andere.“ Eine andere Frage wäre natürlich, ein Thema der Produktivität. Das heißt, schafft die eine Person tatsächlich so viel mehr Wohlstand, wirtschaftliche Werte, die sozusagen fünf Mal so hoch sind. Da wäre schon die Frage, eine geputzte Toilette würden für viele, in bestimmten Situationen, wahrscheinlich sehr viel mehr Wert zu schätzen, als irgendwelchen Verwaltungsarbeiten, die in irgendwelchen Büros stattfinden. Also ist die Frage, ob in den Büros in denen sozusagen eine Putzkraft tätig ist, ob sie nicht die höhere Wertschöpfung durchführt.

Als die Mitarbeiter die sozusagen tagsüber nur an den PCs irgendwelche administrativen Tätigkeiten durchführen. Natürlich ist das alles ein sehr schwieriger Bereich. Es wirklich neutral bewerten zu können. Weil jeder seine eigenen Präferenzen hat. Und entsprechend auch unterschiedliche Wertigkeiten in dieses Sachen mit reinbringt. Aber grundsätzlich halte ich es tatsächlich für schwierig zu begründen, mal nur auf der Arbeitszeitebene gesehen und auf der Lebenszeitebene gesehen. Warum Menschen einfach sagen, dass sie so und so viel mehr zu verdienen haben, wie irgendein anderer.

Natürlich ist der Klassiker, der an der Stelle kommt, wenn man darüber spricht, eher das Thema der Managergehälter. Die nicht nur einfach das Fünffache sondern meinetwegen das 200‑ oder 1.000‑fache, eines einfachen Angestellten verdienen. Und da ist dann aus die Frage: Was tut der Manager selbst, auf einer Wertschöpfungsebene gesehen, tatsächlich für das Unternehmen, für die Angestellten und auch für die Kunden, die eine solche Entlohnung rechtfertigen. Weil letztendlich ist ja die Sache, dass in einem Unternehmen, eine wirtschaftliche Leistung erbracht werden muss. Die der Kunde bereit ist tatsächlich mit solchen Summen zu honorieren.

Ich halte das Ganze natürlich für sehr schwierig wirkliche Erklärungen und Begründungen dafür zu finden, die auf einer objektiven Ebene wirklich zulassen zu sagen, dass solche Faktoren von 1:5, 1:10, 1:200 in Faktor zu Lebenszeit überhaupt angemessen sein können. Aber, natürlich ist immer die Frage für jeden: Wer breit ist zu bezahlen, soll es ja bezahlen. Es ist ja sozusagen bei Aktienunternehmen durchaus möglich, dass dann Menschen einfach entscheiden können ob sie tatsächlich deren Produkte kaufen oder deren Aktien behalten. Und solche Managergehälter und so weiter eben mit tragen wollen. Also soweit einfach Mal ein paar Gedanken zur Anregung.

Was es denn bedeutet, dass Lebenszeit letztendlich so unterschiedlich von Menschen bewertet wird. Und auf welcher Grundlage, dass denn tatsächlich passiert. Jeder der sich dieses Video anschaut ist gerne dazu aufgerufen, selber seine Kommentare hier mit darunter zu schreiben. Zu sagen: „Was meint Ihr denn? Was sind tatsächlich die Grundlagen auf deren solche Bewertungen beruhen?“ Außer natürlich den Strukturen die heute existieren. Wie würdet Ihr begründen, dass Ihr selbst oder beziehungsweise andere von Euch, im Endeffekt so finanziert werden, dass diese Gehaltsstufen, dass diese unterschiedlichen Bewertungen von Lebenszeit tatsächlich sinnvoll, notwendig und vielleicht sogar erstrebenswert sind. Ich freue mich auf Eure Kommentare und viel Spaß beim Nachdenken. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #003: Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten. (2015) https://martinfinger.de/mtb-003-lassen-sie-ihr-geld-arbeiten-2015/ Wed, 08 Jul 2015 11:00:00 +0000 In dieser Folge beschäftige ich mich mit der Vorstellung, dass wir unser Geld für uns arbeiten lassen könnten und wie wenig dieses Versprechen für alle Menschen funktionieren kann. Die ursprüngliche Aufnahme vom 08.07.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile […]

