Martin Finger https://martinfinger.de Freidenker & Utopist Tue, 16 Apr 2024 12:15:21 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.5.3 https://martinfinger.de/wp-content/uploads/2023/01/icon-150x150.png Martin Finger https://martinfinger.de 32 32 Zwei-Welten-Theorie in der Denkinsel https://martinfinger.de/zwei-welten-theorie-in-der-denkinsel/ Thu, 04 Apr 2024 14:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1008 Am Donnerstag, den 25.04.2024, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über meine Zwei-Welten-Theorie (2WT) philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt.

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Am Donnerstag, den 25.04.2024, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über meine Zwei-Welten-Theorie (2WT) philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt.

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Hinter den Geldschleier schauen https://martinfinger.de/hinter-den-geldschleier-schauen/ Wed, 27 Mar 2024 12:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=1004 Vom 12.04.2024 bis zum 14.04.2024 werde ich an der Tagung zum Grundeinkommen des FRIBIS in Freiburg teilnehmen. Zum einen möchte ich mit anderen Menschen in Kontakt kommen, welche sich bereits mit dem Thema Grundeinkommen beschäftigen. Zum anderen suche ich Menschen, welche sich dafür interessieren, dass ein Grundeinkommen gar keine Finanzierung benötigt. Schließlich ist das Ziel […]

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Vom 12.04.2024 bis zum 14.04.2024 werde ich an der Tagung zum Grundeinkommen des FRIBIS in Freiburg teilnehmen. Zum einen möchte ich mit anderen Menschen in Kontakt kommen, welche sich bereits mit dem Thema Grundeinkommen beschäftigen. Zum anderen suche ich Menschen, welche sich dafür interessieren, dass ein Grundeinkommen gar keine Finanzierung benötigt. Schließlich ist das Ziel eines Grundeinkommens, dass jeder Mensch Zugang zu den Ressourcen erhält, welche er für seine grundlegenden Bedürfnisse benötigt. Dafür ist eine gewaltsame Umverteilung von Geld gar nicht nötig. Es würde genügen, allen Menschen den gleichen Zugang zu einem leistungslosen Einkommen zu gewähren.

Meiner Erfahrung nach schaut kaum ein Mensch hinter den Geldschleier. Deshalb wird nicht erkannt, dass Geld keine Ressource ist, sondern ein Mittel, über welches wir den Zugriff auf Ressourcen regeln. Diese Funktion des Geldes basiert auf unserer Rechtsordnung sowie unserer täglichen Praxis der Geldnutzung. Die staatliche Gewalt trägt dazu bei, die Eigentums- und Geldordnung zu garantieren und durchzusetzen. Diese Ordnung wurde von uns Menschen erschaffen und wir können diese Regeln ändern.

Viele Menschen sind davon abhängig, ihre Lebenszeit gegen Geld einzutauschen. Etwa 10-20% aller Menschen kennen eine solche Abhängigkeit nicht. Sie könnten allein vom Bezug leistungsloser Einkommen leben. Wenn ich von leistungslosen Einkommen spreche, meine ich damit Kapitalerträge in Form von Dividenden, Mieten, Pachten oder Zinsen. Es wird viel über die staatliche Umverteilung gesprochen, welche im Rahmen der sozialen Sicherungssysteme erfolgt. Über die ebenso durch den Staat ermöglichte Umverteilung im Rahmen von Kapitalerträgen wird selten gesprochen.

Aus meiner Sicht wird das Grundeinkommen zu klein gedacht, wenn es nur als ein weiteres soziales Sicherungssystem verstanden wird. Für mich geht es beim Grundeinkommen um grundlegendere Fragen: Ist unsere heutige Eigentums- und Geldordnung angemessen für eine Gesellschaft, in welcher von der Gleichwertigkeit aller Menschen ausgegangen wird?

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Gespräche zu Credere bei Keimgedanken und dem „Agitator der sozialen Marktwirtschaft“ https://martinfinger.de/gespraeche-zu-credere-bei-keimgedanken-und-dem-agitator-der-sozialen-marktwirtschaft/ Wed, 13 Dec 2023 12:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=996 Wenn Ihr Euch gerne tiefer mit meinem Modell eines freiwilligen Grundeinkommens beschäftigen möchtet, findet Ihr hier zwei weitere Gespräche dazu. Das erste Gespräch habe ich mit Tim geführt vom Podcast Keimgedanken. Ihr findet die Folge #13 „Freiwilliges Grundeinkommen mit Martin Finger“ hier (Dauer: 97 Minuten). Wir haben zunächst über die Funktionsweise von Credere als Gleichgewichtsgeld […]

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Wenn Ihr Euch gerne tiefer mit meinem Modell eines freiwilligen Grundeinkommens beschäftigen möchtet, findet Ihr hier zwei weitere Gespräche dazu.

Das erste Gespräch habe ich mit Tim geführt vom Podcast Keimgedanken. Ihr findet die Folge #13 „Freiwilliges Grundeinkommen mit Martin Finger“ hier (Dauer: 97 Minuten). Wir haben zunächst über die Funktionsweise von Credere als Gleichgewichtsgeld gesprochen und uns dann darüber unterhalten, wie sich ein Grundeinkommen auf die Gesellschaft auswirkt.

Das zweite Gespräch habe ich mit dem „Agitator der sozialen Marktwirtschaft“ geführt. Ihr findet das Video „Credere – Wie könnte eine Reform unserer Währung aussehen?“ in seinem Kanal hier (Dauer: 47 Minuten). Wir haben uns u.a. darüber unterhalten, welche Auswirkungen es haben kann, wenn es keine Kreditgeldschöpfung mehr gäbe und das Geld als positiv geschöpftes Grundeinkommen in Umlauf kommt und einer zeitlichen Löschung unterliegt.

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DialogRaumGeld 2023 in Augsburg https://martinfinger.de/dialograumgeld-2023-in-augsburg/ Thu, 09 Nov 2023 12:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=990 Vom 23.11.2023 bis zum 25.11.2023 findet der 2. Konvent vom DialogRaumGeld in Augsburg statt. Ich werde für die Credere Stiftung dort sein und das Thema Gleichgewichtsgeld vertreten. In diesem Jahr ist das Kernstück des Konvents ein U-Prozess über eineinhalb Tage. Die Leitfrage ist „Was finden wir jenseits der Ängste vor Veränderungen des Geld- und Wirtschaftssystems?“. […]

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Vom 23.11.2023 bis zum 25.11.2023 findet der 2. Konvent vom DialogRaumGeld in Augsburg statt. Ich werde für die Credere Stiftung dort sein und das Thema Gleichgewichtsgeld vertreten.

In diesem Jahr ist das Kernstück des Konvents ein U-Prozess über eineinhalb Tage. Die Leitfrage ist „Was finden wir jenseits der Ängste vor Veränderungen des Geld- und Wirtschaftssystems?“. Da ich mich in den U-Prozess einbringen möchte, werde ich den Marktplatzstand nur am Donnerstag, den 23.11.2023, betreuen. An den anderen Tagen stehe ich gerne in den Pausen vom U-Prozess sowie abends bzw. nachmittags für Gespräche und Austausch zur Verfügung.

Ich bin gespannt auf die Erkenntnisse, welche der U-Prozess aufzeigen wird sowie die Impulse, welche sich daraus ergeben. Das Ticket für die Teilnahme am Konvent kostet aktuell 200 € plus Vorverkaufsgebühr.

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Bewerten tötet https://martinfinger.de/bewerten-toetet/ Wed, 01 Nov 2023 16:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=977 Ich habe mich mit unserem Geldsystem beschäftigt, habe meine negativen Erfahrungen mit dem Schulsystem überlebt und durch die Beschäftigung mit Gewaltfreier Kommunikation besser verstanden, wie sich Bewertungen auf unser Miteinander auswirken. Die Essenz all dieser Erfahrungen lassen sich in zwei Worten zusammenfassen: Bewerten tötet. Bewertung in Geldwert Natürlich ist diese Aussage verkürzt. Eine Bewertung tötet […]

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Ich habe mich mit unserem Geldsystem beschäftigt, habe meine negativen Erfahrungen mit dem Schulsystem überlebt und durch die Beschäftigung mit Gewaltfreier Kommunikation besser verstanden, wie sich Bewertungen auf unser Miteinander auswirken. Die Essenz all dieser Erfahrungen lassen sich in zwei Worten zusammenfassen:

Bewerten tötet.

Bewertung in Geldwert

Natürlich ist diese Aussage verkürzt. Eine Bewertung tötet uns in aller Regel nicht. Jedoch ist eine Bewertung die Grundlage, damit unsere Bereitschaft wächst, dass wir Leben nehmen oder einen anderen Menschen töten. Wenn wir dem Holz eines Baumes einen Geldwert zuschreiben, dann liefert diese Bewertung einen Grund, dass wir das Leben dieses Baumes beenden. Auch wenn wir das Holz nicht benötigen, so haben wir zumeist den Wunsch nach mehr Geld. Ebenso spielt die Bewertung in Geld eine Rolle, wenn Menschen entscheiden, die Wartung von Flugzeugen zu reduzieren, weil eine eventuelle Entschädigung von Hinterbliebenen voraussichtlich weniger Kosten verursacht.

Die Bewertung unseres Lebens in Geld, sei es in Form einer Entschädigung von Hinterbliebenen oder in Form eines Stundenlohnes. Jede Möglichkeit ein Menschenleben in ein Zahlenwerk zu pressen, ermöglicht es eine Rechnung aufzustellen, in welchen unser Leben als zu gering bemessen wird und es Menschen gibt, welche zumindest die Option – unser Leben auf dem Altar des Geldes zu opfern – billigend in Kauf nehmen.

Bewertung in Schulnoten

Eine andere Form der Bewertung stellen die Noten im Schulsystem dar. Auch wenn die Bewertungen scheinbar objektiv erfolgen, so sind die Festlegungen, was wir in welchem Umfang zu wissen hätten, willkürlich festgelegt. Ebenso verschleiert der Rückgriff auf vermeintlich eindeutige Kategorien, wie richtig und falsch, wie groß der Bewertungsspielraum für Lehrer ist, wenn sie Noten vergeben.

Die Bewertung von jungen Menschen an einem willkürlich festgelegten Maßstab, welcher im Kern darauf basiert, dass diejenigen, welche systemkonform agieren, belohnt werden und diejenigen bestraft werden, welche nicht willens oder in der Lage sind den äußeren Vorgaben entsprechend zu funktionieren, suggerieren ihnen sie seien unbrauchbar für die Gesellschaft, wenn sie deren Normvorgaben nicht erfüllen. Selbst wenn wir unsere Schulzeit überstehen, lernen wir während dieser Zeit Verhaltensweisen der Unterordnung und werden mit Selbstzweifeln und der Vorstellung von Minderwertigkeit ins Leben entlassen.

Sollten Sie sich in einer Situation oder akuten Krise befinden, in welcher Sie sich mit dem Thema der Selbsttötung beschäftigen, suchen Sie sich bitte Unterstützung. Nutzen Sie hierfür gerne das Onlineangebot der TelefonSeelsorge oder die telefonisch Kontaktmöglichkeit unter +498001110111. Danke.

Moralische Bewertung

In unserer Sprache sind wir permanent dabei, das Verhalten anderer Menschen zu bewerten oder sogar zu verurteilen. Es fällt uns sehr leicht festzulegen, welches Verhalten anderer Menschen in Ordnung sei und welches nicht. Zugleich ist uns aus dem eigenen Erleben klar, wie sehr es uns stört, wenn wir von anderen Menschen in dieser Form bewertet werden. Leider hält uns diese Erfahrung nicht davon ab, uns ebenso zu verhalten. Wir wünschen uns einen anderen Umgang miteinander und zugleich fällt es uns schwer, andere Menschen weniger in Kategorien von richtig und falsch einzuordnen und stattdessen über unsere Bedürfnisse zu sprechen.

Natürlich ist es wichtig, dass wir die Situation und Handlungen anderer Menschen bewerten, damit wir in die Lage kommen zu entscheiden, wie wir handeln wollen. Eine moralische Bewertung in Kategorien von richtig und falsch, liefert zumeist nur wenig Informationen darüber, was nicht passt, weil die Bewertung selten begründet wird. Wenn wir hingegen erläutern, warum eine konkrete Handlung gerade nicht unser Bedürfnis erfüllt, kann dies von einem anderen Menschen viel besser verstanden werden und vielleicht finden wir gemeinsam Wege, um mehr von unseren Bedürfnissen einander gegenseitig zu erfüllen.

Meine Lebensgeschichte

Dass ich weiterhin auf diesem Planeten lebe und diese Zeilen verfassen kann, ist alles andere als selbstverständlich. Ich habe erfahren können, wie problematisch es ist, wenn das Thema Selbsttötung tabuisiert wird. Inzwischen weiß ich, wie eingeschränkt meine Sichtweise damals war und was ich verpasst hätte, wäre ich erfolgreich gewesen, mein Leben während meiner Schulzeit zu beenden. Wenn Sie in einer akuten Krise stecken, nutzen Sie bitte passende Hilfsangebote, sprechen Sie mit anderen Menschen über Ihre Gedanken und geben Sie sich Zeit, Ihr Leben weiter zu leben. Jeder Mensch ist wichtig, auch Sie. Ich freue mich, wenn meine Geschichte Ihnen dabei hilft, damit Sie sich für Ihr Leben entscheiden. Vielen Dank.

Die Idee, meine Lebensgeschichte auf diese Weise zu erzählen, erhielt ich im Rahmen des Sommercampus 2023 der Pioneers of Change. Die Aufzeichnung entstand, als ich meine Geschichte „Ich bin. – Wie ich der wurde, der ich war.“ im Rahmen eines Open Space live erzählte. Die Länder, durch welche ich in meiner Geschichte reise, waren Teil eines Großgruppenprozesses während des Sommercampus. Die Länder Stagnationsland, Land des inneren Wandels, Potenzialland und Land des äußeren Wandels waren im Kreis angeordnet – um ein in der Mitte befindliches Niemandsland herum. Unsere Welt bezeichne ich als Wolfswelt, in Anlehnung an die Gewaltfreie Kommunikation. Mein Vortrag hat eine Länge von knapp zehn Minuten.

Erzählung "Ich bin." von Martin Finger.
Meine Erzählung: Ich bin. – Wie ich der wurde, der ich war.

Transkript

Transkript zu meiner Erzählung „Ich bin.“

Einleitung

Ich bin nervös. Ich kann schon mal ausprobieren, ob das, was ich gleich erzähle, authentisch ist. Dieses Hin und Herschwingen zwischen Nervosität, die jetzt – sobald ich anfange zu reden – schwindet, das Spüren, das Kribbeln. Ob irgendwas zuckt. Im Herzen das Gefühl, die Nervosität, die schwindet. Die Sicherheit, die bei mir kommt, in dem Moment, wo Ihr Euch mir zuwendet. Und dann der Verstand, der das alles erklären kann, der das Ganze wahrnimmt und die Präsenz auf all diese Sachen lenken kann und mir bereitstellt. So dass ich direkt in meine Geschichte jetzt einsteigen kann: „Ich bin. – Wie ich der wurde, der ich war.“

Heute ist mein Geburtstag. Heute ist mein vierter Geburtstag. Und das Gefühl, dass das Leben für mich immer wieder in Zyklen beginnt und ich möchte Euch jetzt mitnehmen durch meine drei Lebenszyklen, die bereits hinter mir liegen.

Erster Lebenszyklus

Von meiner ersten Geburt, an die ich keinerlei bewusste Erinnerung habe. Aber ich weiß, wo ich hingeboren wurde. In die Wolfswelt. Mitten hinein in eine Welt, auf die ich nicht vorbereitet war. Und in der ich gelernt habe, die Sprache und wie miteinander umgegangen wird. Ich wusste nicht, was ich dort lernte. Es war das Einzige, was mir beigebracht wurde und verfügbar war. Und was ich nicht wusste, dass die Menschen, die dort miteinander umgehen, nicht sagen, was sie meinen und nicht meinen, was sie sagen. Und trotzdem hielt ich das, was sie sagten, für wahr. Und ich habe gut gelernt.

Es hat 15 Jahre gedauert, bis ich das, was in der Wolfsprache gesagt wird, verinnerlicht hatte, tief verinnerlicht hatte. Ich war bereit, bereit zu töten. Und ich habe getötet. Ich habe mich getötet. Und, in dem Moment, wo ich dann bewusstlos wurde und mein erstes Leben zu Ende war.

Zweiter Lebenszyklus

Die nächste Geburt, die bevor stand, die ich dann erlebt habe, war ein Schock. Ich habe sie nicht verstanden damals. Ich habe überhaupt nicht verstanden, was mit mir passiert war. Heute weiß ich, was passiert ist. Mein Verstand hat meinen Körper genommen und ist mit ihm in die Stagnationswelt geflüchtet. Und er hatte entschieden, mein Herz wegzusperren, mit Wächtern davor, damit ich nie wieder dort einen Kontakt bekomme, weil mein Selbstmord sollte meine letzte Affekthandlung in meinem Leben sein. Nie wieder würde das passieren.

Und so war ich dann in dieser, in dieser Stagnationswelt, Land. In einer dunklen Höhle. Allein. Ich habe insgesamt 15 Jahre in diesem Land auch wieder verbracht. Und es hat viele Jahre gedauert, bevor ich überhaupt die ersten Impulse hatte, diese Höhle wieder zu verlassen. Weil meine Sehnsucht nach Zweisamkeit, nach Verbundenheit, so groß war. Und ich hab versucht. Nein, ich habe dann angefangen, mit Menschen zu sprechen. Und sie haben alle das gleiche gesucht. Und wussten überhaupt nicht, wie das geht, und wussten nicht, wie man in Verbindung kommt, wie man sich Zweisamkeit schenken kann. Hatte uns keiner beigebracht. Und, das Einzige, was wir teilen konnten, war unser Schmerz, davon hatten wir mehr als genug.

Irgendwann gab es Gerüchte. Irgendjemand hat erzählt, es gibt eine andere Gegend, ein anderes Land. Das nannte sich „Innerer Wandel“, da sollte es auch viel Schmerz geben, aber irgendwie noch mehr, mehr drum rum, mehr andere Sachen. Da ich nichts zu verlieren hatte sondern nur viel zu gewinnen, habe ich mich dorthin auf den Weg gemacht. So dass ein Lebenszyklus wieder geendet hat, nach weiteren 15 Jahren.

Dritter Lebenszyklus

Als ich in dieses Land eingetreten bin, gab es meine dritte Geburt. Es war die erste Geburt, die ich bewusst erlebt habe, in Freude. Mit Menschen gefeiert habe. Und, es war mein Startpunkt für meine Heilung. Eine Heilungsweg, in dem ich fünf Jahre lang in diesem Land unterwegs war. Versucht habe zu verstehen. Und in der ich eine neue Sprache gelernt habe. Eine Sprache der Lebendigkeit, die bereit ist auszudrücken, was in mir lebendig ist, was mir wichtig ist, was ich brauche. Und wie es geht, in Kontakt zu kommen. Wie einfach es wäre in Kontakt zu kommen. Einfach indem ich sage: „Ich möchte Kontakt.“

In den fünf Jahren, in denen ich dort geheilt bin, habe ich auch immer schon das Nachbarland bereist, das Potenzialland. Und habe dort lernen dürfen, was mir die anderen Jahre geschenkt wurde. Das anzunehmen und das größte Geschenk zu verstehen, was es bedeutet, dem Tod in die Arme zu springen. Der größten Angst, die mir vorstellbar ist. Die Angst vor dem Sterben, direkt hindurchgegangen zu sein. Und diese Erfahrung dann mir bewusst zu machen und zu transformieren und anzunehmen. Und zu verstehen, dass, dass es ein unglaubliches Geschenk ist, dass ich noch da bin.

Nach diesen fünf Jahren habe ich mich dann langsam bewegt in das Niemandsland, von dem ich weiterhin das Potenzialland besucht habe. Ich bin jetzt zehn Jahre in diesem Land gewesen. Und habe auch immer schon Abstecher gemacht in das andere Land, dass des äußeren Wandels. Und hab mal gekuckt: Wer bin ich jetzt? Wer will ich sein? Wofür, wofür will ich dieses Potenzial, von dem ich immer mehr erfahre, nutzen? Wofür will ich es einsetzen? Was ist meine Idee für mich, für die Welt, und was ist meine Intention dabei?

Ich konnte einfach spüren, wie, wie meine drei Bestandteile: Körper zum Spüren, Herz zum Fühlen und Verstand, um zu verstehen, um zu begreifen, zu einer Einheit wurden. Diese Dinge passieren nicht losgelöst voneinander, sondern ich denke, fühle und spüre alle drei Ebenen zusammen. Und für mich ist einfach wichtig, das in die Welt zu bringen. Und, die große Frage: Warum? Weil, wenn der Schmerz doch so viel Gutes für mich bereithielt, warum es nicht weiter so laufen lassen?

Aufbruch in den vierten Lebenszyklus

Meine tiefe Überzeugung ist, dass wir unser Potenzial besser und schneller entfalten können, wenn wir den Schmerz weglassen. Dass wir diese Strukturen nicht dazu brauchen, um unser Potential zu ziehen, weil wir viel mehr Zeit damit beschäftigt sind, das wieder in Ordnung zu bringen. Und vor allem, weil nicht alle Menschen dieses Glück haben, das wir im Endeffekt mehrere Lebenszyklen in einem Leben bekommen. So wie mein Vater, der im Endeffekt nach seinem ersten Lebenszyklus ausgestiegen ist. Auf dem gleichen Weg. Der also nicht die Möglichkeit [hatte], etwas anderes zu erfahren.

Und deswegen ist es mir so wichtig, in diesem äußeren Wandel, diese, meine Erfahrungen einzubringen. Und dabei zu helfen, dass diese Offenheit, die einfach, wenn wir als Einheit in uns ruhen, für alle Menschen greifbar, fühlbar, erfahrbar wird. Ich hatte schon meine erste Reiseplanung fertig, da wurden zwischen den Ländern plötzlich die Grenzen dicht gemacht. Stopp! Keine Migration mehr, keiner darf irgendwo hin. Alle mussten stehen bleiben.

Huh. Dann, wieder kucken, Energie. Was ist jetzt dran? Und dann habe ich mich entscheiden, meine Vision, die ich in die Welt bringen möchte, aufzuschreiben. Da ist mein Buch entstanden, mit dem ich jetzt zusätzlich gehen kann. Das mich trägt und stützt. Es mir einfach noch mal leichter macht, hierher zu gehen und nachdem die Grenze wieder offen war, ich jetzt auf den ersten Steps unterwegs bin.

Und ein Step, der mich hier zu den Pioneers geführt hat. Und mir noch etwas ermöglicht hat. Während ich meine Vision schon sehr klar hatte, ist mir noch nicht klar geworden, dass meine Lebensgeschichte ich noch nicht umgeschrieben habe. Ich habe immer noch gesagt ich bin ein Kopfmensch. Das habe ich immer noch als Identität beibehalten. Und ich sage jetzt, hier in dieser Woche, mit den Impulsen, die ich bekommen habe: Das bin nicht mehr ich. Dieses Konzept ist mir zu starr. Ich bin eine Einheit, die in allen Ebenen, lebendig ist. Und die nicht gegeneinander, sondern sich unterstützen nach vorn.

Und deshalb bin ich sehr dankbar für diese ganze Woche. Dass ich meine Lebensgeschichte umschreiben konnte, um einen nächsten Baustein loszulassen, aus der Anhaftung rauszukommen und zu sagen: „Ich bin.“

Jeah, Jeah. Applaus. Jubel. Alle knuddeln. Alle zusammen die möchten einen großen Knuddelhaufen.

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Impulsvortrag vom INWO Webinar „Das Geld entmachten“ https://martinfinger.de/impulsvortrag-vom-inwo-webinar-das-geld-entmachten/ Thu, 12 Oct 2023 08:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=968 Mein Impulsvortrag vom Webinar bei der INWO zum Thema „Das Geld entmachten – Wie Gleichgewichtsgeld die Idee von Geldreform und Grundeinkommen verbindet.“ ist online. Dauer: 14 Minuten.

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Mein Impulsvortrag vom Webinar bei der INWO zum Thema „Das Geld entmachten – Wie Gleichgewichtsgeld die Idee von Geldreform und Grundeinkommen verbindet.“ ist online. Dauer: 14 Minuten.

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INWO Webinar „Das Geld entmachten.“ https://martinfinger.de/inwo-webinar-das-geld-entmachten/ Tue, 22 Aug 2023 09:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=953 Wer heute über Geld verfügen kann, verfügt damit auch über Macht. Weil viele Menschen von einem Geldeinkommen abhängig sind, um einen legalen Zugang zu lebenswichtigen Gütern zu erhalten wie Kleidung, Nahrung und Unterkunft. Aufgrund dieser Abhängigkeit treffen tagtäglich viele Menschen die Entscheidung, mehr Zeit für die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen aufzuwenden statt für ihre Erhaltung. Ich […]

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Wer heute über Geld verfügen kann, verfügt damit auch über Macht. Weil viele Menschen von einem Geldeinkommen abhängig sind, um einen legalen Zugang zu lebenswichtigen Gütern zu erhalten wie Kleidung, Nahrung und Unterkunft. Aufgrund dieser Abhängigkeit treffen tagtäglich viele Menschen die Entscheidung, mehr Zeit für die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen aufzuwenden statt für ihre Erhaltung. Ich möchte am Samstag, den 07.10.2023, ab 15:30 Uhr mit Ihnen darüber sprechen, wie wir die Rolle des Geldes verändern können, indem wir mit dem Gleichgewichtsgeld Credere jedem Menschen ein Grundeinkommen gewähren.

Wann und wo?

Das Webinar mit dem Titel: „Das Geld entmachten. Wie Gleichgewichtsgeld die Idee von Geldreform und Grundeinkommen verbindet.“ findet am Samstag, den 09.09.2023, ab 15:30 Uhr statt. Das Webinar wird von der INWO – Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung e.V. – über die Software Zoom veranstaltet. Um die Zugangsdaten zu erhalten, melden Sie sich bitte über die Adresse inwo(at)inwo.de zum Webinar an.

Update vom 07.09.2023

Der Termin für das Webinar wurde auf Samstag, den 07.10.2023, verschoben. Das Webinar beginnt weiterhin um 15:30 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, eine Teilnahme über die Software Zoom ist direkt über diesen Link möglich:
https://us02web.zoom.us/j/87304126334?pwd=M2ZmdFkrajN1eXh4SU90VFljWE9lZz09

Alternativ ist eine Teilnahme auch über diese Zugangsdaten möglich.
Meeting-ID: 873 0412 6334
Kenncode: 729547

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Vermögensumverteilung durch Geldschöpfung https://martinfinger.de/vermoegensumverteilung-durch-geldschoepfung/ Thu, 20 Jul 2023 12:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=949 In weiten Teilen der Ökonomie sowie bei den Zentralbanken ist inzwischen akzeptiert, dass die Geldschöpfung aus dem Nichts erfolgt. Bei der Rolle des Bargeldes besteht diese Sichtweise in dieser Form noch nicht. Hier wird noch so getan, als würde dieser Teil des Geldes von den Zentralbanken geschöpft. Dabei sind sie nur diejenigen, welche formal das […]

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In weiten Teilen der Ökonomie sowie bei den Zentralbanken ist inzwischen akzeptiert, dass die Geldschöpfung aus dem Nichts erfolgt. Bei der Rolle des Bargeldes besteht diese Sichtweise in dieser Form noch nicht. Hier wird noch so getan, als würde dieser Teil des Geldes von den Zentralbanken geschöpft. Dabei sind sie nur diejenigen, welche formal das Notenbankmonopol haben. In Umlauf gelangt das Geld nur im Austausch gegen Buchgeld. Damit Bargeld umlaufen kann, musste zuvor Buchgeld von den Geschäftsbanken erzeugt werden.

Nachdem einige Menschen inzwischen wissen, dass unser Buchgeld durch die Kreditvergabe entsteht, ist vielen Menschen noch unklar, dass Banken auch durch den Ankauf von Vermögenswerten Geld schöpfen können. Wenn eine Bank eine Aktie oder eine Immobilie kauft, kann sie das Geld dafür ebenfalls aus dem Nichts schöpfen. Sie muss nur in der Lage sein, den Vermögenswert auf der Aktivseite ihrer Bilanz zu aktivieren.

Es gibt in der Ökonomie einige Sichtweisen, welche die Geldschöpfung als notwendig ansehen, um z.B. Investitionen zu ermöglichen. In der Realität bedeutet allerdings jede Ausweitung der Geldmenge eine Umverteilung von Vermögen. Schließlich trifft die vergrößerte Geldmenge immer auf ein zunächst unverändertes Volumen an Ressourcen. Erst durch die Veränderung der Verteilung der Geldmittel verändert sich in der Folge auch das Angebot an Ressourcen. Ist eine Ressource bereits maximal genutzt, dann führt eine Ausweitung der Geldmenge zu einer Verteuerung des Rohstoffes.

Da der Zugang zur Geldschöpfung bei den Menschen sehr unterschiedlich ist und Menschen mit Vermögen – welches sie Banken ggf. als Sicherheiten anbieten können – leichter Kredite erhalten, trägt die Geldschöpfung direkt dazu bei, dass die Vermögensungleichheit steigt. Diese Umverteilung der Geldschöpfung wird durch die Umverteilung mittels Zins weiter verstärkt. Der Erwerb einer Eigentumswohnung über Kredit und die Tilgung des Kredites über die Mieteinnahmen kombiniert beide Umverteilungseffekte. Bereits die Kreditgewährung sorgt für eine Vermögensumverteilung.

Umverteilungswirkung der Geldschöpfung

An einem abstrakten Beispiel lässt sich diese Vermögensumverteilung einfacher nachvollziehen. Zu Beginn besteht absolute Gleichverteilung der Vermögen. Es gibt 100 Menschen, jeder hat eine Eigentumswohnung im Wert von 500.000 Euro. Zusätzlich hat jeder Geldvermögen von 10.000 Euro. Somit liegt das gesamte Vermögen bei 51.000.000 Euro und es ist unter den 100 Menschen absolut gleichverteilt.

Jetzt bringen wir eine Bank ins Spiel, welche einem der 100 Menschen einen Kredit von 500.000 Euro gewährt, damit er einer anderen Person die Wohnung abkaufen kann. Damit erhöht sich die Geldmenge um 50% von 1.000.000 auf 1.500.000 Euro. Wäre für alle Beteiligten die Änderung der Geldmenge transparent, dann müssten sie nun auch alle Preise um 50% anheben. Solange es den Teilnehmern verborgen bleibt, kann allerdings derjenige, welcher über das zusätzliche Geld verfügt, andere Menschen übervorteilen und sich so Vermögen aneignen.

Betrachten wir die Vermögensverhältnisse basierend auf den Preisen, welche vor Erhöhung der Geldmenge um 50% galten, so ist die Vermögensumverteilung nicht ersichtlich. Denn trotz des Wohnungsverkaufs sind die Nettovermögen – also Bruttovermögen abzüglich der Schulden – scheinbar noch gleich hoch. Der Verkäufer der Wohnung hat nun ein Geldvermögen von 510.000 Euro. Der Wohnungskäufer hat nun Wohnungen im Wert von 1.000.000 Euro und weiterhin 10.000 Euro Geldvermögen. Da er zugleich noch 500.000 Euro Schulden hat, hat auch er weiterhin 510.000 Euro Nettovermögen.

Die Änderung in den Vermögenswerten kann erst erkannt bzw. nachvollzogen werden, wenn die Änderung der Geldmenge auch bei der Bewertung der Wohnungen berücksichtigt wird. Zuvor basierte die Bewertung der Wohnungen auf einer Geldmenge von 1.000.000 Euro. Mit dem Anstieg der Geldmenge um 50% würde somit der Wert einer Wohnung von 500.000 Euro auf 750.000 Euro ansteigen. Somit entsprechen die Geldvermögen von 10.000 Euro nicht mehr 1/50 einer Eigentumswohnung, sondern nur noch 1/75.

Neubewertung der Sachwerte

Mit dieser Neubewertung der Sachwerte stellt sich die Vermögensverteilung deutlich anders dar. Der Käufer der Eigentumswohnung hat nun ein Nettovermögen von 1.010.000 Euro – zwei Wohnung je 750.000 Euro, Geldmittel 10.000 Euro, Schulden 500.000 Euro. Noch klarer wird die Vermögensverteilung, wenn diese in Wohnungen ausgedrückt wird. Vor dem Verkauf der einen Wohnung hatten alle eine Wohnung sowie Geldwerte im Wert von 1/50 Wohnung, also insgesamt ein Vermögen von 1,02 Wohnungen.

Ausgehend von dieser Bewertung, hat unser Käufer nun ein Nettovermögen von 1,343 Wohnungen. Für die 98 Menschen, welche an dem Wohnungskauf nicht beteiligt waren, ergibt sich allein aufgrund der Erhöhung der Geldmenge ein Vermögensverlust von jeweils 0,007 Wohnungen, weil ihre 10.000 Euro nur noch 1/75 statt 1/50 einer Wohnung entspricht. Obwohl sich ihr Vermögen als Geldwert von 510.000 Euro auf 760.000 Euro erhöht hat, haben sie in Sachwerten gerechnet einen Verlust erlitten. Am schlechtesten schneidet unser Verkäufer der Wohnung ab. Sein Vermögen ist von 1,02 Wohnungen auf 0,68 Wohnungen gesunken – 510.000 Euro entsprechen bei einem Wohnungswert von 750.000 Euro nur noch 68% einer Wohnung.

Fazit

Natürlich könnte argumentiert werden, dass durch die Tilgung des Kredits die Geldmenge wieder auf das vorherige Niveau zurückfällt und daher keine Neubewertung des Sachwertes der Eigentumswohnung erfolgen müsste. Allerdings passiert diese Rückführung der Geldmenge in unserem Geldsystem nicht. Während einzelne Kredite immer wieder getilgt werden, steigt die Geldmenge in absoluten Zahlen immer weiter an. Somit ist die Umverteilung durch Geldentwertung von Dauer.

Aus meiner Sicht gilt es, das gegenwärtige Prinzip der Geldschöpfung kritisch zu hinterfragen und zu erkennen, in welchem Umfang bereits die Geldschöpfung selbst zur Vermögensumverteilung aktiv beiträgt und nicht erst der Zins oder Zinseszins, welche die Umverteilung allerdings weiter verstärken. Hier würde die Einführung des Gleichgewichtsgeldes Credere zu einer Veränderung führen und allen Menschen – über die Auszahlung als Grundeinkommen – einen gleichen Zugang zur Geldschöpfung ermöglichen und dadurch ein systemisches Element von Ungleichbehandlung überwinden.

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Egoistische Gesellschaft https://martinfinger.de/egoistische-gesellschaft/ Wed, 14 Jun 2023 08:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=944 In diesem Beitrag möchte ich mich dem Begriff des Egoismus widmen und erklären, warum ich den darin enthaltenen Vorwurf nicht teile und es sogar für gefährlich halte, ihn zu verwerfen. Neben der inhaltlichen Bedeutung haben Begriffe oftmals noch eine Ebene, auf welcher sie eine moralische Bewertung erfahren. Entsprechend den Werten, welche eine Gesellschaft zu einer […]

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In diesem Beitrag möchte ich mich dem Begriff des Egoismus widmen und erklären, warum ich den darin enthaltenen Vorwurf nicht teile und es sogar für gefährlich halte, ihn zu verwerfen.

Neben der inhaltlichen Bedeutung haben Begriffe oftmals noch eine Ebene, auf welcher sie eine moralische Bewertung erfahren. Entsprechend den Werten, welche eine Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit propagiert, erhalten Begriffe einen moralischen Marker im Sinne eines „gut“ oder „schlecht“ angeheftet. Wodurch eine Gesellschaft ihre Mitglieder dazu bringen möchte, bestimmte Verhaltensweisen zu bevorzugen bzw. zu unterlassen, ohne auf Argumente zurückgreifen zu müssen.

Während der Begriff des Egoismus auf der Bedeutungsebene nur zum Ausdruck bringt, dass ich etwas tue, was ich für mich selbst als nützlich ansehe, haftet dem Begriff auf der gesellschaftlichen Ebene oftmals der moralische Marker „schlecht“ an. Der Grund dafür ist, dass über den Begriff hinaus einem Egoisty bestimmte Verhaltensweisen zugeordnet werden. Die Erwartung ist, dass ein Egoisty sich seinen Vorteil dadurch verschafft, dass er zugleich anderen schadet.

Als Gegenentwurf zum Egoismus wurde schließlich der Begriff des Altruismus entworfen. In der Bedeutung, in welcher dieser Begriff den moralischen Marker „gut“ erhält, wird davon ausgegangen, dass meine Handlung nicht nur für andere außer mir einen Nutzen hat, sondern dass diese Handlung für mich als Handelnden möglichst mehr Nachteile als Vorteile beinhalten soll.

Indem wir Handlungen entsprechend dem dualistischen Begriffspaar von Egoismus und Altruismus einordnen, erschaffen wir uns ein Problem. Wenn Handlungen als schlecht verurteilt werden, wenn sie dem Handelnden einen Vorteil ermöglichen und eine Handlung als gut beurteilt werden, wenn sie nur anderen als dem Handelnden einen Vorteil verschaffen und ihm selbst zum Nachteil gereichen, dann sagen wir damit nichts anderes aus, als dass wir uns selbst für das Ganze opfern sollen.

In dem Umfang, wie der Altruismus als Selbstaufgabe verstanden wird, in diesem Umfang wird dieses Konzept zum willfährigen Diener von Herrschaft. Schließlich profitiert jede Herrschaft davon, wenn es ihr gelingt, Menschen dazu zu bringen, ihr Leben für vermeintlich höhere Ziele zu opfern. In der Verurteilung des Egoismus schwingt somit auch eine Ablehnung der eigenen Existenz mit und steht damit im Widerspruch zur von mir formulierten Existenzethik.

Dabei ist es interessant zu betrachten, in welchem Umfang wir in unserer Gesellschaft – obwohl der Vorwurf eines egoistischen Handelns so oft gebraucht wird – überhaupt zu egoistischem Handeln in der Lage sind. Schließlich müssen wir uns permanent mit Rahmenbedingungen arrangieren, in welchen wir kaum mehr sind als eine Maschine, welche strikt – entsprechend äußerer Vorgaben – zu funktionieren hat. Neben der Arbeitswelt sind wir solchen Beschränkungen ebenso in unserer Freizeit und beim Konsum unterworfen, welche von uns individuell kaum beeinflusst werden können.

Insofern ist der Vorwurf des Egoismus – aus meiner Perspektive – eher als eine weitere Methode zur Stabilisierung von Herrschaft zu betrachten. Schließlich dient der Vorwurf dazu, dass wir den einzigen sinnvollen Maßstab aufgeben, um unsere Handlungen zu bewerten. Wenn Ludwig von Mises sich in der Praxeologie der Frage widmete, was uns Menschen zum Handeln bringt, und eine wichtige Motivation darin findet, dass wir unsere Situation verbessern wollen, dann dient der Egoismusvorwurf schließlich nur dazu, uns diesen inneren Kompass zu entreißen und an seine Stelle die Vorgaben irgendeiner Obrigkeit zu setzen. Daher plädiere ich dafür, dass wir uns den Egoismus bewahren. Wir selbst sind die einzige Instanz, welche in der Lage ist zu entscheiden, ob eine Handlung unsere Situation verbessert. Die Verbindung zu unseren Bedürfnissen und uns selbst ist wichtig, nur so können wir erfahren, ob wir im Einklang mit unserer Lebendigkeit handeln und ein für uns lebenswertes Leben führen.

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Impulsvortrag zum utopischen Potenzial eines Grundeinkommens https://martinfinger.de/impulsvortrag-zum-utopischen-potenzial-eines-grundeinkommens/ Fri, 19 May 2023 16:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=933 Mein Impulsvortrag vom 17.05.2023 zum Thema „Utopisches Potenzial eines Grundeinkommens“ wurde im Videokanal der Attac AG „Genug für Alle“ veröffentlicht.

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Mein Impulsvortrag vom 17.05.2023 zum Thema „Utopisches Potenzial eines Grundeinkommens“ wurde im Videokanal der Attac AG „Genug für Alle“ veröffentlicht.

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Existenzethik https://martinfinger.de/existenzethik/ Thu, 11 May 2023 09:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=925 Nachdem ich im April 2023 mein Konzept zur Existenzethik in der Denkinsel erstmals im kleineren Kreis besprochen habe, möchte ich darüber auch hier im Blog schreiben, um mit mehr Menschen meine Gedanken darüber zu teilen. Einleitende Überlegungen Für mich ist es wichtig, eine Differenzierung zwischen dem Begriff der Ethik und der Moral vorzunehmen, auch wenn […]

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Nachdem ich im April 2023 mein Konzept zur Existenzethik in der Denkinsel erstmals im kleineren Kreis besprochen habe, möchte ich darüber auch hier im Blog schreiben, um mit mehr Menschen meine Gedanken darüber zu teilen.

Einleitende Überlegungen

Für mich ist es wichtig, eine Differenzierung zwischen dem Begriff der Ethik und der Moral vorzunehmen, auch wenn beide Begriffe oft als Synonyme verwendet werden. Eine Ethik ist für mich ein gedankliches Konstrukt, in welchem sich auf einen oder mehrere Werte bezogen wird. Die Ethik liefert dabei eine – ggf. auch subjektive – Begründung, warum die herausgestellten Werte für wichtig gehalten werden. Eine Moral konzentriert sich darauf, Handlungen mittels eines dualistischen Bewertungsschemas in Kategorien von Gut und Böse oder Richtig und Falsch einzuordnen und bedient sich dabei eher Methoden einer generellen moralischen Verurteilung statt einer situativen Beurteilung einer Handlung und ihrer Umstände. Auch wenn eine Moral ebenso auf Werten basiert, stehen diese – im Vergleich zu einer Ethik – eher im Hintergrund.

Eine Ethik soll mir vor allem Begründungen liefern, warum ich meine Handlungen an einem bestimmten Wert ausrichten sollte, indem sie mir die damit verbundenen Vor- und Nachteile vermittelt. Diese Informationen sollen mich in die Lage versetzen, meine Handlungen sowie die Handlungen anderer Menschen selbstständig zu beurteilen. Mit einer Ethik erhalte ich somit Kriterien an die Hand, um selbst einen Maßstab zur Bewertung von Handlungen zu entwickeln.

Herleitung

Meine Existenzethik beginnt mit dem Gedanken: „Ich bin.“ Dieser ist identisch mit dem 1. Axiom aus meiner Zwei-Welten-Theorie. Der Grund dafür ist leicht nachvollziehbar, auch für die Existenzethik bin ich darauf angewiesen, zunächst meine eigene Existenz festzustellen. Eine Parallele zu Descartes mag hier scheinbar naheliegen, würde uns allerdings in eine andere Richtung führen als diejenige, um welche es mir an dieser Stelle geht. Nach der Feststellung der eigenen Existenz lautet meine These, auf welcher die Existenzethik basiert:

Ich bevorzuge meine Existenz gegenüber meiner Nicht-Existenz.

Auch wenn unsere Handlungen, welche wir kollektiv innerhalb der bestehenden gesellschaftlichen Strukturen ausführen, fast schon als Anti-These zu dieser Annahme verstanden werden könnte, so gilt die Existenzethik immer nur individuell. Sie kann nicht im Namen einer abstrakten oder imaginierten Gruppe postuliert werden, da es jedem Menschen selbst überlassen ist, über seine Handlungen zu entscheiden.

Die zunächst nur individuell formulierte These wird nun auf alles projiziert, was existiert. Sowohl geistige als auch materielle Entitäten. Einige Beispiele sind: Gedanken, Lebewesen, Materie, Musik, Sprache, Wissen. Explizit ausgenommen sind hierbei Handlungen. Schließlich soll die Existenzethik dazu befähigen zu entscheiden, ob ich eine Handlung ausführe oder nicht. Würde die Existenzethik Handlungen bereits einschließen, dann würde dies die Ethik selbst obsolet machen, da es keinen Entscheidungsspielraum mehr gäbe, um Handlungen entsprechend ihrer erwarteten Wirkungen auszuwählen.

Ein Wert entsteht nicht aus sich heraus, sondern er basiert immer auf einer willkürlichen Setzung durch uns Menschen. Dies ist bei der Existenzethik ebenso. Dass die Existenz überhaupt zu einem Wert wird, erfolgt durch die Setzung in der These. Durch die Überordnung der Existenz über die Nicht-Existenz ergibt sich diese Wertsetzung. Mit der Projektion der These auf alles Seiende ergibt sich das folgende Axiom:

Alles, was existiert, hat einen Wert, allein aufgrund seiner Existenz.

Definition Existenzethik

Ethik, welche der Existenz allem Seienden – unabhängig von seiner Form oder Zustand, geistig oder materiell – einen Wert beimisst. Nicht von der Existenzethik erfasst sind Handlungen, da sonst kein Entscheidungsrahmen verbliebe, um zu entscheiden, ob eine Handlung ausgeführt oder unterlassen werden sollte.

Anwendungsbeispiel Existenzethik

Jeder Mensch wird die Bewertung der Existenz eines Seienden unterschiedlich einordnen. Hierbei ergibt sich eine Rangfolge, welche immer subjektiv, individuell und über die Zeit variabel ist. Für die folgenden Beispiele gehe ich von dieser Rangfolge aus:

Spinne < Getreidepflanze < Baum < Du < Ich < Nachkommen

Aufgrund der Reihenfolge der verschiedenen Existenzen ergeben sich bestimmte Abwägungen, welche Existenzen ich bereit bin zu beenden, um eine andere Existenz zu erhalten. Dabei ist immer die Grundhaltung, dass ich eine Existenz nur deshalb beende, weil dies für den Erhalt einer anderen Existenz notwendig ist.

Um meine Existenz zu sichern, bin ich bereit die Existenz der Getreidepflanze zu beenden, damit ich mich ernähren kann. Ich würde allerdings nicht den Baum fällen, um der Getreidepflanze die Existenz zu sichern. Benötige ich das Holz des Baumes z. B. für ein Feuer, um im Winter nicht zu erfrieren, wäre dies ein Grund, dessen Existenz zu beenden.

Wenn ich durch die Aufgabe meiner Existenz das Überleben meines Nachkommens sichern kann, wäre auch dies eine plausible Handlungsentscheidung. Während die Tötung der Spinne, nur weil ich sie fürchte oder als unästhetisch empfinde, ein Verstoß gegen die Existenzethik bedeutet. Schließlich hätte ich die Spinne aus Willkür getötet und nicht um eine andere Existenz zu schützen.

Ein grundlegender Konflikt entsteht aus dem Ich-Du-Verhältnis. Ich werde davon ausgehen können, dass meine subjektive Einordnung – meine Existenz über diejenige meines Gegenübers zu stellen – bei meinem Gegenüber ebenso vorhanden ist, nur mit umgekehrten Vorzeichen: er wird seine Existenz über meine stellen. Ausgehend von dieser Überlegung kann ich den logischen Schluss ziehen, dass ich meine Existenz am besten schütze, indem ich die Existenz meines Gegenübers nicht gefährde, sondern helfe diese zu bewahren.

Zusammenfassung

Meine Existenzethik ist so gedacht, dass allem Seienden Wert beigemessen wird. Grundlage ist die Wertschätzung der eigenen Existenz, welche sich dadurch zeigt, dass ich sowohl meine eigene als auch die Existenz anderer schütze. Nur wenn ich meine Handlungen so wähle, dass diese sowohl meine als auch die Existenz anderer ermöglichen, schütze ich meine Existenz nachhaltig.

Wenn ich meine Existenz durch Handlungen versuche zu schützen, welche die Auslöschung anderer Existenzen zur Folge haben können, dann setze ich mutwillig meine eigene Existenz auf Spiel. Bereits mit der Wahl von Handlungen, welche die Option der eigenen Auslöschung beinhalten – durch eigene Handlung oder aufgrund einer möglichen Reaktion anderer – steht diese Wahl bereits im Widerspruch zur Existenzethik.

Dahingegen kann die Entscheidung, die eigene Existenz zu gefährden, als Reaktion zum Schutz der eigenen oder anderer Existenzen wiederum im Einklang mit der Existenzethik stehen, sofern sowohl in den Mitteln als auch im Ziel immer deutlich wird, dass es darum geht, Existenzen zu bewahren. Die Entscheidung ist von jedem Menschen individuell zu treffen und bleibt subjektiv.

An diesem Punkt verbindet sich die Existenzethik mit meinem Konzept der „reziproken Freiheit“, welches ich in meinem Buch „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ beschrieben habe. In diesem geht es darum, dass ich meine Freiheit auf Handlungen beschränke, welche ich verantworten kann. Verantworten bedeutet hierbei, dass ich alle unerwünschten Handlungsfolgen so vollständig behebe, als wären diese niemals aufgetreten. Die Beurteilung, ob eine Handlungsfolge unerwünscht ist, liegt nicht bei mir, sondern beim Betroffenen selbst.

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Utopisches Potential eines Grundeinkommens https://martinfinger.de/utopisches-potential-eines-grundeinkommens/ Wed, 03 May 2023 11:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=921 Wir stehen vor der Herausforderung, dass wir viele unserer gesellschaftlichen Umgangsformen und Verhaltensweisen überdenken und ändern müssten, um im Einklang mit der Ökosphäre unseres Planeten zu leben. Ein Baustein, um diese Veränderung zu ermöglichen, ist es ein Grundeinkommen einzuführen. Wie viel utopisches Potential im Grundeinkommen steckt möchte ich mit Ihnen gerne am Mittwoch, den 17.05.2023 […]

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Wir stehen vor der Herausforderung, dass wir viele unserer gesellschaftlichen Umgangsformen und Verhaltensweisen überdenken und ändern müssten, um im Einklang mit der Ökosphäre unseres Planeten zu leben. Ein Baustein, um diese Veränderung zu ermöglichen, ist es ein Grundeinkommen einzuführen. Wie viel utopisches Potential im Grundeinkommen steckt möchte ich mit Ihnen gerne am Mittwoch, den 17.05.2023 besprechen.

Wann und wo?

Es wird am Mittwoch, den 17.05.2023, zwei Gelegenheiten geben, um mit mir ins Gespräch zu kommen. Die erste Gelegenheit ist von 18 Uhr bis 19 Uhr beim Onlineseminar der Attac AG „Genug für Alle“. Dieses Treffen wird über die Software Zoom stattfinden. Der Zugang sollte mit diesem Link möglich sein. Alternativ stehen die Zugangsdaten auch auf der Seite der Arbeitsgruppe.

Ab 20 Uhr bis ca. 22 Uhr gibt es die Gelegenheit, den Austausch beim BGE-Stammtisch der Sozial-Guerilla weiter zu vertiefen. Dieses Treffen erfolgt über BigBlueButton. Der Zugang sollte über diesen Link möglich sein. Alternativ können die Zugangsdaten auch bei der Sozial-Guerilla oder in der BGE Community nachgelesen werden.

Utopisches Potential

Statt das Grundeinkommen als weiteren Baustein des Sozialstaates zu betrachten, sehe ich darin deutlich mehr utopisches Potential, um unsere zukünftige Gesellschaft zu gestalten. Im Impulsvortrag werde ich meine Gedanken mitteilen und erzählen, welche Rolle das Grundeinkommen spielen könnte, um uns den Übergang in eine staats- und gewaltfreie Gesellschaft zu ermöglichen, in welcher alle Menschen selbstbestimmt leben können. Das beinhaltet auch, dass wir das Grundeinkommen statt als Anspruch als gegenseitiges Geschenk begreifen. Erst durch die Freiwilligkeit, sowohl bei den Empfangenden als auch den Gebenden, etablieren wir eine Haltung der Wertschätzung einem jeden Menschen gegenüber.

Indem wir das Grundeinkommen direkt in der Gesellschaft verankern, es freiwillig, gewaltfrei und schrittweise einführen, durch Nutzung einer komplementären Währung auf der Grundlage des Gleichgewichtsgeldes, benötigen wir weder Staat noch politische Mehrheiten. Wir können direkt mit der Umgestaltung unserer Gesellschaft beginnen und diese so gestalten, dass wir alle gern in ihr leben wollen.

Weiterführende Informationen dazu gibt es auf meiner Webseite ebenso wie eine Open-Access-Version meines Buches „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“.

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Gewaltfreie Transformation statt Kampf https://martinfinger.de/gewaltfreie-transformation-statt-kampf/ Mon, 24 Apr 2023 09:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=915 In Bewegungen, welche sich mit gesellschaftlichem Wandel beschäftigen, wird die erwünschte Transformation gerne mit dem Wandel der Raupe zum Schmetterling verglichen. Allerdings wird die Geschichte von der Metamorphose der Raupe zum Schmetterling zumeist so erzählt, dass es einen Kampf zwischen den Zellen der Raupe und neu entstehenden Imago-Zellen gäbe, welche vermeintlich den Wandel zum Schmetterling […]

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In Bewegungen, welche sich mit gesellschaftlichem Wandel beschäftigen, wird die erwünschte Transformation gerne mit dem Wandel der Raupe zum Schmetterling verglichen. Allerdings wird die Geschichte von der Metamorphose der Raupe zum Schmetterling zumeist so erzählt, dass es einen Kampf zwischen den Zellen der Raupe und neu entstehenden Imago-Zellen gäbe, welche vermeintlich den Wandel zum Schmetterling einleiten.

Ursprung des Schmetterlingsnarratives

Soweit ich feststellen konnte, stammt die Erzählung aus dem Buch „Butterfly“ von Norie Huddle aus dem Jahr 1990. Die Geschichte der Transformation war von Anfang an eine Metapher für die Transformation unserer Gesellschaft und hatte nichts mit der biologischen Realität von Raupe und Schmetterling zu tun. Wovon ich hoffe, dass es denjenigen, welche diese Geschichte weitererzählen, bekannt und bewusst ist. Entsprechend gibt es keinen Grund, diese Geschichte so zu erzählen, dass eine bestehende Gesellschaft nur durch eine gewaltsame Auseinandersetzung in eine andere Gesellschaft geändert werden kann.

Ich gehe davon aus, dass die in der Geschichte als „imaginal cells“, bzw. in den deutschen Varianten meist als „Imago-Zellen“, bezeichneten Zellen von der Autorin erfunden wurden, um die Geschichte so erzählen zu können, wie sie es getan hat. Nach meinem Verständnis von Evolution wären Schmetterlinge sowie andere Arten längst ausgestorben, wenn deren Metamorphosen so ablaufen würden, dass dieser energieaufwendige Prozess dadurch gestört würde, dass die Zellen der Larvenform und der adulten Form sich gegenseitig bekämpften.

Eine integrierende Transformationsgeschichte

Wir leben in einer Gesellschaft, welche von Gewalt geprägt ist. Daher ist es nachvollziehbar, dass diese Gewalterfahrung auch in einer solchen Transformationsgeschichte reproduziert wird. Um sich von dieser Reproduktion des Erlernten zu lösen ist es daher wichtig, die Transformation zumindest gewaltfrei zu denken und sich Gewalt so umfassend wie möglich zu entziehen. Das Erlernen von Methoden, um Gewalt ins Leere laufen zu lassen und die vermeintlichen Gegner als Akteure in eine gewaltfreie Transformation einzubeziehen, ist aus meiner Sicht der Schlüssel, um eine gewaltfreie Gesellschaft zu verwirklichen. Daher ist meine Empfehlung, die Metamorphose zum Schmetterling in Zukunft so zu schildern:

In dem Moment, wenn die Raupe aus ihrem Ei schlüpft, ist in ihr bereits das Potenzial zum Schmetterling angelegt. Damit sie dieses Potenzial entfalten kann, ist es ihre Aufgabe: so viel Energie wie möglich sammeln. Auch wenn die Raupe in diesem Zustand für ihre Umwelt zur Belastung werden kann, kann sie sich dieser Aufgabe nicht entziehen, ohne zugleich ihre Existenz aufzugeben. In der Folge käme sie niemals in die Lage, ihr volles Potenzial zu entfalten.

Hat die Raupe ihre Lebensaufgabe erfüllt und genügend Energie in ihrem Körper gespeichert, dann zieht sie sich aus der Welt zurück. Sie schottet sich ab, errichtet ihren Kokon und wendet sich ganz nach innen. Es beginnt die Transformation hin zu einer zweiten Geburt. Alles, was die Raupe einbringt und für den Schmetterling weiterhin nützlich ist, wird weiterverwendet und nach Bedarf angepasst. Alle Organe und Zellen, welche nicht mehr benötigt werden, dienen – so wie die gesammelte Energie – als Ressource, um die Metamorphose zu ermöglichen. Alles wird benötigt, damit der zukünftige Schmetterling die ihm gestellte Aufgabe wird erfüllen können.

Ist die Transformation vollendet und die Zeit gekommen, dann verlässt der Schmetterling die selbstgewählte Isolation und kehrt in die Welt zurück. Die Aufgabe des Schmetterlings ist nun: Ekstase. Es ist die Aufgabe des Schmetterlings, mit anderen Schmetterlingen in Kontakt zu kommen und so die nächste Generation von Schmetterlingsraupen zu ermöglichen. Während die Pflanzen, indem sie von der Raupe gefressen wurden, etwas zum Gelingen des Lebenszyklus des Schmetterlings beigetragen haben, so trägt nun der Schmetterling dazu bei, dass der Lebenszyklus der Pflanzen gelingt, indem er zu ihrer Fortpflanzung beiträgt.

Am Ende bleibt die Frage, nachdem wir mit unserer Zivilisation so viel Energie gesammelt haben, welche Rolle werden wir übernehmen und was wird unser Beitrag zu dieser Welt sein, auf und von der wir leben?

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Axiome der Zwei-Welten-Theorie https://martinfinger.de/axiome-der-zwei-welten-theorie/ Wed, 19 Apr 2023 11:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=911 Nachdem ich in der Zwei-Welten-Theorie (2WT) die Rolle von Geistos und Physos beschrieben habe, geht es in diesem Beitrag um Axiome zur 2WT. Also grundlegende Festlegungen, mit denen sowohl die Existenz des Individuums sowie dessen Eigenschaft „frei zu sein“ postuliert werden sollen. 1. Axiom: Ich bin. Bereits das Wort Ich beinhaltet die vollumfängliche Aussage der […]

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Nachdem ich in der Zwei-Welten-Theorie (2WT) die Rolle von Geistos und Physos beschrieben habe, geht es in diesem Beitrag um Axiome zur 2WT. Also grundlegende Festlegungen, mit denen sowohl die Existenz des Individuums sowie dessen Eigenschaft „frei zu sein“ postuliert werden sollen.

1. Axiom: Ich bin.

Bereits das Wort Ich beinhaltet die vollumfängliche Aussage der Existenz. Natürlich nur aufgrund der tautologischen Konstruktion, weil wir mit dem Begriff Ich uns selbst in der Sprache abbilden. Die Verbindung zwischen dem sprachlichen Abbild und unserer Existenz erlernen wir in unseren ersten Lebensjahren, sowie die Kontrolle über unseren Körper und dessen Erkennen im Spiegel.

Die Verwendung von bin wiederholt die Existenzaussage, welche durch das Ich bereits ausgedrückt wird. Es ist wichtig verschiedene Formen von Existenz zu unterscheiden. Zum einen eine passive Form von Existenz, welche von uns einem leblosen Objekt zugeschrieben wird, welches selbst allerdings keinen Einfluss auf seine Existenz nehmen kann und auch nicht in der Lage ist, die Bedeutung des 1. Axioms zu erfassen.

Daneben gibt es die aktive Form der Existenz. Diese beinhaltet – in der minimalsten Form – die Fähigkeit, auf die eigene Existenz Einfluss zu nehmen. Dies ist allen lebenden Subjekten zu eigen, wobei hier die Bedeutung des Wortes „lebenden“ tautologisch ist. Ebenso ist die Bedeutung von Leben und Subjekt zum Teil redundant. Die allumfassendste Form der aktiven Existenz beinhaltet die Fähigkeit, über die eigene Existenz zu reflektieren sowie diese auch in Frage zu stellen.

Während das Ich zunächst so verstanden werden könnte, dass es nur unserem Geist aus Geistos entspricht, führt der Sprechakt zu einer Verbindung von Geist und Körper. Wenn ich sage „Ich bin.“, dann umfasst mein Sprechakt sowohl meinen Geist, welcher den Sprechakt initiiert, als auch meinen Körper, welcher diesen Sprechakt ausführt. Dadurch verbinde ich beide Elemente zu einer Entität. Der Sprechakt entspricht damit der Kopplung von Geistos und Physos in der physischen Existenz unseres Gehirns, wie in der 2WT beschrieben. Kann ich das 1. Axiom nur denken, also in meinem Geist formulieren, ohne Verbindung zu einer Repräsentation in Physos zu haben, bleibt die Existenz eines Körpers ungewiss. Die Existenz des Geistes bleibt für den Geist gewiss, auch wenn er nicht mit anderen Geistern über seine Existenz in Austausch treten kann und somit keine Möglichkeit erhält, seine Existenzform zu ergründen.

Allerdings gibt es ebenso Sprechakte, welche die Einheit von Körper und Geist wieder auflösen. Ein Beispiel ist ein Bibelsprichwort: „Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.“ Solche Sprechakte halte ich für problematisch, weil sie suggerieren, es gäbe in uns eine Instanz – neben unserem Geist – welche unabhängig von uns Kontrolle über unseren Körper haben könnte. Solche Vorstellungen fördern eine Dissoziation mit unseren Handlungen und tragen dazu bei, dass wir für Handlungen, welche wir selbst ausführen, keine Verantwortung übernehmen, weil wir behaupten, dass wir für diese Handlungen nicht verantwortlich zu machen wären, weil andere Personen diese von uns verlangten oder wir behaupten, dass unsere Kontrolle über uns eingeschränkt gewesen sei. Mit solchen Konstruktionen, sollten diese nicht nur als Schutzbehauptung vorgetragen werden, um Bestrafung zu vermeiden, stellen wir uns gegen das 2. Axiom der 2WT.

2. Axiom: Ich bin frei.

Die Zuordnung des Attributs frei zum Ich ist eine Zuschreibung zum Geist. Schließlich ist unser Geist in der Lage in Geistos alles zu erschaffen, was er in der Lage ist zu denken. Unser Geist in Geistos unterliegt nicht den Beschränkungen, welchen unser Körper und unsere Handlungsmöglichkeiten in Physos unterliegen.

Jede Einschränkung, welcher unser Geist zu unterliegen meint, kann nur aus ihm selbst stammen und durch ihn manifestiert werden. Unser Geist ist in der Lage eine Beschränkung festzulegen, aufzuheben, zu ignorieren oder beizubehalten. Durch die Fähigkeit unseres Geistes, sich über die Logik hinwegzusetzen und gleichzeitig eine Beschränkung zu ignorieren als auch sie beizubehalten, ist es ihm möglich, das Allmachtsparadoxon zu transzendieren.

Ebenso kann unser Geist annehmen, er sei nicht allein in Geistos. Aufgrund der Allmacht unseres Geistes ist die Existenz eines anderen Geistes in Geistos zugleich Illusion und wird für unseren Geist Realität, wenn er das Wissen unterdrückt, dass alles in Geistos aus ihm selbst erschaffen wurde. Die Allheit von allem was ist, ist für den Geist in Geistos zu jeder Zeit erfüllt, auch wenn unser Geist sich einen Zustand von Getrenntsein imaginiert. Unser Geist ist in der Lage sich in jede –letztlich durch ihn selbst erschaffene – Illusion zu verstricken und sich zu weigern, diese Illusion als eigene Schöpfung zu erkennen. So ist unser Geist sogar in der Lage, seine Eigenschaft „frei zu sein“ zu verneinen.

Welche Folgen ergeben sich aus den Axiomen für die Wissenschaft?

Für die Differenzierung zwischen Parawissenschaften und Wissenschaften ergeben sich hier interessante Überlegungen. Jede Wissenschaft ist zunächst – bezogen auf Physos – eine über Physos hinausgehende Wissenschaft, denn jeder Gedanke entspringt unserem Geist. Erst wenn sich verschiedene Geister darauf verständigt haben, wie in Physos die Prüfung einer Theorie erfolgen soll und wenn diese Prüfung erfolgreich ist, wandelt sich eine Parawissenschaft zur Wissenschaft. Allerdings sind unsere Geister in Geistos allmächtig und so jederzeit in der Lage, durch Kombination von Handlungen in Physos mit Illusionen in Geistos, eine Parawissenschaft zu einer Wissenschaft zu deklarieren, obwohl die aufgestellten Theorien nichts über die Realität in Physos aussagen. Dies ist möglich, weil eine Wissenschaft als Konstrukt unseres Geistes immer in Geistos verbleibt.

Welche Folgen ergeben sich aus den Axiomen für die Religion?

Mit diesen beiden Axiomen können viele Aussagen aus religiösen oder spirituellen Schriften neu interpretiert werden. Ein als dunkel bezeichnetes Zeitalter und die Suche nach dem Akasha-Feld, dem kollektiven oder universellen Bewusstsein, Erleuchtung, Gott, Samadhi oder wie sonst die Bezeichnung sein mag, kann als Wunsch des Geistes verstanden werden, sich selbst wiederzuerkennen und damit seine Allmacht in Geistos zurückzuerlangen.

Da ein dunkles Zeitalter dadurch gekennzeichnet ist, dass die Existenz des Körpers permanent gefährdet ist, fällt es dem Geist – wenn er sich nur als Körper versteht – schwer, seine Natur zu erkennen. Verbunden mit der Angst vor der physischen Auslöschung, die zwar real sein mag, wird unser Geist zugleich daran gehindert, sein Potenzial in Geistos zu entfalten. Mit der Reduktion unseres Seins auf den Körper überträgt der Geist die in Physos bestehenden Restriktionen auch auf Geistos. So bleibt unserem Geist die Größe seiner Welt verborgen.

Der Versuch unseres Geistes einen Gott in Physos zu finden ist, nach meiner Vorstellung, zum Scheitern verurteilt. Schließlich würde es bedeuten, dass es eine Wesenheit gäbe, für welche unser Physos das ist, was für uns Geistos ist. Durch die Existenz einer solchen Wesenheit wären auf Physos dann die Regeln von Geistos anzuwenden und im Ergebnis müssten wir uns selbst als illusionäre Abspaltungen eines Geistes ansehen. Natürlich nur, wenn wir der 2WT diese Bedeutung geben und selbst einen Gott in Physos dieser Theorie unterwerfen wollten.

Die unbeantwortbare Frage.

Als Agnostiker bleibt für mich die Beantwortung einer Frage im Bereich des Nichtwissens. Die Frage, ob und falls ja in welchem Umfang, Geist und Geistos durch die Auslöschung des Körpers bzw. des Gehirns wirklich erlöschen oder ob unser Geist mit oder ohne Geistos sich mit einem anderen Körper in Physos neu verbinden kann, also im Sinne einer Wiedergeburt. Da unser Geist in Geistos allmächtig ist, können wir dies meinen, auch wenn es nicht zutreffen sollte. Ebenso könnte unser Geist auch erst durch die Überzeugung, dass er dazu in der Lage sei, die Befähigung erlangen, ewig zu sein.

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Existenzethik in der Denkinsel https://martinfinger.de/existenzethik-in-der-denkinsel/ Mon, 10 Apr 2023 09:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=908 Am Donnerstag, den 27.04.2023, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über meine Gedanken zu einer Existenzethik philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt. Existenzethik Meine Existenzethik ist so gedacht, dass allem Seienden ein Wert beigemessen wird. Grundlage ist die […]

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Am Donnerstag, den 27.04.2023, werde ich bei der Denkinsel mit den anwesenden Gästen über meine Gedanken zu einer Existenzethik philosophieren. Das Treffen findet von 18 Uhr bis 20 Uhr im Stadtteilzentrum Kitzingen Siedlung (Königsberger Str. 11, 97318 Kitzingen) statt.

Existenzethik

Meine Existenzethik ist so gedacht, dass allem Seienden ein Wert beigemessen wird. Grundlage ist die Wertschätzung der eigenen Existenz, welche sich dadurch zeigt, dass ich sowohl meine eigene als auch die Existenz anderer schütze. Nur wenn ich meine Handlungen so wähle, dass diese sowohl meine als auch die Existenz anderer ermöglichen, schütze ich meine Existenz nachhaltig. Schlage ich einen Weg ein, in welchem ich meine Existenz schütze, um den Preis der Auslöschung anderer Existenzen, dann setze ich mutwillig meine eigene Existenz auf Spiel. Es wäre sogar fraglich, ob Handlungen, welche die eigene Auslöschung als Option beinhalten, bereits im Grundsatz keine Wertschätzung der eigenen Existenz mehr beinhalten.

Ich freue mich darauf, mit Ihnen im philosophischen Dialog am 27.04.2023 in Kitzingen gemeinsam unsere Gedanken zur Existenzethik zu vertiefen.

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Warum der Verbraucherpreisindex keine Inflationskennzahl ist https://martinfinger.de/warum-der-verbraucherpreisindex-keine-inflationskennzahl-ist/ Wed, 05 Apr 2023 12:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=902 Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Wägungsschemas 2020 möchte ich erläutern, wie – aus meiner Sicht – die Gleichsetzung des Inflationsbegriffs mit dem jährlichen Änderungsfaktor des Verbraucherpreisindex dazu genutzt werden kann, Menschen zu übervorteilen. Was ist Inflation? Heutzutage wird mit Inflation zumeist nur noch die Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) bezeichnet. Dieser Index betrachtet allerdings nur den […]

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Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Wägungsschemas 2020 möchte ich erläutern, wie – aus meiner Sicht – die Gleichsetzung des Inflationsbegriffs mit dem jährlichen Änderungsfaktor des Verbraucherpreisindex dazu genutzt werden kann, Menschen zu übervorteilen.

Was ist Inflation?

Heutzutage wird mit Inflation zumeist nur noch die Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) bezeichnet. Dieser Index betrachtet allerdings nur den Konsum privater Haushalte und blendet Kapitalanlagen vollständig aus. Im 20. Jahrhundert wurde der Begriff Inflation noch deutlich vielschichtiger betrachtet. Eine Betrachtung stand im Bezug zur Quantitätsgleichung, in welcher eine Verbindung zwischen Geldmenge und Preisniveau postuliert wurde.

Durch die Engführung der Inflationsrate auf den VPI und die Preisveränderungen von Konsumprodukten sowie die fehlende Berücksichtigung von Änderungen der Geldmenge, wird ein blinder Fleck geschaffen, welcher zu einer Übervorteilung vieler Menschen genutzt werden kann. Wie bei Destatis nachgelesen werden kann, lag die Inflationsrate von 2010 bis 2021 nur bei 17 % während im gleichen Zeitraum die Preise für Wohneigentum um 84 % gestiegen sind. Hier ist zu berücksichtigen, dass in Ballungsgebieten die Preise für Wohneigentum in der Regel deutlich stärker gestiegen sind als im ländlichen Raum.

Wie ist der Verbraucherpreisindex aufgebaut?

Werfen wir zunächst einen Blick darauf, wie der VPI strukturiert ist und wie die Gewichtungen in den letzten 20 Jahren jeweils verändert wurden. Die Gewichtung der einzelnen Waren und Dienstleistungen im VPI werden alle 5 Jahre angepasst anhand der Konsumausgaben der Bevölkerung im jeweiligen Bezugsjahr. Aufgrund der Pandemie wurden für das Basisjahr 2020 ausnahmsweise Zahlen von 2019 bis 2021 verwendet. Die Gewichtungen ergeben in Summe immer 1.000 Promille. Ich habe in der folgenden Tabelle die Gewichtungen der Einträge der 2. Ebene (dreistelliger Zifferncode) aufgelistet.

NummerBezeichnungGewichtung
2020
in Promille
Gewichtung
2015
in Promille
Gewichtung
2010
in Promille
Gewichtung
2005
in Promille
011Nahrungsmittel104,6984,8790,5289,99
012Alkoholfreie Getränke14,3511,9812,1913,56
021Alkoholische Getränke15,8316,9616,6216,56
022Tabakwaren19,4320,8120,9722,43
031Bekleidung35,5235,5636,2839,42
032Schuhe6,739,788,659,46
041Tatsächliche Wohnungsmiete75,56207,26209,93203,30
042Unterstellte Nettokaltmiete104,13
043Instandhaltung und Reparatur
von Wohnung/Wohnhaus
8,9312,198,1011,84
044Wasserversorgung u.a. Dienstleistungen
für die Wohnung
27,1936,4331,0733,04
045Strom, Gas u.a. Brennstoffe43,4468,8268,1959,82
051Möbel, Leuchten,
Teppiche u.a. Bodenbeläge
27,7019,4219,7626,50
052Heimtextilien5,873,953,554,07
053Haushaltsgeräte9,468,809,588,59
054Glaswaren, Tafelgeschirr
u.a. Gebrauchsgüter
7,513,683,504,05
055Werkzeuge und Geräte
für Haus und Garten
6,526,455,424,93
056Waren und Dienstleistungen
für die Haushaltsführung
10,727,747,977,73
061Medizinische Erzeugnisse,
Geräte und Ausrüstungen
22,9819,4219,6817,55
062Ambulante Gesundheitsdienstleistungen22,1620,2218,2416,10
063Stationäre Gesundheitsdienstleistungen10,356,496,526,62
071Kauf von Fahrzeugen46,0134,6632,6137,50
072Waren und Dienstleistungen
für Fahrzeuge
70,3870,7079,3175,57
073Personen- und Güterbeförderung21,8323,6922,8118,83
081Brief- und Paketdienstleistungen2,031,842,352,28
082Telefone u.a. Geräte für
die Kommunikation
4,162,661,701,60
083Telekommunikationsdienstleistungen17,1622,2226,0527,12
091Audio-, Foto-, IT-Geräte und Zubehör18,3114,1816,2919,01
092Andere Gebrauchsgüter
für Freizeit und Kultur
3,212,342,102,66
093Andere Güter für Freizeit
und Garten, Haustiere
26,3417,6420,9721,53
094Freizeit- und Kulturdienstleistungen27,9637,4133,2228,99
095Druckerzeugnisse, Schreib-
und Zeichenwaren
15,1915,1715,5117,56
096Pauschalreisen13,2226,6226,8325,93
101Bildungsdienstleistungen des
Elementar- und Primarbereichs
4,443,382,573,16
102Bildungsdienstleistungen des
Sekundarbereichs
1,341,471,34
104Bildungsdienstleistungen des
Tertiärbereichs
1,392,133,922,00
105Bildungsdienstleistungen nicht
einstufbarer Einrichtungen
1,892,040,972,24
111Gaststättendienstleistungen36,9536,3934,2332,12
112Übernachtungen10,2510,3810,4411,87
121Körperpflege21,3822,8822,5421,54
123Persönliche Gebrauchsgegenstände6,636,165,715,82
124Dienstleistungen sozialer Einrichtungen27,7514,1711,3511,81
125Versicherungsdienstleistungen22,5624,6822,7824,88
126Finanzdienstleistungen12,232,072,925,34
127Andere Dienstleistungen8,324,294,745,08
Vergleich der Gewichtungen von 2005 bis 2020

Die Gewichtung kann so gelesen werden, dass von 1.000 € – welche von uns im Jahr 2020 für Konsum ausgegeben wurden – wir für Bekleidung 35,52 € und für Essen in Restaurants 36,95 € ausgegeben haben. Natürlich sind dies alles nur Durchschnittswerte bezogen auf das Konsumverhalten von 83 Millionen Menschen. Allein deshalb kann der Index niemals unsere persönliche Situation adäquat repräsentieren. Darum soll es im Folgenden auch nicht gehen. Es gibt grundlegendere Probleme, wenn der Index als Inflationskennzahl referenziert wird.

Verbraucherpreisindex als Referenz bei Lohnverhandlungen

Wie bereits angesprochen, fließen die Preisveränderungen am Immobilienmarkt nicht direkt in den VPI ein. Über die Nettokaltmieten wirken diese Preisveränderungen nur indirekt und zeitlich verzögert auf den VPI. Zugleich dient gerade der VPI als vermeintliche Inflationskennzahl den Gewerkschaften oft als Referenz für die Forderung nach Lohnerhöhungen. Kombiniert mit der Tendenz der Arbeitgeber, statt Lohnerhöhungen lieber Einmalzahlungen zu gewähren, werden Gehälter sogar langfristig unter die Inflationsrate des VPI gedrückt. Dabei ist der Reallohnverlust durch die kalte Progression noch gar nicht berücksichtigt.

Dass sich mit der Umstellung des VPI auf das Wägungsschema 2020 die Inflationsrate für 2022 von 7,9 % auf 6,9% verringert ändert nichts an der Lebensrealität der Menschen. Es macht nur deutlich, dass der VPI für die Lebensrealität vieler Menschen nicht repräsentativ ist. Mit dem Wägungsschema 2020 wurden die realen und die fiktiven Wohnungsmieten (041) auf zwei Segmente (041 und 042) aufgeteilt. Dabei ist der Gesamtanteil der Nettokaltmieten gegenüber dem Wägungsschema von 2015 allerdings um 27,57 Promille gesunken. Während ein Teil der Menschen nicht durch Kaltmieten belastet wird – allerdings ggf. Kredite abzahlen muss, welche nicht im VPI berücksichtigt werden –, sind andere Menschen mit Mietzahlungen belastet, welche 30 % und mehr ihres verfügbaren Einkommens betragen. Ein Wohnungswechsel wird damit zum Armutsrisiko.

Warum es wichtig wäre, die Änderung des VPI nicht mehr mit Inflation gleichzusetzen

Die Güter im Warenkorb des VPI stammen in der Regel von Käufermärkten – Ausnahme ist der Mietwohnungsmarkt. Da Käufermärkte von Konkurrenz und Preisdruck geprägt sind, können auf diesen Märkten Preiserhöhungen oft nur durch begleitende externe Schocks realisiert werden – so wie es durch den Anstieg der Energiepreise 2022 ermöglicht wurde. So ist zumindest ein Teil der bereits erfolgten Geldentwertung auch im VPI sichtbar geworden. Der Immobilienmarkt ist in der Regel ein Anbietermarkt, weshalb der Kaufkraftverlust in diesem sehr viel schneller antizipiert wird. Dieser Effekt verstärkt sich, wenn Immobilien mit neugeschöpftem Geld aus Bankkrediten erworben werden.

Der VPI kann die Geldentwertung durch Geldmengenausweitung nicht abbilden. Durch die Kommunikation als Inflation trägt der VPI dazu bei, dass die Lohnabschlüsse von Gewerkschaften den Kaufkraftverlust – welcher in der Bewertung von Immobilien oder Wertpapieren ersichtlich wäre – nicht ausgleichen und daher die Preise im Supermarkt niedrig bleiben. So sorgt ein niedriger VPI dafür, dass eine Lohn-Preis-Spirale vermieden wird, während die Vermögensungleichheit zunimmt.

Wenn etwas als Inflation benannt wird, was keine ist

Besonders gefährlich wird dieser Umstand, wenn zum Beispiel Vertreter der Modern Monetary Theory auf den VPI verweisen und behaupten, dass die Geldmengenausweitung der letzten Jahre zu keiner Inflation geführt habe. Dabei wurde die Inflation gar nicht gemessen, sondern nur die Veränderung eines selektiven Preisindexes. Es wird dann unterstellt, die Erhöhung der Geldmenge hätte keine Folgen gehabt und daher könnten staatliche Ausgaben oder die Umstellung der Wirtschaft auf regenerative Energien über die Expansion der Geldmenge finanziert werden. Dass jede Ausweitung der Geldmenge dazu beiträgt, die Umverteilung von Einkommen von arbeitenden Menschen zu Eigentümern zu verstärken, wird dabei ausgeblendet. Die primäre Umverteilung durch die Mietzahlungen und die sekundäre Umverteilung durch den steigenden Anteil von Zinsen und Dividenden in den Güterpreisen – letztere spiegeln sich in den Rekordgewinnen von Unternehmen wieder – finden keine Berücksichtigung. Aufgrund der Mechanismen des Finanz- und Geldsystems verstärkt die Ausweitung der Geldmenge zugleich die Vermögenskonzentration.

Ich halte es für wichtig, die Inflation wieder stärker an die Ausweitung der Geldmenge zurückzukoppeln, indem die Preisänderungen von Kapitalgütern – wie Immobilien oder Wertpapieren – bei der Bewertung der Kaufkraftveränderung mit berücksichtigt werden. Ebenso sollten mehr Menschen verstehen, wie die Umverteilungsmechanismen von arbeitenden Menschen zu Eigentümern funktionieren. Dass der Traum vom Eigenheim für viele Menschen immer unerreichbarer wird, basiert auf den gleichen systemischen Effekten, welche auch zur Vermögens- und Machtkonzentration beitragen. Diese Rahmenbedingungen wirken unabhängig von einzelnen Personen, da diese Funktionsweise über Gesetze und Verordnungen in staatliche als auch wirtschaftliche Institutionen fest eingeschrieben wurde.

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Solidarität statt Wettbewerb https://martinfinger.de/solidaritaet-statt-wettbewerb/ Fri, 24 Mar 2023 11:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=898 Mein subjektiver Bericht vom gemeinsamen Workshop von FRIBIS und CIW in Münster zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE). An den beiden Tagen gab es insgesamt sechs Vorträge, welche sich mit unterschiedlichen Fragen zum und Perspektiven auf ein Bedingungsloses Grundeinkommen befasst haben. Neben dem Aspekt, dass sich viele der teilnehmenden Wissenschaftlys bereits kennen und schon länger im Austausch […]

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Mein subjektiver Bericht vom gemeinsamen Workshop von FRIBIS und CIW in Münster zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE).

An den beiden Tagen gab es insgesamt sechs Vorträge, welche sich mit unterschiedlichen Fragen zum und Perspektiven auf ein Bedingungsloses Grundeinkommen befasst haben. Neben dem Aspekt, dass sich viele der teilnehmenden Wissenschaftlys bereits kennen und schon länger im Austausch stehen, war die Offenheit und Sachlichkeit, mit welcher über das Thema Grundeinkommen gesprochen wurde, für mich sehr angenehm. Aufgrund der Themensetzung durch die Vorträge wurden die grundsätzlicheren Diskussionen eher in den Pausen geführt.

Grenzen der Ökonomie

Die Vorträge am ersten Tag waren grundsätzlichen Positionen sowie ökonomischen Betrachtungen gewidmet. Neben dem üblichen Vergleich von Grenzsteuersätzen verschiedener Modelle, war am auffälligsten, dass über die Folgen eines BGE – innerhalb der Ökonomie – letztlich keine plausiblen Annahmen getroffen werden können. Es fehlt sowohl an passenden Modellen als auch an belastbaren Zahlen über die Verhaltensweisen von Menschen. Diese Lücken lassen sich auch mit den Ansätzen der Verhaltensökonomik kaum füllen, da Gesellschaft hierfür zu komplex ist und verschiedenste Mechanismen kennt, um Verhaltensweisen von Individuen zu beeinflussen.

Interessant war auch, dass in mehreren Vorträgen das Böckenförde-Diktum referenziert wurde. Allerdings kann nicht gesagt werden, ob ein BGE dabei hilft, eine freiheitliche Demokratie zu erhalten oder aufgrund der mit dem staatlichen BGE verbundenen gewaltsamen Umverteilung zu einer autoritären Form von Demokratie führt.

Vielseitige Überlegungen

Am zweiten Tag gab es verschiedene Perspektiven auf das Grundeinkommen. Die Schwerpunkte waren Altenpflege, Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit. Letztlich wurde auch hier deutlich, dass ein BGE nicht automatisch zu einer angestrebten Verbesserung führt. Eine Geldzahlung führt eben nicht zu einem bestimmten Verhalten, sondern die Erwartungen in der Gesellschaft an das Individuum haben einen viel größeren Einfluss auf dessen Verhalten. Ein BGE kann eingesetzt werden, um Anreize zu verstärken, dafür müssen allerdings die entsprechenden ethischen und ggf. moralischen Grundlagen innerhalb der Gesellschaft auch vorhanden sein und praktiziert werden.

Wissenschaftliche Abhandlungen zum BGE werden nie vollkommen neutral erfolgen können, schließlich ist die Gesellschaft, in welcher wir leben, auch nicht frei von normativen Setzungen. Insbesondere, wenn Aussagen von Einzelpersonen – wie das Böckenförde-Diktum – miteinander abgewogen werden, sind mit diesen Aussagen auch normative Setzungen verbunden. Hier kommt aus meiner Sicht die Wissenschaft in ein etwas merkwürdiges Fahrwasser. Auf der einen Seite eine neutrale Position gegenüber den referenzierten Aussagen von Personen einzunehmen, welche analysiert und ggf. interpretiert werden, und zugleich werden die Normen in den Aussagen als Setzung übernommen. Für mich ist es schwierig, auf dieser Grundlage in eine Diskussion zu kommen, denn dasjenige Sprechy, auf dessen Zitate referenziert wurde, ist nicht anwesend. Daher bevorzuge ich es, in einem Dialog keine Zitate von anderen Personen zu verwenden, sondern die eigene Position zu vertreten und diese mit Argumenten zu unterfüttern, statt sich normativer Setzungen durch Zitierung zu bedienen.

Transparenz

Ich habe als Privatperson an der Veranstaltung teilgenommen. Es ging mir primär darum, mit Wissenschaftlys ins Gespräch zu kommen, welche sich mit dem Thema Grundeinkommen befassen, um einander persönlich kennenzulernen und sich miteinander zu vernetzen.

Die Kosten für die Teilnahme (Tagungsbeitrag, Übernachtung, Verpflegung) von 90 € brutto werde ich über die Credere Stiftung verrechnen. Die Anreisekosten in Form der Kraftstoffkosten von ca. 56 € brutto werde ich über meine schriftstellerische Tätigkeit als Kosten geltend machen.

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Wir leben in zwei Welten. https://martinfinger.de/wir-leben-in-zwei-welten/ Fri, 17 Mar 2023 12:00:32 +0000 https://martinfinger.de/?p=892 Lassen Sie mich den beiden Welten zunächst Namen geben. Die eine Welt ist Physos und die andere Welt ist Geistos. Physos ist die Welt, aus welcher wir unsere Sinneseindrücke erhalten. Wenn einer unserer Sinne einen Reiz erhält und wir hören, riechen, schmecken, sehen, tasten. Wenn wir Wärme oder Kälte spüren, eine Berührung auf unserer Haut […]

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Lassen Sie mich den beiden Welten zunächst Namen geben. Die eine Welt ist Physos und die andere Welt ist Geistos. Physos ist die Welt, aus welcher wir unsere Sinneseindrücke erhalten. Wenn einer unserer Sinne einen Reiz erhält und wir hören, riechen, schmecken, sehen, tasten. Wenn wir Wärme oder Kälte spüren, eine Berührung auf unserer Haut oder uns etwas schmerzt, weil wir uns verletzt haben. Alle diese Impulse stammen aus Physos. Es ist die Welt, welche wir als physisch erleben, in welcher unser Körper existiert.

Die zweite Welt – Geistos – ist diejenige Welt, welche in uns, in unserem Geist existiert. Diese Welt ist von uns erschaffen, denn in dieser Welt existieren nur wir, wir allein. Genauer unser Ich, das, was wir als unsere Identität erleben. Wir leben als Geistwesen in dieser Welt. Hier gibt es keine Sinneseindrücke, denn alles ist Geist.

Beide Welten sind in unserem Gehirn miteinander verschmolzen. Unser Gehirn ist unfähig, selbst Sinneseindrücke zu erfahren. Das Gehirn existiert für uns als physisches Objekt in Physos, zugleich entsteht in ihm unser Geistos. Wird unser physisches Gehirn zerstört, so erlischt auch unser Geistos.

Welche Welt ist real und welche materiell?

Lassen Sie sich für einen Moment darauf ein, wenn ich sage, dass beide Welten real sind und dass Geistos sogar die realere Welt für uns ist. Dafür erhält Physos die Zuschreibung materiell zu sein, denn wenn wir etwas als physisch bezeichnen, meinen wir damit Materie.

Dass ich Geistos als die für uns realere Welt bezeichne liegt daran, wie ich uns Menschen erlebe. Wie erklären Sie sich, dass Menschen an einer Vorstellung, einer Handlung, einem Ziel festhalten können, welches für Sie unverständlich ist, gegen jede Logik oder Vernunft. Sie dieses Verhalten vielleicht sogar mit Wahnsinn bezeichnen würden, weil Sie für sich selbst die Vorstellung haben, jemand setzt sein Leben, seine Existenz aufs Spiel, wenn er weiterhin so denkt oder handelt. Die für mich naheliegende Erklärung ist, dass seine Gründe für sein Handeln von seinem Geist stammen, welcher in einem anderen Geistos existiert, als das Geistos, in welchem Ihr Geist existiert. Ebenso wie mein Geist in einem anderen Geistos existiert.

Ich denke es hilft, sich diesen Unterschied bewusst zu machen. Auch wenn unsere Körper miteinander die Welt Physos teilen, so kommunizieren wir immer als Geist miteinander. Der Sprechakt wird vom Körper ausgeführt, doch die Worte hat unser Geist ausgewählt. Die Synchronisation von Geist und Körper benötigt Jahre. Bis unser Geist versteht, wie er die Reize aus Physos in Geistos abbilden soll und bis es ihm gelingt, die Funktionsweise des Körpers zu adaptieren, gibt es viele aufgeplatzte Knie und stundenlanges Kauderwelsch.

Wenn Sie wissen wollen, wie verschieden unsere jeweiligen Geistos sind, fragen Sie einmal ein Freundy ob es eine Stimme hört, wenn es einen Text liest. Oder fragen Sie es, ob seine Träume bunt sind. Ja, wir teilen Physos miteinander, doch wir leben in unterschiedlichen Welten, denn jedes von uns lebt in seinem eigenen Geistos.

Was können wir mit dieser Idee anstellen?

Mein Wunsch wäre es, dass wir diese Zwei-Welten-Theorie nutzen, um unsere Geister miteinander zu versöhnen. Die Vorstellung, dass unsere Realität immer objektiv sei und wir bei gleichem Wissensstand zu gleichen Handlungsvorstellungen gelangen müssten, ist ein Irrtum. Wir sind in der Lage, uns über viele Dinge in unserer miteinander geteilten Welt Physos zu einigen. Wir können Worte definieren und uns auf eine Bedeutung einigen. Diese Objektivierung bleibt dabei immer lückenhaft.

Wenn ich Sie jetzt bitten würde einen Stuhl zu beschreiben, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir beide uns einen exakt gleichen Stuhl vorstellen. Wenn wir uns genug Zeit nehmen und einander unsere Vorstellung eines Stuhles beschreiben, können wir unsere Stühle angleichen – auf welchen dann unsere Geister in ihrem jeweiligen Geistos platznehmen. Deshalb ist die Mathematik eine so praktische Sprache, weil sie genauer ist als unsere Alltagssprache. Daher benötigen zwei Geister weniger Zeit – wenn sie mittels mathematischer Symbole kommunizieren –, um ihre Vorstellung abzugleichen. Im Gegensatz zu unserer Alltagssprache, welche teilweise erschreckend ungenau ist.

Ich möchte uns einladen, uns mehr Zeit zu nehmen, um uns miteinander über unsere Geistos auszutauschen. Zu verstehen, dass diese Unterschiede, welche wir dabei feststellen werden, ein Anlass zur Freude sind. Selbst eineiige Zwillinge, welche genetisch identisch sind, sind einzigartig, weil jeder Geist sein eigenes Geistos erschafft. Die Vorstellung, dass jeder von uns ein eigenes Universum mit sich herumträgt, finde ich faszinierend. Dabei habe ich über Phantasie noch gar nicht gesprochen. Alle unsere Geschichten sind in Geistos ebenso existent, wie unser Abbild von Physos. Neben der Erforschung von Physos gibt es also noch Milliarden weiterer Welten, welche wir erforschen können und mit jedem Menschen kommt eine weitere Welt hinzu.

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Fragiles Geldsystem https://martinfinger.de/fragiles-geldsystem/ Tue, 14 Mar 2023 14:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=887 Sind die Bankenschließungen (Signature Bank, Silicon Valley Bank, Silvergate Bank nur als Nachwehen der Null- und Negativzinsen oder als Vorboten für noch größere Erschütterungen zu verstehen? Die ehrliche Antwort für unsere komplexe Welt ist: Ich weiß es nicht, es kommt darauf an. Ich kenne nicht die Anlagestruktur der Finanz- und Versicherungsunternehmen sowie deren Verpflichtungen, um […]

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Sind die Bankenschließungen (Signature Bank, Silicon Valley Bank, Silvergate Bank nur als Nachwehen der Null- und Negativzinsen oder als Vorboten für noch größere Erschütterungen zu verstehen?

Die ehrliche Antwort für unsere komplexe Welt ist: Ich weiß es nicht, es kommt darauf an. Ich kenne nicht die Anlagestruktur der Finanz- und Versicherungsunternehmen sowie deren Verpflichtungen, um eine fundierte Risikoeinschätzung vornehmen zu können. Daher werde ich im Folgenden nur das Problem erklären, an welchem zumindest die beiden zahlungsunfähigen Banken (Signature Bank, Silicon Valley Bank) gescheitert sind. Die Silvergate Bank wird wohl ähnlich wie die Fidor Bank kontrolliert geschlossen werden, weil sie nicht profitabel genug waren.

Wer durch steigende Zinsen verliert.

Um das Liquiditätsproblem zu verstehen, ist es wichtig zu verstehen, was mit den Null-Zins-Anleihen passiert, wenn die Zinsen wieder steigen. Hier am Beispiel von DE0001102473, eine 10jährige Bundesanleihe, Emission 2019 und fällig 2029, Zinssatz 0 %.

Der Emissionspreis lag zwischen 102,64 € und 107,28 € wohlgemerkt für einen Betrag von 100 €, welchen der Besitzer nach 10 Jahren für diese Anleihe ausgezahlt bekommt. Habe ich das Papier für 105 € gekauft und behalte es bis zum Ende, verliere ich auf die 10 Jahre gerechnet pro Jahr 0,50 € und habe damit eine Renditeerwartung von minus 0,5 % pro Jahr. Habe ich allerdings das Papier 2020 zum Preis von 108 € verkauft, dann habe ich trotz negativer Renditeerwartung einen Gewinn von 3 € erzielt. Der neue Besitzer hat nun allerdings eine noch geringere Renditeerwartung, welche beim Verlust von 8 € auf die verbleibenden neun Jahre eine Renditeerwartung von -0,89 % entspricht.

Wenn Ihr Euch die Charts zum Kurs und zur Rendite anschaut gilt es immer mitzudenken, dass die dort gezeigte Rendite immer dem Verhältnis vom aktuellen Preis zu den noch zu erwartenden Zinsen und dem ausgezahlten Nennwert zum Ende der Laufzeit entspricht. Da es keinen Zins gibt, bestimmt sich die Rendite allein darüber, ob der Kurs über oder unter dem Nennwert liegt.

Dass aktuell die Renditen steigen ändert nichts an meiner negativen Renditeerwartung, wenn ich das Papier 2019 für 105 € erworben habe. Ganz im Gegenteil. Die positive Rendite basiert auf dem Preis von 84 €, zu welchem das Papier aktuell am 09.03.2023 gehandelt wurde. Die Renditeerwartung von 2,75% trifft also nur zu, wenn ich das Papier am 09.03.2023 gekauft habe, denn ich erhalte am Ende der Laufzeit trotzdem 100 €, obwohl ich nur 84 € dafür bezahlt habe. Sollte ich meine Anleihe, welche ich für 105 € gekauft habe, vorzeitig verkaufen müssen, dann fällt mein Verlust deutlich größer aus als erwartet. Statt nur 5 € verliere ich dann 21 € und das nicht über 10 Jahre hinweg, sondern über vier Jahre, was einem Verlust von 5 % pro Jahr entspricht.

Warum sollte jemand freiwillig so einen Verlust eingehen?

Natürlich macht niemand so etwas freiwillig. Zahlungsverpflichtungen und mangelnde Liquidität machen einen solchen Verlust erst möglich, weil versucht wird eine Insolvenz zu vermeiden. Aufgrund der hohen Verluste, welche aktuell mit dem Verkauf dieser Anleihen verbunden sind, reichen bereits Gerüchte, um eine sich selbsterfüllende Prophezeiung in Gang zu setzen. Alle Unternehmen, welche Kundengelder verwalten, haben hier ein Risiko, nicht nur Banken. Vor allem, wenn Kundengelder mit kurzer Frist abgezogen werden können und die Liquidität in Staatsanleihen mit langer Restlaufzeit gebunden ist.

Gerade im Euroraum – weil zugelassen wurde, dass Kundengelder mit negativen Zinsen belastet werden durften – war die Notwendigkeit in Anleihen zu wechseln entsprechend groß. Erst mit der prozentualen Gebührenerhebung wird verständlich, warum die Null-Zins-Anleihen trotzdem ein lukratives Geschäft für die Banken darstellte.

Je höher die Zinsen steigen, umso höher steigt das Verlustrisiko für diejenigen, welche die Anleihen gekauft haben. Weil alle Anleihen in der Tendenz eine gleiche Rendite erreichen müssen, damit es weiterhin Käufer dafür gibt.

Unterschied zu 2008

Wenn die Regulierer eine Lektion in der Finanzkrise 2008 gelernt haben dann diese: Kundengelder garantieren und umgehend wieder Liquidität bereitstellen. Wer für die garantierten Gelder später aufkommt ist zweitrangig. Zumindest der Steuerzahler soll es dieses Mal nicht sein.

Wir werden sehen, ob es dabei bleibt. Inzwischen wissen die Regulierer, wie hochgradig nervös die Finanzakteure reagieren können. Auf dem Finanzmarkt geht es um Psychologie, Phantasie und Ängste. Es gibt nichts Materielles, an was sich die Akteure klammern könnten, wenn die Zeiten unsicher werden.

Meine Spekulation: Sollte es zu Engpässen bei der Liquidität von Unternehmen kommen, welche als wichtig eingestuft wurden, kann ich mir vorstellen, dass die Zentralbanken ihnen die Staatspapiere zum Nennwert oder zumindest mit deutlich geringeren Abschlägen abkaufen, als wenn diese auf dem Markt verkauft werden müssten. Es dürfte deutlich günstiger und auch einfacher sein, als gefährdete Einlagen über andere Sicherungssysteme zu ersetzen. Die FED hat mit dem BTFP bereits ein erstes Programm in diese Richtung beschlossen.

Staatsanleihen – die neuen Suprime-Papiere

Warum Suprime? Dafür reicht ein Blick auf eine 30jährige Anleihe wie diese. Der Kurs liegt gerade noch bei 50 % des Nennwerts. Steigen die Zinsen weiter, wird der Kurs wohl noch weiter fallen. Ich weiß nicht, ob jemand bereit wäre, eine solche Anleihe für 10 € oder weniger zu verkaufen. Wer hätte vor 5 Jahren damit gerechnet, dass deutsche Staatsanleihen ein Verlustrisiko von aktuell 50 % haben, wenn ich sie jetzt liquidieren müsste?

Während der Zeit der Negativzinsen konnten Banken auch mit über dem Nennwert gekauften Staatsanleihen gute Gewinne machen. In verschiedensten Artikeln wurde frohlockt über die Milliarden Euro, welche die Banken dem deutschen Staat geschenkt hätten. Dabei wurde leider nicht verstanden, dass ein negativer Zins – so wie die Bürger ihn auf ihre Einlagen zahlen durften – und eine negative Renditeerwartung einer Staatsanleihe nicht das Gleiche sind.

Dank der Ankaufprogramme der Zentralbanken gab es einen sicheren Käufer für Wertpapiere. Leider wurde nie veröffentlicht, zu welchem Preis die Anleihen eingekauft wurden. So werden wir wohl erst in den nächsten Jahren erfahren, wie viel über Wert die Zentralbanken die Anleihen aufgekauft haben und welche Gewinne die Banken daraus generieren konnten. Zumindest haben die Zentralbanken den Vorteil, dass sie keine Notwendigkeit haben, die Anleihen vor Ende der Laufzeit zu verkaufen. Ihr Verlust bleibt auf die Differenz zwischen Kaufpreis und Nennwert begrenzt, wenn sie die Anleihen über Nennwert gekauft haben.

Andere Käufer können eventuell nicht bis zum Ende der Laufzeit warten. Für die Anbieter von Renten- und Lebensversicherungen könnten sich die steigenden Zinsen als Bumerang entpuppen. Je nachdem, wie viele der niedrigverzinsten Staatsanleihen sie in ihren Büchern haben. Entscheidend ist, ob es ihnen gelingt, liquide zu bleiben und abzuwarten, bis sie den Nennwert der Anleihen ausgezahlt bekommen, statt diese zu Kursen unter Nennwert zu verkaufen. Hohe Zinsen und hohe Inflation könnten allerdings dazu führen, dass sich überdurchschnittlich viele Rentenempfänger für eine Einmalzahlung entscheiden, statt für eine lebenslange Rentenzahlung. Antworten wird hier vielleicht der nächste Stresstest der EIOPA liefern.

Welche Folgen die Zinswende noch haben wird bleibt ungewiss. Unser Geldsystem bleibt ein fragiles System. Ich kann verstehen, dass es in einer komplexen Welt zu viele Dinge gibt, welche um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Zugleich ist es schön zu wissen, dass so viele Menschen bereit sind ihr Leben anderen Menschen anzuvertrauen. Nicht zwingend im physischen Sinne, sondern weil wir uns darauf einlassen, dass Ersparnisse eines Lebens plötzlich verloren gehen. Ich wünsche mir nur, dass wir unsere Leben bewusst einander anvertrauen und nicht aus Versehen und aus Unwissenheit.

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Kritische Gedanken zur Demokratisierung der Wirtschaft https://martinfinger.de/kritische-gedanken-zur-demokratisierung-der-wirtschaft/ Wed, 01 Mar 2023 14:25:03 +0000 https://martinfinger.de/?p=884 Inzwischen höre ich häufiger die Forderung, dass die Wirtschaft demokratisiert werden solle. Was sich genau hinter dieser Forderung verbirgt, bleibt zumeist eher unklar. Ich sehe in der Übertragung der Funktionsweise unseres politischen Systems auf die Organisation unserer Wirtschaft erhebliche Risiken. Wie funktioniert Demokratie? Menschen gehen zur Wahl und legitimieren damit andere Menschen, Entscheidungen in ihrem […]

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Inzwischen höre ich häufiger die Forderung, dass die Wirtschaft demokratisiert werden solle. Was sich genau hinter dieser Forderung verbirgt, bleibt zumeist eher unklar. Ich sehe in der Übertragung der Funktionsweise unseres politischen Systems auf die Organisation unserer Wirtschaft erhebliche Risiken.

Wie funktioniert Demokratie?

Menschen gehen zur Wahl und legitimieren damit andere Menschen, Entscheidungen in ihrem Namen zu treffen. Dabei gibt es keine Rückbindung, ob die späteren Entscheidungen im Interesse oder zum Vorteil der Wählys getroffen wurden. Um diesen Nachteil zu beheben wird dann überlegt, dass die parlamentarische Demokratie durch basisdemokratische Elemente wie Volksentscheide ergänzt werden soll. Basisdemokratie mag dazu beitragen, dass mehr Menschen für eine Entscheidung verantwortlich sind. Es ändert allerdings nichts daran, dass Menschen gegen ihren Willen Nachteile aufgezwungen werden.

Es ist immer einfacher, von anderen Menschen Einschränkungen und Verzicht zu fordern, als selbst auf Vorteile und Privilegien zu verzichten. Die Demokratie fördert dieses Verhalten, weil zwei Elemente voneinander getrennt werden. Diese beiden Elemente sind zum einen die Entscheidung, was getan werden soll, und zum anderen, wer es machen bzw. dafür aufkommen soll. Es ist einfach, ein Gesetz zu erlassen. Egal, ob es als Gebot: „Ausbau der Nutzung von Sonnenenergie“, oder als Verbot: „Minderung der Treibhausgasemissionen“, formuliert wird. Jedes Gesetz, wenn es eine Wirkung haben soll, erfordert handelnde Menschen und ggf. Zugang zu weiteren Ressourcen, um umgesetzt zu werden.

Bezahlen sollen die Anderen

Weil diejenigen, welche eine Forderung beschließen, egal ob Parlament oder Bevölkerung, nicht selbst die damit verbundenen Lasten übernehmen, kommt es in der Demokratie permanent zum Kampf jeder gegen jeden. Die Vorstellung von Thomas Hobbes in seinem Buch Leviathan, dass der Staat den Kampf jeder gegen jeden beenden sollte, wurde somit nicht erfüllt. Stattdessen ist der demokratische Staat davon geprägt, dass jede Gruppe – wenn sie eine ausreichende Mehrheit mobilisieren kann – sich Vorteile zu Lasten einer anderen Gruppe verschaffen kann.

Die Übertragung dieses gewalttätigen Prinzips auf die Wirtschaft, dass wir anderen Menschen gegen ihren Willen Lasten aufzwingen dürfen, trägt zu einer weiteren Entfremdung der Arbeitstätigkeit bei. Die Demokratisierung der Wirtschaft bestand in Deutschland zunächst darin, dass Beschäftigten die Möglichkeit gegeben wurde, Unternehmensentscheidungen zu beeinflussen. Wichtige Instrumente sind die paritätische Besetzung von Aufsichtsräten sowie die Schaffung von Betriebsräten. Wie gut die Zusammenarbeit von Unternehmensleitung und dem jeweiligen Gremium gelingt, hängt im großen Maße davon ab, welches Verständnis die beteiligten Personen von ihrer Tätigkeit haben.

Verteilung von Privilegien

Die Vorstellung einer Person, sie habe ein Recht oder einen Anspruch auf eine bestimmte Leistung, trägt zu einer konfrontativeren Verhandlungsführung bei. Wir leben heute in einer Gesellschaft, in welcher viele Privilegien bereits verteilt wurden. Je länger ein Privileg nicht in Abrede gestellt wird, umso eher wird es als Selbstverständlichkeit angesehen und gar nicht mehr als Privileg wahrgenommen. Das bedeutendste Privileg ist die staatlich garantierte Umverteilung von Vermögen von erwerbstätigen Menschen zu Eigentümern. Ergänzt durch die Umverteilung im Rahmen von Sozialsystemen von Erwerbstätigen zu Anspruchsberechtigten.

Ein Teil der Einnahmen aus der Einkommens- und Umsatzsteuer wird dann verwendet, um Schäden an der Ökosphäre zu kompensieren. Sowie die extremsten Armutsfolgen abzumildern, welche durch Eigentumsprivilegien erst ermöglicht werden.

Verantwortung statt Privilegien

Statt Unternehmen einer nicht genauer definierten demokratischen Mitbestimmung zu unterwerfen, halte ich es für zielführender, Privilegien zu entziehen. Kein Unternehmen darf Aktivitäten durchführen, welche mit einer Schädigung der Ökosphäre verbunden sind. Stattdessen gilt es verantwortlich zu handeln und Schäden zu vermeiden bzw. vollständig zu beheben, falls eine Vermeidung nicht möglich ist. Die Wirtschaft muss nicht demokratischer werden, sondern wir Menschen brauchen eine Ethik, nach welcher wir die Folgen unseres eigenen Handelns verantworten, statt diese anderen Menschen oder einer nächsten Generation aufzubürden.

Es ist wichtig, dass wir unsere Gemeinschaft als ein Miteinander verstehen. Als Alternative zu Mehrheitsabstimmungen, bei welchen Menschen über andere Menschen bestimmen, schlage ich vor, uns mittels Konsens auf gemeinsame Wege und Lösungen zu einigen. Wenn wir bereit sind, uns nicht mehr gegenseitig Lasten aufzuerlegen oder gar Schaden zuzufügen, dann muss nicht jeder Mensch versuchen, jede Entscheidung zu beeinflussen. Stattdessen können wir entspannter miteinander umgehen und uns mit den Themen beschäftigen, welche uns wichtig sind. Wir entscheiden selbst, wie wir leben wollen und sprechen miteinander, wenn unsere Handlungen das Leben anderer Menschen beeinflussen könnten.

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Die Geschichte meiner Utopie https://martinfinger.de/geschichte-meiner-utopie/ Mon, 20 Feb 2023 12:00:00 +0000 https://martinfinger.de/?p=879 Jede Utopie hat ihre Geschichte. Wer sich meine Arbeiten von 2007 anschaut, dürfte darin bereits einige Elemente wiedererkennen, welche ich auch in meinem Buch „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ verwende. Wie sähe unsere Gesellschaft aus, wenn meine Ideen für ein alternatives Steuer- und Sozialsystem umgesetzt worden wären? Wenn die Finanzkrise 2008 nicht zur Rettung von Banken […]

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Jede Utopie hat ihre Geschichte. Wer sich meine Arbeiten von 2007 anschaut, dürfte darin bereits einige Elemente wiedererkennen, welche ich auch in meinem Buch „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ verwende.

Wie sähe unsere Gesellschaft aus, wenn meine Ideen für ein alternatives Steuer- und Sozialsystem umgesetzt worden wären? Wenn die Finanzkrise 2008 nicht zur Rettung von Banken geführt hätte, sondern stattdessen das Grundeinkommen mittels Komplementärwährung eingeführt worden wäre. Wenn wir ein Steuersystem verwirklicht hätten, welches für jeden leicht verständlich ist und wir über die Verwendung der Steuern mitentscheiden dürften. Ich möchte in diesem Beitrag nicht darüber spekulieren, was hätte sein können. Stattdessen möchte ich meine Schritte nachvollziehen und betrachten, welche Teile meines Buches schon 2007 erkennbar waren und welche Zwischenschritte es bis 2022 gegeben hat.

Vom umlaufgesicherten Geld zum Gleichgewichtsgeld

Ein wichtiges Element ist das entworfene Geldsystem, zu welchem mir damals noch die Bezeichnung Gleichgewichtsgeld fehlte. Allerdings wäre die Bezeichnung damals noch gar nicht korrekt gewesen. Die in der Arbeit entworfene Komplementärwährung „Neuro“ war der Beschreibung nach tatsächlich noch als umlaufgesichertes Geld konzipiert. Erst zwischen 2013 und 2014, als ich mich auch vom Staat als notwendigem Bestandteil einer zukünftigen Gesellschaft immer weiter gelöst habe, spreche ich in meinen Vorträgen ab 2014 schließlich nicht mehr von einer Umlaufsicherung, sondern von Geldlöschung. Da ist es auch nachvollziehbar, dass Dag Schulze im Jahr 2014 schließlich den Begriff „Gleichgewichtsgeld“ für diese Geldsystematik vorgeschlagen hat.

Der Unterschied zwischen einem umlaufgesicherten Geld und der Geldlöschung im Gleichgewichtsgeld mag für den einzelnen Nutzer kaum relevant sein. In beiden Fällen nimmt sein nomineller Geldbetrag ab. Ich halte den Unterschied trotzdem für bedeutsam, vor allem in psychologischer Hinsicht. Die Umlaufsicherung kann als Gebühr oder Steuer betrachtet werden. Soweit diese Zahlungsverpflichtung nicht freiwillig eingegangen wurde, kann diese als gewaltsame Umverteilung angesehen werden. So wie Bankkunden bis Mitte 2022 in vielen Fällen der Negativzins aufgezwungen wurde. Wenn die Geldeinheiten gelöscht werden und nicht von anderen Personen oder Institutionen vereinnahmt werden, findet dadurch auch keine Umverteilung statt. Wurde die Nutzung einer solchen Währung zudem frei gewählt, dürfte dieser Vorgang der Löschung auf mehr Akzeptanz stoßen.

Vom Bürgerparlament zu Delegiertenräten

In meiner zweiten Arbeit zu einem alternativen Steuersystem hatte ich ein Bürgerparlament vorgesehen. Auch in diesem sollte es bereits ein System der permanenten Wahl geben, auch wenn die Teilnahme noch auf Wahlberechtigte eingeschränkt war. Ebenso war vorgesehen, dass die Bürger selbst entscheiden sollten, für welche staatlichen Projekte die von ihnen zu zahlende Einkommensteuer zu verwenden sei. Das Bürgerparlament hatte damals noch die Möglichkeit Gesetze zu verabschieden, mit welchen Menschen auch gegen ihren Willen Lasten hätten auferlegt werden können.

Im Jahr 2017 habe ich an einem Wettbewerb teilgenommen. Es ging darum Ideen einzureichen, wie ein neues globales System aussehen könnte, mit dem es uns gelingt, die globalen Risiken zu bewältigen. Für meinen Vorschlag habe ich meine früheren Vorstellungen vom Bürgerparlament neu konzipiert und in das dreistufige System der Delegiertenräte überführt. Die Delegierten in den Räten haben nur noch die Aufgabe, Projekte zu initiieren und zu betreuen, welche von den Menschen per Crowdfunding finanziert werden sollen. Mein damaliger Entwurf trug bereits den Titel „Freiwillige globale Kooperation“ und ich habe ihn in Englisch eingereicht.

Abschlussarbeiten zum Nachlesen

Damit waren die beiden Kernelemente meiner Utopie gefunden, in Form des Gleichgewichtsgeldes und den Delegiertenräten. Wer möchte, kann meine Arbeiten von 2007 entweder als PDF nachlesen oder als Videolesung nachhören:

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Buchlesung: „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ https://martinfinger.de/buchlesung-freiwilliges-grundeinkommen-statt-gewalt/ Sat, 12 Nov 2022 09:00:38 +0000 Ab heute könnt Ihr Euch mein Buch „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ auch von mir vorlesen lassen. Die 4 Stunden und 14 Minuten lange Lesung findet Ihr hier.

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Ab heute könnt Ihr Euch mein Buch „Freiwilliges Grundeinkommen statt Gewalt“ auch von mir vorlesen lassen. Die 4 Stunden und 14 Minuten lange Lesung findet Ihr hier.

Vorschaubild der Videolesung

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Verschleierung der Funktionsweise des Geldsystems https://martinfinger.de/verschleierung-der-funktionsweise-des-geldsystems/ Fri, 22 Jul 2022 10:05:00 +0000 Die EZB hat die negative Verzinsung von Einlagen am 21.07.2022 mit einer Anhebung ihrer Zinssätze um 50 Basispunkte beendet. Ich möchte am Beispiel des Artikels bei tagesschau.de einmal exemplarisch aufzeigen, wie bestimmte Darstellungen aus meiner Sicht dazu beitragen, die Funktionsweise unseres Geldsystems zu verschleiern. Der geneigte Leser mag meine Ausführungen auch gerne mit den Ausführungen […]

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Die EZB hat die negative Verzinsung von Einlagen am 21.07.2022 mit einer Anhebung ihrer Zinssätze um 50 Basispunkte beendet. Ich möchte am Beispiel des Artikels bei tagesschau.de einmal exemplarisch aufzeigen, wie bestimmte Darstellungen aus meiner Sicht dazu beitragen, die Funktionsweise unseres Geldsystems zu verschleiern. Der geneigte Leser mag meine Ausführungen auch gerne mit den Ausführungen in Artikeln bei anderen journalistischen Medien abgleichen.

Bei meinen Zitaten beziehe ich mich auf den Stand des Artikels vom 21.07.2022 von 14:38 Uhr.

Zitat: „Die Hauptrefinanzierungsfazilität legt fest, zu welchem Zinssatz sich Banken über einen längeren Zeitraum Geld von der Zentralbank leihen können. Die Mindestlaufzeit beträgt hier eine Woche.“

tagesschau.de

Das erste Problem liegt bereits in der Verwendung des Wortes „leihen“. Die EZB hat kein Limit von einem Betrag X, welchen sie an die Banken verleihen würde. Stattdessen stellt die EZB den Banken über die als Tender bezeichneten Geschäfte Liquidität zur Verfügung, sofern die Banken ausreichende Sicherheiten hinterlegt haben. Diese Liquidität wird von der EZB in dem Moment erzeugt, in welchem die Gelder den Banken zugeteilt werden, und zwar in der Höhe, in der diese benötigt wird.

Ein weiteres Wort, welches in die Irre führt, ist der Begriff der „Hauptrefinanzierungsfazilität“ selbst. Hier ist nicht einmal den Journalisten ein Vorwurf zu machen, weil dieser Begriff aus einer Zeit stammt, in welcher die Vorstellung noch verbreitet war, dass Banken sich bei den Zentralbanken refinanzieren würden oder gar müssten. Inzwischen macht auch die Bundesbank deutlich, dass die Kreditvergabe von Banken in keiner direkten Abhängigkeit zur Liquiditätsbereitstellung durch die Zentralbanken steht. Die Referenz, dass hier weiterhin Geschäfte zwischen den Banken und der Zentralbank stattfänden, welche einer Refinanzierung dienen würden, führt also ebenfalls in die Irre.

Die MRO (Main Refinancing Operation) haben keine Mindestlaufzeit von einer Woche, sondern eine Laufzeit von genau sieben Tagen. Die Banken können die Laufzeit nicht frei wählen, sondern müssen jede Woche die Liquidität bei der EZB erneut beantragen. Die Tendergeschäfte mit längerer Laufzeit (LTRO – Long Term Refinancing Operation) haben seit der Finanzkrise 2008 und dem Zusammenbruch des Interbankenmarktes immer weiter zugenommen. Weshalb die Geldmenge, welche von der Zentralbank insgesamt bereitgestellt wird, inzwischen viel höher liegt als der Betrag, welcher nötig wäre, um die Mindestreservepflicht von einem Prozent zu erfüllen.

Zitat: „Steigt der Hauptrefinanzierungszins, so steigen nicht nur die Kosten für Banken. Die Geldinstitute geben die gestiegenen Kosten nämlich in der Regel direkt an Verbraucher und Unternehmen in Form höherer Zinsen auf Privat- und Firmenkredite weiter.“

tagesschau.de

Die Banken benötigen das Geld von der Zentralbank letztlich nur, um die Mindestreservepflichten zu erfüllen. Diese liegt bei einem Prozent aller Buchgelder, welche Banken ihren Kunden garantieren. Daneben dient das Zentralbankgeld den Banken untereinander dazu, ihre ungedeckten Buchgelder bei einer Überweisung von einer Bank zu einer anderen Bank zu decken, da eine Bank schließlich nicht in die Schuldverpflichtung einer anderen Bank einzutreten gedenkt. Wenn ein Kunde einer Bank also Buchgeld von seinem Konto auf das Konto eines Kunden einer anderen Bank überträgt, überträgt die abgebende Bank der empfangenden Bank den gleichen Betrag auch in Zentralbankgeld, damit die empfangende Bank nun die Verpflichtung der abgebenden Bank übernimmt und dem Empfänger der Überweisung einen entsprechenden Buchgeldbetrag schuldet und auf seinem Girokonto gutschreibt.

Bei einem funktionierenden Interbankenmarkt gibt es nur wenig mehr Zentralbankgeld als für die Mindestreserve von einem Prozent benötigt wird. Entsprechend erhöhen sich die Kosten für einen Buchgeldkredit von 100.000 Euro bei einer Anhebung des Hauptrefinanzierungszinses in Höhe von 0,5% für die benötigten 1.000 Euro Mindestreserve um 5 Euro. Während sich die Zinsen für den Kreditnehmer durch einen Anstieg seines Zinses von 0,5% um 500 Euro erhöhen. In der Regel geben die Banken also nicht einfach die gestiegenen „Refinanzierungskosten“ weiter, weil sie auch gar keine Refinanzierungskosten haben. Stattdessen nutzen die Banken den Anstieg des Hauptrefinanzierungssatzes dazu, die Gewinnspanne bei den Krediten deutlich zu steigern.