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In dieser Folge beschäftige ich mich mit der Vorstellung, dass wir unser Geld für uns arbeiten lassen könnten und wie wenig dieses Versprechen für alle Menschen funktionieren kann.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 08.07.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einem neuen atemlosen Tagebuch Mem Video. Was ist das Thema heute? Heute geht es um ein Mem, dass mir mal wieder begegnet ist, den schönen Satz: „Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten.“ Was genau heißt dieser Satz? Erstmal Verzinsung von Geld, irgendwelche netten Investments, dass man hoffentlich demnächst von Kapitalerträgen leben kann. Ein schönes Leben ohne einer Erwerbsarbeit nachgehen zu müssen haben kann. Mit geht es ja vor allen Dingen darum auch ein bisschen dahinter zu kucken, was heißt das denn tatsächlich. Was sind denn die versteckten oder zumindest die Sachen die nicht ausgesprochen werden?

Was letztendlich damit verbunden ist. Welche Notwendigkeiten darin bestehen und vor allen was bedeutet es, wenn man das auf alle Menschen überträgt? Ist das überhaupt möglich, dass alle ihr Geld für sich arbeiten ließen und damit in eine sorgenfreie Zukunft gucken. Oder ist es eben genau nicht möglich. Zunächst einmal: Was sind die verdeckten Aussagen dahinter? Was ist das, was nämlich einfach nicht stimmt in der Aussage: Geld arbeitet nicht. Geld kann angelegt werden, investiert werden. In der Hoffnung, dass irgendjemand dafür Zinsen zahlt. Oder wie auch immer dann Dividendenzahlungen oder andere Möglichkeiten zustande kommen. Aber letztendlich kann Geld keine Arbeit verrichten.

Das ist nämlich schon der Punkt. Letztendlich hängt diese Arbeit an Menschen. Oder im Übertragenen Weg, an Maschinen die von Menschen hergestellt werden. Oder Energie, die wiederum von Menschen gewonnen wird, indem sie Anlagen herstellen, in denen diese Energie umgewandelt werden kann, in irgendeine Form von Arbeit. Und damit in irgendwelche Produktionsergebnisse. An der Stelle ist eben einfach die Verschleierung, zu sagen: „Lassen Sie andere für sich arbeiten.“ Und letztendlich wenn man den Satz übersetzt, merk ich auch ganz schnell schon wieder, Moment lassen die andere für sich arbeiten? Wer soll denn am Ende noch Arbeiten? Entweder wir leben dann tatsächlich in einer Roboterzivilisation, die uns mit allem versorgt was wir brauchen.

Dann wäre es vielleicht sogar denkbar, dass kein Mensch mehr arbeiten muss. Aber irgendwie würde das Geld dann an der Stelle auch keinen Sinn mehr machen. Weil wie ist denn dann die Verteilungsgerechtigkeit dafür gegeben, wer sozusagen von seinem Geld wieviel von den Ressourcen, die dann erzeugt werden oder nutzbar gemacht werden, zu verteilen. Weil letztendlich ist der Anteil aller Menschen dann wahrscheinlich verschwindend gering, im Vergleich zu dem was an Energie umgesetzt wird, die die Maschinen dann benutzen, um sozusagen die Güter des täglichen Bedarfs oder irgendwelcher Konsumprodukte herzustellen und uns damit zu versorgen.

Und insofern, bin ich natürlich auch ein ziemlicher Kritiker, dieses ganzen Zins und Zinseszinssystems, der im Endeffekt nur darauf beruht, dass man Kapitalquellen hat und das als vermeintliche Produktionsressource in irgendeinen Produktionsprozess einbringt. Und damit einen Anspruch erhebt für die eigentlich geleistete Arbeit ‑die Wertschöpfung die erbracht wurde‑ einen Anteil abzubekommen. Weil letztendlich beruht dieses ganze Gewinnsystem das damit betrieben wird, nur auf einer Vereinbarung wie denn das Geldsystem funktioniert. Weil, heute wird das Geld aus dem Nichts geschaffen durch ein paar Computerbuchungen.

Und die Zugänge sind an den Quellen, diejenigen die heute schon Vermögen haben, die heute reich sind. Die zum Teil auf sehr grauen Geschichten, die man, wenn man sich die Historie ankuckt. Die großen Vermögen sind nicht durch wirkliche eigene Arbeit entstanden. Sondern die meisten Vermögen sind letztendlich durch Arbeit von anderen erwirtschaftet worden. Auch damals gab es bereits das Thema Sklaverei. Damals noch unter dem regulären Begriff. Heute wird der Begriff sozusagen nicht mehr verwendet. Sondern er taucht nur noch indirekt auf. Die eine große Frage die sich jeder beantworten kann, wenn er versucht sich über Zinsen und Zinseszinseffekte oder irgendwelche Kapitaleinlagen vermeintlich die Arbeit zu sparen.

Und dann von solchen Einkünften leben zu können. Muss sich jeder Mal fragen ob er tatsächlich in der Lage ist, seine gesamten laufenden Ausgaben dadurch mit Kapitaleinnahmen zu decken. Das ist nie etwas, was für alle Menschen gleichzeitig aufgehen kann. Weil, dafür ist es schlichtweg heute einfach noch nicht möglich, weil zu viel menschliche Arbeit verrichtet wird. Und es eben nicht durch Maschinen ermöglicht wird. Und damit ist es keine Antwort die für alle profitieren kann. Und die meisten die meinen davon profitieren zu wollen mit irgendwie wenigen hundert oder tausend Euro im Jahr, die sie tatsächlich durch Kapitalerträge vielleicht noch zusammenbekommen.

Was schon die wenigsten sind. Selbst Mieteinnahmen die da reinfallen. Weil letztendlich zahlen Sie wahrscheinlich immer noch mehr, in ihren gesamten jährlichen Ausgaben, als Sie durch solche Erträge hereinbekommen. Und damit wir das Spiel im Endeffekt sinnlos. Das heißt, damit werden die Kosten zwar auf andere abgewälzt. Aber die wenigen Profiteure von diesem System bleiben die oberen zehn Prozent. Teilweise noch weniger. Je nachdem wie die Verteilung halt in einzelnen Ländern tatsächlich dann noch aussieht. Daher meine Frage an Sie, ob Sie es wirklich rechtfertigen wollen und rechtfertigen können, zu sagen: „Lassen Sie andere für sich arbeiten.“ Indem Sie versuchen über Kapitalerträge eigentlich sich nur selber das Leben schwer zu machen.

Weil letztendlich arbeiten Sie selber größtenteils dafür, dass diese Kapitalerträge bedient werden. In dem Maße wie Sie Aktien und Dividenden haben wollen, wie Sie von Mieteinnahmen sich finanzieren wollen. Insofern sind auch diese ganzen Kosten in Preisen wiederrum drin. Und auch in den Steuern die Sie selber zahlen. Müssen Sie sich bloß anschauen allein der Bundeshaushalt, glaube so irgendwo zwischen acht und neun Prozent liegen aktuell die Aufwendungen von den 300 Milliarden allein an den Zinseszinszahlungen. Die zahlen Sie über Ihre Steuern auf jeden Fall auch wieder mit.

Alle Ausgaben die Sie im Endeffekt im Jahr bedienen müssen, müssten Sie über Kapitaleinkünfte reinbekommen. Und wenn das nicht ist, dann gehören Sie auf jeden Fall zu den Verlierern dieses Systems. Und das einfach noch Mal in Frage zu stellen. Soweit heute einfach nur ein paar Gedanken zu dem Mem: „Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten.“ Und einfach zu sagen, sind Sie wirklich dazu bereit andere für sich arbeiten zu lassen? Und glauben Sie, für wie viele Menschen auf diesem Planeten, in unseren aktuellen Strukturen, überhaupt funktionieren kann. Ich denke es gibt andere Möglichkeiten das zu ändern, dazu brauchen wir aber kein heutiges Geldsystem. Und dann auf ein nächstes Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #002: Ich habe keine Zeit. (2015) https://martinfinger.de/mtb-002-ich-habe-keine-zeit-2015/ Fri, 03 Jul 2015 11:00:00 +0000 In dieser Folge widme ich mich der Zeit und unser Vorstellung, dass wir davon nicht genug hätten. Die ursprüngliche Aufnahme vom 03.07.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen. […]