Zitat: „Die Hauptrefinanzierungsfazilität wirkt sich damit nämlich direkt auf die Höhe der Ausgaben, der Kreditaufnahme und des Sparbetrages innerhalb des Währungsraums aus. Sie spielt somit eine entscheidende Rolle im Bemühen die Geldentwertung zu stoppen und die Inflationserwartungen in den Griff zu bekommen.“

tagesschau.de

Direkt wirkt hier gar nichts. Es ist alles Psychologie und Unwissenheit über die Zusammenhänge. Es wird ein Zinssatz von der EZB angehoben. Da die Zusammenhänge unklar sind, können Banken in der Folge ihre Gewinnspannen im Kreditgeschäft mit Verweis auf gestiegene Kosten erhöhen. Es wird allerdings nicht geäußert, in welchem Verhältnis die Kosten für die Liquiditätsbeschaffung bei der EZB zu den steigenden Einnahmen aus dem Kreditgeschäft liegen. Es wird sehr interessant sein zu sehen, ob die bisherige Hilflosigkeit der EZB, die Inflation auf 2% pro Jahr ansteigen zu lassen, plötzlich nicht mehr existiert wenn es jetzt darum geht, die Inflation auf 2% zu senken, weil man sich nun wieder im Fahrwasser bekannter ökonomischer Theorien zu bewegen meint.

Zitat: „Mit dem Spitzenrefinanzierungssatz steuert die Europäische Zentralbank die Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken. Ein niedriger Spitzenrefinanzierungssatz führt tendenziell zu einer erhöhten Geldmenge sowie zu einer beschleunigten Geldumlaufgeschwindigkeit und damit zu einer anziehenden Inflation.“

tagesschau.de

Von einer Steuerung kann hier nicht wirklich die Rede sein. Im Regelfall lag der Spitzenrefinanzierungssatz immer um 0,25% über dem Hauptrefinanzierungszins. Diese Differenz soll dafür sorgen, dass die Banken bei der wöchentlichen Bedarfsplanung im Zuge der MRO bereits ihren Liquiditätsbedarf so planen, dass keine kurzfristigen Tender nötig sind. Diese kurzfristigen Kredite sind letztlich nur eine Notfalloption, weil Banken ihr Konto bei der EZB täglich ausgeglichen haben müssen. Wenn kurz vor Tagesschluss eine Bank noch einen größeren Liquiditätsabfluss ausgleichen muss und diesen über den Interbankenmarkt nicht mehr rechtzeitig ausgleichen kann, geht dies zu höheren Kosten immer auch über die EZB. Solange eine Bank genügend Sicherheit bereitstellt, kann sie hier beliebige Mengen bekommen. Es ist somit kein Instrument, bei welchem der Begriff der Steuerung angebracht ist. Es ist höchstens ein Instrument zur Disziplinierung, damit die Banken ihren Liquiditätsbedarf vorausschauend planen.

Es wäre interessant zu erfahren, warum ausgerechnet der Spitzenrefinanzierungssatz einen Einfluss auf die Geldmenge bzw. die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes haben sollte. Dabei erfolgt die Geldschöpfung losgelöst von der Liquiditätsversorgung durch die EZB. Die Spitzenrefinanzierungsgeschäfte sind auch aufgrund der vielen LTRO die absolute Ausnahme, wie im Bericht der Bundesbank vom Juni 2022 auf der Berichtsseite 17* abgelesen werden kann.

Zitat: „Gegenstück der Spitzenrefinanzierungsfazilität ist die Einlagefazilität der EZB. Damit werden Übernachtanlagen von Geschäftsbanken bei der Notenbank verzinst. Ist er positiv, verdienen Banken, die überschüssige Liquidität bei der EZB „parken“, Geld.“

tagesschau.de

Die Spitzenrefinanzierungsfazilität ist kein Gegenstück zur Einlagefazilität. Nur weil beide für Kalkulationen „über Nacht“ herangezogen werden und bei einer Bank diese als Ausgaben und bei der anderen Bank diese als Einnahmen anfallen. Die Geschäftsbanken können auch nicht „entscheiden“, Liquidität bei der EZB zu parken. Ihr Guthaben an Zentralbankgeld liegt immer auf ihrem Zentralbankkonto, es existiert nämlich nur dort. Eine Bank kann einen Teil ihres Guthabens auf das Zentralbankkonto einer anderen Bank transferieren. Es bleibt aber immer bei der EZB. Die Liquidität auf den Zentralbankkonten zu verringern ist außerhalb von Tendergeschäften nur möglich, wenn eine Bank bei der EZB Banknoten bestellt. Die Auslieferung per Geldtransport und die anschließende Lagerung sind allerdings sehr teuer, weshalb der Negativzins auch nicht dazu geführt hat, dass Banken angefangen hätten große Mengen an Geldscheinen einzulagern.

Zitat: „Banken, die es nicht schaffen, überschüssiges Geld als Kredit weiterzuvermitteln oder anderen Banken Geld zu leihen, wurden dafür also von der EZB bestraft.“

tagesschau.de

Banken konnten Zentralbankgeld immer nur an andere Banken weitergeben. Allerdings benötigte keine Bank zusätzliches Zentralbankgeld. In 2021 überschritt die Zentralbankgeldmenge die benötigte Geldmenge für die Mindestreserve um mehr als das 23-fache. Siehe Monatsbericht der Bundesbank vom Juni 2022 auf Seite 42*.

Es ist nicht möglich das Zentralbankgeld zu verwenden, um damit Kredite außerhalb des Bankensektors zu vergeben. Somit konnte die Gebührenerhebung auch keine Bestrafung für nicht vergebene Kredite darstellen, denn zumindest die EZB sollte wissen, dass mit den Guthaben auf den Zentralbankkonten solche Transaktionen nicht möglich sind. Letztlich ist die Erhebung der Gebühren eher als Versuch zu werten, die Störung des Interbankenmarktes, welche seit 2008 besteht, endlich zu beheben. Aufgrund der Entwicklung der Überschussliquidität ist dieses allerdings offensichtlich nicht gelungen.

Zitat: „Die Banken hatten den negativen Einlagenzins teilweise direkt an die Privatkunden weitergegeben – in Form eines sogenannten „Verwahrentgelts“.“

tagesschau.de

Die Gebühren, welche die Banken von ihren Kunden erhoben haben, entsprechen nicht irgendwelchen realen Kosten. Nur weil die Banken erhebliche Liquidität auf ihren Zentralbankkonten gehalten haben, hatten sie nicht wirklich Kosten in dem Umfang, wie dieses durch die falsche Darstellung der Verbindung zwischen Zentralbankguthaben und Buchgeldern der Kunden suggeriert wurde. Darüber hinaus waren Banken jederzeit in der Lage, eventuelle Kosten vollständig zu vermeiden.

Statt allerdings auf die Wiederbelegung des Interbankenmarktes zu setzen, hat die EZB sich entschieden, ab Oktober 2019 zusätzlich zur Mindestreserve, welche ohnehin nicht mit dem Negativzins belastet wurde, den Banken zusätzlich einen weiteren Freibetrag in Höhe der 6-fachen Mindestreserve einzuräumen, welcher ebenfalls vollständig vom Negativzins befreit wurde. Die Banken haben also auch in dieser Hinsicht keine realen Kosten weitergegeben, sondern den Negativzins genutzt, um ihre Einnahmensituation zu verbessern.

Zitat: „Sparer sollte das aber über eines nicht hinwegtäuschen: Der Realzins, also der Nominalzins abzüglich der Inflationsrate, dürfte noch sehr lange im negativen Bereich verharren.“

tagesschau.de

Klarzustellen ist, dass die Menschen über die Funktionsweise des Geldsystems getäuscht werden. Dabei wird nicht betrachtet, dass Menschen mit Erwerbseinkommen ebenso von der Inflation betroffen sind. Solange die Inflationsrate mit dem Verbraucherpreisindex (VPI) gleichgesetzt wird, lassen sich die Menschen viel leichter darüber hinwegtäuschen, wie viel ihr Geld bereits an Kaufkraft verloren hat, ohne dass dies im Warenkorb des VPI sichtbar wird. Der Anstieg der Geldmenge und deren ungleiche Verteilung werden nicht thematisiert, weil diese Themen Fragen aufwerfen könnten, in welchem Umfang die Kaufkraft eines Euros schon gesunken ist, wenn die Geldmenge so viel stärker zugenommen hat als das Warenangebot.

Fazit: Alles in allem irritiert mich die ungenaue Darstellung in einem solchen Artikel ungemein. Warum wird mit so vielen ungenauen bzw. sogar fehlerhaften Darstellungen gearbeitet? Fehlt es an Wissen zu diesem Thema? Das Geldsystem ist so ein elementarer Teil unserer Wirtschaft und damit unserer Gesellschaft. Das Geldsystem ist etwas, womit ich mich schon lange beschäftigt habe, daher fallen mir fehlerhafte Darstellungen in diesem Zusammenhang schneller auf. Dabei frage ich mich, in welchem Umfang solche ungenauen Angaben letztlich auch in anderen Berichten zu finden sind und wie es uns gelingt, ein korrektes Bild zu bekommen über die Gesellschaft, in welcher wir leben und wie sie funktioniert, damit wir sie gemeinsam verbessern können.

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Bürgerantrag für mehr Klimaschutz in der Bauleitplanung https://martinfinger.de/buergerantrag-fuer-mehr-klimaschutz-in-der-bauleitplanung/ Tue, 23 Jun 2020 08:42:00 +0000 Seit der Gemeinderat des Markts Reichenberg am 19.01.2016 die Planungen zum Baugebiet „Vorderer Höchberg II“ beschlossen hat, engagieren sich viele Einwohner dafür, das Baugebiet nachhaltiger, anwohner- und klimafreundlicher zu gestalten. Bei der Behandlung der Stellungnahmen zur 2. Auslegung vom September 2019 in der Gemeinderatssitzung am 04.02.2020 blieben jedoch nahezu alle Vorschläge der Anwohner unberücksichtigt. Stattdessen […]

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Seit der Gemeinderat des Markts Reichenberg am 19.01.2016 die Planungen zum Baugebiet „Vorderer Höchberg II“ beschlossen hat, engagieren sich viele Einwohner dafür, das Baugebiet nachhaltiger, anwohner- und klimafreundlicher zu gestalten. Bei der Behandlung der Stellungnahmen zur 2. Auslegung vom September 2019 in der Gemeinderatssitzung am 04.02.2020 blieben jedoch nahezu alle Vorschläge der Anwohner unberücksichtigt. Stattdessen soll an der bisherigen Planung festgehalten werden, welche zu vermeidbaren Belastungen der Anwohner, der Umwelt und des Klimas führt. Ein am 12.06.2020 eingereichter Bürgerantrag soll die neu gewählten Gemeindevertreter veranlassen, ihre Wahlversprechen hinsichtlich mehr Bürgernähe sowie Umwelt- und Klimaschutz im Rahmen der Bauleitplanung umzusetzen. Zehn Gemeinderatsmitglieder wurden erstmals in das Amt gewählt und waren bisher nicht in die Erstellung des Bebauungsplans eingebunden. Daher ist davon auszugehen, dass ihnen die Auswirkungen der Planung sowie die vorgebrachten Stellungnahmen der Anwohner größtenteils nicht bekannt sind. Insbesondere den neuen Gemeinderäten soll mit diesem Antrag die Möglichkeit gegeben werden sich mit den Stellungnahmen der 2. Auslegung auseinanderzusetzen, bevor die Satzung beschlossen wird.

Viele Anwohner sehen sich durch die aktuelle Planung benachteiligt, denn die Belastungen sollen ungleich verteilt werden. So sollen Anwohner gegenüber den zukünftigen Bauherren z. B. bis zu 2,5 m höhere Wand- und Firsthöhen vor ihren Grundstücken hinnehmen, die bei der aktuellen Gestaltung des Plangebiets oft nur wenig durch die Topographie ausgeglichen würden. Daraus ergeben sich u. a. Einschränkungen bei der Nutzung der Sonnenenergie und ein höherer Heizenergiebedarf alleine aufgrund vermeidbarer Verschattung. So wirkt sich die aktuelle Planung negativ auf das Klima aus und sorgt für höhere Kosten bei den Anwohnern. Entsprechend sehen die betroffenen Anwohner den Gemeinderat in der Verantwortung, den Bebauungsplan so zu gestalten, dass die Lasten fair verteilt werden und bestmögliche Lösungen zum Schutz von Klima und Umwelt berücksichtigt werden. Dabei wird offensichtlich, dass im Rahmen der Maßnahmen zum Klimaschutz auch die Frage des fairen und gleichberechtigten Zugangs der Bürger zu regenerativen Energiequellen wie der Sonnenenergie beantwortet werden muss.

Zusätzlich sollen bei der Überarbeitung des Bebauungsplans das sich noch im Entwurf befindliche Bayerische Klimaschutzgesetz und die im Art. 2 formulierten Minderungsziele berücksichtigt werden. Insbesondere das Ziel, dass Bayern bis 2050 klimaneutral sein soll (Art. 2 Abs. II BayKlimaG – Entwurf vom 12.05.2020), wird nur erreicht werden können, wenn Gemeinden bereits heute in Bebauungsplänen Vorgaben aufnehmen, welche über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen und geeignet sind, klimaneutrale Siedlungen zu errichten. Darüber hinaus sind Auswirkungen auf die unmittelbar angrenzende Umgebung als auch auf die Gemeinde und das Klima als Ganzes, wie z. B. die entstehenden Verkehrsströme und deren Emissionen, so gering wie möglich zu halten. Denn Bebauungspläne und die durch sie geschaffenen Strukturen wirken über Jahrzehnte hinweg. Gebäude, welche in den nächsten Jahren errichtet werden, sollten deswegen bereits von Anfang an bestmöglich zur Erfüllung der für das Jahr 2050 vorgesehenen Klimaschutzziele beitragen. Wenn die Ausweisung neuer Baugebiete als unvermeidbar angesehen wird, so ist es im Hinblick auf diese Ziele sinnvoll, auf heute bereits verfügbaren Optionen wie z. B. Plusenergiehäuser zu setzen. Da solche Gebäude mehr CO₂-neutrale Energie erzeugen, als sie selbst benötigen, tragen sie dazu bei, die Treibhausgasemissionen in anderen Sektoren zu senken.

Welche Folgen es haben wird, wenn wir weiterhin untätig bleiben und Maßnahmen zum Klimaschutz unterlassen oder hinauszögern, können wir bei uns in Franken bereits beobachten. Ausgedehnte Phasen von Trockenheit und dazu lokale Starkregenereignisse zeigen, dass der Klimawandel bereits stattfindet und es dringend geboten ist, effektive Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen. Eine energieeffiziente und klimaschonende städtebauliche Planung stellt einen essentiellen Beitrag zum Klimaschutz dar, indem sie beispielsweise durch kompakte Bauformen den Energiebedarf reduziert und gleichzeitig Verschattung vermeidet und so eine möglichst umfassende Nutzung des solaren Potentials in zukünftigen als auch in bestehenden Siedlungsgebieten ermöglicht.

Unser Bürgerantrag „Überarbeitung des Bebauungsplans Vorderer Höchberg II“

Mit meiner Unterschrift beantrage ich gemäß Art. 18b der Gemeindeordnung des Freistaates Bayern, dass der Markt Reichenberg folgende Angelegenheit behandelt: Der Bebauungsplan Vorderer Höchberg II soll überarbeitet werden. Das Ziel der Überarbeitung soll es sein, die stadtplanerischen Möglichkeiten so zu nutzen, dass die Planungen den Erfordernissen des Umwelt- und Klimaschutzes Rechnung tragen sowie die Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich gehalten und fair zwischen den Anwohnern und zukünftigen Bauherren verteilt werden. Der Rahmen und die Tiefe der durchgeführten Untersuchungen und damit verbundene Überlegungen sollen überprüft werden. Die Einwendungen und Vorschläge der Bürger zur Auslegung vom September 2019 sollen dem im Jahr 2020 neu gewählten Gemeinderat nochmals zur Prüfung vorgelegt werden.

Begründung

Die aktuelle Ausführung des Bebauungsplans führt zu Belastungen der Anwohner, der Umwelt und des Klimas, die bei einer anderen Gestaltung vermeidbar wären. Die Belastungen sind zudem ungleich verteilt und benachteiligen viele aktuelle Anwohner. Die im Rahmen der Auslegung vom September 2019 eingebrachten Vorschläge, Anmerkungen und kritischen Einwände der Anwohner und der Ortsgruppe des BUND zur verträglicheren Gestaltung des Baugebiets und zum Umwelt-, Klima- und Artenschutzes fanden nahezu keine Beachtung. Entsprechend soll den neu- und wiedergewählten Gemeinderäten die Möglichkeit gegeben werden, die zur Kommunalwahl 2020 getätigten Aussagen für mehr Bürgernähe und einen verstärkten Umwelt- und Klimaschutz zu verwirklichen, sowie die Umsetzung der geplanten Minderungsziele des BayKlimaG Art. 2 Abs. (1) & (2) (Entwurf vom 12.05.2020, siehe Seitenende) und die Forderung nach einer verstärkten Klimaarchitektur beim Städtebau durch eine entsprechende Gestaltung des Bebauungsplans zu unterstützen. Da die Mehrzahl der Mitglieder des aktuellen Gemeinderats bei den bisherigen Überlegungen und Entscheidungen zum Bebauungsplan Vorderer Höchberg II nicht beteiligt war, halten wir es aufgrund der großen Bedeutung eines Bebauungsplans für heutige und nachfolgende Generationen für angemessen, dass die neuen Gemeinderäte ebenfalls die Gelegenheit erhalten, sich mit den in 2019 eingebrachten Stellungnahmen zu befassen.

Auszug aus dem Bayerischen Klimaschutzgesetz (BayKlimaG) – Art. 2 (Minderungsziele)

(1)¹Das CO2-Äquivalent der Treibhausgasemissionen je Einwohner soll bis zum Jahr 2030 um mindestens 55% gesenkt werden, bezogen auf den Durchschnitt des Jahres 1990. ²Es soll damit auf unter 5 Tonnen pro Einwohner und Jahr sinken.
(2) Spätestens bis zum Jahr 2050 soll Bayern klimaneutral sein.

Weiterführende Links:

Bayerische Klimaschutzoffensive
Entwurf Bayerisches Klimaschutzgesetz (BayKlimaG) vom 12.05.2020 (PDF)
Bericht in der Mainpost vom 05.07.2020

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Gewalt ist die Antwort. Immer. Oder? https://martinfinger.de/gewalt-ist-die-antwort-immer-oder/ Fri, 25 Oct 2019 09:49:00 +0000 Ich lebe in einer Welt die ich nicht verstehe und mein Eindruck ist, es geht ihr mit mir genauso. Utopia? Wie gelingt es, an eine positive Zukunft zu glauben und nicht nur darauf zu hoffen, nachdem sich utopische Gesellschaftsentwürfe am Ende als menschenfressende Dystopien entpuppt haben? Unser Leben ist kein Märchen, bei dem am Ende […]

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Ich lebe in einer Welt die ich nicht verstehe und mein Eindruck ist, es geht ihr mit mir genauso. Utopia? Wie gelingt es, an eine positive Zukunft zu glauben und nicht nur darauf zu hoffen, nachdem sich utopische Gesellschaftsentwürfe am Ende als menschenfressende Dystopien entpuppt haben? Unser Leben ist kein Märchen, bei dem am Ende alles gut wird und wir sind sehr gut darin, uns zu erzählen, wie schlimm es mit uns kommen wird und wie wenige Optionen uns bleiben, überhaupt einen Weg zu finden auf das doch Einige von uns überleben mögen.

Wenn wir ehrlich sind, sind Dystopien ein viel spannenderer Rahmen. Hier lassen sich heroische Heldengeschichten erzählen, in welcher ein einziger Mensch die gesamte Gesellschaft rettet, indem ein einzelner Despot oder eine kleine Gruppe von Diktatoren beseitigt wird. Wir können in der Gegenwart weiter von diesem Erlöser träumen oder uns sogar selbst an seine Stelle phantasieren und unseren Alltag weiterhin ertragen. Wir laben uns an unserer kleinen Utopie, während wir Tag für Tag unseren systemerhaltenden Beitrag leisten und dadurch verhindern, dass sich auch nur irgendetwas verändert. Eine andere Welt wäre sicher wünschenswert, aber das geht doch bestimmt auch ohne meine Beteiligung. Ich habe doch schon so viel zu tun und es soll sich für mich bitte möglichst nichts verändern, ich möchte das Wenige, was ich noch habe, nicht verlieren oder gar aufgeben müssen. Wenn sich mein Leben oder gar ich ändern müsste, bleibe ich lieber bei dem was ich kenne. Unbekanntes mach so viel Angst.

Wir verteidigen die Dinge, von denen uns erzählt wurde, sie seien gut. Warum sie gut sein sollen fragen wir gar nicht erst. Entweder, weil wir nicht auf den Gedanken kommen oder weil wir lieber unauffällig Teil der Masse bleiben wollen. Es ist schön, davon zu träumen, reich und berühmt zu sein. Aber die Masse bietet in ihrer Anonymität vermeintlich Schutz und es ist schwer, eine eigene Meinung zu haben.

Es ist viel einfacher, keine Meinung zu haben oder zumindest keine, an der man hängt. Das vermeidet Konflikte und mit genug Anpassungsvermögen ist man in der Lage, in jede Richtung zu marschieren, in welche die Massen gerade wogen. Ohne ein wirkliches Interesse daran, ein Individuum mit einer eigenen Meinung zu sein, lebt es sich in einer Demokratie sehr angenehm. Die Mehrheit regelt alles dank der monopolisierten und geteilten Gewalt des Staates. Natürlich wird individuelle Gewalt geächtet und auch strukturelle Gewalt als Problem bereits thematisiert. Denn diese Formen von Gewalt sind inzwischen überholt. Auch sind Monopole zwar grundsätzlich schlecht, auch wenn Monopoly so viel Spaß macht, aber meist dann doch nur dem Gewinner. Wer ist denn der Gewinner beim staatlichen Gewaltmonopoly? Anscheinend sieht sich ja jeder irgendwie als Gewinner dieses Spiels. Da ist die Trennschärfe zwischen Gewinnen und Verlieren bei Monopoly eindeutig größer.

Darf eine Utopie sich herausnehmen, das Gewaltmonopoly der Gegenwart in Frage zu stellen? Nachdem wir das Ende der Geschichte bereits hinter uns gelassen haben, kann und darf es doch keine Änderung mehr geben. Also führt auch kein Weg mehr fort von einer Gesellschaft des Du gegen Ich. Wir sind noch nicht das Eins, in welchem es nur noch eine Meinung gibt. Würden wir je so miteinander leben wollen, dass jeder frei handeln darf, ohne zuerst die Erlaubnis aller anderen einholen zu müssen und einfach das verwirklicht, was er für sinnvoll hält? Natürlich nur soweit er es verantworten kann. Leider haben wir keine Ahnung mehr davon, was es bedeutet, verantwortlich zu handeln. Woher sollten wir auch etwas erlernen können, für das es keine Vorbilder oder Lehrer gibt. Stattdessen werden wir verantwortlich gemacht und das ist etwas grundlegend anderes als verantwortliches Sein.

Worauf baut die heutige Gesellschaft? Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Worauf soll die Gesellschaft von morgen gegründet sein? Wollen wir wirklich den Preis der Gewalt zahlen, um in einer Gesellschaft zu leben? Vielleicht ist die beste Utopie, keine Gesellschaft mehr anzustreben und einfach zu leben, frei zu leben. Frei von äußeren Verpflichtungen. Im Miteinander statt im Gegeneinander. Im Du und Ich und ich mit Dir. Wie friedlich könnte eine Welt sein, in welcher wir aufhörten bestimmen zu wollen, wie andere leben sollen und uns damit begnügten, zu bestimmen wie wir selbst leben wollen. Natürlich ist es immer ein Risiko, sich mit dem eigenen Leben zu befassen. Ich könnte feststellen, dass ich damit gar nicht zufrieden bin. Vielleicht nicht einmal mein eigenes Leben lebe. Wofür sollte es sich mehr lohnen zu leben, als für sich selbst?

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Illusion oder Realität – Gibt es Verbundenheit? https://martinfinger.de/illusion-oder-realitaet-gibt-es-verbundenheit/ Mon, 29 Jan 2018 13:33:00 +0000 Fühlen Sie jetzt, in diesem Moment, eine Verbundenheit zu einem anderen Menschen oder fühlen Sie sich einsam? Kennen Sie das Gefühl der Verbundenheit mit einem anderen Menschen? Haben Sie schon einmal erlebt, wie es ist, wenn Ihnen ein Mensch gegenüber sitzt, den Sie nicht kennen und nichts über ihn wissen? Ein Fremder, welcher nach wenigen […]

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Fühlen Sie jetzt, in diesem Moment, eine Verbundenheit zu einem anderen Menschen oder fühlen Sie sich einsam? Kennen Sie das Gefühl der Verbundenheit mit einem anderen Menschen? Haben Sie schon einmal erlebt, wie es ist, wenn Ihnen ein Mensch gegenüber sitzt, den Sie nicht kennen und nichts über ihn wissen? Ein Fremder, welcher nach wenigen Minuten des Kontaktes scheinbar leichter beschreiben kann, was in Ihnen gerade lebendig ist, als Sie es selbst könnten.

Egal ob Sie diese Form der Verbindung schon einmal erlebt haben. Egal ob Sie glauben, ob es so etwas gibt oder nicht, möchte ich Sie bitten, mir zu glauben, dass ich so etwas bereits erlebt habe. Wenn Sie eher eine rationale Sicht auf die Welt haben, würde ich mich jetzt mit Ihnen über Spiegelneuronen unterhalten. Wenn bei Ihnen die emotionale Seite stärker ausgeprägt ist, würde ich mich empathisch mit Ihnen unterhalten. Leider haben Sie im Moment nur diesen Text vor sich, welcher nicht so interaktiv sein kann, wie ein persönliches Gespräch.

Trotzdem möchte ich versuchen, Ihnen zwei Perspektiven aufzuzeigen, welche aus meiner Sicht gleichrangig nebeneinander bestehen. Für die Realität, in der Sie leben, macht es aber einen gravierenden Unterschied, für welche der beiden Sichtweisen Sie sich entscheiden. Beide Perspektiven sind letztendlich Extreme im Sinne eines dualistischen Verständnisses. Natürlich können Sie sich aktuell auch irgendwo zwischen diesen Punkten befinden. Eine Perspektive ist: Wir sind alle einzelne, allein existierende Individuen und die Verbundenheit, welche wir in manchen Momenten mit anderen Menschen oder allem was ist spüren können, ist eine Illusion unseres Geistes. Die andere Perspektive ist entsprechend entgegengesetzt. Wir sind immer und überall mindestens mit allen Menschen und eventuell auch mit der Natur und allem Sein verbunden. In diesem Fall besteht die Illusion darin, sich einsam zu fühlen. Ich überlasse es Ihnen, ob Sie die Verbundenheit allein in Bezug auf Menschen oder auch zu allem Lebendigen oder allem Sein sehen wollen. Ich persönlich beziehe mich vor allem auf Menschen, solange ich nicht überprüfen kann, ob meine Vorstellung darüber, was eine Pflanze, ein Tier oder ein Stein empfände, wirklich deren Sein widerspiegelt.

Mit geht es an dieser Stelle darum, dass Sie zunächst überlegen, welcher dieser Perspektiven Sie in Ihrem Leben bisher gefolgt sind. Wechseln Sie eventuell auch die Sichtweise? Je nachdem wie Sie sich gerade fühlen, ob Sie sich im Moment von einem anderen Menschen verstanden fühlen oder Sie gerade erst enttäuscht wurden. Können Sie an diesem Punkt bereits erkennen, welche Auswirkungen es hat, wenn Sie die eine oder die andere Sichtweise einnehmen? Auch wenn ich zuvor gesagt habe, dass für mich beide Perspektiven gleichberechtigt nebeneinander stehen, so habe ich für mich eine Entscheidung getroffen, welche der Perspektiven ich bevorzuge, weil ich sie als hilfreicher erachte. Ich bevorzuge ein Leben in Verbindung mit anderen Menschen gegenüber einem Leben, welches von Einsamkeit geprägt ist. Natürlich gibt es Momente, in welchen ich gerne einmal alleine bin. Alleine zu sein ist für mich ein Aspekt der äußeren Welt. Ein Zustand, welcher sich leicht und objektiv überprüfen lässt. Einsamkeit ist hingegen ein Aspekt der inneren Welt. Sie wird eher als Gefühl empfunden und ist ein subjektives Erleben.

Entsprechend meinem Wunsch ein Leben zu leben, welches ich gerne lebe, habe ich für mich entschieden, grundsätzlich davon auszugehen, dass ich mit anderen Menschen verbunden bin. Daher betrachte ich die Einschätzung, mit einem Menschen nicht verbunden zu sein, als Illusion. Ich hatte diese Einstellung nicht immer und kann somit vergleichen, welche Auswirkung der Wechsel dieser Sichtweise auf mich und mein Leben hatte. Früher gab es Momente, in welchen mich die Empfindung von Einsamkeit so sehr umklammert hat, dass ich mich selbst auf einer Geburtstagsfeier einsam gefühlt habe, während ich mit fröhlichen und feiernden Menschen zusammen war. Ich saß dabei nicht irgendwo in einer Ecke. Ich habe aktiv am Geschehen teilgenommen, aber die Teilnahme blieb an der Oberfläche. Die Mauer der Einsamkeit konnten die Menschen nicht überwinden. Vermutlich habe sie nicht einmal gemerkt, dass ich sie nicht spüren konnte. Erst seitdem es mir gelungen ist, diese Mauer einzureißen, bin ich auch selbst wieder erreichbar. Wie ich diese Mauer abgetragen habe, ist eine andere Geschichte. Vielleicht werde ich auch sie einmal erzählen. Die Entscheidung, grundsätzlich an die Verbundenheit zu glauben, ist ein Hilfsmittel, mich selbst daran zu erinnern, diese Mauer nicht erneut zu errichten.

Wenn Sie bereits eine ähnliche Barriere errichtet haben und es Ihnen vielleicht schwer fällt, an Verbundenheit zu glauben, möchte ich Sie einladen, sich zu erlauben, Ihre Perspektive zu wechseln. Ich bin überzeugt, auf der anderen Seite wartet mehr Lebensfreude auf Sie als auf der vermeintlich sicheren Seite der Einsamkeit. Wenn es Ihnen in den Momenten, in welchen Sie sich einsam fühlen, gut geht und Sie nicht unter der Einsamkeit leiden, dann gibt es für Sie keinen Grund, etwas zu verändern. Meine Einladung, einen Perspektivwechsel vorzunehmen, ist vor allem an jene gerichtet, welche unter ihrer Einsamkeit leiden. Ihr, die Ihr versucht, Eure Einsamkeit im Außen zu lindern oder zu betäuben, Euch möchte ich sagen: „Einsamkeit ist ein Aspekt der Innenwelt, dieses Leid lässt sich nur in Euch auflösen und nicht im Außen.“ Im Außen ist es nur möglich, Erfahrungen zu sammeln, welche dabei helfen können, den Perspektivwechsel durch passende Erlebnisse zu verstärken. Der Wechsel der eigenen Sichtweise bleibt eine Entscheidung im Innen. Sie kann Ihnen im Außen von niemandem abgenommen werden. Was Sie glauben wollen liegt immer bei Ihnen.

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Voluntary global cooperation https://martinfinger.de/voluntary-global-cooperation/ Tue, 10 Oct 2017 09:14:00 +0000 The model presented below consists of two modules. The first module is the cooperation module. Therein people get together on a voluntary basis and collaborate to find solutions for current tasks and challenges. A permanent voting system allows people to assign a mandate to a delegate, so that he can represent them. Delegates can be […]

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The model presented below consists of two modules. The first module is the cooperation module. Therein people get together on a voluntary basis and collaborate to find solutions for current tasks and challenges. A permanent voting system allows people to assign a mandate to a delegate, so that he can represent them. Delegates can be recalled at any time. Councils of delegates exist on the regional, national and global level. The task of a delegate is to initiate, plan and supervise the implementation of projects. This entails small projects aiming at improving the living conditions of individuals up to realizing global solutions intended to counteract climate change, the destruction of the environment, and wars. The option to decide if a project should be performed is the decision of the people themselves, because every project must collect the financial means required for its realization by crowdfunding.

The second module is the financial module. It gives all people equal access to financial means, because everyone participates in the same form in the creation of money of the new complementary currency. Thus giving everyone equal access to the global resources which they need for their living and survival. Thereby the second module already contains a basic component that fights poverty and hunger throughout the world and reduces economic dependencies. This fundamental financial support ensures in an easy way that every human being can take part in deciding which projects will get access to resources.

Cooperation module

The cooperation module provides structures that will put people in a position to enter into exchange and cooperate with each other on a voluntary basis. These structures are designed to enable everyone to solve current tasks and challenges in a way that is to the benefit of all people without disadvantage to individual people or groups. In this document the duration of one month defines a period of 30 days.

Organizational levels

There are three levels on which people can get actively involved as delegates in order to solve current tasks and challenges. There is a regional, national and global level. Anyone can apply as delegate for any level independent of their place of stay or residence. A person can be an active delegate for more than one group at the same time. While the global level includes the entire planet, the other two levels are preferably subdivided into geographic regions. In the beginning the distribution on the national level can follow the existing borders of nation states and subsequently be replaced or complemented by a geographic or ethnic distribution. As people can be members of various groups on the regional and national level, it is possible to re-model existing multi-layered organizational structures below the national level, if necessary. Thus a resident of a community elects a delegate for this community, a delegate for the larger municipality, and a delegate for the district. In addition to the municipal council of delegates it can be useful for large cities to provide a council of delegates for each urban district that is in charge of tasks that are only relevant for that district. As a matter of principle, the distribution of the national and regional levels is not static, but people can create additional groups at any time. In order for a group to be eligible to be represented by delegates, it has to summon at least 1.000 members on the regional level and 100.000 members on the national level. If a group falls below the minimally required number of members it loses the eligibility for representation and the delegates lose their mandates after a period of grace of one month. In the beginning each individual is only assigned to the global group. It is everyone’s own responsibility to decide which groups someone wants to be a member of.

Election of delegates

The maximum number of members of a council of delegates for each of the three levels is fixed. The number of votes that are required for a person to receive a mandate as delegate results from the maximum number of delegates allowed for a council. For the global level a maximum of 10.000 delegates is intended. With a global population of 7.5 billion people a candidate needs at least 750.000 votes for obtaining a mandate in the global council of delegates. These 750.000 votes represent 1/10.000 of all available votes. There is no age limit for voting, everybody can vote. The number of members of a national council is limited to 1.000 delegates and to 100 delegates for a regional council. Thus candidates on the national level need at least one per mil and candidates on the regional level at least one per cent of the votes of the members of the group which they want to represent as delegates. Elections do not take place at a specific target date, but instead you can vote at any time and the effect is immediate. As soon as a person supports a delegate with his vote, this vote cannot be withdrawn from the delegate for a certain period of time. This period is to protect the delegate from public manipulation in the form of the dissemination of false information that could result in the immediate withdraw of all votes. The duration of this period of protection is set to one month for the regional level, three months for the national level, and six months for the global level. After expiry of this period of protection the vote remains with the delegate until it is actively withdrawn. Votes do not have to be assigned, but can remain unassigned. If a vote that has been assigned to a candidate or delegate is assigned to another candidate or delegate of the same council it is withdrawn automatically.

As delegates can be assigned more than the minimum number of votes it can be assumed that the number of delegates of a council is often significantly lower than the maximum number of members. New candidates can run for a mandate as delegate at any time. This guarantees that there are always new persons that can move up and dedicate themselves to a specific topic that has just recently become important for people. If a delegate resigns from his mandate, or a candidate from his application for a mandate, all assigned votes are automatically released and can be reassigned. Any period of protection is cancelled. This also applies in case of death of a delegate or candidate. The assigned votes cannot be transmitted from a candidate or delegate to another candidate or delegate. Neither has a candidate nor a delegate the possibility to shorten or cancel the period of protection for a specific vote. The period of protection can only be cancelled for all votes if a delegate resigns from his mandate or if a candidate withdraws his candidacy. If votes are withdrawn from a delegate and he falls below the minimum number of required votes he maintains his status as delegate for a period of grace of one month. During this time he has the possibility to seek new supporters so that he can maintain his mandate. This is to ensure that mandates are carried out continuously, even if a delegate is only able to obtain slightly more than the minimum number of required votes for a mandate. If he cannot renew his mandate with new votes it is his duty to make sure that the projects he has been involved in can be continued and implemented after he resigns.

Financial independence

The voters have the possibility to provide financial resources for the delegates’ personal use, so that the delegates can act as independently as possible. This financial support is independent of the support by vote. With this support system each person can provide a delegate with up to 10 units of the complementary currency each month. The financial support can be changed at any time without any waiting period. Whereas there is only one vote per person in each council, there is no limit on the number of delegates a person can support financially. Each person can financially support any desired number of delegates, even within the same council. If a delegate on the global level was supported by each of his minimally required 750.000 supporters with one currency unit per month, he would thus dispose of a budget of 750.000 currency units per month. The financial means provided voluntarily by the supporters are the only financial source in this model that delegates dispose of in order to finance their activities. There is no other compensation for the expenses of the delegates. Also candidates that have not yet obtained a mandate are entitled to receive financial support as of their candidature for any council. The financial means received via this system are freely available to the delegates and have no relation to project financing. For this reason it is the personal choice of a delegate if he discloses what the provided means are used for, as they also serve to cover his living expenses which are part of his privacy.

Planning and financing of projects

The only duty of the delegates is to develop or order the development of proposals for solutions and to plan projects that are able to implement the envisioned solutions. Besides the detailed planning of the individual steps, this mainly requires the detailed scheduling and planning of resources. This is necessary, so that the required financial means can be estimated as exactly and comprehensively as possible before the start of the project. All project details can be inspected anytime by anybody. A platform for the administration of the projects is provided that stores all information including their revision history. In addition to this, tools are provided that assist in the decentral editing of all documentation. Regarding these tools it is the responsibility of the delegates to consolidate different user requirements and provide people with access in a way that everybody can participate in the desired form and extent. Each person can comment on a project, which is a possibility that cannot be limited. It is not possible to completely delete documents or comments, as the revision history of all documentation will be stored permanently. Once a project has been planned completely and as soon as two delegates have taken charge of the implementation of the project, it can pass from the planning to the financing phase.

The purpose of the financing phase is to supply the project with the required financial resources, in order to implement it. Everybody can contribute any desired amount of money in order to support the project. Before the start of the financing phase it has to be defined within which period of time the required means need to be made available. If a project does not receive the required financial resources before the end of this period of time, the collected funds will automatically be returned to the supporters after expiration of the financing phase. In order not to block funds longer than necessary the maximum financing period is limited to one month for regional projects, two months for national projects, and three months for global projects. If a project does not manage to acquire the required financial resources it returns to the planning phase. The delegates that are in charge of the project and other interested participants can then consider if and how to change the planning so that next time the financing phase can be passed successfully.

As soon as the financing phase has been passed successfully the project enters the implementation phase. During this phase it is the duty of the delegates to supervise the project and to take all necessary steps for the implementation. During implementation the project’s progress has to be continuously updated in the project documentation. In case the project consumes more resources than planned, a supplementary project has to be started and passed through the financing phase as early as possible in order to avoid that the project runs out of budget and has to be stopped. A project cannot re-enter the financing phase once it has passed it successfully. If there are excess funds after the project has been completed, these will be returned to the supporters proportionately to their contribution. If a delegate loses his mandate during the financing or implementation phase of a project, he can still supervise the project until completion. If the financing phase has not been passed successfully, however, he cannot start another financing phase for the project. With the loss of his mandate he cannot initiate new projects anymore, and thus no supplementary project either, in case this should be necessary.

Transparency

One important aspect of the cooperation module is transparency. All activities are documented and visible to the public. Everybody can obtain information on any person registered on the platform regarding their past and present group memberships, candidatures, and engagements as delegate. It can be examined in detail who has supported which delegate with his vote or financially and for how long. In this way, everybody has the possibility to get information on the supporters and financial resources of a delegate. All project documentation is entirely made available to the public, starting from the project idea, followed by the discussions and agreements that were made, up to the quotes that were obtained for individual tasks. There will be documentation on the amount of financial means and who contributed them to a project, and also on invoices that were received and payments that were made during the implementation of the project. This comprehensive transparency in all areas is to ensure that the status of a project as well as the situation of a delegate can be reproduced at any time.

Financial module

As the cooperation module is based on voluntary actions it cannot dispose of any resources and has no intrinsic power that guarantees that all human beings receive equal access to resources. As the usage of the financial module is also voluntary nobody is forced to contribute to the provisioning of other people. This module is based upon the idea that everybody should have equal access to all resources of our planet, which is why everybody receives equal access to financial means by the financial module. To the same extent as people are willing to accept the complementary currency of the financial module this basic concept of equality is implemented. The financial module offers an easy way to take up on our current money driven structures and use their mechanisms to provide everyone access to resources which are only available via markets and financial transactions. At the same time people are enabled to supply projects with resources by transmitting parts of their financial means to a project.

Global complementary currency

The core of the financial module is a complementary currency that is provided to all human beings on a credit basis. The currency is designed to primarily be used as a means of payment and cannot permanently be withdrawn from circulation. This is ensured through two rules that define the creation and the deletion of money. The first rule determines how money is created: from the moment of birth each human being receives a monthly amount ranging from 100 to 1.000 currency units. The second rule limits the amount of money by determining how money is deleted. Each month all cash balances are reduced by 1 %. The exact amount created each month results from the global participation, i.e. how many people are willing to use the currency. In the beginning an amount of 100 currency units is created each month for every participant. The amount created each month increases at same rate as the participation rate increases. With a participation rate of 40 % an amount of 500 currency units is paid each month to the participants. With a participation rate of 90 % everybody receives the maximum amount of 1.000 currency units per month. This sums up to the maximum money supply of 100.000 currency units per person, because for 100.000 currency units the monthly deletion of 1 % destroys as many currency units as are created each month for a person.

Continuous circulation of money

As each human being is constantly supplied with new liquidity, everyone can exert an effective demand on the money-based product markets. At the same time the deletion of money of 1 % each month, or 12 % annually, respectively, makes the accumulation of money less attractive and this makes investments profitable that have a return of less than zero. In this way the supply of people with money and the regular deletion of money create a constant circulation of money.

Connection to the cooperation module

Provided that the complementary currency can be established as a common currency, every person has access to food, clothing, and shelter on the existing markets, enabling everyone to fulfil his basic needs. Furthermore, every human being can use part of the money that he is granted each month for financing projects of the cooperation module, thus giving projects access to the required resources.

Money supply without gainful employment

The basic supply with financial means of all people opens up important space for re-organizing our working world. It is not vital anymore to earn a financial income, but everyone can select freely if he wants to do so. This separation makes it possible to do without activities that more than anything else consume resources without improving people‘s living conditions. By reducing the dependence on a gainful employment in order to earn a living, a lot of time is made available that people can then use to pursue other goals. This again strengthens the cooperation module, as more people can dispose of the time required to get engaged in activities that matter to them.

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Freiwillige globale Kooperation https://martinfinger.de/freiwillige-globale-kooperation/ Tue, 10 Oct 2017 09:14:00 +0000 Das Modell, welches im Folgenden vorgestellt wird, besteht aus zwei Modulen. Das erste Modul ist das Kooperationsmodul. In diesem finden sich Menschen freiwillig zusammen und suchen gemeinsam nach Lösungen, wie aktuelle Aufgaben und Herausforderungen gemeistert werden können. Die Menschen haben die Möglichkeit, über ein permanentes Wahlsystem Delegierte zu beauftragen, in ihrem Interesse aktiv zu werden […]

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Das Modell, welches im Folgenden vorgestellt wird, besteht aus zwei Modulen. Das erste Modul ist das Kooperationsmodul. In diesem finden sich Menschen freiwillig zusammen und suchen gemeinsam nach Lösungen, wie aktuelle Aufgaben und Herausforderungen gemeistert werden können. Die Menschen haben die Möglichkeit, über ein permanentes Wahlsystem Delegierte zu beauftragen, in ihrem Interesse aktiv zu werden und können Delegierte auch jederzeit wieder abberufen. Delegiertenräte existieren sowohl auf regionaler, nationaler oder globaler Ebene. Die Aufgabe der Delegierten ist, es Projekte zu initiieren, zu planen und deren Umsetzung zu begleiten. Es kann dabei um kleine Projekte gehen, welche die Lebenssituation einzelner Menschen verbessert, als auch um die Realisierung von Lösungen auf globaler Ebene, welche Klimawandel, Umweltzerstörung und Kriegen entgegen wirken sollen. Die Möglichkeit, zu entscheiden, ob ein Projekt durchgeführt wird, liegt bei den Menschen selbst, denn jedes Projekt muss individuell per Schwarmfinanzierung die nötigen finanziellen Ressourcen einsammeln, welche es für seine Verwirklichung benötigt.

Das zweite Modul ist das Finanzmodul. In diesem erhalten alle Menschen gleichberechtigten Zugang zu finanziellen Mitteln, indem jeder Mensch in gleicher Weise an der Geldschöpfung der neuen komplementären Währung partizipiert. So bekommt jeder Mensch den gleichen Zugang zu den weltweit verfügbaren Ressourcen, welche er für sein Leben und Überleben benötigt. Damit enthält das zweite Modul bereits einen grundlegenden Baustein, um Armut und Hunger weltweit entgegen zu wirken und ökonomische Abhängigkeiten zu vermindern. Erst mit dieser grundlegenden finanziellen Versorgung ist es auf einfache Weise möglich, dass alle Menschen gleichberechtigt mitbestimmen können, welche Projekte Zugang zu Ressourcen erhalten sollen.

Kooperationsmodul

Das Kooperationsmodul stellt Strukturen zur Verfügung, welche Menschen unterstützen sollen, auf globalen Ebene freiwillig miteinander in Austausch zu treten und miteinander zu kooperieren. Diese Strukturen sollen alle Menschen in die Lage versetzen, aktuelle Aufgaben und Probleme zum Vorteil aller Menschen zu lösen, ohne einzelne Personen oder Gruppen zu benachteiligen. Wenn in diesem Dokument von einem Zeitraum von einem Monat gesprochen wird, entspricht dieses generell einem Zeitraum von 30 Tagen.

Organisationsebenen

Es werden drei Ebenen unterschieden, auf welchen Menschen als Delegierte aktiv werden können, um aktuelle Aufgaben und Probleme zu lösen. Die Aufteilung erfolgt in eine regionale, nationale und globale Ebene. Jede Person kann sich unabhängig von ihrem Aufenthalts- oder Wohnort für jede Ebene als Delegierter bewerben. Eine Person kann gleichzeitig für mehrere Gruppen als Delegierter aktiv werden. Während die globale Ebene den gesamten Planeten umfasst, sind die anderen beiden Ebenen bevorzugt in geographische Regionen unterteilt. Eine Aufteilung auf nationaler Ebene kann sich dabei zu Anfang an den bestehenden Grenzen der Nationalstaaten orientieren und im weiteren Verlauf durch/um eine geografische oder ethnische Aufteilung ersetzt/ergänzt werden. Indem Menschen mehreren Gruppen auf regionaler bzw. nationaler Ebene angehören dürfen, können bestehende mehrschichtige Organisationsstrukturen unterhalb der nationalen Ebene bei Bedarf nachgebildet werden. Ein Einwohner einer Gemeinde wählt so neben einem Vertreter für die Gemeinde ebenso einen Vertreter für die Großgemeinde sowie einen Vertreter für den Bezirk. Für Großstädte kann es sinnvoll sein, neben einem Delegiertenrat für die Stadt auch Delegiertenräte für einzelne Stadtteile vorzusehen, welche sich dann um Aufgaben kümmern, welche nur für den einzelnen Stadtteil von Bedeutung sind. Grundsätzlich ist die Aufteilung der nationalen und regionalen Ebene nicht statisch, sondern die Menschen können jederzeit weitere Gruppen erstellen. Bevor eine solche Gruppe den Status erhält, durch Delegierte vertreten zu werden, müssen einer Gruppe mindestens 1.000 Menschen auf regionaler Ebene und 100.000 Menschen auf nationaler Ebene angehören. Fällt die Mitgliederzahl einer Gruppe unter die Mindestanzahl, so verliert diese ihren Status, durch Delegierte repräsentiert zu werden und die Delegierten verlieren ihre Mandate nach der Schonfrist von einem Monat. Jeder Mensch ist zunächst nur der globalen Gruppe zugeordnet. Die Entscheidung, welchen Gruppen jemand angehören möchte, trifft jeder selbstverantwortlich.

Wahl der Delegierten

Für jede der drei Ebenen ist festgelegt, wie viele Mitglieder ein Delegiertenrat maximal umfassen kann. Aus der Anzahl der maximal zulässigen Delegierten für einen Rat ergibt sich die Anzahl der Stimmen, welche eine Person mindestens erhalten muss, um ein Mandat als Delegierter zu erhalten. Für die globale Ebene sind maximal 10.000 Delegierte vorgesehen. Bei einer Weltbevölkerung von 7,5 Mrd. Menschen benötigt ein Delegierter somit mindestens 750.000 Stimmen, um eine Mandat für den globalen Delegiertenrat zu erhalten. Die 750.000 Stimmen entsprechen einem 1/10.000 aller verfügbaren Stimmen. Es gibt keine Altersbeschränkung für die Stimmvergabe, jeder Mensch darf mitbestimmen. Die Anzahl der Delegierten für einen Rat auf nationaler Ebene ist auf 1.000 Delegierte je Gruppe und für einen regionalen Delegiertenrat auf 100 Delegierte je Gruppe festgelegt. Entsprechend benötigt ein Delegierter auf nationaler Ebene mindestens ein Promille und ein Delegierter auf regionaler Ebene mindestens ein Prozent der Stimmen, bezogen auf die Mitgliederzahl der Gruppe, für welche er als Delegierter aktiv werden möchte. Die Wahl erfolgt nicht zu einem bestimmten Stichtag, sondern eine Vergabe der eigenen Stimme ist jederzeit möglich und wirkt sich umgehend aus. Sobald jemand mit seiner Stimme einen Delegierten unterstützt, kann diese Stimme für einen bestimmten Zeitraum nicht wieder entzogen werden. Diese Sperrfrist soll einen Delegierten davor schützen, dass ihm durch Manipulation der Öffentlichkeit mittels falscher Informationen umgehend alle Stimmen entzogen werden. Die Länge der Sperrfrist ist für die regionale Ebene auf einen Monat, für die nationale Ebene auf drei Monate und für die globale Ebene auf sechs Monate festgelegt. Ist die Sperrfrist abgelaufen, verbleibt die Stimme weiterhin beim Delegierten, bis sie ihm aktiv entzogen wird. Eine Stimme muss nicht zwingend vergeben werden und kann einfach frei bleiben. Wird die Stimme einem anderen Bewerber oder Delegierten zugeordnet und war diese zuvor einem anderen Delegierten bzw. Bewerber des gleichen Delegiertenrates zugeordnet, so wird diese automatisch entzogen.

Da Delegierte auch mehr als die Mindeststimmenanzahl auf sich vereinen können, ist davon auszugehen, dass die Delegiertenräte jeweils deutlich weniger als die maximale Mitgliederzahl umfassen werden. Da jederzeit neue Bewerber antreten können, um ein Mandat als Delegierter zu erhalten, ist so sichergestellt, dass jederzeit neue Personen nachrücken können, welche sich für ein bestimmtes Thema engagieren wollen, welches gerade für genügend Menschen wichtig geworden ist. Legt ein Delegierter sein Mandat oder eine Person ihre Bewerbung um ein Mandat nieder, so werden alle zugeordneten Stimmen automatisch freigegeben und können neu vergeben werden. Noch bestehende Sperrfristen werden aufgehoben. Dieses gilt ebenso für den Tod eines Delegierten oder Bewerbers. Die zugeordneten Stimmen können nicht von einem Bewerber oder Delegierten an einen anderen Bewerber oder Delegierten übertragen werden. Ebenso hat ein Bewerber oder Delegierter keine Möglichkeit, die Sperrfrist für eine einzelne Stimme zu verkürzen oder aufzuheben. Die Sperrfristen können nur für alle Stimmen aufgehoben werden, indem ein Delegierter sein Mandat niederlegt oder ein Bewerber seine Kandidatur zurückzieht. Falls ein Delegierter durch Entzug von Stimmen unter die notwendige Mindeststimmenzahl fällt, so bleibt sein Status als Delegierter für einen Übergangszeitraum von einem Monat erhalten. In dieser Zeit hat er die Möglichkeit, sich um neue Unterstützer zu bemühen und so sein Mandat aufrecht zu erhalten. Damit soll eine Kontinuität in der Mandatsausübung unterstützt werden, auch wenn ein Delegierter dauerhaft nur wenige Stimmen über der benötigten Mindeststimmenzahl liegt. Kann er sein Mandat nicht durch zusätzliche Stimmen erneuern, so ist es seine Aufgabe, sicherzustellen, dass die von ihm mitverantworteten Projekte auch nach seinem Ausscheiden als Delegierter weiterverfolgt werden können und realisiert werden.

Finanzielle Unabhängigkeit

Damit Delegierte möglichst unabhängig agieren können, haben die Wähler die Möglichkeit, den Delegierten finanzielle Mittel zur persönlichen Verwendung zukommen zu lassen. Diese finanzielle Unterstützung erfolgt unabhängig von der Unterstützung mit der eigenen Stimme. Eine Person kann einem Delegierten maximal 10 Einheiten der komplementären Währung über dieses Unterstützungssystem monatlich zukommen lassen. Die finanzielle Unterstützung kann ohne Sperrfrist jederzeit angepasst werden. Während eine Person immer nur eine Stimme innerhalb eines Rates vergeben kann, ist die Anzahl der Delegierten, welche unterstützt werden können, unbeschränkt. Eine Person kann eine beliebige Anzahl von Delegierten finanziell unterstützen, selbst innerhalb eines Rates. Würde ein Delegierter auf der globalen Ebene von jedem seiner mindestens benötigten 750.000 Unterstützer eine Geldeinheit pro Monat erhalten, hätte er ein Budget von 750.000 Geldeinheiten monatlich zur Verfügung. Die von den Unterstützern freiwillig zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel sind die einzige Geldquelle innerhalb dieses Modells, über welche Delegierte ihre Tätigkeiten finanzieren können. Darüber hinaus gibt es in diesem System keine Kompensationsmöglichkeiten für Aufwendungen von Delegierten. Einem Bewerber, welcher noch kein Mandat erlangt hat, stehen diese Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung ebenfalls zur Verfügung und zwar ab dem Zeitpunkt, ab dem er als Kandidat für einen beliebigen Rat antritt. Die über dieses System erhaltenen finanziellen Mittel stehen dem Delegierten zur freien Verfügung und haben keinen Bezug zur Finanzierung von Projekten. Daher ist es eine persönliche Entscheidung, ob und in welchem Umfang ein Delegierter öffentlich macht, wofür er die ihm zur Verfügung gestellten Mittel verwendet, da diese auch seine private Versorgung umfassen, welche Teil seiner Privatsphäre ist.

Planung und Finanzierung von Projekten

Die einzige Aufgabe der Delegierten besteht darin, Vorschläge für Lösungen zu erarbeiten oder erarbeiten zu lassen und ein Projekt zu planen, welches in der Lage ist, eine angedachte Lösung zu realisieren. Neben einer detaillierten Planung der einzelnen Schritte gehört hierzu vor allem eine detaillierte Zeit- und Ressourcenplanung. Dieses ist nötig, damit die notwendigen finanziellen Mittel vor Beginn des Projektes so vollständig und umfassend wie möglich abgeschätzt werden können. Ein Projekt kann jederzeit von jeder Person vollständig und in allen Details eingesehen werden. Für die Verwaltung der Projekte wird eine Plattform bereitgestellt, in welcher alle Informationen inklusive der Änderungshistorien gespeichert werden. Darüber hinaus stehen Werkzeuge zur Verfügung, mit deren Hilfe alle Unterlagen gemeinsam dezentral bearbeitet werden können. Hier ist es die Aufgabe des Delegierten, die Interessen möglichst so zu kanalisieren und Personen mit Zugangsmöglichkeiten auszustatten, dass jeder sich in der von ihm gewünschten Form und Umfang einbringen kann. Jede Person kann ein Projekt kommentieren und diese Möglichkeit kann auch nicht eingeschränkt werden. Eine vollständige Löschung von Dokumenten oder Kommentaren ist nicht möglich, da die Historie aller Unterlagen dauerhaft gespeichert wird. Ist ein Projekt vollständig durchgeplant und sind mindestens zwei Delegierte bereit, das Projekt während der Durchführung zu betreuen, kann das Projekt von der Planungsphase in die Finanzierungsphase wechseln.

Bei der Finanzierungsphase geht es darum, das Projekt mit den benötigten finanziellen Ressourcen auszustatten, um es realisieren zu können. Jeder Mensch kann beliebige finanzielle Summen zur Verfügung stellen, um das Projekt zu unterstützen. Vor Eintritt in die Finanzierungsphase ist festzulegen, innerhalb welchen Zeitraums die benötigten Mittel zusammenkommen sollen. Erhält ein Projekt nicht innerhalb der festgelegten Frist die benötigten finanziellen Mittel, werden bereits eingesammelte Gelder mit dem Ablauf der Frist wieder an die Unterstützer zurückgegeben. Damit Gelder nicht unnötig lange blockiert werden, ist die maximale Finanzierungsdauer für regionale Projekte auf einen Monat, für nationale auf zwei Monate und für globale Projekte auf drei Monate beschränkt. Scheitert ein Projekt an der Finanzierung, geht es zurück in die Planungsphase und die betreuenden Delegierten können zusammen mit anderen Interessierten überlegen, ob und ggf. wie die Planung überarbeitet werden kann, damit das Projekt die Finanzierungsphase erfolgreich durchläuft.

Wurde die Finanzierungsphase erfolgreich abgeschlossen, beginnt die Umsetzungsphase des Projektes. In dieser Phase haben die Delegierten die Aufgabe, das Projekt zu betreuen und alle nötigen Schritte für dessen Umsetzung einzuleiten. Während der Umsetzung ist der Fortschritt fortlaufend öffentlich in den Projektunterlagen zu dokumentieren. Sollte sich während der Umsetzung herausstellen, dass das geplante Budget nicht ausreicht, muss rechtzeitig ein Ergänzungsprojekt geplant und durch die Finanzierungsphase gebracht werden, da sonst das Projekt gestoppt werden muss, sobald die finanziellen Mittel aufgebraucht sind. Ein erneuter Eintritt in die Finanzierungsphase ist nach erfolgreichem Abschluss der Finanzierungsphase nicht möglich. Sollte einem Projekt am Ende ein finanzieller Überschuss verbleiben, so wird dieser anteilig an die Unterstützer zurückgegeben, entsprechend der von ihnen eingebrachten Gelder. Sollte ein Delegierter während der Finanzierungs- oder Umsetzungsphase eines Projektes sein Mandat als Delegierter verlieren, so kann er das Projekt trotzdem bis zum Ende begleiten. Scheitert die Finanzierungsphase, hat er allerdings keine Möglichkeit, eine erneute Finanzierungsphase für das Projekt zu starten. Aufgrund des Mandatsverlustes kann er auch keine neuen Projekte mehr erstellen und somit auch kein Ergänzungsprojekt initiieren, sollte dies notwendig werden.

Transparenz

Ein wichtiger Punkt beim Kooperationsmodul ist Transparenz. Alle Aktivitäten werden öffentlich einsehbar dokumentiert. Jede Person kann zu jeder auf der Plattform registrierten Person Informationen über ihre vergangenen und aktuellen Gruppenmitgliedschaften, Kandidaturen und Tätigkeiten als Delegierter einsehen. Es kann im Detail angeschaut werden, wer welchen Delegierten wie lange mit seiner Stimme oder finanziell unterstützt hat. Dadurch hat jeder die Möglichkeit, sich darüber zu informieren, über welche Unterstützer und finanziellen Mittel ein Delegierter verfügt. Die Unterlagen eines Projektes werden vollständig öffentlich zur Verfügung gestellt, angefangen von der Projektidee, über erfolgte Diskussionen und Absprachen, bis hin zu eingeholten Angeboten für einzelne Aufgaben. In welchem Umfang welche Personen zur Finanzierung eines Projektes beigetragen haben wird ebenso öffentlich dokumentiert wie erhaltene Rechnungen und Zahlungen, welche während der Durchführung des Projektes getätigt wurden. Mit dieser umfassenden Transparenz in allen Bereichen soll sichergestellt werden, dass der Status eines Projektes und die Situation eines Delegierten jederzeit nachvollzogen werden kann.

Finanzmodul

Da das Kooperationsmodul auf Freiwilligkeit basiert, kann es über keinerlei Ressourcen verfügen und besitzt aus sich heraus keine Macht, um sicherzustellen, dass alle Menschen einen gleichen Zugang zu Ressourcen erhalten. Da die Nutzung des Finanzmoduls ebenso auf Freiwilligkeit basiert, wird niemand gezwungen, zur Versorgung anderer Menschen beizutragen. Dieses Modul ist vom Grundgedanken getragen, dass alle Menschen gleichberechtigt Zugang zu allen Ressourcen unseres Planeten erhalten sollen, daher erhalten alle Menschen über das Finanzmodul einen gleichen Zugang zu finanziellen Mitteln. In dem Umfang wie die Menschen bereit sind, die komplementäre Währung des Finanzmoduls zu akzeptieren, wird dieser Grundgedanke der Gleichheit realisiert. Das Finanzmodul bietet eine einfache Lösung, um an die heutigen geldgetrieben Strukturen anzuknüpfen und deren Mechanismen nutzbar zu machen, um allen Menschen Zugang zu den Ressourcen zu ermöglichen, welche nur über Märkte und Geldtransaktionen verfügbar sind. Gleichzeitig werden die Menschen in die Lage versetzt, Projekte mit Ressourcen auszustatten, indem sie Teile ihrer finanziellen Mittel an ein Projekt übertragen.

Globale komplementäre Währung

Der Kern des Finanzmoduls ist eine komplementäre Währung, welche auf Guthabenbasis jedem Menschen zur Verfügung gestellt wird. Die Währung ist so konzipiert, dass sie primär als Zahlungsmittel Verwendung finden soll und Geldeinheiten dem Geldkreislauf nicht dauerhaft entzogen werden können. Sichergestellt wird dies durch zwei Regeln, mit denen die Geldschöpfung und Geldlöschung definiert wird. Die 1. Regel legt fest, wie das Geld geschaffen wird: Jede Person erhält ab der Geburt einen monatlichen Geldbetrag zwischen 100 und 1.000 Geldeinheiten. Die 2. Regel begrenzt die Geldmenge indem sie festlegt, wie Geld wieder gelöscht wird. Alle Geldguthaben werden monatlich um 1 % verringert. Die genaue Höhe des monatlich erzeugten Betrages ergibt sich aus der weltweiten Beteiligungsquote, also aus der Anzahl der Menschen welche bereit sind, die Währung zu nutzen. Anfangs wird ein monatlicher Betrag von 100 Geldeinheiten für jeden Beteiligten erzeugt. Steigt die Beteiligungsquote, so steigt auch der monatlich zur Verfügung gestellte Betrag. Bei einer Quote von 40 % werden 500 Geldeinheiten monatlich an jede teilnehmende Person ausgezahlt. Bei einer Beteiligungsquote von 90 % erhält jede Person den maximalen Betrag von 1.000 Geldeinheiten pro Monat. Dadurch ergibt sich eine maximale Geldmenge von 100.000 Geldeinheiten pro Person, da bei 100.000 Geldeinheiten die monatliche Löschung in Höhe von 1 % genauso viele Geldeinheiten vernichtet wie monatlich für eine Person erzeugt werden.

Dauerhafter Geldumlauf

Da jeder Mensch permanent mit neuer Liquidität versorgt wird, kann jeder auf den geldbasierten Gütermärkten eine wirksame Nachfrage ausüben. Durch die Geldlöschung von 1 % pro Monat, bzw. 12 % pro Jahr, wird gleichzeitig die Anhäufung von Geldbeständen unattraktiver und es werden Investitionen rentabel, welche eine Rendite von unter null aufweisen. So wird durch die persönliche Geldversorgung und die allgemeine Geldlöschung ein steter Geldkreislauf unterstützt.

Verbindung zum Kooperationsmodul

Soweit die komplementäre Währung als reguläre Währung etabliert werden kann, erhält jeder Mensch über die bestehenden Märkte Zugang zu Nahrung, Kleidung und Unterkunft und kann damit seine lebensnotwendigen Bedürfnisse stillen. Ebenso kann jeder Mensch einen Teil der Geldeinheiten, welche ihm monatlich zur Verfügung gestellt werden, wiederum für die Finanzierung der Projekte aus dem Kooperationsmodul verwenden und so den Projekten Zugang zu den benötigten Ressourcen ermöglichen.

Geldversorgung ohne Erwerbsarbeit

Die Grundversorgung aller Menschen mit finanziellen Mitteln eröffnet sehr wichtige Freiräume zur Umgestaltung unserer Arbeitswelt. Ein finanzielles Einkommen zu erzielen ist nicht mehr überlebensnotwendig, sondern kann frei gewählt werden. Mit dieser Entkopplung kann leichter auf Tätigkeiten verzichtet werden, welche vor allem viele Ressourcen benötigen, ohne die Lebenssituation der Menschen zu verbessern. Mit der Verringerung der Abhängigkeit von Erwerbsarbeit als Quelle für den Lebensunterhalt wird viel Lebenszeit freigesetzt, welche die Menschen dann für die Verfolgung anderer Ziele einsetzen können. Dieses stärkt wiederum das Kooperationsmodul, da mehr Menschen über die zeitlichen Ressourcen verfügen, um sich für Dinge zu engagieren, welche ihnen wichtig sind.

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Mem-Tagebuch #018: Aufklärung, die; Status: unvollendet (2017) https://martinfinger.de/mtb-018-aufklaerung-unvollendet-2017/ Sun, 23 Apr 2017 11:00:00 +0000 Diese Mal beschäftige ich mich mit der Aufklärung. Ich spreche darüber, dass wir in unseren Diskussionen zu wenig auf wissenschaftliche Erkenntnisse referenzieren. Auch wurde das Prinzip der Herrschaft des Menschen über den Menschen, aus meiner Sicht, während der Aufklärung zu wenig in Frage gestellt. Die ursprüngliche Aufnahme vom 23.04.2017 findet Ihr hier. Für den Podcast […]

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Diese Mal beschäftige ich mich mit der Aufklärung. Ich spreche darüber, dass wir in unseren Diskussionen zu wenig auf wissenschaftliche Erkenntnisse referenzieren. Auch wurde das Prinzip der Herrschaft des Menschen über den Menschen, aus meiner Sicht, während der Aufklärung zu wenig in Frage gestellt.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 23.04.2017 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen heute zu einer weiteren Folge des Mem-Tagebuchs. Heute möchte ich ein paar Gedanken und vor allen Dingen Fragen in den Raum stellen zum Thema der Aufklärung. Und zwar dem Zeitalter was wir rückblickend als Aufklärung bezeichnen. Und wie es eigentlich kommen konnte zudem wo wir heute gelandet sind. Also warum die Aufklärung – ich würde noch nicht sagen, dass sie gescheitert ist, weil solange wir noch da sind, können wir sie immer noch vollenden. Und deswegen auch für mich im Moment das Thema „die Aufklärung“ und leider immer noch die unvollendete.

Und was sind diese Wege, Ecken gewesen, in denen wir aus meiner Sicht irgendwie falsch abgebogen sind. Oder den Weg komplett verloren haben. Und wir heute. Ja, ich weiß nicht wohin wir überhaupt unterwegs sind. Was sich tatsächlich bewegt und wie vielleicht in einigen Jahrhunderten unser Zeitalter bezeichnet werden wird. Als das Zeitalter der großen Verwirrung, der Vielfalt oder der großen Zerstörung. Auch wenn wir jetzt keine größeren Kriege in den letzten Jahrzehnten erlebt haben, haben wir doch der Natur und auch den Ressourcen, die wir tagtäglich letztlich immer noch verbrauchen, und nicht nur nutzen, und den Raubbau den wir betreiben.

Hinterlassen wir Schäden in einer Größenordnung die wir uns wahrscheinlich nicht wirklich ausmalen. Geschweige denn jeden Tag damit auseinandersetzen. Weil einfach die Wege so unklar sind. Wie kommen wir davon weg. Auf diesen Pfaden auf denen wir aktuell wandeln. Wenn ich dann mir anschaue was aktuell in den Zeitungen oder überhaupt was in letztlich der Welt passiert. Von dem Bisschen was mich bis hierher erreicht. Weil ich ja normalerweise mich nicht damit groß auseinandersetze.

Aber wenn ich mir anschaue was Staatsoberhäupter, Regierungen, Regierungschef aktuell so alles in die Wege leiten oder anstellen, dann frage ich mich schon: Wie kann es eigentlich sein, dass wir heute immer noch, oder vielmehr das so viele Menschen so vehement diese Demokratie verteidigen? Es geht doch nicht darum noch eine stärkere Diktatur oder irgendetwas zu errichten. Sonden, die Frage ist, diesen Weg in die Freiheit mal fortzusetzen. Es ging doch nicht darum, dass wir bloß die Herrscher irgendwie regelmäßig wechseln. Und letztlich in einem System leben, in dem wir trotzdem nicht wirklich frei leben können. Wir mögen vielleicht nicht jeden Tag eingesperrt sein, oder es nicht als solches empfinden.

Aber egal wo man hinschaut. Ständig werden Gesetze und Regelungen erlassen. Und ich denke jeder der in irgendeinem Bereich arbeitet wird mit dem einen oder anderen schon konfrontiert worden sein. Und immer nur den Kopf schütteln können, was da beschlossen wird, was da verabschiedet wird. Da kann ich es einfach nicht verstehen, wieso es tatsächlich so diesen automatischen Reflex gibt, wenn man die Demokratie in Frage stellt und sagt, ich möchte eigentlich frei leben. Ich möchte nicht dass jemand ohne meine Zustimmung ohne mich einzubinden in eine Entscheidung, einfach Entscheidungen treffen kann. Die mich sehr wohl betreffen, die Auswirkungen auf mich haben.

Ich weiß nicht ob alle Aufklärer tatsächlich davon überzeugt waren, dass jeder Mensch zu Vernunft in der Lage ist. Oder überhaupt zu einem Miteinander. Dass, wenn man ihm vernünftige Argumente liefert, das man sich mit ihm unterhält. Das man auf seine Bedürfnisse und Interessen Rücksicht nimmt. Das man dann mit ihm trotzdem auch vernünftige Lösungen finden kann. Die dann vielleicht etwas aufwendiger sind. Aber dafür auch für alle Vorteile bieten. Und nicht nur für einige wenige. Ein Thema was mich aktuell tangiert, ist zum Beispiel das Thema des ganzen Bauens, Baugesetzbuch. Weil wir gerade damit beschäftigt sind, in unserer Gemeinde dafür zu sorgen, dass ein Baugebiet das uns vor die Nase gesetzt wird, nicht so katastrophal ausfällt wie es zunächst vorgesehen ist.

Und im gleichen Zeitraum jetzt wird von der Bundesregierung ein Gesetz verabschiedet, das noch mehr Willkür, noch mehr Beliebigkeit zulässt. Und alles nur letztlich wieder den Interessen. Den Interessen von wem eigentlich untergeordnet? Weil wem nützt es, wenn Baugebiete ausgewiesen werden können in Randlagen von Orten, mit einer zugebauten Fläche kleiner 10.000 m², ohne das überhaupt Rücksicht auf irgendwelche Belange genommen werden müssen. Weder der Natur, noch der Anwohner, den Anlieger oder irgendjemand anderem.

Das heißt nur diejenigen, die aus welchen Interessen auch immer, dort ein Gebäude hinsetzen wollen. Und letztlich eben für die Bauindustrie natürlich dann auch Umsätze und Arbeiten bedeuten. Warum sollte es sinnvoll sein, dass zuzulassen? Und zu sagen, diese Interessen – wieder dieses Thema Arbeitsplätze, Umsätze; wird alles wieder in Zahlen ausgedrückt. Weil letztlich geht es ja nur darum, dass irgendwo Zahlen auftauchen. Bei der Aufklärung ging es schließlich darum, vor allen Dingen, wie es hieß, das Licht der Erkenntnis leuchten zu lassen. Und etwas was letztlich bis zu den alten Griechen zurückgeht.

Wenn man sich Sokrates anschaut mit seiner Erkenntnis, zu wissen, dass er nichts weiß. Da wäre die Frage, war das sozusagen zwangsläufig. Dass die Erkenntnis von Sokrates, das er selber nichts weiß oder zumindest keine Gewissheit haben kann, dass die Dinge die er weiß wirklich wahr sind. Das in das führt wo wir jetzt gerade irgendwie so halb landen. Das Thema des postfaktischen Zeitalters. Das heißt Fakten zählen nicht mehr. Meinungen und Vorstellungen zählen mehr als das was tatsächlich ist. Der Wahrheitsbegriff selber ist mir sowieso ziemlich unsympathisch.

Weil Fakten und Wahrheit sind nicht das gleiche. Ich kann etwas sagen, dass ist real. Zumindest nach meiner Wahrnehmung und kann zumindest argumentieren, wieso und welche Gründe ich dafür habe es als solches als real anzusehen. Oder warum ich nicht in der Lage bin etwas gegenteiligen herauszufinden, dass es eventuell nicht real sei. Aber letztlich beliebige Dinge in Frage zu stellen, nur weil sie in die eigenen Dogmen, in die eigenen Ideologien nicht hinein passen. Das frage ich mich: Wo soll das hinführen? Was bringt es letztlich auf einer Ebene zu diskutieren und so nach dem Motto, wenn mir am Ende überhaupt nichts mehr einfällt, dann stelle ich einfach eine emotionale Betroffenheit zur Schau.

Die letztlich überhaupt keine Fakten mehr enthält und schon gar keine Argumentation. Aber sie zumindest dazu anhält, dass die anderen aufhören zu argumentieren. Dass die anderen dann nur noch betroffen schweigen. Und man mit Emotionalitäten Rededuelle gewinnt. Das kann es doch nun wirklich auch nicht sein. Deshalb ist es aus meiner Sicht zu sagen, fangen wir doch wirklich in Hinsicht auf die Aufklärung wieder an, etwas mehr auf den Verstand zu zählen.

Das heißt nicht allein auf die Vernunft. Weil die Vernunft ist tatsächlich zu wenig. Die Vernunft, die sich zwar sehr wohl fühlte mit der Wissenschaft. Aber die Wissenschaft selber, wenn sie in dieser letztlich Kälte bleibt. Und die menschlichen Bedürfnisse nicht ausreichend abholt. Dann ist halt genau dieses Problem. Das heißt, dass ist für mich zumindest ein Bogen, wo ich annehmen, warum die Aufklärung zumindest unterbrochen wurde. Weil dort sich die Wissenschaft von den Menschen gelöst hat. Während vorher die Menschen mit Neugierde und der Wissenschaft verbunden waren. Ist es heute so, die Wissenschaft ist eine Sache für Spezialisten.

Die kommt bei der großen breiten Bevölkerung nicht mehr an. Bei denjenigen die Entscheidungen treffen letztlich schon gar nicht. Wenn sie gerade in irgendein Argumentationskonzept passt, dann werden gerne Gutachten und alle mögliche Aussagen aus der Wissenschaft genutzt. Wenn sie nicht reinpassen werden sie halt in Frage gestellt. Das heißt, wir sind sehr weit davon entfernt wirklich rational mit Erkenntnis zu argumentieren. Und wirklich nach den besten Lösungen zu suchen. Die nicht nur für einzelne Profit bringen. Sondern die tatsächlich für eine breite Masse Nutzen stiften, Wohlstand. Und auch in der Lage sind Bedürfnisse zu erfüllen.

Daher wäre für mich eine Seite, eben auf jeden Fall ruhig wieder eine bisschen mehr Kant, zu sagen, wir haben einen Verstand. Und vielleicht sollten wir anfangen ihn tatsächlich mal zu benutzen in der Hinsicht, dass wir uns nicht nur irgendwelche inneren Richter schaffen. Und irgendwelche moralischen oder Gesetzmäßigkeiten der Gesellschaft dort hineinlegen. Auf das wir dann uns selbst Denkverbote auferlegen. Sondern, dass wir genau das Gegenteil tun. Das wir da oben in unserem Kopf aufräumen. Uns einen Freiraum schaffen. In dem wir selber in der Lage sind Gedanken zu entwickeln.

Gedanken die uns nahegelegt werden zu hinterfragen. Und unsere eigene Welt letztlich mit den Dingen zu füllen, die wir selber auch nachvollziehen können und uns persönlich betreffen. Weil Dinge die mich nicht persönliche betreffen: Warum sollte ich mich mit diesen Dingen auseinandersetzen? Weil das ist doch, aus meiner Sicht, letztlich Zeitverschwendung. Wenn ich dazu keinen direkten Bezug habe. Aber leider funktioniert unsere Regierung genau nach diesem Prinzip. Das sich sehr, sehr viele Menschen mit sehr, sehr vielen Themen beschäftigen, die sie persönlich nicht tangieren. Außer natürlich, dass sie für die Beschäftigung in irgendeiner Form ein Gehalt kassieren.

Aber das würde ich noch nicht sagen, ist eine persönliche Betroffenheit. Das ist eher eine persönliche Notwendigkeit eben in unserer Gesellschaft Geld zu beziehen. Aber das ist ein Steckenpferd das ich jetzt in dieses Video nicht so ausbreiten möchte. Stattdessen möchte ich noch zu einem zweiten Punkt. Neben eben diesem Problem, dass irgendwie die wissenschaftliche Erdung der Gesellschaft – die ich zumindest von der Aufklärung mir erhoffen würde, wenn ich da so mittendrin stehe –, dass die irgendwie nicht mehr greift. Auf der anderen Seite. Wo ich denke, wo auch die Aufklärung, aus meiner Sicht etwas schwierig aufgesetzt war.

Weil, soweit ich es gelesen habe, ging es dort eher – vielleicht sind aber auch die Begrifflichkeiten einfach vom Verständnis her andere gewesen – um eine moralische Erziehung. Ich weiß gar nicht mal ob es Erziehung, aber zumindest den Menschen moralische Regeln mit an die Hand zu geben nach denen sie leben können. Auch bei Kant kann man das eventuell reinlesen. Aber aus meiner Sicht nicht zwingend. Und es muss letztlich nicht so sein, dass man das auf Moralebene löst. Weil für mich gibt es einen klaren Unterschied zwischen Ethik, auf der Grundlage von Werten, und moralischen Regeln. Weil moralische Regeln sind normalerweise die direkte Bewertung von einer Handlung, zu sagen das ist gut, das ist schlecht.

Aber aus meiner Sicht sind Handlungen nicht per se gut oder schlecht. Dazu ein kleines Beispiel. Mal angenommen ich gehe durch eine Fußgängerzone und renne jetzt auf eine Person zu und stoße sie zur Seite. So, ist diese Handlung jetzt gut oder schlecht? Wenn man nicht den ganzen Kontext weiß und was tatsächlich passiert, ist es, aus meiner Sicht, nicht möglich – auch wenn ich die Person weggestoßen habe und sie sich. Mal angenommen auf jeden Fall die Person fällt zu Boden und verletzt sich am Knie. So jetzt ist die Frage, ist diese Handlung grundsätzlich schlecht oder grundsätzlich gut oder weder noch.

Und dazu letztlich in der Moral wäre die Aussage, wenn ich einfach nur dieses Kriterium habe die sagen ist gut oder schlecht, habe ich damit wenig Möglichkeiten. Während, wenn ich auf einer ethischen Ebene sage, zum Beispiel einen Wert und zwar an der Stelle, das Leben eines Menschen ist in jedem Falle schützenswert. Und wenn ich mir dann den Gesamtkontext anschaue dieser Handlung, sage ich dann, dass einem Mal hätte ich einfach willkürlich gehandelt und ihn gestoßen, dann hätte ich natürlich gegen diesen Wert verstoßen. Weil ich hätte ihn ohne Grund verletzt. Aber mal angenommen ich habe ihn vor einer Gefahr weggestoßen, weil irgendetwas von einem Balkon herunterfällt. Und ihn eventuell getroffen, vielleicht viel schwerer verletzt hätte.

Vielleicht sogar getötet hätte. Das heißt die Handlung als solches kann noch nicht beurteilt werden ohne den Gesamtkontext. Und da ist letztlich auch immer wieder das Problem. Jede Handlung mag in der einen Situation sinnvoll, hilfreich sein, vielleicht sogar schadensvermeidend. Während sie in einer anderen Situation vollkommen unsinnig und unnötig und überflüssig ist. Aber so ist halt das Problem, wenn wir Gesetze machen gelten diese immer und überall. Im seltensten Fall sind die Gesetze so selektiv, dass sie sinnvoll anwendbar sind. Und selbst wenn die Richter da noch ein bisschen Freiheit haben.

Letztlich ist der Rahmen viel zu klein. Das was ich unter Ethik verstehe ist so ein festgezurrter Rahmen auf keinen Fall. Weil in Gesetzen stehen nicht die Werte. Die kann man indirekt versuchen herauszulesen, was für Werte eigentlich damit geschützt werden sollen. Aber letztlich wird es komplett willkürlich. Das beste Beispiel für einen solchen Fall ist das Urheberrecht. Das initial anders gemeint sein mag. Und auch das ganze Patentwesen, was sich entwickelt hat. Das mag mal anders gedacht worden sein. Aber seine Funktionsweise heute, ist alles andere als den Wert von Innovation in irgendeiner Form zu schützen.

Sondern im Gegenteil Innovation zu blockieren. Und letztlich andere Strukturen zu schützen. Und da zeigt sich halt einfach, eine Ethik, ein Wert würde letztlich immer am Ergebnis gemessen werden. Das heißt, wird das erfüllt was geschützt werden soll. Funktioniert das Ganze. Und wenn es nicht funktioniert, dann müssen die Handlungen geändert werden. Dann müssen neue Strategien gefunden werden. Dass in Gesetzesform zu tun, ist, aus meiner Sicht, immer der denkbar schlechteste Weg. Weil ich nicht Situationsabhängig entscheiden kann. Sondern im Gegenteil. Ich muss im Endeffekt gesetzesbasiert entscheiden und kucken wie ich das in einer Situation irgendeiner Form gelöst bekomme.

Dass ich mich gesetzeskonform verhalte und trotzdem vielleicht noch ein gutes Ergebnis bekomme. Das ist letztlich eben für mich so dieser große Punkt, dass in der Aufklärung eher ein Menschenbild oder eine Vorstellung – glaube ich – vom Menschen mitgeschwungen ist, dass man ihn formen müsste. Dass er noch nicht funktionstüchtig sei und dass man die Welt einfach steuern könne. Was ja auch auf diesen ganzen technoiden Fortschrittsglauben, was so ein bisschen aus Leibnitz heraus entstanden ist: man könne die Welt irgendwann so komplett erfasst haben und berechnen, dass man sie letztlich auch in beliebiger Form steuern kann.

Was aus meiner Sicht aber auch grandios gescheitert ist. Weil wir letztlich sehen das wir, trotz aller unserer technischen Möglichkeiten, am Ende die Natur nicht ersetzen können. Solange wir zumindest als Mensch noch biologische Organismen sein wollen. Und ich hoffe zumindest, dass wir noch sehr lange eher als biologische Wesen unterwegs sein werden als dann irgendwie uns nur noch auf irgendwelche technischen Gegebenheiten zurückfallen zu lassen. Auch wenn es diese Bewegung natürlich auch schon gibt. Das Thema Transhumanismus, was ich auch an dieser Stelle nicht aufmachen möchte.

Aber wer sich unter diesen Stichworten bereits schon was vorstellen kann, weiß in welche Richtung das gehen kann. Und ich aus meiner Sicht trotz allem für sehr gefährlich halte, wenn man glaubt, dass man immer diesen Ausweg noch hätte. Wenn man eben die Natur und die Grundlagen auf der wir letztlich immer noch leben und existieren in weiterem Ausmaße zerstört. Raubbau mit ihnen betreibt. Und in keinster Weise nachhaltig mit ihnen umgeht. Deshalb ist es mir so wichtig zu sagen, wir brauchen sehr dringend eine neue Aufklärung beziehungsweise halte ich es für unglaublich wichtig die Aufklärung neu zu beleben.

Und statt in die Richtung zu laufen „Wir sind jetzt im postfaktischen Zeitalter angekommen.“ Sollten wir doch lieber zur Erkenntnis zurückkehren. Und überlegen: was kann ich wissen, was kann ich glauben, wie kann ich handeln. Und uns wirklich mehr mit uns selbst auseinandersetzen. Und uns selbst schauen, wie kann ich das was ich tue vor mir selbst rechtfertigen und wie sieht die Welt aus, wenn alle so handeln wie ich. Also eben tatsächlich wieder auf Kant zurückbesinnen und die Welt so gestalten, dass jeder sich die Frage stellt:

Was passiert wenn alle 8 Milliarden Menschen so handeln würden? Würde etwas was ich tue oder was ich möchte so funktionieren für alle 8 Milliarden und zwar zum gleichen Zeitpunkt. Das dann wieder solche Themen wie das Lottospielen. Es nützt nichts Lotto zu spielen, weil 8 Milliarden Menschen können nicht zur gleichen Zeitpunkt Lottomillionäre werden oder noch mehr. Und deshalb sind diese Sachen; solche Strukturen, solche Elemente sind letztlich keine Lösung. Und wir haben viele von diesen punktuellen Momenten, wo es für einzelne Individuen vielleicht besser wird oder für einzelne Gruppen hier und da eine Lösung gefunden werden kann.

Das heißt an manchen Stellen wird dem Klimawandel mit Dämmen bauen und aufpfählen von Häusern und verschiedensten anderen Dingen begegnet. Aber das funktioniert weltweit nicht. Zumindest aktuell nicht. Weil nicht alle Menschen die Möglichkeiten haben sich mit solchen Maßnahmen zu schützen. Das heißt wenn der Klimawandel weiterhin in diesem Umfang in Kauf genommen wird – und damit meine ich jetzt nicht alleine ob der CO2-Gehalt dafür jetzt allein verantwortlich ist; denk ich viel eher daran, dieser gigantische Raubbau mit Wäldern der stattfindet. Selbst in Europa wo illegal auch noch Waldbestände zusätzlich abgeholzt werden.

Ja, ihr seht es hinter mir. Neben den ohnehin bestehenden normalen Bewirtschaftung, wo auch dem Wald immer wieder Substanz entzogen wird. Ein Wald der letztlich an Substanz gewinnen soll, dem kann man nicht immer wieder einzelne Elemente herausreißen. Und selbst Holz, das ja in dem Fall normal noch gar nicht Totholz ist, sondern schon viel früher rausgezogen wird, sorgt nicht dafür, dass es einen vollständigen Wald gibt in dem Flora und Fauna in einer Vielfalt existiert. Das ist letztlich das was mir am meisten Sorge bereitet. Ich bin nicht sicher wie schnell uns die Zeit tatsächlich davon läuft.

Aber wir sind in einem Ausmaß immer noch weiterhin unterwegs und es sieht nicht danach aus als ob sich das in irgendeiner Form erheblich verlangsamt. Im Gegenteil. Welche Flächen dieses Planeten wir so nachhaltig schädigen, dass es sehr fraglich ist ob wie je in der Lage sein würden, selbst wenn wir uns vehement bemühen, diese Flächen zurückzugewinnen. Das heißt diese Leben, die Vielfalt die dort existiert hat, in irgendeiner Form zurückzubekommen. Vom Soziopod, den ich ganz gerne höre, da war ein Bericht, da haben sie eine Widerstandsgruppe besucht, die bei einem Braunkohletagebau versucht, dass dort eine bestimmte Waldfläche nicht einfach so vernichtet wird.

Nur um Braunkohle zu fördern, die dann nochmal verstromt wird, um eigentlich was zu erreichen. Natürlich weiß ich, dass irgendjemand meinen wird: Ja, natürlich. Wir brauchen den Strom. Wir brauchen die Kohle und die ganzen Auswirkungen. Ich glaube die Vorteile die wir dadurch aktuell kurzfristig gewinnen können sind so verschwindend gering gegenüber diesen langfristigen und vielleicht permanenten – wenn bestimmte Arten ausgestorben sind – Nachteilen. An der Stelle kann ich es nicht wirklich erfassen und noch wissen: Wo soll das Ganzen hinführen?

Wo soll das Ganze hingehen? Deswegen ist aus meiner Sicht zu sagen: Ein großer Baustein der in der Aufklärung tatsächlich zumindest gefehlt hat, war ein sehr viel größere Vertrauen in das Individuum. Und zwar in das einzelne Individuum. Das nicht gelenkt und gesteuert werden muss von irgendjemand anderem. Sondern das selber verantwortungsvoll in der Lage ist mit seiner Freiheit umzugehen. Und eben genau deswegen auch der Unterschied, dass sie damals von moralischer Reglementierung gesprochen haben, statt den Menschen auch nicht nur neben der Erkenntnis, sondern auch eine Ethik angedeihen zu lassen.

Das heißt das Denken in Werten, das Verstehen von Bedürfnissen letztlich in dieser Form. Mit Menschen zusammen zu kommunizieren. Und dann auch das gemeinsame Miteinander von Menschen zu fördern, die sich freiwillig zusammenschließen. Die nicht zwangsweise in irgendeiner Struktur gebunden werden und ihrer Möglichkeit beraubt werden. Das halte ich für, wahrscheinlich den wichtigsten und schwierigsten Punkt auch zu erreichen. Bei den Menschen die Bresche zu schlagen, zu sagen: Denkt doch mal bisschen mehr über Freiheit nach. Warum habt ihr so eine große Angst davor, dass Menschen tatsächlich frei sein könnten?

Warum fühlt ihr euch von der Freiheit anderer Menschen automatisch dermaßen bedroht, dass ja geradezu reflexartig Demokratie verteidigt wird. Um jeden Preis. Die Demokratien haben im letzten Jahrhundert die meisten Morde begangen, die größten Kriege geführt. Und sie waren die einzigen die bisher Atomwaffen gegen Menschen eingesetzt haben. Ich weiß nicht warum Demokratien in dieser Hinsicht von Vorteil sein sollen. Weil sie beschützen nichts und im Gegenteil, wenn Demokratien gegeneinander Kriege führen ist die Zivilbevölkerung ein legitimes Angriffsziel.

Wenn man im Denken eines Machiavelli letztlich verhaftet ist. Und Herrschaft funktioniert nun mal nach diesen Vorstellungen. Und wenn ich Herrschaft – auch in Form der Demokratie – akzeptiere, dann sage ich, es ist legitim – trotz allem Völkerrecht. Weil, wer sich ein bisschen mit Machiavelli auseinandersetzt. Ich weiß nicht genau was alles bei Sun Tsu drinsteht. Aber ich denke man kann ähnliche Aspekte herauslesen. Weil Regeln sind nur zu befolgen solange sie einem nutzen. Und ganz klar aus machiavellischer Sicht ist: Regeln sind dann zu brechen, wenn der Nutzen des Regelbruchs größer ist, als die Regel einzuhalten. Und letztlich läuft es so.

Wenn es Herrschaft gibt, wird die Herrschaft nur so lange sich an die Regeln halten solange es ihr in den Kram passt. Und sobald es ihr in irgendeiner Form gelingt mehr Nutzen daraus zu beziehen, die Regel zu brechen oder sie vorzeitig zu ändern. Ist ja in einer Demokratie umso einfacher möglich. Dann wird es halt getan. Diese Regeländerungen basieren halt nun mal nicht auf Ethik, auf irgendwelchen Werten, sondern aus individuellen Nutzen und Vorteilen. Und deswegen für mich vor allem nochmal der Aufruf: greift nach eurer Freiheit und gebt sie nicht ab. Und geht vor allen Dingen nicht zur Wahl. Auch das was ich in meinem letzten Video schon angesprochen habe, nochmal die Aktion in Erinnerung zu rufen: Nicht in meinem Namen.

Entzieht denjenigen die letztlich mit dafür verantwortlich sind, dass diese Strukturen so sind wie sie heute sind. Das sie sie erhalten oder im Zweifelsfall nicht ändern, weil sie sie mit Energie füllen. Einfach zu sagen: Nein, ihr sprecht nicht mehr in meinem Namen. Und ich legitimiere euch auch nicht mehr irgendeine Entscheidung in meinem Namen treffen zu dürfen. Und es gibt halt nun mal auf dem Stimmzettel keine Option zu sagen: Nein, niemand darf für mich entscheiden. Weil jedes Kreuz das ihr setzen könnt, selbst wenn ihr den Stimmzettel ungültig macht, hat das keine Relevanz. Dafür zu sagen, sie kümmern sich nicht darum ob ihr ungültig gewählt habt.

Sie kümmern sich letztlich auch kaum darum wenn ihr nicht zur Wahl geht. Aber auch da sind es sehr spannend wenn man mit Menschen spricht, die unglaublich Demokratie verteidigen und dann plötzlich von Wahlpflicht sprechen. Das heißt sie wollen die Menschen am liebsten zwingen wählen zu müssen. Warum eigentlich? Sie sagen immer, Nichtwähler haben doch keine Bedeutung, dann geben sie halt ihre Stimme nicht ab und müssen trotzdem unter den Entscheidungen, die dann getroffen werden, mittragen. Aber irgendwie scheint diese Argumentation nicht auszureichen. Irgendwie scheinen sie ihrem eigenen Argument an der Stelle nämlich nicht zu trauen.

In einer solchen Diskussion erfährt man ganz sicher, irgendjemand wird dann: Wir müssen Wahlpflicht machen, weil die Leute müssen wählen. Weil letztlich ist doch die entscheidende Frage: Bin beim Arzt. Zwei Spritzen liegen da und ich soll mich zwischen Pest und Cholera entscheiden. Aber warum sollte ich mich überhaupt spritzen lassen? Diese Logik erschließt sich mir schon lange nicht mehr. Aber sie kommt fast reflexartig. Wenn auch nur im Entferntesten dieses Demokratiekonzept angegriffen wird und in Frage gestellt wird. Und gesagt wird: Ne Leute, also ich wüsste nicht warum ich jemanden legitimieren soll entscheiden zu dürfen in meinem Namen.

Wüsste ich einfach nicht. Und das hat mit gesellschaftlichen Konventionen überhaupt nichts zu tun. Weil die Gesellschaft selber besteht ja auch aus mir. Ich bin ja auch Teil der Gesellschaft. Und warum sollte jemand anderes mehr Entscheidungsbefugnisse und Vorgabemöglichkeiten haben als ich. Ich habe genau für eine Person die Möglichkeit zu entscheiden wie sie leben will und das bin ich selbst. Und das geht jedem anderen letztlich nicht anders. Wer versucht mehr zu tun überschreitet, aus meiner Sicht, seine Kompetenz. Nicht unbedingt seine Möglichkeiten, weil er kann es natürlich versuchen. Eine Grundlage hat er dafür nicht. Jedenfalls nicht bei mir. Ich denke wenn wir alle mehr auf unsere eigene Freiheit Wert legen würden.

Und uns eben tatsächlich dafür entscheiden lieber uns selbst zu folgen als anderen, könnten wir schon etwas erreichen. Etwas in Bewegung setzen. Und dann uns tatsächlich überlegen, was sind denn bessere Entscheidung. Sowohl für uns, für unsere Zukunft, als auch für die Zukunft unserer gesamten Lebensgrundlage. Die auf diesem Planeten sehr vielfältig ist und hoffentlich auch bleiben wird. Wenn dort draußen noch weitere Menschen sind, denen Freiheit ebenso wichtig ist wie mir, würde ich mich freuen von Euch zu hören. Und vielleicht hat der eine oder andere es ja sogar schon geschafft sich selber einen Freiraum zu erschließen, in dem er über seine Zeit selber verfügen kann.

In dem er nicht 40 oder mehr Stunden die Woche für andere tätig sein muss. Sondern wo er selber entscheiden kann, was er mit seiner Zeit anstellt. Dann würde ich mich freuen über Kontakt, über Austausch. Um zu schauen ob man vielleicht auch was gemeinsam anstellen kann. Um mehr Menschen in die Lage zu versetzen, eben genau solche Freiräume zu bekommen. Damit sie zu sich selbst finden und ihnen vielleicht auch hier und da die Angst einfach zu nehmen. Es ist nicht gefährlich wenn Menschen frei sind. Es ist viel gefährlicher wenn Menschen Macht haben. Vielleicht hat der eine oder andere ja doch noch den Impuls zu sagen, dieses Mal für diese Bundestagswahl schließe ich mich den Nichtwählern an. Weil mir ist meine Freiheit auch wichtiger als beherrscht zu werden. Also bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #017: Nicht in meinem Namen. (2017) https://martinfinger.de/mtb-017-nicht-in-meinem-namen-2017/ Thu, 12 Jan 2017 11:00:00 +0000 In dieser Folge beschäftige ich mich damit, dass die Wahlbeteiligung die Legitimation für die Herrschaftsform der Demokratie darstellt und ich die Herrschaft des Menschen über den Menschen ablehne. Daher empfehle ich, sich nicht an Wahlen zu beteiligen, und sich grundsätzlich gegen Herrschaft zu positionieren. Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.01.2017 findet Ihr hier. Für den Podcast […]

Der Beitrag Mem-Tagebuch #017: Nicht in meinem Namen. (2017) wurde auf Martin Finger veröffentlicht.

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In dieser Folge beschäftige ich mich damit, dass die Wahlbeteiligung die Legitimation für die Herrschaftsform der Demokratie darstellt und ich die Herrschaft des Menschen über den Menschen ablehne. Daher empfehle ich, sich nicht an Wahlen zu beteiligen, und sich grundsätzlich gegen Herrschaft zu positionieren.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.01.2017 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zur ersten Folge des Mem-Tagebuchs in 2017. Thema heute ist: „Nicht in meinem Namen.“ Was meine ich damit? In 2017 steht uns mal wieder das Ritual der Bundestagswahl bevor. Ich bin bekennender aktiver Nichtwähler. Aktiv deswegen, weil ich aus meiner Meinung keinen Hehl mache. Sondern sie eben auch hier mit Euch teile und sage, ich beteilige mich nicht an der Wahl. Warum? Weil ich grundsätzlich das Prinzip, des Herrschaft vom Menschen über den Menschen, ablehne. Das heißt ich möchte frei leben.

Ich möchte nicht unter einer Herrschaft leben. Und für mich ist letztlich die Demokratie auch nur eine Form der Herrschaft. Die sich nur graduell von anderen Formen wie einer Diktatur, in Form einer Theokratie, Monarchie oder was es dort sonst noch alles für Formen in der Vergangenheit auch schon gegeben hat. Denn letztlich nichts legitimiert aus meiner Sicht, dass ein Mensch einen anderen Menschen beherrschen darf. Dabei ist es vollkommen egal ob diese Herrschaft aus einer Gottesbeauftragung, aus der Blutslinie oder eben durch Abstimmung von anderen Menschen in irgendeiner Mehrheitsform legitimiert werden soll.

Weil letztlich gibt es keinen Prozess oder keinen Mechanismus der ersetzt, dass jemand etwas ablehnt und sagt er möchte das nicht. Und sich dann trotzdem jemand einfach dazu ernennt oder ernennen lässt, dass er jetzt auch für die Person die ihn nicht beauftragt, die nicht damit einverstanden ist, sprechen darf. Solange es letztlich bei der Bundestagswahl oder überhaupt bei Wahlen nicht die Option gibt zu sagen: „Nicht in meinem Namen.“ Das heißt ich kann ankreuzen zu sagen, ihr könnt ja tun und lassen was ihr wollt, solange das freiwillig ist und ihr niemanden zwingt.

Oder auf jemanden Gewalt oder Druck ausübt, um eure Regeln zu befolgen, könnt ihr von mir aus beschließen was ihr möchtet. Aber ich halte mich nur daran, wenn ich dazu selber zustimme und nicht weil es mir irgendjemand vorschreibt. Solange es die Option „Nicht in meinem Namen.“ nicht gibt, werde ich auch ganz klar sagen, ich beteilige mich daran nicht. Denn ich legitimierte damit nicht dieses Prinzip, dass ihr über Menschen mitbestimmen dürft, die Euch definitiv nicht beauftragt haben. Und in der Hinsicht nur eine Anekdote aus der letzten Bundestagswahl. Weil wir ja das Schöne Ergebnis hatten, dass statt sechs Parteien nur noch fünf Parteien im Bundestag vertreten sind.

Und obwohl die Wahlbeteiligung leicht angestiegen ist, ist das Verhältnis von abgegeben [zu vertretenen Stimmen] nochmal gesunken, weil weniger Stimmen im Bundestag vertreten sind. Das was ich gerne einmal in der Quote der Wahlbeteiligung sehen möchte. Das heißt direkt in der Wahlbeteiligung steht dann, weniger als 50% haben sich an dem Ritual beteiligt und die anderen sind zu Hause geblieben. Wenn ich die Stimmen die tatsächlich im Bundestag vertreten sind, also wo sich tatsächlich ein Mandat daraus ergeben hat, im Verhältnis zu den Menschen die in Deutschland leben, also nicht nur den Wahlberechtigten, liegen wir bereits bei unter 50%.

Und mein Ziel ist es, vielleicht schaffen wir es dieses Jahr noch nicht, aber auf jeden Fall perspektivisch tatsächlich bei der Bundestagswahl eine Wahlbeteiligung von unter 50% zu erreichen, um ganz offensiv deutlich zu machen: Ihr sprecht nicht für uns. Ihr habt kein Mandat von uns. Ihr habt nicht die Erlaubnis für uns Entscheidungen zu treffen, mit denen wir einfach nicht einverstanden sind und zu denen wir euch auch keine Erlaubnis geben. Und ihr uns überhaupt nicht fragt ob wir wollen, dass ihr das tut oder jenes tut. Sondern ihr einfach nur von uns abfordert euch zu legitimieren, irgendwelche Entscheidungen treffen zu dürfen.

Ich möchte weder über andere Menschen herrschen, das heißt ich möchte mich nicht wählen lassen. Die Option zu sagen: Ja, ich gründe eine Partei und dann kann ich ja die Option auf den Wahlzettel schreiben. Das ist im Endeffekt Unfug, weil allein aufgrund der Beteiligung würde ich ja schon signalisieren, dass es in Ordnung ist, dass auch wenn jemand dann letztlich seine Interessen nicht schafft vertreten zu werden, das Prinzip dass die Anderen dann über diesen mitbestimmen dürften. Weil mit Freiheit sehr wichtig ist, ist das eben genau der Punkt zu sagen: Nein, ich akzeptiere und toleriere diesen Mechanismus und diese Systematik überhaupt nicht.

Wie wäre es denn in der Vergangenheit gewesen? Hätte man sich erst in die Monarchie einheiraten müssen, damit man dann bis oben auf steigt und dann zu sagen: So, jetzt bin ich König und jetzt schaffe ich die Monarchie ab. Das ist doch einfach absurd zu glauben ich müsste erst durch das Herrschaftssystem hindurchgehen, um dann wenn ich die Macht übernommen habe entscheiden zu dürfen, jetzt schaffe ich die Machtinstrumente ab und beende somit die Herrschaft. In der Vergangenheit war das schon absurd und auch für die Demokratie ist es absurd zu meinen, dass das der Weg sei wie man in der Demokratie die Herrschaft zu beseitigen hat. Letztlich geht es immer darum, dass die Menschen nicht mehr mitspielen.

Dass die Menschen sagen: Nein, dieses System, diese Struktur, diese Mechanismen die toleriere ich nicht mehr. Sondern ich sage: Nicht in meinem Namen. Wenn ihr für jemanden sprechen wollt, dann sprecht nur für euch selber und maßt euch nicht an, dass ihr auch für Menschen sprecht von denen ihr keine Stimme erhalten habt. Die euch nicht gewählt haben und die euch schon gar nicht legitimiert haben Entscheidungen für sie zu treffen. Und natürlich möchte ich nicht nur einfach dagegen sein sondern natürlich ich bin für Freiheit, für ein verantwortungsvolles Miteinander und Freiheit schützt sich nur selbst.

Da heißt die Freiheit lässt sich nicht durch andere Mechanismen wie Gesetze, Polizei, Militär oder irgendetwas schützen. Sondern Freiheit kann nur durch sich selbst geschützt werden. Nur indem ich die Freiheit anderer Menschen anerkenne, Menschen als solches respektiere und toleriere. Nur dadurch kann ich wirklich sicherstellen, dass die Freiheit aller gewahrt und geschützt wird. Wer sich jetzt fragt, wie denn das Ganze funktionieren soll, wenn wir dann so gar keine Struktur haben, die uns mit Gesetzen versorgt. Und uns mit Zwang, im späteren Verlauf sogar mit Gewalt, dann dafür sorgt, dass wir uns an bestimmte Regeln halten. Dem kann ich meinen Vorschlag eines Bürgerparlamentes nahelegen.

Das einzige was ich glaube noch ändern würde gegenüber dem damaligen Vorschlag, ist, dass ich die Option Gesetze zu machen tatsächlich komplett ausschließen würde. Sowohl die befristeten als auch die unbefristeten. Wer sich damit genauer auseinandersetzen möchte, ich setzte den Link unter das Video. Dort findet Ihr dann meine Diplomarbeit, der könnt Ihr entweder dann zuhören oder selber mitlesen. Es gibt auf jeden Fall genug Möglichkeiten und Alternativen mit denen diese Strukturen anders organisiert werden können. Und dafür muss eben nicht Macht delegiert werden und schon gar nicht die Ausübung von Gewalt legitimiert werden.

Weil es heißt ja nicht umsonst Staatsgewalt. Und auch die Option dem Staat ein Monopol auf Gewalt zu geben ist aus meiner Sicht der Freiheit abträglich. Denn jede Form von Gewalt die legitimiert oder toleriert wird bedeutet letztlich, dass wir nicht in Freiheit und auf Augenhöhe miteinander leben, sondern dass es in Ordnung ist Menschen zu Dingen zu zwingen die sie nicht wollen. Und deshalb einfach nochmal mein Aufruf an alle: Beteiligt Euch nicht an diesem Schauspiel der Bundestagswahl, sondern werdet aktiver Nichtwähler und sagt „Nicht in meinem Namen.“, das heißt auch nicht zur Wahl gehen und ungültig machen oder irgendwelche Splitterparteien wählen, die sowieso nicht reinkommen.

Weil letztlich damit zeigt Ihr, dass Ihr das Prinzip als solches akzeptiert aber Ihr werdet trotzdem nicht vertreten. Weil, egal ob Eure Stimme ungültig wird, egal ob Eure Stimme letztlich zu keinem Politiker im Bundestag führt, Eure Stimme ist letztlich dann auf jeden Fall verloren, weil niemand Euch beachten muss. Niemand spricht für Euch und vertritt Euch an der Stelle. Aber eben auch nicht die bestehenden Parteien, weil sie ja letztlich, nachdem sie Eure Stimme bekommen haben, Euch die nächsten Jahre sowieso wieder ignorieren werden. Also daher nochmal mein Aufruf zu sagen: Gebt es weiter.

Sprecht mit anderen darüber. Sagt ob Ihr in Freiheit und verantwortungsvoll miteinander leben möchtet, ohne letztlich andere da zu legitimieren Herrschaft auszuüben. Und wenn dass der Fall ist, dann sagt: „Nicht in meinem Namen. Ich beteilige mich nicht am dem Schauspiel der Bundestagswahl.“ Und sage: „Ihr sprecht nicht für mich. Ihr bekommt auch nicht das Mandat für mich zu sprechen.“ Und wer sich das anmaßt dem halte ich einfach nur entgegen: Von mir nicht. In meinem Namen nicht. Wir haben noch ein paar Monate Zeit und ich bin sehr gespannt ob es gelingt die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl zu senken und dafür einfach nochmal:

Nicht in meinem Namen. Ich stimme dem nicht zu. Ich legitimiere niemanden für mich zu sprechen und über mich zu herrschen. Und auch eine Demokratie ist eine Form der Herrschaft. Bis zum nächsten Mal. Macht‘s gut. Tschüss.

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Kann Geld auch Freiheit fördern? https://martinfinger.de/kann-geld-auch-freiheit-foerdern/ Sun, 18 Sep 2016 10:54:00 +0000 Die obige Frage enthält bereits eine suggestive Unterstellung und zwar, dass Geld normalerweise Freiheit nicht fördern würde. Dabei scheint der Gedanke naheliegend, dass Menschen sich freier fühlen würden, wenn sie mehr Geld zur Verfügung hätten. Oberflächlich betrachtet kann es durchaus diesen Anschein haben. Für die Mehrheit der Menschen ist es allerdings recht schwierig, ihre finanziellen […]

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Die obige Frage enthält bereits eine suggestive Unterstellung und zwar, dass Geld normalerweise Freiheit nicht fördern würde. Dabei scheint der Gedanke naheliegend, dass Menschen sich freier fühlen würden, wenn sie mehr Geld zur Verfügung hätten. Oberflächlich betrachtet kann es durchaus diesen Anschein haben. Für die Mehrheit der Menschen ist es allerdings recht schwierig, ihre finanziellen Einkünfte zu steigern. Bei der Dauer an Lebenszeit, welche die meisten Menschen hingeben müssen, um genügend Geld für ihre grundlegenden Lebensbedürfnisse zu bekommen, ist es schwierig, Freiheit zu erleben.

Jeder Mensch ist frei. Einem Menschen diese Freiheit abzusprechen ist in meinen Augen vor allem ein entscheidender Schritt, um ihn beherrschen zu können. Ein Mensch, welcher sich seiner Freiheit in jedem Moment seines Lebens bewusst ist, lässt sich nicht durch Angst oder Gesetze davon abhalten, nach seinen Werten zu leben. Aus der Perspektive einer absoluten Freiheit wird deutlich, dass alle Regeln, Vereinbarungen und sozialen Verhaltensweisen nicht selbstverständlich sind, welche in unserer Gesellschaft eine Rolle spielen. Egal wie wichtig uns bestimmte Umgangsformen sein mögen, sie müssen sich in jedem Moment neu bewähren, um fortzubestehen. Auch die Anerkennung der Freiheit bildet hier keine Ausnahme. Das Besondere an der Freiheit ist allerdings, dass jeder Versuch, sie mit anderen Mitteln als ihrer selbst zu schützen, sofort zu einem Widerspruch führt. Niemals kann jemand Freiheit durch Forderungen oder gar Zwang erreichen. Insofern enthält die Anerkennung der Freiheit sofort die Gleichheit. Aus der Perspektive einer widerspruchsfreien Ethik kann jeder Mensch nur die Freiheit in dem Umfang für sich geltend machen, welche er in gleichem Umfang jedem anderen Menschen ebenfalls einräumt.

Wenn ich auf unser heutiges Geldsystem schaue, erkenne ich sofort, wie weit unser Geldsystem von einem Zustand der Gleichheit entfernt ist. Dabei geht es mir nicht darum, dass Geld absolut gleich verteilt sein soll. Es geht ausschließlich um die Zugangsmöglichkeit zum Geld. Es geht um Chancengleichheit und nicht um Gleichheit im Ergebnis. Eben diese Ungleichheit im Zugang halte ich für problematisch und in letzter Konsequenz für unfair, weil diese eine Rückwirkung darauf hat, in welchem Umfang Menschen ihre persönliche Freiheit ausleben können. Wie schwer oder leicht es jemandem fällt, seinen eigenen Wünschen und Träumen zu folgen, hängt in unserer Gesellschaft sehr stark vom individuellen Zugang zum Geld ab.

Daher habe ich mich damit beschäftigt, ein Geldsystem zu entwerfen das mehr Chancengleichheit systemisch sicherstellt und dadurch Menschen dabei unterstützt, sich selbst zu verwirklichen und nach den eigenen Werten zu leben. Der Name dieser komplementären Währung ist Credere. Die Kaufkraft soll zunächst 1:1 dem Euro entsprechen, auch wenn die Währung nicht durch Euro gedeckt sein wird. Credere wird ausschließlich durch die Leistungen der Teilnehmer gedeckt sein. Das Geldsystem funktioniert nach zwei einfachen Regeln. Die erste Regel betrifft die Geldschöpfung, welche direkt an den Menschen gebunden wird. Je nach Beteiligungsquote in einem Land liegt die Geldschöpfung bei 100 Credere bis maximal 1.000 Credere pro Kopf und Monat. Um seine Funktion als Zahlungsmittel erfüllen zu können, muss die Geldmenge von Credere begrenzt werden. Für diese Begrenzung sorgt die zweite Regel in Form einer Geldvernichtung. Diese liegt bei 1 % pro Monat und somit bei 12 % pro Jahr. Allein mit diesen beiden Regeln erhalte ich ein Geldsystem, welches jedem Menschen einen Zugang zu Liquidität ermöglicht. Die Geldmenge passt sich automatisch an die Anzahl der Teilnehmer an.

Mit der Geldvernichtung, die keine Gebühr sondern eine wirkliche Löschung darstellt, entsteht gleichzeitig ein ausgleichender Faktor, welcher dem Zinseszins entgegen wirkt. Credere kann nicht durch Kreditvergabe erzeugt werden, daher ist jeder Kredit in Credere auch mit einem Liquiditätsverzicht verbunden. Die Geldmenge bei Credere ergibt sich allein aus der Anzahl der beteiligten Menschen und wird nicht im Interesse einzelner Gruppen angepasst. Da alle teilnehmenden Menschen in gleicher Weise von der Geldschöpfung profitieren, ist auch die Vermögensumverteilung durch Inflation ausgeschlossen. Credere wird nur als elektronische Währung existieren, so dass alle Guthaben der täglichen Vernichtung in Höhe von 1/30 % unterworfen werden. Dadurch wird die Wertspeicherfunktion von Credere geschwächt und der Fokus auf die Zahlungsfunktion gelenkt. Meiner Ansicht nach ist die Zahlungsfunktion die wichtigste Funktion einer Währung, da der Austausch von Gütern die Grundlage darstellt, um den Wohlstand aller Menschen in einer Gesellschaft zu mehren. Hingegen nutzt die Wertspeicherfunktion vor allem jenen, welche mehr Geld haben als sie für ihren Lebensunterhalt benötigen und durch Zurückhalten von Geld ihre Verhandlungsmacht gegenüber denjenigen stärken können, welche auf regelmäßige Geldzuflüsse angewiesen sind. Hier sorgt Credere gegenüber dem heutigen Geldsystem für eine Veränderung der Verhandlungsmacht, u. a. auch bei Lohnverhandlungen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen kurzen Einblick in ein anderes Geldsystem vermitteln, welches in meinen Augen mehr Freiheit für alle Teilnehmenden ermöglichen kann. Als nächstes möchte ich dafür sorgen, dass die elektronische Plattform realisiert wird. Wer mich gerne dabei unterstützen möchte ist herzlich willkommen. Ich freue mich ebenfalls über Interesse, Fragen und Austausch. Wer gerne mehr Informationen nachlesen oder anhören möchte, findet weiterführende Links auf meiner Webseite unter credere.eu.

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Mem-Tagebuch #016: Digitales Gold (2016) https://martinfinger.de/mtb-016-digitales-gold-2016/ Tue, 26 Jul 2016 11:00:00 +0000 In dieser Folge beschäftige ich mich mit Bitcoin und Ethereum und den unterschiedlichen Vorstellungen von Freiheit, welche mit diesen beiden Währungen verbunden sind sowie der Frage, welche Auswirkungen die Blockchain-Technologie auf die digitale Welt haben kann. Die ursprüngliche Aufnahme vom 26.07.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich […]

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In dieser Folge beschäftige ich mich mit Bitcoin und Ethereum und den unterschiedlichen Vorstellungen von Freiheit, welche mit diesen beiden Währungen verbunden sind sowie der Frage, welche Auswirkungen die Blockchain-Technologie auf die digitale Welt haben kann.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 26.07.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen heute zu einer weiteren Folge der Mem-Videos. Heute geht es mir um das Thema „digitales Gold“. Und das geht vor allen Dingen um Bitcoin aber auch die anderen Währungen und letztlich Systeme inzwischen die auf dieser Blockchain-Technologie aufsetzen. Nachdem ich mich gestern mal wieder ein bisschen eingelesen haben, was denn so aktuell passiert ist. Das eine war, dass bei Bitcoin wieder eine Halbierung der Mining-Belohnung dort stattgefunden hat. Das andere war ein geradezu spannender Krimi und letztlich auch das Aufeinanderprallen verschiedener Ideologien.

Bei der DAO bzw. die Währung die dort mit dran hängt ist Ether das andere ist Ethereum oder so ähnlich, bin mir immer nicht sicher wie man das genau ausspricht. Auf jeden Fall geht es dabei um ein System das so DAO ermöglichen soll – decentralized automatic organizations. Wo es darum geht letztlich nicht einfach nur Cloud Computing zu betreiben, sondern tatsächlich Verträge aufzusetzen, die selber programmiert und intelligent agieren können und die sich nicht stoppen lassen, d.h. die so in einem dezentralisierten Computersystem aktiv sind.

Das sie auf Dauer in irgendeiner Form am Leben bleiben. Und diejenigen die halt dann dort aktiv sind und sich dort mit Rechenleistung beteiligen, werden halt dann in dieser Währung Ether in irgendeiner Form belohnt. Aber da will ich gar nicht so im Detail eingehen wie das Ganze funktioniert. Das spannende ist eher, dass – wie es halt öfter mal bei Software vorkommen kann – das eben kleine Bugs, Sicherheitslücken und was auch immer, alles gibt. Was dazu geführt hat, dass ein Black Hat-Hacker in der Lage war sich ziemlich viel von diesen elektronischen Währungseinheiten bei Ether oder bei Ethereum unter den Nagel zu reißen.

Und er selber aber vor allen Dingen ziemlich gegen diese ganze Geschichte ist. Und das spannende war jetzt: während die Verfechter von Bitcoin z.B. sagen, jede Transaktion ist endgültig und darf nie rückgängig gemacht werden, hat die Community die Ethereum dort unterstützt, einfach dann gesagt: Okay. Wir spalten die Blockchain auf. Wir machen die Transaktion wo letztlich dieser Transfer durchgeführt wurde, der eigentlich von den meisten Beteiligten unerwünscht war, außer von der Person die sozusagen dieser Black Hat dann ist, zunichtemacht. Nachdem zuerst das wohl recht gut umgestellt wurde, scheint es jetzt so zu sein, dass sich die Blockchain für Ether, dort einfach dann jetzt gespalten hat.

Und es jetzt ein Ether Classic gibt und ein neues Ether, dass sozusagen den Hard Fork – also auch wieder einer von diesen technischen Begriffen, wo es einfach heißt: wir sind nicht mehr abwärtskompatibel – und das heißt aus eins macht zwei. Das heißt die Währungseinheiten sind sozusagen jetzt zweimal existent, wenn man es geschickt anstellt. Man hat sie einmal in der Classic Blockchain und in der neuen Blockchain, kann das Geld sozusagen zweimal ausgeben. Gehören noch ein paar Wissen und Tricks dazu wie man das alles anstellt.