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In dieser Folge widme ich mich der Zeit und unser Vorstellung, dass wir davon nicht genug hätten.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 03.07.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zum zweiten Video für das Mem-Tagebuch. Heute mit dem überaus spannenden Thema: Ich habe keine Zeit. Bin sicher jeden von Euch kennt von Euch kennt diesen Satz. Entweder aus der eigene Verwendung. Oder das jemand anderes Euch gegenüber damit gesagt hat, er will was auch immer Ihr vorgeschlagen habt nicht mitmachen. Die Frage ist nur: Lag es tatsächlich daran, dass er keine Zeit hatte? Weil in einem faktischen Sinne ist es natürlich richtig, wir können gar keine Zeit haben, weil wir sie wieder speichern, noch aufheben, noch in irgendeiner Form in Besitz nehmen können. Wir können Zeit nur erleben und dass eigentlich auch nur in diesem kurzen Moment, eben gerade jetzt. Alles andere ist im Endeffekt nur Erinnerung oder Denken an die Zukunft. Aber das hat mit Zeit nichts zu tun.

So aber was bedeutet das jetzt, wenn wir uns dieses Satzes bedienen. Es geht mir dabei gar nicht so sehr darum diese gesellschaftlichen Gepflogenheiten, wo es im Endeffekt heißt, dass man einem Konflikt ausweicht, oder jetzt nicht so genau erläutern möchte, warum oder wieso man irgend einen Vorschlag ablehnt. Es sind sozusagen einfach gesellschaftliche Konventionen. Wird er benutzt und akzeptiert. Genau das möchte ich an der Stelle eben in Frage stellen. Weil? Ist es wirklich sinnvoll das zu tun. Weil, dass eine ist die Aussage, wenn ich sage: Ich hab keine Zeit. Dann sage ich im Endeffekt: Ich bin nicht in der Lage über meine Zeit zu verfügen. Und das letztendlich stimmt in der Form nicht.

Weil damit mache ich mich selber zum Abhängigen. Obwohl ich der einzige bin, der über meine Zeit entscheiden kann. Natürlich, ich verstehe schon, was damit eigentlich gemeint ist. Weil man ist Verpflichtungen eingegangen. Die man, aus welchen Gründen auch immer, bereit ist weiterhin zu erfüllen oder sich mit den Konsequenzen nicht abgeben möchte. Was es bedeutet wenn man diese Verpflichtung nicht erfüllt. Sei es, wenn man eben zur Arbeit geht und sagt: Ach, heute bleib ich zu Hause. Und man dann seine Arbeit verliert, dann ist natürlich klar. Ohne Einkommen wird das Leben ziemlich anstrengend.

Und deswegen ist an der Stelle eben nicht gesagt: Ich habe keine Zeit. Sondern ich kann nicht über meine Zeit so verfügen, wie ich es gerne möchte. Weil ich in bestimmten Situationen, in bestimmten Abhängigkeiten bin, die ich bereit bin zu erfüllen. Aber auch das sollten wir uns jeden Tag klar machen. Und dann eben nicht diesen Gedanken nachhängen: Ich habe kein andere Wahl. Sondern ganz im Gegenteil. Ich habe jeden Tag die Wahl. Ich habe in jedem Moment die Wahl, mich anders zu Entscheiden. Das heißt wenn es für mich passt. Wenn die Anstrengungen zu groß sind, das Bestehende beizubehalten, dann ist es vielleicht einfacher zu sagen: Okay, es ist Zeit für eine Veränderung.