Die Frage ist eigentlich eher, wie dieser Ideologiekampf ausgetragen wird. Das heißt derjenige, der diese ganzen Ideen und Überlegungen die mit Ether und Ethereum da umgesetzt werden sollen, eben nicht gut heißt. Im Moment ist es so, dass man vor allen Dingen Rechenpower reinstecken muss, um letztlich bei Bitcoin zum Beispiel eben diesen Mining Reward zu bekommen. Und Ether möchte das oder Ethereum möchte das umstellen, dass es letztlich nicht Rechenpower ist, sondern dass an der Stelle – was dann auch durchaus einige Fragezeichen aufwirft – diejenigen die viel Ether haben. Also die schon viel Mining betrieben haben.

Oder in irgendein einer Form sonst letztlich Belohnungen erhalten haben. Das sie irgendetwas getan haben und von anderen mit diesen Geldeinheiten dann bezahlt wurden. Dass die dann mehr Power haben und letztlich: wer mehr Geld hat kommt zu mehr Geld. Also diese Systematik, die wir heute eigentlich aus meiner Sicht schon als problematische Entwicklung des Zinseszinssystems haben, würde aus meiner Sicht mit diesem System da auch nochmal verstärkt werden. Das heißt nach dem ersten Punkt, wo ich schon bei Bitcoin kritisch war und auch weiterhin bin, zu sagen: okay, das ist elektronisches Gold oder zumindest der Versuch diese Systematik zu wiederholen.

Auch wenn ich von den Überlegungen, dass die Goldwährungen so prima und super funktioniert hätten und vor allen Dingen so vorteilhaft für die Menschen oder die Menschheit als solches waren, möchte ich eben stark bezweifeln. Da bloß als kurzer geschichtlicher Rückschlag, es ist damals – ich weiß nicht worauf sich die Goldbefürworter am stärksten immer beziehen. Eventuell auf die 1920er irgendwie so, irgendwie dem Zeitraum der „Goldenen Jahre“. Wobei sie halt nicht wirklich so golden waren, sondern einfach nur nach dem ersten Weltkrieg für manche golden erschienen. Aber letztlich ist das nicht die ganze Geschichte der Goldwährung. Die Goldwährungsgeschichte ist deutlich älter.

Wenn man sich nach dem frühen Mittelalter, zur Zeit der Brakteaten, als Geld letztlich durch die Verrufung der Fürsten und anderen Gruppen die das Münzprägerecht hat. Es nicht sinnvoll war Gold bzw. die Goldmünzen, Geldmünzen, was auch immer dort in Umlauf war, aufzuheben. Und letztlich aus meiner Sicht das Geld damals seine sinnvollste Funktion erfüllt hat: als Zahlungsmittel umzulaufen. Ist dann der Wandel natürlich dahingehend gewesen, dass die immer stärker werdenden Handelshäuser – die natürlich kein Interesse daran hatten ihre Geldvermögen immer mal wieder einfach so zu verlieren, nur weil der Fürst sie gerade verrufen hat.

Und deswegen mit ihrer steigenden Macht auch wiederum dafür gesorgt haben, dass es ein dauerhaftes Geld geben sollte. Aus meiner Sicht hat das letztlich dann dazu geführt, dass dieser ganze Kolonialismus und der Jagd nach dem Gold, also die ganze Eroberung von Nord- und Südamerika, der ganze Dreieckshandel zwischen Afrika, Amerika und Europa. Letztlich alles eine Grundlage oder vielmehr ein Ergebnis des problematischen Goldsituation war. Weil letztlich Europa immer unter einem Mangel an Gold gelitten hat. Weil über die Handelsstraßen, also so wie die Seidenstraße, das ganze Gold nach Asien abgeflossen ist.

Weil die eben mehr Güter verkauft haben. So wie es heute letztlich dann immer noch ist. Das heißt China produziert mehr, als sie selber vom Rest der Welt in der Lage sind oder Willens sind zu konsumieren. Und letztlich haben wir da immer noch das gleiche Problem. Selbst mit dem Dollar ist dieses Problem nicht wirklich gelöst. Es ist nur etwas entschärft, weil der Dollar leichter gedruckt werden kann als damals das Gold vermehrt werden konnte. Und es vielleicht unterm Strich zumindest aktuell weniger Menschenleben kostet diesen Goldfluss aufrecht zu erhalten. Weil eben aus meiner Sicht die Währungen einfach nicht das sind, womit sie den Wohlstand am besten fördern und zwar, dass sie primär als Zahlungsmittel funktionieren und die Wertaufbewahrung einfach in die Tonne zu hauen.

Weil, keine Währung kann Wert speichern. Weil der Einzige der wirklich in dem Sinne für Menschen andere Werte schaffen kann ist wiederum der Mensch. Selbst wenn er dafür Maschinen und Energie in einem größeren Umfang einsetzt. Weil letztlich nützt es ihm nichts, wenn andere Menschen keine finanziellen Mittel haben, um die Güter und Waren zu kaufen, die er da anbieten möchte. Also von daher ist das primäre, wenn wir auf einem ähnlichen Wirtschaftssystem wie heute aufsetzen wollen, indem man auf Märkten letztlich ein System, von Angebot und Nachfrage überhaupt haben möchte, dann muss man auch alle Menschen irgendwo in die Lage versetzen auch etwas anbieten zu können.

Und zwar nicht allein ihre eigene Lebenszeit in Form von Arbeitskraft, bevor sie dann überhaupt die Nachfrage wirksam auf einem Markt ausüben können. Und deswegen sehe ich eben das Bitcoin schon als kritisch. Aber auch die Richtung zu sagen, dass letztlich diese Geldschöpfung dann noch stärker daran gekoppelt wird. Nicht nur das ich mir entsprechende Rechenpower hinstellen kann. Sondern, dass ich tatsächlich auch in der Lage bin möglichst viel von diesem Geld zu akkumulieren, um dann noch besser und noch einfacher an das Geld zu kommen.

Also ich frage mich vor allen Dingen welche Überlegungen da im Hintergrund stecken. Eigentlich, brauchen doch diejenigen die viel Geld haben, brauchen doch am wenigsten mehr Geld. Sondern eigentlich müsste es ja genau umgekehrt sein. Das heißt je weniger Geld jemand hat, desto wichtiger wär es, dass er erstmal Geld bekommt. Aber so tief bin ich in dieser ganzen technischen Geschichte noch nicht drin. Und ich weiß auch nicht wie weit die Entwicklung tatsächlich gediehen ist, dass Ether tatsächlich dann auf so ein anderes Systematik umstellt. Wo dann nicht mehr Rechenpower, zumindest nicht mehr alleine zählt, sondern eben noch durch andere Mechanismen ausgeglichen wird.

Die Frage ist halt nur, ist so ein System gerecht, das spielt sowieso keine Rolle. Sondern die Frage ist eher: führt es zu einem Gleichheitsgrundsatz. Das heißt, wenn ich allen Menschen Freiheit zugestehen möchte, dann brauche ich auch irgendwo ein Element das eine Chancengleichheit macht. Nicht das alle Menschen gleich sein sollen, sondern das alle Menschen die Möglichkeit haben gleiches zu tun. Das ist halt in unserer Gesellschaft und in unserer Zeit im Moment halt überhaupt nicht gegeben. Für mich sind die Sachen, die aktuell versuchen auf dieser Blockchain-Technologie aufzusetzen.

Sie mögen vielleicht einige strukturelle Institutionen, wie z.B. das Banken- und Geldsystem, angreifen – aber letztlich führen sie keine systematischen Änderungen im Ergebnis herbei. Weil es dann wiederum dabei bleibt, wer hat, hat eher die Möglichkeit in diese Technologien zu investieren, sich daran zu beteiligen. Wie gesagt, das eine ist das Thema Rechenpower. Wo es schon spannend ist, dass – ich kenne jetzt nicht die genauen Statistiken, aber zumindest die Aussagen in die Richtung – letztlich wird das Mining inzwischen dort betrieben, wo Energie am billigsten ist. Und wahrscheinlich auch die Kosten dafür, also in Bezug auf die Umwelt, am geringsten geahndet werden. Das heißt Menschen in Deutschland sind am wenigsten in der Lage davon zu profitieren.

Weil hier einfach das Mining und der Energieverbrauch der damit zusammenhängt viel zu teuer ist. Das spannende ist auch wie die Entwicklung direkt nach dieser Halbierung des Miningrewards, also das was man mit einer Rechenoperationen dann als Belohnung bekommen kann, halbiert wurde, wie danach die Entwicklung ist. Wobei es eigentlich sehr verwunderlich ist, dass es als so positiv interpretiert wird. Weil eigentlich ist das vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt ziemlich einfach zu kalkulieren. Wenn die Hardware doch sowieso schon da ist, dann schalte ich doch nicht deswegen, weil die Belohnung halbiert wird, meine Hardware ab.

Sondern ich würde sie ja erst dann wirklich abschalten, wenn ich sicher bin, dass ich meine Energiekosten nicht mehr reinbekomme. Das heißt letztlich nur, solange die variablen Kosten noch gedeckt sind, gibt es keinen Grund aus dem Ganzen auszusteigen. Deswegen lässt sich so kurz nach so einem Halbierung nicht wirklich sagen wie die Entwicklung weitergeht. Müsste man erstmal feststellen ob der weitere Zuwachs an Rechenleistung, ob der gleich bleibt. Das heißt ob weitere Personen bereits sind darin zu investieren, weil letztlich die Kosteneffizienz bzw. die Kosten die eben mit dem Mining dann wieder reingeholt werden können, einfach so viel kleiner geworden sind.

Weil der zweite Block ist auch noch die Frage inwieweit Bitcoin dann tatsächlich günstiger bleibt. Weil meine Prognose ist auf jeden Fall, spätestens dann wenn das Mining endgültig auf null geht, das heißt, dass die ganze Beteiligung an dieser Rechenoperation letztlich nur noch darin besteht das man die Transaktionsgebühren, die halt dann anteilig prozentual oder absoluter Anteil erhoben werden, dass man nur noch diese einnimmt. Und dann kommt nämlich ein zweiter spannender Block ins Spiel. Was auch dieses Jahr schon mal passiert ist. Es gab mehr Transaktionen im Netz als letztlich bedient werden konnten.

Das heißt mehr Leute wollten Transaktionen machen aber die Kapazitäten waren so gering, dass sich über einigen – also es waren mindestens ein paar Wochen -, genau weiß ich jetzt den Zeitraum nicht auswendig. Wo dann sozusagen schwebende Transaktionen waren, die aber von den Minern nicht angenommen wurden, weil sie lohnendere Investitionen oder lohnendere Aufträge hatten, die zuerst verarbeitet wurden. Und da kommt noch hinzu, auch das Miningprotokoll bzw. die Software wird immer wieder so ein bisschen angepasst und natürlich erweitert und mit neuen Funktionen ausgestattet.

Und eine spannende Funktion dabei ist dann, dass man in einen sozusagen Wettstreit gehen kann und nach und nach die Gebühren die man bereit ist, für die Abzeichnung der Transaktion, also für die Signierung der Transaktion, zu bezahlen, dann nochmal anheben kann, wenn man sonst nicht durchkommt. Das heißt auch da wird noch mal ein Wettbewerb geschaffen, mit dem es dann möglich ist, dass die Miner letztlich durch Selektion natürlich sich die günstigsten oder die lohnendsten Transaktionen rausziehen können und letztlich ist kein Miner dazu gezwungen ganz viele Transaktionen reinzupacken. Und da ja nur einer dann den nächsten Block macht, ist die Frage, wie diskriminierend letztlich auch dort das Transaktionssystem als Ganzes ist. Weil letztlich nur diejenigen die hohe Summen bewegen, die sich dann von den Transaktionsgebühren auch für den Miner lohnen.

Da ist letztlich für mich dann die Frage, wenn keine neuen Bitcoins mehr in Umlauf kommen, weil die Miningbelohnung bei null ist und eigentlich nur noch das Bestehende verteilt wird, für wen lohnt sich dann Bitcoin noch und wer wird es bekommen können. Weil eben der größte Knackpunkt für mich, bei einer funktionierenden Währung oder eben einem funktionierenden Zahlungsmittel, ist, es muss verfügbar bleiben. Das heißt es müssen Menschen in der Lage sein an dieses Zahlungsmittel zu kommen. Und wenn eben Bitcoin tatsächlich wie ein digitales Gold behandelt wird, was passiert dann wenn letztlich die meisten Menschen das Zeug in ihre Tresore – in Anführungszeichen – legen und es nicht mehr ausgeben.

In dem Zuge wie Bitcoin letztlich von der Verfügbarkeit her verschwindet. Es mag dann zwar immer volatiler werden, das heißt die Schwankungen werden wieder deutlich größer werden. Weil es eben immer weniger Beteiligte gibt die wirklich Bitcoin anbieten. Das ist ja letztlich auch das Problem weswegen viele meinen, dass die Goldpreise ziemlich manipuliert sind. Weil letztlich die großen Mengen an Gold liegen in den Zentralbanken eingepfercht. Und deswegen, dass bisschen was privat gehandelt wird, nicht wirklich relevant ist.

Und dann ist eben die Frage, was passiert mit Bitcoin, inwieweit ist dann der Preis der sich dort zu irgendwelchen Fiat-Währungen, gesetzlichen Währungen bildet, in irgendeiner Form verlässlich geschweige denn stabil. Weil je weniger Bitcoin im Umlauf sind, desto schwieriger wird es dann natürlich auch Abnehmer zu finden und in dem Umfang wie dann Geschäfte sich eventuell entscheiden zu sagen: „Also da kommt eh kein Umsatz bei rum. Ich finde überhaupt keine Personen die mir etwas gegen Bitcoin abkaufen. Warum sollte ich das drin lassen?“ Solange natürlich die Zahlungsdienstleister das irgendwie automatisch drin haben, mag das alles noch funktionieren. Aber es bleibt ein, aus meiner Sicht, eher elitärer Club.

Weil letztlich auf der einen Seite eben die Transaktionszahlen sehr beschränkt sind und keine größeren Kapazitäten bisher zulassen. Solange nicht dort ein großer Sprung passiert, dass die Kapazität von Transaktionen die eben alle zehn Minuten dort abgesegnet werden, wirklich erheblich steigt. Und das andere ist dann eben die Verlässlichkeit. Das heißt wo habe ich denn tatsächlich den Bezug. In welcher Währungsgröße rechne ich dann am Ende. Es ist im Moment sehr unwahrscheinlich zu glauben oder zumindest ich halte es für sehr unwahrscheinlich, das Bitcoin tatsächlich einmal die dominante Preisinformation auf Waren wird.

Weil dazu ist es halt einfach zu klein und im Moment seitdem es im Umlauf ist noch zu wenig so weit skaliert, dass es eine Alltagswährung würde. Und auch bei Ether mit der DAO finde ich das doch sehr unwahrscheinlich. Weil letztlich hängt es doch immer davon ab inwieweit die Menschen teilnehmen und teilnehmen werden sie nur wenn es sich für sie in irgendeiner Form rechnet. Weil allein die Idealisten werden diese Systeme wahrscheinlich nicht auf Dauer am Laufen halten. Und vor allen Dingen, wenn es dann tatsächlich zu diesen ideologischen Grabenkämpfen kommt, die ja nochmal ein ganz anderes Thema sind. Zwischen den sozusagen Hardcore zu sagen, selbst wenn jemand Geld stiehlt darf man die Transaktion nicht rückgängig machen.

Also wenn es sozusagen gegen den Willen des vorherigen Eigentümers sich das angeeignet hat, ohne seine Zustimmung einzuholen, dass man dann sagt: Transaktion ist Transaktion und das war es. Während eben bei Ethereum und Ether dort tatsächlich schon, ich sag mal der Wille der Volkes bzw. der Wille der Community ist Gesetz und alle Regelungen können letztlich aufgegeben werden. Es ist auch eine Grundfrage. Wie soll unsere Zukunft funktionieren? Und beide Systeme sind für mich nicht ideal, zu sagen, der Mensch muss sich Systemen unterordnen.

Das wär die Bitcoin-Variante. Das heißt Technik ist Technik und der Mensch hat sich zu fügen. Und das andere die Ether-Variante halte ich auch nicht für besser, zu sagen, der Wille der Mehrheit ist entscheidend und was ein Einzelner will spielt dann keine Rolle. Das Problem ist natürlich, wie geht man dann mit so einer Geschichte um, die eben bei Ether passiert ist, dass dort ein Bug drin war mit dem es möglich war sozusagen Konten leer zu räumen. Also so als ob ich in eine Onlinebank einbreche und mir die ganzen Gelder von allen Kunden auf mein eigenes Konto überweisen kann und jetzt bloß noch eine Sperre habe. Das war sozusagen bei Ether, er konnte die digitalen Währungseinheiten nicht sofort weiter abziehen.

Sondern da gab es verschieden Fristen, die dann erst mal gegriffen haben und in der Zeit haben die halt reagiert, um das Ganze komplett einfrieren zu können. Oder eben jetzt diesen kompletten Bruch zu machen und sagen die Transaktionen sind ungültig. Wir setzen an der Stelle nochmal auf. Ich denke, dass beide Systeme keine befriedigende Antwort haben, in dem Hinblick inwieweit die Freiheit des Menschen gestärkt werden soll. Und nicht bloß letztlich die Machtposition einzelner Gruppen. Ich werde das Ganze weiter im Auge behalten und kucken inwieweit sich einzelne Technologiefragmente davon tatsächlich auch für meine Überlegungen einsetzen lassen. Ich bin auch dafür, dass Transaktionen final sind.

Das heißt, dass man sich darauf verlassen kann, dass das was man gegeben hat dann auch ankommt. Aber umgekehrt halte ich es nicht für in Ordnung, wenn es tatsächlich die Möglichkeit gegeben hat, dass sich ein Einzelner letztlich gegen den Willen eines Anderen etwas aneignet. Das ist nicht mein Verständnis von Freiheit. Weil letztlich geht es bei Freiheit für mich vor allen Dingen darum auch zu kooperieren. Und wenn der Andere einverstanden ist, dann ist es überhaupt kein Problem. Aber ansonsten, nur weil ich eine Lücke in einem technischen System nutzen kann, halte ich das nicht für sinnvoll zu sagen und das ist jetzt deswegen, weil sozusagen Vertrag – Vertrag ist, dass das so bleibt.

Weil eine Übervorteilung von anderen Menschen ist nicht die Grundlage worauf ich möchte, dass meine Freiheit basiert. Zu sagen, jeder kann machen was er will und zwar auf Kosten aller Anderen. Sondern mein Konzept von Freiheit ist, jeder darf das machen, was er jedem anderen auch zugesteht. Und wenn man eben sagt: Okay. Du darfst sozusagen alle technischen Möglichkeiten nutzen und diese ausnutzen, dann ist es aber unlogisch sich danach auf Rechtspositionen zu berufen und zu versuchen das in irgendeiner Form mit den staatlichen Strukturen sozusagen durchzusetzen. Weil entweder, oder.

Entweder jeder darf machen was er will und es gibt keine gemeinsamen Grundlagen, was wir uns einander zugestehen. Und sagen, dass ist in Ordnung, wenn ich einverstanden bin ist es in Ordnung. Aber wenn ich dagegen bin und Du das gegen meinen Willen machst, dann werden wir da keine Freunde werden. Einen ganz kurzen Aspekt den ich heute noch anschneiden möchte ist nämlich ein weiterer Gedanke inwieweit sich mit der Blockchain letztlich die gesamte digitale Revolution rückgängig machen lässt. Weil der Vorteil war ja, digitale Güter können beliebig kopiert, vervielfältigt werden und dann weitergegeben werden ohne dass derjenige der sie erstellt hat wirklich einen Verlust erleidet.

Aber eventuell eben auch das Problem hat, dass er dafür nicht bezahlt wird. Da ist letztlich die Frage, wie wollen wir damit umgehen. Wollen wir die digitale Revolution wieder einsperren und sagen, kopieren geht letztlich nicht mehr, das heißt es gibt nur noch echte Einzelinstanzen von digitalen Repräsentationen oder digitalen Gütern. Das ganze Internet der Dinge steht und fällt ja bis zu einem gewissen Grad mit dieser Eindeutigkeit der virtuellen Repräsentation. Oder gehen wir andere Wege. Das heißt wie stellen wir sicher, dass wir mit den Menschen, dass wir miteinander fair umgehen. Das jeder seine Grundlage eben zum Leben hat.

Ohne das wir uns die Vorteile der digitalen Welt wieder zunichtemachen. Die große Frage, was bedeutet Freiheit am Ende im digitalen Zeitalter. Ich hoffe natürlich, dass die digitale Welt in der Hinsicht freier wird und nicht einen Rückschritt einschlägt zu sagen, Freiheit ist nicht das Entscheidende, Kontrolle ist wichtiger. Und deswegen gehen wir halt dann diesen oder jenen Weg. Und vielleicht ist es auch wichtiger mehr über die Folgen und die philosophischen Aspekte solcher Technologien zu sprechen, als nur die Technik als solches zu betrachten und die Vorteile zu sehen die es letztlich wieder nur auf Hinblick des Geldverdienens mit sich bringt.

Das heißt es wird einfacher für einzelne Gruppen wiederum ihre Geldinteressen umzusetzen und sicherzustellen, dass sie gut oder angemessen oder darüber hinaus bezahlt werden. Oder dass es tatsächlich gelingt fair miteinander umzugehen, freiheitlich, freiwillig und im Sinne eines verbindenden Miteinanders, das für uns alle von Vorteil ist und nicht nur einzelne Gruppen privilegiert. Soweit für heute ein paar Gedanken rund um die Blockchain-Technologie und auch ein paar kritische Überlegungen.

Ich bin sehr gespannt wie sich dieses ganze Technologiethema tatsächlich weiter entwickeln wird. Und was es letztlich für uns dann bedeutet. Ob die Technologie am Ende wirklich uns dabei hilft unsere Freiheit wieder voll ausleben zu können oder ob sie letztlich ein weiterer Baustein wird, mit dem es dann gelingt auch in der digitalen Welt die Freiheit die dort möglich geworden ist, letztlich wieder zurückzudrehen und uns Fesseln anzulegen. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.

Der Beitrag Mem-Tagebuch #016: Digitales Gold (2016) wurde auf Martin Finger veröffentlicht.

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Mem-Tagebuch #015: Würde (2016) https://martinfinger.de/mtb-015-wuerde-2016/ Wed, 20 Apr 2016 11:00:00 +0000 In dieser Folge beschäftige ich mich mit der Würde und der Strafbarkeit von Beleidigung am Beispiel des Schmähgedichtes von Jan Böhmermann über den türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan. Die ursprüngliche Aufnahme vom 20.04.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit […]

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In dieser Folge beschäftige ich mich mit der Würde und der Strafbarkeit von Beleidigung am Beispiel des Schmähgedichtes von Jan Böhmermann über den türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 20.04.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

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Willkommen heute zu einem weiteren Mem-Video. Heute geht es um das Thema Würde. Anlass für mich ist die ganze Geschichte rund um Jan Böhmermann. Eigentlich will ich gar nicht so sehr auf die Einzelheiten dort eingehen. Mich interessiert eher dieser Blick: Was findet da eigentlich statt? Und in wie weit ist dieses ganze Gebaren wirklich sinnvoll und wo führt das Ganze hin? Also zunächst einmal, bei Jan Böhmermann geht es ja um dieses Schmähgedicht, was er auf den türkischen Ministerpräsidenten dort verfasst hat und in seiner Sendung vorgelesen hat.

Und aktuell ist es so, dass es viel Tamtam darum gab. Weil die Schmähung oder Beleidigung von ausländischen Staatsoberhäuptern zum einen einer Entscheidung der Bundesregierung bedarf, damit der Antrag der dann von Erdoğan gestellt wurde, auch weiterverfolgt werden durfte von der Staatsanwaltschaft. Weil die dürfen hier von sich aus nicht tätig werden ohne Erlaubnis der Bundesregierung bzw. haben die Minister wohl gesagt: Nee, lieber nicht. Und Frau Merkel hat entschieden: Ja, lieber doch. Weil Türkei ist halt gerade wichtig.

Jetzt preschen verschiedene Länder vor. Die versuchen wollen diesen, ich glaub §103 Strafgesetzbuch, eben Beleidigung ausländischer Staatsoberhäupter, dass man den vorher kippen könne. Damit es sozusagen auf der Grundlage zumindest keine Strafverfolgung gibt. Was wahrscheinlich schon weniger diskutiert wird: Es wurde auch nach regulären Strafverfolgung, ich glaube §185, der Paragraph der Beleidigung, wurde ebenfalls Anzeige erstattet. Oder Strafantrag ist es ja in dem Fall. Und darüber regt sich wahrscheinlich kaum jemand auf. Zu überlegen, was hat das Ganze mit Beleidigung: Also Beleidigung fällt in das Thema der Ehrverletzung.

Und deswegen ist für mich eben das Thema Würde an der Stelle so spannend. Weil letztlich geht es bei diesen ganzen Konzepten von Ehre und Würde und Beleidigung, alles um innerweltliche Aspekte einer Person. Bei diesen Innerweltaspekten ist das spannende ja eben, weswegen ich auch den Begriff Würde gewählt habe, steht es ja schon im ersten Artikel des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar und die staatliche Gewalt soll dafür sorgen, dass sie geschützt wird. Was an der Stelle schon absurd ist, weil Würde als Begriff oder Konzept aus der Innenwelt eines Menschen, mit einer physischen Verfolgung sozusagen gewalttätiger Art, dann in irgendeiner Form schützen zu wollen.

Weil ich kann die Innenwelt eines Menschen nicht mit Gewalt schützen. Sondern eher indem ich mich ihm gegenüber anders verhalte. Und ihm versuche ein gutes Umfeld zu bieten. Indem ich ihn akzeptiere, anerkenne, aber Verfolgung anderer Menschen dürfte da am allerwenigsten statthaft sein. Nun aber was bedeutet das jetzt, wenn das sogar zunächst einmal auf ein Staatsoberhaupt eines ausländischen Staates. Weil die Frage ist doch erst einmal: Kann man ein Amt überhaupt beleidigen? Aus meiner Sicht ist das absolut unmöglich.

Weil was soll denn dieses Amt sein oder wie sollte dort eine Beleidigung funktionieren. Weil das Beleidigt fühlen, da es ja eben ein Teil der Innenwelt ist, kann sich ja letztlich nur der Mensch. Das heißt im Zweifelsfall auch, nur der Inhaber eines solchen Amtes, kann sich beleidigt fühlen. Dann ist aber die Frage: fühlt sich dann das Amt beleidigt oder der Inhaber des Amtes? Also der Mensch wiederum. Also aus der Sicht ist für mich das mit dem Amt sowieso hinfällig. Aber auch die zweite Ebene zu sagen: Ein Mensch der sich beleidigt fühlt. Wäre die Frage: Wenn das ein Konzept aus der Innenwelt ist, dann gibt es auch immer eine Schranke zwischen meiner Außenwahrnehmung, meinen Sinnesorganen, bis zu dem Zeitpunkt, dass es tatsächlich Teil meiner Innenwelt wird.

Und wenn ich einem anderen Menschen letztlich gestatte, über diese Schranken hinwegzukommen. Und in meinem Inneren Verheerungen und Verwüstungen anzurichten, dadurch dass ich eben, weil es muss ja irgendwo ein Schaden entstehen, den ich in meiner Innenwelt empfinde, zu sagen: Das finde ich jetzt verletzend. Oder: Das hat mich verletzt. Oder: Das finde ich anmaßend. Oder sonst irgendetwas. Weil irgendwo muss ich ja eine Kategorisierung haben, dass eine Äußerung von mir als Beleidigung aufgefasst werden kann.

Und damit wär schon die Überlegung zu sagen: Meine Güte, da gebe ich aber viel Macht irgendeinem Menschen. Noch dazu wird Erdoğan den Böhmermann ja wahrscheinlich überhaupt nicht persönlich kennen. Das heißt, sie haben eigentlich gar keine Basis auf der dort ein Kontakt stattfinden kann. Und dass ein Böhmermann einem Erdoğan in die Innenwelt spucken kann. Aber so ist das halt. Weil, wir haben halt unsere Begriffe nicht wirklich klar. Und vor allem die Innen- und Außenwelten trennen wir nicht wirklich sauber voneinander ab. Und übernehmen die entsprechende Verantwortung. Weil das würde heißen, wenn sich ein Erdoğan von einem Böhmermann beleidigt fühlt, dann würde ich eher mal schauen, ob ich nicht lieber als Erdoğan mir da psychische Unterstützung oder psychologische Betreuung suche.

Warum meine Innenwelt denn so leicht angreifbar ist. Und ob ich den für dann bestimmte Ämter, in denen man halt auch mit Menschen konfrontiert wird, die einem vielleicht nicht wohlgesonnen sind, dann vielleicht lieber was anderes machen sollte. Und deswegen ist es auf jeden Fall spannend zu sehen, was denn tatsächlich dort weiter verfolgt wird. Weil klar, es ist dann mal wieder ein sehr prominentes Beispiel, wo das Strafverfahren der Beleidigung ausexerziert wird. Und dann ist auch wieder die Frage, was mich ja sehr umtreibt, die Frage der Freiheit. Gibt es wirklich irgendeine sinnvolle Grenze zu sagen: Hier ist aber jetzt die Meinungsfreiheit zum Beispiel an der Stelle sinnvollerweise zu beschränken.

Aus meiner Sicht nicht. So sehr auch Worte manchmal verletzend empfunden werden, sind sie doch trotzdem nicht im eigentlichen Sinne verletzend. Sondern die Verletzung findet erst in mir statt und ich habe meinen Teil dazu beigetragen, dass ich es als Verletzung überhaupt bewerte. Deswegen ist für mich der Ansatz zu sagen, doch lieber die Menschen weiterhin dazu zu bringen, zu kucken: Was ist das, was sie im Griff haben. Was können sie selber steuern und regeln, um zu sagen: Das ist meine Innenwelt und ich entscheide wer in dieser Innenwelt einen Einfluss bekommt oder nicht.

Und im Zweifelsfall ist der einzige der in meiner Innenwelt etwas zu schaffen hat, bin ich selbst. Jeder andere bekommt von mir die Erlaubnis und dann auch nur so lange wie es möglich ist. Natürlich ist das auf dieser abstrakten Ebene leicht zu sagen. Mit ist schon klar, dass wenn man einen Menschen kennt oder sympathisch findet und die Meinung dieses Menschen einem wichtig ist. Dann kann es ziemlich schwierig werden, wenn dieser Mensch plötzlich etwas Kritisches zu einem sagt oder einem Ablehnung entgegen bringt. Weil eigentlich möchte man mit diesem Menschen verbunden sein und fühlt dann eher eine Trennung oder ein nicht akzeptiert sein.

Aber das ist halt eine andere Ebene. Theoretisch ist erst einmal davon auszugehen, ich bin der Herr in meiner Innenwelt und der einzige der dort etwas zu steuern hat. Faktisch erfordert es viel Übung in Ruhe, in Selbstwahrnehmung, vor allen Dingen bei sich zu bleiben, zu merken: Okay, das ist mein Bereich. Das trifft mich zwar, das löst etwas in mir aus. Aber trotzdem ist die Frage: Warum löst es etwas in mir aus? Weil nur wenn ich einen Ansatzpunkt, einen Anker habe an dem das ganze Zeug andocken kann, dann komme ich halt genau in die Probleme.

Und dann sollte ich nicht vergessen, dass dieser Ansatzpunkt bei mir liegt, die Äußerung bei dem anderen. Und kann mich dann entscheiden ob ich da jetzt dem anderen die Schuld geben möchte, dass mein Leben so gewesen ist, wie es gewesen ist und ich deswegen dort eine empfindliche Stelle habe. Oder ob ich mir diese empfindliche Stelle nicht lieber genauer anschaue und kläre: Wie kann ich im Endeffekt ein Mensch werden, dem solche Stellen vielleicht dann nicht mehr von außen steuerbar machen. Sondern das ich eben selber Herr über mich werde und ich mein Selbst letztlich verstärke in der Hinsicht, das Leben aus meiner Sicht darin besteht, immer mehr auch man selbst zu sein.

Aber das muss man halt erst mal herausfinden wer man ist und seine wunden Stellen auszukurieren, um dann souverän mit anderen Menschen im Umgang zu sein. Und nicht gewalttätige Strukturen zu benutzen, um letztlich anderen Menschen auch wiederum Gewalt anzutun. Weil letztlich ist es einfach nur die Fortführung von dem was man angeblich bekämpft, dass man das dann wieder in die nächste Generation trägt und weiterhin legitimiert, dass Gewaltanwendung ein legitimes Mittel ist, um Ziele durchzusetzen. Das ist ja etwas, wogegen ich auch immer wieder sprechen möchte.

Zu sagen: Gewalt, egal ob jetzt physische, psychische, rein in der Sprache, auf solche Kommunikationsmittel vielleicht doch eher zu verzichten. Und bessere Wege des Miteinander und des gemeinsamen Handelns und Sinnsuchens zu finden. Entsprechend ist also für mich der wichtigere Punkt zu überlegen: alles was überhaupt die Strafverfolgung angeht, die in vielerlei Hinsicht auf falschen Ebenen angreift, ist der Punkt, gerade Themen der Innenwelt, der Ehrverletzung, der Beleidigung, die letztlich jetzt keine materiellen Schäden im Sinne einer Verleumdung oder etwas zu Folge haben.

Wo man vielleicht tatsächlich die Lebensumstände einer Person beschränkt oder beschädigt. Ist die Frage, ob man sowas nicht generell, also auch den §185, der dann die Beleidigung enthält, das gleich mit zu streichen. Und nicht bloß diesen einen Paragraphen, weil man sich gerad jetzt ein bisschen profilieren will. Inwieweit ist es sinnvoll, dass Beleidigung durch Gewalt geahndet werden oder ist es nicht sinnvoller, dass die Menschen einen vernünftigen Umgang miteinander lernen und ihn auch üben. Und nicht zu einem Übervater wie dem Staat rennen und dann da ihr Leid klagen und den anderen auch wieder gewaltsam an die Kandare nehmen.

Ich denke mit Gewalt lernt kein Mensch Umgang mit anderen Menschen. Mein Aufruf an der Stelle ist zu sagen: Menschen kümmert Euch um Eure eigene Innenwelt. Und hört auf andere dazu in Beschlag zu nehmen, dass sie mit Gewalt andere daran hindern etwas zu tun und da auch nur verbal zu äußern, nur weil es bei Euch irgendwelche Trigger trifft. Sondern nutzt die Gelegenheit Euch selber klar zu werden: Wer Ihr seid. Wo Eure wunden Stellen sind und diese wunden Stellen dann anzuschauen. Um zu kucken, wie könnt Ihr mehr Ihr selbst sein.

Weil im Regelfall dürften solche Stellen, an denen es dann schmerzt wenn solche Äußerungen gemacht werden, sehr viel mehr mit Euch selbst zu tun haben. Und Euch Hinweise daran geben, wo Ihr auch noch nicht Ihr selbst sein könnt, weil Ihr diese Stellen im Regelfall dann ausblendet. Die ganze Böhmermann-Geschichte geht noch ein ganzes Stück weiter. Das ganze Strafgesetzbuch sollte man mal überprüfen ob das eine sinnvolle Methode ist mit Menschen umzugehen. Und alles was in der Innenwelt ist, auch wenn es im Grundgesetz steht, ist die Frage: Wie soll eine Innenwelt von Menschen geschützt werden, durch Gewaltausübung eines Staates oder anderer Instanzen. Von daher mehr Mut zur Freiheit, zur persönlichen Individualität. Auf ein nächstes Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #014: Geldpolitik (2016) https://martinfinger.de/mtb-014-geldpolitik-2016/ Thu, 10 Mar 2016 11:00:00 +0000 In dieser Folge spreche ich über die Geldpolitik der EZB und welche Probleme ich in einer solchen geldfixierten Denkweise sehe. Welche Probleme daraus entstehen, wenn mit Geld wirtschaftliche Aktivität forciert werden soll ohne sich an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren. Die ursprüngliche Aufnahme vom 10.03.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das […]

Der Beitrag Mem-Tagebuch #014: Geldpolitik (2016) wurde auf Martin Finger veröffentlicht.

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In dieser Folge spreche ich über die Geldpolitik der EZB und welche Probleme ich in einer solchen geldfixierten Denkweise sehe. Welche Probleme daraus entstehen, wenn mit Geld wirtschaftliche Aktivität forciert werden soll ohne sich an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 10.03.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einem weiteren Mem-Video. Heute mit dem Thema Geldpolitik. Weil heute wird wieder viel kolportiert über die Leitzinsentscheidung der EZB. Und da möchte ich einfach Mal ein bisschen tiefer einsteigen. Was soll diese Leitzinsenscheidung bitte noch für einen Effekt haben. Und um das zu verstehen bzw. erstmal die Grundsatzthese zu überlegen: Wirtschaft wird nicht durch Geld bedingt, sondern wirtschaftliche Aktivität entfaltet sich dann, wenn es Bedarf an einer entsprechenden Aktivität gibt.

Und die entsteht letztlich nicht durch Geld getrieben. Nehmen wir mal den Aspekt weg, dass Geld das Profit haben möchte natürlich irgendeine Investition braucht, um diesen Profit zu ermöglichen. Weil es selber ja gar nicht in der Lage ist etwas zu erzeugen. Aber nicht destotrotz braucht eine Investition halt irgendetwas worin man investieren kann. Und diese Investition muss letztlich auch einen realen Mehrwert bringen, den die Leute bereit sind zu bezahlen. Und wenn man sich überlegt, im Euroraum: Was sind denn jetzt eigentlich tatsächlich die Dinge, die benötigt werden. Was brauchen die Menschen. Wo ist tatsächlich Bedarf da.

Für mich persönlich kann ich das nur beantworten, eigentlich gar keiner. Mit fehlt im realen Leben nichts, was jetzt dringend produziert werden müsste. Ich brauch kein neues Auto. Brauch keine zusätzlichen Klamotten aktuell, vielleicht irgendwann, so in ein paar Monaten, Jahren – keine Ahnung – vielleicht mal wieder ein neues Paar Schuhe oder so. Aber wirklich benötigen brauche ich im Moment nichts. Also ist die Frage: wo sollte sich eine Investition lohnen, wo ich bereit bin etwas zu kaufen und wer hat sonst noch Bedarf etwas zu kaufen. Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Menschen, die Bedarf hätten irgendetwas zu erneuern, sich neu Auszustatten.

Oder Möbel neu zu kaufen, weil die alten tatsächlich schon abgenutzt sind. Aber die Leute kommen nicht an Geld. Das heißt im Zweifelsfall entweder sie sind arbeitslos oder verdienen letztlich so wenig, dass sie sich eine neue Ausstattung ihrer Wohnung gar nicht leisten können. Das heißt diese ganze Geldpolitik, die von der EZB durchgeführt wird, hat auf diese Menschen keinen Effekt. Weil ein Kreditgeschäft immer auch einen Kreditnehmer braucht. Das heißt es braucht jemanden, der Willens und in der Lage, ist diesen Kredit aufzunehmen. Und das Scheitert sozusagen schon, einmal von der Bewertung der Bank. Weil wenn die Bank sagt, Du bist uns nicht kreditwürdig oder nicht vertrauenswürdig genug.

Wir glauben nicht, dass Du in der Lage bist irgendetwas zu produzieren, herzustellen, zu machen, um letztlich diesen Kredit wieder abzuarbeiten. Oder einfach nur dein Job ist sozusagen nicht einträglich genug, weil du verdienst zu wenig. Du hast vielleicht nur 50 oder 100 Euro im Monat, die du irgendwie erübrigen kannst. Und damit kriegst du den Kredit nicht zurückgezahlt, den du bräuchtest und damit scheitert das schon mal letztlich an den fehlenden Kreditnehmern. Die zwar durchaus einen Bedarf hätten an Geld, aber nicht an Krediten, weil sie den Vorteil, den sie dort beziehen könnten, nicht wieder in Geldwerten umsetzen können.

Und damit bricht letztlich dieses ganze Kartenhaus, der vermeintlichen Geldmengensteuerung einer EZB zusammen. Auch wenn man jetzt noch mehr vom gleichen macht, ist die Vorstellung, als ob es an der Liquidität der Banken scheitern würde oder an deren Möglichkeiten. Sondern es sind im Endeffekt ganz andere systemische Zwänge, die dazu führen, dass Kredite eben nicht vergeben werden können. Weil die Rückzahlungsnotwendigkeit besteht. Ich bin ja mal gespannt wann die EZB auf die Idee kommt, nicht nur den Negativzins einzuführen, sondern tatsächlich zu sagen: okay, wir geben euch jetzt eine Million und ihr müsst nur noch 900.000 zurückzahlen. Also vergebt doch bitte Kredite, die komplett Zinsfrei sind.

Und darüber hinaus sozusagen nur noch zu 90% Nominalwert zurückgezahlt werden müssen. Weiß zwar noch nicht, wie das Bilanztechnisch dann tatsächlich lösen werden, weil sie müssen ja die Werte dann abschreiben und das müsste dann letztlich alles irgendwie über die doppelte Buchführung abgedeckt werden. Aber das ist aus meiner Sicht der Weg zu sagen: ja, wenn ich unbedingt Geld ins System bringe oder bringen will, dann kann ich das nicht über Kredite vergeben. Dann muss ich es verschenken. Aber die Logik hat sich letztlich auch noch nicht wirklich bei den Betroffenen durchgesetzt. Die Frage ist, was eigentlich erreicht werden soll. Das Geld schöpfen um der Inflationswillen.

Das heißt ich bringe Geld in Umlauf, nur damit Geld entwertet wird. Mit der Vorstellung ein Wirtschaftswachstum zu erreichen. Jetzt ist aber natürlich dieses Wirtschaftswachstum wieder rein nominell ausgedrückt. Das heißt, wenn ich einfach einen Schritt weitergehe und sage: okay, wir haben aktuell eine Deflation irgendwie von 0,2%, habe ich glaube ich vorhin mitgelesen. Das heißt aber Wirtschaftswachstum von, ich glaub 1,3 sind die Zahlen von 1,7 für dieses Jahr runterkorrigiert worden. Gehen wir doch einfach ein Schritt weiter und sagen, wir machen von den 2% Inflation gehen wir auf 0% Inflation und dann würden im Endeffekt 2% Wirtschaftswachstum ja letztlich nur der Inflation entsprechen, das heißt wir können eine Wirtschaftsschrumpfung von 0,3% einfach da sozusagen gleichziehen.

Letztlich sind die nominellen Wirtschaftswachstumszahlen, doch nichts anderes als der Ausdruck der Geldmengensteigerung. Die aber sich in den Warenkörben nicht als Inflationszahlen wirklich wiederspiegeln. Also wenn man sich das genauer anschaut und das Bruttoinlandsprodukt ins Verhältnis setzt, nicht zu der Inflationszahl die dort mit dem Warenkorb berechnet wird, sondern zur Geldmengenänderung, dann wird man sehen, dass unterm Strich unser Bruttoinlandsprodukt seit Jahren abnimmt, nur die Zahlenwerte zunehmen. Aber wahrscheinlich unterm Strich ohnehin nicht viel bei rum kommt.

Hier wird auch Profit gemacht und es wird der Wald leer gemacht. Also kurzer Ausflug ins Geldsystem. Was bedeutet tatsächlich diese Veränderung im Leitzins und die Änderung der Politik der EZB. Zunächst einmal heißt es ja nur, es wurde der Leitzins und der Spitzenrefinanzierungssatz um fünf Basispunkte gesenkt, ein Basispunkt entspricht dem Wert von 0,01%. Also der Leitzins auf ein, wie es so schön kolportiert wird, historisches Tief von 0,00% gesenkt worden. So, wo spielt der eine Rolle. Der Leitzins ist nur relevant für die wöchentlichen Refinanzierungsgeschäfte.

Das heißt die Banken sind letztlich jede Woche dazu aufgefordert, sich von der EZB die Mindestreserve, die sie benötigen, zu holen, auszuleihen. Was allerdings kein größeres Problem ist, weil die EZB das ganze Zeug ziemlich vollständig zur Verfügung stellt. Der zweite Finanzierungssatz ist der Spitzenrefinanzierungssatz, der liegt jetzt bei 0,25%, das ist der Zins, wenn die Banken so tagsüber merken, dass ihre Liquidität bei der EZB für die Deckung von Transaktionen nicht ausreicht, können sie sozusagen im täglichen Bedarf, so ich glaube auf Stundenbasis.

Also innerhalb von einer Stunde werden solche Sachen dann abgewickelt und bedient, das heißt, wenn die Banken entsprechende Sicherheiten vorlegen können, dann kriegen sie halt innerhalb von einer Stunde zusätzliche Liquidität von der EZB bereitgestellt. Der nächst Satz ist der Overnight-Zinssatz letztlich der von der EZB gezahlt werden würde, wenn er denn noch positiv wäre, an die Banken entsprechend der Guthaben auf ihren Konten. Jetzt ist da natürlich das Problem, dass der negativ ist. Allerdings wirkt sich dieser negative Zinssatz auch nur auf die Werte aus, die die Mindestreserve überschreiten.

Also die Mindestreserve, was hat die nochmal zu bedeuten: die hebt darauf ab, dass Banken gezwungen sind, in diesem Zentralbankensystem einen bestimmten Prozentsatz von, aber nicht von den Krediten die sie vergeben, sondern von den Giralgeldmengen die sie in ihrer Bilanz haben und die sie letztlich den Kunden garantieren müssen, dort als Mindestreserve zu halten. Dieser Mindestreservesatz liegt bei einem Prozent. Also für jeweils 100 Euro Giralgeld muss die Geschäftsbank, zu einem bestimmten Zeitpunkt, ein Euro Zentralbankgeld auf ihrem Mindestreservekonto halten und zwar über Nacht, während tagsüber dieses Geld für Transaktionen verwendet werden kann.

So, jetzt ist dieses alles nachgelagert. Das heißt entsprechend die Banken melden an die Zentralbank ihre Giralgeldmengen, die sie in ihren Büchern haben, mit den entsprechenden Fristen. Weil, wenn es eine Bank schafft, die Spareinlagen eines Kunden, länger als zwei Jahre zum Beispiel anzulegen, dann hat das einen Mindestreservesatz von 0%. Das heißt dafür müsste dann keine Mindestreserve gehalten werden. Des Weiteren haben Banken noch einen Mindestreservefreibetrag von, ich glaube 100.000 waren das. Das heißt bei einem Prozent sind das entsprechend zehn Millionen.

Die sie schon mal einfach so halten können an Giralgeld, ohne dass daraus eine Mindestreservepflicht entsteht. Weil die sozusagen dann schon abgedeckt ist. Damit mal die technische Ebene wieder verlassen. Im System sind jetzt aber schon viel, viel mehr Gelder unterwegs als das was tatsächlich benötigt wird. Also aktuell wir haben im Eurosystem eine Geldmenge M3 von etwa 10/11 Billionen. Also 11.000 Milliarden Euro. Also jetzt alle Euroländer die in der Eurowährungsunion drin sind. Also die Geschäfte mit denen die Banken die Liquidität zur Verfügung gestellt bekommen heißen Tendergeschäfte.

Die normalen mit dem normalen Basiszinssatz werden wöchentlich beschlossen. Die für die Spitzenfazilität, also die 0,25%, sind für die täglichen, also die man untertage einfach beantragen kann, fällig. Dieses eine Prozent Mindestreserve, was im Endeffekt auf die Giralgeldguthaben zu halten ist, ist wie gesagt nachgelagert. Jetzt ist aber in dem Gesamtsystem, zumindest was das elektronische Zentralbankgeld angeht, schon deutlich mehr Liquidität in Umlauf als überhaupt für diese Mindestreservepflichten benötigt wird.

Und da kommt jetzt letztlich dieser Übernachtzinssatz, mit jetzt inzwischen -0,4% ins Spiel. Jetzt muss man sich aber auch anschauen, für meinetwegen 10.000 Euro, ein Prozent wären 100 Euro. Die sozusagen im Jahr fällig würden, wenn denn dieser Minuszinssatz schon bei einem Prozent läge. Bei 0,4 sind es im Endeffekt 40 Euro, die ein Sparer, mal angenommen er müsste sozusagen diesen Betrag zahlen, dann dort überweisen muss damit ja letztlich sein Guthaben nicht abnimmt. Weil letztlich könnte man es direkt mit den Guthaben verrechnen und einfach dort abziehen.

Da die Mindestreserve ja nur bei einem Prozent liegt, bin ich letztlich nicht bei 40 Euro auf 10.000 Euro sondern ich bin nochmal bei einem hundertstel davon, das heißt ich bin bei 40 Cent. Wenn man jetzt also den Sparen mal wieder Angst macht, dass diese böse, böse Zinssenkung sozusagen die Guthaben angreift und das bald der Negativzinssatz kommt, dann muss man sich mal anschauen, welche Banken das bisher weitergegeben haben. Und vor allen Dingen ab welchen Beträgen das überhaupt greift. Also es gibt irgendwie, ich glaube die niedrigsten Werte sind irgendwo bei 100.000, tendenziell eher wenn man irgendwie ein bis drei Millionen oder so was liegen hat, hab ich glaub ich schon gelesen.

Dann soll man sich mal mit der Bank zusammensetzen und mit ihr sprechen, was man da machen kann. Ansonsten kriegt man halt sozusagen irgendeine negative Gebühr aufgebrummt. Oder man bekommt zumindest keinen positiven Zinssatz mehr. Muss man dann immer noch mal daran denken, dass diese 0,4% Minuszins erstmal in Bezug auf die Mindestreserve letztlich nur mit einem hundertstel zu Buche schlagen. Jetzt ist aber noch eine andere Sache wichtig zu wissen, dass Transaktionen grundsätzlich, wenn die von einer Bank zur anderen laufen, wiederum zu 100% mit Zentralbankgeld zu decken sind.

Das kann natürlich innerhalb der Institute und innerhalb der Übertragung irgendwie, wenn da mehrere gegenläufige Buchungen unterwegs sind, nivellieren. So dass letztlich gar kein Zentralbankgeld übertragen wird. Aber gehen wir mal von dem Beispiel aus, dass letztlich bei einer Überweisung von 10.000 Euro auch 10.000 Euro Zentralbankgeld von Kreditinstitut A zu Kreditinstitut B mitübertragen werden. Dann hat natürlich dieses empfangende Kreditinstitut erstmal ein Problem. Weil sie braucht ja für die Mindestreserve, weil sie garantiert dem anderen ja jetzt ein Giralguthaben von 10.000 Euro, braucht sie letztlich nur die 100 Euro als Mindestreserve zu halten.

Und zwar erst eben eine Weile später. Das heißt bis dahin hat sie einen ziemlichen Liquiditätsüberschuss. Jetzt ist aber so, dass die Bank die ja die Überweisung weggegeben hat, also von der das Geld gekommen ist, die hat aber eine Liquiditätslücke von diesen 10.000, weil letztlich ihr Zentralbankkonto, mal angenommen das Geld war vorher nicht komplett gedeckt, dann ist ihr Zentralbankkonto jetzt vorrübergehend im Minus und sie muss das bis Tagesende ausgleichen. Das heißt das einfachste ist, was die Bank dann machen kann, zu sagen: du, ich brauche mal eben die 10.000 Euro wieder zurück. Ich gehe dafür eine Verbindlichkeit dir gegenüber ein.

Das heißt die Banken regeln das untereinander. Die brauchen also auch da nicht wirklich Zentralbankgeld. Sondern die können das einfach untereinander liquiditätstechnisch und vertragstechnisch regeln. Damit kann sozusagen im ganzen System, in dem Spiel an sich, was das Zentralbankgeld angeht, ganz gut mit einem Prozent Mindestreservedeckung umgegangen werden. Jetzt ist aber eben das Problem der EZB, die will ja nicht, dass einfach nur die Mindestreserve bedient wird, sondern eigentlich will die EZB, dass Kredite vergeben werden. Aber wie schon am Anfang kurz angeschnitten, für Kredite braucht es immer zwei und zwar den Kreditgeber und den Kreditnehmer.

Die Banken sind liquiditätstechnisch überhaupt nicht unterversorgt, die haben mehr als genug Liquidität um problemlos solche Kredite zu vergeben. Ihre Probleme kommen primär erstmal aus anderen Bereichen. Ein Probleme natürlich ihre internen Bewertungsstrukturen. Das heißt wenn der Kreditnehmer nicht als niedriges Risiko eingeschätzt wird, dann kriegt er einfach von der Risikoeinschätzung her keine Freigabe für den Kredit. Da kann der noch so oft Geld wollen und sinnvoll investieren wollen, wenn das Risiko zu groß ist, kriegt er nichts. Das zweite ist dann, entsprechend diesen Baselvorschriften, wo halt bestimmte Verhältnisse zwischen Bilanzposition Eigenkapital und Kreditvolumen vorgegeben sind.

Das ist die nächste große Beschränkung aus meiner Sicht, die dran hindert, dass Banken Kredite vergeben können. Weil sie natürlich, wenn der Kredit dann platzt müssen sie das gegen irgendeine Position abschreiben und damit das System dann nicht wieder zusammenbricht, so wie in der Finanzkrise, ist halt vorgegeben, dass sie so und so hoch ihre Positionen haben. Man kann sich ziemlich schnell ausrechnen wann das Eigenkapital ausgebraucht ist, wenn es letztlich nur mit irgendwo zwischen acht Prozent und zwölf Prozent sozusagen im Verhältnis zu den Bilanzpositionen der Kreditvergabe steht.

Also dürfen letztlich Kredite möglichst nicht abgeschrieben werden. Aber das ist ein anderes Thema. So, wenn wir also auf der Bankseite zumindest mal das Okay haben, dass da zumindest noch Potential da ist. Mehr als genug Potential, um Gelder zu vergeben. Dann scheint das Problem ja eher auf der anderen Seite zu liegen und zwar: wer ist bereit Kredite zu übernehmen. In Zeiten wo die Arbeitsverhältnisse unsicher sind, das heißt wer weiß schon ob er morgen noch einen Job hat. Oder in der Form, dass keine Sicherheiten da sind. Weil wer wenig verdient kann auch wenig Vermögen aufbauen und wer kein Vermögen hat, ist schon mal immer ein schlechter Kreditnehmer.

Weil wenn der Kredit platzt, hat man sozusagen komplett Totalverlust. Das wollen die Banken natürlich auch ungern eingehen. Deswegen sind Immobilien immer noch die reizvollste Finanzierung. Aber auch da ist der Punkt, in einem jetzt gerade korrigierten Bevölkerungsentwicklungsentwurf, wo ja jetzt plötzlich davon wieder die Rede davon ist: huh, Deutschland wächst wieder. Oder sagen wir lieber, es sollen wieder mehr Menschen in Deutschland wohnen. Wo auch immer sie dann herkommen. Ist dann der Punkt zu sagen: wir haben trotzdem mehr als genug Wohnungen. Und hier, um noch einen weiteren Brückenschlag in die Politik zu machen. Was macht man, damit Wohnen möglichst teuer wird. Man schraubt die Energieanforderungen hoch.

Da werden ja auch gerade wieder neue Gesetze vorbereitet, die dafür sorgen, dass letztlich, wenn man sich denkt, ein Haus braucht doch nur vier Wände und ein Dach, dass da möglichst mehr Umsatz gemacht werden kann, dass möglichst teure Produkte da reingestopft werden. Und dann letztlich das Wohnen unbezahlbar wird. Naja, das ist auch wieder etwas, was sozusagen aus der aktuellen Wirtschaftssystemlogik der Überregulierung letztlich einfach zustande kommen muss. Der Draghi versucht jetzt, letztlich über eine zusätzliche Ausweitung dieses Anleihenkaufprogramms, was ja bisher vor allen Dingen Staatspapiere oder Staatsanleihen aufgekauft hat.

Mit 60 Milliarden, soll jetzt auf 80 Milliarden erweitert werden und mit der Option, dass jetzt auch Unternehmen in den Genuss kommen. Das heißt tatsächlich mal Unternehmen privatwirtschaftlich, die in der Lage sind Anleihen auf dem Finanzmarkt zu platzieren, könnten jetzt darauf hoffen von der EZB gekauft zu werden. Wenn die entsprechenden Ratings und so weiter passen, das heißt es ist auch wieder viel dafür gesorgt, dass natürlich dieser ganze Finanzbereich gut mitverdienen kann. Weil solche Ratings und so weiter gibt es ja nicht umsonst. Da ist letztlich auch wieder die Frage: was brauchen wir bitte.

Also in was muss dringend investiert werden, was in der Lage ist eine Rendite abzuwerfen. Wo letztlich andere Menschen mehr zahlen, als da reininvestiert wurde. Weil letztlich für Infrastrukturprojekte ist es ziemlich sinnlos einen Profit draufzusetzen. Weil eigentlich wenn es den Menschen nützt, ist es doch viel sinnvoller zu sagen: okay, Summe X kostet das, soviel wird von den Menschen aufgebracht, in welcher Form auch immer. Meine Präferenz in dieser Hinsicht ist ja immer noch so Crowdfundingprojekte, zu sagen: okay, wenn es die Menschen haben wollen, dann sollen sie es direkt bezahlen. Statt über irgendwelche Kreditschöpfungsumwege. Aber das führt jetzt an der Stelle ein bisschen zu weit.

Nichtdestotrotz, Infrastruktur sollte vor allen Dingen kostendeckend betrieben werden können. Das letztlich die Erhaltungsaufwendungen, um eine Straße, eine Wassernetz, ein letztlich auch Telekommunikationsnetz zu pflegen, dass da zumindest die Kosten wieder reinkommen und dass der laufende Aufwand dadurch irgendwo gedeckt wird. Damit das Ganze nicht ein Zuschussprojekt wird. Ich kann dazu vor allen Dingen zwei Richtungen empfehlen, wer sich damit mal tiefer beschäftigen will. Das eine ist, warum letztlich dieses ganze Geldsystem keine wirtschaftliche Aktivität entfalten kann, ist einmal bei den Österreichern, bei Ludwig von Mises, zu finden und zum anderen bei der Kondratjew-Theorie.

Also bei Ludwig von Mises ist eher so ein bisschen das Abheben, dass dieses Geldsystem keine wirklichen Werte schaffen kann und umgekehrt, was dann sehr viel spannender ist letztlich die Argumentation von Kondratjew zu sagen, wirtschaftliche Aktivität entsteht aus Bedürfnissen und aus Aktivitäten, die halt tatsächlich etwas produzieren oder herstellen. Ich kann letztlich mit Geld keine wirtschaftliche Aktivität entfalten, wenn man mal von solchen netten Finanzblasen und unsinnigen Allokationen, wie die Immobilienblasen in Spanien zum Beispiel, da entsteht am Ende aber kein Wert und ein Nutzen noch viel weniger.

Außer das dort dann ein Haufen Bauruinen am Ende rumstehen oder rumstanden. Ich weiß nicht ob sie inzwischen schon abgerissen sind. Hat das Ganze ja nichts gebracht. Es hat eine Menge Ressourcen verschleudert, in Bereiche wo letztlich gar nicht der Bedarf in dieser Form da war. Das gleiche ist zumindest in Deutschland zum Glück sehr gebremst. Ich gehe davon aus, dass wir weiterhin eher weniger werden als wirklich mehr werden. Und das wir ein regionales deutliches Überangebot an Wohnungen haben und entsprechende Infrastruktur. Auf der anderen Seite, an anderen Stellen durchaus noch Bedarf da wäre. Weil man da schon über Jahrzehnte darauf hingewirkt hat, dass eben die Infrastruktur nicht erweitert wird.

Weil es ja entsprechend wieder genug Vorschriften und Regulierungsmöglichkeiten gibt, dafür zu sorgen, dass man eben nicht das macht was man braucht. Sondern das man nur das machen darf, wo irgendwelche anderen Gruppen meinen Entscheiden zu dürfen, was sozusagen meinem Leben nützt und was meinem Leben nicht nützt. Um das Ganze heute noch mal ein bisschen abzuschließen und abzukürzen. Dieses Handeln der EZB und die Vorstellung, dass damit im Endeffekt irgendjemandem geholfen wäre, ist halt einfach nur. Mit fällt dazu einfach kein Wort ein, was das vernünftig sozusagen betiteln könnte.

Weil ich mich vor allen Dingen frage: wie kann man nur solchen Irrsinn sozusagen verfolgen. In der Hinsicht, dass man Illusionen nachhängt über Vorstellungen wie Wirtschaft funktionieren könne oder solle und sich dermaßen im Geldsystem zu verrennen. Statt zu verstehen, dass Geld letztlich vollkommen bedeutungslos ist, in der Form wie es heute stattfindet. Weil wenn ich etwas jederzeit in beliebiger Menge erzeugen kann, dann ist es halt keine knappe Ressource und keine relevante Ressourcen, die für irgendwelche Entscheidungen notwendig ist. So, nochmal ganz kurz zusammengefasst: Die ganze Politik der EZB führt im Endeffekt nirgendwohin.

Weil Geld keine wirtschaftliche Aktivität entfalten kann. Das einzige was Geld zumindest in der Lage ist, in welche Richtung die EZB auch funktioniert, ist beschränkend. Das heißt wenn alles erfüllt ist, es gibt Bedarf an Investition, es gibt Leute die Interesse haben das zu machen, es gibt Personen die bereit sind den Kredit aufzunehmen und so weiter, dann kann Geld nur noch die Schranke sein zu sagen, es geht trotzdem nicht. Obwohl letztlich alle großes Interesse haben das tatsächlich zu tun. Aber anstoßen kann Geld das Ganze nicht. Das heißt diese ganzen Finanzsphäre, die gerne Renditen erwirtschaften möchte, aber nur aus dem Wunsch eine Rendite haben zu wollen, existiert kein Produkt, dass die Menschen haben wollen, um sozusagen die Geldbeutel anderer Leute zu füllen.

Deswegen geht diese Rechnung schlichtweg nicht auf. Und das ist auch das, was ich Euch heute mitgebe zu überlegen. Wirtschaft funktioniert durch Euch und für Euch, zumindest wäre dass der einzig sinnvolle Weg wie Wirtschaft aus meiner Sicht funktionieren sollte. Weil ich halte es für besser, dass Wirtschaft das tut was Menschen wollen und nicht das was sozusagen aus Gedanken irgendeiner Profitstrebens insistiert wird und eigentlich nur dafür sorgt, dass Ressourcen beliebig vergeudet werden. Ohne menschliche Bedürfnisse zu erfüllen und dem Leben als solchen wirklich einen Nutzen zu bringen.

Und die Schwierigkeit ist halt, je größer oder je stärker sozusagen dieser Zugang darüber geregelt ist, dass einzelne Institutionen so viel Macht bekommen, sich über Geldvergabe, über andere Regelungen, diese Zuteilung letztlich nicht in die Hand jedes einzelnen zu legen. Sondern aus den Händen möglichst vieler, in die Hände möglichst weniger zu legen. Das ist letztlich aus meiner Sicht unser Problem: es entscheiden zu wenige über Dinge die zu viele Betreffen. Wir haben ja am Wochenende auch Wahlen. Deswegen ist es mir wichtig, dass ich nur für mich entscheide.

Und mir wäre es ganz lieb, wenn alle anderen das auch so tun. Und zwar Entscheidungen treffen, die sie selber betreffen und zwar nur die, die sie selber betreffen. Und nicht im Namen oder für andere die gar nicht gefragt werden, deren Positionen und Interessen überhaupt nicht abgeholt werden. Zu entscheiden, dass die das gefälligst auch zu wollen haben. Weil nein, das will ich nicht. Wenn will ich gefragt werden, erstmal: Was? Warum? Wieso? Und wozu überhaupt. Und dann überlege ich mir, ob ich auch bereit bin dafür irgendetwas zu tun.

Den Gedanken den ich Euch dabei mitgeben möchte, ist ganz einfach zu überlegen. Für mich ist mein Weg zu sagen: ich möchte letztlich vor allen Dingen Entscheidungen treffen die mich selber betreffen und zwar möglichst alle. Also, das heißt, da wo ich in irgendeiner Form betroffen bin, möchte ich auch selber mitreden können und entscheiden können. Und möglichst alle Menschen natürlich darauf verzichtend, für mich in meinem Namen Entscheidungen zu treffen. Und auch noch meinen, dass sie mir damit etwas Gutes tun. Also deswegen von mir der Wunsch an Euch alle: dass letztlich jeder nur die Entscheidungen trifft die ihn persönlich auch betreffen und die ihn in der Hinsicht auch was angehen.

Und alle anderen, bitte hört auf Entscheidungen zu treffen oder Forderungen zu stellen oder Vorgaben zu machen wie andere leben sollen, leben müssen. Und sie letztlich zu bevormunden, in irgendeinen Entscheidungen, weil ich sehe dafür letztlich keine Grundlage, zumindest nicht im Sinne der Freiheit, zu sagen: Es gibt keinen Grund, ohne zumindest mein Einverständnis abzuholen, dass irgendjemand für mich sprechen soll und darf. Und zwar nicht über irgendwelche allgemeinen Bundestags- oder Landtagswahlen.

Sondern im Falle einer einzelnen Entscheidung zu sagen: okay, ich hab ein Interesse, dass das so und so passiert und ich bin auch bereit dafür zu bezahlen, weil es reicht nicht zu sagen, dass jemand etwas will und dann muss er nicht dafür aufkommen. Das ist auch keine Option. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Und solang weder das Geldsystem, noch die Wirtschaft als solche, wirklich verstanden sind und die Börse sozusagen die draghischen Entscheidungen feiert. Hoffen wir mal, dass es noch einige Weile weitergeht, bis ich mit Credere so weit bin.

Dann zumindest, dass das Geldsystem, wenn es den zusammenbricht, nicht das wirtschaftliche System mit sich in den Abgrund zieht. Und das wir da Möglichkeiten und Wege finden, dass eben die Wirtschaft die wir benötigen, um unsere Bedürfnisse zu stillen, um unser Überleben zu sichern, dass das dann auch in nächster Zeit noch weiter funktioniert. Ohne das letztlich der gesamte Planet und alle seine Ressourcen vor die Hunde geht und letztlich auf der Müllhalde landet. Soweit von mir heute ein etwas längeres Mem-Video. Was sehr, sehr viele Themen anschneidet und es noch ganz, ganz, ganz viel zu sagen gäbe. Aber an der Stelle will ich jetzt wirklich Schluss machen. Und überlasse Euch Euren Gedanken und Überlegungen, wie sich letztlich das Ganze auch so verändern lässt, das für uns alle eine lebenswerte Zukunft möglich bleibt. Und ist doch schön so im Hintergrund die Sonne noch mitzunehmen. Auf eine frohe und lebenswerte Zukunft und bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #013: Rabatt (2016) https://martinfinger.de/mtb-013-rabatt-2016/ Tue, 12 Jan 2016 12:00:00 +0000 Heute ausgehen von den Rabattschlachten, mit welchen Unternehmen uns zum Kaufen animieren wollen auch Gedanken dazu, welche Aufgabe Unternehmen primär erfüllen. Sollen Unternehmen unsere Bedürfnisse stillen oder sind sie nur dazu da um Gewinne zu machen? Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.01.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich […]

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Heute ausgehen von den Rabattschlachten, mit welchen Unternehmen uns zum Kaufen animieren wollen auch Gedanken dazu, welche Aufgabe Unternehmen primär erfüllen. Sollen Unternehmen unsere Bedürfnisse stillen oder sind sie nur dazu da um Gewinne zu machen?

Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.01.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen gleich noch zu einem zweiten Video heute. In der Mem-Tagebuch Reihe. Es gibt noch da sogar Überschneidungen zum ersten Video. Weil es letztlich darum geht: Wofür sind Unternehmen eigentlich da? Das Thema ist Preise und Rabatte. Insbesondere Rabattschlachten. Ich weiß gar nicht ob der Winterschlussverkauf schon wieder formal begonnen hat. Weil rechtlich gibt es ja da keine Einschränkung mehr. Die Rabattgesetze wurden abgeschafft, das heißt die Geschäfte können jederzeit mit beliebigen Rabatten Kunden in ihre Geschäfte ziehen. Mir geht es dabei um einen anderen Punkt. Und Anlass ist zum Beispiel für mich der Wintersale bei Steam.

Weil ich spiele immer noch sehr gerne. Und letztlich ist für mich da immer wieder die Frage, auch so ein bisschen so hin- und hergerissen sein, zwischen günstig Spiele ergattern, aber auf der anderen Seite auch zu sagen: Hm, wenn ich ein Spiel für ein oder zwei Euro – oder sogar noch deutlich weniger, weil im Steamsale kann man auch Spiele schon kaufen, die nur wenige Cents kosten – ist die Frage, welchen Sinn macht es eigentlich überhaupt noch, dass diese Spiele etwas kosten. Weil letztlich kann der Entwickler daran nichts mehr verdienen. Und ich hatte auch mal was gelesen, inwieweit die Entwickler letztlich auch nicht vollkommen frei sind, in der Entscheidung, ob sie bei solchen Steamsales mitmachen oder nicht.

Das ist ein anderes Thema, darüber habe ich mich jetzt nicht weiter eingelesen. Grundsätzlich geht es mir einfach darum: Was macht es im Endeffekt, wenn wir Dinge zu Rabatten angeboten bekommen. Wie soll letztlich noch eine Wertschätzung über den Preis stattfinden, wenn bei den Computerspielen letztlich Rabatte bis zu irgendwie 90% oder sowas durchaus zu erwarten sind. Andererseits gibt es diese Rabatte tatsächlich auch im Winterschlussverkauf, wo locker mal 50%, 60% oder 75% Rabatt sicherlich gewährt werden. Und da ist doch die Frage: An was gewöhnt man die Konsumenten, wenn man ihnen letztlich, auch gerade in der Mode, zweimal im Jahr signalisiert:

Hier diese Waren, wenn Du die vor zwei oder drei Monaten gekauft hast, bist Du ein ziemlicher Trottel. Weil jetzt kriegst sie gerade Mal noch für ein Viertel des Preises. Das bedeutet doch umgekehrt auch, dass halt verdammt viel Luft in den Preisen ist. Ich würde es zumindest wünschen, dass letztlich nicht nur ein Produkt selber von Qualität und Lebenszyklus her eine längere Zeit hält. Sondern dass auch das was ich dafür bezahlt habe, es noch irgendwie sichtbar ist: Okay. Dieses Produkt hat auch noch diesen Wert. Also auch vielleicht noch ein halbes Jahr später. Das macht es im Endeffekt, also für mich zumindest, immer schwieriger zu überlegen, bin ich tatsächlich bereit das Geld dafür zu bezahlen, wenn ich genau weiß.

Ich bin immer sehr erstaunt, wenn es tatsächlich Menschen gibt, die zum Beispiel das bei Smartphones oder halt ganz neu rausgekommenen Tablets usw. oder anderen Produkten im IT Bereich tatsächlich mitmachen und noch bereit sind Preise zu zahlen wo man genau weiß, in drei Monaten kann man es für die Hälfte kaufen oder noch stärkerer Preisverfall dort in diesem Bereich. Zurück zu dem Steamsale. Dort letztlich die Frage: Wenn man überhaupt noch Vollpreisspiele kaufen will.

Ich hab es früher tatsächlich – also ist jetzt wahrscheinlich auch schon 15 Jahre her – wo ich meine letzten Vollpreistitel für ja 50, 60 Mark. Also 60 Mark haben damals glaube ich noch gar keine Spiele gekostet, aber vielleicht 50 Mark mal. Inzwischen sind wir ja bei 50, 60 Euro. Die ja durchaus so ein Vollpreistitel versuchen kann reinzubekommen. Natürlich haben sich die Kosten usw. auch stark verändert. Also die Kostenstrukturen sind deutlich andere geworden. Das ist mir auch durchaus klar. Nichtdestotrotz ist die Schwierigkeit letztlich auch, wie passt es in unsere Ökonomie heutzutage. Weil letztlich die Finanzierung immer zweimal stattfindet.

Einmal natürlich die Vorfinanzierung, das heißt man braucht zuerst irgendein Kapital, um etwas anzuschaffen, um etwas zu erschaffen. Und dann sind aber Maschinen usw. die angeschafft werden, werden dann abgeschrieben damit letztlich die nächste Maschine angeschafft werden kann. Und so ist es bei Computerspielen letztlich auch, das heißt es wird vorinvestiert, das heißt Entwickler werden zwei oder drei Jahre bezahlt, die alle an diesem Produkt mitwirken. Und das Produkt muss dann so viel einbringen, dass es zumindest die Kosten deckt. Und natürlich die nächsten zwei bis drei Jahre abdeckt. Ich muss sagen, das ist schon etwas sehr schwieriges letztlich, dass in diesem Rahmen auch Dinge produziert werden, die sich eben nicht in dieser Masse absetzen lassen.

Und da sind wir letztlich auch wieder bei meinem Lieblingsthema natürlich, das Thema Erwerbsarbeit und die Frage ist: geht es bei der Arbeit um Erfüllung oder geht es nur bei der Arbeit letztlich um Versorgung mit dem notwendigen Kleingeld, damit man sein Lebensunterhalt fristen kann. Also ich wünsche zumindest jedem, dass es zumindest etwas von beidem hat. Also das nicht allein im Vordergrund steht, dass die Miete bezahlt werden muss, dass die Lebensmittel gekauft werden können. Sondern das zumindest irgendwo immer noch auch die Berufung im Beruf erlebt werden kann. Ich würde es zumindest gern jedem wünschen.

Für mich selber ist es ja deswegen auch so, dass ich momentan ausgestiegen bin und mich genau versuche eben mit meinem Thema der Komplementärwährung in einen Bereich zu begeben wo ich sagen kann: Das empfinde ich als Berufung. Das macht mir einfach unglaublich viel Spaß dort Dinge zu bewegen, mit Menschen zu diskutieren, mich auszutauschen. Und letztlich auch auf dem Weg unsere Gesellschaft ein Stück zu verändern. Und ich sehe schon, ich komm relativ weit weg von dem Preisthema. Letztlich geht es darum, um Werte, um Wertschätzung. Und es fällt mir zunehmend schwerer zu sagen, ein Produkt ist das wert was sozusagen als Preis neben ihm steht.

Im Moment ist es so, dass ich sozusagen von meinen Ersparnissen lebe, um diese Komplementärwährungsgeschichte aufzubauen und dort Unterstützer zu finden. Wenn sozusagen kein Geld mehr nachkommt, bekommt jeder Euro, jede einzelne Einheit nochmal einen anderen Stellenwert. Als wenn ich weiß: Okay. Ich gebe irgendwie vielleicht 10% oder 20% oder 50% meiner Einkünfte im Monat aus. Ich weiß für viele mag es noch mehr sein. Aber als Freiberufler waren das damals durchaus Quoten, in denen ich irgendwo unterwegs war und zum Beispiel in der Schweiz gearbeitet habe.

Da was es durchaus so, dass ich 10% an Lebensunterhalt ausgeben musste und den Rest auf die Seite legen konnte. Und das ermöglicht mir eben jetzt diese Auszeit. In dieser Form mit Euch zu sprechen, über Themen anzuregen nachzudenken. Unsere ganze Welt oder vor allen Dingen unsere Gesellschaft und ihre ökonomischen und gesellschaftlichen Regeln infrage zu stellen. Und zu sagen, die Preise die dort drauf stehen, ist es das wirklich was wert, was da drin ist? Ihr seht schon, dass Preisthema interessiert mich sehr viel mehr als nur den reinen Warenaspekten.

Und bevor ich jetzt zu sehr in einen langen, thematischen, philosophische Abhandlung darüber gerate, kürze ich das Ganze ein bisschen ab und sag einfach nochmal: Überlegt Euch mal was es mit Euch macht, wenn Ihr genau wisst, dass ein Produkt in zwei, drei Monaten vielleicht mit 50% Rabatt verkauft wird. Seid Ihr dann noch bereit das ganze Ding jetzt schon zu kaufen? Oder wartet Ihr auch lieber ab? Und überlegt Euch ob Ihr das Geld, was letztlich Eure geronnene Lebenszeit darstellt, in irgendeiner Form dafür ausgebt. Oder dafür wirklich jetzt ausgeben wollt.

Weil schließlich ist das ja sozusagen der große Knackpunkt, den die EZB – um noch einen anderen Aspekt in Spiel zu bringen – die ganze Zeit versucht und bemüht, das Ihr ja nicht Euern Konsum aufschiebt. Sondern dass Ihr unbedingt so schnell wie möglich kaufen wollen sollt. Aber eigentlich sollt Ihr ja nur kaufen. Letztlich der Einzelhandel und auch das Internet, mit seinen vielen Rabatten und unterschiedlichen Preisangeboten für letztlich die gleichen Produkte. Eigentlich genau das infrage stellt. Das heißt wie viel ist ein Produkt tatsächlich wert. Und was ist es wert im Vergleich zu dem Preis der dort dran steht. Ich denke, dass da irgendwo einige Punkte drin stecken, wenn man sich anschaut warum diese Preise so unterschiedlich sind.

Dass man dann auch zu den Unternehmen zurückkommt und sich überlegen kann, natürlich ein Unternehmen will auch Gewinne machen, aber ist es seine primäre Aufgabe Gewinne zu machen? Das heißt: Was ist die primäre Aufgabe eines Unternehmen? Ist es Menschen zu beschäftigen, Menschen zu versorgen. Gute Produkte zu entwickeln. Oder ist die primäre Aufgabe eben tatsächlich – aus meiner Sicht dann leider nur – Gewinne zu machen. Weil nur für Gewinne diesen ganzen Aufwand, ist das nicht ein bisschen wenig? Letztlich ich als Mensch, mir geht es darum – also mir persönlich zumindest – meine Bedürfnisse zufrieden zu stellen. Auf die eine oder andere Weise.

In Kooperation und möglichst in freiwilliger Verbindung mit anderen Menschen. Und da ist dann die Frage: passen Unternehmen wirklich in diese Struktur. Also passen letztlich Unternehmen, so wie sie heute zu einem Großteil – ich möchte da vielleicht noch ein bisschen differenzieren, es geht hierbei nicht um Unternehmen sondern wahrscheinlich eher um Konzerne. Das heißt je größer und anonymer ein solches System letztlich funktioniert, desto weniger hat diese Struktur eine Erdung in der menschlichen Gesellschaft. Obwohl deutlich mehr Menschen dort arbeiten, ist sozusagen die Identität mit den Menschen deutlich geringer.

Das gibt es auch einen Film der dass, glaube ich, ein bisschen aufgreift, Corporations glaub ich heißt er. Da werden Unternehmen damit verglichen mit den Bewertungskriterien für einen Psychopathen. Der Hauptaspekt aus meiner Sicht ist, dass aufgrund der Strukturen die sich in einem Unternehmen herausbilden können, also nicht müssen sondern können und aufgrund der Größe dann eine gewisse Anonymität entsteht. Und aufgrund dieser Anonymität entsteht dann wiederum Verantwortungslosigkeit. Weil jeder meint nur im Namen von anderen zu handeln und für seine Einzelhandlungen nicht mehr verantwortlich ist. Aus dieser Anonymität heraus und der damit verbunden Verantwortungslosigkeit, passieren halt dann auch viele Dinge, die wir als verantwortliche Person, wahrscheinlich nie so entscheiden würden. Die wir uns aber als so ein Baustein in diesen Strukturen, nicht ausreichend reflektieren, nicht ausreichend Gedanken machen. Oder halt einfach auch keine Identität oder Identifikation mehr mit den Aufgaben dort haben. Ihr seht schon, weit weg von den Preisen aber letztlich hin zu dem Kern, zu der eigentlichen Frage: Was ist es wert, ein bestimmtes Produkt? Mit dieser Frage lasse ich Euch letztlich wieder zurück. Bis zum nächsten Video. Viel Spaß beim Reflektieren, warum es sinnvoll ist ein bestimmtes Produkt zu kaufen. Oder es vielleicht sinnvoller ist es nicht zu kaufen oder später zu kaufen. Auf ein nächstes Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #012: Urheberrecht (2016) https://martinfinger.de/mtb-012-urheberrecht-2016/ Tue, 12 Jan 2016 11:00:00 +0000 Nach über einem Jahr Bücherecke ein paar Gedanken zum Urheberrecht und ob es uns wirklich mehr Kultur und Fortschritt ermöglicht als es zugleich verhindert. Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.01.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine […]

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Nach über einem Jahr Bücherecke ein paar Gedanken zum Urheberrecht und ob es uns wirklich mehr Kultur und Fortschritt ermöglicht als es zugleich verhindert.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.01.2016 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einer neuen Folge des Mem-Tagebuchs. Heute treiben mich gleich zwei Folgen um. Und das Thema der ersten Folge ist Urheberrecht. Jetzt nicht weil ich einfach mal ein bisschen darüber schimpfen will, warum mich das Ganze stört usw. sondern es ist sozusagen auch ein bisschen das Fazit von einem Jahr Bücherecke. Ich hab letztlich vor einem Jahr angefangen meine Idee umzusetzen, dass ich gerne einige Bücher die mich interessieren, die mir grundsätzlich zum Thema Geld oder andere Gesellschaftsordnung. Oder halt bestimmte Theorien, um Dinge plausibler zu erklären als es vielleicht die Ökonomie heute kann oder tut.

Auch ins Internet zu veröffentlichen. Einem anderen Zielpublikum per Videolesung zugänglich zu machen. Und mich einfach mit dem Thema auch noch mal insoweit auseinanderzusetzen. Die Bücher ein bisschen Einzudampfen sozusagen die Essenz versuchen daraus zu extrahieren. Nach einem Jahr bin ich vielleicht auch ein bisschen ernüchtert, was das Thema angeht. Nachdem das erste Buch, das Anarchiebuch von Horst Stowasser, ich da eigentlich einen ziemlich breiten Rahmen bekommen hab, nach so zwei, drei Mails hin und her, mit dem Verlag damals, war das Okay. Keine weitere große Beschränkung, keine weitere Nachfrage.

Einfach zu sagen bekommen: Okay, wir sind einverstanden. Ich kann das Video aufnehmen und hoffen, dass es sozusagen beidseitig nutzt. Ich hab vorhin gerade noch mal angeschaut, also das Video hat jetzt nach einem Jahr knapp 600 Views. Zumindest die dort gezählt sind. Mir ging es ja eh nicht darum, wie viele das jetzt tatsächlich anschauen, sondern einfach das Thema Anarchie selber auch mit Informationen zu unterfüttern. Das ist vielleicht so ein einfacher Einstiegt als jemand der sich tatsächlich dieses Buch direkt holt. Auf der anderen Seite: ich hatte natürlich noch einige andere Bücher, die sich mit bestimmten Themen die mich interessiert haben beschäftigt haben.

Und es ist schon erstaunlich wie unterschiedlich letztlich die Verlage dort reagiert haben. Das interessanteste war wahrscheinlich, wie auch das Ganze Urheberrecht oder die Seite der Verlage jeweils unterschiedlich verstanden wurde. Bei einem Buch war es letztlich so, da habe ich auf die Anfrage eine Aussage bekommen in der Form: sie sind ja aufgrund des Urheberrechts gezwungen zu verhindern, dass irgendwie dieses Buch anderweitig benutzt wird oder größere Stücke in anderer Form verbreitet werden, als über den Verlag oder über dieses Buch selber. Und da denke ich mir schon, wie missverstehen kann man denn das Urheberrecht überhaupt.

Unterstell ich mal, dass es zumindest tatsächlich in der Entstehungsgeschichte, die Absicht tatsächlich gab, die Autoren als solche zu schützen und ihnen Einnahmen zu ermöglichen und von ihrer Arbeit zu leben. Weil das ist ja zumindest immer noch das, was ich sozusagen auf der positiven Seite dem Urheberrecht zugutehalte und unterstelle, dass das die Intention war. Und es vielleicht nicht unbedingt das damit zu tun hat, was heute daraus gemacht wurde. Allerdings beginnt dann schon die erste Frage: Die Dauer, wie lange das letztlich geschützt ist, ist ja inzwischen, ich glaube auch in Deutschland, 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Und da frage ich mich: Okay. Wer soll denn da jetzt eigentlich geschützt werden?

Die Frage ist, wieso müssen jetzt auch die Angehörigen sozusagen noch in der Hinsicht alimentiert werden, wenn derjenige ein erfolgreicher Autor war, zu sagen: Okay, auch die können noch von seinen Tätigkeiten letztlich profitieren. Und letztlich ist die Systematik, in welcher Hinsicht, dass aus meiner Sicht, zumindest das Urheberrecht entwickelt hat, nicht unterschieden letztlich von dem Thema der Kapitaleinkünfte. Die ich aber jetzt hier in dem Video nicht weiter ausführen möchte. Von der Systematik ist es letztlich eine Alimentierung und was mir da wichtig ist zu überlegen: inwieweit denn tatsächlich diese Beschränkung der Weiterverwendung, die Frage ist auf welche Grundlage, mit welchen Überlegungen sollte das tatsächlich passieren.

Weil ich hab auch mal eine Dokumentation gesehen, da ging es eher so um Filme die gemacht wurden. Und auch selbst die Meisterwerke wie Star Wars, also die ersten Filme, die sozusagen einen neuen Bereich erschlossen haben oder 2001 – Odyssee im Weltraum, die in ihrer Form irgendwie Kult geworden sind oder zumindest einen Sonderstatus erreicht haben. Aber letztlich all diese Filme sind nie aus dem Nichts entstanden. Sie alle, wenn man das nachschaut, hatten ihre Vorläufer, ihre Vorform, ihre bestimmten Analogien, die sozusagen in anderen Filmen schon vorweggenommen worden sind.

Letztlich ist die Frage bei den Filmen, die auch ihre Vorläufer hatten: Warum jetzt dieser oder jene Film dann grundsätzlich geschützt ist? Weil die Idee oder das was sozusagen aus anderen Werken entnommen wird, dann auch nur bedingt geschützt ist oder gar nicht geschützt wird. Jemand der schon vorher einen ähnlichen Plot geschrieben hat, aber aufgrund seines Umfeldes oder aufgrund des Verlages in dem er veröffentlicht hat, letztlich nie bekannt geworden ist. Und dann jemand anderes, der vielleicht das Glück hatte, schon die einen oder anderen guten Verbindungen zu haben. Und dann den Durchbruch damit schafft. Die Frage ist auch so aus dem wissenschaftlichen Bereich.

Es ist immer die Aussage: Wir stehen auf den Schultern von Riesen. Unsere Kultur ist schon Jahrtausende alt. Und hat so viele Dinge entwickelt, hält Dinge für uns bereit, die wir letztlich nutzen können und darauf zurückgreifen. Und jetzt haben wir plötzlich in der Gegenwart so diesen Cut, das heißt es ist erst das Verfügbar, was 70 Jahre nachdem der Schaffer dieses Werkes gestorben ist. In USA ist das Ganze ja noch ein bisschen schwieriger, weil das sozusagen dann an Unternehmen verkauft wird. Im Gegensatz zu Deutschland, wo das Urheberrecht nicht von der Person wirklich gelöst werden kann, sondern nur Nutzungsrechte eingeräumt werden können. Ist es in USA: das kann komplett an Firmen übertragen werden.

Wobei dort dieses Lebensalter an der Ursprungsperson trotzdem noch irgendwie gekoppelt ist. Wer weiß ob das bleibt. Für mich ist das ein riesen Kritikpunkt, zu sagen: Was kommt da für ein Stopp, oder was ist im Endeffekt schon für ein Stopp entstanden, gegenüber der vielfältigen Möglichkeiten im Internet. Ich weiß nicht ob das zur Internetblase damals: Mix, Rip and Burn. Auch so ein bisschen diese Content-Politik, zu sagen: hey, da finde ich irgendwas im Internet, mit dem fange ich irgendwas an, mach da was Neues draus. Mix das irgendwie zusammen und gebe dem eventuell neuen Kontext, einen neuen Rahmen, neue Informationen.

Oder ich verkürze einfach was auf interessante Meme, die sich dann vielleicht stärker verbreiten als der eigentliche Inhalt. Aber all diese Dinge sind aus meiner Sicht eben, durch das Urheberrecht insbesondere, so wie es heute fungiert, wie es heute genutzt werden kann, beschränkt. Was ich persönlich sehr schade finde. Um auf die Bücher zurück zu kommen. Der Anstoß warum mich das Thema einfach noch mal interessiert und ich als Resümee die Ernüchterung nach 12 Monaten und verschiedenen Mailaustausch mit einzelnen Verlagen. Manche muss ich sagen, okay, die waren ganz fair, die waren ehrlich, die haben gesagt, sie betrachten so ein Video halt als Konkurrenz, weil sie das Buch noch als Audio-Book letztendlich vertreiben wollen.

Das heißt da ist das Format dann doch zu ähnlich, als wenn ich da größere Teile vorlesen würde. Haben grundsätzlich aber gesagt, dass ich natürlich das Thema als solches besprechen würde. Also als Werbung gerne gesehen, aber wehe es wird der Umsatz dabei letztlich gefährdet. Das soll natürlich nicht stattfinden. Und darüber hinaus, gilt das Ganze natürlich genauso für Markenrechte, also Markenschutz und Patentrecht. Das klassische Argument, wo immer gesagt wird, ohne Patentrecht würden keine Medikamente entwickelt werden usw.

Wenn das die einzige Grundlage ist, dass Medikamente entwickelt werden, dann sollten wir auf die Medikamente vielleicht auch besser verzichten, weil das was sozusagen nur wenigen Menschen hilft und am Ende doch keinen Gewinn erwarten lässt, wird ja eh nicht entwickelt. Also ist es aus meiner Sicht nicht wirklich das klare Argument zu sagen: Der Patentschutz würde uns die besseren Medikamente verschaffen. Es gibt ja auch einzelne Untersuchungen hier, dass letztlich das Patentrecht nur in der Hinsicht genutzt wird, neue Medikamente, teilweise nicht mal unbedingt mit neuen Wirkstoffen, auf den Markt zu bringen, weil ältere auslaufen. Damit man wieder letztlich diese Schutzfristen nutzen kann. Aus freiheitlicher Sicht halte ich letztlich von diesen ganzen Elementen gar nichts.

Die das was jeder Mensch, sei es Erfinder, sei es Autor, sei es sonst irgendein Kreativer. Er basiert, aus meiner Sicht, auf einer Kultur, auf einem Wissen, auf Informationen die teilweise Jahrhunderte und Jahrtausende alt sind. Und wenn er diese letztlich nicht so kostenfrei nutzen könnte, könnte er auch seine Werke nicht in der Form schaffen oder verbreiten oder in irgendeiner Form nutzbar machen. Mein Plädoyer wäre auf jeden Fall dazu, weiter in die Richtung zu gehen, Thema: open Content. Das geht bis hin in die Technik. Das auch dort Dinge patentfrei geschaffen werden. Und natürlich niemand muss mit mir diskutieren, zu sagen: Diese Leute brauchen doch etwas, womit sie für ihren Lebensunterhalt sorgen können.

Das ist halt bei uns leider immer noch, das Primäre, das Erwerbseinkommen. Weil wir kaum andere Möglichkeiten haben, in unserer vernetzten und arbeitsteiligen Welt, gegenseitig zu versorgen. Ganz klar. Also ich möchte nicht zurück in eine Subsistenzwirtschaft, in der letztlich die Dinge die ich hier mache: Videos zu produzieren, Vorträge zu halten. Mich mit Ideen auseinanderzusetzen, Visionen zu entwickeln. Das könnte ich nicht, wenn ich mich tagtäglich letztlich um meine Ernährung sorgen müsste. Und zwar in der Form, dass ich auf irgendeinem Feld arbeite und keine Maschinen einsetzen könnte. Weil ich selber könnte nie alleine in meiner Lebenszeit überhaupt einen einzigen Trecker produzieren.

Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Vielleicht könnte ich es noch hinschaffen, irgendeinen Pflug zusammenzuzimmern. Vielleicht mit der Hilfe eines Schmiedes. Wir haben schon unglaubliche Vorteile durch die Arbeitsteilung. Und wir sollten darauf achten, dass letztlich diese Information und das Wissen auf dem dieses alles basiert auch weiterhin zugänglich bleibt. Und nicht in den Händen weniger Großkonzerne dann liegt, weil die, die Anwälte haben. Soweit das erste Thema, einfach mal darüber nachzudenken: das Urheberrecht, was soll es schützen, und ist es in der Hinsicht erfolgreich, dass es das was es schützen soll wirklich schützt.

Und wenn nicht, dann ist die Frage: Was wären die Alternativen? Also wie lässt sich es regeln, dass ein Autor, ein Content-Produzent, ein Erfinder, ein Entwickler angemessen – was auch immer das wieder heißt – entlohnt werden. Und ihren Lebensunterhalt fristen können, um diese Dinge zu tun. Ohne dass die negativen Effekte überwiegen. Andere Gruppen, sei es zum Beispiel in der Computerindustrie. Es ist ja zum Beispiel sehr spannend, was die Chiphersteller und Grafikkartenhersteller usw. wie sie sich dann gegenseitig ihre Patentschlachten und Rechtsanwälte auf den Hals hetzen.

Um die anderen daran zu hindern, dass Erkenntnisse genutzt werden. Solange sie nicht dafür auch weiter bezahlen. Einfach mal zum Nachdenken. Viel Spaß dabei. Tschüss.

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Aus der Zeit gefallen https://martinfinger.de/aus-der-zeit-gefallen/ Wed, 30 Dec 2015 04:35:00 +0000 Liebe Menschen dort draußen,oft passiert es, dass ich nicht weiß, welche Erwartungen und Vorstellungen andere Menschen haben. Vielleicht wissen sie es selbst nicht einmal. Mir sind dieses Jahr nur wenige Weihnachts- und Neujahrswünsche begegnet und Nein, sie fehlen mir nicht. Im Gegenteil. Beim Ersten dieser Wünsche war ich dieses Jahr so schockiert, dass ich diesen […]

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Liebe Menschen dort draußen,
oft passiert es, dass ich nicht weiß, welche Erwartungen und Vorstellungen andere Menschen haben. Vielleicht wissen sie es selbst nicht einmal.

Mir sind dieses Jahr nur wenige Weihnachts- und Neujahrswünsche begegnet und Nein, sie fehlen mir nicht. Im Gegenteil. Beim Ersten dieser Wünsche war ich dieses Jahr so schockiert, dass ich diesen überhaupt nicht aufgegriffen habe, soweit ich mich erinnern kann. Natürlich war ich nicht über den Wunsch schockiert, sondern darüber wie tief manche Veränderungen in mir gehen.

Meine Gedanken und Reflexionen dazu möchte ich gerne mit Euch teilen, weil ich gerne mit Euch in Verbindung bleiben möchte und ich das Bedürfnis habe Euch zu sagen, warum ich Euch trotzdem keine Weihnachts- oder Neujahreswünsche schreibe. (PS: Für Geburtstagswünsche gilt dieses ebenso.)

Zurück zum Grund des Schocks. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, in der ich Vollzeit einer Arbeit nachgegangen bin. Besonders die Jahre in denen ich meinen Urlaub nur wiederwillig genommen habe, weil die Arbeit Freude und das Verdienen des Lebensunterhalts eher eine schöne Begleiterscheinung gewesen ist. So hatte ich in mehreren Jahren in Dezember und Januar oft „zwangsweise“ vier Wochen freie Zeit. Generell erinnere ich mich daran, wie für mich die letzten Kalenderwochen des Jahres irgendwie aus der Zeit gefallen sind. Dabei war es natürlich ich, der aus seinem Alltagstrott gefallen ist und regelmäßig ein Motivationsproblem hatte in diesen zurückzukehren. Es hat immer wieder Wochen gedauert von einem zeitlosen Leben wieder im getakteten Leben Fuß zu fassen.

Nachdem ich über einen längeren Zeitraum inzwischen komplett aus diesem getakteten Leben bis auf weiteres ausgestiegen bin, kommen mir die Rituale rund um diese letzten Tage des Jahres immer symbolhafter vor. Diese Veränderung meiner Perspektive ist es die mich zunächst einmal fasziniert und mich reizt darüber zu reflektieren, warum Wünsche bezogen auf diese Tage in mir selbst vor allem Widerstand hervorrufen. Wie immer gibt es unterschiedlichste Antworten auf diese Frage und alle sind auf ihrer Weise wahr.

Am stärksten sind es wohl zwei Punkte, die diesen Widerstand in mir hervorrufen. Der eine ist, dass Misstrauen darüber ob die jeweiligen Wünsche einen Inhalt besitzen oder doch Floskeln sind. Für mich sind die Anlässe vollkommen Nichtig. Es fällt mir schwer eine Analogie zu finden, die meinen Abstand zu diesen Ritualen zum Ausdruck bringen kann. Insbesondere aus einem Gedanken heraus: Ich versuche weiterhin das Grundgefühl von Agape in mir zu kultivieren. In diesem Zusammenhang erscheint es mir widersprüchlich eine besondere Verbundenheit, um die Weihnachtszeit herum zu propagieren, weil es gleichzeitig ein weniger an Verbundenheit für die anderen Tage geradezu notwendig macht.

Der zweite Punkt bezieht sich auf die willkürliche Heraushebung eines Tages im Jahr, um es für beendet zu erklären. Nicht einmal auf der Erde wird dieser Tag einhellig begangen. Die ganzen Geschichten welche sich um diese Zeit drehen wirkt aus einer rationalen Perspektive so absurd, dass es mich sofort zum Schmunzeln bringt. Natürlich sind die Geschichten schön und wir Menschen narrative Wesen. Eine gute Geschichte bleibt aber trotzdem nur eine Geschichte.

So treiben mich viele Gedanken um und ich komme mir bei solchen Gelegenheiten vor, als wäre ich nicht nur aus der Zeit, sondern auch aus der Realität gefallen, die so vielen Menschen so wirklich vorkommt. Aus der Betrachtung heraus, dass das Leben immer nur im Jetzt stattfindet und Gestern und Morgen nur Konstruktionen in unserem Geist sind, wirken diese Dinge geradezu erschreckend einfältig.

Was mich zu dem Teil bringt, welcher mir hierbei Sorge bereitet und der Grund ist, warum ich diese Gedanken in dieser Form in die Welt gebe: Gibt es Menschen dort draußen, für die meine Gedanken irgendeinen Sinn ergeben?

Mir ist es wichtig mit Menschen zu kommunizieren und mich auch über die Sprache mit ihnen verbinden zu können. Was passiert aber, wenn wir zwar die gleichen Worte verwenden, aber aufgrund meines Erlebens diese Worte für mich inzwischen mit einer anderen Bedeutung aufgeladen sind. Natürlich habe ich noch eine Vorstellung davon, was jemand meint, wenn er vom Geist der Weihnacht spricht. Aber diese Vorstellung wird immer vager. Wenn ich das Feuerwerk für Silvester in den Geschäften sehe, kommt mir dieses genauso ritualisiert vor wie die Oblaten als Hostie in katholischen Kirchen.

Daher wünsche ich Euch allen ein schönes (Er-)Leben im Hier und Jetzt unabhängig von Ort und Zeit. Möget Ihr alle das Erfahren und Erleben was Ihr sucht und das Bekommen wonach Euer Geist, Eure Seele und Euer Körper bedürfen.

Liebe Grüße
Martin Finger

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Mem-Tagebuch #011: Freier Wille (2015) https://martinfinger.de/mtb-011-freier-wille-2015/ Fri, 11 Dec 2015 11:00:00 +0000 Dieses Mal ein paar Gedanken zum freien Willen und ob das Experiment aus der Gehirnforschung, welches herausgefunden hat, dass in unserem Gehirn eine Entscheidung bereits ersichtlich ist, bevor es uns bewusst wird, dass wir uns entschieden haben, so zu verstehen ist, dass der freie Wille nicht existieren würde. Die ursprüngliche Aufnahme vom 11.12.2015 findet Ihr […]

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Dieses Mal ein paar Gedanken zum freien Willen und ob das Experiment aus der Gehirnforschung, welches herausgefunden hat, dass in unserem Gehirn eine Entscheidung bereits ersichtlich ist, bevor es uns bewusst wird, dass wir uns entschieden haben, so zu verstehen ist, dass der freie Wille nicht existieren würde.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 11.12.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen heute zu einem weiteren Mem-Video. Wahrscheinlich das letzte für 2015. Das Thema um das es mir heute geht, ist der freie Wille. Anlass ist, natürlich wie so häufig, etwas was ich wieder erlebt habe. Das eine sind Gespräche mit Freunden und das andere auch, weswegen ich das Video, nicht als Antwort, aber vielleicht einfach als Kommentar, als Anregung sozusagen mit betrachte zu dem Video was Oliver Heuler („Der freie Wille — oder: Meine psychische Störung“, 35 Minuten), glaub jetzt schon vor bald über einem Jahr gemacht hat zum Thema, dass für ihn im Endeffekt der freie Wille eben nicht mehr existiert bzw. er an diesem Konzept nicht weiter festhält.

Und es für ihn eine Erleichterung darstellt. Das kann jeder machen wie er will. Für mich persönlich, ich möchte halt am Konzept des freien Willens durchaus festhalten. Und möchte daher zunächst mal das Experiment auf das er sich dort berufen hat, indem es darum ging, dass Menschen im Labor untersucht wurden, beobachtet wurden, während die Aufgabe bestand irgendwann zu entscheiden, eine Handbewegung, irgendetwas auszuführen und später zu sagen: Wann sind sie denn der Ansicht, dass sie sich bewusst entschieden haben diese Bewegung durchzuführen?

Und da ist letztlich das Spannende, weswegen ich sozusagen das Experiment als solches sage, dass unterliegt einem systematischen Fehler. Also zumindest in der Interpretation, dass dieses Experiment belegen würde, dass der freie Wille nicht existiert. Weil hier Bewusstsein und freie Wille gleichgesetzt wird. Für mich ist im Endeffekt das Bewusstsein ein ganz anderer Bereich in unserem Gehirn, in unserem Selbst, in unserer Ich-Konstruktion, als der freie Wille, der eine ganz andere Schnittmenge von den Gehirnstrukturen besitzt. Natürlich gibt es hier Überschneidungen in diesen beiden Sphären, aber sie sind auf jeden Fall nicht Deckungsgleich.

Und allein der Gedanke, dass, nur weil die Menschen sich in der Zeit vertun, das heißt das ihr, letztlich auch wieder ihr Bewusstsein, weil sonst hätten sie das ja nicht äußern können wann sie meinen, dass ihre bewusste Entscheidung stattgefunden hat, sie darüber hinwegtäuscht, wann der Prozess als solches abgelaufen ist. Wann welche Mechanismen im Gehirn ablaufen, die für die Entscheidungsfindung, für die Ausführung der Bewegung usw. dann tatsächlich genutzt werden. Und das ist eben für mich einfach zu sagen, erstmal Zeit. Zeit ist ein mindestens ebenso großes Konstrukt oder halt ein Konzept, wie das Bewusstsein oder der freie Wille.

Deswegen ist es schon mal schwierig zu sagen: Was soll denn die Zeit eigentlich sein? Weil man ist eigentlich gar nicht in der Lage, dass objektiv so zu handhaben, das dieser Zeitpunkt, dass das irgendwie wirklich mit diesem Ablauf zusammen hängt. Sondern Zeit ist eben etwas was einfach im Gehirn konstruiert wird. Das diese Konstruktion letztlich nicht damit übereinstimmt, wann das Gehirn das tatsächlich macht, das ist einfach das unser Bewusstsein halt entsprechend beschränkt ist. In der Hinsicht, dass wir gar nicht in der Lage sind, alles im Sinne des Bewusstseins wahrzunehmen was in unserem Körper funktioniert, was in unserem Körper abläuft.

Das heißt aber doch nicht, dass im Umkehrschluss, nur weil ich mir nicht darüber im Klaren bin, wie die biologischen Abläufen im Einzelnen in mir stattfinden, dass ich deswegen auch automatisch keine letztlich höheren kognitiven Entscheidungen im Sinne von einer Wahl zwischen A und B in der Lage bin zu treffen. Die tatsächlich eine Willensentscheidung letztlich beinhaltet, als nur ein reiner Automat, der sozusagen nur auf Einflüsse, Reize reagiert. Und eben nicht in der Lage ist sich anzupassen, zu verändern, über genetische Mutationen hinweg, auch eben im lebenden Objekt noch Veränderungen wieder herbeizuführen.

Und da ist für mich letztlich die Schnittstelle zu sagen, das Bewusstsein ist für uns: ich hab mich zum Beispiel sehr stark mit NLP (Neuro-Linguistischer Programmierung) beschäftigt. Und da ist der Gedanke, dass Bewusstsein ist so letztlich die Schnittstelle, die wir aktiv steuern können, über die wir aktiv Programmierung in uns selbst vornehmen können. Aber diese Programmierungen werden sozusagen Bestandteil unseres Ichs. Und damit auch unserer Willensentscheidungsfindung. Mein Beispiel dafür ist: jeder der schon mal Autofahren gelernt hat, wird wissen, im Vergleich zur ersten Autofahrstunde und wie man im Endeffekt Auto fährt nachdem man, meinetwegen zwei, drei Jahre Autopraxis hinter sich hat.

Und wie überfordert man in der ersten Stunde war. Diese ganzen Verkehrsregeln beachten, schalten, Gas geben, lenken, blinken und dann noch eventuell auch keinen überfahren. Wie anstrengend das gewesen ist. Aber letztlich über die Schnittstelle unseres Bewusstseins, haben wir automatisierte Skripte geschaffen, die uns, wenn wir heute versuchen mal daran zu denken: Okay, mit welchem Fuß steige ich jetzt gerade auf die Bremse, Kupplung, Gaspedal. Wann setze ich welchen Fuß wohin ein. Gerät das Ganze sofort ins Stocken.

Weil plötzlich das vorher geschriebene Automatisierungsskript, was im Unterbewusstsein, aber trotzdem unter dem Aspekt des freien Willens. Weil ich habe es ja dort an der Stelle es tatsächlich freiwillig irgendwo reingeschoben, zu sagen: weil ich wollte das lernen. Ich wollte eben Autofahren lernen, damit habe ich sozusagen einen Baustein geliefert, der jetzt aber in einem anderen Bereich abgearbeitet wird. Genauso wie wir auf dem Rechner nicht ständig mit allen Programmen die dort laufen konfrontiert sind. Ist es im Endeffekt in unserem Gehirn genauso. Eben für mich ist das Bewusstsein als solches nur die Schnittstelle zu unserem Gehirn. Insbesondere dann zu diesen verschiedenen Konzepten die wir selber über uns haben. Vor wegen die Abgegrenztheit des Körpers.

Das eigene Ich als Persönlichkeit. Und eben auch als Konzept die Frage des eigenen Willen, also bzw. des freien Willens vor allen Dingen. Wovon ist im Endeffekt die Entscheidungsfindung abhängig. Und was natürlich sehr, sehr spannend ist in dieser ganzen Gehirnforschung, diese Rahmenbedingungen die Entscheidungen beeinflussen tatsächlich weiter zu untersuchen und zu hinterfragen. Weil das ist letztlich für mich der Baustein zu sagen, da wo die Entscheidungsfindung auf Autopilot läuft. Oder halt auf Einflüssen beruht die wir nicht kennen. Ist es doch gut wenn wir uns damit auseinandersetzen, weil wir haben ein Bewusstsein.

Selbst Dinge wo wir nicht wissen, dass wir uns eigentlich auf unbewussten Grundlagen entscheiden. Und die uns vielleicht die Entscheidung verfälschen. Das wir dort bewusster werden und sagen: Ah, Moment, das ist hier eine Rahmenbedingung, in der kann ich mich nicht frei entscheiden. Da werde ich unbewusst beeinflusst. Ich kann diese Beeinflussung eventuell nicht im Moment aufheben. Aber ich kann verhindern, dass ich die Entscheidung jetzt treffe. Ich kann mich aus der Situation herausziehen. Was meine ich damit: das eine ist, dass wir letztlich keine fundamentalen Entscheidungen treffen, wenn wir emotional aufgewühlt sind, wenn wir wütend sind usw. das wir da nicht einfach lospoltern und sagen, vergiss es. Ich schmeiß Dich raus. Oder: Lass mich in Ruhe.

Will ich nichts mit zu tun haben. Weil wir es nicht neutral anschauen können. Auf der anderen Seite sind aber auch die gegenteiligen Situationen genauso gefährlich. Nach dem Motto, der sympathische Berater der uns irgendetwas aufschwatzen will. Und mit so schönen objektiven Argumenten kommt. Wo wir nicht in der Lage sind an der Stelle diese Objektivität tatsächlich in Zweifel zu ziehen. Wie gesagt, sind das alles nur einzelne Bausteine. Zu sagen: es ist besser zu wissen, wo die Grenzen unseres Bewusstseins sind. Aber deswegen nicht gleich den freien Willen wegzuwerfen. Weil viele von diesen Dingen, die Oliver Heuler da angesprochen hat, die es ihm erleichtern dann eben zum Beispiel mit Scham und Schuld und Verantwortlichkeiten umzugehen.

Ich denke das geht auch mit dem Konzept der Freiheit, das ich sagen kann ich bin frei. Es gibt keine Notwendigkeit Scham oder Schuld zu fühlen. Die Frage ist, inwieweit ich eben nicht nur ein Automat bin, der letztlich von äußeren Einflüssen angestoßen werde oder zufällige Ereignisse. Sondern ob ich selber auch jemand bin, der Ursachen setzen kann. Das heißt, dass ich für meine eigenen Entscheidungen sehr wohl in der Lage bin zu sagen: Diese Ursache setze ich jetzt, indem ich zum Beispiel ein Buch lese, mit einem bestimmten Thema. Dann bin ich informierter darüber. Und dann kann ich eine ganz andere Entscheidung treffen.

Als wenn ich nicht vorher mich entschieden hätte diese Buch zu lesen. Und mich weiter darüber zu informieren. Das also für mich wäre der freie Wille letztlich erst dann zumindest in Frage stellbar, wenn dieses Experiment nicht so funktioniert von wegen: Okay. Wir kucken jetzt mal, wann Dein Gehirn sozusagen so weit ist. Wir kucken mal wann Du meinst so weit gewesen zu sein. Weil, wie gesagt, Zeit ist für mich eine viel größere Illusion. Und das wir letztlich in diesem Rahmen unglaublich gut getäuscht werden können. Weil wir überhaupt kein vernünftiges oder kein objektivierbares Zeitempfinden haben, wenn wir nicht gerade auf eine Uhr kucken.

Weil Minuten und Stunden sind für uns vom Gefühl her, je nachdem in welchem Zustand wir uns befinden, sozusagen gleichwertig. Deswegen ist auch dieses mit diesem wandernden Punkt, der dargestellten Uhr, ich denke an dem Zeitpunkt hat das stattgefunden. Ist für mich letztlich nicht die Aussagekraft, dass das eben mit dem freien Willen verbunden ist. Das Experiment um das es geht, ist letztlich wenn die Geisteswissenschaft sagen kann: Ich stehe vor zwei Türen A und B. Ich habe mich jetzt entschieden, durch Tür A zu gehen. Jetzt sagt mir die Geisteswissenschaft oder halt beobachtende Hirnforschung, sagt jetzt: Okay. Ich habe gesehen Du hast Dich jetzt entschieden durch Tür A zu gehen. Das kannst Du jetzt nicht mehr verhindern, Du wirst diesem Impuls folgen müssen.

Und das glaube ich einfach, dass das nicht stattfindet. Weil erst dann wäre sozusagen mein freier Wille ausgehebelt. Im Determinismus zu sagen, die Geisteswissenschaft kann jetzt voraussagen, nachdem sie mir gesagt hat, für welche Tür ich mich entschieden habe, dass ich auch durch diese Tür gehen werde. Und zwar ohne, dass sie mich an der Stelle weiter beobachtet. Sondern das sie eben, mit dieses Ergebnis sozusagen vorwegnimmt. Und dann hundertprozentig richtig liegt, ob ich jetzt tatsächlich durch Tür A gehen werde. Oder von mir aus auch, dass sie sagt das ich dann durch Tür B gehen werde. Weil sie kann ja sozusagen spekulativ dann zumindest feststellen ob ich selber eher widerspreche oder ob ich diesen Aussagen folgen würde.

Das eben nicht nur auf rein statistischen Annahmen usw. Weil natürlich ist die Frage: Ist unser Gehirn dann so stark durchsichtig. Allein Strukturen, Verschaltungen, da ist das eine stärker, das andere schwächer ausgeprägt, um dann tatsächlich sagen zu können: Okay, der Typ geht, nachdem wir ihm gesagt haben, er geht durch Tür A, wird durch Tür A gehen. Und der Typ wird, nachdem wir es ihm gesagt haben, durch Tür B gehen. Das wäre, dass die Geisteswissenschaft wirklich beweisen kann, dass der freie Wille in der Hinsicht eine Illusion ist, weil ich mich nicht mehr entscheiden kann.

Sondern weil zumindest meine Entscheidungsstrukturen deterministisch angelegt sind, in der Hirnstruktur wie sie dann ist. Und das ich darüber tatsächlich keine Änderung herbeiführen kann. Das heißt, auch wenn ich das Experiment nach einem oder zwei Monaten wiederhole und was auch immer ich dann getan habe, weiterhin auf diese Vorhersage ausgeliefert bin. Das glaube ich einfach nicht. Dazu halte ich unser Gehirn, trotz aller biologischen Grundlagen in der Genetik und unsere ganzen Umwelteinflüsse, doch für zu variabel, über die Schnittstelle des Bewusstseins, den eigenen Willen, die eigenen Handlungsmöglichkeiten, die eigenen Handlungsoptionen und Strategien, letztlich in die Hand zu nehmen, zu sagen:

Ich habe darauf einen aktiven Einfluss. Ich kann das machen. Natürlich alles nur im begrenzten Rahmen oder vielleicht nur im begrenzten Rahmen. Weil das ist ja auch immer die Frage, ob unsere Überlegung und Wissenschaft schon so weit ist zu sagen: Das können wir noch nicht erklären. So wie wir zwar Licht und Elektrik soweit heute Teilchen zuordnen können, in Sinne von Photonen und Elektronen. Ist die Sache bei der Gravitation noch nicht geklärt. Genauso wie auch der Magnetismus. Wir haben keine Erklärung wie diese Energien tatsächlich übertragen werden. Wir können sie nachweisen, wir können sie messen. Bei Gravitation sogar noch ein bisschen schwieriger.

Weil da ist auch der Nachweis in der Hinsicht schwierig, so wie wir gerade aktuell dabei sind zu kucken ob sowas wie Gravitationswellen gibt. Das sind Aspekte zu sagen, da ist noch viel Spielraum, da ist noch verdammt viel Luft auch zu verstehen, das Geist, das was ich sagen würde, wo unser freier Wille irgendwo mit reinspielt, eben über die Physis hinaus, dass da etwas ist, das da etwas passiert. Obs da jetzt sowas wie Schicksal oder so weit gibt, das sind nette philosophische Betrachtungen. Ich mag die Geschichte, dass es so etwas wie Schicksal gibt, nicht festgezurrt, aber zumindest Ideen davon. Das ist ein anderes Thema, worüber man auch noch lange, lange philosophieren kann.

Und letztlich ist eben immer wieder die Frage: Was verschafft mir mehr Freiheit im Leben, als Mem? Das heißt, dass alles sind nur Gedanken und Konstrukte, je nachdem welche ich benutze kann es sein, dass ich mich als freier Mensch erlebe oder als gefangener Mensch. Und da noch als Abschlussgedanken. Ich denke, dass wir uns vor allen dann als frei erleben, wenn letztlich unsere innere Freiheit kleiner ist, als unsere äußere Freiheit. Darüber könnt Ihr jetzt mal ein bisschen drüber nachdenken. Weil letztlich die ganze Forschung die heute im Bereich Psychologie gemacht wird. Was dann auf die Werbung zurück wirkt.

Aus meiner Sicht genau das sehr gefährdet. Das heißt, dass wir unfreier werden, weil wir nicht mehr wach genug sind. Weil wir dahin beeinflusst werden, dass unsere innere Freiheit soweit abnimmt, allein durch Konzepte mit denen wir begleitet werden. Sei es Demokratie, Menschenrechte usw., dass die letztlich dafür sorgen, dass unsere innere Freiheit so klein ist, dass man uns in der äußeren Freiheit so stark einschränken kann und wir es nicht mal merken. Also bzw. nicht mal dagegen aufbegehren, rebellieren. Eine Metallfessel am Bein wird jeder sofort merken. Aber im Endeffekt eine Fessel die nicht mehr sichtbar ist. Und die letztlich nur aufgrund des nicht mehr an die Grenzen stoßen des Individuums nicht mehr bemerkt wird. Das ist aus meiner Sicht noch eine ganz andere wiederum spannende und lange Diskussion. Habt Ihr etwas über den Jahreswechsel Euch auch ein bisschen damit auseinanderzusetzen. Und selbst zu überlegen wie Ihr das seht. Ob Ihr Euch den freien Willen wegen einer Sekunde Bewusstseinsirrtum nehmen lassen wollt. Oder ob Ihr sagt: Ja, ich kann besser damit leben wenn es den freien Willen nicht gibt. Und ich letztlich irgendwo ein Automat meiner Umwelt und meiner Gene bin. Das Ganze nur eine Illusion ist. Viel Spaß und bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #010: Meinungsfreiheit (2015) https://martinfinger.de/mtb-010-meinungsfreiheit-2015/ Wed, 21 Oct 2015 11:00:00 +0000 Dieses Mal ein paar Gedanken darüber, wie sich zwei Gruppen auf Meinungsfreiheit berufen und zugleich der jeweils anderen Gruppe diese Freiheit aberkennen wollen. Die ursprüngliche Aufnahme vom 21.10.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken […]

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Dieses Mal ein paar Gedanken darüber, wie sich zwei Gruppen auf Meinungsfreiheit berufen und zugleich der jeweils anderen Gruppe diese Freiheit aberkennen wollen.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 21.10.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommene zu einer neuen Folge des Mem Videos. Heute aus nahezu aktuellem Anlass geht es um das Thema Meinungsfreiheit. Mein persönlicher Anlass dazu ist: ich war vor etwa anderthalb Wochen hier auf einer Montagsdemo. Die wohl sowohl eine Demo von der Pegida stattgefunden hat, als auch eine entsprechende Gegendemo, gegen Pegida oder für multikulti oder für ein buntes Würzburg. Aber abgesehen davon, fand ich es erstmal sehr interessant mich persönliche davon zu überzeugen wie das Ganze eigentlich abläuft.

Bin vorher noch, bevor die Straßen abgesperrt wurden, durch den Bereich gelaufen in dem sozusagen die Pegida Demonstranten später dann, ich würd ja sagen „Eingesperrt wurden“, aber eigentlich sollte es eine freie Meinungsäußerung sein. Aber für mich hatte das Ganze trotzdem den Eindruck eines Einsperrens. Und in diesem Rahmen die Leute dann ihre Meinung kundtun dürfen. Auf jeden Fall war es interessant zu sehen, wie viel Polizei dort aufgeboten wurde. Und 20 Mannschaftswagen standen da auf dem Residenzplatz. Die Polizisten verteilt, überall Straßensperren. Beziehungsweise solche Sperrgitter womit dieser Demonstrationsweg abgesperrt worden ist. Ich habe mich ein bisschen umgeguckt, vorher.