Und man lässt sich einfach dann auf etwas Neues ein. Kuckt Mal, vielleicht sind die Abhängigkeiten ja gar nicht so schlimm oder gravierend und es lassen sich andere Lösungen finden, die einem leichter fallen. Es geht darum sich wirklich bewusst zu machen, dass die eigene Zeit auch die eigene Zeit ist. Und das man jederzeit darüber verfügen kann. Ich habe für mich entschieden diesen Satz tatsächlich nach und nach, aufmerksam zu beobachten und zu sagen, den streiche ich aus meinem Gebrauch. Wenn ich sage, ich möchte dort nicht mit, ich möchte das nicht machen, dann sage ich: Du das Thema interessiert mich einfach nicht und damit möchte ich mich nicht auseinandersetzen. Oder: Ich habe heute noch andere Sachen zu erledigen, die mir einfach wichtiger sind und vielleicht in einer Woche bin ich gerne bereit mich nochmal mit Dir darüber zu unterhalten.

Das sind eben dann tatsächlich Entscheidungen, womit ich auch Verantwortung und verantwortlich für mein eigenes Leben umgehe. Und nicht sage ich bin ein Getriebener meines Lebens. Sondern, ich erlebe tatsächlich mein Leben, dann jeden Tag als mein Eigenes. Über das ich eben jederzeit eingreifen kann und sagen kann: Ich entscheide, dass mein Leben so ist wie es ist. Egal welche Abhängigkeiten von außen scheinbar gesetzt sind. Sie können mich letztendlich nicht dazu zwingen Dinge zu tun. Ich kann durchaus verstehen, wenn einige jetzt sagen: So ein Quatsch. Ich kann mich hier aus diesen und jenen Sachen nicht raus stehlen, bin diese Verpflichtungen eingegangen.

Aber dann ist zumindest immer noch die Entscheidung zu sagen, es gab einen Grund warum man diese Verpflichtung eingegangen ist. Und daran sich einfach zu erinnern zu sagen: Es gab Gründe. Es war mir wichtig. Auch wenn sich das jetzt geändert hat, ist es mir immer noch wichtig genug, zum Beispiel ein Versprechen einzuhalten. Auch wenn es Gründe gäbe die jetzt vielleicht dagegen sprechen das noch zu tun. Auch da wieder die Aufforderung: Keine Angst vor, naja es sind ja nicht mal soziale Konflikte, sondern eher im Gegenteil, lieber diese kleinen sozialen Lügen auszuschalten. Und zu sagen: Du, mir geht es jetzt um andere Dinge. Andere Sachen sind mir gerade wichtiger geworden.

Und ich fände es gut, wenn Du damit einverstanden bist, wenn wir diese und jene Absprache auflösen könnten. Weil es für mich einfach zu schwer wird diese zu erfüllen und es vielleicht andere Lösungen eben gibt. Aber sofern man das nicht anspricht und sofern man eben einfach dabei bleibt zu sagen: Ich hätte keine Zeit. Bleibt dieses gewisse Ohnmachtsgefühl dabei. Und es lässt sich halt schwer dann mit Freude genießen. Weil wie kann ich ein Leben genießen, indem ich mich selbst immer nur als Getriebener erlebe. Als Abhängiger, ohne als eigener Gestalter, ohne der Schöpfer, der ich im Endeffekt für mein eigenes Leben sein kann.

Soweit einfach mal ein paar Gedanken zu diesem netten Satz: Ich habe keine Zeit. Mein Aufruf an Euch ist: Denkt mal darüber nach und überlegt Euch ob es nicht für Euch auch ein angenehmeres Gefühl ist wenn Ihr sagt: Es stimmt nicht, dass ich keine Zeit habe. Sondern es ist meine Entscheidung gewesen meine Zeit so und so zu verbringen. Auch wenn ich es heute gerne anders hätte. Aber Versprechen und Absprachen sind mir wichtig und deswegen halte ich mich trotzdem daran. Und dann könnt ihr immer noch „Ja.“ dazu sagen, auch wenn es schwerer fällt. Bis demnächst und tschüss.

Der Beitrag Mem-Tagebuch #002: Ich habe keine Zeit. (2015) wurde auf Martin Finger veröffentlicht.