Einige Stunden vorher hat eben diese Gegendemo stattgefunden. Und sind dann eben in Richtung auf dieses andere Demonstration zumarschiert. Irgendwann ist mir dann sozusagen der Schwarze Block, wie es so schön heißt, vorneweg mit ihren Parolen entgegen gekommen. Und das ist letztlich das, was das Thema bei mir die ganze Zeit schon so irgendwie antriggert oder halt in Frage stellt. Was ist das eigentlich für eine Meinungsfreiheit? Weil die Parole die dort letztlich von den Linken. Ich nehme mal diese Begriffe, weil die üblich sind, dort mit rein. Die Parole an der Stelle war: „Kein Recht auf Nazi‑Propaganda.“ Was ich, wenn ich mir diesen Satz ein bisschen genauer anschaue.

Eigentlich auch schon ziemlich absurd finde. Weil die Linken sind doch eigentlich irgendwie Sozilisten oder sozialistisch angehaucht. Und dann sagen sie, Nationalsozialisten dürfen aber ihre Meinung nicht äußern. Das heißt sie sagen eigentlich: „Sozialisten dürfen nichts sagen, was ihnen nicht in den Kram passt.“ Also irgendwie schon ziemlich absurd mit diesem angeblichen Links, Rechts. Wo auf beiden Seiten doch Sozialisten stehen. Aber auf der anderen Seite, was ich dann später zumindest von der Pegida gehört hab. Solche netten Parolen wie von wegen: „Merkel muss weg.“ Ist auch die Frage: Was soll denn da verschwinden? Als ob die Merkel wirklich sozusagen der einzige Anlass und Impetus ist, warum jetzt so, wie wir aktuell mit Flüchtlingen verfahren, verfahren wird.

Wenn eines was bei der Merkel vorhanden ist, ist es keine persönliche Meinung. Sondern sie schwimmt letztlich immer auf der Meinung der Menschen in diesem Land. Wenn die Menschen nun mal mehrheitlich meinen sie müssten die Welt retten, dann wird Merkel dort vorneweg laufen. Wenn die Menschen sagen, wir wollen die nicht mehr retten, wird Merkel die erste sein die die Grenzen dicht macht. Also das auf jeden Fall ganz sicher. Aber eben ich finde es halt sehr merkwürdig, dass sich im Endeffekt beide Seiten damit bekämpfen zu sagen, dass läuft auf der einen Seite unter Meinungsfreiheit. Sie wollen ihre Meinung äußern. Aber sie wollen nicht zulassen, dass die andere Seite diese Meinung ebenfalls äußert.

Und das ist doch einfach dieser Widerspruch auf den ich ganz gerne einfach mal deutlich machen möchte. Und nochmal abheben möchte zu sagen, wie absurd ist es denn auf der einen Seite auf dieses Recht: „Ich durfte meine Meinung äußern.“ Und es allen anderen abzuerkennen. Mir persönlich ist es da eigentlich viel lieber auf der einen Seite mit Voltaire zum Thema Toleranz zu sagen: Solange Du alle anderen tolerierst und ihre Meinung zulässt, sei Dir das Recht auch gestattet. Aber wenn Du es nicht gibst, kannst Du es auch nicht bekommen. Und von daher ist Toleranz im Endeffekt erst mal der Grundanker, mit dem ich mir zumindest wünsche, dass andere Menschen so einander begegnen.

Weil nur dann kann überhaupt Kontakt entstehen. Und man sich vielleicht auch wieder verbinden und treffen und die Sorgen und Ängste von anderen Menschen wahrzunehmen. An der Stelle, neben der Toleranz, ist für mich dann wieder Kant und nicht der kantische Imperativ alleine, sondern letztlich sein Vertrauen auf die Vernunft. Zu sagen, es ist doch vernünftig mit anderen Menschen zu reden, statt letztlich dann Gewalt anzuwenden. Weil die Polizisten die da dazwischen standen, die in diesen schwarzen Uniformen schon ziemlich martialisch aussahen. Immerhin haben sie die Helme abgelassen, so dass man zumindest sehen konnte, dass da Menschen drin stecken. Es ist schon sehr beeindruckend wie die dann die Demonstration begleitet haben.

So im langsamen Dauerlauf sozusagen dann mitgelaufen sind. Um dann jeweils die aktuellen Sperren noch mal manntechnisch zu verstärken. Und wie gesagt für mich ist das einzige Bild was dabei rüber kommt: Ich kann eine Meinung in dieser Form nur Äußern, indem ich letztlich eingesperrt werde, damit ich von anderen, die eigentlich auch das Recht auf Meinungsfreiheit irgendwie für sich beanspruchen anderen nicht gönnen wollen. Und für mich ist einfach wichtig zu sagen, wenn wir uns schon einander begegnen, halte ich es immer noch für sinnvoller Argumente auszutauschen. Und Argumente heißt nicht, wer die schlagkräftigeren Fäuste hat oder die lauteren Trillerpfeifen oder sonst irgendwelche Dinge.

Sondern letztlich tatsächlich intelligente Argumente, Gedanken, Worte miteinander zu reden. Weil das ist doch im Endeffekt das was Frieden und Freiheit sichert: miteinander zu reden, statt sich gegenseitig anzugreifen und einzusperren. Es ist absurd für die Meinungsfreiheit und für die Freiheit anderer einzustehen, wenn man gleichzeitig sagt: andere dürften, egal was für Gründe sie haben oder was für Ängste sie tragen. Diesen Menschen einfach dann zu sagen: „Nein. Eure Ängste gehören hier nicht her. Wir vertreten Euch nicht.“ Was ja auch noch dieses anmaßende Primat von Politikern wohl ist.

Die dann sagen, mit Leuten die im Endeffekt im Pegida Raum sich irgendwie aufhalten, die gehören hier nicht her. Die sind im Endeffekt keine Menschen. Letztendlich stellen sie sich damit auf die gleiche Seite, was sie den Pegida Leuten ja vorwerfen. Die diese gleiche Paroli gegenüber anscheinenden Flüchtlingen anbringt. Zu sagen, wir wollen die Flüchtlinge nicht hier haben und die, die Flüchtlinge hier haben wollen sagen, wir wollen die Menschen nicht hier haben, die was gegen die Flüchtlinge hier haben. Also es ist doch absurd. Das heißt beide stehen letztlich auf der gleichen Seite und bekämpfen sich mit den gleichen Argumentationen. Und merken nicht, dass im Endeffekt Freiheit und Meinungsfreiheit damit überhaupt nichts zu tun hat, sondern im Gegenteil. Das ist genau das wo Demokratie hinführt, zu sagen: hier herrschen nur die Meinungen, die im Endeffekt von anderen zugelassen werden. Und alles andere kannst du vergessen. Individualität ist dann auch bald Geschichte. Also soweit für heute ein paar Gedanken dazu. Auch wenn das Video heute schon etwas dunkel ist. Ich merke es wird halt langsam Winter. Die dunkle Jahreszeit kommt. Das Thema ist ja auch etwas dunkel, von daher denke ich passt das ganz gut. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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Wem gehört die Sonne? https://martinfinger.de/wem-gehoert-die-sonne/ Fri, 25 Sep 2015 08:09:00 +0000 Ich lese derzeit „Was ist das Eigentum?“ von Pierre-Joseph Proudhon. Auch wenn ich etwas anders argumentieren würde, so kann ich seine Kritik am Eigentum durchaus nachvollziehen. Zugespitzt würde ich meine Argumentation mit folgender Frage beginnen: Wem gehört die Sonne? Der Vorteil bei dieser Frage ist, dass sich die beiden klassischen Argumentationen für Eigentum sofort ausschließen […]

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Ich lese derzeit „Was ist das Eigentum?“ von Pierre-Joseph Proudhon. Auch wenn ich etwas anders argumentieren würde, so kann ich seine Kritik am Eigentum durchaus nachvollziehen. Zugespitzt würde ich meine Argumentation mit folgender Frage beginnen: Wem gehört die Sonne?

Der Vorteil bei dieser Frage ist, dass sich die beiden klassischen Argumentationen für Eigentum sofort ausschließen lassen. Weder ist die Existenz der Sonne auf menschliche Arbeit zurückzuführen, noch wurde die Sonne in irgendeiner Weise von Menschen bearbeitet. Ebenso kann ausgeschlossen werden, dass jemand die Sonne durch Besetzung in Besitz nehmen konnte, da nach aktuellem Stand der Technik kein Mensch einen Aufenthalt dort überleben würde. Damit ist Eigentum auf Grund von Okkupation oder Arbeit ausgeschlossen.

Letztendlich lässt sich die Argumentation nun in zwei Richtungen fortsetzten. Wäre die Okkupation eine Grundlage für Eigentum und die Erde zunächst als besitzlos betrachtet, könnte die Erde grundsätzlich in Besitz genommen werden. Im Rahmen dieser Betrachtung arbeite ich lieber mit der Arbeitstheorie und betrachte Sonnen als Eigentümer der von ihnen erzeugten Produkte. Zur Vereinfachung gehe ich davon aus, dass unsere Sonne mit ihrer Entstehung das Eigentum an der Materie in unserem Sonnensystem von den anderen Sonnen übernommen hat und als ihr Stellvertreter fungiert.

Entsprechend der aktuellen astronomischen Theorien wurden alle Elemente welche schwerer sind als Wasserstoff/Helium von Sonnen erbrütet oder sind bei deren Explosion entstanden. Das Verhältnis der bisher von uns erzeugten Stoffe durch Fusion und Anreicherung im Vergleich zur Masse der Erde sind so gering, dass ich diese vernachlässigen werde. Entsprechend stammen die Ressourcen damit wir überhaupt in die Lage versetzte werden eine Arbeit verrichten zu können, zu 100 Prozent aus Sonnenaktivitäten. Dieses könnte sich ändern, wenn wir unseren Energiebedarf durch Wasserstofffusion decken. Ab dem Zeitpunkt würden wir ähnlich produzieren wie die Sonne, da wir dann ebenfalls auf den allgemein verfügbaren Wasserstoff zurückgreifen würden, welcher nicht von Sonnen geschaffen wurde.

Könnte eine Instanz plausibel machen, dass sie beim Urknall den Wasserstoff geschaffen hat und damit diesen als Eigentum beanspruchen, würden alle Sonnen wiederum ihr Eigentum an allem verlieren, da ihr Anteil von Arbeit im Verhältnis zu den genutzten Ressourcen wiederum verschwindend gering wäre. In der Hinsicht stünden die Sonnen zum Universum dann in der gleichen Position wie wir zu den Sonnen stehen. Solche extremen Darstellungen zeigen sehr schnell wie absurd es ist die Einbringung von Arbeit als Grundlage zu verwenden, um Eigentum an den verwendeten Ressourcen zu beanspruchen. Da letztlich keine Erzeugnisse geschaffen werden können ohne bestehende Materie zu verwenden wird nichts geschaffen was als Eigentum beansprucht werden könnte. Als einzige Ausnahmen könnte die Erzeugung von Wissen in Betracht kommen.

Da der Wasserstoff, welcher von der Sonne verbraucht wird, zunächst ein freies Gut war, kann sie die Produkte daraus zu 100 Prozent als ihr Eigentum ansehen. Die Erde ist somit im vollständigen Eigentum der Sonne. Womit sollten wir die Sonne bezahlen? Was könnten wir der Sonne als Gegenleistung geben, dafür, dass wir ihr Eigentum nutzen dürfen. Menschenopfer vielleicht?

Ebenfalls wäre zu klären, warum wir nicht ohnehin Eigentum der Sonne sind, so wie wir Pflanzen und Tiere zu unserem Eigentum deklarieren, obwohl wir zu deren Existenz noch weniger beitragen als die Sonne zur unsrigen. Auch für Maschinen und insbesondere für deren Erzeugnisse ist die Frage wer dabei Eigentum woran erwirbt und auf welcher Grundlage. Ich möchte an dieser Stelle keine Diskussion darüber beginnen, welche menschliche Besonderheit auf der einen Seite uns dazu befähigen soll Eigentum haben zu können und auf der anderen Seite festlegt, dass Menschen kein Eigentum sein können, dürfen oder sollen.

Ich möchte an dieser Stelle die Ausführungen beenden und überlasse es dem Leser darüber nachzudenken inwieweit Eigentum grundsätzlich mit Freiheit unvereinbar ist.

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Mem-Tagebuch #008: Druck (machen) (2015) https://martinfinger.de/mtb-008-druck-machen-2015/ Tue, 15 Sep 2015 11:00:00 +0000 Dieses Mal widme ich mich der Unsitte, dass Menschen meinen mit Druck kreative Denkprozesse beschleunigen zu können. Die ursprüngliche Aufnahme vom 15.09.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen. […]

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Dieses Mal widme ich mich der Unsitte, dass Menschen meinen mit Druck kreative Denkprozesse beschleunigen zu können.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 15.09.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zum heutigen Mem Video. Heut zum Thema Druck. Die Geschichte dazu ist: Ich habe gestern einem Dokument hinterhertelefoniert, wo ich schon vor zwei Wochen angestoßen habe, dass ich das mal zugeschickt bekomme. Und so ganz nebenbei, wo die nette Dame im Callcenter das Thema noch mal aufgenommen hat. Meinte sie dann so: „Ja, ich nehme das nochmal auf und schicke das dann rüber, um nochmal Druck zu machen.“ Und da dachte ich mir auch, zwar nicht in dem Moment, weil ich war gerade noch damit beschäftigt, naja eigentlich wollte ich ja lieber wissen wann ich denn jetzt erwarten kann, dass das Dokument kommt. Und nicht ob man irgendjemandem da irgendwie Feuer unterm Hintern macht.

Weil letztendlich ist doch genau das der Punkt. Es bringt an der Stelle nichts. In aller Regel sind die meisten Jobs heute, vor allen die Bürojobs und ähnliches. Entweder so stupide, dass sie eigentlich gar nicht von Menschen gemacht werden müssten. Oder wenn doch noch Menschen involviert sind. Dann ist in aller Regel irgendeine Arbeit die auch ein bisschen Denken und Mitdenken erfordert. Und der ganze Kopfbetrieb. Das heißt Denken, seine Handlungen steuern und so weiter. Das lässt sich mit Druck überhaupt nicht in irgendeiner Form beschleunigen. Im Gegenteil. So von wegen: „Jetzt mach! Jetzt mach!“ Und noch irgendwie antreiben und sonst irgendwas. Und irgendwelche Konsequenzen setzen wenn man das mit irgendwelchen bescheuerten Terminen sozusagen nicht schafft, dass zu beenden, wird eher zur Blockade führen.

Und ich finde es halt eigentlich erschreckend, wie stark dieser Aspekt, jemandem Druck zu machen, damit er hoffentlich seine Arbeit letztendlich schneller erledigen soll. Immer noch eigentlich ein sehr starkes Mem ist, was sich konstant hält. Obwohl eigentlich schon seit Jahren, Jahrzehnten letztendlich klar ist, dass intellektuelle Fähigkeiten nicht dadurch beschleunigt werden können, wenn man Menschen unter Druck setzt. Sondern im Gegenteil, dass man damit genau ihre Fähigkeit und Handlungsmöglichkeiten beschränkt. Weil sie eventuell dann selber unter Angst geraten. Oder einfach nur innerlich kündigen.

Die Motivation gleich Null wird. Oder eventuell im Betrieb sogar noch anfangen Schaden anzurichten. Mir selbst ist das Thema oder vielmehr die Geschichte dazu, das erste Mal begegnet als ich so um 2000 rum, 2001 das erste Mal im IT Bereich als Softwareentwickler gearbeitet habe. Und da war die Standardlektüre Tom DeMacro „Der Termin“. Und da ist letztlich auch die wunderbare Erkenntnis drin: Druck erhöht die Geschwindigkeit in dem eine Person entwickeln kann. Indem sie neue Lösungen findet oder überhaupt irgendetwas umsetzen kann, in keinster Weise. Im Gegenteil. Es ist viel sinnvoller da zu überlegen, wie kann man die Leute motivieren. Wie kann man sie bei der Arbeit halten.

Wie kann man ihnen die Tätigkeit so interessant wie möglich machen. Und möglichst alles andere ausschalten. Von Vorgesetzen bis unsinnigen Terminen, um dafür zu sorgen, dass sie sich eben kreativ betätigen können. Das soweit heute für das Mem Video. Die Frage ist: Wie oft begegnet Euch im Alltag das Thema, dass jemand meint mit Druck irgendeine Sache beschleunigen zu können. Anstatt einfach zu sagen: Okay, ich möchte mit jemandem zusammenarbeiten. Brauchen natürlich auch irgendwie Termine, um zu wissen wann was als nächstes gemacht werden kann. Aber nicht indem sie von außen gesetzt werden. Sondern indem man versucht auf kooperative Arte und Weise solche gemeinsamen Ziele festzulegen. Wann man Sachen erledigt haben will. Und damit zurück in Euer Leben. Und viel Spaß beim Beobachten, wann Leute unter Druck gesetzt werden, um etwas zu erreichen. Bis dann. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #009: Beitragsservice (2015) https://martinfinger.de/mtb-009-beitragsservice-2015/ Tue, 15 Sep 2015 11:00:00 +0000 Dieses Mal ein paar Gedanken zum Beitragsservice und wie wenige Optionen es im vermeintlichen Rechtsstaat gibt, sich der Erhebung dieser Abgaben zu widersetzen. Die ursprüngliche Aufnahme vom 15.09.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken […]

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Dieses Mal ein paar Gedanken zum Beitragsservice und wie wenige Optionen es im vermeintlichen Rechtsstaat gibt, sich der Erhebung dieser Abgaben zu widersetzen.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 15.09.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Heute gleich noch ein zweites Mem Video zum Thema Beitragsservice. Nachdem das aktuell wieder für mich im Leben in Erscheinung getreten ist. Nicht für mich persönlich, aber ich begleite aktuell eine Person, die sich eben auch versucht dagegen zur Wehr zu setzen. Da haben wir aktuell den Stand erreicht, dass jetzt tatsächlich der Gerichtvollzieher beauftragt wurde. Nachdem ich gestern Abend und letzte Nacht so ein bisschen Recherche gemacht habe im Internet, muss ich sagen eine Sache die mich dabei unglaublich aufregt ist. Welche Fehl- und Falschinformationen letztlich im Internet da rumkursieren. Die aus meiner Sicht überhaupt nichts bringen.

Angefangen von irgendwelchen Pseudointerpretationen irgendwelcher Gesetzestexte. Die unterstellen, dass man dieses oder jenes so interpretieren könnte. Wenn da letztlich Leute unbedarft sich auf solche Videos oder auf solche Versprechen einlassen, dass sie letztlich auch dann nachher alleine da stehen. Weil, selbst wenn es tatsächlich Rechtsanwälte gäbe die diese Minderheitenmeinung oder überhaupt diese Meinung vor Gericht teilen würden, ist immer noch die Frage: Wo man denn einen Richter finden soll, der sich einer solchen Minderheitenmeinung anschließt. Sofern es überhaupt irgendwie im Rechtswesen sozusagen diese Meinung vertreten wird. Und nicht bloß von irgendwelchen Personen im Privatbereich dort irgendetwas angedichtet wird.

Mit dem Schreiben mit dem Gerichtvollzieher ist das schon ziemlich deutlich, wenn man sich dann anschaut mit welcher Gewaltaspekten, im Endeffekt des Staates man dort konfrontiert wird. Es mag zwar auch viele Menschen geben die meinen es hat doch alles seine Berechtigung. Und der Rundfunkbeitrag sei alles in irgendeiner Form sinnvoll, notwendig und sonst was. Ich teile diese Dinge nicht. Allerdings beschränke ich das auch nicht nur auf den Rundfunkbeitrag sondern natürlich auf alle Abgaben, die zwangsweise erhoben werden. Deswegen ist das für mich jetzt kein Einzelfall oder Ausnahme, aber es ist halt eine Sache die mal wieder sehr deutlich macht wie die Willkür letztlich, dieser ach so rechtsstaatlichen Ordnung, benutzt werden kann.

Weil das schlimmste daran ist ja, dass wenn man gegen diese ehemaligen Gebührenbescheide, jetzt dann als offensichtlich Festsetzungsbescheide titulierten Dokumente vorgeht und dort Einspruch erhebt, dass sich der Rundfunkbeitrag beziehungsweise die Rundfunklandesanstalten die jeweils diese Kölner Institution da beauftragen. Dass die sich überhaupt nicht darum kümmern müssen, dass die überhaupt keinen Einspruch eigentlich bearbeiten müssen, sondern einfach ihre Mahnungen, ihre Forderung eben bis zum Gerichtvollzieher einfach unabhängig davon durchziehen können. Und das ist die Frage: Was ist das? Eine angebliche Rechtsstaatlichkeit.

In der, wenn man nicht selber per Gericht dann wieder vorgeht und eine Bearbeitung eines Einspruches erzwingt, letztlich nichts passiert. Die Maßnahmen laufen parallel dazu weiter. Sind von der Rechtsordnung letztendlich gestützt. Das letzte große Fall war ja das Landesgericht, glaube ich, jedenfalls in Tübingen. Das eine Urteil, was die Gerichtsvollzieher sozusagen etwas gestoppt hat in einem Fall. Aber letztlich von der höheren Instanz auch wieder gestoppt wurde. Das heißt es gibt keine Struktur oder Instanzen innerhalb dieses Rechts- und Staatssystems, die einen tatsächlich vor einer solchen Willkür und Beliebigkeit schützen.

Das mag in Deutschland noch keine gravierenden Auswirkungen haben, im Vergleich zu diktatorischen oder anderen regierten Ländern. Aber nicht destotrotz, sind aus meiner Sicht die Unterschiede nur graduell, weil es kann jederzeit weitergehen. Das heißt wenn man mit der einen Maßnahme durchkommt und letztlich nur noch hörige Richter im System hat. Dann sind die nächsten Schritte auch möglich zu sagen, hier wird wieder eingeschränkt, hier wird etwas abgeschafft von irgendeinem Freiheitsrecht und sonst was. Ich sage nicht, dass wir jetzt direkt auf dem Weg in die Diktatur sind. Aber ich sage, dass wir auf jeden Fall Schwierigkeiten haben, dass diese Maßnahmen einfach durchgesetzt werden können.

Wir lassen solche Strukturen zu. Wir lassen es passieren. Und wir haben letztlich keine Abwehrmaßnahmen, dass solche Geschichten mit uns angestellt werden. An der Stelle kann ich im Endeffekt nur auf mein anderes Video verweisen, zu meinem Nichtwähler Spot von 2013. Aus meiner Sicht bleibt dass das einzige Mittel zu sagen, entzieht ihnen die Legitimation. Und geht nicht zur Wahl. Weil es nützt nichts seinen Bundestagsabgeordneten an der Stelle anzuschreiben. Weil er Teil dieser Strukturen ist. Und so lange die Legislative im Endeffekt bestehen bleibt, hat die Judikative ihre Grundlagen.

Und die Exekutive führt nur ihre Befehle aus. Das heißt dieses ganze System bleibt sozusagen erhalten, wenn man innerhalb des Systems sich an die Spielregeln hält. Man wird in einem Monopolyspiel nicht gegen die Bank gewinnen. Man kann zwar das Spiel gewinnen, aber letztendlich das ganze System sozusagen zu kippen ist einfach unmöglich. Also ich bin gespannt wie das ganze weitergeht. Ob die Person, die ich da begleite, die aktuell in diesem Stand ist, wie sie weiter macht. Ob man es einfach damit bewenden lässt. Und nur den Rechtsweg weitergeht. Aber im Endeffekt die Zahlungen dann jetzt letztendlich doch einfach leistet.

Weil einfach die Konsequenzen, die der Gerichtsvollzieher mit seinen Maßnahmen durchsetzen kann, schon für jemanden der noch Dinge zu verlieren hat auch durchaus bedrohlich sein können. Weil es ist ja nicht ohne weiteres, was dort an Zwangsmaßnahmen und an Drohungen allein schon im ersten Schriftstück angesetzt wird. Und wie und wann das dann eingesetzt wird, um irgendetwas zu erzwingen. Auf jeden Fall mein Aufruf: Wenn Ihr da irgendwelche Behauptungen und Informationen im Internet findet, die sind sehr mit Vorsicht zu genießen. Vor allen Dingen wenn Ihr weder die Person kennt, noch die gesamten Hintergründe. Weil selbst kleinste Formulierungen, kleinste Auslassungen können erheblich die Fakten ändern unter welchen der Beitrag nicht gezahlt wurde. Und was ich bereits mehrfach gesehen habe, einen Offenbarungseid letztendlich zu leisten. Nach der eidesstattlichen Versicherung, dass man ohnehin nichts hat, was bei einem zu holen ist. Das ist keine Möglichkeit, um den Rundfunkbeitrag drum rum zu kommen. Sondern das ist der einzige Punkt wo er sich befreien lässt. Aber die meisten Menschen haben noch etwas zu verlieren. Solange man da noch eine Tasche hat, in die der Rundfunkbeitrag greifen kann. Bin ich mir sicher, dass er Mittel und Wege findet auch in diese Tasche zu greifen. Denkt daran, es ist immer gut, seine eigene Stimme zu behalten. Manchmal ist es auch sinnvoller sich nicht mit dem Staat anzulegen. Sondern lieber die Alternativen zu suchen und diese zu stärken, als sich in einem sinnlosen Kampf zu vergeuden. Auf Bald. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #007: Netzneutralität Upstream vs. Downstream (2015) https://martinfinger.de/mtb-007-netzneutralitaet-2015/ Tue, 08 Sep 2015 11:00:00 +0000 In dieser Folge ein paar Gedanken zum Thema Netzneutralität und der Asymmetrie zwischen der Bandbreite für Upload und Download. Die ursprüngliche Aufnahme vom 08.09.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder […]

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In dieser Folge ein paar Gedanken zum Thema Netzneutralität und der Asymmetrie zwischen der Bandbreite für Upload und Download.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 08.09.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einer weiteren Mem Folge. Heute mit einem entfernt verwandten Thema, zur Thema Netzneutralität. Aber mal, wie ich es gerne mache, mit einem etwas anderen Fokus. Weil aktuell beschäftigt mich gerade mal wieder, das Thema der Internetverbindung. Was mich dabei besonders ärgert, dass da anscheinend in den letzten zwei Jahren, mal wieder überhaupt keine Entwicklung stattgefunden hat und zwar in Hinsicht der Upload Geschwindigkeit. Weil es ist zwar inzwischen bis zu 100, 200 Megabit Download Geschwindigkeit möglich. Aber der Upload verharrt irgendwie. Ich glaub das Beste was ich bisher gesehen hab, waren irgendwie sechs Megabit. Die man in diesen Standardverbindungen dort bekommt.

Und da frage ich mich schon: Meine Güte, was ist denn da irgendwie schief gelaufen? Weil, klar ich veröffentliche hier Videos, die natürlich einiges an Upload Kapazität brauchen. Und selbst diese wenigen Minuten hier, brauchen dann locker schon mal ein bis zwei Stunden bis die Hochgeladen sind. Das ist doch für ein paar Minuten doch ziemlich ärgerlich. Ich hab dann noch mal ein bisschen Nachgeschaut. Mit diesem Thema ADSL, war ja sozusagen die Geschichte wo das losgegangen ist. Weil im Gegensatz früher, wo ich noch mit einem 56k Modem unterwegs war. Da war es eigentlich normal, dass ich sowohl im Upload als auch im Download die gleichen Geschwindigkeiten erreichen konnte.

Da war eher die Frage ob der Server genug Kapazität hatte, mir die 5,6 Kilobyte pro Sekunde tatsächlich runterzuschicken. Mit ADSL ging es dann erstmal um einiges schneller. Am Anfang ist es überhaupt noch nicht so stark aufgefallen, dass letztlich der Upload so viel geringer ist. Weil die Faktoren waren damals glaube ich noch nicht so bei 1:10. Was sie heute inzwischen durchaus üblich sind. Weil wir haben aktuell auch 20 Megabit zwar im Download, aber nur 2 Megabit im Upload. Und die neueren Pakete haben teilweise eher noch schlechtere Faktoren als 1:10. Und da ist die Frage: Warum soll das Internet eigentlich eher dem Konsum dienen?

Weil das heißt doch, ich bin eher dafür prädestiniert TV-Streaming, Video-Streaming oder irgendetwas zu konsumieren. Aber wirklich selber, mich sozusagen ins Internet zu stellen, dass wird eher möglichst minimiert. Das heißt, Thema Netzneutralität, auch das Internet ist eher eine Sache von Unternehmen die wollen, dass Menschen konsumieren und nicht das im Endeffekt Menschen sich auf gleicher Augenhöhe miteinander austauschen. Die gleichen Möglichkeiten nutzen können. Ist die Frage, ob tatsächlich der bewusste Unternehmensgedanke dahinter steht: Wir möchten lieber Konsumenten haben, als irgendwelche Menschen die sich direkt nutzen, gegenseitig irgendwelche Informationen bereitstellen, miteinander kommunizieren.

Das Thema Videotelefonie selber hat sich ja auch nie wirklich durchgesetzt. Wobei ich nicht weiß wie viele das bei Skype heute inzwischen nutzen. Bei einem Upload von so einem geringen Faktoren ist es durchaus schwieriger dort in einer vernünftigen Qualität miteinander zu sprechen. Und die Frage ist, in diesem ganzen Ausbaupolitik, dass ein schnelles Internet geben soll, wird nie vom Upload gesprochen. Bei Glasfaser, ist aus meiner Sicht, doch diese tatsächlichen anfänglichen Unterschiede im Protokoll. Das heißt es gab tatsächlich bei ADSL Frequenzbereiche die nur für den Upload und Frequenzbereiche die nur für den Download vorgesehen sind.

Und auch ohne jetzt im Detail in irgendwelche Hochfrequenz Technologien einzusteigen. Das was heute Handys letztendlich können mit LTE, wo sie ja in beide Richtungen mit gleicher Geschwindigkeit übertragen können. Warum sollte das über Glasfaserkabel oder von mir aus auch noch Kupferleitungen, nicht mit der gleichen Technologie und den Frequenzen funktionieren. Warum ist es so viel teurer oder aufwendiger dort Übertragungen zu machen, die sozusagen nur in eine Richtung funktionieren, statt diesen Duplex zu haben. Das ich auf beiden Frequenzbereichen sowohl Hören als auch Senden kann. Weil rein technisch kann das nicht das große Problem sein.

Bereits als ADSL eingeführt wurde, gab es eigentlich schon Ethernet-Karten und in denen ist es im Endeffekt ohne Probleme möglich mit diesen Leitungen in beide Richtungen. Ich denke, damals so um 2000 rum und so weiter, waren selbst die 100 Megabitleitungen schon üblich. Und heute ist ja eher sogar Standard ein Gigabitleitungen zu verwenden. Das heißt von der Technologie, hardwaretechnisch und Kapazitätsgründen, kann es eigentlich gar keine so große Schwierigkeit sein. Aber natürlich ist die Frage: Während ich bei einem Ethernet-Kabel mehrere Adern habe über die parallel gesendet werden und kommuniziert werden kann. Ist bei einem DSL Kupferanschluss natürlich mit den zwei oder vier Adern die da benutzt werden immer noch eine physische Kapazitätsgrenze gegeben.

Aber die Frage ist: Warum wird das nicht gezielt ausgebaut? Statt eigentlich nur den Downstream zu verbreitern. Soweit heute mal wieder ein paar Gedanken. Thema Netzneutralität, geht aus meiner Sicht noch viel, viel weiter als nur zu sagen, dass alle Anwenderpakete gleich die Berechtigung haben gesendet und empfangen zu werden. Sondern es geht auch darum, dass sowohl Up- als auch Downstream, aus meiner Sicht durchaus gleiche Berechtigung haben sollten. Das heißt, dass die Menschen mit der gleichen Geschwindigkeit senden können wie sie auch empfangen können. Aus meiner Sicht gibt es da keine Notwendigkeit, das in dieser beschränkten Form beizubehalten. Das wir zwar bald mit 200 Megabit runterladen können, aber mit 6 Megabit, vielleicht auch mal 12 Megabit ‑ich weiß nicht genau wo da dann bei den 200 Megabit die Grenzen sein werden‑ letztlich Daten hochladen können. Weil, wie man sieht 12 zu 200, die Verhältnisse werden eher noch schlechter. Das heißt man kann immer weniger Daten im Vergleich hochladen, was einem Unternehmen sozusagen in den Computer schicken können. Also soweit für heute. Wenn Ihr selber Themen habt, Fragen habt, über die Ihr gerne Mal von mir, meine Gedanken dazu hören wollt. Gerne in die Kommentare und auf bald. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #006: Fremde unter uns (2015) https://martinfinger.de/mtb-006-fremde-unter-uns-2015/ Wed, 12 Aug 2015 12:00:00 +0000 Wie sinnvoll ist es, dass wir Menschen zwingen anderen Menschen helfen zu sollen und zugleich den Menschen welche zu uns kommen verbieten, dass sie selbst einer Tätigkeit nachgehen, um selbstbestimmt für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können. Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.08.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich […]

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Wie sinnvoll ist es, dass wir Menschen zwingen anderen Menschen helfen zu sollen und zugleich den Menschen welche zu uns kommen verbieten, dass sie selbst einer Tätigkeit nachgehen, um selbstbestimmt für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.08.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einer zweiten Folge für heute, der Mem Videos. Heute ganz spontan noch zu einem Thema, dass mich bisher eigentlich überhaupt nicht interessiert und auch beschäftigt hat. Weil ich ja einen möglichst großen Bogen um Zeitungen und Nachrichtensendungen jeglicher Art mache. Weil sie mein Leben als solches nicht bereichern. Also was ist das Thema. Oder welches Thema setze ich, was ich jetzt sagen möchte. Was für mich da am passendsten erscheint ist: „Fremde unter uns.“ Das heißt es gibt Menschen die sind uns fremd. Sie kommen zu uns. Sie sind bei uns. Uns anscheinend werden es wohl aktuell immer mehr.

Wie gesagt, als solches interessiert mich das Thema nicht sehr. Das einzige warum es mich heute beschäftigt ist, weil eben einer dieser fremden Menschen heute an meiner Haustür geklingelt hat. Weiß nicht genau, was er jetzt eigentlich gesucht hat. Weil ich habe ihn entsprechend schlecht verstehen können. Auf dem Zettel den er mir da in Deutsch vorgehalten hat, stand etwas von wegen Unterkunft, Arbeit, irgendwas in der Richtung. Das heißt er, so zumindest meine Interpretation, war eigentlich nur auf der Suche, sich eventuell irgendwo zu verdingen. Lebensunterhalt wirklich erwerben zu können. Das heißt auch eine Gegenleistung zu erbringen für etwas, um an dieser Gesellschaft teilhaben zu können.

Er war noch mit einer Frau und zwei Kindern unterwegs. Die ihn dort begleitet haben. Und was mich am meisten daran beeindruckt im Endeffekt, dass die Introspektive zu mir, zu sagen: Es ist ein komisches Gefühl dort plötzlich tatsächlich jemanden so nah zu spüren. Während das Thema ja sonst eigentlich sehr, sehr weit weg ist. Und ganz plötzlich bin ich selber mit dem Thema ganz klar konfrontiert. Und was mache ich an so einer Situation? Konnte ihm da an der Stelle auch nicht weiterhelfen. Oder irgendetwas dazu tun, weil ich keine Arbeit habe, um ihm die zu geben. Bei dem deutschen Bürokratismus ist wahrscheinlich ohnehin die Frage, was da alles für ein Theater dahinter steckt.

Wenn ich dann heute ein bisschen in die Debatte reingelesen habe. Da wird mit viel Empörung, mit vielen Ängsten und verschiedensten anderen Themen gearbeitet. Und letztendlich für mit gibt es im Endeffekt nur ein Thema, was mich in diesen ganzen Berichten, in den ganzen Themen an sich wirklich aufregt. Das ist der Grund, dass ich dazu gezwungen werden soll, vielleicht durch Steuermittel oder eventuell noch durch andere Dinge, Hilfe zu leisten. Ich habe nichts dagegen, dass Menschen geholfen wird, die in Not sind oder die irgendetwas brauchen. Aber bitte freiwillig. Nicht indem irgendjemand meint, er können über anderer Gelder, Lebenszeit oder Ressourcen verfügen.

Und jetzt bestimmen: Jetzt müsse man den Menschen so und so helfen. So funktioniert das definitiv nicht. Sondern im Gegenteil. Meiner Meinung nach wird genau damit dieser Zusammenhalt der zwischen Menschen, die zumindest irgendwo im Kontakt stehen, automatisch entsteht. Das Thema der Hilfsbereitschaft, der Freundlichkeit und so weiter, wird damit komplett vergiftet. Das heißt je mehr Forderungen letztendlich aufgestellt werden. Nicht mal unbedingt von den Menschen die zu uns kommen. Sondern im Endeffekt von irgendwelchen Politikern oder anderen Gruppen, die meinen sich dort engagieren zu müssen, dass andere gefälligst zu helfen haben.

Weil damit wird aus meiner Sicht letztendlich genau das untergraben und auch vernichtet, was doch eigentlich die Menschen zusammenbringen soll. Weil genau damit wird die vermeintliche Notwendigkeit, von wegen „Nur mir kann es gut gehen, wenn ich den anderen etwas vorenthalte.“ gestärkt. Weil genau das ist dann das Erleben was man den Menschen beibringt. Das einem selber im Endeffekt etwas weggenommen wird, um es anderen zu geben. Und wenn wir diesen Menschen tatsächlich einfach nur die Möglichkeit einräumen würden, statt sie bürokratisch zu verwalten und irgendwo einzukasernieren. Ihnen einfach zu sagen: „Okay. Ihr seid auf Euch selbst gestellt, aber ihr dürft arbeiten. Ihr dürft Euren Lebensunterhalt tatsächlich frei suchen und schauen, dass Ihr hier halt irgendwie über die Runden kommt.“

Dann wäre das eine ganz andere Situation. Aber natürlich allein schon das Thema, dass der Mindestlohn ja inzwischen greift, macht mit Sicherheit solche Arbeitsmarktsituationen um einiges schwieriger. Auf das Thema will ich jetzt gar nicht so tief abheben. Aber wir haben uns im Endeffekt diese Probleme, die wir da jetzt scheinbar haben, selber eingehandelt. Wir haben ein System, eine Bürokratie erschaffen, die Menschen nicht einfach sein lässt. Die Menschen nicht erlaubt für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Und das ist eigentlich das, was mich viel mehr an dieser ganzen Diskussion überhaupt empört.

Das man Menschen sogar verweigert selber aktiv zu werden. Selber eben für dieses Leben, für den Wohlstand in dem sie gerne leben möchten, tätig zu werden. Und letztendlich aus meiner Sicht, es ist jede Arbeitsstunde verschwendet, die im Endeffekt nicht zur Wohlstandmehrung genutzt wird. Das heißt jeden Tag in dem einem Menschen verboten wird zu arbeiten, obwohl er doch einer Tätigkeit nachgehen will, ist verlorener Wohlstand. Nicht nur für ihn sondern für uns alle. Und deshalb: Wir haben keinen Wohlstand zu verlieren, sondern wir haben sehr viel Wohlstand zu gewinnen. Das ist zumindest das, was ich einfach mal in die Debatte einwerfen möchte.

Wenn die Menschen arbeiten wollen, lasst sie doch einfach arbeiten. Statt sie bürokratisch zu delegitimieren und in Sozialsysteme reinzupressen. Bis sie dann irgendwann gewohnt sind, dass Leistung im Endeffekt nicht mehr lohnt. Die Frage ist, ist das wirklich die Botschaft die wir den Menschen mitteilen möchten? Leistung lohnt sich nicht. Und wenn Du von Dir aus im Endeffekt leistest ohne Erlaubnis, dann wirst Du dafür gegeben falls auch einfach bestraft. Jetzt entlasse ich Euch wieder, um darüber nachzudenken, was tatsächlich mit diesen Menschen passieren kann. Was sind Lösungswege? Die Möglichkeiten ihnen tatsächlich die Erlaubnis zu geben und zwar möglichst unbürokratisch zu sagen: Ihr seid jetzt hier. Ihr wollt Euch Wohlstand aufbauen und verdienen. Nur zu. Es gibt immer was zu tun. Schauen wir mal, wie das in Deutschland weitergeht. Auf bald, bis dann. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #005: Sinn des Lebens (2015) https://martinfinger.de/mtb-005-sinn-des-lebens-2015/ Wed, 12 Aug 2015 11:00:00 +0000 Dieses Mal widme ich mich dem Sinn des Lebens und stelle in Frage ob es mehr Sinn im Leben braucht als einfach nur unsere Leben zu leben. Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.08.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich […]

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Dieses Mal widme ich mich dem Sinn des Lebens und stelle in Frage ob es mehr Sinn im Leben braucht als einfach nur unsere Leben zu leben.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 12.08.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einer neuen Mem Folge. Heute mit dem Thema: Sinn des Lebens beziehungsweise dem nicht Sinn des Lebens. Das ist letztendlich die Frage oder das was ich sozusagen heute mit Euch teilen möchte. Die Frage ist: Ist es sinnvoll dem Leben eine Sinnsuche zu verpassen? Das heißt nicht, etwas Sinnvolles zu tun. Sondern es geht darum, ist es sinnvoll zu sagen: Das Leben hat einen Sinn. Es braucht einen übergeordneten Sinn. Es braucht eine Berufung oder eine andere Sinn Gabe und nur wenn es dieses gibt, wird das Leben eben sinnvoll. Und gleichbedeutend mit Lebenswert.

Eben genau das teile ich nicht. Im Gegenteil. Für mich habe ich entschieden die Sinnsuche letztendlich aufzugeben. Weil diesen übergeordneten Sinn zu suchen nur zur Frustration führen kann. Weil wer soll denn am Ende tatsächlich entscheiden ob das jetzt der Sinn des Lebens war oder nicht. Damit mein Vorschlag einfach zu sagen, also die eine Option ist zu sagen: Das Leben braucht keinen übergeordneten Sinn. Und wenn jemand unbedingt sagen möchte: Aber ich brauche doch irgendeinen Sinn im Leben. Dann ist zu sagen: Das Leben zu leben. Das ist der Sinn des Lebens. Das ist die eine Interpretation. Wenn man eher einfach noch nicht oder erstmal noch nicht bereit ist sozusagen diese Sinnfrage als solche wirklich aufzugeben.

Aber ich glaube langfristig ist es einfach angenehmer, diese Sinnsuche einfach aufzugeben. Zu sagen: Ich habe doch schon alles was ich brauche. Ich bin am Leben und kann aus meinem Leben machen was ich will. Es gibt keinen übergeordneten Plan, eine übergeordnete Instanz der ich sozusagen zu Diensten sein muss und irgendetwas am Ende des Lebens erfüllt haben müsste. Das heißt nicht, dass man nicht sinnvolle Aufgaben im Leben übernehmen kann. Alles was Euch Spaß mach, was Euch interessiert und in irgendeiner Form Freude bereitet, vielleicht auch dem Leben als solches dienlich ist.

Was natürlich von Eurer Definition abhängt. Damit könnt Ihr dann selber entscheiden. Was will ich aus meinem Leben als solches machen. Wie will ich es nutzen. Aber, das ist eben nicht das gleiche wie eine Sinnfrage zu haben: Das Leben wär nur dann sinnvoll, wenn ich irgendeine Metaziel erfüllen kann. Also daher meine Anregung an Euch: Nehmt einfach das Leben als solches. Entweder Ihr begreift es als Geschenk oder als etwas, dass Ihr einfach nutzen könnt, wenn Ihr keinen Schenkenden denken könnt. Der Euch die Möglichkeit gegeben hat am Leben zu sein. Dann einfach für den Moment oder für das Leben als solches dankbar zu sein.

Und es eben in der Form wertzuschätzen, dass Ihr das Leben lebt. Und nicht, dass Ihr es irgendeinem übergeordneten Ziel unterordnet. Weil das ist, aus meiner Sicht zumindest, dem Leben nicht angemessen zu sagen: Hey, das Leben ist nur dann ein nur lebenswert oder eine Berechtigung zu leben, wenn sie einem Zweck untergeordnet wäre. Weil genau das soll es ja nicht sein. Sondern für jeden ist das Leben des Lebens wegen lebenswert. Es lässt sich eigentlich nicht viel dazu sagen. Trotzdem immer wieder erstaunlich wie viel man um Nichts herumreden kann. Aber eben die Negation, also Nichtsinn oder Unsinn ist nicht das gleiche wie die Sinnfrage als solches tatsächlich aufzugeben. Weil es hat eine andere Bedeutung, nicht den Sinn als solches zu verneinen, sondern ihn einfach eben aufzugeben. Und für sich selber zu entscheiden: Ich suche mir einfach nur sinnvolle Aufgaben. Ich mache etwas was mir gefällt, was mein Leben erfüllt. Und damit lasse ich Euch wieder Euer Leben leben. Und wünsche Euch viel Spaß bei dem, was Ihr als sinnvoll erachtet. Aber nicht als Sinn des Lebens, sondern einfach weil Ihr es im Moment für sinnvoll haltet. Und auch wieder etwas anderes entscheiden könnt. Bis bald. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #004: Stundenlohn (2015) https://martinfinger.de/mtb-004-stundenlohn-2015/ Mon, 13 Jul 2015 11:00:00 +0000 In dieser Folge geht es mir um die unterschiedliche Bewertung von menschlicher Lebenszeit. Es geht mir um die Frage: Welche Unterschiede in den Stundensätzen nach denen Menschen entlohnt werden könnten wirklich gerechtfertigt werden? Die ursprüngliche Aufnahme vom 13.07.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie […]

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In dieser Folge geht es mir um die unterschiedliche Bewertung von menschlicher Lebenszeit. Es geht mir um die Frage: Welche Unterschiede in den Stundensätzen nach denen Menschen entlohnt werden könnten wirklich gerechtfertigt werden?

Die ursprüngliche Aufnahme vom 13.07.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einer neuen Mem Folge. Heute geht es um das Thema Stundenlohn beziehungsweise was uns unsere Zeit wert ist. Und die Frage inwieweit eine Stunde Lebenszeit so viel unterschiedliche Bewertung erfährt. Also zum Beispiel ganz normal Erwerbsarbeit, das eine ist die Putzkraft, das andere ist der Facharbeiter. Gehen wir mal von 10 Euro und 50 Euro die Stunde aus. Da haben wir schon einen Faktor von 1:5. Jetzt wäre die Frage: Auf welcher Grundlage passiert tatsächlich so eine Bewertung, Einschätzung, warum diese eine Stunde Lebenszeit jetzt das Fünffache wert sein sollte?

Oder sogar einem Verhältnis von fünf Stunden gegenüber der Putzkraft entspricht. Gehe ich mal auf das erste Beispiel ein, dass meistens sich darauf beruft, dass natürlich unterschiedliche Ausbildungszeiten notwendig sind. Wenn die Putzkraft nahezu sofort mit ihrer Tätigkeit des Geld Verdienens sozusagen loslegen kann, muss der andere erst noch Studium ansetzen. Dort einige Monate und Jahre investieren bevor er dann in diesem Bereich arbeiten kann. Gehen wir mal pauschal von fünf Jahren aus. Das wäre dann zu einer Lebensarbeitszeit von 40 Jahren, entsprechend fünf Jahre wären 12,5 %. Das würde aber auch bedeuten, dass eigentlich der Lohn nur 12,5 % höher liegen müsste.

Um sozusagen im Lebensschnitt auf das gleiche Einkommen zu kommen. Selbst wenn jetzt noch die Kosten entsprechend hoch angesetzt werden. Weil angenommen man nimmt die Kosten zumindest genauso hoch wie in dem Zeitraum den man in den fünf Jahren verdient. Dann wäre ich bei zehn Jahren die sozusagen wieder reingeholt werden müssen. Allerdings in 35 Jahren. Aber auch da würde ich pauschal einfach mal auf einen Wert dann von meinetwegen 25 % höhere Einkünfte schließen. Um auf die Lebensspanne diese Investition wieder auszugleichen. Da wäre eigentlich die Frage: Wo ist dann noch tatsächlich der Faktor zu sagen, dass Gehälter oder Stundenlohn, von dem Faktor 1:5 ‑und es geht natürlich auch noch deutlich höher‑ begründet werden kann?

Wie schafft man es zu sagen: „Die eine Stunde Lebenszeit ist so und so viel mehr wert als die andere.“ Eine andere Frage wäre natürlich, ein Thema der Produktivität. Das heißt, schafft die eine Person tatsächlich so viel mehr Wohlstand, wirtschaftliche Werte, die sozusagen fünf Mal so hoch sind. Da wäre schon die Frage, eine geputzte Toilette würden für viele, in bestimmten Situationen, wahrscheinlich sehr viel mehr Wert zu schätzen, als irgendwelchen Verwaltungsarbeiten, die in irgendwelchen Büros stattfinden. Also ist die Frage, ob in den Büros in denen sozusagen eine Putzkraft tätig ist, ob sie nicht die höhere Wertschöpfung durchführt.

Als die Mitarbeiter die sozusagen tagsüber nur an den PCs irgendwelche administrativen Tätigkeiten durchführen. Natürlich ist das alles ein sehr schwieriger Bereich. Es wirklich neutral bewerten zu können. Weil jeder seine eigenen Präferenzen hat. Und entsprechend auch unterschiedliche Wertigkeiten in dieses Sachen mit reinbringt. Aber grundsätzlich halte ich es tatsächlich für schwierig zu begründen, mal nur auf der Arbeitszeitebene gesehen und auf der Lebenszeitebene gesehen. Warum Menschen einfach sagen, dass sie so und so viel mehr zu verdienen haben, wie irgendein anderer.

Natürlich ist der Klassiker, der an der Stelle kommt, wenn man darüber spricht, eher das Thema der Managergehälter. Die nicht nur einfach das Fünffache sondern meinetwegen das 200‑ oder 1.000‑fache, eines einfachen Angestellten verdienen. Und da ist dann aus die Frage: Was tut der Manager selbst, auf einer Wertschöpfungsebene gesehen, tatsächlich für das Unternehmen, für die Angestellten und auch für die Kunden, die eine solche Entlohnung rechtfertigen. Weil letztendlich ist ja die Sache, dass in einem Unternehmen, eine wirtschaftliche Leistung erbracht werden muss. Die der Kunde bereit ist tatsächlich mit solchen Summen zu honorieren.

Ich halte das Ganze natürlich für sehr schwierig wirkliche Erklärungen und Begründungen dafür zu finden, die auf einer objektiven Ebene wirklich zulassen zu sagen, dass solche Faktoren von 1:5, 1:10, 1:200 in Faktor zu Lebenszeit überhaupt angemessen sein können. Aber, natürlich ist immer die Frage für jeden: Wer breit ist zu bezahlen, soll es ja bezahlen. Es ist ja sozusagen bei Aktienunternehmen durchaus möglich, dass dann Menschen einfach entscheiden können ob sie tatsächlich deren Produkte kaufen oder deren Aktien behalten. Und solche Managergehälter und so weiter eben mit tragen wollen. Also soweit einfach Mal ein paar Gedanken zur Anregung.

Was es denn bedeutet, dass Lebenszeit letztendlich so unterschiedlich von Menschen bewertet wird. Und auf welcher Grundlage, dass denn tatsächlich passiert. Jeder der sich dieses Video anschaut ist gerne dazu aufgerufen, selber seine Kommentare hier mit darunter zu schreiben. Zu sagen: „Was meint Ihr denn? Was sind tatsächlich die Grundlagen auf deren solche Bewertungen beruhen?“ Außer natürlich den Strukturen die heute existieren. Wie würdet Ihr begründen, dass Ihr selbst oder beziehungsweise andere von Euch, im Endeffekt so finanziert werden, dass diese Gehaltsstufen, dass diese unterschiedlichen Bewertungen von Lebenszeit tatsächlich sinnvoll, notwendig und vielleicht sogar erstrebenswert sind. Ich freue mich auf Eure Kommentare und viel Spaß beim Nachdenken. Tschüss.

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Mem-Tagebuch #003: Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten. (2015) https://martinfinger.de/mtb-003-lassen-sie-ihr-geld-arbeiten-2015/ Wed, 08 Jul 2015 11:00:00 +0000 In dieser Folge beschäftige ich mich mit der Vorstellung, dass wir unser Geld für uns arbeiten lassen könnten und wie wenig dieses Versprechen für alle Menschen funktionieren kann. Die ursprüngliche Aufnahme vom 08.07.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile […]

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In dieser Folge beschäftige ich mich mit der Vorstellung, dass wir unser Geld für uns arbeiten lassen könnten und wie wenig dieses Versprechen für alle Menschen funktionieren kann.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 08.07.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zu einem neuen atemlosen Tagebuch Mem Video. Was ist das Thema heute? Heute geht es um ein Mem, dass mir mal wieder begegnet ist, den schönen Satz: „Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten.“ Was genau heißt dieser Satz? Erstmal Verzinsung von Geld, irgendwelche netten Investments, dass man hoffentlich demnächst von Kapitalerträgen leben kann. Ein schönes Leben ohne einer Erwerbsarbeit nachgehen zu müssen haben kann. Mit geht es ja vor allen Dingen darum auch ein bisschen dahinter zu kucken, was heißt das denn tatsächlich. Was sind denn die versteckten oder zumindest die Sachen die nicht ausgesprochen werden?

Was letztendlich damit verbunden ist. Welche Notwendigkeiten darin bestehen und vor allen was bedeutet es, wenn man das auf alle Menschen überträgt? Ist das überhaupt möglich, dass alle ihr Geld für sich arbeiten ließen und damit in eine sorgenfreie Zukunft gucken. Oder ist es eben genau nicht möglich. Zunächst einmal: Was sind die verdeckten Aussagen dahinter? Was ist das, was nämlich einfach nicht stimmt in der Aussage: Geld arbeitet nicht. Geld kann angelegt werden, investiert werden. In der Hoffnung, dass irgendjemand dafür Zinsen zahlt. Oder wie auch immer dann Dividendenzahlungen oder andere Möglichkeiten zustande kommen. Aber letztendlich kann Geld keine Arbeit verrichten.

Das ist nämlich schon der Punkt. Letztendlich hängt diese Arbeit an Menschen. Oder im Übertragenen Weg, an Maschinen die von Menschen hergestellt werden. Oder Energie, die wiederum von Menschen gewonnen wird, indem sie Anlagen herstellen, in denen diese Energie umgewandelt werden kann, in irgendeine Form von Arbeit. Und damit in irgendwelche Produktionsergebnisse. An der Stelle ist eben einfach die Verschleierung, zu sagen: „Lassen Sie andere für sich arbeiten.“ Und letztendlich wenn man den Satz übersetzt, merk ich auch ganz schnell schon wieder, Moment lassen die andere für sich arbeiten? Wer soll denn am Ende noch Arbeiten? Entweder wir leben dann tatsächlich in einer Roboterzivilisation, die uns mit allem versorgt was wir brauchen.

Dann wäre es vielleicht sogar denkbar, dass kein Mensch mehr arbeiten muss. Aber irgendwie würde das Geld dann an der Stelle auch keinen Sinn mehr machen. Weil wie ist denn dann die Verteilungsgerechtigkeit dafür gegeben, wer sozusagen von seinem Geld wieviel von den Ressourcen, die dann erzeugt werden oder nutzbar gemacht werden, zu verteilen. Weil letztendlich ist der Anteil aller Menschen dann wahrscheinlich verschwindend gering, im Vergleich zu dem was an Energie umgesetzt wird, die die Maschinen dann benutzen, um sozusagen die Güter des täglichen Bedarfs oder irgendwelcher Konsumprodukte herzustellen und uns damit zu versorgen.

Und insofern, bin ich natürlich auch ein ziemlicher Kritiker, dieses ganzen Zins und Zinseszinssystems, der im Endeffekt nur darauf beruht, dass man Kapitalquellen hat und das als vermeintliche Produktionsressource in irgendeinen Produktionsprozess einbringt. Und damit einen Anspruch erhebt für die eigentlich geleistete Arbeit ‑die Wertschöpfung die erbracht wurde‑ einen Anteil abzubekommen. Weil letztendlich beruht dieses ganze Gewinnsystem das damit betrieben wird, nur auf einer Vereinbarung wie denn das Geldsystem funktioniert. Weil, heute wird das Geld aus dem Nichts geschaffen durch ein paar Computerbuchungen.

Und die Zugänge sind an den Quellen, diejenigen die heute schon Vermögen haben, die heute reich sind. Die zum Teil auf sehr grauen Geschichten, die man, wenn man sich die Historie ankuckt. Die großen Vermögen sind nicht durch wirkliche eigene Arbeit entstanden. Sondern die meisten Vermögen sind letztendlich durch Arbeit von anderen erwirtschaftet worden. Auch damals gab es bereits das Thema Sklaverei. Damals noch unter dem regulären Begriff. Heute wird der Begriff sozusagen nicht mehr verwendet. Sondern er taucht nur noch indirekt auf. Die eine große Frage die sich jeder beantworten kann, wenn er versucht sich über Zinsen und Zinseszinseffekte oder irgendwelche Kapitaleinlagen vermeintlich die Arbeit zu sparen.

Und dann von solchen Einkünften leben zu können. Muss sich jeder Mal fragen ob er tatsächlich in der Lage ist, seine gesamten laufenden Ausgaben dadurch mit Kapitaleinnahmen zu decken. Das ist nie etwas, was für alle Menschen gleichzeitig aufgehen kann. Weil, dafür ist es schlichtweg heute einfach noch nicht möglich, weil zu viel menschliche Arbeit verrichtet wird. Und es eben nicht durch Maschinen ermöglicht wird. Und damit ist es keine Antwort die für alle profitieren kann. Und die meisten die meinen davon profitieren zu wollen mit irgendwie wenigen hundert oder tausend Euro im Jahr, die sie tatsächlich durch Kapitalerträge vielleicht noch zusammenbekommen.

Was schon die wenigsten sind. Selbst Mieteinnahmen die da reinfallen. Weil letztendlich zahlen Sie wahrscheinlich immer noch mehr, in ihren gesamten jährlichen Ausgaben, als Sie durch solche Erträge hereinbekommen. Und damit wir das Spiel im Endeffekt sinnlos. Das heißt, damit werden die Kosten zwar auf andere abgewälzt. Aber die wenigen Profiteure von diesem System bleiben die oberen zehn Prozent. Teilweise noch weniger. Je nachdem wie die Verteilung halt in einzelnen Ländern tatsächlich dann noch aussieht. Daher meine Frage an Sie, ob Sie es wirklich rechtfertigen wollen und rechtfertigen können, zu sagen: „Lassen Sie andere für sich arbeiten.“ Indem Sie versuchen über Kapitalerträge eigentlich sich nur selber das Leben schwer zu machen.

Weil letztendlich arbeiten Sie selber größtenteils dafür, dass diese Kapitalerträge bedient werden. In dem Maße wie Sie Aktien und Dividenden haben wollen, wie Sie von Mieteinnahmen sich finanzieren wollen. Insofern sind auch diese ganzen Kosten in Preisen wiederrum drin. Und auch in den Steuern die Sie selber zahlen. Müssen Sie sich bloß anschauen allein der Bundeshaushalt, glaube so irgendwo zwischen acht und neun Prozent liegen aktuell die Aufwendungen von den 300 Milliarden allein an den Zinseszinszahlungen. Die zahlen Sie über Ihre Steuern auf jeden Fall auch wieder mit.

Alle Ausgaben die Sie im Endeffekt im Jahr bedienen müssen, müssten Sie über Kapitaleinkünfte reinbekommen. Und wenn das nicht ist, dann gehören Sie auf jeden Fall zu den Verlierern dieses Systems. Und das einfach noch Mal in Frage zu stellen. Soweit heute einfach nur ein paar Gedanken zu dem Mem: „Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten.“ Und einfach zu sagen, sind Sie wirklich dazu bereit andere für sich arbeiten zu lassen? Und glauben Sie, für wie viele Menschen auf diesem Planeten, in unseren aktuellen Strukturen, überhaupt funktionieren kann. Ich denke es gibt andere Möglichkeiten das zu ändern, dazu brauchen wir aber kein heutiges Geldsystem. Und dann auf ein nächstes Mal. Tschüss.