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Mem-Tagebuch #001: Griechenland (2015) https://martinfinger.de/mtb-001-griechenland-2015/ Wed, 01 Jul 2015 11:00:00 +0000 In dieser Folge spreche ich über den Umgang mit Griechenland und seinen Problemen seine Schulden weiter bedienen zu können. Die ursprüngliche Aufnahme ist vom 01.07.2015 und Ihr findet sie hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu […]

Der Beitrag Mem-Tagebuch #001: Griechenland (2015) wurde auf Martin Finger veröffentlicht.

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In dieser Folge spreche ich über den Umgang mit Griechenland und seinen Problemen seine Schulden weiter bedienen zu können.

Die ursprüngliche Aufnahme ist vom 01.07.2015 und Ihr findet sie hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zur ersten Folge des neuen Mem-Tagebuchs. Ein neues Format was ich jetzt hiermit anfange. Worum geht es? Einzelne Gedanken aufzunehmen und zu verbreiten ohne dass es als zu viel Vorbereitung benötigt. Und dazu nehme ich Euch einfach immer ein Stück mit in den Wald und erzähl Euch ein paar Sachen. Was für Gedanken mich beschäftigen und vielleicht der eine oder andere Gedanke den Ihr gerne weitertragen könnt.

Und aktuell worum geht es natürlich, um das Thema Griechenland. Sage bewusst nicht Griechenlandkrise weil: Was ist denn dieses Krise eigentlich und worum geht es bei dieser ganzen Geschichte?
Spannend ist an der Stelle, wie darauf reagiert wurde, dass der griechische Regierungschef, diese Volksabstimmung jetzt am Wochenende machen will oder vielmehr ist es ja eine Volksbefragung. Wo es darum geht: Wie steht denn die Bevölkerung selber hinter diesen ganzen Maßnahmen, die von der EU oder von den europäischen Ministern/Finanzministern gefordert werden die Griechenland jetzt alle noch umzusetzen habe, damit sie weiterhin Geld bekommen. Damit sie letztendlich weiterhin ihren Schuldendienst leisten können.

Wer sich vielleicht ein bisschen mit Verhandlungskonzepten mal auseinandersetzt. Es gibt eben nicht nur das Harward-Konzept des WinWin, sondern solche Verhandlungen wie diese sind eher harte Verhandlungen und da ist es offensichtlich sehr geschickt gewesen, was er da angestellt hat. Denn die anderen Minister haben sehr verärgert darauf reagiert. Weil sie offensichtlich merken, dass es durchaus ein Gewicht hat, wenn er am Montag mit der Unterstützung seines Volkes tatsächlich wieder in die Verhandlungen zurückkehrt uns sagt: „Ich hab mein Volk hinter mir und die sagen, so nehmen wir das Zeug nicht an.“ Es ist ja auch nicht so, dass er es generell ablehnt. Weil, es gab heute noch wieder ein Schreiben, indem er zumindest auf einige Punkte eingegangen ist. Aber eben immer noch selber entscheiden möchte, welche Sparmaßnahmen in welcher Form und auch in welchen Fristen umgesetzt werden.

Da ist letztendlich die Frage, soll ein Regierungschef selber noch die Hand darüber behalten welche Gesetze und welche Maßnahmen in seinem Land verabschiedet werden. Oder ist es tatsächlich legitim, dass Einzelpersonen aus anderen Ländern, die ja in der Form für diese Maßnahmen überhaupt nicht demokratisch legitimiert sind, über solche Dinge entscheiden. Auf der anderen Seite ist immer noch die Frage: Worum dreht sich überhaupt die ganzen Verhandlungen? Es geht ja letztendlich darum, dass griechische Volk in irgendeiner Form Rechnungen zu begleichen hat, die von anderen ausgehandelt wurden, von denen, die das Geld ausgegeben haben. Und jetzt soll das griechische Volk, in Form seiner Lebenszeit, umgerechnet in Steuern, wiederum dafür bezahlen und da ist doch eher die Frage: Wie gerecht ist das denn tatsächlich?

Und so viele Gelder sind Griechenland bisher überhaupt nicht erlassen worden. Weil dieser erste Schuldenschnitt 2012, mit den 105 Milliarden, tatsächlich eine Entlastung waren, das kann ich im Moment nicht genau nachvollziehen, weil ich nicht weiß ob die Netto wirklich dann erlassen wurde. Auf jeden Fall die späteren angeblichen Schuldennachlässe, die waren keine Schuldennachlässe im nominellen Sinne sondern nur, dass die Schulden über einen längeren Zeitraum und zumindest mit weniger Zinsen zurückgezahlt werden sollten. Das ist aus meiner Sicht kein Schuldennachlass, sondern eher ein Verzicht auf versprochene Gewinne, die man sozusagen aus irgendeiner Bevölkerung herauszieht. Insgesamt stelle ich auf jeden Fall in Frage, wie legitim es eigentlich ist, diese ganze Steuerthematik, zu sagen: „Es ist legitim, dass einige Wenige darüber entscheiden was mit Steuergeldern und damit mit der Lebenszeit von vielen Millionen Menschen zu passieren hat.“

Ich selber bin an der Stelle sehr kritisch uns sage: „Ich finde es nicht in Ordnung, dass eben ohne die Bevölkerung, dass sie selber überhaupt nicht entscheiden darf, dass dieses Geld für dieses oder jenes ausgegeben wird.“ Und letztendlich haben diese ganzen Zwangsmaßnahmen, die der griechischen Regierung dort verordnet werden, dass sie sie dann durchsetzen solle, keine wirkliche Perspektive, wie Griechenland von diesem Schuldenberg runterkommen soll. Genauso wenig wie alle anderen europäischen Länder irgendwelche sinnvollen Aussichten haben, diese Schulden mal eben abzutragen.

Und das nächste ist die Frage: Was steht diesen Schulden tatsächlich gegenüber? Die meisten dieser Gelder laufen inzwischen von Banken. Und diese Banken können im Endeffekt in unserem Geldsystem heute so viel Geld erzeugen wie sie wollen. Das heißt, es geht überhaupt nicht darum ob da irgendwelches Geld von Sparern wirklich dahinter steht. Sondern das Geld wird in dem Moment gebucht, solange man die Schuldtitel von Griechenland sozusagen dem gegenüber stellt. Die Frage ist halt nur, wie lange ist es eben glaubwürdig genug, dass man sagt, irgendwann wir sozusagen diese Spirale enden. Griechenland nicht ständig neue Schulden aufnehmen kann, um die Schulden und die einzelnen Kredite die ausstehen zurückzuzahlen.

So wie eben die Rate vom IWF Dienstagnacht sozusagen geplatzt ist oder nicht gezahlt werden konnte. Aber letztendlich sind es eben alles nur Luftbuchungen, die unserem Geldsystem einfach so möglich sind. Da stehen nicht wirklich Sparer dahinter, die ihr Geld verlieren. Das war eigentlich nur an der ersten Stelle, wo tatsächlich Privatpersonen die Staatsanleihen von Griechenland gehabt haben, sozusagen umfirmiert wurden und tatsächlich ihren nominellen Anspruch gegenüber Griechenland eingebüßt haben. Bei den Banken sind es nur reine Buchungsgeschichten.

Die Frage ist: Weswegen? Selbst wenn man in Deutschland Griechenland so hinstellt, als würde Griechenland die deutschen Steuerzahler ausnehmen. Es fließen keine Steuergelder, sondern es fließen vor allen Dingen Bankkredite. Die, solange sie halt nicht abgeschrieben werden, auch keiner Gegenbuchung bedürfen. Insofern möchte ich einfach an der Stelle den Rahmen etwas größer setzen uns sagen: „Es geht an der Stelle gar nicht wirklich um Griechenland und irgendwelche Zahlungsverpflichtungen.“ Sondern es geht tatsächlich die Frage: Systematik unseres Finanzsystems und unserer Staaten, dass es legitim ist, dass dort über Lebenszeit auf Jahre hinaus im Endeffekt von Menschen entschieden wird und wie mit deren Lebenszeit in Form von Steuern und Abgaben, die dort erhoben werden, überhaupt verfahren wird.

Soweit für heute ein paar Gedanken einfach zum Griechenlandthema. Und bis auf demnächst. Tschüss.

Der Beitrag Mem-Tagebuch #001: Griechenland (2015) wurde auf Martin Finger veröffentlicht.

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