Der Beitrag Mem-Tagebuch #003: Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten. (2015) wurde auf Martin Finger veröffentlicht.

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Mem-Tagebuch #002: Ich habe keine Zeit. (2015) https://martinfinger.de/mtb-002-ich-habe-keine-zeit-2015/ Fri, 03 Jul 2015 11:00:00 +0000 In dieser Folge widme ich mich der Zeit und unser Vorstellung, dass wir davon nicht genug hätten. Die ursprüngliche Aufnahme vom 03.07.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen. […]

Der Beitrag Mem-Tagebuch #002: Ich habe keine Zeit. (2015) wurde auf Martin Finger veröffentlicht.

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In dieser Folge widme ich mich der Zeit und unser Vorstellung, dass wir davon nicht genug hätten.

Die ursprüngliche Aufnahme vom 03.07.2015 findet Ihr hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zum zweiten Video für das Mem-Tagebuch. Heute mit dem überaus spannenden Thema: Ich habe keine Zeit. Bin sicher jeden von Euch kennt von Euch kennt diesen Satz. Entweder aus der eigene Verwendung. Oder das jemand anderes Euch gegenüber damit gesagt hat, er will was auch immer Ihr vorgeschlagen habt nicht mitmachen. Die Frage ist nur: Lag es tatsächlich daran, dass er keine Zeit hatte? Weil in einem faktischen Sinne ist es natürlich richtig, wir können gar keine Zeit haben, weil wir sie wieder speichern, noch aufheben, noch in irgendeiner Form in Besitz nehmen können. Wir können Zeit nur erleben und dass eigentlich auch nur in diesem kurzen Moment, eben gerade jetzt. Alles andere ist im Endeffekt nur Erinnerung oder Denken an die Zukunft. Aber das hat mit Zeit nichts zu tun.

So aber was bedeutet das jetzt, wenn wir uns dieses Satzes bedienen. Es geht mir dabei gar nicht so sehr darum diese gesellschaftlichen Gepflogenheiten, wo es im Endeffekt heißt, dass man einem Konflikt ausweicht, oder jetzt nicht so genau erläutern möchte, warum oder wieso man irgend einen Vorschlag ablehnt. Es sind sozusagen einfach gesellschaftliche Konventionen. Wird er benutzt und akzeptiert. Genau das möchte ich an der Stelle eben in Frage stellen. Weil? Ist es wirklich sinnvoll das zu tun. Weil, dass eine ist die Aussage, wenn ich sage: Ich hab keine Zeit. Dann sage ich im Endeffekt: Ich bin nicht in der Lage über meine Zeit zu verfügen. Und das letztendlich stimmt in der Form nicht.

Weil damit mache ich mich selber zum Abhängigen. Obwohl ich der einzige bin, der über meine Zeit entscheiden kann. Natürlich, ich verstehe schon, was damit eigentlich gemeint ist. Weil man ist Verpflichtungen eingegangen. Die man, aus welchen Gründen auch immer, bereit ist weiterhin zu erfüllen oder sich mit den Konsequenzen nicht abgeben möchte. Was es bedeutet wenn man diese Verpflichtung nicht erfüllt. Sei es, wenn man eben zur Arbeit geht und sagt: Ach, heute bleib ich zu Hause. Und man dann seine Arbeit verliert, dann ist natürlich klar. Ohne Einkommen wird das Leben ziemlich anstrengend.

Und deswegen ist an der Stelle eben nicht gesagt: Ich habe keine Zeit. Sondern ich kann nicht über meine Zeit so verfügen, wie ich es gerne möchte. Weil ich in bestimmten Situationen, in bestimmten Abhängigkeiten bin, die ich bereit bin zu erfüllen. Aber auch das sollten wir uns jeden Tag klar machen. Und dann eben nicht diesen Gedanken nachhängen: Ich habe kein andere Wahl. Sondern ganz im Gegenteil. Ich habe jeden Tag die Wahl. Ich habe in jedem Moment die Wahl, mich anders zu Entscheiden. Das heißt wenn es für mich passt. Wenn die Anstrengungen zu groß sind, das Bestehende beizubehalten, dann ist es vielleicht einfacher zu sagen: Okay, es ist Zeit für eine Veränderung.

Und man lässt sich einfach dann auf etwas Neues ein. Kuckt Mal, vielleicht sind die Abhängigkeiten ja gar nicht so schlimm oder gravierend und es lassen sich andere Lösungen finden, die einem leichter fallen. Es geht darum sich wirklich bewusst zu machen, dass die eigene Zeit auch die eigene Zeit ist. Und das man jederzeit darüber verfügen kann. Ich habe für mich entschieden diesen Satz tatsächlich nach und nach, aufmerksam zu beobachten und zu sagen, den streiche ich aus meinem Gebrauch. Wenn ich sage, ich möchte dort nicht mit, ich möchte das nicht machen, dann sage ich: Du das Thema interessiert mich einfach nicht und damit möchte ich mich nicht auseinandersetzen. Oder: Ich habe heute noch andere Sachen zu erledigen, die mir einfach wichtiger sind und vielleicht in einer Woche bin ich gerne bereit mich nochmal mit Dir darüber zu unterhalten.

Das sind eben dann tatsächlich Entscheidungen, womit ich auch Verantwortung und verantwortlich für mein eigenes Leben umgehe. Und nicht sage ich bin ein Getriebener meines Lebens. Sondern, ich erlebe tatsächlich mein Leben, dann jeden Tag als mein Eigenes. Über das ich eben jederzeit eingreifen kann und sagen kann: Ich entscheide, dass mein Leben so ist wie es ist. Egal welche Abhängigkeiten von außen scheinbar gesetzt sind. Sie können mich letztendlich nicht dazu zwingen Dinge zu tun. Ich kann durchaus verstehen, wenn einige jetzt sagen: So ein Quatsch. Ich kann mich hier aus diesen und jenen Sachen nicht raus stehlen, bin diese Verpflichtungen eingegangen.

Aber dann ist zumindest immer noch die Entscheidung zu sagen, es gab einen Grund warum man diese Verpflichtung eingegangen ist. Und daran sich einfach zu erinnern zu sagen: Es gab Gründe. Es war mir wichtig. Auch wenn sich das jetzt geändert hat, ist es mir immer noch wichtig genug, zum Beispiel ein Versprechen einzuhalten. Auch wenn es Gründe gäbe die jetzt vielleicht dagegen sprechen das noch zu tun. Auch da wieder die Aufforderung: Keine Angst vor, naja es sind ja nicht mal soziale Konflikte, sondern eher im Gegenteil, lieber diese kleinen sozialen Lügen auszuschalten. Und zu sagen: Du, mir geht es jetzt um andere Dinge. Andere Sachen sind mir gerade wichtiger geworden.

Und ich fände es gut, wenn Du damit einverstanden bist, wenn wir diese und jene Absprache auflösen könnten. Weil es für mich einfach zu schwer wird diese zu erfüllen und es vielleicht andere Lösungen eben gibt. Aber sofern man das nicht anspricht und sofern man eben einfach dabei bleibt zu sagen: Ich hätte keine Zeit. Bleibt dieses gewisse Ohnmachtsgefühl dabei. Und es lässt sich halt schwer dann mit Freude genießen. Weil wie kann ich ein Leben genießen, indem ich mich selbst immer nur als Getriebener erlebe. Als Abhängiger, ohne als eigener Gestalter, ohne der Schöpfer, der ich im Endeffekt für mein eigenes Leben sein kann.

Soweit einfach mal ein paar Gedanken zu diesem netten Satz: Ich habe keine Zeit. Mein Aufruf an Euch ist: Denkt mal darüber nach und überlegt Euch ob es nicht für Euch auch ein angenehmeres Gefühl ist wenn Ihr sagt: Es stimmt nicht, dass ich keine Zeit habe. Sondern es ist meine Entscheidung gewesen meine Zeit so und so zu verbringen. Auch wenn ich es heute gerne anders hätte. Aber Versprechen und Absprachen sind mir wichtig und deswegen halte ich mich trotzdem daran. Und dann könnt ihr immer noch „Ja.“ dazu sagen, auch wenn es schwerer fällt. Bis demnächst und tschüss.

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Mem-Tagebuch #001: Griechenland (2015) https://martinfinger.de/mtb-001-griechenland-2015/ Wed, 01 Jul 2015 11:00:00 +0000 In dieser Folge spreche ich über den Umgang mit Griechenland und seinen Problemen seine Schulden weiter bedienen zu können. Die ursprüngliche Aufnahme ist vom 01.07.2015 und Ihr findet sie hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt. Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu […]

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In dieser Folge spreche ich über den Umgang mit Griechenland und seinen Problemen seine Schulden weiter bedienen zu können.

Die ursprüngliche Aufnahme ist vom 01.07.2015 und Ihr findet sie hier. Für den Podcast habe ich das Audio überarbeitet und soweit möglich Pausen, Störgeräusche sowie Verzögerungslaute entfernt.

Im Mem-Tagebuch teile ich mit Euch meine Gedanken zu gesellschaftlichen, philosophischen oder politischen Themen.

Transkript

Jeder Block entspricht ca. 30 Sekunden im Audio.

Willkommen zur ersten Folge des neuen Mem-Tagebuchs. Ein neues Format was ich jetzt hiermit anfange. Worum geht es? Einzelne Gedanken aufzunehmen und zu verbreiten ohne dass es als zu viel Vorbereitung benötigt. Und dazu nehme ich Euch einfach immer ein Stück mit in den Wald und erzähl Euch ein paar Sachen. Was für Gedanken mich beschäftigen und vielleicht der eine oder andere Gedanke den Ihr gerne weitertragen könnt.

Und aktuell worum geht es natürlich, um das Thema Griechenland. Sage bewusst nicht Griechenlandkrise weil: Was ist denn dieses Krise eigentlich und worum geht es bei dieser ganzen Geschichte?
Spannend ist an der Stelle, wie darauf reagiert wurde, dass der griechische Regierungschef, diese Volksabstimmung jetzt am Wochenende machen will oder vielmehr ist es ja eine Volksbefragung. Wo es darum geht: Wie steht denn die Bevölkerung selber hinter diesen ganzen Maßnahmen, die von der EU oder von den europäischen Ministern/Finanzministern gefordert werden die Griechenland jetzt alle noch umzusetzen habe, damit sie weiterhin Geld bekommen. Damit sie letztendlich weiterhin ihren Schuldendienst leisten können.

Wer sich vielleicht ein bisschen mit Verhandlungskonzepten mal auseinandersetzt. Es gibt eben nicht nur das Harward-Konzept des WinWin, sondern solche Verhandlungen wie diese sind eher harte Verhandlungen und da ist es offensichtlich sehr geschickt gewesen, was er da angestellt hat. Denn die anderen Minister haben sehr verärgert darauf reagiert. Weil sie offensichtlich merken, dass es durchaus ein Gewicht hat, wenn er am Montag mit der Unterstützung seines Volkes tatsächlich wieder in die Verhandlungen zurückkehrt uns sagt: „Ich hab mein Volk hinter mir und die sagen, so nehmen wir das Zeug nicht an.“ Es ist ja auch nicht so, dass er es generell ablehnt. Weil, es gab heute noch wieder ein Schreiben, indem er zumindest auf einige Punkte eingegangen ist. Aber eben immer noch selber entscheiden möchte, welche Sparmaßnahmen in welcher Form und auch in welchen Fristen umgesetzt werden.

Da ist letztendlich die Frage, soll ein Regierungschef selber noch die Hand darüber behalten welche Gesetze und welche Maßnahmen in seinem Land verabschiedet werden. Oder ist es tatsächlich legitim, dass Einzelpersonen aus anderen Ländern, die ja in der Form für diese Maßnahmen überhaupt nicht demokratisch legitimiert sind, über solche Dinge entscheiden. Auf der anderen Seite ist immer noch die Frage: Worum dreht sich überhaupt die ganzen Verhandlungen? Es geht ja letztendlich darum, dass griechische Volk in irgendeiner Form Rechnungen zu begleichen hat, die von anderen ausgehandelt wurden, von denen, die das Geld ausgegeben haben. Und jetzt soll das griechische Volk, in Form seiner Lebenszeit, umgerechnet in Steuern, wiederum dafür bezahlen und da ist doch eher die Frage: Wie gerecht ist das denn tatsächlich?

Und so viele Gelder sind Griechenland bisher überhaupt nicht erlassen worden. Weil dieser erste Schuldenschnitt 2012, mit den 105 Milliarden, tatsächlich eine Entlastung waren, das kann ich im Moment nicht genau nachvollziehen, weil ich nicht weiß ob die Netto wirklich dann erlassen wurde. Auf jeden Fall die späteren angeblichen Schuldennachlässe, die waren keine Schuldennachlässe im nominellen Sinne sondern nur, dass die Schulden über einen längeren Zeitraum und zumindest mit weniger Zinsen zurückgezahlt werden sollten. Das ist aus meiner Sicht kein Schuldennachlass, sondern eher ein Verzicht auf versprochene Gewinne, die man sozusagen aus irgendeiner Bevölkerung herauszieht. Insgesamt stelle ich auf jeden Fall in Frage, wie legitim es eigentlich ist, diese ganze Steuerthematik, zu sagen: „Es ist legitim, dass einige Wenige darüber entscheiden was mit Steuergeldern und damit mit der Lebenszeit von vielen Millionen Menschen zu passieren hat.“

Ich selber bin an der Stelle sehr kritisch uns sage: „Ich finde es nicht in Ordnung, dass eben ohne die Bevölkerung, dass sie selber überhaupt nicht entscheiden darf, dass dieses Geld für dieses oder jenes ausgegeben wird.“ Und letztendlich haben diese ganzen Zwangsmaßnahmen, die der griechischen Regierung dort verordnet werden, dass sie sie dann durchsetzen solle, keine wirkliche Perspektive, wie Griechenland von diesem Schuldenberg runterkommen soll. Genauso wenig wie alle anderen europäischen Länder irgendwelche sinnvollen Aussichten haben, diese Schulden mal eben abzutragen.

Und das nächste ist die Frage: Was steht diesen Schulden tatsächlich gegenüber? Die meisten dieser Gelder laufen inzwischen von Banken. Und diese Banken können im Endeffekt in unserem Geldsystem heute so viel Geld erzeugen wie sie wollen. Das heißt, es geht überhaupt nicht darum ob da irgendwelches Geld von Sparern wirklich dahinter steht. Sondern das Geld wird in dem Moment gebucht, solange man die Schuldtitel von Griechenland sozusagen dem gegenüber stellt. Die Frage ist halt nur, wie lange ist es eben glaubwürdig genug, dass man sagt, irgendwann wir sozusagen diese Spirale enden. Griechenland nicht ständig neue Schulden aufnehmen kann, um die Schulden und die einzelnen Kredite die ausstehen zurückzuzahlen.

So wie eben die Rate vom IWF Dienstagnacht sozusagen geplatzt ist oder nicht gezahlt werden konnte. Aber letztendlich sind es eben alles nur Luftbuchungen, die unserem Geldsystem einfach so möglich sind. Da stehen nicht wirklich Sparer dahinter, die ihr Geld verlieren. Das war eigentlich nur an der ersten Stelle, wo tatsächlich Privatpersonen die Staatsanleihen von Griechenland gehabt haben, sozusagen umfirmiert wurden und tatsächlich ihren nominellen Anspruch gegenüber Griechenland eingebüßt haben. Bei den Banken sind es nur reine Buchungsgeschichten.

Die Frage ist: Weswegen? Selbst wenn man in Deutschland Griechenland so hinstellt, als würde Griechenland die deutschen Steuerzahler ausnehmen. Es fließen keine Steuergelder, sondern es fließen vor allen Dingen Bankkredite. Die, solange sie halt nicht abgeschrieben werden, auch keiner Gegenbuchung bedürfen. Insofern möchte ich einfach an der Stelle den Rahmen etwas größer setzen uns sagen: „Es geht an der Stelle gar nicht wirklich um Griechenland und irgendwelche Zahlungsverpflichtungen.“ Sondern es geht tatsächlich die Frage: Systematik unseres Finanzsystems und unserer Staaten, dass es legitim ist, dass dort über Lebenszeit auf Jahre hinaus im Endeffekt von Menschen entschieden wird und wie mit deren Lebenszeit in Form von Steuern und Abgaben, die dort erhoben werden, überhaupt verfahren wird.

Soweit für heute ein paar Gedanken einfach zum Griechenlandthema. Und bis auf demnächst. Tschüss.

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Der Übergang https://martinfinger.de/der-uebergang/ Mon, 28 Apr 2014 15:02:00 +0000 In der Rekapitulation der Gespräche und Diskussionen vom AnCap Happening 2014 in Storkow drängt sich mir gerade eine Frage auf: Können die Überlegungen für die Funktionsweise einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft, auch auf eine Zeit des Übergangs, von der heutigen Welt in eine anarcho kapitalistische Gesellschaft, angewendet werden? In den Gesprächen ist implizit und explizit oft […]

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In der Rekapitulation der Gespräche und Diskussionen vom AnCap Happening 2014 in Storkow drängt sich mir gerade eine Frage auf: Können die Überlegungen für die Funktionsweise einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft, auch auf eine Zeit des Übergangs, von der heutigen Welt in eine anarcho kapitalistische Gesellschaft, angewendet werden?

In den Gesprächen ist implizit und explizit oft das Argument aufgetaucht, dass in einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft, in welcher kein Staat mit Geld- und Gewaltmonopol existiert, es unmöglich sei, dass Großkonzerne entstehen oder längere Zeit bestehen könnten. Entsprechend wäre niemand in der Lage Kernkraftwerke zu bauen. Dazu möchte ich zwei Thesen aufstellen, die aus meiner Sicht gegen dieses Annahme sprechen.

Angenommen es gelingt den Staat und die damit verbundenen zentralistischen Ordnungssysteme aufzulösen, dann entsteht zunächst ein Machtvakuum. Konzerne profitieren bei der Umsetzung von Großprojekte, wie die Errichtung von Talsperren und Autobahnen, von den Enteignungsmöglichkeiten des Staates. Grundsätzlich ist der Staat, welcher die Entstehung der Konzerne ermöglicht, auch die einzige Instanz welche sie beschränkt. Fällt der Staat aus dem heutigen Machtgefüge heraus, können dann Gruppierungen wie sie heute in Form von Greenpeace oder Occupy existieren dieses Machtvakuum füllen? Ist es wahrscheinlich und realistisch anzunehmen, dass die verbleibenden Kräfte und Strukturen stark genug sind, um einen globalen Konzern zu beschränken? Vielleicht mag es sein, dass in einer Welt die bereits anarcho kapitalistisch funktioniert, die Entstehung solcher Konzerne ausgeschlossen ist, weil es nicht möglich ist eine juristische Person zu erschaffen, in dessen Namen Handlungen ausgeführt werden, für welche kein Mensch persönlich Verantwortung übernimmt oder gar haftet. Aber da der Übergang, entsprechend dem Nichtaggressionsprinzip, friedlich erfolgen soll, werden die Konzerne nicht zerschlagen und die Eigentumsverhältnisse der Konzerne und ihrer Eigentümer wohl anerkannt werden. Entsprechend werden diese globalisierten Unternehmen nicht aufhören zu existieren.

Meine zweite These kritisiert die Vorstellung, dass in einer etablierten anarcho kapitalistischen Gesellschaft mit kapitalistisch organisierter Wirtschaft, die Entstehung von Großkonzernen ausgeschlossen oder zumindest unwahrscheinlich sei. Sowie die Vorstellung, dass eine dauerhaft werthaltige Währung ein anzustrebendes Ziel sei. Ein Aspekt einer kapitalistischen Wirtschaft ist die Möglichkeit Kapital zu akkumulieren. Daher gehe ich davon aus, dass mindesten eine freiwillige Währung existieren wird, welche das Ziel verfolgt eben diese dauerhafte Wertaufbewahrung zu ermöglichen. Ich möchte Beispiele aus der Geschichte und der Gegenwart herausgreifen, welche ich auch in einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft für möglich halte. Ein geschichtliches Beispiel ist die Machtakkumulation der Fugger, welche mit Handel und Geldgeschäften über lange Zeit einen großen Einfluss in Europa ausüben konnten. Als gegenwärtiges Beispiel für die Akkumulation großer persönlicher Kapitalmengen möchte ich Microsoft bzw. die Gates Familie anführen. Bei beiden Beispielen sehe ich den Anteil des Staates als so gering an, dass ich diese Akkumulation auch in einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft für möglich halte. Natürlich kann es sein, dass der fehlende Schutz von geistigen Eigentum, in Form von Urheberrecht und Patentrecht, sowie die Abwesenheit von politischen Entscheidungsträgern, in einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft, eine solche Kapitalakkumulation verhindern könnten. Mir wäre diese Argumentation allerdings noch zu schwach. Die Behauptung eine solche Machtkonzentration wäre unkritisch für die persönliche Freiheit aller, teile ich ebenfalls nicht.

Insofern stellt sich mir die Frage, ob das kapitalistische Prinzip der unbegrenzten Kapitalakkumulation im Widerspruch steht mit dem Prinzip der Freiheit des Individuums. Mit diesem Artikel möchte ich einen Beitrag leisten, darüber nachzudenken ob und wenn ja, wie, eine kapitalistische Wirtschaft in Verbindung mit dauerhaftem Geld mit der persönlichen Freiheit des Einzelnen verbunden werden kann. Es ist aus meiner Sicht zu berücksichtigen, dass Geldakkumulation auch einer Machtakkumulation entspricht, welche in einer anarchischen und damit freiheitlich und freiwillig organisierten Gesellschaft kein Gegengewicht hat, da es keine Instanz gibt, welche Machtakkumulation unterbindet. Ich will damit nicht propagieren, eine solche Instanz zu erschaffen sondern im Gegenteil sich von dem Gedanken eines ewig werthaltigen Geldes zu lösen und damit dieser Form der Ansammlung von Macht die Basis zu entziehen. Natürlich soll es ohnehin eine Währungskonkurrenz geben, aber genau daher halte ich es für wichtig sich zu überlegen welche Konsequenzen die Verwendung verschiedener Währungen mit sich bringen und welche Wirtschaftsformen mit den Zielen einer anarchistischen Gesellschaft vereinbar sind.

Ich freue mich auf andere Meinungen und Sichtweisen und bin gespannt mit welchen Argumenten meine beiden Thesen entkräftet werden die ich noch einmal kurz zusammenfasse.

  • Konzerne sind bereits vorhanden und werden nicht mit Entstehung einer anarcho kapitalistischen Gesellschaft automatisch verschwinden.
  • Unbegrenzte Kapitalakkumulation ist mit individueller Freiheit nicht vereinbar, da unbegrenzte Machtakkumulation die individuelle Freiheit gefährdet.

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Ein Ding namens Geld https://martinfinger.de/ein-ding-namens-geld/ Fri, 14 Feb 2014 12:05:00 +0000 Es ist an der Zeit meine Reise fortzusetzen. Nach Monaten auf Reisen widme ich mich heute meinen Finanzen. Wenn möglich, bezahle ich meine Unterkunft und Verpflegung mit meiner Zeit und meinem Wissen. Ich helfe bei anstehenden Arbeiten oder unterhalte mich mit den Menschen. In den Fällen wo ich meine Zeit nicht hergeben konnte oder wollte, […]

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Es ist an der Zeit meine Reise fortzusetzen. Nach Monaten auf Reisen widme ich mich heute meinen Finanzen. Wenn möglich, bezahle ich meine Unterkunft und Verpflegung mit meiner Zeit und meinem Wissen. Ich helfe bei anstehenden Arbeiten oder unterhalte mich mit den Menschen. In den Fällen wo ich meine Zeit nicht hergeben konnte oder wollte, verwendete ich stattdessen dieses Ding namens Geld. Nachdem ich meine Rechnung beglichen habe mache ich mich auf und davon. Vielleicht aus gutem Grund? Was ist dieses Etwas das Geld genannt wird? Wie funktioniert es, dass ich hunderte Kilometer von der Stelle an der ich Geld erhalten habe dafür Waren kaufen kann? Ist Geld wirklich etwas wert? Woher kommt dieser Wert? Was weiß ich über Geld? Ist Geld am Ende nichts anderes als ein Schwarzer Peter und derjenige, welcher am Ende des Spiels das Geld noch hat, hat verloren?

Da sich die ganze Welt um Geld dreht, muss es wohl wichtig sein. Vielleicht handelt es sich dabei auch um eine Fehleinschätzung? Was nützt mir dieses Geld? Warum sollte es für mich wichtig sein? Wenn ich jemandem eine Leistung erbringe, kann mich dieser mit Geld entlohnen. Statt mir einen Gefallen oder eine Gegenleistung schuldig zu bleiben, kann er diese Schuld mit Geld sofort begleichen. Ich habe den Vorteil, dass ich mit Geld Leistungen anderer Personen in Anspruch nehmen kann. Unsere Verbindung ist kurzfristiger Natur und wird vollständig aufgelöst, sobald die Leistung erbracht und die Bezahlung erfolgt ist. Wir sind im Anschluss wieder wie Fremde füreinander.

In der Volkswirtschaft werden dem Geld drei Funktionen zugeordnet. Die erste Funktion ist die eines Zahlungsmittels, welche den oben beschriebenen Austausch widerspiegelt. Diese Funktion ist sehr eng verbunden mit der Funktion des Wertmessers. Es ist sehr praktisch, wenn an jeder Ware ein Preis in der allgemein als Geld verwendeten Einheit angeschlagen ist. So kann ich leicht prüfen, ob mein Geld ausreicht, um meine Wünsche nach Gütern zu befriedigen. Als dritte Funktion des Geldes wird die Wertaufbewahrung genannt. Letztere steht der Funktion als Zahlungsmittel konträr gegenüber. Ich kann einen Kuchen nicht essen und gleichzeitig behalten. Das Geld welches ich sparen möchte kann ich nicht ausgeben. Wenn ich das Geld ausgegeben habe steht es mir nicht mehr zur Verfügung. Geld als Wertmesser zu bezeichnen ist allerdings nicht korrekt. Wenn ich die Länge eines Tisches messe, erfahre ich wie viele Meter der Tisch lang ist. Wenn ich den Wert des Tisches erfahren möchte und mir dazu seinen Preis ansehe, dann weiß ich wie viele Euro er kostet. Aber seinen Wert kenne ich nicht. Ich könnte ausrechnen wie viele Stunden ich arbeiten müsste, um diesen Tisch erwerben zu können. Geld bietet eine einfache Möglichkeit, Waren miteinander zu vergleichen. Ich erfahre z.B., dass vier Stühle genauso viel kosten sollen wie ein Tisch.

Was erfahre ich durch den Preis einer Ware, wenn es nicht der Wert der Ware ist? Was hat Geld überhaupt mit Wert zu tun? An dieser Stelle ist es nötig, dem Begriff Wert eine Identität zu geben. Der Wert den jemand einem Tisch zuordnet, hängt von seinen persönlichen Vorlieben ab. Die Menge an Euro, die jemand für einen Tisch zu zahlen bereit ist, hängt vor allem davon ab, wie gut es demjenigen gelingt, Euros zu erhalten und welches seine Kosten dafür sind. Die Kosten für den Euroerwerb bestehen vor allem in der Investition der eigenen Lebenszeit. Die Definition für den Wert eines Tisches ergibt sich aus dem subjektiven Nutzen, welchen sich jemand von diesem Tisch erwartet. Hierbei ist es wichtig zu erkennen, dass dieser Wert auf einer Erwartungshaltung beruht. Diese Erwartung kann sich als Fehleinschätzung herausstellen. Im Gegensatz zur Annahme der Wirtschafts- oder Rechtswissenschaft, bei welchen davon ausgegangen wird, bei einem Geschäft von Ware gegen Geld würden Werte in gleicher Höhe ausgetauscht werden, entspricht eher das Gegenteil der Wirklichkeit. Ein freiwilliger Austausch findet nur statt, wenn beide Seiten von diesem Tausch einen Mehrwert erwarten. Dieser Vorteil basiert auf den unterschiedlichen subjektiven Bewertungen der Ware. Da beide Seiten auch die verwendeten Geldeinheiten nach ihrem Wertemaßstab beurteilen, ist es ihnen möglich, den Austausch über Geld zu vollziehen. Der Preis einer Ware kommuniziert mir etwas über die Werte des Verkäufers. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Verkäufer den Preis so festlegt, dass die Menge an Geld für den Verkäufer mehr Wert besitzt als die Ware zum aktuellen Zeitpunkt für ihn repräsentiert. Diese Einschätzung kann sich jederzeit ändern.

Eine wichtige Eigenschaft von Geld ist seine Beschränktheit. Es ist nicht wichtig, dass die Geldmenge absolut beschränkt ist. Es ist nur wichtig, dass die Verfügbarkeit von Geld so beschränkt ist, dass sich die Menge, welche einer Person zur Verfügung steht, sich nicht unkalkulierbar ändert. Sonst ist eine preisliche Auszeichnung von Waren nicht mehr möglich, da der Verkäufer nicht mehr einschätzen kann, welcher Betrag seiner Nutzenvorstellung entspricht. In einem solchen Fall bleiben die Geschäfte in der Folge eher leer, wie zur Zeit der Hyperinflation 1923 oder in der Inflation um 1945. Wenn ein Schreiner fünf Tische pro Woche produziert (Herstellungskosten seien 15 Euro) und 250 Euro pro Woche Ausgaben für seine Lebensführung hat, wird er einen Tisch für mindestens 65 Euro verkaufen müssen (15 Euro Material + 50 Euro Bedarf des Schreiners). Da heute bereits ein Geldsystem existiert, können wir leicht berechnen, wie viel unsere Tätigkeit uns einbringen muss, damit wir unsere Bedürfnisse decken können. Ohne Geld wäre diese Rechnung etwas komplizierter, weil wir nicht in Euro rechnen würden, sondern unsere Arbeit in Beziehung zu unserem Bedarf an Kleidung, Brot und Unterkunft setzten müssten. Wenn der Schreiner seine Tische nur für 30 Euro verkaufen kann, muss er überlegen, wie er entweder mehr Tische produzieren kann oder er muss eine andere Tätigkeit finden, um seinen Bedarf von 250 Euro pro Woche zu decken. Wenn er keine andere Tätigkeit finden sollte, müsste er zur Selbstversorgung zurückkehren.

Schon geht es um Leben und Tod. Das erscheint zu weit hergeholt? Das Bild mag etwas drastisch sein, aber für den Fall, dass der Schreiner keine Tätigkeit findet für welche er seine 250 Euro als Gegenleistung erhalten kann, um sich mit Lebensmitteln, Kleidung und Unterkunft zu versorgen, stellt sich für ihn diese Frage sehr wohl. Die Vorstellung, dass er zu einer Selbstversorgung zurückkehren könne, scheitert daran, dass er dafür Land benötigt, welches er nicht besitzt. Da alles Land in unserer heutigen Zeit jemandem gehört ist es unwahrscheinlich, dass es ihm einfach geschenkt wird. Nehmen wir einmal an, dass es ihm wirklich nicht möglich ist, eine Tätigkeit zu finden, welche ihm 250 Euro pro Woche einbringt. Auch wenn es heute noch unwahrscheinlich erscheint, dass Waren fast vollständig von Maschinen produziert werden, so ist eine solche Entwicklung technisch denkbar. Was soll unser Schreiner machen, wenn er nicht zur Wissenselite gehört, welche diese Maschinen entwickelt und wartet?

Der Frage, was Geld ist, haben wir uns nur indirekt genähert. Auf unserem Weg sind wir bereits der Schuld und dem Tod begegnet. Aber wie entsteht Geld, mit dem wir Schulden begleichen können und dessen Abwesenheit unseren Tod bedeuten kann?

Wie oben beschrieben ist der Wert einer Ware etwas Subjektives. Daher kann Geld selbst keinen objektiv messbaren Wert besitzen. Ein Zahlungsmittel, welches einen eigenen Nutzen unabhängig von seiner Zahlungsfunktion besitzt, trägt immer das Risiko in sich, die Neutralität im Austausch gegenüber den Waren zu verlieren. Verliert es diese Neutralität, kann dies dazu führen, dass das Geldsystem zusammenbricht, weil das Geld als Zahlungsmittel verschwindet. Dieses Verschwinden konnte in der Vergangenheit bei metallgedeckten Währungen beobachtet werden. Solange der materielle Wert des verwendeten oder in Beziehung gesetzten Metalls hinter der subjektiven Wertrepräsentation als Zahlungsmittel zurück blieb, blieb das Zahlungsmittel im Umlauf. Überstieg der materielle Wert denjenigen des Zahlungsmittels, so wurden die Münzen eingeschmolzen, die Lagerscheine eingelöst und das Geld verschwand. Unser heutiges Geld besitzt keinen materiellen Wert und ist auch an keinen solchen mehr gekoppelt, wie es durch das Bretton-Woods-System von 1944 bis 1973 noch der Fall war. In dieser Zeit waren die weltweiten Währungen durch einen festen Wechselkurs zum Dollar, der eine Golddeckung aufwies, indirekt an Gold gebunden. Allein unser Glaube in den Wert unseres Geldes garantiert dessen Wert. Dieses Vertrauen ist grundsätzlich nötig, unabhängig davon, ob es sich um Papiergeld oder wertgedecktes Geld handelt. Selbst eine Münze aus purem Gold wird mein Überleben nicht ermöglichen wenn niemand bereit ist, mir etwas dafür zu verkaufen.

Spreche ich mit anderen Menschen über den Wert des Geldes und über die Goldbestände welche Deutschland bzw. die Bundesbank im Eigentum hat, scheint es in den persönlichen Vorstellungen noch eine irgendwie existierende Verbindung zu geben. Den Menschen scheint die Vorstellung wenig zu behagen, dass unser Geld heute nur ein buntes Stück bedruckten Papieres ist, dessen Herstellungskosten nur wenige Cent betragen, aber pro Stück zwischen 5 Euro und 500 Euro Wert sein soll. Ich denke dies liegt daran, dass sie nicht erinnert werden wollen, dass der Wert ihres Geldes vom Vertrauen aller Anderen abhängt. Es gibt keinen inneren Wert des Geldes, wie er oft bei Goldwährungen als Erklärung für den Wert des Geldes herangezogen wird. Ich denke ein besseres Verständnis zum Wert des Geldes ergibt sich aus dem Erklärungsansatz von Frau Dr. Eva-Maria Hubert. Sie erklärt Geld als Sozialtechnik dessen Wert auf seiner Funktion als Geld basiert. Weil Menschen bereit sind, Geld in einer bestimmten Form zu verwenden, bekommt es den Wert, den es für diese Verwendung benötigt. So wie Menschen sich verstehen, wenn sie sich auf eine gemeinsame Sprache verständigt haben, so ist Geld eine Sprache für den Austausch von Werten. So wie in der Sprache das individuelle Verständnis einzelner Wörter voneinander abweicht, so ist auch der subjektive Wert eines Euros für jeden verschieden. Eine Verständigung ist trotzdem möglich, genauso wie der Austausch von Waren.

Es ist erstaunlich wie in der Wirtschaftswissenschaft rund um das Geld eher narrative Elemente verbreitet werden, statt die Geschichte des Geldes zu untersuchen und zu analysieren. Besonders eindrucksvoll ist dabei die Geschichte vom Tauschhandel, welche von Adam Smith in seinem Buch „Reichtum der Nationen“ eingeführt wurde. Seine Beschreibung, wie sich das Geld im Übergang einer Gesellschaft von der Tauschwirtschaft zur Marktwirtschaft entwickelt habe, ist eine Fiktion. Eine solche Entwicklung hat es so nie gegeben, zumindest wenn man den Ausführungen von David Graeber in seinem Buch „Schulden. Die ersten 5.000 Jahre.“ Glauben schenkt. Es gab nie eine Gesellschaft in welcher der Naturalientausch in Form von zehn Hühnern gegen ein Schwein wirklich stattgefunden hat. Stattdessen war Geld nicht in Form von Münzen in Verwendung, sondern als virtuelle Recheneinheit. Beim Händler wurde angeschrieben und die Schulden zu einem späteren Zeitpunkt beglichen. Natürlich fand dies nur unter Menschen Anwendung welche zueinander in einer irgendwie gearteten Beziehung standen und sich soweit vertrauten, dass der Händler davon ausgehen konnte, dass derjenige welcher etwas bei ihm anschreiben ließ auch wirklich zahlen würde. Ebenso enthält die Geschichte rund um den freien Markt, die Smith vorträgt, mehr narrative Aspekte als eine geschichtliche Analyse. Wir glauben heute, dass sich der Markt von selbst entwickelt hätte und der Staat nur ein Störfaktor gegenüber dem Markt sei. Geschichtlich scheint dies nicht belegbar zu sein. Die Schaffung von Märkten, in denen Geld basierend auf Edelmetallen verwendet wurde, stand geschichtlich immer in einem starken Zusammenhang mit Staaten und militärischen Eroberungen. Die Eckpfeiler dafür, dass sich eine Goldwährung durchsetzen konnte war zum einen ein Staat, welcher die Zahlung von Steuern nur in der Goldwährung akzeptierte und parallel seine Soldaten eben mit jenem Gold bezahlte. So entstand der Markt rund um die Versorgung der Heere. Das gegenüber Soldaten kein virtuelles Geld verwendet wurde, ist leicht nachvollziehbar, da es mit großen Unsicherheiten verbunden war, ob der Soldat je wieder in eine Stadt zurückkehren würde, um seine Schulden zu begleichen. Wohingegen ein Bauer oder Handwerker länger am Ort verweilte und ihm daher mehr Vertrauen entgegengebracht wurde. Interessant ist, dass unser heutiges Geld nicht mehr auf Metall beruht, aber trotz seiner Ähnlichkeit mit virtuellem Geld, in seiner Wirkung eher der Anonymität eines Metallgeldes entspricht. Der Wert basiert auf dem Vertrauen, dass das Geld den entsprechenden Wert habe. Die Transaktionen erfolgen anonym und die Beziehung zwischen Verkäufer und Käufer wird nach der Transaktion umgehend wieder aufgelöst.

In welchem Umfang die Entstehung unseres Geldes durch Kredit und welchen Aspekt der Zins und Zinseszins dabei spielen werde ich in einem nächsten Beitrag weiter ausführen.

Mein Video zum diesem Beitrag
http://www.youtube.com/watch?v=hu1FIMb6GEQ

Weiterführende Links zu angesprochenen Themen
Adam Smith – The Wealth of Nations
Bretton-Woods-System
David Graeber – Schulden. Die ersten 5.000 Jahre.
Dr. Eva-Maria Hubert – Sozialtechnik Geld: http://www.youtube.com/watch?v=RcqcgdhHUGU
Geldfunktion
Grimm Wörterbuch: Geld
Inflation 1923 in Deutschland

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Inflation und Deflation – Von der Illusion etwas zu messen. https://martinfinger.de/inflation-und-deflation-von-der-illusion-etwas-zu-messen/ Sat, 21 Sep 2013 08:05:00 +0000 Es ist sehr spannend in einer Zeit zu leben, in der Begriffe mehr Schein als Sein enthalten. Illusionen werden in Zahlen verpackt, welche noch auf die Nachkommastelle genau ermittelt werden. Aus meiner persönlichen Sicht ein Versuch, Illusionen möglichst real erscheinen zu lassen. In der folgenden Erklärung geht es darum, die Illusionen der heutigen Inflationsmessung aufzuzeigen. […]

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Es ist sehr spannend in einer Zeit zu leben, in der Begriffe mehr Schein als Sein enthalten. Illusionen werden in Zahlen verpackt, welche noch auf die Nachkommastelle genau ermittelt werden. Aus meiner persönlichen Sicht ein Versuch, Illusionen möglichst real erscheinen zu lassen.

In der folgenden Erklärung geht es darum, die Illusionen der heutigen Inflationsmessung aufzuzeigen. Die Erklärung ist sowohl auf Inflation als auch Deflation anwendbar. Im weiteren Verlauf spreche ich nur von Inflation. Die Erklärungen sind für Deflation bitte analog zu verstehen.

Definition

Umgangssprachlich wird Inflation mit Preissteigerung gleichgesetzt. Die Zahlen zur Inflation basieren auf Indexveränderungen von Preisen einer Periode zu einer anderen. Das statistische Bundesamt beschreibt den Begriff Inflationsrate insoweit plausibel, indem es erklärt, dass die Zahl eine Veränderung eines Index widerspiegelt. Der Verbraucherpreisindex basiert auf einem Warenkorb und trifft nur eine Aussage darüber, wie sich Preise verändert haben.

Es wird damit jedoch keine Aussage zur Inflation im engeren Sinne getroffen. Auch dazu findet sich beim statistischen Bundesamt eine Definition, welche eine Verbindung zwischen Geldmenge und Preissteigerung herstellt. Eine Inflationsrate im engeren Sinn soll eine Aussage darüber machen, in welchem Umfang eine Ausweitung der Geldmenge für einen Anstieg der Preise verantwortlich ist. Eine Grundannahme für die Berechnung hat seinen Ursprung in der Quantitätsgleichung:

Geldmenge * Umlaufgeschwindigkeit = Preisniveau * Transaktionen

Kritik

Was ist jetzt an einer Aussage von z.B. 2,1% Inflation für Deutschland im Jahr 2012 so problematisch? Meine Kritik ist, dass diese Zahlen etwas suggerieren, was einer Lüge gleichkommt. Die Botschaft ist, dass die Geldmenge um 2,1% ausgeweitet wurde und die Preise deshalb um diesen Teil gestiegen seien. Aber diese Aussage ist in mehreren Punkten falsch. Der erste Punkt ist, dass die Geldmenge M3 im gleichen Zeitraum, also Januar 2012 bis Januar 2013, für Deutschland um 6,1% gestiegen ist. Jetzt kann man darüber spekulieren warum es zwischen der Geldmengenveränderung und der Inflation eine Diskrepanz gibt. Aus meiner Sicht ist eine mögliche Erklärung, dass die Wirkungen dieses zusätzlichen Geldes sich vor allem in den Preisänderungen von Immobilien, Wertpapieren und anderen Finanzprodukten widerspiegeln. Eine Wirkung auf die Preise erfolgt nur indirekt, sofern Güter Renditen in Form von Mieten, Dividenden oder Kreditzinsen erwirtschaften müssen.

Ein zweiter Punkt, welcher unterschlagen wird, ist die Veränderung der Produktionsproduktivität. Für das Jahr 2012 wird die Veränderung der Arbeitsproduktivität zum Vorjahr mit – 0,4% bzw. 0,5% angegeben. Eine Verbesserung der Produktivität müsste sich, wenn die Geldmenge konstant bleibt, entweder in fallenden Produktpreisen oder in einem Anstieg der Einkommen der Beschäftigten widerspiegeln. Auf jeden Fall würde es zu einer Verbesserung der Kaufkraft führen.

Weitere Aspekte, welche innerhalb der Preisveränderungen nicht abgegrenzt werden können, sind Veränderungen welche in einer dynamischen Wirtschaft ständig ablaufen. Es ändern sich Vorlieben von Kunden, die Verfügbarkeit von Ressourcen und vieles mehr. Es gibt viele Ursachen, warum sich Preise ändern. Ich denke es ist leicht ersichtlich, dass allein für ein Produkt, im Rahmen der heutigen Arbeitsteilung, leicht eine lange Liste verschiedener Ursachen zusammenkommt. Jede Ursache wäre wiederum im Detail zu untersuchen, ob sie in Verbindung mit einer Änderung der Geldmenge stand.

Ich halte es für prinzipiell unmöglich, allgemeine Preisveränderungen von Preisveränderungen aufgrund der Geldmengenänderung abzugrenzen. Dafür wäre es nötig ermitteln zu können, wie sich der Preis verändert hätte, wenn die Geldmenge nicht geändert worden wäre. Es gibt aber nur eine Volkswirtschaft, in welcher diese Zahlen ermittelt werden und in dieser ist die Geldmengenänderung erfolgt.

Warum werden diese Zahlen dann überhaupt erhoben? Wie ich bereits am Anfang gesagt habe, dienen diese Zahlen meiner Meinung nach, um die wirkliche Entwertung des Geldes zu verschleiern. Eine Überlegung dazu könnte sein, dass mit den Inflationszahlen die Lohnverhandlungen zwischen Unternehmern und Angestellten zu Gunsten der Unternehmer beeinflusst werden sollen. Dieser Gedanke greift aber zu kurz, weil der Unternehmer dadurch keinen direkten Vorteil hat, denn ein Lohnvorteil würde aufgrund der Konkurrenz zu niedrigeren Preisen führen und wäre so auch zum Vorteil der Angestellten.

Wer profitiert jetzt von der Inflation?

Zunächst profitiert derjenige welcher das neu geschöpfte Geld als Erster erhält. Das neue Geld trifft auf einen Markt der noch nicht weiß, dass das bestehende Geld weniger wert ist. Der Kreditnehmer kauft erst einmal zu alten Preisen und hat dafür keine Gegenleistung erbracht. Er hat auf Kosten aller Anderen seinen Besitz vergrößert. Das ist aber nur der erste Schritt. Der Kreditnehmer muss im Regelfall das Geld mit Zinsen zurückzahlen. Der Kreditnehmer erbringt also zu einem späteren Zeitpunkt eine Gegenleistung für die Gesellschaft, um das Geld nebst Zinsen wieder einzunehmen. Man kann darüber diskutieren, ob ein Hedgefonds, wenn dieser mit Kredithebeln Einnahmen generiert, eine Gegenleistung für die Gesellschaft erwirtschaftet, aber darum geht es hier nicht. Derjenige, welcher dem Kreditnehmer den anfänglichen Vorteil mittels Zinsen wieder abnimmt, ist der letztendliche Gewinner der Inflation. Beim geldschöpfenden Kreditgeber sammelt sich über die Zinsen der Inflationsgewinn. Diese Kreditgeber, die Banken und Finanzinstitute welche zur Geldschöpfung exklusiv berechtigt wurden, erhalten über diese Zinseinnahmen einen Anspruch auf die Güter der Gesellschaft. Die einzige Gegenleistung zuvor bestand in der Geldschöpfung selbst. Es mag jeder selbst beurteilen, ob dieses eine angemessene Gegenleistung darstellt. Meine persönliche Ansicht ist: Nein!

Dabei ist zu berücksichtigen, dass Angestellte durch Inflation am meisten geschädigt werden, da der Wert ihres vertraglich vereinbarten Arbeitslohns gesenkt wird. Eine Inflationsanpassung erfolgt immer nur nachträglich. Ein Ausgleich des vergangenen Inflationsverlustes findet meistens nicht statt. Dieses wäre nur möglich, wenn die Lohnsteigerung oberhalb der Geldmengenausweitung liegt. In den letzten Jahren lagen die Lohnabschlüsse aber sogar unterhalb der Inflationsrate und damit deutlich unterhalb der Ausweitung der Geldmenge. So wird der Teil der Bevölkerung, welche den gesellschaftlichen Wohlstand produziert, stetig um den Ertrag seiner Arbeitsleitung gebracht. Für 2012 wird auf Basis des Verbraucherpreisindex eine Reallohnsteigerung von 0,5% unterstellt. Würde man jetzt stattdessen die Änderung in Bezug zur Geldmengenänderung setzen, bedeutet es für 2012 eine Änderung von – 3,6%.

Neben dem beschrieben Aspekt der Unmöglichkeit der Messung, gibt es weitere Punkte, welche ich grundsätzlich in Frage stelle, auch wenn ich diese jetzt nicht weiter argumentiere: Warum sollte es nötig sein, entsprechend der Quantitätsgleichung, die Geldmenge zu ändern, um ein bestimmtes Preisniveau zu stabilisieren? Warum sollte es nötig oder gar sinnvoll sein eine Inflation von 2% zu erzwingen?

Änderungen 2023

Da die meisten Links welche ich im Artikel referenziert hatte inzwischen nicht mehr verfügbar sind habe ich die Verweise im Artikel entfernt. Stattdessen hier einige neue Links zu Zahlen zum Verbraucherpreisindex und der Geldmenge.

Destatis zum Verbraucherpreisindex
Destatis Publikation zur Deflationsdiskussion
Daten zum Verbraucherpreisindex für Deutschland und andere Länder Europas
Statistiken der Bundesbank zum deutschen Beitrag der Geldmengenentwicklung M3
Zahlen von Destatis zum Bruttoinlandsprodukt

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Koffer packen ohne Rechte https://martinfinger.de/koffer-packen-ohne-rechte/ Sun, 25 Aug 2013 15:39:00 +0000 Nun geht es also los, eine lange und spannende Reise erwartet uns. Aber etwas was ich auf der langen Reise nicht mitnehmen kann, sind meine Rechte. Natürlich könnten ich ein BGB einpacken oder ein Ausdruck der Charta der Menschenrechte oder vielleicht besser noch eine Kopie der Menschenpflichten. Aber in welcher Sprache? Was nützt es mir, […]

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Nun geht es also los, eine lange und spannende Reise erwartet uns. Aber etwas was ich auf der langen Reise nicht mitnehmen kann, sind meine Rechte. Natürlich könnten ich ein BGB einpacken oder ein Ausdruck der Charta der Menschenrechte oder vielleicht besser noch eine Kopie der Menschenpflichten. Aber in welcher Sprache? Was nützt es mir, wenn niemand außer mir diese Texte lesen kann? Habe ich diese Rechte dann trotzdem? Sollte ich eine Mütze oder ein Stirnband tragen auf dem steht, dass ich Rechte habe, damit sie von niemandem übersehen werden? Habe ich damit die Sicherheit in keinem Land angegriffen zu werden? Werden alle Menschen denen ich begegne friedvoll und freundlich mit mir umgehen, wenn ich diese Mütze aufsetzte? Aber wenn ich nachts die Mütze abnehme, lege ich diese Rechte dann auch ab?

Ja, jetzt können jemand einwenden, ich habe diese Rechte doch immer und sie sind unveräußerlich. Aber wenn dem so wäre, wie kommt es dann, dass es Menschen gibt, die diese Rechte anderen Menschen nicht gewähren? Wie kommt es, dass es Menschen gibt, die anderen Menschen etwas Unveräußerliches trotzdem wegnehmen können? Ich denke Sie wissen was ich meine, ich muss nicht im Detail ausführen zu welchen Taten Menschen anderen Menschen gegenüber in der Lage waren und auch heute noch sind. In der Hinsicht, sind wir nicht zivilisierter geworden sondern immer noch Barbaren, die sich gegenseitig bereit sind zu verletzen und zu töten. Egal ob mit der Waffe oder dem Wort.

Aber was sind Rechte dann? Eine Illusion so wie es George Carlin auf den Punkt gebracht hat? Rechte sind ein Konzept, eine Idee, ein Mem. Ideen werden Realität wenn Menschen entsprechend handeln. Das bringt uns zu dem Punkt zu erklären, was es meint wenn wir von Rechten sprechen. Es ist eine Verkürzung von einer langen Kette von Handlungen. Eine Ausführung dafür stammt von Norbert Lennartz. Er beschreibt hier eine Alternative zur Eigentumsdefinition von John Locke. Die Definition von Locke geht davon aus, dass ich ein unbeschränktes und ewiges Eigentumsrecht auf einen Gegenstand oder ein Stück Land begründe, sobald irgendeine Form von Arbeit von mir darin eingeflossen ist. Was in der absoluten Form – nicht von Locke selbst, der dafür Grenzen beschreibt – wie es von manchen Libertären gerne dargestellt wird, aus meiner Sicht langfristig von der Freiheit in die Sklaverei führt. Denn Freiheit benötigt Raum in dem sie sich entfalten kann. Wenn aber die gesamte Erde in Privatbesitz ist und jeder dieser Eigentümer das Recht hätte diesen Besitz einseitig beizubehalten, wo sollte ein neu geborener Mensch dann Raum haben für seine eigene Freiheit?

In den Ausführungen von Lennartz wird dieses absolute Eigentumsrecht zu einem relativen, welches nur dann funktioniert wenn Eigentümer und Nichteigentümer die Besitzverhältnisse gegenseitig respektieren. Tun sie es nicht oder nicht mehr, gibt es einen Konflikt der einer Einigung bedarf. Da hier beide Interessen, des Eigentümers und des Nichteigentümers gleichwertig betrachtet werden, ist dieses aus meiner Sicht eine bessere Basis für eine universelle Ethik, als wenn der Nichteigentümer in seinen Interessen grundsätzlich als Aggressor gesehen wird, wenn dieser die Rechtmäßigkeit eines absoluten Eigentumsrechtes in Frage stellt. Insofern trägt bereits die Bereitschaft des Eigentümers zur Verhandlung dazu bei, friedlichere Lösungen zu finden als im Fall vom Bestehen auf einseitig definiertem Recht. Denn wenn eine Seite darauf beharrt ein Recht zu besitzen, welches von der Gegenseite nicht anerkannt wird, ist eine Konfliktlösung über Verhandlungen nicht oder nur erschwert möglich. Am Ende wird das Recht des Schwächeren durch das Recht des Stärkeren ersetzt. Es sind friedliche Pausen denkbar, solange eine Seite nicht stark genug ist, sich gegen die andere zu erheben. Einer kooperativen Gemeinschaft wird eine solche Anspruchshaltung immer ein Hemmnis sein.

In einer freien Gesellschaft kann es kein Recht geben, auf welches sich ein Individuum einseitig berufen kann, um etwas von einem anderen Individuum zu erhalten oder abzuwehren oder gar einzufordern. Dem Recht liegt gedanklich das Handeln und Wohlverhalten von Menschen zugrunde. Das bedeutet aber auch, dass es a priori – also vor dem Handeln von Menschen – kein Recht geben kann. Erst durch das Handeln von Menschen und insbesondere dem nicht Handeln von Menschen. Also dem Verzicht auf Handlungen welche einem anderen Schaden zufügen. Erst mit diesem Handeln entsteht zwischen Personen ein Konsens darüber welche Rechte man für sich selbst gerne in Anspruch nehmen möchte und diese im gleichen Zuge natürlich auch dem anderen gewährt. Gleiches gilt für die Unterlassung bestimmter Handlungen. Ein schönes Beispiel zum Unterschied zwischen Recht aufgrund von Geboten und Recht welches durch Selbstverpflichtung geschaffen wird, ist die unterschiedliche Sichtweise der Zehn Gebote in den Religionen und bei Neale Donald Walsch. Währen Gebote von einer Person ausgesprochen werden, damit diese von anderen befolgt werden und damit eher eine Form der Machtausübung darstellen, ist eine Selbstverpflichtung immer nur auf die eigene Person gerichtet und somit eine einseitige Willenserklärung.

Da der Begriff Recht aufgrund seine gegenwärtigen Bedeutung eher missverständlich ist, weil es vor allem einseitige Anspruchsbeziehungen gegenüber anderen beschreibt, möchte ich lieber bei den Begriffen bleiben, die diesem Begriff zugrunde liegen. Auch im Wörterbuch der Gebrüder Grimm wird deutlich, dass der Begriff für eine freie Gesellschaft, wo eben nicht alles festgelegt ist, einfach nicht passend ist. Daher verwende ich in diesem Zusammenhang lieber Begriffe wie Absprachen, Vereinbarungen, Selbstbeschränkung oder Selbstverpflichtung. Alles Begriffe die deutlicher aufzeigen können, dass entweder eine Interaktion mit anderen nötig ist oder es nur einen selbst betrifft.

Soweit eine erste Erklärung dazu, warum wir mit leichtem Gepäck reisen. Wir werden uns an anderer Stelle noch stärker damit auseinandersetzten, in welcher Form wir mit anderen umzugehen breit sind. Vor allem in Bezug auf den freien Markt wird es ein wichtiger Aspekt sein. Das Festhalten an Rechten entspringt vor allem einem Bedürfnis nach Sicherheit und sagt auch etwas darüber aus, wie unser eigenes Menschenbild ist. Erwarte ich Gutes von anderen Menschen und habe Vertrauen, dann fühle ich mich auch in einem Umfeld sicher, in dem es kaum feste Regeln gibt. Wenn ich aber eher Schlechtes erwarte und mir zu vertrauen schwer fällt, ist es wahrscheinlich, dass ich Rechte benötige um mich sicherer zu fühlen.

Die Koffer sind gepackt und wir begeben uns auf die Reise. Natürlich stellt sich aber schon jetzt die Frage: Wer soll das alles bezahlen? Mal sehen welche Möglichkeiten wir hier finden und ob wir aus dem Vollen schöpfen können.

Mein Video zum diesem Beitrag: Keine Rechte a priori

Weiterführende Links zu angesprochenen Themen:
George Carlin to rights
Grimm Wörterbuch: Freiheit, Recht
Grundgesetz
HumanResponsibilities from InterAction CouncilDeutsch
John Locke zum Eigentum
Mem
N. D. Walsh, Gespräche mit Gott: Die zehn Gebote
UN Charta der Menschenrechte
Zehn Gebote bei der EKD

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Die Reise beginnt https://martinfinger.de/die-reise-beginnt/ Wed, 07 Aug 2013 06:42:00 +0000 Hiermit starten wir zu unserer ersten Reise. Genauer stelle ich erst einmal die Planung der Reiseroute vor. Ich hoffe Sie als Leser werden ein paar interessante Stationen dabei entdecken, welche Sie gerne mit mir besuchen werden. Eine Reise beginnt immer damit Abschied zu nehmen, von Dingen welche man selbst liebgewonnen hat. Daher werde ich mit […]

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Hiermit starten wir zu unserer ersten Reise. Genauer stelle ich erst einmal die Planung der Reiseroute vor. Ich hoffe Sie als Leser werden ein paar interessante Stationen dabei entdecken, welche Sie gerne mit mir besuchen werden.

Eine Reise beginnt immer damit Abschied zu nehmen, von Dingen welche man selbst liebgewonnen hat. Daher werde ich mit einem Punkt beginnen, der mir selbst lange Zeit Kopfzerbrechen bereitet hat. Es geht um das Thema Rechte. Immer wieder hatte ich die Vorstellung, dass es universelle Rechte geben müsse. Rechte die so selbstverständlich sind, dass sie einem Menschen von Natur aus zu eigen sind. In unserer ersten Station wird es darum gehen, das Konzept von statischem Recht loszulassen, welches vermeintlich ohne menschliches Handeln auskommt.

Im Anschluss werden wir uns direkt auf große Fahrt begeben und uns den tiefen Wassern der Geldschöpfung anvertrauen. Wir werden einen Tauchgang wagen und so illustre Dinge wie Zins und Zinseszins beobachten können.

Danach reisen wir weiter in die teilweise unbekannte Welt der Selbstverantwortung, mit einzelnen Stationen in denen es um Selbstbestimmung geht, um die Mysterien der demokratischen Staatsformen und zu lernen, dass ein Ismus keine Beschreibung von etwas darstellt.

Als nächstes haben wir ein Abenteuer vor uns. Wir machen uns auf die Suche nach dem freien Markt. Versuchen herauszufinden ob es nur ein kleines scheues Wesen ist oder doch eine wilde unbezähmbare Bestie, die in Ketten geschlagen gehört.

Am Ende unsere ersten Reise machen wir einen Ausflug nach Utopia. Ein Land in dem die Menschen noch Geld verwenden, aber ein Geld, dass so anderes funktioniert als unser heutiges. Ein Geld, welches seinen Weg zu jedem Menschen findet. So das jeder Mensch seine Grundbedürfnisse befriedigen kann. Dabei werden wir verstehen, was der Unterschied ist zwischen Reichtum, Vermögen und Wohlstand.

Nach den viele Wochen, die wir dann schon unterwegs waren, kehren wir mit der Kraft des Windes wieder nach Hause zurück. Während des Fluges betrachten wir, was es bedeutet Menschen zu verurteilen. Wer das Recht hat dieses zu tun und überlegen die Vorteile, die es haben kann, wenn Menschen Wiedergutmachung leisten, statt bestraft zu werden.

Ich wünsche uns nun eine schöne Reise.

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